Pflanzenbasierte Ernährungweise. Wie Ernährungsberatung effektiver werden könnte


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2017
8 Seiten

Leseprobe

Stellenwert einer pflanzenbasierten Ernährungsweise in der Ernährungsmedizin und Diätetik Pflanzliche Lebensmittel sind gesund, nachhaltig und preiswert

Von Sven-David Müller, MSc.

Die durch Fehlernährung hervorgerufenen Kosten und Krankheiten machen ein Umdenken in der Ernäh-rungstherapie und der Ernährungsaufklärung notwendig. Das Bundesministerium für Ernährung undLandwirtschaft schätzte die fehlernährungsbedingten Kosten schon im Jahr 2013 auf fast 100 MilliardenEuro ein1. Um effektiv Fehl- und Überernährung vorbeugen zu können, müssen zukünftig Ernährungs-empfehlungen und Ernährungsprogramme verständlich und für die Durchschnittbevölkerung leicht um-setzbar sein. Andernfalls scheitern sie wie die bisherigen Ernährungsempfehlungsstrategien. Die ge-nannten Forderungen treffen auf eine pflanzenbasierte Ernährungsweise zu und vor dem Hintergrundder wissenschaftlichen Datenlage erscheint es „State of the Art“, dass staatlich geprüfte Diätassistenten,Ernährungsmediziner und Ernährungswissenschaftler ihre Patienten diesbezüglich aufklären. Eine pflan-zenbasierte Ernährungsweise kann sowohl als Kostform für die Allgemeinbevölkerung als auch für vieleverschiedene Gruppen chronisch kranker Menschen - eventuell Erkrankungsspezifisch modifiziert -empfohlen werden. Eine pflanzenbasierte Ernährungsweise stellt sich in der Regel nicht in einer Formdes Vegetarismus, der wissenschaftlich nachgewiesene Nachteile wie beispielsweise Mikronährstoff-mangelzustände2 haben kann, dar, sondern ist vielmehr eine Kost, die vorrangig aber eben nicht aus-schließlich auf pflanzliche Lebensmittel setzt. Eine Einhaltung einer pflanzenbasierte Kost wäre für dieWeltbevölkerung sinnvoll, da sie positive gesundheitliche-, ethische-, pekuniäre- und globalen Effekthat.

Das präventive und therapeutische Potential von veganen Lebensmitteln

Das präventive3 und therapeutische Potential für verschiedene chronische Erkrankungen (beispielsweise Diabetes mellitus Typ 24 ) oder Übergewicht und Adipositas5 (Fettsucht) von Obst und Gemüse ist hoch. In einer Vielzahl von Studie (retro- und prospektiv) zeigt sich bei einer steigenden Zufuhr von Gemüse und Obst ein verringertes Risiko für die Entstehung von Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, bestimmten Tumorentitäten und die Zahl der ischämischen Insulte6. Die Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen jedoch, dass 87,4 Prozent der in der Studie befragten Menschen die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)7 zum Gemüseverzehr und 59 Prozent zum Obstverzehr unterschreiten8. Die Effekte einer pflanzenorientierten Ernährungsweise werden demzufolge von der Bevölkerung nicht ausreichend genutzt. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Ernährungskonzepte andere Richtlinien oder Grundlagen haben9.

Gemüse als Bestandteil einer gesundheitsbewussten Ernährungsweise

Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass Gemüse ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährungsweiseist. Gemüse spielt dabei eine Rolle im Ernährungskonzept zur Prophylaxe und Therapie von Erkrankun-gen10. Zur Gruppe der Gemüse gehören Blatt- und Kohlgemüse, Sprossen-, Lauch-, Frucht-, Wurzel- undKnollengemüse, Pilze sowie Hülsenfrüchte wie beispielsweise Sojabohnen. Gemüse hat einen relativhohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen (Mengen- und Spurenelementen) und sekundären Pflan-zenstoffen. Es ist außerdem reich an Ballaststoffen und enthält nur geringe Mengen an Fett. Grundsätz-lich sollte Gemüse wie auch Obst mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen. Die Deutsche Gesell-schaft für Ernährung e. V. (DGE) spricht sich dafür aus, täglich drei Portionen Gemüse - also 400 Gramm - zu verzehren. Hülsenfrüchte sind besonders reich an gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen. Ihre Auf-nahme ist jedoch verhältnismäßig gering. Statista weist für das Jahr 2014/15 einen jährlichen Hülsen-fruchtkonsum von 400 Gramm - oder rund 1,1 Gramm am Tag - aus11. Die Verbraucherzentralen gehenvon einem Konsum von weniger als einem Kilogramm jährlich aus12. Vor diesem Hintergrund kann dertägliche Durchschnittskonsum 2,5 Gramm am Tag nicht überschreiten. Im Rahmen einer pflanzenbasier- ten Ernährungsweise ist der gesteigerte Konsum von rohem und gekochtem Gemüse zu fordern. Insbesondere die Aufnahmemenge von Hülsenfrüchten, wie beispielsweise Sojabohnen und Sojaprodukten, ist zu steigern, um im Rahmen einer pflanzenbasierten Ernährungsweise auch eine Proteinbedarfsdeckung bei hoher Proteinwertigkeit zu erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland - Quelle: © Robert Koch-Institut 201313

Obst als Bestandteil einer gesundheitsbewussten Ernährungsweise

Neben Gemüse spielt auch Obst eine bedeutende Rolle im Rahmen von vorbeugenden krankheitsvor-beugenden Maßnahmen oder Therapiekonzepten. Ein hoher Verzehr von Obst geht mit einer relativhohen Zufuhr an bestimmten Vitaminen (beispielsweise Vitamin C, Folsäure und β-Carotin), Mineral-stoffen (insbesondere Kalium, Calcium und Phosphor) und sekundären Pflanzenstoffen einher. Bei eini-gen Obstsorten ist auch der Ballaststoffgehalt relativ hoch. Insgesamt hat das Nährstoffprofil von ObstVorteile für die Gesundheit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) spricht sich für täglichzwei Portionen (Frisch-)Obst aus, das sind 250 Gramm. Die DGE-Empfehlungen für den Obstverzehr von250 Gramm täglich unterschreiten sechs von zehn (59 Prozent) Befragten, 65 Prozent der Männer und 54 Prozent der Frauen. Gut 4 Prozent aller Teilnehmer (2 Prozent der Frauen, 6 Prozent der Männer) gaben an, in den letzten vier Wochen vor der Befragung kein Obst oder Obsterzeugnisse verzehrt zu haben. Die Mehrheit der Bevölkerung isst damit immer noch zu wenig Obst14. Vor diesem Hintergrund sind Programme erforderlich, die neben der Steigerung des Gemüseverzehrs auch zu einem gesteigerten Obstkonsum beitragen.

Die pflanzenbasierte Ernährungsweise als Lösung

Vor dem Hintergrund des prophylaktischen Potentials und des gleichzeitigen Mangels an Gemüse undObst in der Ernährung der Bevölkerung sind neue Konzepte der Ernährungsaufklärung erforderlich. Einepflanzenbasierte Ernährungsweise ist leicht kommunikabel. Leider existiert jedoch keine einheitlicheDefinition einer pflanzenbasierten Ernährungsweise. In jedem Falle ist die Kost nicht ausschließlich ausveganen Lebensmittel zusammengesetzt, sondern besteht im Gros daraus. Es gibt unterschiedliche Ar-ten, mehr Pflanzliches zu essen - eine pflanzenbasierte Ernährung schließt nicht automatisch alle tieri-schen Produkte aus, tierische Lebensmittel werden vielmehr nur aus dem Fokus der Ernährungsweisegenommen, und pflanzliche Lebensmittel werden in den Mittelpunkt gerückt. Dieser Rat entsprichtauch den wissenschaftlich fundierten und anerkannten Empfehlungen des World Cancer Research Fund (WCRF), nach denen zwei Drittel einer Mahlzeit pflanzliche Lebensmittel sein sollten und ein Drittel tie-rische Produkte15. Diese Forderung lässt sich optisch leicht darstellen und damit in die Ernährungsauf-klärung integrieren. Damit die Bevölkerung Empfehlungen für eine pflanzenbasierte Ernährungsweiseverstehen und umsetzen kann, müssen Nährstoffziele in relevante und verständliche lebensmittelba-sierte Ernährungsleitlinien übersetzt werden. Diese müssen Informationen zum Anteil unterschiedlicherLebensmittel oder Lebensmittelgruppen zur Gesamternährung enthalten, mit dem sich die Gesundheitdurch optimale Ernährungsweise erhalten lässt. Die bisher eingesetzten Kreise, Dreiecke und Pyramidenscheinen den Verbraucher nicht in ausreichendem Maße zu erreichen. Vorliegende Daten deuten deut-lich darauf hin, dass zwischen den anzustrebenden Ernährungszielen und der tatsächlichen Nährstoff-aufnahme in Europa eine deutliche Lücke klafft16. Dies zeigt sich auch in der Prävalenz und Inzidenz vonernährungs(mit)bedingten Erkrankungen. In den meisten europäischen Ländern lag der Prozentanteilder Energie aus Fetten über dem von der WHO empfohlenen Bereich (28,4 bis 45,0 Energieprozent beiMännern und 29,9 bis 47,2 Energieprozent bei Frauen)17. Der Anteil gesättigter Fettsäuren (SFA) laghöher, und der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren (PUFA) lag in den meisten Ländern niedriger18.Die Proteinaufnahme lag innerhalb bis leicht über dem empfohlenen Bereich, wohingegen die Aufnah-me von Ballaststoffen in den meisten Ländern geringer war als für einen adäquaten Gesundheitsstatusempfehlenswert.

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Abbildung 2: Durchschnittliche Aufnahme ausgewählter Nährstoffe bei Männern in der EPIC-Studie

Der Vergleich lebensmittelbasierter Ernährungsleitlinien mit der tatsächlichen Aufnahme von Speisenund Getränken weist auch auf eine deutliche Diskrepanz zwischen den Empfehlungen und der Realitäthin. Wenn man beispielsweise die tatsächliche Lebensmittelaufnahme in Großbritannien (aus Konsum-daten der nationalen Umfrage zu Diät und Ernährung, National Diet and Nutrition Survey) mit den le-bensmittelbasierten Ernährungsleitlinien aus dem Eatwell Plate vergleicht, lässt sich daraus schließen,dass die Fleischgruppe sowie Lebensmittel und Getränke mit viel Fett und Zucker die Empfehlungenüberschreiten, wohingegen Obst, Gemüse und stärkehaltige Lebensmittel nicht ausreichend vertretensind.19 Solche Diskrepanz zwischen Empfehlungen für eine gesunde, ausgewogene Ernährungsweise undtatsächlicher Aufnahme von Lebensmitteln zeigt auch der 13. Ernährungsbericht der Deutschen Gesell-schaft für Ernährung e. V. (DGE)20 21 22. Demgegenüber darf die Evidenz für die ernährungswissenschaft-lichen Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährungsweise, die eine Reihe von Populationsstudien zeigen, nicht übersehen werden. Beispielsweise wurden Ernährungsmerkmale im Oxford-Arm der EPIC-Studie untersucht23.

Ernährungsphysiologische Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährungsweise im Überblick Eine pflanzenbasierte Ernährungsweise beinhaltet tendenziell wenig Fett insgesamt und wenig gesättigte Fettsäuren sowie Transfettsäuren aus Milchfett und teilgehärteten Fetten und Produkten, die damit hergestellt sind. Demgegenüber ist aber der Anteil ungesättigter Fettsäuren relativ hoch, was gleichbedeutend ist mit einer besseren Gesamtqualität der Fette. Außerdem ist hier der Ballaststoffgehalt hoch, was den weltweiten Ernährungsempfehlungen entspricht. Eine große Aufnahmemenge veganer Lebensmittel führt zu einer ausreichenden Aufnahme einer Reihe an Vitaminen und Mineralstoffen, die für einen guten Gesundheitsstatus wichtig sind. Um die ernährungsphysiologischen Vorteile einer pflanzenbasierten Kostform ausnutzen zu können, ist es wichtig dem Verbraucher zu vermitteln, dass wenigstens zwei Drittel eines Tellers mit pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Obst, Vollkorn, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte wie Soja sowie Nüsse, Samen und Kerne) gefüllt sein sollten. Lebensmittel tierischen Ursprungs sollten weniger als ein Drittel ausmachen.

Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährungsweise für die Gesundheit

1. Effekte auf Gewichtskontrolle, Regulierung des Blutzuckerspiegels und Herz-Kreislauf-Gesundheit Die Nährstoffmerkmale einer pflanzenbasierten Kost werden verantwortlich für die geringere Prävalenz von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sowie das weniger häufige Auftreten von koronaren Herzkrankheiten, Hypertonie und/oder Diabetes mellitus Typ 2 bei Menschen, die sich vorwiegend von pflanzlichen Lebensmitteln ernähren. Andere spezifische Komponenten, die man vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln findet, könnten auch zusammenwirken und so die Vorteile für die Herzgesundheit weiter erhöhen. Je höher der Pflanzenanteil in der Ernährung von Menschen ist, desto geringer ist der Body-Mass-Index (BMI - vergleiche dazu Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: BMI nach Vegetarierstatus in der Adventist Health Study24

In einer weiteren Auswertung der Seventh-day Adventist Studie-2 konnte gezeigt werden, dass mit stei-gendem Konsum von Fleisch und tierischen Produkten auch die Prävalenz von Diabetes mellitus steigt.Darüber hinaus haben verschiedene Interventionsstudien gezeigt, dass der Ersatz von tierischem Eiweißdurch pflanzliches Eiweiß (beispielsweise aus Leguminosen wie Soja) zu einer besseren Glukosehomöo-stase beitragen kann. Kostformen, in denen tierische durch pflanzliche Proteine (im Mittel 35 Prozentder Gesamtproteinaufnahme am Tag) ersetzt wurden, verbesserten den Blutzuckerspiegel und die Insu-linsensitivität. Dies deutet darauf hin, dass der Ersatz tierischer Eiweißquellen (beispielsweise ausFleisch oder Milchprodukten) durch pflanzliche (unter anderem Soja oder Nüsse) bei Diabetikern zuleichten Verbesserungen der Blutzuckereinstellung führt. Der Ersatz von tierischem Eiweiß durch wich- tige Quellen pflanzlicher Proteine kann eine Strategie sein, die sich mit der Standardtherapie kombinieren ließe, um bei Diabetikern die Blutzuckerregulierung zu verbessern25. Vor diesem Hintergrund ist es für Diabetiker wichtig, eine pflanzenbasierte diabetesgerechte Ernährungsweise anzustreben.

Vegane Lebensmittel und pflanzenbasierte Kost enthalten typischerweise wenig gesättigte Fettsäuren,viele ein- und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie Ballaststoffe und haben in der Regeln eine gerin-ge Energiedichte. Ballaststoffe sind wichtig, da sie bei der Blutzuckerregulierung helfen, den LDL-Cholesterinspiegel aktiv senken, das Sättigungsgefühl erhöhen könnten und hilfreich sind zum Haltendes Körpergewichts. Das vorteilhafte Fettsäuremuster spielt auch noch eine Rolle im Erhalt eines ge-sundheitsförderlichen Cholesterinspiegels und kann folglich zur Herzgesundheit beitragen. Darüber hin-aus senken spezifische pflanzliche Lebensmittel oder Bestandteile den Blutcholesterinwert, wie bei-spielsweise Sojaprotein26 27, Nüsse28, Beta-Glucane aus Hafer/Gerste29 und Pflanzenstanole sowie -sterole30. Die Experten Prof. Dr. Marco Mensink und Prof. Dr. Paolo Magni31 präsentieren Daten ihrerInterventionsstudien, die zeigten, dass Sojaprotein das LDL-Cholesterin um rund 4 Prozent senkt. Stär-kerer Sojaverzehr geht mit einem geringeren Risiko sowohl für Insulte als auch koronare Herzkrankhei-ten einher. Die Interventionsstudien der Wissenschaftler wiesen nach, dass ein geringerer Verzehr tieri-schen Eiweißes und dessen Ersatz durch täglich drei Sojaportionen bei Patienten mit metabolischemSyndrom das Risiko von Typ-2-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Neben dengroßen Volkskrankheiten hat die Ernährungsweise natürlich auch Effekte bei anderen Vorgängen immenschlichen Organismus wie beispielsweise der Fertilität.

2. Einfluss einer pflanzenbasierten Mittelmeerdiät auf die männliche Fertilität

Eine Vielzahl von Faktoren nehmen Einfluss auf die Fruchtbarkeit und Empfängnis. Neben genetischenoder medizinischen Risikofaktoren können auch Faktoren der Lebensführung wie der Ernährungsweiseeine wichtige Rolle in der Fruchtbarkeit spielen. Es zeigt sich beispielsweise bei Zinkmangel eine Oli-gospermie32, Empfängnisprobleme33 oder auch ein Anstieg der Schwangerschaftskomplikationen34.Jüngst publizierte Dr. Dimitrios Karayiannis von der Charokopio-Universität im griechischen Athen zumZusammenhang zwischen einer mediterranen Ernährungsweise und der Spermienqualität in der Fach-zeitschrift Human Reproduction35. Der Forscher untersuchte, wie sich die Einhaltung der „mediterreanstyled diet“ auf die männliche Fertilität auswirken kann. Er schloss, dass Ernährungsweisen mit vielObst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkorn mit besseren Kennzahlen der Spermaqualität inVerbindung gebracht werden können. In der Studie von Karayiannis wurde die Ernährungsweise von225 griechischen Männern unfruchtbarer Paare mit Spermaparametern untersucht. Die Männer wurdenin drei Gruppen eingeteilt und nach ihrer Einhaltung der traditionellen Mittelmeerdiät eingestuft. Män-ner, die sich strikt an die Prinzipien einer mediterranen Ernährungsweise hielten, wurden mit Männernverglichen, deren Ernährungsgewohnheiten am stärksten davon abwichen. Die Spermienkonzentration,die Gesamtzahl der Spermien, die Spermienmotilität und der Prozentanteil morphologisch normalerSamenzellen waren signifikant höher bei Männern, die der traditionell mediterranen, pflanzlich basier-ten Ernährungsweise folgten. Die Studienergebnisse stützen die Forderung, eine pflanzenbasierte Er-nährungsweise im Rahmen einer diätetischen- oder ernährungsmedizinischen Beratung als Grundlageeiner gesunden Kost für Männer mit verminderter Fruchtbarkeit zu empfehlen. Eine Ernährungsumstel-lung hin zu einer pflanzlich basierten Ernährungsweise mit reichlich Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten,Nüssen und Samen sowie Gemüse und Obst aber wenig Fleisch und Fleischwaren sowie gesättigtenFettsäuren kann eine einfache Möglichkeit sein, um die Spermienqualität zu verbessern.

Ressourceneffizienz der Ernährungsweise

Die Umwandlung von pflanzlichem Eiweiß aus Futterpflanzen in tierisches Protein zum menschlichenVerzehr ist im Allgemeinen ressourcenineffizient: Da etwa 6 Kilogramm Pflanzenprotein in Form vonTierfutter erforderlich sind, um 1 Kilogramm tierisches Protein zu „erzeugen“, erreichen durchschnittlich kaum 15 Prozent des Proteins und der Energie in diesen Futtermitteln (indirekt) den Menschen, sodass 85 Prozent verschwendet sind. Derzeit werden mehr als 38 Prozent der global geernteten Getreidemenge und rund 75 Prozent der Sojabohnen an Zuchtvieh verfüttert, was mit einem Ressourcenverlust von 85 Prozent einhergeht.

[...]


1 http://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/036-MUE-Praeventionstag.html?nn=312878Literatur/Quellen

2 https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2016/04_16/EU04_2016_M220-M230.pdf

3 https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf

4 http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/NVL_Typ-2_Therapie-lang_Apr_2014.pdf

5 https://www.aerzteblatt.de/archiv/162761/Praevention-und-Therapie-der-Adipositas

6 http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/gemuese-und-obstprodukte-alsnahrungsergaenzungsmittel/

7 http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/obst-und-gemuese-die-menge-machts/

8 https://krank.de/wp-content/uploads/2017/04/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf

9

10 http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Ernaehrung/Ernaehrung_node.html

11 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/175416/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-huelsenfruechten-indeutschland-seit-1935/

12 http://www.verbraucherzentrale.nrw/huelsenfruechte

13 http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Ernaehrung/Ernaehrung_node.html

14 https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf

15 WCRF/AICR. Food, Nutrition and Physical Activity and the Prevention of Cancer: a global perspective. 2007. Washington, AICR.

16 Elmadfa I, Meyer A, Nowak V et al. European Nutrition and Health Report 2009. Ann Nutr Metab 2009;55, Suppl 2:1-40

17 WHO. Diet, Nutrition and the Prevention of Chronic Diseases. Report of a Joint WHO/FAO Expert Consultation. WHO Tech Rep Ser 916:i-vii, 1-149. 2003.

18 WHO. Joint WHO/FAO Expert Consultation on fats and fatty acids in human nutrition. Ann Nutr Metab 2009;548

19 WWF. Livewell: a balance of healthy and sustainable food choices. 2011.

20 http://www.dge.de/presse/pm/trends-im-lebensmittelverbrauch/

21 https://www.dge.de/uploads/media/DGE-Pressemeldung-aktuell-02-2017-Trends-13-EB.pdf

22 http://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/

23 Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE, Knox KH, Key TJ. EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 2003;6:259-69.

24 Sabate J, Wien M. Vegetarian diets and childhood obesity prevention. Am J Clin Nutr 2010;91:1525S-9S.

25 Viguiliouk E, Stewart SE, Jayalath VH et al. Effect of Replacing Animal Protein with Plant Protein on Glycemic Control in Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 2015;7:9804-24.

26 Tokede OA, Onabanjo TA, Yansane A, Gaziano JM, Djousse L. Soya products and serum lipids: a meta-analysis of randomized controlled trials. Br J Nutr 2015;114:831-43.

27 Anderson JW, Bush HM. Soy protein effects on serum lipoproteins: a quality assessment and meta-analysis of randomized, controlled studies. J Am Coll Nutr 2011;30:79-91.

28 Del Gobbo LC, Falk MC, Feldman R, Lewis K, Mozaffarian D. Effects of tree nuts on blood lipids, apolipoproteins, and blood pressure: systematic review, meta-analysis, and dose-response of 61 controlled intervention trials. Am J Clin Nutr 2015;102:1347-56.

29 Whitehead A, Beck EJ, Tosh S, Wolever TM. Cholesterol-lowering effects of oat beta-glucan: a meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 2014;100:1413-21.

30 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24780090

31 http://www.alprofoundation.org/20-years/

32 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/549254

33 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/387829

34 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1067747

35 Karayiannis D et al, Association between adherence to the Mediterranean diet and semen quality parameters in male partners of couples attempting fertility. Hum. Reprod. 2017 Jan;32(1):215-222.

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Details

Titel
Pflanzenbasierte Ernährungweise. Wie Ernährungsberatung effektiver werden könnte
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V372163
ISBN (eBook)
9783668505667
Dateigröße
1041 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vegan, vegetarismus, Pflanzenbasierte Ernährungsweise, Sven-David Müller, Ernährung
Arbeit zitieren
MSc. Sven-David Müller (Autor), 2017, Pflanzenbasierte Ernährungweise. Wie Ernährungsberatung effektiver werden könnte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372163

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