Diese Arbeit beleuchtet Gründe und Motive des Do It Yourselfs in der Zeit von 1945-1950 im Vergleich zum 21. Jahrhundert auf Grundlage von Ergebnissen einer Online-Umfrage und Befragung von Zeitzeugen.
Die Handarbeits-, also auch Do It Yourself-Bewegung, wird immer beliebter. Zwar hat sich die Aufmerksamkeit für das Thema Do It Yourself deutlich gesteigert, es lässt sich aber bisher nur wenig Literatur dazu finden. Dementgegen steht ein deutlicher Absatz bei den Handarbeitsbüchern und -bedarf.
"Das gute, alte Selbermachen“ - aber ist es tatsächlich etwas "altes", oder zeigt nicht die hohe Nachfrage, dass Do It Yourself auch in der jüngeren Generation immer beliebter wird? Ergebnisse der Medienanalyse - und Marktfroschungsfirma „media control“ ergeben, dass die Warengruppe „Handarbeit, Textiles“ im ersten Halbjahr 2012 ein Umsatzplus von 36% im Vergleich zum Vorjahr gemacht hat. Das Unternehmen „myBoshi“ macht mit ihrer simplen Idee, Mützen in trendigen Farben zu stricken, bisher einen Umsatz von 3,2 Millionen Euro und schafft neue Arbeitsplätze.
Doch Do It yourself ist nicht gleich Do It Yourself: Denn was hat sich verändert über diese 70 Jahre hinweg, von den Nachkriegsjahren in Deutschland, in denen Do It Yourself doch zunächst vor allem dem Material- und Geldmangel entstand, hin zum Jahr 2014, in dem es mehr ein Ausdruck des Individualismus ist?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der Methode
3. Gründe für Do It Yourself in der Nachkriegszeit 1945-1950
3.1 Materialmangel
3.2 Geldmangel
3.3 Der New Look von Christian Dior
3.4 Selbstbewusstsein
3.5 Zwischenfazit
4. Gründe und Motive für Do It Yourself im 21. Jahrhundert
4.1 Kategorisierung der Bereich in denen mit DIY gearbeitet wird
4.2 Individualität
4.3 Geldersparnis
4.4 Ausgleich und Hobby
4.5 Zwischenfazit
5. Vergleich der Motive und Gründe für Do It Yourself von 1945-1950 zu 2014
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Gründe und Motive für "Do-it-yourself" (DIY) in der deutschen Nachkriegszeit (1945-1950) mit denen im 21. Jahrhundert (insbesondere 2014). Ziel ist es, die sozioökonomischen Faktoren und persönlichen Beweggründe herauszuarbeiten, die den Wandel der DIY-Kultur von einer existenziellen Notwendigkeit hin zu einem kreativen Hobby und Ausdruck von Individualität erklären.
- Historische Analyse der DIY-Praktiken in der deutschen Nachkriegszeit
- Empirische Untersuchung heutiger DIY-Motive durch eine Online-Umfrage
- Gegenüberstellung von Notversorgung und individueller Selbstverwirklichung
- Bedeutung von Mode und Konsumverhalten als Triebfedern für das Selbermachen
- Soziologische Einordnung von Handarbeit und Freizeitbeschäftigung
Auszug aus dem Buch
3.1 Materialmangel
Ein Punkt, warum sehr viele Kleidungsstücke nach dem Krieg selber hergestellt wurden, war die Materialknappheit. Es fehlte an Knöpfen, Stoffen und Reißverschlüssen. Deswegen benutzen viele Menschen zur Herstellung oder Ausbesserung von Kleidung Lazarettbettwäsche, Vorhänge, Säcke oder Militärkleidung. Meine Großmutter bestätigte dies und schilderte, dass sie Kleider von der älteren Schwester anziehen musste oder alte Bettlaken zu einem Mantel umschneiderte, da es keine Produktion gab und somit keine Stoffe.
Die unterschiedlichen Stoffe wurden teilweise zusammengenäht. „Maria hatte einen braunen Rock und eine blaue Bluse und das war auch ein bisschen verschlissen, da wurde für mich ein ganzes Kleid rausgemacht. Blau und braun und das sah ganz toll aus. Das sah immer schick aus, wenn ich das an hatte.“
Das neue Kleid wurde eingefärbt und verziert, sodass schlussendlich ein neues Kleidungsstück entstand. Zudem versteckten Raffungen, Samt- und Spitzeneinsätze, so wie Miedergürtel mangelhafte Stellen. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Aus Fallschirmseide genähte Abendkleider oder in Mode gekommene Holz- oder Korkabsätze verhalfen den Menschen nach dem Krieg neue Kleidungsstücke herzustellen. Die Frauen lebten nach dem Motto: „Wie kann man sich trotz beschränkter Mittel schick anziehen?“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema DIY, Darstellung der Relevanz des Selbermachens sowie Erläuterung der Forschungsfrage und der methodischen Grundlage.
2. Beschreibung der Methode: Skizzierung der Konzeption und Durchführung der Online-Umfrage unter Textilstudierenden und Bekannten zur Ermittlung heutiger DIY-Motive.
3. Gründe für Do It Yourself in der Nachkriegszeit 1945-1950: Analyse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Notlagen wie Material- und Geldmangel, die zu kreativen Improvisationen in der Bekleidung führten.
3.1 Materialmangel: Detaillierte Untersuchung des Mangels an Textilien und der Nutzung improvisierter Materialien zur Herstellung von Kleidung.
3.2 Geldmangel: Erörterung der finanziellen prekären Lage der Haushalte vor und nach der Währungsreform als Ursache für die Eigenproduktion.
3.3 Der New Look von Christian Dior: Einfluss neuer Modetrends aus Paris auf den Wunsch der Frauen nach moderner Kleidung trotz wirtschaftlicher Engpässe.
3.4 Selbstbewusstsein: Untersuchung der psychologischen Komponente, wie das Tragen selbstgefertigter, schicker Kleidung zur Stärkung des Selbstwertgefühls beitrug.
3.5 Zwischenfazit: Zusammenfassung, dass DIY in der Nachkriegszeit primär eine existenzielle Zwangslage zur Notversorgung war.
4. Gründe und Motive für Do It Yourself im 21. Jahrhundert: Präsentation der Ergebnisse zur heutigen DIY-Bewegung, basierend auf der Online-Umfrage.
4.1 Kategorisierung der Bereich in denen mit DIY gearbeitet wird: Auswertung der bevorzugten DIY-Bereiche der Teilnehmer, mit Fokus auf Mode und Inneneinrichtung.
4.2 Individualität: Analyse des Wunsches, sich durch selbstgemachte Unikate vom Massenkonsum abzuheben.
4.3 Geldersparnis: Diskussion der Rolle finanzieller Ersparnis als Motiv im Kontext einer Überflussgesellschaft.
4.4 Ausgleich und Hobby: Darstellung des DIY-Prozesses als sinnvolle Freizeitbeschäftigung und Gegenpol zum fordernden Berufsalltag.
4.5 Zwischenfazit: Reflexion der heutigen Beweggründe, die stark durch Individualisierung und Selbstverwirklichung geprägt sind.
5. Vergleich der Motive und Gründe für Do It Yourself von 1945-1950 zu 2014: Systematische Gegenüberstellung der historischen Notwendigkeit mit dem modernen Lifestyle-Phänomen.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Forschungsergebnisse, Reflexion der methodischen Schwierigkeiten und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Do It Yourself, DIY, Nachkriegszeit, 1945-1950, 21. Jahrhundert, Handarbeit, Individualität, Konsum, Materialmangel, Selbstbewusstsein, Freizeitgestaltung, Mode, Online-Umfrage, Wirtschaftswunder, Massenkonsum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Gründe und Motive für "Do-it-yourself" (DIY) im historischen Vergleich zwischen der deutschen Nachkriegszeit (1945-1950) und dem Jahr 2014.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von wirtschaftlichen Notlagen, der Rolle von Mode, der Bedeutung von individueller Kreativität sowie dem Wandel der gesellschaftlichen Rolle des Selbermachens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, wie sich die Triebfedern für das Selbermachen gewandelt haben – von der existenziellen Notversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg hin zu einem Ausdrucksmittel für Individualität und Freizeitgestaltung im 21. Jahrhundert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zur Nachkriegszeit mit einer eigenen Online-Umfrage, um heutige Motive der DIY-Anwender empirisch zu erfassen und zu kategorisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Gründe der Nachkriegszeit (Materialmangel, Geldnot, Modewandel) und vergleicht diese mit den Ergebnissen der Online-Umfrage von 2014, wobei Kategorien wie Individualität, Sparsamkeit und Hobbybildung im Zentrum stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DIY, Individualität, Nachkriegszeit, Handarbeit, Konsumkritik, Selbstverwirklichung und Materialknappheit.
Inwiefern beeinflusste der "New Look" von Christian Dior die DIY-Praktiken nach 1945?
Der "New Look" markierte einen modischen Gegenentwurf zur kargen Nachkriegsmode. Frauen, die sich die teuren Originalstoffe nicht leisten konnten, nutzten Schnittmuster und altes Material, um diesen modernen, femininen Stil zu Hause nachzuschneidern.
Warum spielt Individualität im 21. Jahrhundert eine so große Rolle für das DIY?
Im Kontrast zur Massenproduktion der heutigen Warenwelt dient DIY als Instrument, um sich von der Uniformität abzuheben. Das selbstgefertigte Unikat fungiert als Ausdruck der eigenen Kreativität und Persönlichkeit.
- Arbeit zitieren
- Helena Kampschulte (Autor:in), 2014, Do-It-Yourself in Nachkriegsdeutschland und heute. Gründe und Motive des DIY, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372375