Die Azusa-Street Erweckung 1906-1909. Die Pfingstbewegung "made in the USA"?


Seminararbeit, 2017

21 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einbettung der Pfingstbewegung in der Kirchengeschichte
2.1. Pfingstbewegung Heute
2.2. Der Ursprung der Pfingstbewegung

3. Los Angeles im Jahre 1906

4. Die Biographie und Erweckung mit William Seymour
4.1. Die Kindheit und Jugend
4.2. Seymour´s Berufung und die Pocken
4.3. In neuen Sprachen reden Heute?
4.4. North-Bonnie-Brea-Street 214
4.5. 312 Azusa-Street – Das amerikanische Jerusalem?
4.6. Der Anfang vom Ende

5. Kritik "Wer erzählt die Geschichte der Pfingstler richtig?
5.1. Die Pfingstbewegung "made in the USA"?
5.2. Die Pfingstbewegung – ökumenische Herausforderung oder Chance?

6. Persönliches Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

"Weird Babel of Tongues

New Sect of Fanatics is breaking Loose

Wild Scene Last Night on Azusa Street

Gurgle of Wordless Talk by a Sister."

Los Angeles Times, April 18, 1906[1]

Das sind Aussagen einer der auflagenstärksten Tageszeitung der USA über die erweckliche Bewegung an der Azusa Street in Los Angeles. Die Stadt der Angels wurde an diesem Tag mit der newest sect konfrontiert. In dem Artikel heißt es weiter:

"Meetings are held in a […] shack on Azusa Street […], and the devotees of the weird doctrine practice the most fanatical rites, preach the wildest theories and work themselves into a state of mad excitement in their peculiar zeal. Colored people and a sprinkling of whites compose the congregation, and night is made hideous in the neighbourhood by the howlings of the worshippers […]. They claim to have the "gift of tongues" […]."[2]

Diese neue Bewegung war selbst für Los Angeles extrem, was schon als Heimat der "zahllosen Glaubensbekenntnisse"[3] bekannt war. Mit einer erstaunlichen Genauigkeit hieß es, dass eine neue Sekte ausgebrochen sei. Die Times Leser haben da noch nicht erkannt, dass es der erste Bericht über das wohl weitreichendste religiöse Treffen des zwanzigsten Jahrhunderts war.[4] Dieses erweckliche Treffen will der Autor in der folgenden Ausarbeitung historisch erfassen, in die Kirchengeschichte und dem damaligen Umfeld einbetten, sowie systematisch-theologisch aber auch historiographisch kritisch begutachten. Die Wiedergabe der Biographie und der Erweckung geschieht mehrheitlich anhand amerikanischen Historikern, die kritische Untersuchung hingegen bezieht sich hauptsächlich aus europäischen Geschichtsschreiber.

2. Einbettung der Pfingstbewegung in der Kirchengeschichte

2.1. Pfingstbewegung Heute

Während auf dem europäischen Kontinent die etablierten Kirchen vor allem seit den 1970er-Jahren einen sukzessiven Rückgang der Mitgliederzahlen erleben, wächst das Christentum in den sog. Dritt-Welt-Ländern. Vor allem die Pfingstkirchen wachsen in ihrer Mitgliederzahl. Man schätzte 500 Mio. pfingstlich geprägte Christen im Jahre 2010. Fast ein Viertel der Weltchristenheit und die Tendenz ist steigend.[5] Somit gehören sie zu den vier großen Formen der Weltchristenheit neben dem Katholizismus, den Reformationskirchen und der Orthodoxie. Katholiken neigen dazu, "den Heiligen Geist innerhalb der hierarchischen Ekklesia und deren Sakramente zu kanalisieren; die Reformationskirchen nehmen das Maß am Wort Gottes der Heiligen Schrift (1Joh 4). Das Schriftprinzip gilt grundsätzlich auch für die Pfingstbewegung, sie erfleht aber ganz besonders eine Geistausgießung auf die Gläubigen der Endzeit wie in den Tagen der Apostel (Joel 3, Apg 2)."[6] Dabei gilt das Zungenreden als ein besonderes Zeichen einer besonderen Ausrüstung mit dem Heiligen Geist (Geistestaufe).

2.2. Der Ursprung der Pfingstbewegung

Geschichtlich gesehen wurzelt die Pfingstbewegung im Erweckungschristentum (vor allem der Heiligungsbewegung) der USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, für das ein starker missionarischer Antrieb (Großstadt- und Massenevangelisation), die Bildung eines erwecklichen Laienchristentums und die Betonung der Unabhängigkeit der Einzelgemeinde (Kongregationalismus und Independentismus) verbunden mit dem Ideal der Glaubenstaufe charakteristisch waren. Hinzu kam die Offenheit dafür, dass sich göttliche Kraft in besonderen enthusiastischen Erfahrungen manifestiert, die den Bereich des Rationalen übersteigen und als „übernatürlich“ und wunderbar erlebt und gedeutet wurden.[7] Außerdem erlangte die Glossolalie in der Pfingstbewegung zentrale Bedeutung, sodass auch von einer „Zungenbewegung“ gesprochen wurde. In der "Geburtsstunde" der Pfingstbewegung 1901 in der Bibelschule von Charles Parham in Topeka (Kansas) wurde sie zum Erkennungszeichen (initial physical sign) der ersehnten Taufe im Heiligen Geist.[8] "1906 wurden die Heiligungsversammlungen des schwarzen Predigers William J. Seymour in der Azusa Street in Los Angeles zum Ausgangspunkt einer wirkungsvollen weltweiten Verbreitung pfingstlerischer Frömmigkeit in bald eigenständigen Gemeinden, missionarischen Unternehmungen, Glaubenswerken und Bibelschulen."[9]

Doch schon vor der "Geburtsstunde" haben Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht, die den in der Azusa-Street sehr nahekommen. Also John Wesley am 24. Mai 1738 seine Minutenbekehrung erlebte, beschreibt er, dass es ihm "warm ums Herz" wird. Er betont aber das "innere Zeugnis des Heiligen Geistes" (Röm 8, 16). Wesley versteht die Heiligung als ein zweites Werk der Gnade nach der Rechtfertigung.[10] Der Erweckungsprediger Charles Finney aus Amerika, der 1875 starb, unterschied die Widergeburt von der "Geistestaufe" als Überwindung der sündigen Natur des Menschen.[11] Erst bei Seymour wird die Geistestaufe dogmatisch fest mit dem Zeichen der Zungenrede verbunden.[12]

3. Los Angeles im Jahre 1906

Die Welt hat gerade erst die Jahrhundertwende durchgemacht und das 20. Jhdt. begann. Die USA hatten Theodor Roosevelt als 26. Präsidenten. Im April des Jahres 1906 hatte Los Angeles (Kalifornien) eine Einwohnerzahl von 228,298 und ein Wachstum von 30,684 im Laufe des Jahres.[13] Während die Zeitschriften des Landes gefüllt mit dem Stolz und dem dynamischen Wachstum der Stadt waren, kamen Geschichten über Rassismus und religiöser Intoleranz auf den Titelseiten. Doch Los Angeles hatte den Ruf als ein angenehmes zu Hause für neue religiöse Ideen. Doch dieses Ansehen wurde schon vor 1906 begründet. Schon 1895 gründete Phineas Bresee die " Church of the Nazarene", die im Laufe der Geschichte zur größten Denomination in der Heiligungsbewegung wurde. "By 1906 the Nazarenes had spread to about a dozen congregations in the Los Angeles area, some of them among the blacks."[14] Ein anderer religiöser Erneuerer in Los Angeles war Joseph Smale, der Pastor der First Baptist Church war. Er war zu der Zeit nach Wales gereist, um dort den großen Erweckungsprediger Evan Roberts zu hören[15] und um "The story of how the twenty-six-year-old Roberts had led the sensational revival [1904], which had seen over 30,000 conversions and 20,000 new church members, swept over the holiness movement with a compelling force."[16] Nachdem er wieder zurückkam startete er eine fünfzehnwöchige Erweckungsgottesdienstreihe in seiner Gemeinde, die Erweckung blieb aber aus.[17] Ein weiterer Evangelist und Journalist namens Frank Bartleman hatte dasselbe Ziel und fragte Roberts schriftlich nach Anweisungen, wie eine Erweckung herbeigeführt werden kann. Evans antwortete aber folgendermaßen: "Ich bete zu Gott, er möge euer Gebet hören, euren Glauben stark erhalten und Kalifornien erretten."[18] Durch diese Briefe stieg der Glaube von Bartleman an eine Erweckung und er war überzeugt, dass die Gebete der Waliser viel dazu beitrugen, dass Gott seinen Geist über Kalifornien ausgoss. Er sagte später: "Die gegenwärtige, weltweite Erweckung stammt aus der Wiege des kleines Landes Wales."[19]

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis im Bundesstaat Kalifornien war das Erdbeben in San Francisco, das auch mehrere große Feuer in der Stadt als Folge hatte. Es hatte eine Stärke von 7,8 auf der Richterskala. Die Auswirkungen waren enorm. Ungefähr 3000 Menschen starben und mehr als 80% der Stadt war zerstört.[20] Diese Katastrophe führte wahrscheinlich zu einem erneuten Suchen nach einen geistlichen Sinn und einem tröstenden und allmächtigen Gegenüber.

4. Die Biographie und Erweckung mit William Seymour

Er wurde von der Nazarener Kirche rausgeschmissen, weil er über die Taufe im heiligen Geist und das Sprechen in Zungen als Beweis für die Taufe gepredigt hat. Aus der Nazarener Gemeinde rausgeschmissen, ging er die Straße runter und gründete die wohl bekannteste pfingstliche Gemeinde, die 312 Azusa Street. Es geht um William J. Seymour (1870-1922). Der als „Katalysator“ der Pfingstbewegung bekannt wurde.[21]

William Joseph Seymour ging auch als schwarzamerikanischer Visionär, erster Bischof der Pfingstbewegung und facettenreicher Leiter der legendären Azusa Street Erweckung in L.A. in die Geschichte ein.

4.1. Die Kindheit und Jugend

Geboren ist er am 02.05.1870 bei New Orleans, Louisiana und gestorben am 28.09.1922 in L.A., Kalifornien. Er war Sohn eines Elternpaares (Simon und Phyllis Seymour), die kurz nach seiner Geburt aus der Sklaverei befreit wurden.[22] Sein Vater diente als Soldat der USA im Amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1864).[23] William wurde in eine Welt hineingeboren, die von entsetzlicher rassistischer Gewalt beherrscht wurde.[24] Das Jim-Crow Gesetz sperrte allen Schwarzen in soziale Ungerechtigkeit. Das ganze gesellschaftliche und Gemeindeleben wurde von der Rassentrennung bestimmt.[25]

Seymour wuchs bei Bayou Teche und am Golf von Mexiko auf. Bei den großen Zuckerplantagen am Delta des Mississippi River. Er ließ sich nicht davon entmutigen, dass ihm der Bildungsweg versperrt war und brachte sich selbst Lesen und Schreiben, indem er hauptsächlich die Bibel las.[26] Als jünger Mann verließ er die Südstaaten, um nach Indianapolis, Indiana, und dann nach Cincinnati, Ohio.[27] Dies haben in der Zeit wohl nur wenige schwarze Männer getan. Laut der Volkszählung von 1900 hatten nur 10 Prozent der schwarzen Bevölkerung der USA jemals den Süden verlassen. Seymour war fest entschlossen, sich keine Fußketten von Menschen anlegen zu lassen.[28]

4.2. Seymour´s Berufung und die Pocken

Die beiden Stationen waren bekannt als Zentren schwarzer Kultur. Dort trat er auch einer schwarzen Methodistenkirche bei, arbeitete da aber als unabhängiger Evangelist und wurde Mitglied in einer schwarzen Gewerkschaft.[29] Dies brachte ihn dazu, dass er seine Überzeugungen besser greifen konnte und es wurde ihm deutlicher bewusst, dass die Erlösung durch Christus für Menschen aller Gesellschaftsschichten und Hautfarben war.[30]

Nach einer Zeit bemerkte er, dass die Lehre der Methodistenkirche erstarrte. Seymour war ein begeisterter Anhänger von John Wesley, der glaubte an starkes Gebet, Heiligkeit, göttliche Heilung und war überzeugt, dass es keine Diskriminierung bei Jesus gab. Doch es hatte den Anschein, dass die Gemeinde sich von ihren Wurzeln distanziert hat. So verließ er die Gemeinde und stoß auf Evening Light Saints. Diese Gruppe trug keine Ringe, tanzte nicht, spielte keine Musikinstrumente, spielte keine Karten und trotz all den Verboten und erstmal an eine strenge, trockene Gemeinde erinnert, war die Gemeinde eine außerordentliche fröhliche.[31] Sie nahmen ihn warmherzig auf. In dieser Gemeinde empfing er auch den Ruf in den vollzeitlichen Dienst. Doch er rang mit diesem Ruf und fürchtete sich auf diesen einzugehen.[32]

In dieser Zeit brach eine schwere Pockenepidemie aus. Er erkrankte schwer. Nach mehreren qualvollen Wochen konnte er die Krankheit überwinden. Doch er verlor dabei ein Auge, was ihn Zeit seines Lebens ein fremdartig suggestives Aussehen verlieh.[33] Seymour hatten dein Eindruck, dass er die Krankheit durchlebte, da er nicht auf den Ruf Gottes einging. Deshalb ließ er sich ordinieren und bald darauf begann er als Evangelist zu reisen. Er glaubte, dass Gott für ihn sorgen würde und sich seiner annehmen würde und bat deswegen nicht um ein Opfer.[34] Von Cincinnati aus reiste William, das Evangelium predigend, nach Houston, Texas.[35] Dort kam es zum ersten Kontakt mit Charles Parham.[36]

4.3. In neuen Sprachen reden … Heute?

Als er in Houston ankam, stieß er auf einige Verwandte, die durch den Bürgerkrieg von der Familie getrennt wurden[37] und entschloss sich dort zu bleiben. In dieser Stadt wirkte der bekannte Prediger Charles Fox Parham (1873 – 1929)[38], der in einer Etappe vor der Station in Houston, in Torpeka, Kansas die Bethel Bible School[39] leitete.[40] Eines Tages musste er zu einer Konferenz und gab seinen Schülern die Aufgabe die Apostelgeschichte zu studieren und darauf zu achten, was die sichtbaren Zeichen waren, bei der Erfüllung im Heiligen Geist seien. Nach ein paar Tagen kam er wieder zurück und fand all seine Schüler betend in einem Saal. Sie wollten die Taufe im Heiligen Geist erfahren, mit dem Zeichen, in Zungen zu beten. Und er fragte sich, was da vor sich ging, unterbrach das Gebet, brachte alle zusammen, und bat sie um eine Erklärung. Die Schüler sagten ihm, dass sie das taten, was er ihnen aufgesagt hatte und es sei ihnen aufgefallen, dass ein Kennzeichen für die Erfüllung im Geist oder die "Taufe im Heiligen Geist", das Sprechen in anderen Zungen sei. Es sei eine Sprache vom Himmel, eine geistliche Sprache, eine Sprache die auf dieser Erde nicht gesprochen wird, sie ist vom Himmel. So gingen sie gemeinsam über die Schrift. Er war sich aber nicht ganz sicher über dieses Thema. Er hatte noch nicht die "Taufe im Geist" empfangen, aber er wollte das Feuer der Schüler nicht löschen. In dieser Versammlung war auch Agnes Ozman. Sie ging auf ihn zu und sagte zu ihm, dass er seine Hände auf sie legen solle, damit sie den Heiligen Geist empfange und die Gabe der Glossolalie empfange. Er war sich dabei nicht so sicher, denn er habe es vorher noch nie gemacht. Trotzdem entschied er sich für sie zu beten, weil sie auch so nachdrücklich und immer wieder gefragt hatte für sich zu beten. Er betete. Als er aufhörte zu beten schaute er sie an. Im ersten Moment passierte nichts aber dann fing sie an in einer anderen unbekannten Sprache zu beten. Die erste Frau, die in Zungen sprach in Kansas, Torpeka war Agnus.

Das war ein Teil der Geschichte von Agnes am Neujahrstag 1901[41]. Der andere Teil war: Gott gab ihr die Fähigkeit in einem perfekten chinesisch zu sprechen und zu schreiben. Die ersten Pfingstler in der Zeit glaubten nämlich, dass man in einer himmlischen Sprache sprechen wird und wenn Gott jemanden in die Mission schickt dann gibt er die Sprache, die in dem Land gesprochen wird in der er dich schickt. Das glauben die meisten Pfingstler heut zu Tage nicht mehr aber die ersten Pfingstler in Kansas und auch die Gläubigen in Azusa Street glaubten das. Das war auch mit einer der Gründe warum sich die Bewegung so schnell verbreitet hat.[42] Ausserdem wurde von Parham und weitern 34 Menschen berichtet, die in den nächsten Tagen auch die "Taufe" erlebten.[43]

Parham closed his school at Topeka [in 1901] and began a whirlwind revival tour that lasted four years. During this period the Pentecostal doctrine was spread through Kansas, as well as Kansas City, Lawrence, Galena, Melrose, Kwelville, and Baxter Springs, Missouri. By the fall of 1905, he moved his headquarters to Houston, Texas, […] and soon opened another Bible school for the propagation of his views. Housed in a large, three-story house, the institution was called simply “The Bible Training School,” and during the few months of its operation had an enrollment of about twenty-five students. It was at this school that William Joseph Seymour, the apostle of Azusa Street, received his theological training.[44]

Parham galt als ein sehr rassistischer Mensch, der eine Hierarchie der Rassen mit den Angelsachsen als oberste Herrenrasse vertrat.[45] Dass Seymour von Parham erlaubt wurde, dass er an seinen Lektionen – durch die halbgeöffnete Tür – teilnehmen durfte, war schon eine große Ausnahme. James R. Goff beschreibt diese Handlung als einen gutmütigen Paternalismus.[46] Die Jim-Crow Gesetze waren wahrscheinlich auch mit Grund, dass Seymour nicht in einem Raum der Studenten sein durfte. Auch wenn er nicht mit jeder Lehre von Parham einverstanden war, nahm er die Lehre an, dass die Zungensprache ein Zeichen der Geistestaufe sei. Er selbst erfuhr zu der Zeit keine Taufe in der Art.[47]

4.4. North-Bonnie-Brea-Street 214

Nach dem Bibelstudium folgte Seymour einem Ruf nach Los Angeles und wurde dort Pastor einer kleinen Gebetsgemeinschaft einfacher[48] schwarzer Menschen in der Nort-Bonnie-Brea-Street bei der Familie Asberry, die bald auch weiße anzog. Zwischen dem 9. und 12. April 1906, während einem 10-Tages Fasten geschah dort der "Durchbruch glossolalischer und anderer charismatischer Manifestationen".[49] Die "explosiven" Ereignisse erregten großes Aufsehen in der multinationalen Stadt. Menschen verschiedener Hautfarbe, sozialer Herkunft, Nation, Geschlecht und Konfession beteten miteinander.[50] Denn William interpretierte die "pfingstliche Kraft" als "einfach mehr von Gottes Liebe".[51] Er hatte ein ökumenisches, rassen- und klassenübergreifendes Verständnis von Pfingsten.[52] Es wird erzählt, dass Seymour´ zukünftige Frau Jennie Moore, die vorher keine Kenntnisse im Piano spielen hatte, plötzlich anfing Piano zu spielen und Lieder in einer Sprache zu singen, die an die hebräische Sprache erinnerten.[53] Die neue enthusiastische Bewegung verbreitete sich schnell, sodass die Massen, Seymour dazu zwangen nach einem anderen, größeren Haus zu suchen.[54]

4.5. 312 Azusa-Street – Das amerikanische Jerusalem?

Auf der Suche nach einem neuen Gebäude in der Innenstadt stoß er auf 312 Azusa-Street. Was dort in den nächsten drei Jahren passierte, hatte einen großen Einfluss auf die Kirchengeschichte im 20. Jahrhundert. Ein altes baufälliges und heruntergekommenes Holzhaus, das ursprünglich als eine Kirche für Schwarze gebaut war aber nur noch als ein Pferdestall genutzt wurde. Diese Gebäude wurde zu einer Legende in der Zeit, weil da bis zu 1500 Menschen gleichzeitig drinnen und draußen vor den Fenstern Gottesdienste gefeiert wurden, Tage und Nächte lang.[55] Am 14. April 1906 leitete er den ersten Gottesdienst.[56] Aus allen Teilen Nordamerikas und anderen Ländern der Welt kamen später Menschen, um den "Segen" zu empfangen und die Botschaft weiterzutragen. Auch viele Kirchenleiter anderer Konfessionen waren da.[57]

Seymour sagte mal:

„Geh nicht weg von diesen Gottesdiensten und spreche über das Beten in anderen Sprachen. Stattdessen, versuche Menschen zur Rettung zu führen. Aber wenn du gehst: Denk dran, apostolische Kraft führt auch zur apostolischen Verfolgung. Wenn Gott in Jesu Namen dir die Sünden vergeben hat. Dann weißt du es. Und wenn du es nicht besser weißt, als alles auf dieser Welt, dann lebst du immer noch in der Sünde. Wenn er dir ein reines Herz gegeben hat und deine Seele geheiligt hat. Dann weißt du es. Wenn du es nicht weißt, dann ist das Werk an dir noch nicht vollendet. Wenn du geheiligt bist, dann können die Menschen es an dir sehen. Aber wenn Gott dich im heiligen Geist tauft dann bringt es in dir eine heilige Kühnheit, um vor der Welt ohne Angst aufzustehen. Menschen können sagen: Es ist vom Teufel und du bist betrunken aber Gott sei die Ehre. Da ist eine Kraft die hinter dir steht, die Männer und Frauen nicht ablehnen können.“[58]

Im September 1906 begann Seymour seine eigene Zeitschrift zu veröffentlichen. Auf dem Höhepunkt der "The Apostolic Faith" haben über 50.000 Leser auf der ganzen Welt die Geschichten der Erweckung an der Azusa-Street mitverfolgt.[59] Hunderte und später Tausende "pilgerten" zu den Gottesdiensten. Jeden Tag brachten die Züge Menschen von überall auf der Welt. In säkularen und religiösen Zeitungen wurde berichtet. Es gab Minutenberichte von Zeitungen wie der The Way of Faith in South Carolina. Die am meisten interessierten Beobachter waren die Christen aus der Heiligungsbewegung in der USA. Leute, die die dreieinhalb Jahre der Erweckung miterlebten suchten nach Wörter, um das zu beschreiben, was dort passierte. "Men and women would shout, weep, dance, fall into trances, speak and sing in tongues, and interpret their messages into English. In true Quaker fashion, anyone who felt “moved by the Spirit” would preach or sing. There was no robed choir, no hymnals, no order of services, but there was an abundance of religious enthusiasm".[60] In der Mitte dieser Ereignisse war der "Älteste" William Seymour, der nur selten predigte und die meiste Zeit seinen Kopf in einer Verpackungskiste hinter der Kanzel hatte und betete. Er ruf die Menschen auf: "Be emphatic! Ask for salvation, sanctification, the baptism with the Holy Ghost, or divine healing!"[61] Es fanden von 1906 - 1909 drei Mal am Tag, an sieben Tagen der Woche, Gottesdienste statt.[62]

Im August 1906 schrieb Bartleman in The Way of Faith, dass Pfingsten nach Los Angeles gekommen ist, das Amerikanische Jerusalem.[63] Die pfingstlerische Botschaft der besonderen Geisteserfahrungen und der Liebe zu jedem Menschen verbreitete sich über die Jahre in ca. 50 Ländern dieser Erde.[64] Eine gute Ausführung, wie und durch wen dies geschah ist im Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements zu finden.

4.6. Der Anfang vom Ende

Im Laufe der Erweckung kam auch viel Kritik auf.[65] Einige waren der Meinung, dass die starke Emotionalität und der Enthusiasmus zu extrem zum Ausdruck kamen und diese Ansichten kam auch von Christen aus der Heiligungsbewegung, die nicht gerade bekannt waren für besonders "anständige" Gottesdienste.[66] Bald waren auch physische Ausdrücke wie "Zuckungen", "Heiliges Lachen", "Heiliges Tanzen" und "Singen im Geist" in den Gottesdiensten. Bevor Spiritisten aus der okkulten Gesellschaft in L.A. zu den Versammlungen dazu kamen. Gestört durch diese Entwicklungen schrieb Seymour einen Brief an Parham, um sich Rat bei seinem "geistlichen Vater" zu holen, wie er richtig mit diesen Entwicklungen umgehen sollte und flehte ihn an als Supervisor nach L.A. zu kommen.[67] Doch er kam zunächst nicht. Vielleicht ging er nicht, da er solche Kommentare hörte wie: "[…] that there was much kissing between sexes and even races […] incensed at seeing a colored woman with her arms around a white man’s neck “praying for him."[68] Es verstörte Seymour, dass Parham folgendes zu hören bekommen hatte: "white people [were] imitating [the] unintelligent, crude negroisms of the Southland, and laying it on the Holy Ghost".[69] Zudem wurde 1908 seine Leitung geschädigt als Florence Crawford, die Sekretärin der Zeitschriften die ganzen Postadressen der Apostolic Faith nahm und nach Portland, Oregon ging. Ausgelöst wurde diese fatale Reaktion durch die Hochzeit von Seymour und Jenny Moore am 13. Mai, 1908.[70] Jesu Kommen stehe kurz bevor und da wäre Heiraten nicht angebracht. Man müsse die Zeit "auskaufen".[71] Nach einiger Zeit ist Parham doch gekommen und er war geschockt von den "extremen Fanatikern" und den "holy roller" Aspekten der Gottesdienste.[72] Er machte Bemühungen gegen diese Erscheinungen doch nach drei Predigten war er von einigen "Jünger Seymours" aufgefordert zu gehen. Er war wegen den Verurteilungen gegenüber den Spiritisten nicht mehr erwünscht. Die schienen die Leitung der Gottesdienste immer an sich gerissen haben.[73] Nachdem Parham nun die Azusa Mission verlassen hatte, die ironischerweise jetzt auch nach Parham eigenes Organisation "Apostolic Faith Gospel Mission" genannt wurde, kam es zum Bruch in der Beziehung von Seymour und Parham. Daran litt Seymour anscheinend stark.[74]

Außerdem litt Seymour in den letzten Jahren auch an den wiederkehrenden Rassentrennungen bei der Erweckung. 1909 verließen einige weiße die Mission und gründeten eigene Arbeitsfelder. Dabei auch die erwähnte Crawford, die alle weltweiten Kontakte mit sich nahm. Dies führte zu einem rapiden Rückgang des Einflusses von Seymour und zu einer "segregativen" Entwicklung der Bewegung. Das Wachstum der Bewegung weltweit konnte nicht aufgehalten werden. Seymour verspürte offensichtlich großen Schmerz aufgrund der Rassenspannungen die sich in Nordamerika verbreiteten und die Anpassung seiner weißen Mitarbeiter an die Gesellschaftsmeinung.[75] Er selbst reiste in den letzten Jahren seines Lebens durch Nordamerika und Afrika zum evangelisieren, während sich seine Frau um die zurückgebliebene kleine Gruppe an der Azusa-Street kümmerte.[76] "Ein überaus bemerkenswerter Zug dieser Spiritualität [der Pfingstler] ist ihre überraschende Fähigkeit, die Grenzen von Rasse und Hautfarbe im Namen der christlichen Liebe zu überschreiten – der Liebe der [Kinder] ehemaliger Sklaven zu den [Kindern] ehemaliger Sklavenhalter."[77] Der wachsende brutale amerik. Rassismus erreichte seinen Höhepunkt um 1919 und machte dieser interrassischen Zusammenarbeit ein Ende. "Die riots in Chicago gelten als die schwersten Ausschreitungen während des Sommers 1919, der als "(blut)roter Sommer" mit Rassenunruhen in mehr als 30 Städten traurige Berühmtheit erlangte."[78] Seymours Nachfolger glaubten, dass sein plötzlicher Tod am 28.09.1922 in L.A. aufgrund eines schweren Herzinfaktes beim Diktieren eines Briefes auf dieses "gebrochene Herz über die Rassenspannung" zurückzuführen sei.[79]

[...]


[1] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 84f.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, 872f.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. http://www.ezw-berlin.de/html/3_182.php (21.06.2017).

[8] Vgl. ebd.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, 872f.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 84f.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 142.

[16] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 86.

[17] Vgl. ebd.

[18] Liardon, Gottes Generäle. 142.

[19] Ebd.

[20] In: http://www.latimes.com/local/lanow/la-me-110th-anniversary-san-francisco-earthquake-pictures-20160413-htmlstory.html (21.06.2017).

[21] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 136f.

[22] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 138ff.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd.

[27] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[28] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 139.

[29] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[30] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 139.

[31] Vgl. ebd.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[34] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 139f.

[35] Vgl. ebd.

[36] Vgl. ebd.

[37] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[38] Vgl. Goff, Parham, Charles Fox, in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 660.

[39] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 88.

[40] Vgl. Goff, Parham, Charles Fox, in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 660.

[41] Vgl. ebd.

[42] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 88.

[43] Vgl. Goff, Parham, Charles Fox, in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 660.

[44] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 92f.

[45] Hollenwegger, Charismatisch-pfingstliches Christentum, 34.

[46] Vgl. ebd.

[47] Vgl. Synan, H. V.: Seymour, William Joseph in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 780.

[48] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 144.

[49] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[50] Vgl. ebd.

[51] Vgl. ebd.

[52] Vgl. Hollenwegger, Charismatisch-pfingstliches Christentum, 34.

[53] Vgl. Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 96.

[54] Vgl. Synan, Seymour, William Joseph in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 780.

[55] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[56] Vgl. Synan, H. V.: Seymour, William Joseph in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 780.

[57] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1567-1570.

[58] Vgl. Liardon, Gottes Generäle. 148.

[59] Vgl. Synan, Vinson: Pentocostalism: William Seymour, in: Christian History Issue 65 Ten influential Christians of the 20th Century (2000), 12-15.

[60] Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 98.

[61] Ewart, The Phenomenon of Pentecost, pp. 40–49; Los Angeles Times, Apr. 18, 1906, p. 1; Bartleman, How Pentecost Came to Los Angeles, p. 58. In: Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 98.

[62] Vgl. Synan, H. V.: Seymour, William Joseph in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 781.

[63] Vgl. The Way of Faith, Aug. 1, 1906, quoted in Bartleman, How Pentecost Came to Los Angeles, p. 63. In: Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 98.

[64] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1568.

[65] Liardon, Gottes Generäle. 153.

[66] Vgl. Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 100f.

[67] Vgl. ebd.

[68] Vgl. ebd.

[69] Vgl. ebd.

[70] Vgl. Synan, H. V.: Seymour, William Joseph in: Dictonary of Pentecostal and Charismatic Movements, 781.

[71] Vgl. ebd.

[72] Vgl. Synan, The Holiness-Pentecostal Tradition, 100f.

[73] Vgl. ebd.

[74] Vgl. ebd.

[75] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1568.

[76] Vgl. ebd.

[77] Ebd.

[78] http://www.zeit.de/2015/20/rassismus-usa-race-riots-baltimore-ferguson/seite-2 (23.06.2017).

[79] Vgl. Nelson, Seymour, in: BBKL IX. Band, 1568.

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Details

Titel
Die Azusa-Street Erweckung 1906-1909. Die Pfingstbewegung "made in the USA"?
Hochschule
Theologisches Seminar St. Chrischona
Note
2+
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V372051
ISBN (eBook)
9783668499775
ISBN (Buch)
9783668499782
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Azusa, Seymour, Parham, Pfingstbewegung
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Paul Kort (Autor), 2017, Die Azusa-Street Erweckung 1906-1909. Die Pfingstbewegung "made in the USA"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372051

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