Die Metapher in den russischen Printmedien


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

I.Einleitung

Die Entwicklung der politischen Metapher in der gegenwärtigen Sprachwissenschaft befindet sich erst am Anfang. Das Phänomen der politischen Metapher wird erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts als wissenschaftsrelevant angesehen. Das rasant steigende Interesse der Sprachwissenschaftler ist mit der steigenden Popularität der Metaphern in der mündlichen und schriftlichen politischen Sprache zu erklären. Politische Sprache in Russland ihrerseits ist eng mit historischen Ereignissen des Landes verbunden. Mit der ständigen Entwicklung aller politischen Bereiche in Russland zum Positiven steigt kontinuierlich auch das Niveau der politischen Sprache an. Die Redekunst wurde somit zu einer der wichtigsten Voraussetzungen für den politischen Erfolg. Nun möchte man sich möglichst klar, aber gleichzeitig auf einem gehobenen sprachlichen Niveau ausdrücken, denn eine schlechte Sprache eines Politikers ist zugleich sein Armutszeugnis. Die modernen Wähler in Russland sind mittlerweile in der Lage, Politiker weitgehend objektiv einzuschätzen, was im Verglich zu den wilden 90ern nicht der Fall gewesen war. Auch der allgemeine Trend unserer Zeit zum Perfektionismus in allen möglichen Bereichen dient zur Ausbildung der metaphorischen Redekunst. Generell gesehen, sind Politiker unter sich Konkurrenten und viele unter ihnen benutzen ihre Sprache zum Hauptmittel im Kampf um die Macht. Man kann sogar behaupten, dass unter diesen Konkurrenzbedingungen sich eine theatralisierte Sphäre der politischen Welt entwickelt hat. Das Interesse an dieser verbalen Welt der Politiker steigt von Jahr zu Jahr. Man versucht sich damit auseinander zu setzen, um zu verstehen, was für Absichten in ihrer verbalen Welt verfolgt werden.

Die Untersuchung der metaphorischen politischen Sprache ermöglicht es, die unbewussten Mechanismen der Rede eines Sprechers und sein wahres Verhältnis zu einem Problem zu verstehen, meinen Sprachwissenschaftler E.W.Budajev und A.P.Cudinov, 2008, S. 5. In ihrem Bestreben, ein Sprachgenie zu werden, setzen unsere Politiker unterschiedliche sprachlichenAusdrucksmittel ein. In meiner Arbeit aber widme ich meine Aufmerksamkeit der seit der Antike ewigen und unsterblichen Metapher als einer der meistverbreiteten und mächtigsten Sprachmittel einer jeder Weltsprache. Die Metapher möchte ich unter einem bestimmten Blickwinkel betrachten, und zwar unter dem der Graduierung. So haben sich die Metapher und ihre Graduierung als Objekt und Gegenstand meiner Untersuchung herausgebildet. Von daher ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung die Ausarbeitung der Qualität und der Funktionen von Metaphern an wahren Beispielen aus den führenden politischen Printmedien in Russland.

Ob die Annahme berechtigt ist, wonach die moderne Metapher in der russischen politischen Sprache von kaum zu überschätzänder Bedeutung ist, wird diese Untersuchung zeigen.

II. Theoretische Begründung des Objektes und des Gegenstandes der Arbeit.

Die intellektuelle Qualität dieser Arbeit benötigt zunächst eine sehr genaue Auseinandersetzung mit grundlegenden Termini bezüglich des Objektes und des Gegenstandes der Arbeit.

Wie schon erwähnt, ist die politische Metapher mein Forschungsobjekt. Die erste Lehre über die Metapher als solche ist schon auf Aristoteles zurückzuführen. Er hat sie als Verfahren der Übertragung einer Wortbedeutung auf ein anderes Wort auf der Basis einer einfachen Ähnlichkeit bezeichnet. Seiner Meinung nach gibt die Metapher die Möglichkeit und das Recht von der Realität zu sprechen, in der man das Reale und das Unmögliche verbinden darf, d. h. ein Gegenstand angesichts der Ähnlichkeit mit einem nicht zu ihm gehörendem Namen zu bezeichnen. Danach bedeutet gute Metaphern zu bilden, sich Ähnlichkeiten zu merken. Cicero bezeichnet die Metapher als ein Verfahren zur Bildung von fehlenden Begriffen in der Sprache Genauso wie Aristoteles bezeichnet er die Metapher als eine Bedeutungsübertragung nach dem Ähnlichkeitsprinzip [2, S.5-6],

Unter der politischen Metapher wird in der modernen Wissenschaft ein Instrument für die Bewusstmachung, Modellierung und Beurteilung politischer Ereignisse und ihrer Einflüsse auf das soziale Bewusstsein verstanden [1, S.5], Politische Metaphorologie als selbstständiger Wissenschaftsbereich hat sich aus der politischen Linguistik und Kognitivistik herausgebildet. In der Linguistik wird die Metapher den sogenannten Tropen zugeordnet und in der Kognitivistik wird sie als mentales Phänomen bzw. als Produkt der Himtätigkeit betrachtet. So haben sich in der Metaphorologie zwei Richtungen herauskristallisiert: die semantische (Linguistik) und die kognitive (Kognitivistik). Unter den führenden Wissenschaftlern in beiden Bereichen sind insbesondere folgende Namen zu nennen: M. Jonson, D. Lackoff, R. Langacker, A. N. Baranov, W. W. Petrov, J. Fauconnier, E. S. Kubrjakova, E. W. Budajev, A. P. Cudinov und v.a.

Laut Budajev und Cudinov hat die Entwicklung der sowjetischen politischen Linguistik drei Perioden [1, S.28],

1. 20er - 30er Jahre - Untersuchungen von Veränderungen in der russischen Literatursprache nach der Revolution von 1917. Politische Sprache tendierte zur „Volkstümlichkeit“ (rus.: „narodnost“). Sie wurde speziell vereinfacht, damit jedermann sie verstehen konnte. Dies führte generell zur Senkung des sprachlichen Niveaus.
2. 30er - 40er Jahre - charakterisierten sich als die Periode einer Herausbildung der Sprache der führenden Funktionäre und der Arbeiter. Die beiden Bereiche wurden zu den wichtigsten Themen in der damaligen Linguistik. Außerdem wollte man herausfinden, was die sprachlichen Faktoren einer erfolg- und einflussreichen politischen Rede sind. Es hatte sich die These verbreitet, dass ein schlechter Sprecher unfähig sei, ein revolutionäres Land zu regieren.
3. 50er - 80er Jahre - Mediensprache als Forschungsgegenstand. Die Publizistik trägt einen eher ratschlaggebenden Charakter. Die wichtigsten Themen der politischen Linguistik waren weitere stilistische Differenzierungen und lexikalisch - phraseologische Bereiche der Sprache. Die Sprache diente der herrschenden Ideologie.

Die vorliegende Untersuchung wird entsprechend den Rahmenbedingungen des heutigen politischen Kontextes und unter dessen Einfluss erfolgen, welches in diesem Falle nicht ganz zu vermeiden ist. Daher sind die materialbildenden Strukturen eng mit den gegenwärtigen politischen Prozessen und Gegebenheiten verbunden. Die Beispiele aus den russischen Printmedien haben aber nichts mit politischer Überzeugung des Autors dieser Arbeit zu tun, sondern lediglich mit dem wissenschaftlichen Interesse an der Metapher als linguistischem Phänomen.

Bei dem Aufbau des Materialienkorpus muss man sich entscheiden, was für Materialientypen für die Arbeit relevant sind. Und zwar muss man als erstes den Rahmen des beabsichtigten Untersuchungsobjekts bestimmen. Hier geht es sowohl um die inhaltliche Klassifizierung und Selektion der Materialien als auch um die Bestimmung des thematischen Diskurses. Laut den Sprachwissenschaftlern A.Cudinov und E.Scheigal sind die Materialien nach folgenden Typen zu untersuchen [1, S.101-102]: Im ersten Materialientyp sind nur solche Materialien, die unmittelbar von den Politikern stammen. Dazu gehören politische Reden, Interviews, Memoiren, selbstverfasste Bücher u. s. w. Bei der Untersuchung nach der zweiten Herangehensweise benutzt man nicht nur die von den Politkern erschaffenen Texte, sondern auch andere Texte, die den politischen Problemen gewidmet worden waren. Dazu gehören journalistische Berichte, Artikel, Leserbriefe, Kommentare und Ähnliches. Im Vergleich zu dem ersten Typus von Materialien ist dieser Typus viel umfangreicher und hat einen viel breiteren Untersuchungsbereich, welcher in vielerlei Hinsicht für eine Hausarbeit relevanter ist.

Nun bildet sich das Untersuchungsobjekt deutlicher heraus. Es ist eine Gruppe von Texten des Typus zwei. Durch diese Klassifizierung ist nun die Breite der Arbeit an dem Untersuchungsobjekt bestimmt. Es ist jedoch noch nicht klar genug, in welchem thematisch­diskursiven Bereich es sich befindet.

Die diskursive Untersuchung der politischen Metapher hat viele Wissenschaftler beschäftigt. In ihren Arbeiten wird vor allem die Frage nach Kriterien und Grenzsetzungen in unterschiedlichen Diskursen erörtert. Sprachwissenschaftlerin E. Kubrjakova definiert den Terminus „Diskurs“ als ein Konzept, das unklare Vorstellungen von einem Phänomen in eine Gestalt zusammenbringt, wobei die in bestimmten kommunikativen Bedingungen geschaffene sprachliche Aktion wiedergespiegelt wird. Wissenschaftler Karaulov und Petrov betrachten diesen Terminus als „zusammengesetztes kommunikatives Phänomen, das außer eigentlichem Text zusätzliche extralinguistische Faktoren zum Verstehen dieses Textes in sich konzipiert. Zu diesen Faktoren gehören das Weltwissen, Meinungen, Ansichten und Ziele des Kommunizierenden“, (rus.: „дискурс — это сложное коммуникативное явление, включающее кроме текста, ещё и экстралингвистические факторы (знания о мире, мнения, установки, цели адресата), необходимые для понимания текста“) [1, S.89],

Е. Budaev und А Cudinov unterscheiden folgende Arten des Diskurses [1, S.90-130]:

1. National-politischer Diskurs. Die meisten Publikationen sind in Rahmen von einem oder von zwei politischen Diskursen verfasst. Sie sind auf die politische Kommunikation von einem oder von zwei Ländern orientiert.
2. Politisch-historischer Diskurs. Die meisten Untersuchungen sind den politischen Metaphern vom Ende des 20. Jahrhunderts bis in das 21. Jahrhundert hinein gewidmet.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Metapher in den russischen Printmedien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V371984
ISBN (eBook)
9783668501775
ISBN (Buch)
9783668501782
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
metapher, printmedien
Arbeit zitieren
Elina Loginova (Autor), 2015, Die Metapher in den russischen Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371984

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