Jeder von uns kennt aus eigener Schulzeit den lehrerzentrierten Frontalunterricht, gespickt mit regelmäßigen Leistungskontrollen, Autorität und Druck, die bei den Schülern so manches Mal Angst, ja beinahe schon Panik aufkommen lassen, wenn Lehrer repressive Maßnahmen ergreifen. Nicht etwa, dass Schüler dabei nichts lernen würden. Schüler sind in dem Fall oft eingeschüchtert, trauen sich nicht zu spät zu kommen, erst recht kein Schwänzen oder Plaudern im Unterricht. Eigentlich vorbildlich, oder? Ein Blick in eine Enzyklopädie soll zeigen, wie der Bildungsbegriff umschrieben wird:
Der Begriff B. [Bildung] wird in dreifachem Sinn verwendet: Er umfaßt den Vorgang der Entfaltung, das Bewirken dieser Entfaltung durch Erziehung u. [und] Unterricht u. [und] ihr Ergebnis (den jeweiligen Grad der Geprägtheit der Persönlichkeit).
B. [Bildung]sziel ist in erster Linie die Entwicklung und Förderung geistig – seelischer Anlagen u. [und] Fähigkeiten: logisches Denken, Ausdruckstiefe, Tiefe der Empfindung u. [und] Willensstärke sollen im selbständigen Umgang mit dem Objekt (...) entwickelt werden (...) (Lexikon Institut Bertelsmann 1992: 247).
Die Widersprüche zwischen dem beschriebenen Unterrichtsmodell und der Bildungsdefinition können nicht größer sein. Wenn als Bildungsziele Selbständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung postuliert werden, so ist es doch fraglich, wie diese in einem Unterricht erreicht werden kann, wie dies oben beschrieben wurde. Muss eine Schule nicht an ihren Bildungszielen scheitern, wenn sie Schüler über Leistungsdruck und Einschüchterung zum Lernen zwingt? Wie sollen sich in dieser Institution Persönlichkeiten formen?
In meiner Arbeit steht zunächst die pädagogische Legitimation des Offenen Unterrichts im Vordergrund. Von der Frage ausgehend "Was ist Offener Unterricht?" wird dieser in seiner pädagogischen Konzeption erklärt. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, warum sowohl von Lehrer- als auch von Elternseite die Forderung nach einer inneren und äußeren Öffnung von Schule gestellt wird. Ausgehend von einem Merkmalskatalog für Offenen Unterricht soll ein Überblick über mögliche Lernziele gegeben werden. Schließlich soll geklärt werden, welche Veränderungen für eine schrittweise Einführung des Offenen Unterrichts an Schulen nötig sind. Bei allen Punkten steht der Offene Unterricht in der Sekundarstufe im Zentrum des Blickwinkels. Danach wendet sich die Arbeit dem Wochenplan zu.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Begriffsdefinition
1 Veränderte Schülerschaft braucht veränderte Schule
2 Die Bildungsziele des Offenen Unterrichts
2.1 Bedenken um Bildungsverlust
2.2 Schlüsselqualifikationen des Offenen Unterrichts
3 Offener Unterricht und die institutionalisierte Schule
3.1 Überlegungen zur Planung und Durchführung
4 Die Wochenplanarbeit
4.1 Überlegungen im Vorfeld: Veränderungen des Lehrer- und Schülerverhaltens
4.2 Ziele der Wochenplanarbeit
5 Bedingungen für das Gelingen der Wochenplanarbeit
5.1 Rahmenbedingungen und Regeln
Schlussbemerkung
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Legitimation und praktische Umsetzung des Offenen Unterrichts in der Sekundarstufe, mit besonderem Fokus auf die Wochenplanarbeit als Instrument zur Förderung selbstständigen Lernens.
- Pädagogische Konzepte des Offenen Unterrichts
- Analyse des Bildungsbegriffs und der Bildungsziele
- Herausforderungen in der institutionalisierten Schule
- Methodik und Struktur der Wochenplanarbeit
- Förderung von Schlüsselqualifikationen bei Schülern
Auszug aus dem Buch
Offener Unterricht
Der Begriff kann als Profil und Programm einer besonderen Schulform betrachtet werden, die sich sowohl der inneren als auch der äußeren Öffnung von Schule annimmt. Er beinhaltet Unterrichtsformen wie Freie Arbeit, Wochenplan und Projektarbeit. Mit innerer Öffnung ist eine Schaffung von Lernumwelten und -landschaften für und durch Kinder, Eltern und Lehrer gemeint. Klassenräume werden zu Lern- und Lebenswelten So entsteht eine Lernlandschaft, die den Schüler zum individuellen Entdecken und Erforschen anregt, ihn also selbständig seinen Lernprozeß bestimmen lässt, indem er seine eigenen Interessen erkennen und verfolgen soll. Durch ganzheitliches, entdeckendes und handlungsorientiertes Lernen wird der Unterricht differenziert und individualisiert, das heißt die jeweilige Lernsituation des Schülers wird zur Ausgangslage der Initialisierung von Lernprozessen. Mit einer inneren Öffnung von Schule wird der Neugier und Spontaneität von Schülern in besonderem Maße Rechenschaft getragen. Schulleben, Schulkultur und Schulklima charakterisieren eine Schule, die "die Praxis des Miteinanderarbeitens und Miteinanderlebens über die Ausgestaltung von pädagogischen Handlungsspielräumen wichtiger nimmt als ihre klassische Funktion der Belehrung, der Auslese und der Leistungskontrolle" (Wallrabenstein 1991: 105f).
Eine äußere Öffnung von Schule ist gegeben, wenn diese zu ihrer Umwelt in Beziehung tritt. Das kann bedeuten, dass entweder Experten in die Schule eingeladen, oder dass Kindern und Jugendlichen außerschulische Lernmöglichkeiten ermöglicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und Begriffsdefinition: Einführung in die Problematik des lehrerzentrierten Unterrichts und theoretische Einordnung des Begriffs Bildung sowie der Kernkonzepte des Offenen Unterrichts.
1 Veränderte Schülerschaft braucht veränderte Schule: Diskussion über die Notwendigkeit reformpädagogischer Ansätze als Reaktion auf die veränderten Bedürfnisse und Voraussetzungen heutiger Schüler.
2 Die Bildungsziele des Offenen Unterrichts: Analyse der Bildungsziele, insbesondere der Bedeutung von Schlüsselqualifikationen, sowie Auseinandersetzung mit der Sorge vor Bildungsverlusten.
3 Offener Unterricht und die institutionalisierte Schule: Betrachtung praktischer Herausforderungen bei der Implementierung von Offenem Unterricht in das bestehende Schulsystem und die Fachlehrerstruktur.
4 Die Wochenplanarbeit: Detaillierte Untersuchung der Wochenplanarbeit hinsichtlich der notwendigen Verhaltensänderungen bei Lehrern und Schülern sowie der definierten Lernziele.
5 Bedingungen für das Gelingen der Wochenplanarbeit: Zusammenstellung essenzieller Rahmenbedingungen und notwendiger Regeln für eine erfolgreiche Durchführung der Wochenplanarbeit.
Schlussbemerkung: Kritische Reflexion über das Spannungsfeld zwischen traditionellem Leistungsprinzip und den humaneren Zielen des Offenen Unterrichts.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Wochenplanarbeit, Sekundarstufe, Selbstständiges Lernen, Schlüsselqualifikationen, Innere Öffnung, Äußere Öffnung, Lernlandschaften, Lehrerrolle, Lernberater, Bildungsziele, Individualisierung, Schulkultur, Methodenkompetenz, Handlungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Legitimation und der praktischen Umsetzung des Offenen Unterrichts, insbesondere in der Sekundarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der inneren und äußeren Öffnung von Schule, der Wochenplanarbeit sowie der Förderung von Schlüsselqualifikationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Herausforderungen des Offenen Unterrichts aufzuzeigen und Strategien für eine erfolgreiche schrittweise Einführung zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und theoretische Reflexion pädagogischer Konzepte sowie auf Praxisberichte zur Unterrichtsentwicklung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bildungsziele des Offenen Unterrichts, die institutionellen Rahmenbedingungen sowie die spezifische Methodik und Planung der Wochenplanarbeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen zählen Offener Unterricht, Wochenplanarbeit, Selbstständiges Lernen, Schlüsselqualifikationen und Lernberatung.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Lehrers in diesem Konzept?
Der Lehrer wandelt sich vom instruierenden Lenker des Unterrichtsgeschehens hin zum beratenden Lernbegleiter, der Lernprozesse unterstützt statt sie rein frontal zu vermitteln.
Warum wird die Wochenplanarbeit oft als "Kompromiss" bezeichnet?
Sie balanciert zwischen einer vorgegebenen "Didaktik der Lernbefehle" und dem Ziel, den Schülern echte "Lerngelegenheiten" zur selbstständigen Entfaltung zu bieten.
- Quote paper
- Emel Deyneli (Author), 2005, Offener Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37217