Mit steigender Nachfrage und wachsendem Konkurrenzdruck kennt die Elektromobilität seit den letzten Jahren einen steigenden Trend. Verschiedene Aspekte spielen dabei eine wichtige Rolle: politische Aspekte wie strengere Regulationen, Kaufprämien und Investitionen in die Ladeinfrastruktur, Ökologische Aspekte wie das hohe CO2-Reduktionspotential von Elektroautos, technologische Aspekte wie die Batterietechnologie, ökonomische Aspekte wie die Nachfrage nach Rohstoffen (Erdöl, Kupfer und Lithium) und gesellschaftliche Aspekte wie die Akzeptanz der Elektromobilität bei den Kunden.
Eine steigende Produktion von Elektroautos wird einen Wandel in der Wertschöpfungs- und Beschäftigungsstruktur herbeiführen. Davon ist Baden-Württemberg als internationaler Player in der Automobilindustrie mit ca. 220.000 Beschäftigte und mehr als 113 Milliarden Euro Umsatz stark betroffen.
Bei Elektrofahrzeugen entfallen mehrere Komponenten des Antriebsstrangs wie Verbrennungsmotor Getriebe und Kupplung. Bei Hybridfahrzeugen wird zusätzlich zum konventionellen Powertrain ein elektrischer Antriebsstrang verbaut. Dieser Wandel führt zu einer Verschiebung der Wertschöpfungsanteile und zu sinkenden Umsätzen bei den Zulieferern von konventionellen Komponenten und zu steigenden Umsätzen bei den Zulieferern von Elektrik/Elektronik- und Batteriekomponenten.
Durch diesen Wandel steigt das Beschäftigungspotential in der Batterieindustrie auf 3622 bis 4132. Bei den Zulieferern von Leistungselektronik, Elektromotoren und Ladesysteme steigt ebenfalls das Potenzial auf 2750 bis 3137. Bei den konventionellen Komponenten sinkt das Potential um 970 bis 1106. Bei den Effizienztechnologien verringert es sich auch um 1098 bis 1253.
Trotz dem hohen Beschäftigungspotential bei der Batterieindustrie wird es kurz- bis mittelfristig in Baden-Württemberg aus mangelnder Wirtschaftlichkeit, hohem Lohnniveau, nicht ausreichender Nachfrage, fehlenden Skaleneffekten und starkem Wettbewerb aus Asien und den USA für die aktuelle Generation der Batterietechnologie keine Batteriefabrik geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Antriebsarten
2.2 Aspekte der Elektromobilität
2.2.1 Politische Aspekte
2.2.2 Ökologische Aspekte
2.2.3 Technologische Aspekte
2.2.4 Ökonomische Aspekte
2.2.5 Gesellschaftliche Aspekte
3 Automobilstandort Baden-Württemberg
4 Wandel in der Wertschöpfungsstruktur
4.1 Wertschöpfungsstruktur eines konventionellen Fahrzeugs
4.2 Wertschöpfungsstruktur eines elektrisch getriebenen Fahrzeugs
4.3 Wertschöpfungsstruktur eines PHEV
4.4 Wertschöpfungsverschiebung durch Elektrifizierung
5 Auswirkungen auf die Beschäftigung in Baden-Württemberg
5.1 Vorgehensweise
5.2 Volumen des Komponentenmarktes in 2025
5.3 Volumen des Komponentenmarktes in Baden-Württemberg
5.4 Auswirkungen auf die Beschäftigung in Baden-Württemberg
6 Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der zunehmenden Elektromobilität auf die Wertschöpfungs- und Beschäftigungsstruktur der Automobilzulieferindustrie im Bundesland Baden-Württemberg bis zum Jahr 2025. Ziel ist es, auf Basis von Marktprognosen und technologischen Veränderungen zu ermitteln, welche Branchen von diesem Strukturwandel profitieren und bei welchen Segmenten Arbeitsplatzverluste zu erwarten sind.
- Analyse der technologischen, politischen, ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte der Elektromobilität.
- Untersuchung der Unterschiede in der Wertschöpfungsstruktur von konventionellen Fahrzeugen, PHEVs und BEVs.
- Modellierung des Komponentenmarktes für das Jahr 2025 zur Quantifizierung des Strukturwandels.
- Ableitung der Auswirkungen auf Beschäftigungspotenziale im Autoland Baden-Württemberg.
- Diskussion über die Wirtschaftlichkeit einer lokalen Batteriezellenproduktion.
Auszug aus dem Buch
4.2 Wertschöpfungsstruktur eines elektrisch getriebenen Fahrzeugs
Für die Produktion von Elektrofahrzeugen werden aus den konventionellen Fahrzeugen Teile aus der Karosserie, Fahrwerk und Interieur übernommen. Viele andere Komponenten müssen verändert werden oder werden nicht mehr verbaut. Die folgende Grafik liefert einen Überblick über die Änderungen bei der Komponentenstruktur.
Die hauptsächliche Änderung beim Antriebsaggregat ist der Entfall des Verbrennungsmotors mit sämtlichen Abgas-, Luftversorgungs- und Kraftstoffsystemen. Sie werden durch einen Elektromotor und eine Batterie ersetzt. Ein stark modifiziertes Kühlungssystem ist für die Kühlung des Elektromotors und der Batterien weiterhin notwendig. Nebenaggregate wie Lichtmaschine, Anlasser, und sämtliche Pumpen werden nicht mehr benötigt.
Da Elektromotoren ihr maximales Drehmoment schon im Stillstand abgeben können, brauchen Elektroautos keine Getriebe mehr und daher keine Kupplung. Die Antriebswellen müssen auch angepasst werden, da der Elektromotor meistens direkt zwischen den antreibenden Rädern sitzt und keine langen Antriebswellen braucht, die längs durch das Auto verlaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den weltweiten Trend zur Elektromobilität, getrieben durch strengere CO2-Vorgaben, und stellt die zentrale Problemstellung für den Automobilstandort Baden-Württemberg dar.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Antriebsarten sowie die wesentlichen politischen, ökologischen, technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf die Elektromobilität.
3 Automobilstandort Baden-Württemberg: Es wird die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie für Baden-Württemberg dargestellt, inklusive einer Übersicht der größten Unternehmen und ihrer Spezialisierungen.
4 Wandel in der Wertschöpfungsstruktur: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Verschiebungen in der Wertschöpfungskette durch den Wegfall konventioneller Komponenten und das Hinzukommen elektrischer Antriebsmodule.
5 Auswirkungen auf die Beschäftigung in Baden-Württemberg: Basierend auf einer quantitativen Modellierung des Komponentenmarktes für das Jahr 2025 werden die Verschiebungen bei den Beschäftigungszahlen berechnet.
6 Diskussion und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert und die betriebs- sowie volkswirtschaftlichen Herausforderungen einer Batteriezellfertigung in Baden-Württemberg diskutiert.
Schlüsselwörter
Elektromobilität, Wertschöpfungsstruktur, Beschäftigungseffekte, Baden-Württemberg, Automobilzulieferindustrie, Batterietechnologie, Antriebsstrang, Strukturwandel, Komponentenmarkt, CO2-Reduktion, Plug-In-Hybrid, Batteriezellenfabrik, Skaleneffekte, Automobilstandort, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit untersucht, wie sich der Übergang von Verbrennungsmotoren hin zur Elektromobilität auf die Wertschöpfungskette und die Arbeitsplätze in der baden-württembergischen Automobilzulieferindustrie auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der technologischen Veränderungen im Antriebsstrang, der wirtschaftlichen Prognose für Komponentenmärkte bis 2025 und der daraus resultierenden Beschäftigungssituation im Bundesland.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist die quantitative Bestimmung der Beschäftigungseffekte (Gewinne und Verluste) durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs unter Berücksichtigung der spezifischen industriellen Struktur Baden-Württembergs.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu technologischen Trends, einer Meta-Studie zur Prognose des Komponentenmarktes 2025 und die FTE-Methode (Full Time Equivalent) zur Berechnung von Beschäftigungseffekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, die detaillierte Analyse der Wertschöpfungsverschiebungen bei verschiedenen Fahrzeugtypen (ICE, PHEV, BEV) und die anschließende Berechnung der Beschäftigungsauswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Elektromobilität, Strukturwandel, Wertschöpfungsverschiebung, Baden-Württemberg, Automobilzulieferer und Beschäftigungspotenzial.
Warum ist eine Batteriefabrik in Baden-Württemberg derzeit kaum wirtschaftlich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass hohe Lohnkosten, mangelnde Skaleneffekte aufgrund geringer lokaler Nachfrage und starker internationaler Wettbewerbsdruck aus Asien und den USA ein rentables Betreiben kurz- bis mittelfristig verhindern.
Wie verändert sich der Beschäftigungsbedarf bei den verschiedenen Zuliefergruppen?
Während bei der Batterieindustrie sowie bei Zulieferern für Leistungselektronik und Elektromotoren ein erheblicher Beschäftigungsaufbau prognostiziert wird, sinkt das Potenzial bei Herstellern konventioneller Komponenten (wie Getriebe oder Abgassysteme) und Effizienztechnologien deutlich.
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- Selmen Laabidi (Author), 2016, Wertschöpfungs- und Beschäftigungsauswirkungen der Elektromobilität auf die Zulieferindustrie in Baden-Württemberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371952