Diese Hausarbeit will versuchen, diese Prozesse in der Eurokrise nachzuvollziehen und untersuchen, wie sich das deutsche Handeln wirklich von den Handlungen vorheriger deutscher Regierungen unterscheidet. Dazu werden neben einschlägiger Fachliteratur auch Meldungen und Artikel durch Medien, vorrangig aus dem Spiegel, einbezogen, um neben der wissenschaftlichen Einordnung aktuelle Bezüge herstellen zu können.
Die Europäische Union – viele Jahre erkannten die Menschen in Europa in der europäischen Integration eine große historische Chance. Nie unumstritten, erschien der Integrationsprozess doch stets eher gestärkt als geschwächt zu werden. Die Europäische Union und vor ihr die Europäische Gemeinschaft waren stets geprägt von dem Ringen zwischen Verfechtern eines geeinten Europas mit starken supranationalen Institutionen und den Anhängern eines Staatenbundes, in dem sich souveräne Regierungen untereinander abstimmen. Deutschland galt stets als Verfechter eines geeinten Europas und hat sich auch lange in dieser Tradition gemeinsam mit Frankreich als Herz und Motor eines geeinten Europas verstanden. Zuletzt haben jedoch einige eklatante Brüche in der europäischen Gemeinschaft deutlich gemacht: die Europäische Union ist in ihrer tiefsten Krise seit Bestehen. Die Gründe dafür sind vielfältig und keinesfalls monopolar. Eine wesentliche Rolle spielte jedoch zweifelsohne auch die sogenannte Eurokrise. In dieser Krise hat die Bundesregierung eine aktive Führungsrolle übernommen, die Deutschland in politikwissenschaftlichen Schriften zu internationalen Beziehungen seit geraumer Zeit zugeschrieben wurde. Dabei ist scheinbar das bisherige deutsche Paradigma der Stärkung der supranationalen EU-Organe und der Europäischen Einigung, dass lange Zeit deutsches Staatsziel war, aufgeweicht worden und intergouvernementale Beschlussfindung in der EU von der Bundesregierung seit 2010 bestärkt worden. Dazu wird das Krisenmanagement Deutschlands unter Kanzlerin Angela Merkle anhand von wichtigen Etappen der Krise betrachtet. So wird die Entscheidung über die Hilfestellungen die damit verbundenen Forderungen an Griechenland zunächst im ersten Krisenjahr und während des G20 Gipfels 2011 in Cannes beleuchtet und schließlich die politisch angespannten Verhandlungen im Vorfeld des dritten Hilfspakets im August 2015 beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Supranationalismus und Intergouvernementalismus im europäischen Kontext
2.1. Intergouvermentale und supranationale Institutionen
2.2. Europäische Integration bis 1990
2.3. Europäische Integration nach der Wiedervereinigung Deutschlands
3. Die Bundesregierung in der Eurokrise
3.1. Von der Finanzkrise zur Griechischen Staatsschuldenkrise
3.2. Eurokrise und deutsche Führungsrolle
3.3. Die Krise als Spektakel – das erste Halbjahr 2015
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle Deutschlands innerhalb der Europäischen Union während der Eurokrise. Dabei wird analysiert, inwieweit Deutschland von seiner traditionellen multilateralen Politik der Stärkung supranationaler EU-Organe abgewichen ist und stattdessen eine intergouvernementale, von nationalen Interessen geprägte Führungsrolle eingenommen hat.
- Supranationalismus versus Intergouvernementalismus in der EU
- Die historische Entwicklung der deutschen Europapolitik
- Krisenmanagement der Bundesregierung unter Angela Merkel
- Der Einfluss von Sparauflagen (Austerität) auf die Eurokrise
- Die Verschiebung von kooperativer Zusammenarbeit zu konfrontativen Verhandlungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Von der Finanzkrise zur Griechischen Staatsschuldenkrise
Massive Fehlspekulationen der Finanzbranche und das Platzen der Immobilienblase in den USA und später in Europa brachten Ende 2008 die gesamte Weltwirtschaft in eine bedrohliche Schieflage. Wie in den USA, dem Ausgangsland der Krise, gerieten fast alle europäischen Länder in wirtschaftliche und finanzielle Turbulenzen. Die Pleite der Lehman Bank, die die Regierung der USA zugelassen hatte, stand symbolisch am Beginn dieser Krise. Daraus ergab sich die Sorge, dass jede weitere Bankenpleite eine Verschärfung der Krise bedeuten könnte. In dieser angespannten Lage mussten in Europa zahlreiche Banken von den Mitgliedsstaaten vor dem Bankrott gerettet werden. In diesem Zuge stieg die Staatsverschuldung, die zum Teil schon auf einem hohen Niveau verharrte, in nahezu allen Euromitgliedsstaaten deutlich an.
Gleichzeitig brachen aufgrund der Wirtschaftskrise europaweit Steuereinnahmen ein, während die Sozialausgaben stark anzogen. Die Krise traf dabei Länder wie Irland oder Spanien deutlich härter. Dort hatten die von Banken leichtfertig vergebenen Kredite zu starkem Wirtschaftswachstum durch Bauboom und Immobilienspekulation geführt, dem nunmehr die Grundlage entzogen war. Doch europaweit gerieten Staaten in Finanznot. So musste beispielsweise das EU-Mitglied Ungarn 2008 auf beauflagte Hilfskredite des Internationalen Währungsfond zurückgreifen. Europa befand sich in der tiefsten wirtschaftlichen Rezension seit Bestehen der Europäischen Gemeinschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der europäischen Integration und führt in das Spannungsfeld zwischen supranationalen Institutionen und intergouvernementaler Zusammenarbeit in der Eurokrise ein.
2. Supranationalismus und Intergouvernementalismus im europäischen Kontext: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der zwei Integrationsmodelle sowie die historische Entwicklung Deutschlands als Motor der europäischen Einigung bis zur Wiedervereinigung.
3. Die Bundesregierung in der Eurokrise: Der Hauptteil analysiert das deutsche Krisenmanagement in der Eurozone, von der Finanzkrise 2008 bis zu den zugespitzten Verhandlungen mit Griechenland im Jahr 2015.
4. Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Deutschland seiner Führungsrolle nicht gerecht wurde und durch das Beharren auf nationalen Interessen und Austeritätspolitik die europäische Einigung eher belastet als gestärkt hat.
Schlüsselwörter
Eurokrise, Deutschland, Europäische Union, Intergouvernementalismus, Supranationalismus, Austeritätspolitik, Bundesregierung, Angela Merkel, Griechenland, Eurobonds, Fiskalpakt, Finanzkrise, Europäische Integration, Stabilität, Wirtschaftspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem deutschen Handeln in der Eurokrise und untersucht den Wandel der deutschen Europapolitik von einer supranationalen hin zu einer intergouvernementalen Ausrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Deutschland und der EU, die Dynamik zwischen den Mitgliedsstaaten und den europäischen Institutionen sowie die Auswirkungen der deutschen Krisenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, ob das deutsche Agieren in der Eurokrise eine Abkehr von der bisherigen multilateralen Tradition der Bundesrepublik darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und medialer Berichterstattung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: die Entstehung der Krise, die deutsche Führungsrolle und die Eskalation der Krise im ersten Halbjahr 2015.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Eurokrise, Intergouvernementalismus, Supranationalismus, Austeritätspolitik und deutsche Führungsrolle.
Welche Rolle spielte die Kanzlerin Angela Merkel in der Krise?
Laut der Autorin kam Angela Merkel unverhofft in diese Position und reagierte oft zögerlich oder getrieben von innenpolitischen Erwägungen, anstatt proaktive europäische Strategien zu entwickeln.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Stabilitäts- und Wachstumspakts?
Der Pakt wird als wirtschaftlich umstritten und kontraproduktiv bewertet, da seine starren Regeln in der Krise nicht flexibel genug waren und die betroffenen Staaten zusätzlich unter Druck setzten.
Warum war die Zusammenarbeit mit der Troika so umstritten?
Die Zusammenarbeit wurde als Ausdruck einer konfrontativen Politik empfunden, die vor allem auf Sparauflagen (Austerität) setzte, was in den Krisenländern zu einer wirtschaftlichen Rezession und sozialen Härten führte.
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- Anonym (Author), 2016, Inwieweit stärkt Deutschland in der Eurokrise die europäischen Organe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372427