Einleitung
Die Gedichte „Auf eine Lampe“ (1846) und „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“1 (1825), deren Interpretation und Vergleich der vorliegenden Arbeit zu Grunde liegen, geben einen Einblick in Mörikes Auffassung von Kunst und dienen der Darstellung seines Begriffes der Schönheit, der deutlich vom subjektiven Erleben sowie von seinem Bewusstsein der Zeitlichkeit geprägt ist. Das zu Mörikes Gegenstandslyrik gehörende Gedicht „Auf eine Lampe“ und das Stimmungsgedicht „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“ zählen zu der literarischen Epoche zwischen Romantik und Realismus, dem sogenannten Biedermeier, wobei das letztere noch Züge der Romantik aufweist und auch als Zeitgedicht bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hauptteil – Interpretation
1. Auf eine Lampe
1.1 Formale Analyse
1.1.1 Aufbau
1.1.2 Bildlichkeit
1.2 Interpretation
2. An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang
2.1 Formale Analyse
2.1.1 Aufbau
2.1.2 Bildlichkeit
2.2 Interpretation
III Schlussbewertung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, anhand der Gedichte „Auf eine Lampe“ und „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“ ein tieferes Verständnis für Eduard Mörikes ästhetisches Konzept von Schönheit und Kunst zu gewinnen, das maßgeblich durch sein subjektives Zeitempfinden sowie die Verbindung von Form und Inhalt geprägt ist.
- Analyse der formalen Strukturen und rhetorischen Stilmittel in ausgewählten Gedichten Mörikes
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen betrachtendem Ich und dem lyrischen Gegenstand
- Deutung der Rolle von Zeitlichkeit, Vergänglichkeit und Augenblick im Werk Mörikes
- Vergleich der künstlerischen Auffassung zwischen Biedermeier, Romantik und Realismus
Auszug aus dem Buch
1.2 Interpretation
Schon der als Widmung formulierte Titel „Auf eine Lampe“ weist darauf hin, dass es sich in dem Gedicht nicht nur um die Lampe als leblosen Gegenstand handelt, sondern dass sie eine tiefere Bedeutung hat und vom Betrachtenden wie ein Lebewesen wertgeschätzt wird.
Diese Personifizierung wird gleich am Anfang des Verstextes, der sich inhaltlich in vier Abschnitte gliedert, durch direkte Ansprache wieder aufgenommen. Im ersten Abschnitt, der die ersten drei Verse und somit den ersten Satz umfasst, wird die Funktion der Lampe innerhalb ihrer unmittelbaren Umgebung beschrieben. Obwohl sie kein Licht mehr ausstrahlt, schmückt sie noch immer das verlassene „Lustgemach[...]“ (V.3), von dessen Decke aus sie allein durch ihre Schönheit den ganzen Raum erhellt. Sie wird sofort in den Mittelpunkt des Raumes wie auch des Gedichtes gerückt, was durch den stillen Betrachter und die Schilderung seines Erlebens ermöglicht wird. Er ist es auch, der die Lampe sehr schätzt und sie personifiziert (V.1:„[...] o schöne Lampe, schmückest du“). Das einleitende „Noch unverrückt“ verleiht der Schönheit der Lampe eine Unangetastetheit, da sie immer noch, nach langer Zeit, ihre schmückende Funktion beibehalten hat, während ihre Umgebung schon fast vergessen ist. Doch gleichzeitig wird eine mögliche Verletzbarkeit evoziert, da die Lampe „noch unverrückt“ hängt, möglicherweise aber nicht mehr lange.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung führt in die Auswahl der Gedichte ein und verortet Mörikes Kunstverständnis im Spannungsfeld zwischen Romantik, Biedermeier und Realismus.
II Hauptteil – Interpretation: Dieser Teil widmet sich der detaillierten formalen Analyse und interpretatorischen Untersuchung der beiden Gedichte unter Berücksichtigung von Struktur, Bildlichkeit und inhaltlicher Tiefe.
III Schlussbewertung: Die Schlussbewertung führt die Ergebnisse zusammen und unterstreicht Mörikes Fähigkeit, den flüchtigen Augenblick durch die vollkommene Verdichtung von Form und Sprache zu bewahren.
Schlüsselwörter
Eduard Mörike, Schönheit, Lyrik, Biedermeier, Interpretation, Formale Analyse, Bildlichkeit, Metrum, Personifizierung, Ästhetik, Zeitlichkeit, Augenblick, Kunstverständnis, Symbolik, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert zwei Gedichte von Eduard Mörike, um dessen spezifisches Verständnis von Schönheit und Kunst zu explizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die formale Gestaltung der Texte, der Einsatz rhetorischer Figuren, das Verhältnis von Mensch und Gegenstand sowie das Motiv der Zeitlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Aufarbeitung von Mörikes Kunstauffassung, insbesondere wie er den flüchtigen Moment durch Sprache und Form "einfängt" und vor der Vergänglichkeit schützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die formale Aspekte (Metrum, Rhythmus, Reim) mit einer inhaltlichen Interpretation verbindet.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Auf eine Lampe“ und „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“, wobei jeweils Aufbau, Bildlichkeit und eine tiefgehende Interpretation erfolgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schönheit, Kunstverständnis, Zeitlichkeit, Vergänglichkeit, Metrum, Bildlichkeit und ästhetische Vollendung.
Welche Rolle spielt die Personifizierung in „Auf eine Lampe“?
Die Personifizierung hebt die Lampe aus ihrem Dasein als lebloser Gebrauchsgegenstand heraus und macht sie zu einem würdigen, beinahe lebendigen Objekt der Kunstbetrachtung.
Wie unterscheidet sich die Stimmung in „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“?
Die Stimmung ist geprägt von einem Prozess des Erwachens und einem ständigen Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung, der eine poetische Schöpfungskraft thematisiert.
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- Lena Langensiepen (Author), 2003, Mörikes Begriff der Schönheit (Zwei Gedichtinterpretationen), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37280