Fußball und Medien. Biografien und Autobiografien im Fußball


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fritz Walter
2.1. Biografie
2.2. Aufbau
2.3. Warum wird Fritz Walter bis heute als Held verehrt?
2.4. Einfluss der Biografie von Fritz Walter auf seine Karriere

3. Die Autobiografie „Anpfiff“ von Toni Schumacher
3.1. Kritik an der Autobiografie:
3.2. Folgen der Biografie
3.3. Vergleich von Autobiografie „Abpfiff“ und der Biografie „Unser Fritz“ von Rudi Michel

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Er lässt die ganze Meute singen,

denn er macht, dass wir heut gewinnen.

Zu ihm beten wir am häufigsten,

denn er macht ihn rein in der 90.

Alle hoffen auf den Fußballgott.

Alle beten zum Fußballgott.

Mach ihn rein, Alter!

Fußballgott, du bist einer von uns.“[1]

Im Fußball gibt es viele Helden und Götter. „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der Torwarttitan Oliver Kahn oder Lionel Messi. Der sportliche Erfolg, herausstechende Charaktereigenschaften oder spielentscheidende Momente, verhalfen den Spielern meistens zu ihren rühmenden Beinamen.

Im Seminar „Fußball in Medien“ im Wintersemester 2013/14 haben wir den Einfluss verschiedener Medien in Bezug auf Fußball herausgearbeitet. An mein Referat zum Thema „Fußball und Literatur“ möchte ich mit meiner Hausarbeit anknüpfen.

Welche Merkmale und Faktoren den Fußballspielern Fritz Walter und Toni Schumacher zu Ruhm und Ansehen verhalfen und welchen Einfluss das Medium Buch darauf hat, kläre ich im weiteren Verlauf der Hausarbeit unter der Fragestellung: „Welche Auswirkung kann eine Fußballbiografie auf die Karriere eines Fußballprofis haben und welche Erklärungen lassen sich dafür anführen-am Beispiel von Fritz Walter und Toni Schumacher.“

Hierbei gehe ich auf die Biografien „Fritz Walter- Die Legende des deutschen Fußballs“ von Rudi Michel ein. Dabei werde ich kurz auf den Aufbau, Inhalt und die Autoren skizzieren, sowie den Einfluss der Biografie auf die Karriere beleuchten. Als vergleichendes Medium ziehe ich die Autobiografie „Anpfiff“ von Toni Schumacher hinzu und werde herausarbeiten, warum die Autobiografie von Schumacher einschneidendere Auswirkungen auf seine Karriere hatte. Zudem ziehe ich eine wissenschaftliche Ausarbeitung von Katrin Hermes hinzu, sowie verschiedene Internetquellen, da es wenig wissenschaftliche Literatur zu dem Buchvergleich zu finden gab.

2. Fritz Walter

Geboren wurde Friedrich Walter, der nur Fritz gerufen wurde, 1920 in Kaiserslautern. Mit acht Jahren spielte Walter bereits in der Jugendmannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Dort galt er durch seine Fähigkeiten am Ball bereits als „Mini-Star“.[2] Seine beiden Brüder Ottmar und Ludwig spielten ebenfalls dort. Mit 17 Jahren lief er für die erste Mannschaft des FC Kaiserslautern auf. Zu der Zeit nahm Fritz Walter an einem Lehrgang teil, bei dem auch der damalige Nationaltrainer Sepp Herberger anwesend war. Dieser wurde dort auf das Nachwuchstalent aufmerksam. Allerdings nominierte er den jungen Walter für die Nationalmannschaft nicht direkt. Dies hatte zwei Gründe für ihn. Einerseits war der junge Mann körperlich noch nicht stark genug, um mit den internationalen Konkurrenten mitzuhalten und andererseits erkannte er, Walter wirkte wie ein „überaus sensibler Mensch. Misserfolge machen ihm sicher schwer zu schaffen“.[3] Neben seiner Bankkaufmannslehre, die er auch erfolgreich abschloss, übte er vor und nach seiner Schicht auf dem Gelände des FC Kaiserslautern. Durch viele Tore von ihm steigt der Fußballclub in die erste Bundesliga auf und wird in der Saison 1940 in der Gauliga Saarpfalz, die damalige Bundesliga, Meister. Seine Mithilfe bei dem sportlichen Erfolg der Mannschaft, wird durch die Pressestimmen deutlich. So wird die Mannschaft teilweise „Walter-Mannschaft“ genannt.[4] Im gleichen Jahr darf Fritz Walter gegen Rumänien in Frankfurt für die Nationalmannschaft spielen. An dem Endstand 9:3 ist Walter mit 3 Toren beteiligt gewesen. 1940 wurde Fritz Walter als Soldat zur Infanterie eingezogen. Nach mehreren Verlegungen erfolgte die Letze 1945 in die Slowakei, wo sich Walter und seine Kammeraden in amerikanische Kriegsgefangenschaft begaben. Die Auslieferung an die Sowjets erfolgte noch im gleichen Jahr. Die Kriegsgefangenen wurden nach Osten weitertransportiert, wo sie in Arbeitslagern den vom Krieg zerstörten Osten wieder aufbauen sollten. In einem Auffanglager in Rumänien kam der junge Fußballspieler aufgrund eines Zufalls, der sein Können am Ball zeigte, in die Mannschaft der Lagerpolizei. Aufgrund dessen, wurde er von der Transportliste in den Osten gestrichen und fand dort unter den Gefangenen seinen älteren Bruder Ludwig Walter wieder. Als die Deutschen endgültig in das Gefangenenlager und die anderen Nationalitäten in die Heimat gebracht werden sollten, setzt einer der Hauptmänner die Walter-Brüder als Franzosen auf die Liste der Heimreisenden. Der Fußball verhalf ihnen nach Hause zu kommen.[5] 1951 wurde der Spieltrieb der Nationalmannschaft wieder aufgenommen. Walter bekam die Kapitänsbinde und wurde zu einem engen Vertrauten von Herberger. Walter wurde zum „Kopf der deutschen Elf. Er ist der Dirigent, der Ideengeber“.[6] 1952 steckte er nach der Niederlage von 3:1 gegen Frankreich in der Krise. Spielerisch, als auch persönlich. Der Mut und der Glaube von Sepp Herberger in seinen Spieler, verlieh Walter neue Kraft. So lief er 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz in Bern auf und holte mit der Mannschaft den Titel.[7] Er spielte noch bis 1959 für Kaiserslautern und der Nationalmannschaft, bis er sich aus dem Fußballgeschäft zurückzog.

2.1. Biografie

„Bios“ bezeichnet im griechischen das Leben und „gráphein“ bedeutet schrieben, kritzeln, zeichnen oder darstellen.[8] Eine Biografie ist also das „geschriebene oder dargestellte Leben“.[9] Dies kann in Schrift- oder Bilderform erfolgen. Lebenserfahrungen, Begegnungen oder Ereignisse werden in einer Biografie festgehalten.[10] Biografien sind im Gegensatz zur Autobiografie, auf die ich später kurz eingehen werde, von einem externen Autor geschrieben. Entweder recherchiert dieser über den zu Schreibenden oder arbeitet eng mit dem Biografierten zusammen. Der Biograf sammelt Informationen und gibt einen umfassenden Überblick über das Leben des, in diesem Falle, Sportlers preis oder schreibt eine Sequenz aus dem Leben des Sportlers nieder. Dabei handelt es sich um einen objektiven Bericht, der meist ein oberflächlicher Sachverhalt darstellt und wenige Emotionen einfließen lässt. Je nach Darstellung kann die Biografie positiv, als auch negativ verfasst werden.[11] In dem Fall der Biografie von Rudi Michel handelt es sich um eine teilweise subjektive Berichterstattung. Dies lässt sich daran erkenne, dass Michel lange Zeit ein enger Vertrauter und Freund von Walter war, sodass er auch persönliche und emotionale Erfahrungen mit hat einfließen lassen. Auch einige andere Autoren kannten Fritz Walter persönlich und Passagen von Fritz Walter verfasst, lassen sich in der Biografie wiederfinden.[12]

2.2. Aufbau

Die 1995 erschienene Biografie ist von Rudi Michel im Engelhorn Verlag Stuttgart herausgegeben worden. Michel ist Radio-Reporter, Kommentator für die ARD und Sportjournalist. Geboren in Kaiserslautern, wie Walter, wurde er zu einem engen Vertrauten und Freund von diesem. Michel begleitete ihn sportlich, als auch privat. Er kann somit Walters sportlichen Erfolg wiedergeben, als auch weitere private Details über den Menschen Fritz Walter.[13]

Im Vorwort rühmen berühmte Personen wie Helmut Kohl oder Franz Beckenbauer den Fußballprofi mit einigen kurzen Texten zu seiner Person. Die Biografie ist weiter in vier Kapitel unterteilt, in denen jeweils verschiedenen Autoren Beiträge zu ihren Begegnungen mit Fritz Walter geschrieben haben. Auch Walter hat mehrere persönliche Beiträge verfasst. Die Themenfelder reichen von den Anfängen als Fußballprofi, bis über die Weltmeisterschaft in Bern, bis hin zu Zeitzeugenberichten. Der Inhalt ist somit nicht rein objektiv gehalten, sondern durch private Erzählungen von Walter, fließen Emotionen mit ein. Zudem wecken Berichte von den Fußballkommentatoren Herbert Zimmermann und Wolfgang Hempel, deren Radioberichterstattung von der Weltmeisterschaft 1954 im Buch abgedruckt wurde, Gefühle bei dem Leser und lassen nostalgische Stimmung aufkommen. Die Berichte sind immer in einem gut lesbaren Schriftlaut, teilweise mit pfälzischen Dialekten, geschrieben. Dadurch vermittelt der Inhalt den Eindruck auf den Leser, nahe am Geschehen dabei zu sein und ist gut verständlich.

2.3. Warum wird Fritz Walter bis heute als Held verehrt?

Warum Fritz Walter zu einem Idol im Sport geworden ist, hat viele Gründe. Hierzu habe ich drei Faktoren herausgearbeitet:

1. Geschichtliche und gesellschaftliche Hintergründe

Nach dem zweiten Weltkrieg hat das Ansehen von Deutschland in der Welt stark nachgelassen. Das Hitlerregime und seine Verbrechen hatten starke Folgen hinterlassen. 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Damit beginnt ein wirtschaftlicher Aufschwung, der geprägt ist durch das sogenannte Wirtschaftswunder in den 50er Jahren.[14]

Das „Wunder von Bern“ spielte für das Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung eine große Rolle. „Wir sind wieder wer“[15]. Dieser Slogan drückt aus, was die Deutschen in den 50er Jahren nach der Weltmeisterschaft empfunden haben.[16] Der Sieg im Fußball gegen internationale Gegner gab den Menschen in Deutschland ein positives Ereignis, mit dem es sich identifizieren konnte. Es verhalf Deutschland, sich in den Nationen wieder einen Platz zu schaffen und einen neuen, gesellschaftspolitischen Stellenwert zu erlangen.[17]

Zudem waren Fritz Walter und seine Teamkollegen Amateure oder Halbamateure. Sie waren keine gekauften Profifußballer, die auf Weltniveau spielten, sondern verkörperten das Bild der „Männer von nebenan“[18]. Ein Bild, mit denen sich die damals scheue Masse identifizieren konnte.[19]

Der junge Fußballspieler machte einen bisher unspektakulären Sport populär und Fußball zu einer „Faszination für die Nation“[20], die Fußballspieler, wie Franz Beckenbauer, in den 60er und 70er Jahren weiter gesellschaftsfähig machte.[21]

2. Identifikation mit dem Spieler

Fritz Walter und sein Bruder Ottmar spielten zu einem Zeitpunkt „an dem es galt, das Selbstvertrauen ihrer Mitbürger zu stärken“.[22] Da Fritz Walter als Person bescheiden und zurückhaltend war, wirkte er auf die Menschen noch näher. Er galt als „introvertierter, selbstzweiflerischer Spielmacher, ein genialer Architekt des Spiels, aber auch ein feinnerviges Sensibelchen“.[23] In einem Zeitungsinterview sagte er damals über sich selber:

[...]


[1] Fettes Brot: Fußballgott, http://fussballgott.fettesbrot.de, abgefragt am 21.07.2014

[2] Michel, Rudi: Unser Fritz in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S. 46

[3] Nielsen, Maja: Fußballhelden, Gerstenberg Verlag, 2014 S. 31

[4] Ebd. S. 32

[5] Vgl. Walter, Fritz : Das wichtigste Spiel meines Lebens in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S. 33ff

[6] Nielsen, Maja: Fußballhelden, Gerstenberg Verlag, 2014 S. 10

[7] Ebd. S. 45

[8] Vgl. Kolhoff-Kahl, Iris: Ästhetische Musterbildungen,kopaed, München, 2009, S. 72

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Hermes, Kerstin: Die Kreation eines Helden durch Sportmedien- und Literatur- am Beispiel von Fritz Walter, 10/2007 , http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/kh_walter.htm abgefragt am 21.07.2014

[12] Vgl. Walter, Fritz : Das wichtigste Spiel meines Lebens in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, Klappentext

[13] Ebd.

[14] Vgl. Nielsen, Maja: Fußballhelden, Gerstenberg Verlag, 2014 S. 12

[15] Hildebrand,Klaus: Der Slogan, wir sind wieder wer… in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S. 55

[16] Vgl. Brauburger, Stefan: Das Wunder von Bern: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S. 76

[17] Vgl. Hildebrand, Klaus: Der Slogan, wir sind wieder wer… in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S.109

[18] Ebd. S. 110

[19] Ebd.

[20] Michel, Rudi: Unser Fritz in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S.55

[21] Ebd.

[22] Blickensdörfer, Hans, Zeitlos populär wie Max Schmeling in: Michel, Rudi(Hrsg.): Fritz Walter, Die Legende des deutschen Fußballs, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1995, S.27

[23] Thiel, Erhard: Sport und Sportler- Image und Marktwert, Verlag moderne industrie, 1991, S. 11

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fußball und Medien. Biografien und Autobiografien im Fußball
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Fußball und Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V372319
ISBN (eBook)
9783668499416
ISBN (Buch)
9783668499423
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Medien, Biografie, Autobiografie, Fritz Walter, Toni Schumacher, Abpfiff
Arbeit zitieren
Helena Kampschulte (Autor), 2014, Fußball und Medien. Biografien und Autobiografien im Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372319

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