Die sassanidischen Münzen im historischen Kontext


Seminararbeit, 2014
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fundorte/Münzstätten

3. Einführung in die sassanidische Numismatik

4. Das Münzbild

5. Die Münzordnung der sassanidischen Könige

6. Die Sonderprägungen

7. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Fragestellung

Die vorliegende Arbeit behandelt die Münzen aus dem sassanidischen Raum und beachtet dabei den historischen Kontext auf der Grundlage der erarbeiteten Mittel von Robert Göbl und des Projekts Sylloge Nummorum Sasanidarum (SNS), sowie die nach wie vor diskutierte Bedeutung der Ikonographie der einzelnen Münzen. Ich möchte das Augenmerk auf die zum Teil gut erhaltenen Münzen legen, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts vom Numismatiker erforscht wurden und seit dem mehr Beachtung fanden.

An der Reihenfolge der Münzen, die die amtierenden Könige und Königinnen zeigen, kann man die Geschichte ablesen, wie der Staat in naher Verbindung zur Religion stand, welche künstlerischen Mittel der Ikonographie zu den damaligen Zeiten von Nöten waren und wozu es Sonderprägungen im Allgemeinen gab, wenn diese doch zum Großteil nur als Festprägungen erschienen.

Einen Einblick über die Vielfalt der sassanidischen Münzen möchte ich in dieser Arbeit niederlegen.

Einleitung

Die Hausarbeit ist weitreichend auf der Grundlage der wegbereitenden Studien von Göbl in den 50er Jahren und des Projekts Sylloge Nummorum Sasanidarum geschrieben. Des Weiteren gehe ich auf die Münz- und Prägungsstätten ein, die sowohl Göbl, als auch das Forschungsprojektteam präsentiert haben. In Folge dessen möchte ich ausführlich auf jeweils zwei ausgewählte Münzseiten eingehen, die zu jedem König zugehörig sind. Eine Diskussion anhand der ikonographischen Mittel und Symbolik der Münzen in Verbindung mit Wirtschaft, Verwaltung und Religion, schließt daran an. Im Abschluss möchte ich ansatzweise die noch umstrittenen Sonderprägungen erwähnen und warum es immer noch offene Fragen gibt, wenn diese doch nicht im Alltag als Währung gebraucht worden war, es sie aber dennoch gab.

Fundorte/Münzstätten (Abb. 1)

Das Büro der Finanzen war das v ā stry ōšā ns ā l ā r, welches dem römischen a rationibus unter Kaiser Claudius entsprach.1 Die zentrale Leitung des Finanzwesens war von Anfang an erkennbar. Die Befehlsausgabe aus Ktesiphon. Landesweit waren die Münzgraveure hinsichtlich ihrer Qualifikation recht verschieden, was man an kleinen Unterschieden der Münzbearbeitung feststellen kann.2 Ab dem Jahr 531 unter der Regierung von Ḵosrow I. wurden Abweichungen seltener.

Zwei Nachrichten aus der Regierungszeit des Ḵosrow II., die der bedeutende islamische Historiker at-Tabarī überliefert hat, berichten für das 13. und 30. Regierungsjahr die Anfertigung neuer Münzstempel1. (Abb. 2)

Offensichtlich gab es jedes Jahr neue Münzstempel, zumindest für die Rückseite, da diese, wie allgemein bekannt, sich schneller abnutzt (Abb. 3).

Die genaue Anzahl der Münzstätten ist unklar, da noch immer unentdeckte Münzstätten vermutet werden. Die Münzämterzahl muss auf dem Maximum unter Ḵosrow II., gewesen sein, da von ihm die meisten Münzen entdeckt wurden - dicht gefolgt von Ḵosrow I. und Bahrām V..

Zu Beginn soll es, laut Göbl, wohl drei bis sechs Münzstätten gegeben haben. Hauptsächlich angesiedelt haben sich diese in der Persis, im Osten (Merv), und schließlich in Ktesiphon. (Tab. 1)

Einführung in die sassanidische Numismatik

Die Sassaniden, Nachfolger der Parther, herrschten zwischen 224 und 651 n.Ch. über ein Großreich, dessen Kerngebiet der heutige Iran ist. Im Laufe dieser Jahrhunderte konnten jene ihre Macht entfalten und waren wohl der bedeutendste Gegenspieler des römischen Imperiums. Mit dem Einfallen und der Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert endete das Sassanidenreich.

Münzen dienen allgemein bekannt als wichtige Quelle zur Datierung für alle Kulturen. Sie geben Auskunft über Herrscher und religiöse Aspekte, indes auch über die Wirtschaft und Verwaltung.

Eine Vielzahl an Silberprägungen ist bekannt, Goldmünzen hingegen im geringen Maße, da diese als Sonderprägungen3 fungierten.

Laut SNS sind um die 12.000 Münzen sassanidischer Abstammung bekannt, wobei man hier auch unterscheiden muss, aus welchen Gebieten diese stammen. Die sassanidische Münzprägung hatte gewissermaßen einen sehr starken Einfluss auf die gesamte zentralasiatische Münz- und Geldwirtschaft. Die Drachmen waren ein Vorbild für Eigenprägungen zentralasiatischer Stämme und Dynasten. Heute wird der Hauptbestand der Münzen in drei Museen ausgestellt: in Wien, Berlin und Paris. Das SNS bezieht sich auf Literatur und Forschung aus der ganzen Welt und so gibt die Reihe SNS Usbekistan wieder, dass allein in Usbekistan und Umgebung bereits 647 sassanidische Münzen gefunden worden waren, wobei davon auch nur 383 rein sassanidisch sind. Dem Archäologen und Numismatiker Robert Göbl waren in der Mitte des 20. Jahrhunderts nur 254 Münzen bekannt. Man unterscheidet zwischen den sassanidischen, arabo-sassanidischen, abbasidischen und kuschano- sassanidischen Münzen. Des Weiteren gibt es Bukharkhudat-Prägungen und andere Münzen, die in diesem Gebiet gefunden worden und z.B. den Hephtaliten zuzuordnen sind.

Ferner ist zu erwähnen, dass es sich bei den Funden nicht nur um Originale, sondern auch um Kopien gehandelt hat. Göbl waren bereits einige wenige bekannt. Der Numismatiker erklärt, dass es schon aus den vorherigen Jahrhunderten Fälscher gab, die die Prägung am Bildrand kopierten, die jedoch schlichtweg Analphabeten gewesen sein müssen, da die nun kopierte Fassung keinen Sinn mehr ergab.4

Die verschiedenen Materialien und Größen einer jeden Münze gilt es zu unterscheiden. Diesbezüglich wurde festgestellt, dass es aus Silber gestanzte Drachmen mit durchschnittlich 4 Gramm je Münze gab. Obendrein Obole, die 0,6-0,7 Gramm wogen, später aber nur bis 0,5 Gramm schwer waren. Ein Unit war die ursprüngliche Kupfereinheit. Die Dīnāre aus Gold, mit durchschnittlich 7 Gramm, waren weitesgehend als Sonderprägungen im Umlauf.

Das Münzbild

Die Vorder- und Rückseiten wurden, charakteristisch für jede Dynastie, unterschiedlich gestaltet. Die Vorderseite, in der Fachsprache auch Avers genannt, beinhaltet in der Regel eine Büste des Königs (Teilweise auch mit Doppel- oder Mehrfachbüsten). Die Rückseite oder Revers ist von Hauptvertreterstypen bestimmt. Jene lassen sich unterscheiden in einen alleinigen Feueraltar, der mit Flammen dargestellt ist, einen Feueralter, ebenfalls mit emporstehenden Flammen, der jedoch von zwei Assistenzfiguren umgeben ist, und einen Feueraltar, in der sich eine aus den Flammen hervorsehende Büste des Königs befindet. Letzterem wurden links und rechts zwei Assistenzfiguren beigefügt.5

Die Münzen unterlagen strengen Vorschriften, die vorwiegend das ganze sassanidische Reich betrafen. In der zunehmenden Anhäufung von Münzen aus dem Imperium, erkannte man eine konsistente Entwicklung des Münzbildes. Im Allgemeinen kann man bei frühsassanidischen Münzen noch von einem doppelten Bildrand ausgehen, der sich allmählich um einen weiteren Bildrand ergänzte. Mit anderen Worten kommt bei arabo-sassanidischen Münzen meist nunmehr ein dreifacher Bildrand vor.

Jeder König hat seine, speziell für sich gestaltete Krone und ist in so gut wie allen Fällen an seiner Krone zu identifizieren5, sofern man nicht in der Lage ist, die persische Legende einer Münze zu lesen. Hierbei ist aber wichtig zu erwähnen, dass es durchaus zu Kronenverwandtschaften zwischen namensgleichen Königen kommen kann, wie z.B. bei Šāpūr II. und Šāpūr I. (Abb. 5 u. 11)

Generell hat jede Krone zwei Bindenpaare, von denen das Haupthaar vom Diadem weggestrichen wird und einen Abschluss findet. Des Weiteren besitzt es ein Nebenpaar, welches den Scheitel markiert.

Die auf Münzen ebenfalls abgebildeten Feueraltäre waren vornehmlich im vorder- und zentralasiatischen Raum verteilt. Als Reichssymbole waren sie zudem auf Reliefs oder Siegeln verbreitet. Sie gehören generell zu jenen Feuertempeln, die mit der Religion Zoroastrismus oder Zarathustrismus zu verbinden sind. Ein Feueraltar war der zentrale Kultgegenstand in dieser antiken persischen Staatsreligion. Hier gilt das Feuer als reinlich, es entspricht der Wahrheit und wurde aus diesem Grund, als sogenanntes Königsfeuer auf dem Altar bei Regierungsantritt des neuen Herrschers entzündet.

Zu Beginn des sassanidischen Reiches beinhaltete die in Pahlavi verfasste Umschrift einer Münze, den Regierungsantritt. „Feuer des Šāpūr“6 soll z.B. das Ritual des Feuerentzündens bedeutet haben, nachdem man die Regierungsjahre anhand der Münzumschriften abgezählt hatte. Später hingegen wurden diese Angaben durch konkrete Nennung der Münzstätte und des Regierungsjahres ersetzt, welche fortan einen unzweifelhaften terminus post quem entsprechen. Ab König Kavād I. wurden die Jahresangaben kanonisch behandelt.7

Die Münzordnung der sassanidischen Könige

Der erste König, Ardašīr I. (224-241 n.Ch.) (Abb. 4), hatte insgesamt sieben verschiedene Kronen auf seinem Haupt, die die Münzen zierten. Die vorliegende Abbildung zeigt die Mauerkrone des Ahura Mazda, auch bekannt als der Schöpfergott aus dem Zoroastrismus, bzw. Zarathustrismus. Die drapierte Büste, die nach rechts schaut, ist mit einer Lederkappe bedeckt, auf der sich ein Globus mit Diadem befindet. Die Kronenfolge Ardašīrs zeigt die Untermauerung seiner Herrschaft mittels Investitur durch Götter. Im sichtbaren Lateralfeld der Krone befindet sich ein Adler, der mit den Binden im Schnabel an Anāhit anlehnt. Anhand der Mauerkrone kann sich dieser König auch an Ahura Mazda anlehnen.8 In der Regel beginnt die Aufschrift links vom Globus aus gesehen.

Der Revers ziert eine Kombination von Thron und Feueraltar, die fast die gesamte Fläche einnimmt. Umringt von zwei sehr kleinen Assistenzfiguren zeigt der Altartisch Flammen. In den Vordergrund rücken hier eher die zwei Stoffbänder (taenia), die rechts und links vom Altar abstehen. Laut Göbl kommen diese Altarbinden allerdings erstmals bei Hormizd I. vor.9 Geprägt wurden seine Münzen in Ktesiphon. Bei Šāpūr I. (241-272 n.Ch.) (Abb. 5) hingegen fällt einem sofort die zusätzlich perlengesäumte Backenklappe auf, die aus der Zinnenkrone herausragt. Auch die Frisur ist anders dargestellt. Im Unterschied zu den perlenartigen Haaren von seinem Vorgänger, ist sein Haar in Locken gelegt und schwungvoll nach hinten hin ausgedehnt. Šāpūr I. besitzt im Normalfall auch die Mauerkrone des Ahura Mazda. Der Revers besitzt hier zwei große, gekrönte Assistenzfiguren, die in entgegengesetzte Richtungen schauen. Die Zinnenkronen weisen allerdings keine Globen auf. Sie stehen links und rechts vom flammenbesetzten Feueraltar, der eine schmalere Basis aufweist, die zur Mitte hin verjüngt ist. Prägungsstätten sind hauptsächlich in Ktesiphon und im Osten.

Die folgende Herrschaftsmünze zeigt König Hormizd I. (272/273). (Abb. 6) Ein Wellenband bildet hier den kronenbestimmenden Diademaufsatz. Seine Krone ist dem altpersischen Gott Mithra zuzuordnen. Eine weitere Investitur lässt aber auch auf Anāhit deuten.10 Unter seiner Regierung sind keine Sondermünzen geprägt worden, wobei man aber auch sagen kann, dass der Großkönig nur Sondermünzen geprägt hat. Diese Kontroverse entsteht, da unter seiner Herrschaft kaum Münzen geprägt wurden. Die wenigen, die vorhanden waren, deuten schon auf zwei unterschiedliche Götter hin. Die Rückseite der abgebildeten Münze lassen die Assistenzfiguren mit dem Blick zum Feuer hin erkennen. Die linke Figur ist mit einem Globus gekrönt, hingegen die Rechte nur mit Zinnen.

Wird die nächste Münze betrachtet, so erinnert sie auf den ersten Blick von der Frisur her an Ardašīr I.. Gemäß der Aussage von Göbl, soll Bahrām I. (273-276 n.Ch.) nur die Mithra-Krone getragen haben. Die Mithra-Krone ist eine Strahlenkrone, die Mithra auf dem Relief der kleinen Grotte des Taq-e Bostan Reliefs trägt und nur so dargestellt wurde11.

[...]


1 Göbl 1968, 31

2 Göbl 1968, 39

3 Göbl 1968, 28

4 Göbl 1968, 16

5 Göbl 1968, 5-7

6 Pfeiler 1973-1977, 134

7 Wiesehöfer 2009, 109

8 Göbl 1968, 9

9 Göbl 1968, Tab.2

10 Göbl 1968, 43

11 Rashad 2011, 204

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die sassanidischen Münzen im historischen Kontext
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Vorderasiatische Archäologie)
Veranstaltung
Die Sasaniden Zeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V372863
ISBN (eBook)
9783668503502
ISBN (Buch)
9783668503519
Dateigröße
1346 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
münzen, kontext
Arbeit zitieren
Belinda Luban (Autor), 2014, Die sassanidischen Münzen im historischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372863

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