Das Für und Wider der Zensurnoten

Sind Zensurnoten gerecht?


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition und Vorgaben der Leistungsbewertung durch den Gesetzgeber

3. Zensuren
3.1 Zensuren und ihre Entwicklung
3.2. Funktionen von Zensuren

4. Vor- und Nachteile der Ziffernnoten

5.Fehler bei der Benotung

6. Gerechte Notenbeurteilung

7.Alternativen zur Leistungsbewertungsmethoden

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Eine im Jahr 1941 vom Deutschdidaktiker Ulshöfer durchgeführte Untersuchung (er schickte einen Abituraufsatz an 42 Deutschlehrer mit der Bitte, diesen zu benoten) führte zu dem Ergebnis, daß einige Lehrer den Aufsatz mit „sehr gut“ andere mit „ungenügend“ benoteten. Alle Noten waren in seiner Untersuchung vertreten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 1981 Schröter und auch in der Studie von Brügelmann im Jahr 2009 waren die Notenschwankungen immens, so dass die Rede von Noten aus dem Zufallsgenerator war. Nicht nur bei der Leistungsbewertung von Prüfungen in Aufsatzform sondern bei allen anderen Arten von Prüfungen (Mathearbeiten, Vokabeltests) ist es bei Untersuchungen zu enormen Notenschwankungen gekommen. (vgl. Minde, 2006, S. 17).

Zensuren vergeben, beurteilen, bewerten. All das gehört zu den täglichen Pflichten eines Lehrers dazu. Die Zensur oder Note ist die übliche Form dieser Leistungsbeurteilung von Schülern. Beschäftigt man sich näher mit dem Thema der Notengebung oder Benotung an- sich und man verschafft sich eine ersten Überblick über das Thema findet man zahlreiche Beiträge zu diesem Thema. Ganz besonders auffällig ist es, wie eingangs schon erwähnt, daß eine gerechte Notengebung als ein Ideal angesehen wird, welches sehr schwer zu erreichen scheint, egal um welche Art von Prüfung es sich handelt. Zu groß seien die Stolpersteine, die einer gerechten Noten-Beurteilung im Wege stehen. Ich möchte mich zunächst der Definition, den Vorgaben der Leistungsbewertung des Gesetzgebers widmen um danach die geschichtliche Entwicklung der Notengebung näher zu beleuchten. Danach gehe ich auf die Stolpersteine ein die eine gerechte Notengebung beeinflussen und später darauf, wie es gelingen kann, eine gerechte Benotung durchzuführen.

2. Definition und Vorgaben der Leistungsbewertung durch den Gesetzgeber

Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich kurz darauf eingehen, wie der Gesetzgeber die Benotung definiert und wie er sie beurteilt. Im Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen(Schulgesetz NRW - SchulG) vom 25. Juni 2015 heißt es im § 48 Grundsätze der Leistungsbewertung:

(1) Die Leistungsbewertung soll über den Stand des Lernprozesses der Schülerin oder des Schülers Aufschluss geben; sie soll auch Grundlage für die weitere Förderung der Schülerin oder des Schülers sein. Die Leistun­gen werden durch Noten bewertet. Die Ausbildungs- und Prüfungsordnun­gen können vorsehen, dass schriftliche Aussagen an die Stelle von Noten treten oder diese ergänzen.

(2) Die Leistungsbewertung bezieht sich auf die im Unterricht vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Grundlage der Leistungsbewer­tung sind alle von der Schülerin oder dem Schüler im Beurteilungsbereich „Schriftliche Arbeiten“ und im Beurteilungsbereich „Sonstige Leistungen im Unterricht“ erbrachten Leistungen. Beide Beurteilungsbereiche werden bei der Leistungsbewertung angemessen berücksichtigt.

(3) Bei der Bewertung der Leistungen werden folgende Notenstufen zu Grunde gelegt:

1.sehr gut (1)Die Note „sehr gut“ soll erteilt werden, wenn die Leistung den Anfor­derungen im besonderen Maße entspricht.
2.gut (2)Die Note „gut“ soll erteilt werden, wenn die Leistung den Anforderun­gen voll entspricht.
3.befriedigend (3)Die Note „befriedigend“ soll erteilt werden, wenn die Leistung im All­gemeinen den Anforderungen entspricht.
4.ausreichend (4)Die Note „ausreichend“ soll erteilt werden, wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch ent­spricht.
5.mangelhaft (5)Die Note „mangelhaft“ soll erteilt werden, wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die not­wendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in abseh­barer Zeit behoben werden können.
6.ungenügend (6)Die Note „ungenügend“ soll erteilt werden, wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht und selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können.

(4) Werden Leistungen aus Gründen, die von der Schülerin oder dem Schüler nicht zu vertreten sind, nicht erbracht, können nach Maßgabe der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Leistungsnachweise nachgeholt und kann der Leistungsstand durch eine Prüfung festgestellt werden.

(5) Verweigert eine Schülerin oder ein Schüler die Leistung, so wird dies wie eine ungenügende Leistung bewertet.

(6) Neben oder an Stelle der Noten nach Absatz 3 kann die Ausbildungs- und Prüfungsordnung ein Punktsystem vorsehen. Noten- und Punktsys­tem müssen sich wechselseitig umrechnen lassen (vgl. Schulministerium NRW, 2015).

3. Zensuren

Zensuren oder Schulnoten werden zur Leistungsbeurteilung in Schulen eingesetzt. Ausgedrückt werden sie in Deutschland durch eine gestaffelte Wortbewertung in der Regel von „sehr gut“ (1) bis „ungenügend“ (6) auch als 6-Stufensystem bezeichnet. . In der Oberstufe, ab Klasse 11, werden Punkte von 0-15 vergeben. Bei den Bewertungssystemen stellt die Note 1 bzw. 15 Punkte die beste Bewertung und die Note 6 bzw. 0 Punkte die schlechteste Bewertung dar.

3.1 Zensuren und ihre Entwicklung

Die Entwicklung des Notensystems und der Zeugnisse reicht bis ins 16.Jahrhundert zurück. „Die wichtigsten Vorläufer der heutigen Zeugnisse sind die […] Benefizienzeugnisse. Um sich als mittelloser, bedürftiger Schüler für Stipendien zu bewerben, konnten auf Wunsch diese Wohltätigkeitszeugnisse oder auch Empfehlungsschreiben ausgestellt werden.“ (Sacher, 1996, S. 7) Die Schüler wurden halbjährlich einer Prüfung unterzogen und diejenigen mit den besten Ergebnissen erhielten Nahrungsmittel oder durften am sogenannten Freitisch teilnehmen. Das bedeutete, daß die Schüler kostenlos Speisen und Getränke zu sich nehmen durften (vgl. ebd.). Das Benotungssystem das wir heute kennen hängt stark mit der Einführung der Schulpflicht zusammen. Mit ihr wurde die Bedeutung der Schulnote immer wichtiger. Die Schulnoten entschieden zunehmend, welche berufliche Laufbahn man einschlagen konnte der ob jemand in die Universität aufgenommen wurde.

In Bayern war ein Schulabgangszeugnis zudem die Bedingung, um heiraten, einen Beruf ergreifen und Land erwerben zu dürfen. Am Ende eines jeden Schuljahres werden die Zensuren der einzelnen Unterrichtfächer in einem Zeugnis zusammengefasst. Ob der Schüler die nächste Klassenstufe besuchen darf, hängt von der Leistungsanforderung ab, die im Zeugnis festgehalten ist (vgl. Holmeier, 2013, S. 96 f.).

3.2. Funktionen von Zensuren

Noten zusammengefasst als Zeugnisse dienen dazu herauszufinden, welche Fähigkeiten ein Schüler aufweist. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts dient die Notenvergabe dazu, schulische Leistungen, Begabungen und Können nachzuweisen und somit ein höheres Ansehen in der Gesellschaft zu erlangen3 (vgl. Konrad, 2005, S. 1). Es gibt eine Vielzahl an Funktionen, die der Zensur zugeschrieben werden. Als Funktionen werden beispielsweise die Rückmeldung, der Anreiz, die Disziplinierung, die Kommunikation mit den Eltern, sowie die Kontrolle, Berechtigung, Legitimation oder aber auch Sozialisation verstanden. In verschiedenster Literatur existieren unterschiedliche Funktionen. Im Folgenden werden Funktionen kurz beschrieben, welche am häufigsten in der Fachliteratur zu finden sind (vgl. Minde, 2006, S. 31).

3.2.1 Allokations- oder Selektionsfunktion

Die Volksschule erlangte als erste Institution die Erlaubnis, Noten zu vergeben, um den Schülern in Abhängigkeit ihrer Leistungen entweder den Übergang auf das Gymnasium oder in die Realschule zu gewährleisten. Somit werden Schüler auserlesen, aufgrund ihrer positiven schulischen Entwicklung, eine höhere Bildungslaufbahn einzuschlagen. Dies kann zu Diskrepanzen zwischen guten und schlechten Schülern führen. Im Zusammenhang mit dem Numerus clausus wird den schlechten Schülern der Zugang zu einer Hochschule oder bestimmten Berufen sowie Studiengängen verwehrt. Dies führt dazu, dass wiederum begabtere Schüler eine übergeordnete oder aussichtsreichere berufliche und gesellschaftliche Position erlangen können (vgl. Holmeier, 2013, S. 97 und Konrad, 2005, S. 4).

3.2.2 Kontrollfunktion

Bei der Kontrollfunktion geht es in erster Linie darum, dass Lehrer und vor allem das

Schulsystem von der Notengebung Gebrauch machen. Durch gleichbleibend positive

Noten werden das Lernen und besonders das Lehren im Unterricht als effektiv, erfolgsgekrönt und ergebnisreich angesehen. Die Noten und Zeugnisse zeigen eine Selbstverständlichkeit der pädagogischen und organisatorischen Vorkehrungen auf. Jedoch rücken lediglich die Ergebnisse der Schüler in den Fokus des gesellschaftlichen Bereiches, da die Lehr- und Lernprozesse unberücksichtigt bleiben (vgl. Holmeier, 2013, S. 101 und Konrad, 2005, S. 4). „Damit Lehrpersonen oder gar ganze Schulen nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten“ ist es von Vorteil, keine erheblichen Notenunterschiede aufzuweisen. (Holmeier, 2013, S. 101)

3.2.3 Rückmeldung

Die Rückmeldung als pädagogische Funktion dient als Feedback für Lehrer, Schüler sowie Eltern und späteren Arbeitgebern. Einerseits hilft es dem Schüler seine Stärken zu erkennen und auszubauen als auch seine Schwächen zu beseitigen. Er hat somit die Möglichkeit sich selbst besser wahrzunehmen. Andererseits werden die Eltern über den aktuellen Leistungsstand ihres Kindes informiert, um im Fall einer Verschlechterung durch zusätzliche schulische Unterstützung in Form von Nachhilfeunterricht einzugreifen. Deshalb ist die Rückmeldung „das wichtigste Bindemittel zwischen Eltern und Schule“. Überdies profitieren Lehrer davon, da durch die Zensierung von Leistungen das Ergebnis ihrer Lehrtätigkeit zum Vorschein kommt. Weil Noten nicht nur Aussagen über Schülerleistungen, sondern auch Aussagen über die Tätigkeit des Lehrers treffen, kann beispielsweise eine unzureichende Inhaltsvermittlung, die schlechte Schülerleistungen bedingt zu nachträglichen Konklusionen führen (vgl. Holmeier, 2013, S. 102 und Konrad, 2005, S. 4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Für und Wider der Zensurnoten
Untertitel
Sind Zensurnoten gerecht?
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V372206
ISBN (eBook)
9783668506879
ISBN (Buch)
9783668506886
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wider, zensurnoten, sind
Arbeit zitieren
Stefan Flender (Autor), 2016, Das Für und Wider der Zensurnoten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372206

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