Kurzwörter in der Fachsprache der Technik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzwortbildung

3. Funktion

4. Kurzworttypen

5. Abgrenzung zu anderen Phänomenen

6. Fachsprache
6.1 Definition
6.2 Fachsprachen und Kurzwörter

7. Fachsprache der Technik

8. Kurzwörter in der Fachsprache der Technik

9. Kurzwörter in der Fachzeitschrift DIB

10. Fazit

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kurzwörtersind Bestandteil unserertäglichen Kommunikation geworden: Wirfahren mitdem Bus und der U-Bahn, gehen in die Uni, warten am Monatsende auf unser BAföG und trinken H-Milch. Wir verwenden solche Wortformen ständig ohne uns bewusst zu sein, dass es sich hierbei um Kurzworte handelt. Wir bilden Kurzwörter durch den Wunsch nach Sprachökonomie, die durch das Vermeiden von sehr langen Wörtern begünstigt wird. Immer längere Komposita kommen vermehrt in Fachsprachen vor, die einen wachsenden Einfluss auf unsere Alltagssprache haben. Viele Kurzwörter, wie Schiri oder DAX, die aus Fachvokabularen stammen, wurden in die alltägliche Kommunikation übernommen. Somit kann vermutet werden, dass die Fachsprachen der Ursprung einiger Kürzungen sind, weshalb es sinnvoll ist, sich in der Kurzwortforschung auch mit den Fachsprachen zu beschäftigen.

Ich möchte mich in dieser Arbeit mit dem Vorkommen von Kurzwörtern in der Fachsprache der Technik befassen. Es soll vor allem untersucht werden, welche Arten der Kurzwortbildung typisch bzw. untypisch für dieses Gebiet sind. Dafür muss zunächst geklärt werden, was Kurzwörter überhaupt sind und welche Funktion sie erfüllen. Danach wird ein Überblick über eine mögliche Typisierung von Kurzwörtern gegeben, um im weiteren Verlauf der Arbeit die Möglichkeit zu haben, jedes Kurzwort einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Hierbei habe ich mich für eine Einteilung in unisegmentale, multisegmentale und partielle Kurzwörter entschieden. Sie ist leicht verständlich, sehr detailliert und ermöglicht somit meist eine eindeutige Zuordnung.

Danach wird eine Abgrenzung von Kurzwörtern zu ähnlichen Phänomenen, vor allem Abkürzungen vorgenommen, da sie auf den ersten Blick sehr ähnlich scheinen. Hierbei wird auch auf Wortkreuzungen, Kunstwörter, ¡-Wörter und o-Wörter eingegangen.

Nachdem ein ausführlicher Überblick über die verschiedenen Aspekte von Kurzwörtern gegeben ist, kann nun auf Kurzwörter im Bereich der Fachsprache eingegangen werden. Dazu muss vorab definiert werden, was eine Fachsprache ist und wie sie sich von der Alltagssprache unterscheidet.

Nachdem grundlegende Begriffe der Fachsprache erläutert wurden, wird die Rolle von Kurzwörtern in Fachsprachen allgemein besprochen, um dann einen Überblick über die Fachsprache der Technik und deren Eigenschaften zu geben, woraufhin letztendlich Kurzwörter in der Fachsprache der Technik diskutiert werden können. Hierfür gehe ich detailliert auf eine Betrachtung von Kurzwörtern in der technischen Fachzeitschrift VDI-Z ein, die Steinhauer (2000) vorgenommen hat. Dadurch soll deutlich werden, welche Kurzworttypen häufig Vorkommen und welche eher seltener auftreten. Danach nehme ich eine ähnliche Untersuchung an der aktuellen Ausgabe (März 2015) der technischen Fachzeitschrift Deutsches IngenieurBlatt vor, um aktuelle Ergebnisse über Kurzwörter in der technischen Fachsprache zu bekommen, da sich Sprache im Laufe der Jahre wandelt.

2. Kurzwortbildung

Die Kurzwortbildung ist eine Wortbildungsart, bei der eine Wortkürzung stattfindet: z.B. Limo als Kurzform von Limonade, oder EDV von Elektronische Datenverarbeitung. Hierbei stimmt die Vollform bzw. Ausgangseinheit semantisch mit der reduzierten Form, also dem Kurzwort überein. Damit unterscheidet sie sich von anderen Wortbildungsarten, wie Komposition, Derivation und Konversion (vgl. Fleischer/Barz 2012, S.277). Es entstehen also weder neue Wörter, noch wird ein Wortartwechsel bewirkt, d.h. Kurzwörter haben die selbe Wortartwie ihre Vollform. Im Deutschen sind Kurzwörter in allen Kommunikationsbereichen zu finden, häufig in derSprache derWissenschaft, Wirtschaft, Technik, Verwaltung, Presse und Werbung (vgl. Lohde 2006, S.54). Sie treten in der Regel bei Substantiven auf, im Standard gibt es kaum adjektivische und verbale Kurzwörter. In der Umgangssprache kommt eine Kürzung von Adjektiven und Verben manchmal vor, z.B bei öko von ökologisch oder funzen von funktionieren (vgl. Fleischer/Barz 2012, S. 91).

Grund für die Wortkürzung von längeren, meist mehrsilbigen Wörtern ist vor allem die Sprachökonomie. Viele Kurzwörter, wie z.B. CDU, SPD, FDP, FAZ, werden deshalb viel häufiger, als ihre Ausgangsform benutzt (vgl. Stickel 2000, S. 222). In vielen Fällen istzum Verständnis der Kurzwörterzudem Fachwissen und enzyklopädisches Wissen erforderlich. So kennen die meisten Leute AOK als Kurzwort für Allgemeine Ortskrankenkasse, nur eine Minderheit weiß aber, dass es auch als Abkürzung für Armeeoberkommando dient (vgl. Lohde 2006, S.54). Dies ist auch bei vielen Kurzwörtern aus den Fachsprachen der Fall.

3. Funktion

Die wichtigste Funktion von Kurzwörtern istwie bereits erwähnt, der Aspekt der Sprachökonomie. Im Deutschen werden besonders in Fachsprachen immer längere Komposita gebildet, die später zur Erleichterung der Kommunikation gekürzt werden (vgl. Steinhauer2000, S.3). Dass Kürzungen die Kommunikation sehr stark erleichtern können, wird an den Beispielen ARD < Arbeitsgemeinschaftderöffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten derBundesrepublik Deutschland und DDT < Dichlordiphenyltrichlorethan deutlich (vgl. Bellmann 1980, S.374). Die Vollform ist im Gegensatz zum Kurzwort sehr lang und schwer auszusprechen. Außerdem sind Kurzwörter leichter einprägbar, wie z.B. bei DNS < Desoxyribonukleinsäure. Für manche Kurzwörterwie AIDS, die aus anderen Sprachen stammen, gibt es keine entsprechende deutsche Vollform, sondern in diesem Fall nur eine englische. Trotzdem wissen auch Leute, die kein Englisch können, was dieses Kurzwort bedeutet und kennen die damit bezeichnete Krankheit (vgl. Steinhauer 2000, S. 49f). Fürfremdsprachenunkundige Sprachbenutzer und für Leihen in bestimmten Fachbereichen, enstehen also erst durch Kurzwörter verständliche und einprägsame Bezeichnungen. Hinzu kommt, dass Kurzwörter ,,die syntagmatische Varianz bereichern“ (Bellmann.,S.374), da Kürzwörter, im Gegensatz zu den nur syntaktisch verkettbaren Vollformen, durch Wortbildungen vereinfacht werden können. So können syntaktisch verbundene Originale, wie z.B. Direktordes Zoos in Bindestrich-Kompositionen, wie Zoo­Direktor umgewandelt werden.

Kurzwörter können aber häufig auch unverständlich sein und somit die Möglichkeit der Verschleierung eines Wortes bieten, was in der Werbung und Politik häufig ausgenutzt wird (vgl. Steinhauer 2000, S. 48). Dies liegt aber nicht am Wesen der Kurzwörter selbst, sondern eher daran, was derVerwender beabsichtigt. Sie können auch einfach „der Freude an sprachspielerischen Umformungen oder werbestrategischen Überlegungen“ (Steinhauer 2007, S. 133) entspringen.

4. Kurzworttypen

Kurzwörter werden aus bestimmten Segmenten der Vollform gebildet, die in Anzahl, Art und auch ihrer Position in derVollform variieren (vgl. Fleischer/Barz 2012, S.277). Man unterscheidet zunächst zwischen zwei Gruppen von Kurzwörtern: unisegmentale Kurzwörter, die aus nur einem Segment der Ausgangsform bestehen und multisegmentale Kurzwörter, die aus mehreren Segmenten derVollform bestehen (vgl. Bellmann 1980, S.370ff, Fleischer/Barz 2012, S.277ff).

Unisegmentale Kurzwörter

Sie bestehen aus einem Segment der Vollform, das ein- bis zweisilbig, manchmal auch dreisilbig ist. So besteht das Kurzwort Krimi aus einem zweisilbigen Segment seiner Vollform Kriminalroman/-film und Bus aus einem einsilbigen Segment des Originals Omnibus. An diesen beiden Beispielen ist zu erkennen, dass unisegmentale Kurzwörter sowohl aus dem Anfangssegment (Krimi), als auch aus dem Endsegment (Bus) der Ausgangsform entstehen können, man kann sie also noch einmal in zwei Unterklassen gliedern:

I.Kopfwörter bzw. Initiale mit Kürzung des Endsegments: Abo < Abonnement, Demo < Demonstration, Info < Information, Ober < Oberkellner, Uni < Universität.

Diese Kürzung wird auch häufig bei Vornamen angewendet: Alex < Alexander, Moni < Monika, Bea < Beate.

Hierbei fällt das Kopfwort häufig, aber nicht zwangsweise mit der Silbengrenze zusammen, z.B. bei Limo < Limonade, aber nicht bei Lok < Lokomotive (Lohde 2006, S.211).

2.Schwanzwörter bzw. Finale mit Kürzung des Anfangssegments: Bus < Omnibus, Cello < Violoncello, Pille < Antibabypille.

Wie bei den Kopfwörtern ist dies auch bei Vornamen üblich: Achim < Joachim, Tina <

Martina, Dora < Theodora (vgl. Fleischer/Barz 2012, S.278).

Es gibt auch unisegmentale Kurzwörter, wie z.B. Bio oder Mikro, die von Konfixkomposita abgeleitet sind (also normalerweise nur gebunden Vorkommen), die sich verselbstständigt haben. Aus den gleichlautenden Konfixen mikro- in Mikrochip, mit der Bedeutung .klein', haben sich die Kurzwörter das Mikro < Mikrofon oder derMikro < Mikrowellenherd gebildet. Das Konfix bio- hat als Kurzwort eigene Bedeutungen bekommen, wie in Bio < Biologieunterricht und bio < biologischer Anbau (vgl. ebd, S.278.f).

Multisegmentale Kurzwörter

Sie bestehen aus zwei oder mehreren Segmenten der Vollform und lassen sich ebenso in zwei Unterklassen gliedern:

Silbenkurzwörter

Silbenkurzwörter bestehen aus silbenartigen Segmenten {Azubi) oder Silben (Kripo), wobei die Auswahl der Segmente darauf abzielt, dass die entstandene Segmentkette in Lauten aussprechbar ist (vgl. Bellmann 1980,S. 371, Fleischer/Barz 2012, S. 278). Weitere Beispiele für Silbenkurzwörter sind: Schiri < Schiedsrichter, Schupo < Schutzpolizei, Trafo < Transformator, Fuzo < Fußgängerzone, Hanuta < Haselnusstafel.

Buchstabenkurzwörter

Diese sind auf einzelne Buchstaben ihrer Ausgangsform reduziert und sind die am häufigsten vorkommende Kurzwortgruppe, z.B ARD < Arbeitsgemeinschaftderöffentlich- rechtlichen Rundfunktanstalten derBundesrepublik Deutschland, LKW < Lastkraftwagen, EDV < Elektronische Datenverarbeitung, Pkw < Personenkraftwagen. Sie können in zwei Gruppen aufgeteilt werden:

Kurzwörter, die nach Buchstabennamen und Kurzwörter die nach Lauten ausgesprochen werden. So wird das Buchstabenkurzwort ARD in der Regel [a:-er.'de:] ausgesprochen (vgl. Bellmann 1980, S.371). Hingegen wird TÜVgebunden ausgesprochen. Ausnahmen bilden Wörter wie FAZ < Frankfurter Allgemeine Zeitung, die bei der Aussprache sowohl lautiert, als auch buchstabiert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kurzwörter in der Fachsprache der Technik
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V372324
ISBN (eBook)
9783668501515
ISBN (Buch)
9783668501522
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortbildung, Kurzwörter, Fachsprachen, Linguistik, Sprachwissenschaft, Morphologie
Arbeit zitieren
Stefanie Aha (Autor), 2016, Kurzwörter in der Fachsprache der Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372324

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kurzwörter in der Fachsprache der Technik


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden