Ein kurzer Rückblick auf 30 Jahre Bildungsforschung am Beispiel des SOEP


Hausarbeit, 2015
10 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte des SOEP
2.1 Vorbereitung
2.2 Entscheidung

3.Veränderung der Strukturen im Laufe der Jahrzehnte
3.1 Vom Adressprotokoll zur Daten DVD
3.2 Personen- und Haushaltsfragebögen
3.3 Der Zeitplan

4. Weiterentwicklung der Erhebungsinstrumente
4.1 Stichproben des SOEP
4.2 Interviewmode und Sonderdatenbestände

5. Struktur der Mikrodatenbasis
5.1 Generierte Einkommen
5.2 Datenformate zur Speicherung

6. Schlussfolgerung und Diskussion

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das sozioökonomische Panel wurde erstmals 1984 erhoben und zählt somit zu den ältesten und auch erfolgreichsten repräsentativen Wiederholungsbefragungen. Da es seit 30 Jahren läuft, können mitlerweile Informationen von drei Generationen eingesehen werden. (vgl. Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.77) Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 30.000 Befragte in fast 11.000 Haushalten, die das 17. Lebensjahr erreicht haben, von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Durch die jährliche Befragung der gleichen Personen und Haushalte können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden. Man bekommt Auskunft über Einkommen, Bildung, Erwerbstätigkeit, oder Gesundheit. Es dient der gesamten Gemeinschaft der Wissenschaft, nicht nur national, sondern auch international, da es die erworbenen Rohdaten zeitgemäß und leicht verständlich in Panel- und Kontextdaten überträgt und somit hohe Qualität garantiert. Damit tragen die Mikrodaten des SOEP zum besseren Verständnis des menschlichen Verhaltens bei. Gegenwärtige Schwerpunkte des Panels sind unter anderem die Welt der Finanzmärkte, Frauen im Erwerbsleben oder auch Verbraucher und Verbraucherpolitik.(vgl. SOEP 2015)

Ich stelle mir somit die Frage, welche strukturellen Veränderungen es in Bezug auf Erhebung und Daten des SOEP gegeben hat, um bis heute eines der wichtigsten Panelstudien der Gegenwart zu sein. Dabei möchte ich als erstes auf den geschichtlichen Hintergrund und die Veränderungen der Strukturen im Laufe der Jahrzehnte eingehen. Danach die durch diese Änderungen einhergehenden Erneuerungen der Längsschnitt-Daten und außerdem die Weiterentwicklung der Erhebungsinstrumente. Zuletzt greife ich auf die Struktur der Mikrodatenbasis zurück.

2. Entstehungsgeschichte des SOEP

2.1 Vorbereitung

1979 haben die Vorbereitungen für das Haushaltspanel begonnen. Anfangs sahen viele Wissenschaftler nicht die Notwendigkeit eines Panels, da es unter anderem ein sehr teueres Verfahren ist. (vgl. Krupp 2008: S.18)

Ute Hanefeld, welche 1981 in die Panel-Projektgruppe aufgenommen wurde, versuchte durch ihre Erfahrung von Panelprojekten in den USA hohe wissenschaftliche Maßstäbe durchzusetzen, zum Beispiel durch die Zufalls-Stichprobe anstatt einer Quoten-Stichprobe. (vgl. Krupp 2008: S.19)

Der Antrag zur Förderung der Forschungsphase 1982-1984 enthielt erstmals die Ziele des SOEP, welche die Analyse von sozialen Veränderungsprozessen und eine Datenbasis für die Gewinnung kausal interpretierbarer Hypothesen beinhalteten. Später wurden diese Ziele als Grundkonzeption des SOEP verstanden und umgesetzt. (vgl. Krupp 2008: S.19)

Der jährliche Mittelbedarf des Panels betrug circa zwei Millionen DM, den es so in diesem Maße in dem Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften noch nicht gegeben hat. Somit wurden auch über Einsparmöglichkeiten diskutiert. Im August 1982 wurde der überarbeitete Antrag vorgelegt, welcher eine Begründung der Notwendigkeit eines Haushaltspanels und ein Überblick über Panelstudien auf nationaler und internationaler Ebene vorlegt. (vgl. Krupp 2008: S.19) „Das Ergebnis ist eindeutig. Vergleichbare Studien existieren nur in den USA. Diese werden mit ihren Stärken und Schwächen diskutiert, um Schlussfolgerungen für das spätere SOEP zu ziehen. Besonders wichtig ist eine bis ins Detail erfolgende Konzeption des Panels mit vielen konkreten Festlegungen über Grundgesamtheit, Befragungspersonen, Art der Befragung, Erhebungsinstrumente, Weiterverfolgung und Panelpflege. Selbst Notmaßnahmen für den Fall zu hoher Panelmortalität werden vorgestellt.“(Krupp 2008: S.21)

2.2 Entscheidung

Am 6. Dezember wurde das Panel-Projekt bewilligt. Die Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft beinhalteten: „ein wissenschaftlicher Beirat, der sich grundsätzlich an den Interessen des SFBs, nicht an denen potentieller Nutzer der Paneldaten orientieren soll, eine gute Dokumentation, klare Datenschutzregelungen für die Weitergabe an andere Wissenschaftler, eine Übergewichtung der Ausländerbevölkerung, die Bearbeitung methodischer Probleme, wie die Überprüfung von Retrospektivdaten, Forschung zur Gewährleistung der Repräsentativität, intensive Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut.“ (Krupp 2008: S.22) 1984 startete dann die erste Welle des SOEP.

3.Veränderung der Strukturen im Laufe der Jahrzehnte

Anfangs wurden die Daten der Befragten noch „von Hand“ aufbereitet. In der Mitte der 1980er Jahre wurden die Datenarbeiten des Infratest dann auf Magnetbänder übertragen. Nur zehn Jahre später kam bereits der Umstieg auf Disketten. Gegenwärtig werden alle Daten über CD oder auch DVD geliefert, die den Wissenschaftlern jede Menge Arbeit einspart.

Auch die Datenerhebung hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Nach dem Mauerfall 1989 wurden die neuen Bundesländer in die Erhebung miteinbezogen, welche eine Veränderung in Bezug der Bevölkerungsgröße und – struktur mit sich brachte. (vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.78)

3.1 Vom Adressprotokoll zur Daten DVD

Adressprotokolle wurden vom Interviewer geführt und enthielten methodische Angaben zur Feldsteuerung. Dabei wurden Personen in Haushalten nach Basismerkmalen aufgeführt. (hierzu zählen Geschlecht, Geburtsjahr und Stellung zum Haushaltsvorstand) Seit 1994 wird die Nationalität der Befragten hinzugefügt und seit einiger Zeit auch der Telefonanschluss und die E-Mail Adresse. Die Feldangaben des SOEP werden ständig erweitert und systematisch dokumentiert.(vgl. Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.79)

3.2 Personen- und Haushaltsfragebögen

Seit 1994 werden einheitliche Fragebögen genutzt, die ausgewählte Filterfragen beinhalten. In den letzten Jahren kam es zu einer Erweiterung der Merkmale, unter anderem der Migrationshintergrund. 2000 wurde ein Jugendbiografie- Fragebogen eingeführt für Jugendliche, welcher speziell auf diese Altersstufe abgestimmt ist. Somit entstanden Veränderungen in der Populationsbegrenzung, da nicht mehr nur die Personen, welche Interviews gegeben haben, miteinbezogen wurden. Die Erhebungsinstrumente wurden damit immer vielfältiger.

Inhalte der Befragung werden jährlich und zum Teil auch zweijährig wiederholt, wobei es in jedem Jahr aber auch individuelle Befragungsschwerpunkte gibt, die auch nach fünf Jahren zum Teil wiederholt werden.

Die Fragebögen werden jedes Jahr verändert und an die jeweilige aktuelle Situation angepasst, wobei die entsprechenden Variablen besser vergleichbar gemacht werden können.(vgl. Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.79)

3.3 Der Zeitplan

Zunächst wird ein Fragebogen erstellt. Danach schließt sich die Ergänzung der Strukturtabelle sowie die Einarbeitung der Prüfprogramme an. Die Interviewer werden instruiert und die Befragten zeitgleich kontaktiert. Am Jahresanfang werden die Interviews durchgeführt und am Jahresende erfolgt die Datenprüfung. Diese geprüften Daten gelangen dann zum SOEP-Team, welche auf Grundlage der Strukturtabellen im SOEP-Format generiert werden. Anfang März stehen die erfassten Daten für die weitere Datengenerierung zur Verfügung.(vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.83)

4. Weiterentwicklung der Erhebungsinstrumente

Seit 2000 hat sich die Zahl und Vielfalt der Erhebungsinstrumente deutlich gesteigert. Inzwischen werden regelmäßig weitere Instrumente zur detaillierten Erfassung des Lebensverlaufs eingesetzt. Gegenwärtig kommt hinzu, dass Informationen über den Lebenslauf neu befragter Erwachsener, bei erstbefragten Jugendlichen und auch bei Müttern/Eltern zur Geburt ihrer zwei- dreijährigen Kinder gesammelt werden. Aktuell ist bei Erwachsenen das Einbeziehen von Kognitions- und Greifkrafttests oder auch Recherchen zum Weg ins Ausland, welche spezifische Verhaltensweisen genauer messen können.(vgl. Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.84)

"Aufbauend auf der Population der erstmals im Jahr 1984 in Westdeutschland Befragten, werden mit dem Ergebungsjahr 2008 für etwa 2500 Personen Daten zum fast lückenlosen Lebensverlauf über 25 Jahre vorliegen. In der 1990 in Ostdeutschland gestarteten Stichprobe werden im Jahr 2009 etwa 1500 Personen zum 20. mal befragt werden."(Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.85)

4.1 Stichproben des SOEP

Mitlerweile umfasst das Panel acht Teil-Stichproben und 24 auswertbare Wellen. Möglich gemacht wird dieses Konzept durch die Ziehung einer Haushaltsstichprobe, diese werden über die Jahre weiter verfolgt. Eine Schneeballstichprobe entsteht durch den Einbezug von Nicht-Stammpersonen. Dies macht die Original-Stichprobenmitglieder besser analysierbar im Kontext. (vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.85) "Der Schneeballeffekt wird durch eine entsprechende Gewichtung der Daten berücksichtigt."(Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.86) Ausfälle werden hierbei durch Gewichtungen berücksichtigt.

4.2 Interviewmode und Sonderdatenbestände

Die erste Welle verlangt eine Face-to-Face Durchführung, wohingegen bei der zweiten Welle auch ein Selbstausfüllen mit telefonischer Betreuung möglich ist.

Die einzelnen Befragungs-modi werden jeweils codiert. "Allein aufgrund der verschiedenen Befragungs-Modi ist das SOEP für survey-methodische Fragen eine wahre Fundgrube."(Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.87)

Selbst wenn Hauhalte sich weigern an einer Erhebung teilzunehmen, werden diese Daten für Re-Analysen in einem speziellen Datensatz zur Verfügung gestellt. (vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.88)

5. Struktur der Mikrodatenbasis

„Der SOEP-Datensatz besteht mit der Datenweitergabe 2006 aus 282 unterschiedlichen Datensätzen (Files), die zusammen über vier Millionen Beobachtungen enthalten und in denen über 37 000 Variablen gespeichert sind. Im Grundsatz werden alle direkt erhobenen Personen- und Haushaltsdaten 15 sowie die damit korrespondierenden Feldinformationen 16 Jahr für Jahr als Querschnittsdatensätze abgelegt und als solche auch nahezu unverändert, allerdings nach detaillierten Datenprüfungen, an die Nutzer weitergegeben. (Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.96)

Es sind zudem Datensätze verfügbar, die das gesamte Spektrum der Personen beziehungsweise Haushalte aufzeigen um Längsschnittanalysen zu unterstützen. Diese Datensätze beinhalten zum Beispiel den Befragungsstatus, das Geschlecht oder die Region.

Die Feldarbeit zu den SOEP-Daten dauert mehrere Monate, daher sind geschulte Interviewer von maßgeblicher Bedeutung. Die Daten bei der SOEP-Befragung werden retroperspektiv über das vergangene Kalenderjahr erhoben. Somit können unterschiedliche Jahreseinkommen erstellt werden. (vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.96 f.)„Im SOEP stehen über den kompletten Erhebungszeitraum von Januar 1983 bis Dezember 2006 für maximal 276 Kalendermonate Aktivitätsangaben zur Verfügung. Für circa 2 700 Personen liegen diese Daten lückenlos für den kompletten Zeitraum vor. Für fast 11 000 Personen liegen immerhin Daten über mindestens 120 Monate vor und für mehr als 25 000 Personen gibt es Kalendarien, die wenigstens 60 Monate umfassen.“(Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.99)

5.1 Generierte Einkommen

Die Einkommensituation ist eines der wichtigsten Befragungsinhalte des SOEP. In den letzten 25 Jahren mussten jedoch die Fragen auf geänderte Rahmenbedingungen abgestimmt und geändert werden. Als Beispiel lässt sich hier das Einkommen aus Renten benennen. Erst ab der dritten Welle des SOEP wurde in Bezug auf die Renten spezifisch unterschieden nach den einzelnen Rententrägern.

Seit 1995 wird erstmals nicht nur das Einkommen retrospektiv für das vergangene Kalenderjahr erfragt, sondern auch für den laufenden Befragungsmonat, da unterschiedliche Fragestellungen nur in Bezug auf das vergangene Einkommen nicht ausreichend ist. Somit konnten aufbereitete Variablen auf Personen-und Haushaltsebene generiert werden.(vgl.Goebel, Grabka, Krause, Kroh, Pischner, Sieber, Spieß 2008: S.100 f.)

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Ein kurzer Rückblick auf 30 Jahre Bildungsforschung am Beispiel des SOEP
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V372306
ISBN (eBook)
9783668507067
ISBN (Buch)
9783668507074
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rückblick, jahre, bildungsforschung, beispiel, soep
Arbeit zitieren
Livia Sommer (Autor), 2015, Ein kurzer Rückblick auf 30 Jahre Bildungsforschung am Beispiel des SOEP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372306

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