Triple Bottom Line. Ein Enzyklopädiebeitrag


Essay, 2017
7 Seiten

Leseprobe

Triple Bottom Line

Ein Enzyklopädiebeitrag von Erhan Bayazit

Definition

Das Modell der Triple Bottom Line (abgekürzt als „TBL", oft auch „Drei-Säulen-Modell") bezeichnet die Leistung eines Unternehmens ¡ท Bezug auf soziale, ökologische und ökonomische Aspekte (Savitz & Weber, 2014). Dabei wird angenommen, dass nachhaltige Entwicklung und Erfolg des Unternehmens durch gleichzeitige und gleichberechtigte Erfüllung der drei Dimensionen erreicht werden kann (Elkington, 1997).

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Abbildung 1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Der Triple Bottom Line Ansatz dient oft als Leitbild für Unternehmen zur Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Ziele und bildet somit die Basis für unternehmerische Verantwortung (Günther & Steinke, 2016).

Geschichte

Der Erfolg der Unternehmen beschränkte sich im klassischen Unternehmensbild auf finanzielle Leistungen, insbesondere auf Gewinne, Renditen oder Aktienkursen (Savitz & Weber, 2014). Anfang der 90er Jahre beschränkte sich die Nachhaltigkeitskommunikation zunächst nur auf Umweltthemen. Dieses Konzept wurde später um soziale und ökonomische Fragestellungen erweitert und führte durch den Schriftsteller und Ökonom John Elkington im Jahr 1994 zum verbindenden Begriff der Triple Bottom Line (Jarolimek, 2012). Elkington schlug vor, die Erfolgskriterien durch die erweiterte Ökonomie, soziale Verantwortung und die ökologische Verantwortung zu ergänzen und prägte den Begriff maßgeblich (Elkington, 1997).

Im deutschsprachigen Raum wird die Triple Bottom Line als Drei-Säulen-Modell durch die Enquete-Komission des deutschen Bundestages im Abschlussbericht festgehalten. Dabei sollen die drei Dimensionen als Leitbild zum Konzept der Nachhaltigkeit dienen und der Charakter der Nachhaltigkeit interdisziplinär betrachtet werden (Deutscher Bundestag, 1998).

Verwendung

Unternehmen haben sich ¡ท den letzten 25 Jahren vermehrt mit der Umsetzung von Corporate Social Responsibility, unternehmerischer Nachhaltigkeit und unternehmerischem Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigt (Schaltegger, Herzig, Kleiber, Klinke, & Müller, 2007). Der Triple Bottom Line Ansatz dient hierbei oft als grobes Leitprinzip, sodass soziale und ökologische Aspekte durch ökonomische Methoden und Maßnahmen gemanagt und ¡ท die Unternehmensführung und -prozesse integriert werden können (Schaltegger et al., 2007; Wittstruck & Teuteberg, 2010). Durch die Verankerung der Drei Dimensionen des TBL Konzepts ¡ท die Unternehmensstrategie kann einerseits eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens selbst ermöglicht werden und andererseits ein positiver Effekt auf die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft erzielt werden (Carter & Rogers, 2008; Schaltegger et al., 2007).

Ökologische Dimension

Den Schwerpunkt bei der ökologischen Dimension der Triple Bottom Line bilden vor allem Aspekte des Umweltschutzes, da unternehmerische und menschliche Handlungen einen Einfluss auf die Natur haben und zur Umweltbelastung beitragen (Schaltegger et al., 2007; Spieß & Fabisch, 2016). Beim ökologischen Aspekt wird die Natur als zusammenhängendes Ökosystem gesehen und neben den Maßnahmen zur Reduzierung umweltbelastender Effekte auch die Erhaltung des Ökosystems für zukünftige Generationen und umweltfördernden Ziele betrachtet.

Die ökonomische Dimension beinhaltet Themen wie Z.B. den Schutz des Menschen vor schädlichen Stoffen ¡ท der Atmosphäre, den Schutz der Struktur im Bezug auf Artenvielfalt und Ökosystemstabilität, und den Schutz der Funktionen des Ökosystems hinsichtlich Klimastabilität und Erholungsfunktion (Brand & Jochum, 2000). Zu den konkreteren Umweltbelastungen zählen unter anderem Treibhauseffekte, Wasserverschmutzung, Abfall sowie die Zerstörung der Ozonschicht (Schaltegger et al., 2007). Die Tabelle 1 führt einige der wichtigsten Themen zur ökologischen Leistung auf.

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Tabelle 1: Themen der Triple Bottom Line

Soziale Dimension

Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und im engeren Sinne gegenüber vielen Stakeholdern, die sie beeinflussen und von ihnen beeinflusst werden (Schaltegger et al., 2007). Die Soziale Dimension der Nachhaltigkeit beinhaltet Aspekte zur Einbeziehung dieser gesellschaftlicher Belange ¡ท unternehmerische Entscheidungen, um Spannungen ¡ท Grenzen zu halten und Konflikte zu vermeiden (Brand & Jochum, 2000).

Ein zentrales Thema der sozialen Verantwortung ist die Frage der sozialen Gerechtigkeit und die Vermeidung von Ungleichheit. Ein Beispiel hierfür ist die Vermeidung von Armut über mehrere Generationen hinweg durch eine gerechte Verteilung von Gütern. Zu diesen zählen Ressourcen wie Lebensmittel, Gesundheit, Kleidung, sowie weitere immaterielle Ressourcen wie Toleranz und Solidarität (Grunwald & Kopfmüller, 2012). เท Tabelle 1 sind einige der wichtigsten Themen zur sozialen Leistung des Unternehmens aufgeführt.

Neben den globalen Zielen zur Vermeidung von Armut werden von der Enquete-Komission auch länderspezifische Ziele zur sozialen Stabilität festgelegt. So werden Z.B. für Deutschland unter anderem Ziele der „Versorgungssicherheit" und der „Beseitigung der Arbeitslosigkeit" genannt (Deutscher Bundestag, 1998). Daneben spielen auch Themen wie Z.B. die Einbeziehung aller Mitglieder einer Gesellschaft, Vermeidung von Kinderarbeit, Gleichberechtigung von Mann und Frau und angemessene Sozialleistungen eine große Rolle (Schaltegger et al., 2007).

Im Gegensatz zur ökologischen und ökonomischen Dimension wird bei der sozialen Säule die Natur nicht als Ökosystem oder Ressource angesehen, sondern vielmehr als unmittelbare psycho-physische Umwelt des Menschen. Diese soll geschützt werden, um ein geistiges und soziales Wohlbefinden zu gewährleisten (Brand & Jochum, 2000; Deutscher Bundestag, 1998).

Ökonomische Dimension

Neben der ökologischen und sozialen Dimension gibt es die klassische unternehmerische Aufgabe der Steigerung der ökonomischen Leistung. Diese muss ¡ท der Nachhaltigkeits­kommunikation ebenfalls betrachtet werden, um eine langfristige Existenz des Unternehmens zu sichern (Schaltegger et al., 2007; Weber, Goretzki, & Meyer, 2012).

Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und des Naturkapitals bilden dabei die übergeordnete Ausrichtung für das ökonomische Ziel (Brand & Jochum, 2000). Das Naturkapital bezieht sich aus ökonomischer Sicht primär auf die Ressource für die wirtschaftliche Produktion (Deutscher Bundestag, 1998).

Die ökonomische Leistung des Unternehmens wird auch durch die wirtschaftliche Gestaltung der ökologischen und sozialen Dimensionen verbessert und führt nicht nur zur langfristigen Existenz des Unternehmens, sondern auch zur dauerhaften Steigerung des Unternehmenswerts durch Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeit ¡ท die Wertschöpfungsprozesse (Woitzik, 2017). Relevante Themen der ökonomischen Leistung werden ¡ท der Tabelle 1 aufgeführt.

Kritik

Die Gleichwertigkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem ist schwer zu erfassen, da die unterschiedlichen Systeme spezifische Aufgaben und Probleme aufweisen, die hinsichtlich ihres Wertes nicht vergleichbar sind (Vogt, 2009). Diese Komplexität erstreckt sich von der Integration der betrieblichen Prozesse und Finanzaktivitäten bis hin zur problematischen Ableitung praktischer Konsequenzen für Abteilung und Personengruppen im Unternehmen (Weber et al., 2012).

Dies führt unweigerlich zu Kompromissen innerhalb der drei Säulen oder zur Festlegung von Prioritäten zwischen den Dimensionen (Jörissen & Karlsruhe, 1999). เท der Praxis wird in Unternehmen vorranging die ökonomische Dimension verfolgt, wodurch sich die TBL zu einem ökonomischen Triple Bottom Line Ansatz verwandelt. Es werden nur diejenigen ökologischen und sozialen Ziele verfolgt, die einen ökonomischen Mehrwert generieren. Überschneidungen der drei Dimensionen werden beim Ansatz oft nicht reflektiert (Georg &

Ströhm, 2012; Günther & Steinke, 2016; Weber et al., 2012). Somit ist keine gleichwertige Gewichtung gegeben, wodurch ein Widerspruch zwischen der praktischen Umsetzung und dem normativen Anspruch des Ansatzes der Nachhaltigkeit besteht (Günther & Steinke, 2016).

In der traditionellen Buchführung werden Indikatoren, Verfahren und Regeln streng durch externe Rechtsvorschriften und Standards geregelt. Dies ist bei der Betrachtung von sozialer und ökologischer Leistung nicht der Fall. Indikatoren werden häufig im Unternehmen intern bestimmt und gemessen und bieten daher keine hohe Informationsqualität (Henriques & Richardson, 2004). Oft werden deswegen nur ausgewählte ökologische Probleme der Nachhaltigkeit betrachtet, wie Z.B. „Carbon Accounting" und „Green Controlling" (Schäffer & Weber, 2015). Somit ist die Orientierungsfunktion des Leitbildes durch willkürliche Interpretation gefährdet. Gegensätze und Widersprüche werden verborgen, statt eine Einigkeit in Kernfragen, Zielsetzungen und Prioritäten zu schaffen (Vogt, 2009).

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Details

Titel
Triple Bottom Line. Ein Enzyklopädiebeitrag
Autor
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V372312
ISBN (eBook)
9783668504233
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
triple, bottom, line, enzyklopädiebeitrag, nachhaltigkeit, sustainability
Arbeit zitieren
Erhan Bayazit (Autor), 2017, Triple Bottom Line. Ein Enzyklopädiebeitrag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372312

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