Zensuren vergeben, beurteilen, bewerten. All das gehört zu den täglichen Pflichten eines Lehrers dazu. Die Zensur oder Note ist die übliche Form dieser Leistungsbeurteilung von Schülern. Beschäftigt man sich näher mit dem Thema der Notengebung oder Benotung an sich und verschafft man sich eine ersten Überblick, findet man zahlreiche Beiträge zu diesem Thema. Ganz besonders auffällig ist es, dass eine gerechte Notengebung als ein Ideal angesehen wird, welches sehr schwer zu erreichen scheint, egal um welche Art von Prüfung es sich handelt. Zu groß seien die Stolpersteine, die einer gerechten Noten-Beurteilung im Wege stehen. Ich möchte mich zunächst der Definition, den Vorgaben der Leistungsbewertung des Gesetzgebers widmen um danach die geschichtliche Entwicklung der Notengebung näher zu beleuchten. Danach gehe ich auf die Stolpersteine ein, die eine gerechte Notengebung beeinflussen und später darauf, wie es gelingen kann, eine gerechte Benotung durchzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Definition und Vorgaben der Leistungsbewertung durch den Gesetzgeber
3. Zensuren
3.1 Zensuren und ihre Entwicklung
3.2. Funktionen von Zensuren
4. Vor- und Nachteile der Ziffernnoten
5.Fehler bei der Benotung
6. Gerechte Notenbeurteilung
7.Alternativen zur Leistungsbewertungsmethoden
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der schulischen Notengebung mit dem Ziel, die Faktoren für eine gerechte Leistungsbewertung zu identifizieren und kritisch zu hinterfragen, inwieweit Zensuren den tatsächlichen Leistungsstand von Schülern abbilden können.
- Gesetzliche Grundlagen und Definition der Leistungsbewertung
- Historische Entwicklung und pädagogische Funktionen von Zensuren
- Kritische Analyse von Vor- und Nachteilen der Ziffernnoten
- Identifikation von Fehlerquellen bei der Benotung (z.B. Halo-Effekt, Sympathie)
- Wissenschaftliche Gütekriterien für eine gerechte Notenbeurteilung
- Alternative Modelle wie Portfolio und Handlungsbewertung
Auszug aus dem Buch
Fehler bei der Benotung
Leider sind, trotz festgelegter Bewertungskriterien, Noten nicht immer objektiv. Viele Einflussfaktoren können die Benotung verfälschen. Diverse Studien beschreiben „Stolpersteine“ die eine Objektive Benotung stören oder bei der Benotung sehr subjektiv gehandelt bzw. benotet werden. Einige Stolpersteine sollen nun vorgestellt werden.
Der Einfluss von Vor- und Zusatzinformationen: Zusätzliche Informationen können die Notengebung beeinflussen. Es wird nicht die tatsächliche, objektive Leistung bewertet, sondern oft können verschiedene Zusatzinformationen den Lehrer in einer solchen Weise beeinflussen, dass Noten sich bei identischer Leistung signifikant unterscheiden. Diese Annahme geht aus der Arbeit von Weiß aus dem Jahr 1965 hervor. Er untersuchte mit einem Experiment die Validität (Gültigkeit) der Lehrerbeurteilung. Wenn die Note nur die Leistung in Form des Aufsatzes wiedergibt, muss diese Note folglich unabhängig von externen Einflüssen sein. Weiß schickte hierzu einen identischen Schüleraufsatz an 92 Lehrerinnen und Lehrer. Zusätzlich versah er die Aufsätze mit unterschiedlichen Aussagen über die jeweiligen Schüler. Ein Aufsatz soll von einem durchschnittlichen Schüler sein. Der Zweite hingegen sei von einem sprachlich begabten Schüler, dessen Vater als Redakteur bei einer großen Tageszeitung arbeite. Das Ergebnis des Experiments ist, dass simple Zusatzinformationen ausreichen, um massive Beurteilungsunterschiede zu erzeugen. Der Aufsatz des vermeintlichen besseren Schülers wurde auch besser bewertet, obwohl es sich um die gleiche Arbeit handelt (vgl. Kiper et al.2002, S. 138-139).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Fehleranfälligkeit bei der Notengebung und definiert das Ideal einer gerechten Notenfindung als zentrales Anliegen der Arbeit.
2. Definition und Vorgaben der Leistungsbewertung durch den Gesetzgeber: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen der Leistungsbewertung basierend auf dem Schulgesetz NRW.
3. Zensuren: Es wird die historische Entstehung des Notensystems sowie die vielfältigen pädagogischen Funktionen, wie Selektion und Rückmeldung, dargelegt.
4. Vor- und Nachteile der Ziffernnoten: Das Kapitel bietet eine Gegenüberstellung der praktischen Vorteile des Notenschemas sowie der problematischen Auswirkungen auf die Lernmotivation und Konkurrenz unter Schülern.
5.Fehler bei der Benotung: Hier werden typische Urteilsfehler wie der Halo-Effekt, Reihenfolge-Effekte und die Auswirkungen von Vorinformationen auf die Objektivität analysiert.
6. Gerechte Notenbeurteilung: Das Kapitel führt die drei wissenschaftlichen Hauptgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität als Maßstab für faire Noten ein.
7.Alternativen zur Leistungsbewertungsmethoden: Es werden alternative Ansätze wie das Leistungsportfolio und die Handlungsbewertung als ergänzende oder abweichende Beurteilungsmethoden diskutiert.
8. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Schulnoten trotz ihrer Fehleranfälligkeit grundsätzliche Leistungsaussagen ermöglichen, sofern die Gütekriterien der Messung eingehalten werden.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Zensuren, Schulnoten, Objektivität, pädagogische Psychologie, Benotung, Notenfehler, Halo-Effekt, Validität, Reliabilität, Leistungsportfolio, Handlungsbewertung, Notengebung, Schulleistung, Bildungsstandard
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gerechtigkeit und Objektivität von Zensuren im schulischen Kontext sowie deren Funktion und Fehleranfälligkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die rechtlichen Grundlagen der Leistungsbewertung, die pädagogischen Funktionen von Noten, verschiedene Urteilsfehler sowie alternative Beurteilungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob eine gerechte Notenbeurteilung möglich ist und wie sich die Qualität der Leistungsbewertung durch wissenschaftliche Kriterien absichern lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und fachwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Pädagogischen Psychologie und Leistungsdiagnostik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die gesetzlichen Vorgaben, die Entwicklung des Notensystems, eine Pro-Contra-Analyse des Ziffernsystems, diverse Urteilsfehler und die Anwendung wissenschaftlicher Gütekriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Leistungsbewertung, Zensuren, Notengebung, Objektivität, Validität, Reliabilität, pädagogische Psychologie und Leistungsdiagnostik.
Was versteht der Autor unter dem Halo-Effekt bei der Benotung?
Der Halo-Effekt bezeichnet das Phänomen, dass ein Lehrer von bekannten guten oder schlechten Leistungen eines Schülers in einem Bereich auf dessen Kompetenz in anderen Bereichen schließt und diese entsprechend beeinflusst bewertet.
Warum ist das Fazit bei der Bewertung von Schulnoten skeptisch?
Der Autor ist skeptisch, da zahlreiche unbewusste Einflussfaktoren die Benotung subjektiv verzerren, weist aber darauf hin, dass Noten dennoch als Anhaltspunkt für die Leistungsfähigkeit dienen können.
- Citation du texte
- Stefan Flender (Auteur), 2016, Das Für und Wider der Zensurnoten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372206