Adbusting. Eine sinnvolle Methode zur Konsumkritik in der heutigen Gesellschaft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kommunikationsguerilla

3. Adbusting
3.1 Adbusting-BMW-Kampagne zur Neueinführung des 1er Coupé 2007
3.2 Adbusting-Kampagne „Schönfärberei“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Konsum ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Nicht umsonst wird sie im 21. Jahrhundert „Konsumgesellschaft“[1] genannt. Rainer Maria Rilke formulierte schon 1925 in einem Brief, dass die Dinge, die früher mit Leben und Geschichten gefüllt waren, zu leeren „Schein- Dingen“ und „Lebens- Attrappen“ geworden sind.[2] Auch die Warenkultur heute bringt dem Käufer eher Beziehungslosigkeit, als Intimität, wobei Bewegungen wie „Do it yourself“ wieder mehr Persönlichkeit in die Dinge stecken möchten. Aus diesen Missständen zwischen Waren und Besitzern haben sich Konsumkritiker entwickelt, die in Form von Kommunikationsguerilla gegen den Konsum rebellieren. In der vorliegenden Arbeit gehe ich speziell auf die Methode des „Adbustings“ ein. Das Wort stammt aus dem Englischen und setzt sich zusammen aus „ad“ für Werbung und „to bust“ für zerstören.[3] Adbuster „zerstören“ daher Werbung auf verschiedene Art und Weise. Im Seminar „Schönheit der Waren“ habe ich zu diesem Thema eine kleine Definition vorgestellt und empfand das Thema als sehr vielschichtig, sodass ich näher darauf eingehen möchte. In der heutigen Zeit gibt es viel Konsumkritik, deswegen werde ich in meiner Hausarbeit klären, ob die Methode „Adbusting“ sinnvoll ist, um Kritik in der Öffentlichkeit zu zeigen und etwas damit zu bewirken.

Zu dem Thema „Kommunikationsguerilla“ und „Konsumkritik“ gibt es einen großen Literaturbestand. Für meine Arbeit habe ich als Grundlage wissenschaftliche Literatur von Naomi Klein, Luther Blisset und Sonja Brünzels, sowie Horst Ehrhardt und Norbert Neuß mit Mike Große- Loheide, herangezogen.

Außerdem ziehe ich ein Beispiel der Adbusting Kampagne von 2008 gegen die Werbekampagne von BMW „Verdichtete Intensität“ und der laufenden Aktion „Schönfärberei“ von der Christlichen Initiative Romero, für meine Arbeit heran.

Im ersten Teil meiner Ausarbeitung setzte ich mich mit der Kommunikationsguerilla auseinander und erkläre deren Vorgehensweise. Danach gehe ich auf die spezielle Methode das „Adbusting“ ein und erkläre auch hier die Art der Arbeit, die Motivation dahinter und verschiedene Mittel, welche die Adbuster nutzen. Anschließend führe ich die Beispiele der oben genannten Adbusting-Kampagnen an und zeige auf, welche Reaktion diese bei den Adressaten ausgelöst hat. Gegen Ende stelle ich noch Vor- und Nachteile des Adbustings gegenüber. Ein Fazit und ein kurzer Ausblick auf weitere Ausarbeitungsmöglichkeiten schließen die Arbeit ab.

2. Kommunikationsguerilla

Der Begriff Kommunikationsguerilla wurde insbesondere von der „autonomen a.f.r.i.k.a. Gruppe“ geprägt und fasst verschiedene Arten der Protestformen zusammen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es subversive, das bedeutet umstürzlerisch oder revolutionär, Bewegungen wie die 68er- Studenten- oder die Antiatombewegung.[4] Vor allem politische Themen werden bei der Kommunikationsguerilla aufgegriffen und durch verschiedene Methoden wird versucht, die vorherrschenden Verhältnisse „durch Lachen oder Verwirrung ins Wanken zu bringen“[5]. Nach dem Mauerfall suchten die Aktivisten neue Möglichkeiten gegen bestehende gesellschaftliche und politische Verhältnisse vorzugehen. Dies geschah nicht mehr über den direkten Weg, wie eine Demonstration, sondern durch unterschwellige Kommunikation. Anders als bei einer Demonstration sollen die Rezipienten durch Botschaften zum Nachdenken angeregt werden und einen Reflexionsprozess durchlaufen.[6] Deswegen nutzen Aktivisten der Kommunikationsguerilla Methoden zur Verfremdung und Überidentifizierung von alltäglichen kulturellen Codes, wie die Werbung. Eine kleine Veränderung im gewohnten Alltag, die neue Ansichten einer Sache hervorhebt oder eine Verschiebung der Bedeutung darstellt, zieht Blicke auf sich und regt zum Nachdenken an.[7] Das und kein „materieller Angriff auf die kapitalistischen Gewaltverhältnisse“[8] möchte die Kommunikationsguerilla erreichen, wie durch einfache Veränderung der Lesart einer Werbung. Kommunikationsguerilla nimmt eine Haltung gegenüber politischer Kommunikation ein und möchte aktive Kritik üben, die durch den Reflexionsprozess der Rezipienten erst Form annimmt.[9] Denn „Man kann nicht nicht kommunizieren“[10], stellte Paul Watzlawick fest. Neben der Verfremdung und der Überidentifizierung gibt es noch Methoden wie „Erfindung falscher Tatsachen zur Schaffung wahrer Ereignisse“, die „Camouflage-Technik“, wie auf Abbildung drei, oder den „Fake“,[11] wie auf den Abbildungen eins und zwei zu sehen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beispiel eines Fakes zur Bundestagswahl 2013: Die Kanzlerin kotzt.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiel eines Fakes der Mars Werbung[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Beispiel der Camouflage- Technik. Ox: Ohne Titel, 2010.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Methode des „Adbustings“, die sich speziell auf die Werbung bezieht, werde ich im nächsten Kapitel tiefergehend erläutern.

3. Adbusting

Nach Peter Holzwart ist „Adbusting“ eine „bewusst vorgenommene Veränderung von Werbebotschaften im Sinne von Kritik, Karikatur oder Subversion“.[15] Diese finden sich an öffentlichen Orten wieder.

Die Auswahl des Ortes ist sehr wichtig für einen Adbuster. In Frage kommen dafür alle gesellschaftlichen Räume. Blisset und Brünzels gehen davon aus, dass jeder Raum neben seiner Nutzfunktion auch einen sozialen und symbolischen Charakter hat. Beispielhaft dafür kann der öffentliche Stadtraum genannt werden. Neben den Repräsentationsgebäuden wie Rathäusern oder Kirchen, gibt es die Industriebauten und Firmen, die mit ihrer Werbung im Stadtbild allgegenwärtig sind. Fährt man mit der U-Bahn, findet sich sowohl in den Stationen, als auch in den Bahnen, schon eine Menge Werbungen. Genauso weisen riesige Werbetafeln an Autobahnen auf das nächstgelegene Schnäppchen hin. Viele Städte sind daher mit ihren Firmen verbunden- Wolfsburg gilt als Autostadt von VW und Stuttgart als Zentrum von Porsche und Mercedes Benz.[16]

„Adbuster“ versuchen diesen öffentlichen Raum, der von politischer und ökonomischer Macht eingenommen wurde, zurückzugewinnen und durch Einsatz sichtbarer Methoden die Machtverhältnisse, welche die Politik zu verstecken versucht, aufzudecken.[17]

„Wenn die Werbung entfernt ist, dann bleibt die Wirkung übrig, die sie auf die Kinder in der Gegend gehabt hat, die solche Plakate anschauen“[18], sagt der Künstler und Adbuster Jorge Rodriguez.

Adbusting ist also ein Werkzeug, um Kritik, zum Beispiel an den großen Firmen, an die Öffentlichkeit zu bringen.[19] Adbuster wollen ihre Botschaften demnach unterschwellig, nicht durch Demonstrationen oder laute Parolen vermitteln, sondern die Konsumenten zum Umdenken und kritischen Auseinandersetzung mit den Waren bewegen. Kritisch anzumerken ist, dass die Autorin Klein einerseits behauptet, dass Adbusting keinem Selbstzweck unterliegt, auf der andren Seite legt sie jedoch dar, dass Adbusting bei manchen Anhängern zur Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit dient.[20]

Im nächsten Kapitel stelle ich zwei Adbusting-Kampagnen vor und erörtere deren Aussage, sowie deren Erfolg.

3.1 Adbusting-BMW-Kampagne zur Neueinführung des 1er Coupé 2007

In Zusammenarbeit mit Media Arts Berlin brachte BMW Ende 2007 die große Kampagne „Verdichtete Intensität“ auf den Markt, die den neuen 1er Coupé innovativ promoten sollte. Das Auto bietet dem Käufer Fahrspaß in konzentriertester Form. Dies sollte auch auf den Werbeplakaten deutlich werden. Deswegen wurden „Verdichtungen“, wie das Weglassen von Vokalen, in den Überschriften benutzt. Herzrasen wurde zu „Hrzrasn“, Adrenalin zu „Adrnln“ oder an den Außendocks des Hamburger Hafens prangte: „Af dr Rprbhn nchts m hlb eins“.[21]

[...]


[1] Hügle, David: http://www.gesellschafteninfo.de/konsumgesellschaft.html, abgefragt am 14.04.2015.

[2] Vgl. Ullrich, Wolfgang: Haben wollen- Wie funktioniert die Konsumkultur?, Fischer, Frankfurt am Main, 2008, S. 23.

[3] Vgl. Blisset, Luther/ Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla, Libertäre Assoziation, Hamburg, 2001, S. 104.

[4] Vgl. Teune, Simone: Kommunikationsguerilla- Ursprünge und Theorie einer subversiven Protesttaktik, Diplomarbeit, Berlin, 2004, S.4.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Blisset, Luther/ Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla, Libertäre Assoziation, Hamburg, 2001, S. 46.

[8] Teune, Simone: Kommunikationsguerilla- Ursprünge und Theorie einer subversiven Protesttaktik, Diplomarbeit, Berlin, 2004, S.4.

[9] Ebd. S. 174.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Blisset, Luther/ Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla, Libertäre Assoziation, Hamburg, 2001, S.58ff.

[12] Methode „Fake“ angewandt auf den Wahlplakaten zur Bundestagswahl 2013:Die Kanzlerin kotzt, 26.08.2013, http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/wp-content/uploads/2013/08/merkel-kotzt.jpeg, abgefragt am 23.04.2015.

[13] Methode „Fake“ angewandt auf einem Adbusting-Plakat der Mars Werbung, Privat, Helena Kampschulte, 13.06.2015, Berlin.

[14] Ox: Ohne Titel, 2010, http://www.rebelart.net/wp-database/uploads/2010/04/25.jpg, abgefragt am 23.04.2015.

[15] Holzwart, Peter: Enjoy Capitalism, in: Körper Kult Medien. Inszenierungen im Alltag und in der Medienbildung, Neuß, Norbert/ Große-Loheide, Mike (Hrsg.), GMK, Bielefeld, 2007, S.78.

[16] Vgl. Teune, Simone: Kommunikationsguerilla- Ursprünge und Theorie einer subversiven Protesttaktik, Diplomarbeit, Berlin, 2004, S.32.

[17] Ebd. S. 32f.

[18] Klein, Naomi: No Logo. Der Kampf der Global Players um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2005, S. 289.

[19] Ebd. S. 319.

[20] Ebd.

[21] Vgl. Holzheid, Anett: Kreativität und dionysische Sprachkultur in der Moderne, in: Sprache und Kreativität, Ehrhardt, Horst (Hrsg.). Sprache System und Tätigkeit, Band 63, Pohl, Inge/ Sommerfeldt, Karl-Ernst(Hrsg.), Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 2011, S. 68f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Adbusting. Eine sinnvolle Methode zur Konsumkritik in der heutigen Gesellschaft?
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Die Schönheit der Waren
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V372322
ISBN (eBook)
9783668503366
ISBN (Buch)
9783668503373
Dateigröße
1395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waren, Adbusting, Konsumkritik, Guerilla, Marketing, Werbung
Arbeit zitieren
Helena Kampschulte (Autor), 2015, Adbusting. Eine sinnvolle Methode zur Konsumkritik in der heutigen Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372322

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