Überbringung einer Todesnachricht. Zuständigkeit, Handlungsempfehlungen und ethische Aspekte


Hausarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

A. Einleitung

Eine der schwierigsten Aufgaben von Polizeibeamten ist das Überbringen einer Todesnachricht. „Wie Polizeibeamte/Polizeibeamtinnen selber sagen, gehört die dienstliche Weisung, eine Todesnachricht zu überbringen, mit zu den belastendsten und aufreibendsten Tätigkeiten im Polizeialltag.“[1] Das liegt auch unter anderem daran, dass für die Empfänger, die eine Todesnachricht erhalten, diese eine zentrale und belastende Situation in ihrem Leben darstellt. Meistens sind es Angehörige der verstorbenen Opfer, die eine nahestehende Verbindung zu den Opfern haben. Daraus resultiert auch, dass ein gemeinsamer Lebensabschnitt mit der verstorbenen Person beendet ist.

In der folgenden schriftlichen Ausarbeitung, die als Grundlage meines Referates dient, möchte ich die Problematik dieser bedeutenden Situation und Aufgabe thematisieren. Insbesondere möchte ich einige Grundsätze bei der Überbringung einer Todesnachricht darstellen und das Phasenmodell und einige konkrete Handlungsempfehlungen erläutern.

Daraus ergeben sich folgende Fragen, die ich im Laufe meiner Ausarbeitung beantworten möchte.

- Welche Grundsätze und konkrete Handlungsempfehlungen existieren bei der Überbringung einer Todesnachricht?
- Wie sind die Reaktionen der Angehörigen bei der Überbringung einer Todesnachricht? Und wie gehen Polizeibeamte am besten damit um?
- Welche ethisch relevanten Aspekte ergeben sich aus dieser Thematik?

B. Hauptteil

1. Zuständigkeit und Grundsätze bei der Überbringung einer Todesnachricht

Zunächst ist zu klären, warum es eigentlich Aufgabe der Polizei ist, Todesnachrichten an die Angehörigen zu überbringen, wenn sich der Tod in der Öffentlichkeit ereignet hat? Es wird einerseits damit argumentiert, dass es keine hoheitliche Aufgabe ist und damit letztendlich keine Aufgabe der Polizei sei. „Andererseits wird angeführt, dass man indirekt sagen könnte, dies sei Aufgabe der Polizei, da sie bei einem Tod im öffentlichen Raum ohnehin Untersuchungs- bzw. Ermittlungsbehörde sei.“[2] Primär ist es somit nicht Aufgabe der Polizei, sondern sie nimmt das Überbringen einer Todesnachricht nur im Rahmen einer anderen Aufgabe wahr. Jedoch spielt das grundsätzlich keine Rolle, da die Polizei häufig das Überbringen einer Todesnachricht übernimmt.[3]

Generell ist zusagen, dass es einige Grundsätze bei der Überbringung einer Todesnachricht gibt und diese möglichst eingehalten werden sollen.

Zunächst ist es wichtig, dass die Todesnachricht immer persönlich und nicht über das Telefon überbracht wird. Denn es ist nicht vorherzusehen, wie der jeweilige Angehörige, also der Gegenüber reagiert. Außerdem haben die Polizeibeamten keine Möglichkeit einzugreifen, wenn die Überbringung der Todesnachricht nicht persönlich geschieht.[4] Des Weiteren ist es sehr wichtig, dass man sich viel Zeit für die Überbringung nimmt. Viele Angehörige sind nämlich froh, wenn andere Personen, wie z.B. Polizeibeamte vor Ort sind und für sie in dem Moment da sein können. In der Vergangenheit wurde von vielen Empfängern einer Todesnachricht berichtet, dass die Polizeibeamten, die diese schwierige Aufgabe wahrgenommen haben, oftmals unter Zeitdruck stehen. Sicherlich stellen enge Dienstpläne eine Ursache derartiger Fehler dar.[5] Jedoch ist es den Polizeibeamten oftmals nicht übel zunehmen, da es ihnen häufig an Erfahrung fehlt oder die polizeiliche Aufgabe zu belastend empfunden wird.[6] Anschließend ist auch noch zusagen, dass die Überbringung normalerweise in Dienstkleidung durchzuführen ist und man dabei nicht alleine sein sollte. Außerdem ist es möglich bei dieser Tätigkeit, einen Notfallseelsorger oder eventuell einen Polizeiseelsorger hinzuzuziehen, da diese sich unter anderem in der Regel darauf spezialisiert haben.[7]

2. Das Phasenmodell und deren konkreten Handlungsempfehlungen

Im Laufe vieler Jahre konnten Erfahrungen und Fehler bei der Überbringung einer Todesnachricht wahrgenommen werden. Durch diese wurde ein konkretes Phasenmodell, durch die Polizeiseelsorge, zur Überbringung einer Todesnachricht aufgestellt, um unter anderem den Polizeibeamten bei dieser belastenden und schwierigen Tätigkeit im Polizeialltag zu helfen.

Das Phasenmodell erstreckt sich in drei wichtige Phasen: Vorbereitungsphase, Durchführungsphase und Nachbereitungsphase.

In der Vorbereitungsphase ist es enorm wichtig, alle relevanten Informationen zum Opfer, deren Angehörigen und zum Todeshergang zu sammeln und im Team diese zu bündeln. Dabei ist es auch insbesondere wichtig, sich persönlich auf den bevorstehenden Einsatz, nämlich die Überbringung der Todesnachricht, vorzubereiten und einzustellen, damit man in der Lage ist, die Aufgabe professionell zu bewältigen.[8]

In der Durchführungsphase, wird das aktive handeln vor Ort, also bei den Angehörigen beschrieben. Dabei ist es insbesondere wichtig, dass man sich namentlich vorstellt und die Todesnachricht in einem vertrauten Bereich, am Besten in der Wohnung des Angehörigen überbringt. Außerdem ist es wichtig, dass der Tod dem Empfänger klar benannt wird und eindeutige Worte, wie „Tod“ oder „verstorben“ verwendet werden. Auch durch aktives Zuhören, wird dem Empfänger von Seiten des Übermittlers Vertrauen geschenkt.[9]

In der letzten Phase, die sogenannte Nachbereitungsphase, geht es darum, das erlebte zu verarbeiten und sich um sich zu kümmern. Also diese Phase dient hauptsächlich dem Polizeibeamten, der die Todesnachricht überbringt. Man sollte mit den Kollegen über die Erlebnisse und Erfahrungen reden und Gespräche mit dem Polizeiseelsorger austauschen. Es wird sogar empfohlen, dass die eingesetzten Beamten ein sogenanntes Nachgespräch mit den Angehörigen führen. Dieses soll der weiteren Verarbeitung und der endgültigen Abschließung des Sachverhalts und der Überbrachten Todesnachricht dienen.[10]

3. Reaktionen der Angehörigen

Die Reaktionen auf die Mittteilung können völlig unterschiedlich ausfallen. Somit können sich die Übermittler nicht auf eine bestimmte Reaktion der Empfänger einstellen.[11]

Am häufigsten sind die Angehörigen traurig und beginnen zu weinen. Der Empfänger kann von Sprachlosigkeit und körperlicher Verkrampfung bis hin zum übersteigertem Aktionismus und Redefluss reagieren. In einer solchen Ausnahmesituation, ist bei dem Empfänger jede nur denkbare Reaktion möglich. In Ausnahmefällen muss der Überbringer sogar damit rechnen, dass der Empfänger aggressiv und wütend reagiert. Diese Reaktionen können sich sogar im Einzelfall gegen den Überbringer richten. Die unterschiedlichen Reaktionen der Empfänger, sind durch unterschiedliche Faktoren bestimmt. Dabei spielt es insbesondere eine Rolle, ob die Botschaft überraschend für den Empfänger ist und in welcher Beziehung er zu dem Verstorbenen stand.

4. Ethisch relevante Aspekte

Gerade bei der Überbringung von Todesnachrichten treten viele ethische Aspekte in den Vordergrund. Insbesondere bei dem Umgang mit der Wahrheit gegenüber den Angehörigen.[12] Laut Empfehlung bzw. Handlungskonzept ist es ausdrücklich erwünscht, dem Angehörigen recht schnell und deutlich klar zu machen, dass eine Person, die ihm nahestand, jetzt nicht mehr auf der Welt ist. Dabei ist es gerade ethisch gesehen für jeden Polizeibeamten schwer, dies in die Tat umzusetzen.

Insbesondere beim erläutern des Unfallhergangs möchte man den Angehörigen oftmals die Wahrheit ersparen.

Auch eigene Erfahrungen und Aspekte zum Thema Tod spielen dabei eine besondere Rolle. Jeder Überbringer solch einer Nachricht, ist der Aufgabe nicht immer gewachsen und kann eine solche Herausforderung gerade ethisch gesehen nicht mit sich so vereinbaren, wie man es aber gerne hätte. Dabei wird man sich auch immer wieder die Frage stellen, wie der Empfänger die Wahrheit verkraften wird und wir der Überbringer diese verpacken soll.

C. Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Überbringung einer Todesnachricht für die meisten Polizeibeamten eine große Herausforderung ist. Es liegen zwar wie bereits erläutert, Grundsätze und konkrete Handlungsempfehlungen vor, allerdings verläuft in der Regel jede Überbringung einer Todesnachricht anders ab, als man sich das vorstellt. Des Weiteren spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle auch in Bezug auf die Reaktionen der Angehörigen, die umfangreich erläutert wurden. Außerdem ist es gerade in einer solchen Situation immer hilfreich, einen Seelsorger hinzuzuziehen, da dieser in solchen Situationen geschult und mit der Thematik vertrauter ist.

Auch in Bezug auf die ethisch relevanten Aspekte entsteht eine gewisse Diskrepanz bei den Polizeibeamten und dem Umgang mit der Wahrheit gegenüber den Angehörigen, wie oben erläutert wurde.

Abschließend lässt sich sagen, dass jeder Polizeibeamte in diese schwierige Situation kommen kann, da es zur Polizeiarbeit gehört und diese mit Hilfe der Empfehlungen meistern kann.

[...]


[1] Siegfried Franke, Berufsethik für die Polizei, S.267

[2] Frank Lasogga ; Bernd Gasch (Hrsg.): Notfallpsychologie, S. 347

[3] Vgl. Frank Lasogga ; Bernd Gasch (Hrsg.): Notfallpsychologie, S.347

[4] Vgl. http://notfallseelsorge.de/old/Materialien/A5_Inforeihe_PSU_Todenachricht_Heft4.pdf, zuletzt abgerufen am 25.01.2017

[5] Vgl. Frank Lasogga ; Bernd Gasch (Hrsg.): Notfallpsychologie, S. 355

[6] Vgl. Kurt Grützner/Wolfgang Gröger/Claudia Kiehn/Werner Schiewek (Hg.), S.211

[7] Vgl. http://polizeiseelsorge.org/download/C4d4f99e7X144ad20ae6eX2eb2/todesnachricht_e, zuletzt abgerufen am 29.01.2017

[8] Vgl. http://polizeiseelsorge.org/download/C4d4f99e7X144ad20ae6eX2eb2/todesnachricht_e, zuletzt abgerufen am 30.01.2017

[9] Vgl. Frank Lasogga ; Bernd Gasch (Hrsg.): Notfallpsychologie, S. 351

[10] Vgl. http://polizeiseelsorge.org/download/C4d4f99e7X144ad20ae6eX2eb2/todesnachricht_e, zuletzt abgerufen am 02.02.2017

[11] Vgl. http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/todesnachricht.html, zuletzt abgerufen am 30.01.2017

[12] Vgl. Wagener, Ulrike, Polizeiliche Berufsethik

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Überbringung einer Todesnachricht. Zuständigkeit, Handlungsempfehlungen und ethische Aspekte
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V372528
ISBN (eBook)
9783668502017
ISBN (Buch)
9783668502024
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Todesnachrichten, Ethik, Polizeiarbeit
Arbeit zitieren
Pascal Schmitz (Autor), 2017, Überbringung einer Todesnachricht. Zuständigkeit, Handlungsempfehlungen und ethische Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372528

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