Kinder und Jugendliche als Täter des sexuellen Missbrauchs. Welche Belastungs- und Risikofaktoren können innerhalb des Familiensystems dazu beitragen?


Studienarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Normales kindliches Sexualverhalten
2.2. Sexuelles Missbrauchsverhalten von Kindern und Jugendlichen

3. Zahlen und Fakten
3.1. Prävalenzraten: Kinder und Jugendliche als Täter

4. Risiko- und Belastungsfaktoren
4.1. Die Struktur der Herkunftsfamilien der jugendlichen Täter
4.2. Misshandlungen und Missbrauchserfahrungen innerhalb der Herkunftsfamilie
4.3. Die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren für die Entwicklung sexualisierter Gewalt
4.4. Merkmale sexuell aggressiver Kinder und Jugendlicher

5. Theoretisches Modell zur Entstehung sexuell auffälligen Verhaltens von Kindern
5.1. Bindungstheoretisches Modell

6. Typologie von Eberhard Schorsch

7. Empfehlung für den fachlichen Umgang mit übergriffigen Kindern in Kindertagesstätten

8. Fazit

9. Anhang

1. Einleitung

Im Folgenden schreibe ich eine Seminararbeit zum Thema „Kinder und Jugendliche als Täter des sexuellen Missbrauchs. Insbesondere beschäftige ich mich mit der Frage, welche Belastungs- und Risikofaktoren innerhalb des Familiensystems dazu beitragen, ein solches sexuell grenzverletzendes Verhalten zu bestärken oder vielleicht sogar erst hervorzurufen. Zum Einstieg möchte ich einen kurzen Werbespot von „Clicksafe“ erläutern: Ein Auto fährt vor und es wird bei Familie Dr. Vogel geklingelt. Die Mutter öffnet die Tür und lässt fremde Menschen ins Haus, darunter ganz offensichtlich Rechtsextremisten, die zu ihrem Sohn wollen. Das nächste Auto fährt vor und ein Kamerateam, samt pornographischen Darstellern kann ungehindert in das Haus gelangen, denn auch diese lässt die Mutter passieren. Die nächste Person tritt glatt die Haustür ein und schießt wild um sich. Offenbar eine Person aus einem Egoshooter Spiel, die Prozedur wiederholt sich. Als letztes klingelt ein etwas älterer Mann mit Brille: „ Guten Tag, ist das die kleine Anna?“. Die kleine Tochter der Familie steht mittlerweile mit ihrem Stoffhasen neben der Mutter. „Du hast aber einen niedlichen Hasen. Komm, ich zeige dir einen richtigen Hasen!“. Die Mutter lässt ihr Kind ungehindert mit dem Mann mitgehen. Alles Weitere bleibt offen und lässt den Zuschauer dieser Werbung mit Grauen an die Zukunft des Mädchens denken. Die Werbung von „Clicksafe“ wurde im Rahmen einer Initiative der EU gestaltet und soll Familien aufmerksamer machen, sodass ihre Kinder im Internet geschützt sind. Gerade der letzte Part mit dem Mann und dem Mädchen ist sehr eindrücklich. Auf das Thema der kindlichen und jugendlichen Täter bezogen, stelle ich mir die Werbung mit einem 14-jährigen vor, der die kleine Anna mitnimmt – erschreckend! Immer noch gibt es in unserer Gesellschaft die Wahrnehmung, dass Kinder und auch Jugendliche reine und sexuell uninteressierte Menschen sind. Die Vorstellung, dass bereits junge Heranwachsende sexuelle Neigungen haben und eventuell sogar ein sexuell grenzverletzendes Verhalten entwickeln können, ruft bei den meisten Menschen ein Unbehagen und Widerwillen hervor. Dabei werden ein Drittel aller Sexualdelikte von Kindern und Jugendlichen verübt (Vgl. Enders, 2006, S.371). Doch welche Belastungs- und Risikofaktoren können innerhalb des Familiensystems zu diesem sexuell unangemessenen Verhalten beitragen? Da diese Thematik erst in den letzten Jahren auch gesellschaftlich mehr in den Vordergrund gerückt ist, habe ich mich entschieden, dieses Thema meiner Hausarbeit zu widmen. Da ich als ausgebildete Erzieherin bereits einige Erfahrungen und Beobachtungen hinsichtlich sexuell grenzverletzenden Verhaltens bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren gemacht habe, interessiert mich dieses Thema zusätzlich. Ziel dieser Ausarbeitung ist es, die Wichtigkeit des Hintergrundes bezüglich der Herkunftsfamilie und der familiären Biographie der kindlichen und jugendlichen Täter aufzuzeigen. Zu Beginn werde ich das normale kindliche Sexualverhalten und das sexuelle Missbrauchsverhalten von Kindern und Jugendlichen definieren, damit jeder Leser auf dem gleichen Wissensstand ist. Es gibt zudem etliche Definitionen, die z.T. erhebliche Unterschiede aufweisen, sodass es wichtig ist, zu wissen, mit welcher Ausgangsdefinition gearbeitet wird. Danach nenne ich Zahlen und Fakten aus dem Hell- und Dunkelfeld, mit Zuhilfenahme der polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2014 (PKS) und einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2015. Im Anschluss geht es um den Kern der Hausarbeit, nämlich um die Belastungs- und Risikofaktoren innerhalb der Herkunftsfamilien der kindlichen und jugendlichen Täter. Dabei sollen die eventuellen Familienstrukturen, die Folgen eigener Misshandlungen und Missbrauchserfahrungen in der Familie, die sozioökonomischen Faktoren und die Merkmale sexuell aggressiver Kinder und Jugendlicher aufgezeigt werden. Sodann erläutere ich das bindungstheoretische Modell nach Bowlby zur Entstehung sexuell auffälligen Verhaltens von Kindern und die Tätertypologie nach Schorsch. Zum Abschluss gebe ich einen Einblick in die Empfehlungen für den fachlichen Umgang mit übergriffigen Kindern in Kindertagesstätten. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter. Des Weiteren sei darauf zu achten, dass keine meiner Ausführungen ein eindeutiges Indiz für einen kindlichen und jugendlichen Täter sein muss. Frei nach dem Motto „alles kann, nichts muss“, ist besonders bei Zuweisungen von Merkmalen sexuell grenzverletzender Kinder und Jugendlicher Vorsicht walten zu lassen, um etwaige Kategorisierungen und vorschnelle Schlüsse zu ziehen, die Pädagogen im Nachhinein vielleicht bereuen.

2. Definitionen

2.1. Normales kindliches Sexualverhalten

Bereits im frühkindlichen Alter beginnen Kinder an sich, aber auch mit Beteiligung anderer Kinder, eine Vielzahl an sexuellen Handlungen zu erproben. Pädagogen, wie auch Eltern sind häufig überfordert und verunsichert, wenn sie solche Situationen zwischen Kindern beobachten. Dabei ist bis heute hin unerforscht, in welchem Ausmaß diese kindlichen sexuellen Spiele altersgemäß und normal sind. Ein angeborenes sexuelles Bedürfnis ist etwas ganz Normales und der Mensch ist von sich aus wissbegierig und neugierig. Erwachsene denken beim Thema „Sexualität“ oftmals nicht an Kinder und Säuglinge. Der Mythos vom „unschuldigen“ und „reinen“ Kind ist bis heute aktuell in der Gesellschaft verankert. Vielen Menschen fehlt zudem ein ausreichendes Wissen zum Thema der kindlichen Sexualität. Da Sexualität häufig mit dem Akt zwischen zwei Erwachsenen gleichgesetzt wird, will man Kinder mit dieser Form nicht in Verbindung bringen. Auf die meisten Menschen wirken diese Einsichten erschreckend und unangenehm. Die Erkundung des eigenen Körpers und das gegenseitige Entdecken, sowie erste Erfahrungen eigener sexueller Erregung geschehen generell bei einem altersgerechtem Sexualverhalten im spontanen und manchmal albernen Spiel ohne Furcht und Scham voreinander. Doch nicht nur der eigene Körper, mit seiner individuellen Gestaltung wird erforscht, vielmehr werden in ersten Sequenzen erste geschlechtsspezifische Rollen ausprobiert. Ab dem Beginn des dritten Lebensjahres berühren Kinder ihre Genitalien und erleben angenehme Gefühle bewusst. Dabei finden Selbsterkundungen und Masturbationen in der gesamten Kindheit statt und dienen dem kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Bedürfnisse. Normalerweise geschehen diese sexuellen Spiele innerhalb der kindlichen „Peers“, die Kinder haben also oftmals das gleiche Alter und einen annähernden Entwicklungsstand. Des Weiteren geschehen diese Interaktionen eher unter Freunden und Freundinnen, als unter Geschwistern, wobei die Freiwilligkeit aller Beteiligten oberste Priorität hat (Vgl. Heyden & Jarosch, 2010, S. 93f.).

2.2. Sexuelles Missbrauchsverhalten von Kindern und Jugendlichen

Sexuelle Verhaltensauffälligkeiten können häufig eine Reaktion auf eine nicht altersangemessene und überfordernde Konfrontation mit der Erwachsenensexualität darstellen. Dabei haben diese Kinder und Jugendlichen in ihrer Vergangenheit eventuell selbst sexuelle Übergriffe am eigenen Körper erlebt oder sie waren Zeuge von sexualisierter Gewalt. Denkbar wäre auch der Kontakt mit pornographischen Bildmaterial oder eine Überforderung der Eltern, die vielleicht eigene Opfererfahrungen gemacht und diese nicht verarbeiten konnten. Ein unangemessenes und verstärkt auftretendes Sexualverhalten kann Reaktionen auf diese wahrgenommene Umwelt sein. Kinder und Jugendliche können auch ein spontanes und impulsives Verhalten aufweisen und zeigen zum Thema „Sexualität“ ein starkes Interesse. Ihr eigenes sexuelles Verhalten kann dabei selbst von Scham, Schuldgefühlen und Ängstlichkeit geprägt sein. Ihr unangemessenes Sexualverhalten kann sich u.a. in öffentlicher und vielfacher Selbstbefriedigung, zwanghaftem Offenlegen der Genitalien anderer Kinder, zwanghafte „Doktorspiele“ mit anderen Kindern, offene sexualisierte Gewalt gegenüber Erwachsenen, wie z.B. das Reiben an der Brust, das wiederholte zeigen der eigenen Genitalien in der Öffentlichkeit und das detailreiche Reden über den Sexualakt äußern (Vgl. Zartbitter e.V., 2013, S. 14ff). Leider gibt es in diesem Zusammenhang kaum empirische Forschungen, denn erst seit den 1990er Jahren sind sexuelle Straftaten, ausgeübt durch Kinder und Jugendliche, ein gesellschaftliches Thema. Als gesichert gelten Fakten, die beweisen, dass die meisten erwachsenen Sexualstraftäter bereits in ihrer Kindheit erste abweichende Verhaltensmerkmale zeigten. Doch woran erkennt man nun sexuell übergriffige Kinder und Jugendliche? Folgende Definition von Freund & Riedel- Breidenstein von der Fachstelle für Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen (Strohhalm e.V.) hilft erste Unsicherheiten abzubauen:

Ein sexueller Übergriff unter Kindern liegt dann vor, wenn sexuelle Handlungen durch das übergriffige Kind erzwungen werden bzw. das betroffene Kind sie unfreiwillig duldet oder sich unfreiwillig daran beteiligt. Häufig wird dabei ein Machtgefälle zwischen den beteiligten übergriffigen und betroffenen Kindern ausgenutzt, indem z.B. durch Versprechungen, Anerkennung, Drohung oder körperliche Gewalt Druck ausgeübt wird (Strohhalm e.V., 2004, S. 21).“

Übergriffe unter Kindern sind also vor allem durch Unfreiwilligkeit, einem Machtgefälle und Geheimhaltungsdruck zu charakterisieren. Zwischen den beteiligten Kindern ist ein Machtgefälle in Form eines Altersunterschieds häufig zu beobachten. Dabei werden Drohung, Anerkennung, Versprechungen oder körperliche Gewalt ausgenutzt. Beim Geheimhaltungsdruck ist es üblich, dass dieser mit zunehmendem Alter des Täters ausgenutzt wird, weil das ältere Kind sehr genau weiß, dass es Unrecht tut.

3. Zahlen und Fakten

3.1. Prävalenzraten: Kinder und Jugendliche als Täter

Anhand der neusten polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aus dem Jahr 2014 lassen sich erste Häufigkeitsangaben von sexualisierter Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ermitteln. Die PKS ist eine bundesweite Ausgangsstatistik, in der polizeilich bekannte Fälle statistisch erfasst werden. Somit gehört sie zur sogenannten „Hellfeldstudie“. Aufgrund fehlender statistischer Daten kann eine Dunkelfeldstudie (also Fälle, die der Polizei nicht bekannt geworden sind) nicht in der PKS verzeichnet werden. Laut PKS gab es im Jahr 2014 bundesweit 6.082.064 Straftaten, davon waren 6.162 Fälle dabei, die unter Vergewaltigung und sexuelle Nötigung nach §§ 177 Abs. 2, 3 und 4, 178 StGB fallen. Insgesamt zeigt die Altersstruktur der Täter an, dass dabei 64 Kinder unter Tatverdacht im Jahr 2014 standen. Empirisch gut belegt ist, dass jugendliche Täter für einen Großteil der Sexualstraftaten verantwortlich sind. Insgesamt 698 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren wurden als Täter kriminalstatistisch erfasst. Erwähnenswert ist ebenfalls, dass diese Zahl leicht sinkt (693), wenn man sich die Statistik der Heranwachsenden, zwischen 18 und 21 Jahren anschaut. Den größten Anteil haben die Erwachsenen (ab 21 Jahren) mit 4.707 Fällen der Vergewaltigung oder Nötigung inne (Vgl. PKS, 2014, S.76).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl und Aufgliederung der Tatverdächtigen in Altersspannen.

Interessant ist ebenfalls die Verteilung der Geschlechter innerhalb der Altersspannen. So ist die Mehrzahl der erfassten Kinder unter 14 Jahren männlich (insgesamt 61 Personen) und bei den Mädchen wurden drei Fälle kriminalstatistisch erfasst. Bei den Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren sind ebenfalls die männlichen Vertreter in der Überzahl mit einer Gesamtpersonenzahl von 685. Weibliche Jugendliche wurden in insgesamt 13 Fällen erfasst (Vgl. PKS, 2014, S. 82). Höchstwahrscheinlich liegt die Dunkelziffer bei den Mädchen höher, da von Mädchen weitaus weniger ein Missbrauchsverhalten erwartet wird und vermutlich erst dann bemerkt wird, wenn es kaum noch zu übersehen ist (z.B. Bei Rollenspielen die unkontrollierter werden und ausarten, Machtübernahme in der Rolle der Mutter, etc.). Durch Dunkelfeldforschungen, die seit den 90er Jahren erheblich zugenommen haben, lässt sich entnehmen, dass ca. 30% der Täter im jugendlichen Alter sind. Wie die PKS aufzeigt, sind auch Kinder als Täter betroffen, wobei in dieser Altersgruppe eher von „sexuell grenzverletzendes Verhalten“ oder „übergriffiges Verhalten“ gesprochen wird. Bei Dunkelfeldforschungen werden häufig Befragungen durchgeführt, wodurch noch einige Straftaten erfasst werden können („relatives Dunkelfeld). Manche Straftaten werden jedoch nie bekannt und bleiben daher für immer im Verborgenen (absolutes Dunkelfeld).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat im Jahr 2015 eine Repräsentativbefragung zum Thema „Jugendsexualität“ in Form eines Fragebogens mit jungen Heranwachsenden im Alter zwischen 14 und 25 Jahren durchgeführt. Ziel dieser Studie ist es, zuverlässige Aussagen über Einstellung und Verhalten von Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland zu erzielen. Auch hier sind erschreckend hohe Zahlen zu verzeichnen. Rund 20% der weiblichen und 4% der männlichen deutschen Befragten mussten sich schon einmal in ihrem Leben mit sexuellen Gewalterfahrungen auseinandersetzen. Deutlich höher ist der Anteil der männlichen und weiblichen Probanden, die bereits Geschlechtserfahrungen in ihrem Leben erlebt haben. Hier ist der prozentuale Anteil derer die sexualisierte Gewalt bereits erlebt haben mit 27% deutlich höher, als bei den jungen Erwachsenen ohne Geschlechtserfahrungen (14%). Der Kreis der Täter kommt eher aus dem näheren sozialen Umfeld der weiblichen Befragten. So gaben z.B. 7% der Mädchen an, das der Täter der (Ex-)Freund oder eine neue Bekanntschaft sei. Bei 4% waren es ein Freund, ein Kollege oder ein Mitschüler. Nur in 3% der Fälle war es eine gänzlich unbekannte Person (Bode, H & Heßling, A., 2015, S.196ff.).

Aus der Hell –und Dunkelfeldstudie kann ersehen werden, dass Kinder und Jugendliche durchaus mit dem Thema der sexualisierten Gewalt konfrontiert werden. Sei es nun als Täter oder Opfer, beide fordern Interventionsmöglichkeiten und die Bereitschaft der Gesellschaft hinzusehen und zu handeln. Die Anzahl der jugendlichen und kindlichen Täter ist deutlich höher, als angenommen, sodass hier Interventionsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen in Form von flächendeckender Prävention gewährleistet sein müssen.

4. Risiko- und Belastungsfaktoren

4.1. Die Struktur der Herkunftsfamilien der jugendlichen Täter

Die Entwicklung eines sexuell abweichenden Verhaltens kann durch diverse Risikofaktoren innerhalb der Herkunftsfamilie begünstigt sein. Sogenannte „broken homes“, sprich Familien mit einem Elternteil, bzw. Familien mit Stiefelternteilen, in denen vor allem keine oder nur geringe elterliche Unterstützung herrschen, können eine emotionale Instabilität des Kindes oder des Jugendlichen hervorrufen. Konflikte, Wut und Gewalt im Alltag fördern eine negative emotionale Entwicklung, wobei das Aufwachsen durch Geheimnisse, Missgunst, bröckelige Bindungen und eine kaum vorhandene Fürsorge geprägt ist. Ebenso können sexualisierte Verhaltensweisen enger Bezugspersonen das Kind oder den Jugendlichen emotional erschüttern und eine gesunde Entwicklung hemmen. Eigene körperliche und innerfamiliäre Missbrauchserfahrungen, Züchtigungen und Ablehnungen im Familiensystem können ebenfalls Risikofaktoren für die Entwicklung von Missbrauchsverhalten im Kinder- und Jugendalter darstellen. Selbst heutzutage sind Heimunterbringungen für manche Heranwachsende stark erschütternd, vor allem wenn sie dort unter Gewalt leben und von einer Pflegefamilie zur nächsten „gereicht“ werden (Vgl. Heyden & Jarosch, 2010, S.102).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kinder und Jugendliche als Täter des sexuellen Missbrauchs. Welche Belastungs- und Risikofaktoren können innerhalb des Familiensystems dazu beitragen?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt und sexuellem Missbrauch
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V372011
ISBN (eBook)
9783668501379
ISBN (Buch)
9783668501386
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder, jugendliche, täter, missbrauchs, welche, belastungs-, risikofaktoren, familiensystems
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Kinder und Jugendliche als Täter des sexuellen Missbrauchs. Welche Belastungs- und Risikofaktoren können innerhalb des Familiensystems dazu beitragen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372011

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