Segregation. Eine Analyse in der Stadt Mainz


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 3,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Definition der Segregation

3. Überblick der Situation in Mainz

4. Blickpunkt Soziale Stadt

5. Segregation in Mainz als Untersuchungsgegenstand
5.1 Interview mit Frau Silke Maurer, Quartiersmanagerin der Neustadt

6. Fazit

Anhang:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sozialräumliche Struktur einer Stadt, also die Art und Weise wie die Wohnungen auf die Bevölkerung verteilt sind, gibt oft Anlass zur Diskussion. Schlagworte wie „soziale Ungleichheit“ und „Ausgrenzung“ werden oft in diesem Zusammenhang verwendet. Tatsache ist, in einer Stadt leben auf engem Raum viele verschiedenen Schichten, Ethnien und Milieus. Deren unterschiedliche Kaufkraft und unterschiedlichen Standortpräferenzen bilden die Stadt an sich. Natürlich ergibt sich aus solchen sozialen Prozessen in einer Stadt auch soziale Ungleichheit. Eine dieser Folgen, welche aus den verschiedenen Dimensionen der sozialen Ungleichheit resultiert, ist die Segregation.

Im Rahmen der Stadtsoziologie wurden schon mehrere Studien über das Phänomen der Segregation angestellt. Die Studien bezogen sich allerdings ausschließlich auf Großstädte. Gemäß den gängigen Theorien, haben die verschiedenen Viertel, auch Quartiere genannt, großen Einfluss auf ihre Bewohner. So besitzen manche Quartiere angeblich ein Stigma, welches die Bewohner davon abhält an gewissen gesellschaftlichen Ressourcen teilzuhaben. Wie aber ist die Lage in einer Stadt wie Mainz, mit einer relativ hohen studentischen Dichte? Die vorliegende Arbeit möchte sich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern Segregation und soziale Ungleichheit in einem Mainzer „Problemviertel“ stattfinden und ob sich durch eine eventuelle Segregation schädliche Nachbarschaftseffekte ergeben? Der Begriff „Problemviertel“ stammt dabei von Mitarbeitern des Projektes „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt“, das die Mainzer Neustadt als förderungswürdig anerkannt hat.

Um zu diskutieren, ob in einem Mainzer Viertel Segregation herrscht, muss zunächst der Begriff theoretisch dargelegt und definiert werden und es müssen ebenso solche Entwicklungen berücksichtigt werden, welche der Segregation in die Hände spielen. Im Anschluss werden Fakten und momentane Gegebenheiten der Stadt Mainz erläutert, als Grundlage dient dafür die Sozialraumanalyse der Stadt Mainz aus dem Jahr 2005. Abschließend werden dann die Ergebnisse aus dem Interview mit einer Mitarbeiterin der sozialen Stadt, den Zahlen und Fakten aus der Sozialraumanalyse gegenübergestellt.

2. Theorie und Definition der Segregation

Für die Stadtsoziologie war es immer von großer Wichtigkeit, soziale Ungleichheiten zu thematisieren und nach ihren Folgen zu fragen. Sie geht davon aus, dass sich besonders in Städten soziale Ungleichheit auf engem Raum manifestiert und zwar in einer Weise, die man als zirkulär bezeichnen kann. Auf der einen Seite untersucht die Stadtsoziologie, wie sich gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen räumlich niederschlagen können und andererseits untersucht sie wie „die räumlichen Strukturen selbst die soziale Ungleichheit beeinflussen“ (Harth/Scheller/Tessin 2000: 17). Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass soziale Ungleichheit aus der Segregation resultiert und deswegen ein Problem darstellt. In Wahrheit scheint aber das Phänomen der Segregation nichts anderes als eine räumliche Übersetzung von schon bestehender sozialer Ungleichheit.

Verschiedene Dimensionen der sozialen Ungleichheit (Einkommen, Bildung, ethnische Zugehörigkeit) bestimmen die räumliche Struktur einer Stadt, anders ausgedrückt: „Die sozialräumliche Struktur einer Stadt ergibt sich aus der unterschiedlichen Attraktivität von Wohnquartieren, aus den Standortpräferenzen und der Kaufkraft der privaten Haushalte (…)“ (Häußermann 2008: 342). Das Forschungsfeld der Segregation konzentriert sich nun darauf, wie sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf die Stadtviertel verteilen. Eine Segregation lässt sich dann beobachten, wenn eine disproportionale Verteilung dieser Gruppen zu beobachten ist (vgl. Friedrichs 2008: 16). Warum die Frage nach dem Wohnort von so großem Forschungsinteresse ist, bringen Harth, Scheller und Tessin prägnant auf den Punkt: „Gerade weil der Wohnort nicht vollständig durch die Position im Schichtgefüge bestimmt wird, ist er nicht nur einfach Ausdruck von Status, Statussymbol, sondern zugleich Statusressource“ (Harth/Scheller/Tessin 2000: 17).

Laut Theorie haben Armut und „soziale Deprivation“ in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zugenommen (vgl. Häußermann 2008: 335). Die Spanne zwischen „arm“ und „reich“ hat sich erheblich erhöht, ebenso wie die Spanne in den Einkommensverteilungen (vgl. Friedrichs 2008: 10f). Die von der Erwerbswelt benachteiligten Menschen, wandern in die Städte und konzentrieren sich dort in den gleichen Vierteln. Durch diesen Trend steigt die Armut der schon bestehenden Armenviertel weiter (vgl. ebd.: 15).

Doch wie kommt so ein Armutsgebiet zustande? Zum einen sorgen natürlich die selektiven Fortzüge der Menschen, welche es sich leisten können dafür, dass nur noch solche zurückbleiben die sich eine andere Gegend nicht leisten können. Die Distanzierung geht dann bewusst von den „besser“ gestellten Haushalten aus. Hinzu ziehen dann gezielt solche, welche sich ein anderes Wohngebiet ebenfalls nicht leisten können. Häußermann benannte das Problem der Segregation treffend in einem Satz: „Materielle Barrieren und sozial-kulturelle Diskriminierungen führen zu einer sozialen Sortierung der Bevölkerung.(…) Die Reichen wohnen, wo sie wollen, die Armen wohnen, wo sie müssen“ (Häußermann 2008: 336). Durch die Entmischung der Schichten und der daraus resultierenden räumlichen Sortierung können sich starke negative Auswirkungen ergeben.

Die Soziologie nimmt an, dass die Umgebung in einem Quartier tatsächlich einen Effekt auf das Verhalten und die Einstellung der Bewohner haben kann. Diese gegenseitige Beeinflussung nennt man „Kontexteffekt“ oder „Nachbarschaftseffekt“. Wegen der Gefahr, dass sich schädliche Anwandlungen in einem segregierten Viertel verstärken, gelten stark homogene Gruppen als negativ, stadtpolitisch wird immer eine Durchmischung angestrebt (es sei denn, es handelt sich um ein sehr reiches segregiertes Viertel) (vgl. Friedrichs 2008: 17). Vermutet wird auch, dass die Tatsache, in einem benachteiligten Viertel zu leben, durch die Stigmatisierung ebenfalls zur Benachteiligung führt. Die Bewohner werden so ausgegrenzt, dass sie sowohl in ökonomischer, institutioneller, sozialer und kultureller Weise nicht mehr an den gesellschaftlichen Standards teilhaben können. (vgl. Häußermann 2008: 335f und 340) Auf den Punkt gebracht, bedeutet das, dass „arme Nachbarschaften ihre Bewohner ärmer machen“ (Häußermann 2008: 340). Damit wird das Phänomen der Segregation zu einem Selbstläufer, wodurch das Problem nur verschärft wird.

3. Überblick der Situation in Mainz

Alle Daten und Zahlen auf die ich mich hier beziehe, stammen aus der Sozialraumanalyse der Stadt Mainz aus dem Jahr 2005. Es ist das momentan aktuellste Datenpaket und stellt bis zur Veröffentlichung der neuen Sozialraumanalyse die offiziellen Zahlen dar. Da die Sozialraumanalyse auf jeden Stadtteil einzeln eingeht, würde es hier den Rahmen sprengen, würde ich versuchen, ein umfassendes Bild von Mainz wiederzugeben. Aus diesem Grund konzentriere ich mich nur auf die Mainzer Neustadt. Sie ist der bevölkerungsreichste Stadtteil von Mainz und wurde im Jahr 2000 vom Projekt „die Soziale Stadt“ als förderungswürdig ausgewählt. Ziel dieses Abschnitts ist es, die aktuelle Lage der Mainzer Neustadt abzubilden und Zahlen sowie Fakten darzustellen, anhand derer man über eine eventuell stattfindende Segregation diskutieren kann.

Die Mainzer Neustadt besteht aus den Bezirken Feldbergplatz, Frauenlobplatz, Gartenfeld, Goetheplatz, Barbarossaring, Am Depot, Wallaustraße-Mitte und der Ingelheimer Aue / Zollhafen. Die Neustadt ist mit inzwischen 26.000 Menschen (Stand der Sozialraumanalyse 2005: 24.366 Menschen) der bevölkerungsreichste Stadtteil von Mainz, die höchste Bevölkerungsdichte ergibt sich vor allem in den innerstädtischen Stadtbezirken, dem Goetheplatz und der Wallaustraße-Mitte. Ausgehend von der Innenstadt, nimmt die Bevölkerungsdichte zu den Mainzer Randbereichen hin immer weiter ab (Sozialraumanalyse 2005: 33). Trotz der hohen Bevölkerungsdichte, weist die Neustadt gleichzeitig aber den geringsten Anteil an Grünflächen auf (vgl ebd.: 202).

Mit 26,3%, besitzt die Neustadt einen der höchsten Anteile von Migranten, insbesondere der Stadtbezirk Ingelheimer Aue / Zollhafen stellt mit 61,1 % den höchsten Anteil von Ausländern dar (vgl. ebd.: 66).

Senioren sind in der Neustadt im Vergleich zu den anderen Mainzer Vierteln unterrepräsentiert, lediglich 19,9 % der Neustädter Bevölkerung sind über 60 Jahre alt. Dementsprechend ist aber die Altersgruppe der 18 bis unter 60 jährigen sehr stark vertreten. In gewissen Bezirken der Neustadt wie Gartenfeld oder Wallaustraße-Mitte erreicht ihr Anteil fast 70 % (vgl. ebd.: 60).

Auch der Anteil der Erwerbstätigen in diesem Alter ist in der Neustadt sehr hoch, 66,5 % der Menschen von 18 bis unter 60 Jahren üben eine berufliche Tätigkeit aus (vgl. ebd.: 64, Tabelle 9). Trotz diesen hohen Anteils an Erwerbstätigen, ist der Anteil der Arbeitslosen mit 17 % sehr hoch, bei anderen Stadtteilen mitunter nur 8 %. Die Werte der Langzeitarbeitslosen bewegen sich zwar im Durchschnitt, allerdings ist die Neustadt trauriger Gewinner im Bereich Jugendarbeitslosigkeit, manche Bezirke weisen Anteile bis 20 % auf. Besonders auffällig ist der Stadtbezirk Ingelheimer Aue / Zollhafen. Sowohl bzgl. der Langzeitarbeitslosigkeit als auch der Jugendarbeitslosigkeit ist dieser Bezirk trauriger Spitzenreiter. Jeder Dritte im erwerbsfähigen Alter ist hier ohne Job (vgl. ebd.: 159 und 164, Tabelle 25).

Der Anteil der Wohneigentümer, die ihre Eigentumswohnungen selbst nutzen, ist in der gesamten Neustadt recht niedrig, einzig der Bezirk Frauenlobplatz kommt mit 100 selbst genutzten Wohnungen von 1000 Haushalten ansatzweise an den Mainzer Durchschnitt heran (vgl. ebd.: 202). Wie aussagekräftig diese Zahlen allerdings sind, lässt sich nicht genau sagen, vor allem innerhalb der Stadt ist die Bebauung sehr dicht, Hochhäuser dominieren gegenüber Einfamilienhäusern. Die Sozialraumanalyse gibt zu, dass hohe „innerstädtische Eigentumsquoten im Geschosswohnungsbau“ nicht mit dem vorliegenden Indikator, der Grundsteuererhebung erfasst werden können. Vielmehr spiegelt der Indikator stärker den Bautypus der Einfamilienhausgebiete wieder (vgl. ebd.: 46).

Was die Familienstruktur der Neustadt angeht, kann man sagen, dass Familien mit ein oder zwei Kindern eher unterrepräsentiert sind, nur die Bezirke Barbarossaring und Am Depot können durchschnittliche und sogar überdurchschnittliche Werte aufweisen, alle anderen Bezirke der Neustadt verbuchen teils sehr niedrige Werte. Vielmehr konzentrieren sich solche Familien auf Außenbezirke von Mainz. In den zentralen Bezirken konzentrieren sich dafür Familien mit drei oder mehr Kindern. Die Ingelheimer Aue ist in dieser Hinsicht absoluter Spitzenreiter, dort herrscht ein Anteil von über 20 % von Familien mit drei oder mehr Kindern (vgl. ebd.: 141ff und 144, Tabelle 22).

Auffällig ist die Ingelheimer Aue/Zollhafen auch was die Anzahl von Interventionen der Jugendgerichtshilfe angeht, hier kommen 352,9 Interventionen auf 1000 Jugendliche dieser Altersklasse. Mit diesem hohen Wert, sichert sich dieser Bezirk die stadtweite Spitzenposition. Der Feldbergplatz hingegen, weist mit nur 33 Interventionen pro 1000 Jugendlicher einen überaus geringen Wert auf und liegt weit unter dem Mainzer Durchschnitt (vgl. ebd.: 179 Tabelle 29). Die Rate der Kriminalitätsbelastung, welche sich an den Tatverdächtigen pro 1000 Einwohner zwischen 15 und 65 misst, liegt mit 41,1 je 1000 Einwohner in der Neustadt stark über dem Mainzer Durchschnitt von 32,2. Der Bezirk Ingelheimer Aue / Zollhafen ist wieder einmal trauriger Gewinner, es wird fast das Vierfache des Mainzer Durchschnitts erreicht. Der Feldbergplatz weist dafür einen der niedrigsten Werte auf und lässt sich sogar mit Drais vergleichen (vgl. ebd.: 183ff Tabelle 32) .

4. Blickpunkt Soziale Stadt

Das Projekt „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt“, wurde im Jahr 1999 gegründet und ist in erster Linie ein bauliches Förderprogramm, welches beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) angesiedelt ist. Laut dem Programm führte „Kleinräumige Segregation“ in den vergangenen Jahren in vielen Städten zu Auf- bzw. Abwertungen von Stadtteilen und somit auch zur Herausbildung von benachteiligten Stadtteilen. Ziel des Programms der sozialen Stadt ist es nun, die „Abwärtsspirale“ in den sogenannten „benachteiligten Stadtteilen“ aufzuhalten und die Lebensbedingungen vor Ort umfassend zu verbessern (Quelle: Homepage der „Sozialen Stadt“).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Segregation. Eine Analyse in der Stadt Mainz
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
3,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V372402
ISBN (eBook)
9783668504264
ISBN (Buch)
9783668504271
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie Definition Segregation Mainz Blickpunkt Soziale Stadt Interview Neustadt
Arbeit zitieren
Aron Kraft (Autor), 2012, Segregation. Eine Analyse in der Stadt Mainz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372402

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