Die Grundprobleme des selbstorganisierten Lernens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Begriffserklärung: Selbstorganisiertes Lernen

3. Methode

4. Ergebnis

5. Diskussion und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Müssen wir heute wieder so lernen wie wir selber wollen oder dürfen wir das tun, was Sie von uns verlangen?“ (Greif/Kurtz 1998, S.29) In der alltäglichen Praxis leben wir mit fremdgesteuertem Lernen ohne Schwierigkeiten: Wir werden angeleitet, immer dazu zu lernen, um uns an die ständig wachsenden Anforderungen anzupassen. In diesen Fällen wissen wir ausreichend genau, was zu tun ist. Dagegen scheint es äußert schwierig, selbstorganisiert zu lernen. Dies zeigt sich darin, dass in der Forschung einige Grundprobleme selbstorganisierten Lernens auftreten.

Deshalb widmet sich diese Arbeit der Frage:

Hierbei konzentriert sie sich darauf, einige Grundprobleme der Lernform des selbstorganisierten Lernens zu dokumentieren. Zunächst wird die Problematik der Begriffsbestimmung selbstorganisierten Lernens aufgezeigt. Anschließend werden individuelle, lernseitige und objektive, sowie situative Grundprobleme behandelt. Im Rahmen dieses Punktes sollen Lösungsansätze für einige Probleme thematisiert werden.

2. Theoretische Begriffserklärung: Selbstorganisiertes Lernen

„Schüler müssen den Lerninhalt individuell umstrukturieren, um ihn aufzunehmen. Außerdem haben sie immer Möglichkeiten, das zu Lernende offen oder zumindest für sich selbst zu kritisieren.“ (Greif/kurz 1998, S. 27f., Herold/Herold 2013, S. 30) Selbstorganisiertes Lernen, auch autopoietisches Lernen genannt, basiert auf einem systemisch-konstruktivistischen Verständnis. Der Mensch gilt hierbei als lernendes System, das sich selbst organisiert. Der Lernprozess ist also individuell. Lernen basiert auf Grundlagen von Vorerfahrungen und Grundbedürfnissen. Erfolgreiches selbstorganisiertes Lernen erfordert ein komplexes Zusammenspiel lernseitiger, also kognitiver und motivationaler aber auch situativer Komponenten im Sinne von Unterstützung durch Lehrende. (vgl. Kraft 1999, S. 835f.) Menschen brauchen also sowohl individuelle als auch kooperative Lernphasen.

So soll gelernt werden, eigene Strukturen zu erarbeiten, selbst aktiv zu strukturieren und nicht das vom Lehrenden zu übernehmen, was wenig bis gar nicht verstanden wird. „The self-directed learner is one who is able to make informed choices about what to learn and how to learn. “[1] (Nunan/Lamb 1996, S.156)

Selbstorganisiertes Lernen hat das Ziel, die Eigenverantwortlichkeit für das Lernen zu stärken, was nicht nur für den eigentlichen Lernprozess, sondern auch für das eigene Leben nützlich sein kann.

Man kann Wissen nicht kopieren, sondern muss es sich selbst erarbeiten. (vgl. Sander, S. 1) Demzufolge ist selbstorganisiertes Lernen kein wissenschaftliches Konzept, sondern eher das schrittweise Einüben selbstständigen und selbstverantwortlichen Arbeitens.Man darf selbstorientiertes Lernen nicht als Gegenstück zum fremdgesteuerten Lernen definieren. Es muss eine Balance zwischen fremd- und selbstgesteuerten Lernen gefunden werden. Eine Übertreibung in eine bestimmte Richtung sollte vermieden werden. Selbstorganisiertes Lernen ist ein ambivalenter Begriff mit Definitions- und Abgrenzungsproblemen. „Fremd“ vs. „selbst“ ist ein schwieriges Unterfangen, da jedes Lernen immer irgendwie fremd- und selbstgesteuert ist. (vgl. Kraft 1999, S.834)

3. Methode

Diese Arbeit basiert auf qualitativ hochwertigen Recherchen in Primär- und Sekundärliteratur sowie Informationen aus dem Seminar „Einführung in die Erwachsenenbildung“ an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Aufgrund mangelnder Untersuchungsergebnisse, wurde eine selbst initiierte Umfrage durchgeführt[2]. Hierbei wurden Befragte unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Berufes befragt, um eine möglichst große Spannweite der Untersuchungen zu erreichen. Die hohe Anzahl an Abiturienten/Abiturientinnen und Studenten/Studentinnen wurde absichtlich gewählt, um speziell eine Gruppe zu untersuchen, die mit dieser Lernform vertraut ist, und daraus resultierende Probleme analysieren zu können.

4. Ergebnis

Selbstorganisiertes Lernen bekommt immer größere Aufmerksamkeit. Sei es in Schulen, Hochschulen, beruflicher und betrieblicher Aus- und Weiterbildung, in der Erwachsenenbildung oder der Freizeit. Hierbei gibt es jedoch einige Problembereiche sowohl in Theorie als auch in der Praxis.

„Hauptsache ‚self-directed’ - was immer das ist -, dann ist man in der ‚adult-education’ auf alle Fälle auf der richtigen Seite.“ (Reischmann 1997, S. 125, Kraft 1999, S. 834) Selbstgesteuert bzw. selbstorganisiert zu lernen, ohne überhaupt zu wissen, wie man das tun soll, um sicher zu stellen, das Prinzip der Erwachsenenbildung richtig verstanden zu haben stellt bereits das erste Problem dar.

Problematisch ist zudem die unkritische Erfolgsproklamation. Es sind fast ausschließlich positive Bewertungen in einer unstrukturierten und ausufernden Diskussion vorhanden. Die Untersuchungen basieren vorwiegend auf erfolgreich abgeschlossenen Lernprozessen, wobei Gründe für Scheitern oder Abbruch, welche wichtige Informationen liefern würden, keine Aufmerksamkeit bekommen. (vgl. Kraft 1999, S. 834)

Darüber hinaus tendieren die Untersuchungen bei der Stichprobenwahl zur Orientierung an Lernprozessen bei Studierenden. Diese Personengruppe ist zwar leicht zu erreichen und zu befragen, dabei handelt es sich jedoch auch um „geübte Lerner“, die im Kontext des Studiums „selbstorganisiert“ sind. (vgl. Kraft 1999, S.840f.) Diese Untersuchungen sind daher wenig aussagekräftig. Es ist wichtig, Untersuchungen mit verschiedenen Personengruppen durchzuführen, da es unterschiedliche Lernende in den pädagogischen Praxisfeldern gibt.

Die theoretischen Ansätze sind gewiss gut, aber nicht zu 100% in die Praxis umsetzbar. Es ist ein Trugschluss, Weiterbildungsveranstaltungen oder Unterrichtsformen durch selbstorganisiertes Lernen ersetzen zu können. (vgl. Kraft 1999, S.842)

Eine eigene Untersuchung bestätigt dies. Bei einer vor kurzem durchgeführten Umfrage zur Nutzung selbstorganisierten Lernens zeigt sich sehr deutlich, dass erfolgreiches selbstorganisiertes Lernen vielfältige Unterstützungsprozesse erfordert. Folglich kann kaum alles komplett allein ohne Probleme erarbeitet werden. Doch genau davon wird ausgegangen.

Der Lernende verfügt erwartungsgemäß bereits über alle notwendigen Methoden, Strategien und das nötige metakognitive Wissen. Doch dass die Teilnehmer in der Erwachsenenbildung eher „lernentwöhnt“ sind und daher umso mehr Anleitungen benötigen passt nicht zum Bild des „perfekten Lerners“. Die Möglichkeit, dass auch Teilnehmer ohne höhere Schulbildung selbstorganisiertes Lernen in Anspruch nehmen und noch kein Vorwissen über den „perfekten“ Ablauf haben, wird nicht beachtet. (vgl. Kraft 1999, S.842)

Folglich ist zu erwähnen, dass selbstorganisiertes Lernen nicht für jeden gemacht ist. Es ist wichtig, sich selbst klar zu machen, „was ist richtig/passt optimal zu mir?“ Vielen Teilnehmern fehlt schlichtweg die Akzeptanz für das selbst erarbeitete. Sie verlassen sich ungern auf sich und empfinden es als komfortabler, wenn sie den Input von einer Lehrperson erfahren können.

Selbstorganisiertes Lernen ermöglicht die Bewältigung der Anforderungen, die sich aus der Notwendigkeit lebenslangen Lernens ergeben. Selbstorganisiertes Lernen wird folglich als Schlüsselqualifikation definiert, um lebenslänglich neue Anforderungen und Aufgaben zu bewältigen. Die Verantwortung für das Lernen und dessen Erfolg wird immer mehr vom Lernenden übertragen. Es ist eine individuelle Aufgabe, sich zu bemühen, die eigenen Qualifikationen ständig an die wandelnden Anforderungen anzupassen. Doch kann der Lernende selbst ständig neue Anforderungen bewältigen, wenn sogar Bildungsinstitutionen daran versagen? (vgl. ebd., S.839) „Weiterbildung ist längst zu einem Zwang geworden, der Staat ist jedoch nicht in der Lage, entsprechende Angebote zu gewährleisten. ... Weiterbildung soll vermehrt innerhalb wie außerhalb eines institutionellen Rahmens selbstorganisiert werden.“ (Weber 1998, S. 37, Kraft 1999, S. 843) Es scheint kontrovers, Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit mit dem Muss, die eigene Qualifikation eigenständig aneignen und sichern zu sollen zu vergleichen. Freiheit wird zum Zwang. (vgl. Kraft 1999, S. 843)

Der Vorbereitungs- und Lernaufwand ist bei selbstorganisiertem Lernen deutlich größer als bei anderen Lernformen. Die Forderung nach mehr Initiative, Mitarbeit, Entscheidungen und Selbstorganisationsaktivitäten impliziert somit auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung, wodurch viele Lernende überfordert sind.

Die Methoden, Strategien, etc. sind einem selbst überlassen. Dies kann zum Einen vielversprechend sein, da der Lernende sich den Lernprozess entsprechend seinen Vorstellungen gestalten kann. Andererseits birgt dies auch ein Risiko: Die Verantwortung für die Zeiteinteilung und das Erlernen der Methoden muss vom Lernenden übernommen werden. Die erfolgreiche Strukturierung ist dem Lernenden selbst überlassen. Jedoch ist genau dieser Prozess Grundlage, um zu lernen, wie man eigene Strukturen erarbeitet.

„Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozeß (!) und für die eigene Qualifikation bedeutet zudem immer auch Übernahme der Verantwortung für einen möglichen Mißerfolg (!) – mit allen entsprechenden Konsequenzen wie beispielsweise Scheitern oder Fehlqualifizierung.“ (vgl. Kraft 1995, Kraft 1999, S. 843)

[...]


[1] Der selbstgesteuerte Lernende ist derjenige, der in der Lage ist, fundierte Entscheidungen zu treffen, was zu lernen ist und wie man lernt.

[2] Fragebogen und Auswertung im Anhang

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Grundprobleme des selbstorganisierten Lernens
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V372004
ISBN (eBook)
9783668501737
ISBN (Buch)
9783668501744
Dateigröße
1181 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwachsenenbildung, Selbstorganisiertes Lernen, Lernen, Lebenslanges Lernen, Didaktik
Arbeit zitieren
Luisa Wagner (Autor), 2016, Die Grundprobleme des selbstorganisierten Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372004

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Grundprobleme des selbstorganisierten Lernens



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden