Sprachliche Analyse eines Fragments der Kaiserchronik


Hausarbeit, 2017
31 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Mittelhochdeutsche
2.1 Sprachfamilie und Ursprung
2.2 Zeitliche Gliederung

3 Die Kaiserchronik
3.1 Überlieferung
3.2 Das vorliegende Fragment (Wien, ÖNB, Cod. 12866)

4 Sprachliche Analyse des Fragments
4.1 Mhd. /î/, /iu/, /û/
4.1.1 Nicht der Fall einer fnhd. Diphthongierung
4.1.2 Vollzogene fnhd. Diphthongierung
4.2 Nhd. Diphthongwandel
4.3 Germ. */k/
4.3.1 Germ. */k/ im Anlaut
4.3.2 Inlautendes germ. */k/
4.4 Die Verben stân, stên und gân, gên
4.5 Negation

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ob Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide oder Hartmann von Aue, die mittelhochdeutsche Epoche hat viele bekannte Dichter und Lyriker hervorgebracht. Auf der Suche nach den Wurzeln der deutschen Sprachgeschichte trifft man auf höfische Epik, Heldenepik, wie beispielsweise das Nibelungenlied und natürlich auf die Minnelyrik. Vor allem der berühmte Codex Manesse, die umfassende Heidelberger Liederhandschrift, beinhaltet zahlreiche repräsentative Werke der mittelhochdeutschen Sprachepoche. Als das umfangreichste Werk dieser Zeit mit ca. 17.000 Reimpaarversen gilt in der historischen Sprachwissenschaft allerdings die faszinierende Weltchronik Kaiserchronik. Bisherige Forschungsergebnisse datieren das Werk um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Es existieren insgesamt 50 Zeugnisse der Chronik, die an unterschiedlichen Aufbewahrungsorten und Bibliotheken verwahrt werden.

Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die Sprachanalyse eines der Fragmente dieser bedeutenden mittelhochdeutschen Reimchronik, das in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt wird. Eine sprachliche Analyse hinsichtlich Alter und Dialekteinteilung des vorliegenden Schriftstücks soll detailliert Aufschluss über eine mögliche zeitliche sowie räumliche Verortung geben.

Einführend setzt sich die Arbeit mit einer kurzen diachronischen Sprachbetrachtung der Epochen um das Mittelhochdeutsche auseinander. Kapitel zwei wird daher einen prägnanten Einblick in sprachgeschichtlich relevante Details geben und den zeitlichen Rahmen des Mittelhochdeutschen darlegen. Die Entstehung aus der indogermanischen Sprachfamilie und die zeitliche Einteilung der mittelhochdeutschen Epoche stehen im Vordergrund. Der Überlieferung der Kaiserchronik sowie inhaltlichen Details des vorliegenden Fragments widmet sich Kapitel drei. Anschließend folgt der Hauptteil der Arbeit, die sprachliche Analyse. Lautliche sowie grammatische Phänomene, die einen Rückschluss auf eine räumliche Einordnung und zeitliche Datierung des Fragments zulassen, sollen zu diesem Zweck exhaustiv untersucht werden. Im Vordergrund stehen hierbei die frühneuhochdeutsche Diphthongierung sowie der neuhochdeutsche Diphthongwandel. Weitere Phänomene auf der phonologischen Ebene sind das germanische * /k/ sowie die Verben stân/ stên bzw. gân/ gên. Aus grammatischer Sicht ist vor allem das Phänomen der Negation von hoher Relevanz, das in Kapitel 4.5 diskutiert wird.

In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und eine konkrete Einschätzung hinsichtlich Alter und dialektaler Einordnung des Fragments vorgenommen.

2 Das Mittelhochdeutsche

Dieses Kapitel wird einen kurzen Einblick hinsichtlich der Verortung des Mittelhochdeutschen in der Geschichte der deutschen Sprache geben.

2.1 Sprachfamilie und Ursprung

Die deutsche Sprache findet ihren Ursprung in den germanischen Sprachen, die zur Sprachfamilie der indogermanischen Sprachen zählen. Kennzeichen dieser Sprachfamilie, der zahlreiche Sprachen des indoeuropäischen Raumes sowie des asiatischen Sprachraumes angehören, ist der flektierende Sprachbau, sozusagen das Beeinflussen der sprachlichen Elemente untereinander (vgl. Weddige 2004, 1). Das Germanische durchlief im Laufe der Zeit einige weitere Sprachentwicklungen, wodurch sich die germanischen Sprachen seither von den übrigen indogermanischen Sprachen unterschieden. Traditionell werden die germanischen Sprachen in Nord-, West- und Ostgermanisch unterschieden (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Germanische Sprachen. Quelle: Weddige (2004, 4).

Die zeitliche und räumliche Binnengliederung führte zu einer Zweiteilung des deutschen Sprachgebiets. Die räumliche Komponente unterscheidet Hoch- und Niederdeutsch. Hochdeutsch wird dem Süden und dem Zentrum des deutschsprachigen Gebiets zugeordnet, wobei Niederdeutsch den Norden umfasst (vgl. Paul 2007, 4). Besonders hervorzuheben ist die sprachliche Besonderheit des Hochdeutschen, in dessen Sprachgebiet der Ursprung der so genannten zweiten (auch: hochdeutschen bzw. althochdeutschen) Lautverschiebung liegt. Den niederdeutschen Sprachraum hat diese grundlegende Lautveränderung im Konsonantismus dagegen nicht erreicht (vgl. Hennings 2012, 18). Kartographisch wird dieses Phänomen mit Hilfe der Benrather Linie dargestellt, die den hochdeutschen vom niederdeutschen Sprachraum trennt (vgl. Paul 2007, 5). Dabei ist zu beachten, dass das hochdeutsche Sprachgebiet wiederum in das Oberdeutsche (Bairisch, Alemannisch, Ostfränkisch) und das mitteldeutsche Sprachgebiet (Westmitteldeutsch, Ostmitteldeutsch) unterteilt wird. Hinsichtlich der zeitlichen Komponente werden die drei Sprachperioden Alt-, Mittel- und Neudeutsch unterschieden (vgl. Weddige 2009, 6).

2.2 Zeitliche Gliederung

Das Mittelhochdeutsche liegt zwischen der ältesten und der jüngsten Sprachstufe des Hochdeutschen. Bezugnehmend auf Abbildung 1 umfasst die Datierung der germanischen Sprachen die Periode um das 1. Jt. v. Chr. – ca. 200 n. Chr.. Das Westgermanische, das den Ursprung des Mittelhochdeutschen bildet, wird auf ca. 200 n. Chr. – ca. 500 n. Chr. datiert. Schließlich folgt die Sprachperiode des Althochdeutschen, das zwischen 500/750 und 1050 gesprochen wurde. Daran schließt die Periode des Mittelhochdeutschen an, die sich auf 1050 – 1350 datieren lässt. Zwischen dem Neuhochdeutschen (1650 – Gegenwart) und dem Mittelhochdeutschen, liegt das Frühneuhochdeutsche, das auf den Zeitraum 1350 bis 1650 zurückgeht (vgl. Paul 2007, 10).

Eine genauere Betrachtung der drei Jahrhunderte der mhd. Sprachperiode führt zu drei zeitlichen Abschnitten, in die sich das Mhd. unterteilt. Diese Binnenperiodisierung geht in erster Linie auf literaturwissenschaftliche Aspekte zurück. Zunächst entstand die frühmittelhochdeutsche Periode, die die Zeit von ca. 1050 bis ca. 1170 umfasst. In diesem Zeitraum überwiegen vor allem geistlich-religiöse Texte (vgl. Hennings 2012, 14). Anschließend ist vom „klassischen“ Mittelhochdeutsch bzw. der mittelhochdeutschen Klassik die Rede, die den Zeitraum von 1170 bis 1230/ 1250 umspannt. Diese Periode umfasst das „eigentliche Mittelhochdeutsch“, die Blütezeit der Staufischen Klassik. Die höfische Kultur Frankreichs war das Vorbild für deutsche Verfasser wie beispielsweise Hartmann von der Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg (vgl. Hennings 2012, 16). Höfische Dichtungen, Versromane und Höfischer Minnesang bildeten zu dieser Zeit den Kern der mhd. Klassik. An diese Periode schließt das Spätmittelhochdeutsche an, das zwischen 1250 und 1350 datiert wird. Die Literatur in diesem Zeitraum ist geprägt durch einen Wandel der Gattungen der klassischen Periode. Das Hauptaugenmerkmal liegt auf der Ausweitung der volkssprachlichen Schriftlichkeit von Textsorten, wie z.B. Dramen oder Predigten, die zuvor lediglich in lateinischer Sprache verfasst wurden (vgl. Hennings 2012, 16).

3 Die Kaiserchronik

Die im 12 Jh. entstandene Reimchronik (ursprünglich crônicâ) erzählt in mehr als 17000 Reimpaarversen die Geschichte des Römischen Reiches (vgl. Schumacher 2010, 176). Episodenhaft werden in chronologischer Reihenfolge 55 Kaiserbiographien thematisiert. „Thema der ‘Kchr.‘ ist die – reich mit Legenden und Sagen ausgeschmückte – Geschichte des römischen Reichs von Cäsar bis zu Konrad III. […] Jedem Herrscher wird nach Möglichkeit eine exemplarische Erzählung zugeordnet […].“ (Nellmann 1983, 954)

3.1 Überlieferung

Dem Handschriftenzensus zufolge geht man derzeit von 50 bekannten Textzeugen aus, wobei insgesamt 20 Codices und 30 Fragmente der Kaiserchronik vorliegen (vgl. Gamper u. a. 2016). Hinsichtlich der Überlieferung stammt eine sehr bedeutende Edition von Edward Schröder. Seiner eigenen Aussage nach kannte er 15 Handschriften, die sowohl vollständig als auch lückenhaft waren sowie 17 Bruchstücke (vgl. Schröder 1895, 7).

Die Textzeugen werden in drei Redaktionen eingeteilt. Redaktion A stellt den sogenannten „alten Text“ dar (vgl. Nellmann 1983, 949ff) und wird auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Die B-Redaktion umfasst erste Bearbeitungen, welche vermutlich auf den Anfang des 13. Jahrhunderts zurückgehen. Textzeugen der dritten Redaktion C werden nach 1250 datiert und umfassen die zweiten Bearbeitungen. Man geht davon aus, dass diese Texte vor allem im Raum Regensburg entstanden sind (vgl. Schröder 1895). Schröder (1895) und Welzhofer (1874) ziehen diesen Schluss, da die Stadt eine bevorzugte Erwähnung in der Chronik findet und auffallend viele Detailkenntnisse über Nachbarorte sowie Regensburger Persönlichkeiten bekannt sind (vgl. Nellmann 1983, 949ff). Als Verfasser wird ein „Regensburger Geistlicher“ angenommen (vgl. Schröder 1895). Allerdings kann bis heute nicht eindeutig festgestellt werden, ob ein oder mehrere Verfasser an der Kaiserchronik beteiligt waren. Unterschiede in Erzähltechniken und widersprüchliche Handlungen lassen auf mehrere Verfasser schließen. Eine genaue Datierung bzw. Entstehungsgeschichte ist ebenfalls nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass als frühester möglicher Entstehungstermin das Jahr 1126 erwogen werden kann (vgl. Nellmann 1983, 949ff).

[...]

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Details

Titel
Sprachliche Analyse eines Fragments der Kaiserchronik
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Mittelhochdeutsch aus sprachwissenschaftlicher Sicht
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
31
Katalognummer
V372216
ISBN (eBook)
9783668506909
ISBN (Buch)
9783668506916
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachliche, analyse, kaiserchronik, historische Sprachforschung, Mittelhochdeutsch, Historie, Sprachanalyse, Linguistik, Sprachforschung, Sprachwissenschaften, wissenschaftliche Arbeit, angewandte Sprachwissenschaft, historische Sprachwissenschaft, Textanalyse, Fragmentanalyse
Arbeit zitieren
Sabrina Lindner (Autor), 2017, Sprachliche Analyse eines Fragments der Kaiserchronik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372216

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