Das Ende der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bedeutete eine nachhaltige Zäsur in der Weltgeschichte. Vor allem die militärische Stärke der Sowjetunion und die Angst der Westmächte vor einem kommunistischen Dominoeffekt hatten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Weltgeschehen mitbestimmt.
Mit der seit 1985 einsetzenden Entspannungspolitik des Generalsekretärs Michail Gorbačev wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der den Kalten Krieg allmählich zu beenden schien und dem Kommunismus ein demokratischeres Antlitz geben sollte. Dieser Prozess wurde schlagartig durch die Implosion des Putschversuches im August 1991 beschleunigt. Mit dem Ziel, Michail Gorbačev zu stürzen und ein mögliches Auseinanderfallen der Sowjetunion zu verhindern, versuchte ein so genanntes Notstandskomitee die Herrschaft zu übernehmen. Boris El´cin, Präsident der Teilrepublik Russland, verteidigte die legitime Macht in Moskau, womit der Putsch zusammenbrach. Zwischen Michail Gorbačev und Boris El´cin hatte sich seit dem Ende der 1980er Jahre ein zunehmendes Spannungsverhältnis in politischer und persönlicher Hinsicht entwickelt.
Die zentrale Frage der vorliegenden Arbeit besteht darin, welchen Einfluss der Putsch im August 1991 auf das Verhältnis zwischen Gorbačev und El´cin hatte. Mit Verhältnis ist dabei sowohl das politische als auch das persönliche gemeint. In einem erstenSchritt geht es darum, welche politischen Grundeinstellungen und für den jeweiligen Politikstil entscheidenden Charaktereigenschaften sich bei beiden bis 1985 entwickelt hatten. Darüber hinaus sind das Verhältnis zwischen Gorbačev und El´cin bis zum Oktoberplenum des Zentralkomitees 1987 und das Plenum selbst von besonderer Bedeutung, denn sie wirken sich nachhaltig auf ihre anschließende Beziehung bis zum August-Putsch 1991 aus. Die Reaktionen von Boris El´cin auf den Putsch werden anschließend näher untersucht. Die Analyse schließt mit der Betrachtung des Verhältnisses zwischen El´cin und Gorbačev nach dem Putsch.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Michail Gorbačev und Boris El'cin vor dem Putsch
- Politische Positionen und Charaktere
- Boris El'cin
- Michail Gorbačev
- Von der politischen zur persönlichen Auseinandersetzung – das Verhältnis von Gorbačev und El'cin bis zum Oktoberplenum 1987
- Das Oktoberplenum des Zentralkomitees 1987
- Gorbačev und El´cin 1987 bis 1991
- Politische Positionen und Charaktere
- Der August-Putsch 1991
- Reaktion von Boris El'cin auf den Putsch
- Gorbačev und El´cin nach dem Putsch
- Die Entmachtung Gorbačevs
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Michail Gorbačev und Boris El'cin im Kontext des August-Putsches 1991. Sie beleuchtet die politische und persönliche Entwicklung dieses Verhältnisses, beginnend mit den jeweiligen politischen Positionen und Charaktereigenschaften beider Männer bis hin zu ihren Reaktionen auf den Putsch und die anschließende Entmachtung Gorbačevs.
- Politische Positionen und Charaktereigenschaften von Gorbačev und El'cin
- Entwicklung des Verhältnisses zwischen Gorbačev und El'cin vor dem Putsch
- Die Rolle des August-Putsches 1991 im Verhältnis zwischen Gorbačev und El'cin
- Die Folgen des Putsches für die Machtverhältnisse in der Sowjetunion
- Der Einfluss des Putsches auf die spätere politische Entwicklung Russlands
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 analysiert die politischen Positionen und Charaktereigenschaften von Michail Gorbačev und Boris El'cin. Es beleuchtet die prägenden Faktoren in ihrer Jugend und Karriere und zeigt die unterschiedlichen Entwicklungspfade auf, die zu ihren jeweiligen politischen Stilen führten. Kapitel 2.2 untersucht das Verhältnis zwischen Gorbačev und El'cin vor dem Oktoberplenum 1987 und beleuchtet die Spannungen, die sich in dieser Zeit entwickelten. Kapitel 2.3 beschäftigt sich mit dem Oktoberplenum selbst, das einen Wendepunkt im Verhältnis der beiden Männer markierte. Kapitel 2.4 zeichnet die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Gorbačev und El'cin von 1987 bis zum August-Putsch 1991 nach. Kapitel 3 beleuchtet die Reaktion von Boris El'cin auf den Putschversuch im August 1991. Es beschreibt seine Aktionen, seine Rhetorik und seine Rolle bei der Verteidigung der legitimen Macht in Moskau. Kapitel 4.1 analysiert die Folgen des Putsches für Michail Gorbačev und seine Entmachtung.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Michail Gorbačev und Boris El'cin im Kontext des August-Putsches 1991. Zentrale Themen sind die politischen Positionen und Charaktereigenschaften beider Männer, die Entwicklung ihres Verhältnisses vor dem Putsch und die Folgen des Putsches für die Machtverhältnisse in der Sowjetunion. Schlüsselbegriffe sind: Perestroika, Glasnost, August-Putsch, Notstandskomitee, Sowjetunion, Russland, politische Macht, politische Führung, Charaktereigenschaften, Spannungsverhältnis, Reaktion auf den Putsch, Entmachtung.
Häufig gestellte Fragen
Wie beeinflusste der August-Putsch 1991 das Verhältnis zwischen Gorbačev und El´cin?
Der Putsch beschleunigte die Machtverschiebung von Gorbačev zu El´cin, was letztlich zur Entmachtung Gorbačevs und zum Ende der Sowjetunion führte.
Was war das Ziel des August-Putsches?
Ein Notstandskomitee versuchte, Michail Gorbačev zu stürzen, um den Zerfall der Sowjetunion zu verhindern und die demokratischen Reformen zu stoppen.
Welche Rolle spielte Boris El´cin während des Putsches?
Als Präsident der Teilrepublik Russland verteidigte El´cin die legitime Macht in Moskau und wurde durch seinen Widerstand gegen die Putschisten zur zentralen politischen Figur.
Warum war das Oktoberplenum 1987 ein Wendepunkt?
Auf diesem Plenum kam es zum offenen Bruch zwischen Gorbačev und El´cin, was die Grundlage für ihr späteres politisches und persönliches Spannungsverhältnis legte.
Worin unterschieden sich die Politikstile von Gorbačev und El´cin?
Gorbačev setzte auf einen kontrollierten Reformprozess (Perestroika), während El´cin für radikalere Veränderungen und die Souveränität Russlands eintrat.
- Quote paper
- Stefan Jannen (Author), 2012, Michail Gorbačev und Boris El´cin im August-Putsch 1991, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372275