Gegenwärtig liest man oft in Zeitungen, dass bei inszenierten Autounfällen durch die Polizei, Passanten entweder gar nicht eingreifen und vorbeifahren oder sich nicht zu helfen wissen. Doch warum ist das so und wo liegt der Ursprung des prosozialen Verhaltens? In meiner vorliegenden Hausarbeit möchte ich der Frage auf den Grund gehen, welche Bedeutung prosoziales Verhalten für die Entwicklung in der Kindheit hat und welche Entwicklungsprozesse ein Kind durchläuft, um prosoziales Verhalten entstehen zu lassen.
Als erstes werde ich dabei wiederholt auf den Begriff des prosozialen Verhaltens eingehen und dabei die oben genannten Begriffe noch einmal aufgreifen. Als zweites möchte ich mich mit der Entwicklung und dem Erlernen von Hilfsbereitschaft im Kindesalter befassen. Als drittes beschäftige ich mich mit der Bedeutung von prososzialen Verhalten in der Kindheit. Zum Schluss werde ich eine Studie miteinbeziehen, die mütterliche Feinfühligkeit und die Entwicklung von prosozialem Verhalten bei Vorschulkindern thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prosoziales Verhalten, Hilfeverhalten und Altruismus
3. Entwicklung von prosozialen Verhalten
3.1 durch Emotion
3.2 durch das Gewissen
3.3 Befragung von Müttern über das prosoziale Verhalten der vierjährigen Kinder
4. Eine Beobachtungsstudie: Mütterliche Feinfühligkeit und die Entwicklung von mitfühlend prosozialem Verhalten bei Vorschulkindern
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von prosozialem Verhalten für die kindliche Entwicklung und analysiert die zugrunde liegenden psychologischen Prozesse sowie den Einfluss mütterlicher Feinfühligkeit auf dieses Verhalten.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe prosoziales Verhalten, Hilfeverhalten und Altruismus
- Die Rolle von Emotionen und Gewissensbildung in der frühen Kindheit
- Empirische Untersuchung von Mütter-Tochter-Interaktionen und deren Auswirkung auf das prosoziale Handeln
- Zusammenhang zwischen familiären Beziehungserfahrungen und der Entwicklung von Mitgefühl
Auszug aus dem Buch
3.1 durch Emotion
Die Entwicklung und die Entstehung von prosozialem Verhalten hat eine enge Verbindung zur Herausbildung der Persönlichkeitsmerkmale eines Kindes. (vgl. Bierhoff 2010, S.47) Kinder können schon sehr früh die Gefühle anderer Menschen verstehen, ebenso deren erlebte Gefühle in Bezug auf Mitgefühl.(vgl. Bierhoff 2010, S.47)
Emotionen sind die grundlegende Dynamik um prosozial zu handeln. Dabei fördern negative Emotionen aggressives Verhalten und positive Emotionen prosoziales Verhalten.(vgl. Bierhoff 2010, S.47) Bereits im Kindergartenalter können Kinder emotionale Reaktionen interpretieren, dies wird verdeutlich durch eine Felduntersuchung, wobei drei bis sechsjährige Kinder angesprochen wurden, nachdem sie bei einem anderen Kind sichtbar Emotionen beobachten konnten. Thematisiert wurde somit das Ausdrucksverhalten eines Kindes im freien Spiel und die darauffolgende Reaktion eines anderen Kindes. (vgl. Bierhoff 2010, S.48) Als Ergebnis zeigte sich, dass bereits über zwei drittel der drei- und vierjährigen Kinder Einschätzungen zu den Emotionen anderer abgeben konnten. Je älter die Kinder waren, desto genauer konnten sie auch die Emotionen anderer verstehen. Laut Bierhoff ist es die fortgeschrittene kognitive Entwicklung, die bei älteren Kindern zu besseren Einschätzungen führt, da sie bereits detaillierter die Perspektive eines anderen Kindes übernehmen können.(vgl. Bierhoff 2010, S.48)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das junge Forschungsfeld des prosozialen Verhaltens und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der kindlichen Entwicklung.
2. Prosoziales Verhalten, Hilfeverhalten und Altruismus: Theoretische Abgrenzung der drei Begriffe anhand ihrer motivationalen Grundlagen und der involvierten Empfängerpersonen.
3. Entwicklung von prosozialen Verhalten: Analyse der entwicklungspsychologischen Grundlagen durch Emotionen und Gewissensbildung sowie eine mütterliche Befragung.
3.1 durch Emotion: Darstellung des Einflusses frühkindlicher Emotionswahrnehmung und deren Förderung durch elterliche Feinfühligkeit.
3.2 durch das Gewissen: Erläuterung der moralischen Selbstentwicklung und des Einflusses von Erziehungsstilen auf das moralische Urteilsvermögen.
3.3 Befragung von Müttern über das prosoziale Verhalten der vierjährigen Kinder: Vorstellung einer Studie zur Häufigkeit und den Typen prosozialen Verhaltens bei Vorschulkindern.
4. Eine Beobachtungsstudie: Mütterliche Feinfühligkeit und die Entwicklung von mitfühlend prosozialem Verhalten bei Vorschulkindern: Detaillierte Auswertung einer Beobachtung von Mutter-Tochter-Paaren zur Korrelation zwischen Bindung und Prosozialität.
5. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der Relevanz elterlicher Zuwendung im Kontext der sozialen Entwicklung.
Schlüsselwörter
Prosoziales Verhalten, Altruismus, Hilfeverhalten, Bindungstheorie, mütterliche Feinfühligkeit, Kindesentwicklung, Emotionswahrnehmung, Gewissensbildung, moralisches Urteil, Perspektivenübernahme, frühkindliche Erziehung, Sozialverhalten, Empathie, Persönlichkeitsmerkmale, Vorschulalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Einordnung und der entwicklungspsychologischen Bedeutung prosozialen Verhaltens bei Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Hilfeverhalten, die Rolle von Emotionen und Gewissen sowie den Einfluss der Mutter-Kind-Bindung auf die soziale Kompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, welche Bedeutung prosoziales Verhalten für die kindliche Entwicklung hat und durch welche Prozesse es im Kindesalter entsteht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse einer spezifischen Beobachtungsstudie zu mütterlicher Feinfühligkeit und kindlichem prosozialem Verhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Emotionen und Gewissen sowie die Auswertung einer empirischen Studie mit 92 Probandinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Prosoziales Verhalten, Bindungstheorie, Empathie und mütterliche Feinfühligkeit.
Warum ist das Alter des Kindes für die Studie relevant?
Das Alter ist entscheidend, da sich kognitive Fähigkeiten wie die Perspektivenübernahme über die Zeit entwickeln und somit die Ausprägung von Hilfeverhalten beeinflussen.
Welche Rolle spielt die mütterliche Feinfühligkeit laut der Beobachtungsstudie?
Die Studie zeigt einen positiven Zusammenhang: Je feinfühliger Mütter mit ihren Kleinkindern umgehen, desto stärker ist das prosoziale Mitgefühl der Kinder im Alter von fünf Jahren ausgeprägt.
Was unterscheidet das moralische Handeln von Kleinkindern von dem älterer Kinder?
Kleinkinder handeln eher bedürfnisorientiert, während bei älteren Kindern zunehmend verinnerlichte Schuldgefühle und die Fähigkeit zur Rollenübernahme das Verhalten regulieren.
- Arbeit zitieren
- Livia Sommer (Autor:in), 2015, Prosoziales Verhalten und dessen Bedeutung für die Entwicklung in der Kindheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372303