Manga-Adaptionen als Realfilm und Anime-Serie am Beispiel "Death Note"

Ein Adaptionsvergleich


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Death Note
2.1. Die Anime-Serie
2.2. Die Realfilme

3. Adaptionsvergleich
3.1. Der Selbstmord der Naomi Misora
3.2. Die Festnahme des Ersatz-Kira

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Filmverzeichnis

7. Episodenliste

1. Einleitung

Adaptionen sind aus der globalen Medienlandschaft kaum mehr weg zu denken. In die-sem Meer von Spin-Offs, Prequels, Sequels, Reboots und Remakes lassen sich jedoch gewisse Trends feststellen. So ist neben dem aktuellen Comicadaptions-Boom in Holly-wood in Japan ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Comic- oder genauer gesagt Manga-Adaptionen haben hier einen ganz besonderen Stellenwert und erfreuen sich seit Jahren globaler Beliebtheit. Es dauert selten lange bis ein erfolgreicher Manga als Anime oder als Realfilm umgesetzt wird. So auch der 2003 veröffentlichte Manga des Autoren Tsugumi Ooba und des Zeichners Takeshi Obata namens Death Note (Originaltitel: Desu nôto). Die beiden Serienadaptionen weisen jedoch auf Ebene der Narration – und im Zusammenhang damit der Figurenkonstellation – gewisse Merkmale auf, anhand derer sich Eigenheiten und Gemeinsamkeiten der Adaptionstypen erkennen lassen. Der vorliegende Text erarbeitet anhand zweier exemplarischer Sequenzen aus Realfilm und Anime die Besonderheiten der jeweiligen Umsetzung, um zu verdeut-lichen warum und auf welche Weise narrative Parallelen beibehalten bzw. Unterschiede gemacht wurden. Zu diesem Zweck werden vorab die Filme und der Anime vorgestellt sowie ihre Storys und Plots zusammengefasst und gegenüber gestellt.

2. Death Note

Death Note erzählt die Geschichte von und um Light Yagami, dem Sohn von Ober-inspektor Soichiro Yagami. Er findet eines Tages ein sog. Death Note, ein unscheinbares Notizbuch mit dem man einen Menschen umbringen kann, indem schlicht und einfach dessen Namen darein geschrieben wird, während man sich dessen Gesicht vorstellt. Eigentlich besitzen nur die Shinigamis (Todesgeister) ein solches Buch. Sie sollen damit die Leben der Menschen verkürzen, was ihr eigenes dann verlängert; sie müssen töten um zu leben. Einer von ihnen – Ryuk – aber stibitzt sich ein zweites Exemplar, welches er zum Zeitvertreib prompt in der Menschenwelt platziert, um dem tristen Reich der Shinigamis für eine Weile zu entkommen. Light verfällt, nachdem er testweise ein paar Verbrecher sterben lässt, der gottgleichen Macht des Death Note und beginnt mit dessen Hilfe die Welt von allen Kriminellen zu befreien; ganz zum Vergnügen des Initiators Ryuk, seinem (nahezu) ständigen Begleiter. Sein Tun bleibt der Exekutive jedoch nicht lange verborgen. Neben der japanischen Polizei beginnt auch der geniale Ermittler L Lawliet die Suche nach Light Yagami, welcher ihm nur unter dem Pseudonym Kira bekannt ist. Das Duell der beiden Genies ist Dreh- und Angelpunkt der Erzählung. Von diesem Punkt des ursprünglichen Manga-Plots aus weisen die von Spielfilm- und Anime-Serie erste Unterschiede auf, welche in den nächsten Kapiteln näher betrachtet werden.

Mangas weisen im Allgemeinen eine extreme „Genrevielfalt“[1] auf. Daher soll zuvor das Genre noch ein wenig spezifiziert werden. Die beiden Hauptfiguren – zwei junge Männer auf dem Schritt zur Volljährigkeit – sind ein offensichtliches Indiz für das Hauptgenre der Manga-Reihe. Dabei handelt es sich um das „largest segment of manga publishing [which] is shonen or young boys' manga“[2]. Bedenkt man den narrativen Zeitraum, in dem Light hauptsächlich Student ist, sogar dem Subgenre seinen, welches sich speziell an junge Erwachsene richtet[3]. Da in Death Note ein Massenmörder von einem Detektiv gejagt wird, liegt die weitere Eingrenzung in das Genre der Krimi-nalgeschichten auf der Hand; bei der Vielzahl an Schockmomenten ist die Bezeichnung Kriminalthriller wohl noch treffender. Das Death Note selbst und die Shinigamis konsti-tuieren eine mythische Komponente aus dem Fantasy-Genre. Dabei setzt sich die Serie moralisch äußerst kritisch mit ethisch äußerst diffizilen Themen, wie Selbstjustiz und Todesstrafe auseinander. Dieser sozialkritische Aspekt und der reale, ungeschönte Zeichenstil grenzen das Genre noch weiter ein[4]. Death Note ist somit ein sozialkritischer seinen-Fantasy-Kriminalthriller.

2.1. Die Anime-Serie

Typischerweise sind Zeichenstil und Story nahezu eins zu eins vom Manga auf den Anime übertragen worden; die Geschehnisse finden zwar an den gleichen Tagen, im Trickfilm jedoch drei Jahre später statt. Das beinhaltet zudem die Übernahme von „Gesprochene[m] und Gedachte[m]“[5]. Über 37 Folgen hinweg erhält man dadurch weitreichende Einblicke in die Gedankenwelten von L, Light und anderen Figuren. Dies bewahrt „die Komplexität und die Tiefe der Handlungen und Charaktere“[6], die moderne Mangas auszeichnen. Neben dem Aufbau einer Charakterbindung wird durch die narra-tive Komplexität auch das umfangreiche Netz aus innerdiegetischen Kausalbe-ziehungen[7], welches für diese Serie insbesondere in den Bereichen der Charakter-beziehungen, ihrer Handlungsintentionen und den zeitlichen Abläufen essenziell ist, aber für deren Rezipierende erst anhand der offenbarten Gedankengänge vollständig nachvollziehbar dargestellt wird. Die Zeit, genauer gesagt die exakten Daten und zum Teil Uhrzeiten sowie die sozialen Beziehungen und Kontakte sind bei Kiras Über-führung und für dessen Pläne ausschlaggebend, da das Death Note nach bestimmten Re-geln funktioniert, welche zumeist einen zeitlichen Ablauf vorgeben. Ein anderes Merk-mal der Anime-Serie und weiterer Faktor ihrer Komplexität – diesmal auf visueller Ebene – sowie Nachvollziehbarkeit sind die Einblendungen eben der Regeln nach denen das Death Note funktioniert zur Mitte jeder Folge; wohl die Zäsur einer Werbeunterbrechung.

Die Story des Animes erstreckt sich über einen Zeitraum von etwas mehr als sechs Jahren; vom 23. November 2006 bis zum 28. Januar 2013. Zu Beginn ist Light ein 17-jähriger Musterschüler kurz vor den Abschlussprüfungen, bei seinem Tod ein studierter Kommissar. Sein Gegenspieler L konnte ihn lediglich theoretisch überführen – schließ-lich wusste er immer irgendwie, dass Light Kira ist – und wird vom Shinigami Rem getötet. Erst Ls rechtmäßigem Nachfolger Near gelingt es letztendlich Light zu stellen.

2.2. Die Realfilme

Der Realverfilmung eines Comics liegen eine Vielzahl von Schwierigkeiten zugrunde. Angefangen beim Aussehen der Schauspieler und Schauplätze, die nie das exakte Ab-bild der Manga-Vorlage darstellen können, über die Implementierung fiktiver Entitäten, bis hin zum finanziellen Aspekt. Bezüglich der Narration gibt es aber eine gravierende Einschränkung, nämlich die Zeit des Erzählens, d.h. die Film- bzw. Seriendauer. Wäh-rend die Anime-Serie über eine Zeit von ca. 22 Minuten pro Folge durch die Story führt, sind es bei den Filmen Death Note und Death Note – The Last Name jeweils rund zwei Stunden. Der erste Teil umfasst den Plot der Anime-Folgen 1 – 12, der zweite Teil die Folgen 13 – 37. Das Stauchen der Erzählzeit bedingt einige drastische Veränder-ungen innerhalb der Realfilmadaption; insbesondere im zweiten Teil. So erzählt diese einen wesentlich kürzeren (innerdiegetischen) Zeitraum, in welchem Light von Beginn an Student ist. Storysegmente der Vorlage wurden zum Teil in eine andere Reihenfolge gebracht, zum Teil weggelassen, neu interpretiert und inszeniert, oder sogar voll-kommen neu hinzugefügt. Erzählerisch fallen neben diesen Unterschieden aber noch zwei weitere besonders auf. Zum einen fällt die diegetische Komplexität, auf deren Übernahme bei der Manga-Adaption sehr großer Wert gelegt wurde, weitestgehend weg, da schlichtweg die Zeit – also der Raum des Erzählens – fehlt diese durch aus-schweifende innere Monologe zu etablieren. Die vielen Informationen, welche durch die narrative Komplexität der Anime-Serie vermittelt werden, fehlen innerhalb der Story der Realfilme teilweise. Was beim Zeichentrick noch explizit dargestellt wird, muss durch die rezipierende Person der Realfilme erst anhand gewisser Implikationen auf der Metaebene erschlossen werden. Die komplexe Story der Manga-Vorlage wird durch die zeitlich notwendigen Ellipsen zu einer verkürzten, auffallend weniger komplexen, dafür aber merkbar komplizierten Realverfilmung[8]. Zum anderen wurde neben den Auslass-ungen auch der Plot umgestaltet. Da einige, darunter auch diegetisch bedeutende Plot-anpassungen in den nächsten Kapiteln genauer untersucht werden, soll an dieser Stelle nur kurz der größte Unterschied zum Originalplot genannt werden. Neben dem Nicht-auftreten einer ganzen Reihe von Figuren und der Umstrukturierung bzw. Auslassung von Ereignissen liegt dieser letztendlich im Überleben Ls und dessen Überführung Lights als Kira; zwar stirbt L auch im Film, jedoch nicht durch Rem, sondern weil er seinen eigenen Namen in das Death Note schreibt, seinen eigenen Tod festlegt und Light somit zuvorkommt.

Die beiden Protagonisten von Death Note sind sehr extreme, fast schon überzogen dargestellte Figuren. Sie „zeichnen sich durch Offenheit und Unbestimmtheit aus[...] [und] lassen sich leicht adaptieren und aneignen“[9]. Wie sehr dies auf L zutrifft zeigt sein Spin-Off-Realfilm L: Change the World – ein sog. „Figuren Spin-Off“[10] – welcher durch die Plotänderung seines Überlebens überhaupt erst ermöglicht wurde.

3. Adaptionsvergleich

In den folgenden Kapiteln sollen nun zwei Handlungselemente aus Realverfilmung und Zeichentrick exemplarisch analysiert werden, die sowohl markante Parallelen als auch Unterschiede aufweisen. Mit ihrer Hilfe soll auf die Besonderheiten der Realverfilmung einer Manga-Vorlage eingegangen und genauer gezeigt werden, wie die oben erwähnten Story-/Plot-Veränderungen bewirkt wurden.

3.1. Der Selbstmord der Naomi Misora

Bei den ersten Sequenzen handelt es sich um den (Selbst-)Mord der Naomi Misora. Im ersten Film wird dieses Handlungselement von TC 01:08:28 bis TC 02:01:30 dargestellt und bildet den finalen Klimax des ersten Teils; in der Anime-Serie in den Folgen 5 bis 7. Ausgangssituation und Handlungsinitiation sind in Realfilm wie Anime die Gefahr, welche Naomi für Light insbesondere durch ihre Bekanntschaft mit L darstellt. Ihre Er-mittlungen im Fall Kira stehen kurz davor Light zu entlarven. Nachdem Light mit Hilfe des Death Note und ihres Verlobten Ray Penber diesen sowie alle anderen auf Kira angesetzten F.B.I.-Agenten eliminierte, schwört sie sich den Mörder ihres zukünftigen Mannes ausfindig zu machen und zu stellen. Parallel dazu machen die Männer der Sonderkommission erstmals Bekanntschaft mit L und beginnen ihre Fahndung zu intensivieren.

Im Anime ist sie Zuhause als ein Anruf die traurige Botschaft übermittelt. Gewiss der Tatsache, dass es Kira gewesen sein muss, der Penber und die anderen Ermittler getötet hat beginnt sie auf eigene Faust nach dessen wahrer Identität zu suchen. Dabei stößt sie auf ein Detail, welches dem Sonderkommando bisher unbekannt geblieben ist. In einem Polizeidezernat bittet sie darum mit den Sonderermittlern sprechen zu dürfen. Zufällig ist Light zugegen, erfährt von ihrem Vorhaben und ahnt die Gefahr, die es für ihn birgt. Er verwickelt die gutgläubige und vertrauensvolle Naomi in ein Gespräch und bekommt während eines Spaziergangs heraus, was sie noch herausgefunden hat. Er will sie um jeden Preis daran hindern die Informationen weiter zu geben, doch scheitert bei dem ersten Versuch sie per Death Note umzubringen, da sie ihm einen falschen Namen angegeben hat. Mit all seinem soziopathischen Talent schafft er es aber in letzter Sekunde ihren richtigen Namen zu entlocken und noch vor der Kontaktaufnahme in ihren Selbstmord zu schicken. Letzteren führt sie so aus, dass es möglichst lang verborgen bleibt und im Nachhinein auf den Tod ihres Verlobten zurückzuführen ist. Erst eine Sekunde bevor die notierten Ereignisse in Kraft treten erfährt sie von Light die Identität Kiras. Das Gespräch mit Naomi findet vor Lights erster Begegnung mit L, seiner Aufnahme in der SoKo sowie der Videoüberwachung des Hauses der Familie Yagami statt.

Im Realfilm stirbt Ray Penber ebenfalls beim Verlassen der U-Bahn an einem Herzinfarkt, hier jedoch in den Armen seiner Verlobten während Light alles beob-achtend in der Bahn davon fährt. Naomis Ermittlungen führen sie im Film darüber hi-naus nicht allein zu dem Detail, dass Kira auch auf andere Arten als einen Herzinfarkt töten kann, sondern hat eine handfeste Theorie zu dessen Identität. Sicher über ihre Ent-larvung Kiras konfrontiert sie Light auf dem Campus aggressiv und unvorsichtig mit ihrer Beweislage. Auch bei dieser Begegnung scheitert ein direkter Tötungsversuch via Notizbuch wegen der Falschangabe ihres Namens. Tage später wird Light von seiner Freundin Shiori Akino in ein Museum gebeten. Sofort macht er sich auf den Weg dorthin, wo Misora Akino als Geisel hält, um ihn vor laufenden Überwachungskameras als Kira zu überführen. Vor den Augen des Sonderkommandos erschießt Naomi erst Shiori und dann sich selbst. Erst danach erfährt man, dass und wie Light den gesamten Vorfall mit dem Death Note inszeniert hat, um den Verdacht von sich zu lenken. Somit kann er seinen Vater ohne Verdachtsmomente zu erwecken bitten ins Kira-Ermittlerteam aufgenommen zu werden. Das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten, sowie Lights Integration in die Ermittlungsarbeiten sind das Finale des ersten Teils; diese ist auch im Anime eine Zäsur im Duell der Protagonisten.

Um den Cliffhanger des ersten Filmes möglichst dramatisch zu gestalten, wurde der Ablauf der Ereignisse im Film anders angeordnet und eine neue Figur eingeführt – Shiori Akino. Während Light im Originalplot bis zu diesem Punkt diverse Beziehungen hatte, ersetzt Shiori als seine Langzeitfreundin die Positionen seiner Geliebten. Ihr Tod zeigt nicht nur Kiras extreme Skrupellosigkeit beim Schutze seiner selbst, sondern ersetzt mit ihrem tragischen Tod zudem die lange Phase der persönlichen Prüfung Lights durch L; im Anime zwischen Naomis Selbstmord und Lights Berufung in die Kira-SoKo gezeigt. Die Videoüberwachung der Familie Yagami, wegen der Zerschlagung weiterer Indizien an Lights Schuld ebenfalls ausschlaggebend für dessen Aufnahme, findet daneben zeitgleich mit Naomis Ermittlungen statt; nicht erst danach, wie im Anime. Naomis direkter Kontakt zu L, das Nichtwissen um Lights Death Note -Eintrag intensivieren das Gefühl drohender Gefahr. Mit einer Neuverflechtung der Erzählstränge und der Dramatisierung einiger Ereignisse wird versucht die komplex etablierte Spannung der Vorlage zu übertragen.

3.2. Die Festnahme des Ersatz-Kira

Die zweiten Sequenzen – im zweiten Spielfilm von TC 01:04:23 bis TC 01:39:33 und in der Anime-Serie von Folge 17 bis 24 – weisen ähnliche Unterschiede und Parallelen auf. Die Festnahme des Ersatz-Kira ist eine weitere Schlüsselszene im Duell Light gegen L. Gemeinsame Ausgangssituation ist die freiwillige Inhaftierung Lights nach Misas (aka. Kira 2) Festnahme; natürlich wieder ein Plan um den Verdacht von sich zu lenken. In U-Haft treten beide die Besitzansprüche ihrer Notizbücher ab und verlieren damit jede Erinnerung an das Death Note und ihre Taten. Der Shinigami Rem führt derweil die Anweisung aus, welche Light ihm zuvor bei einem Treffen im Wald gegeben hat. Er wählt einen Stellvertreter aus, der weiterhin mit dem Buch Verbrecher töten soll über die im Fernsehen berichtet wird. Ohne sich des früheren Schaffens als Kira bewusst zu sein, setzt Light mit der SoKo die Suche nach Kira fort. Die Rückblende zum oben erwähnten Wanltreffen legen Lights Plan dann vollständig offen.

Im Anime bzw. der Originalstory übergibt Rem dem karrieregeilen Kyosuke Higuchi, einer der acht Manager der Yotsuba-Group, das Buch. Mit Hilfe des Trick-betrügers Aiwa und der Einbrecherin Wedy schaffen die Detektive die Spur bis zu besagtem Konzern zurück zu verfolgen. Die Videoüberwachung des Konferenzzimmers der acht Männer ergibt: einer davon muss Kira sein. Der etwas vertrottelte, doch hoch ambitionierte Touta Matsuda sorgt mit einer lebensbedrohlichen Einzelaktion glücklich-erweise für einen immensen Fortschritt, der die Ermittler auf die Fährte Higuchis lockt. Misa sorgt diesbezüglich dann für Gewissheit. L heckt daraufhin den Plan für dessen Überführung sowie Festnahme aus. Die Ausstrahlung einer Fake-Sendung, in welcher die Enthüllung der Identität Kiras durch den tot geglaubten Matsuda angekündigt wird, setzt Kyosuke derart unter Druck, dass er Hals über Kopf versucht den Whistleblower aus dem Weg zu räumen. Eine Panne sorgt zwar dafür, dass das Gesicht erkannt wird, eine Tötungsversuch schlägt jedoch wegen einer vorherigen falschen Namensangabe fehl. Er setzt sich in seinen ebenfalls ton- und videoüberwachten roten Sportwagen. Da er das Geschäft mit den Shinigamiaugen, mit denen er den Namen eines Menschen sehen kann, nicht sofort abschließt, fährt er nicht direkt ins Studio. Erst als er keinen anderen Ausweg sieht den echten Namen des Enthüllers herauszufinden geht er das Geschäft ein. Da niemand sonst Rem sehen kann, scheint es den Ermittlern als führe er während der Fahrt Selbstgespräche. Auf dem Weg tötet er einen Streifenpolizisten mit dem Death Note. Im Studio angekommen gelingt ihm vorerst die Flucht. Erst eine wilde Verfolgungsjagd mit allen verfügbaren Streifenwagen der Polizei und Ls Privatheli machen Kyosuke Dingfest. Bei der Festnahme gelangt das Buch dann in die Hände aller Fahnder, welche dann erstmals sehen können mit wem der Ersatz-Kira gesprochen hat. Als Light das Buch berührt kehren seine Erinnerungen zurück. Er tötet Higuchi mit einem Death Note -Schnipsel, wodurch das Buch wieder in seinen Besitz gelangt.

Im Spielfilm übernimmt jemand anderes die Position des Ersatz-KirasKyiomi Takada, eine ehrgeizige TV-Moderatorin bei Sakura TV und Kira-Sympathisantin. Die Spur führt die Ermittler direkt zu ihr und auch sie wird Videoüberwacht. Während ihrer Überwachung finden ebenfalls Gespräche mit Rem statt, jedoch bekommen die Er-mittler das Notizbuch wesentlich früher zu Gesicht. Ls Plan mit der Fernsehsendung wird wesentlich schneller eingeleitet. Inkognito wendet sich Matsuda direkt an sie und erzählt ihr von der Beweislast. Kurz darauf erfährt sie von der Enthüllungssendung, geht das Geschäft mit den Shinigamiaugen sofort ein und begibt sich ohne Umschweife in ihrem roten Kleinwagen zum Fernsehstudio, wo sie umgehend festgenommen wird. Light tötet sie dann nach Rückgewinn seiner Erinnerung auf die selbe Weise wie Higuchi im Anime und erlangt somit auch hier die Besitzrechte wieder.

Der Figurentausch von Takada und Higuchi hat neben der Erzählungsverdichtung weitere Urasachen. Zum einen die Einführung von Shiori Akino, zum anderen der Sieg Ls. Im Originalplot haben Light und Kyiomi eine Vorgeschichte – sie war eine seiner Alibifreundinnen. Er benutzt sie hier erst später – nach Ls Tod – für seine Zwecke, räumt sie aber genau so kaltblütig aus dem Weg, wie Shiori. In der Serie wird Lights Skrupellosigkeit langsam etabliert, während sie im Film durch einen Schockmoment vermittelt wird. Letztere macht die Vorgeschichte von Light und Kyiomi im Spielfilm narrativ obsolet. Die Figur der Takada lässt sich besser in den veränderten Plot integrieren, da die Massenmedien generell einen sehr großen Stellenwert für die Ergreifung Kiras spielen. Darüber hinaus ist mit ihrer Figur, die im Original durchgehend auftaucht, ein höherer Identifikationsgehalt als mit Higuchi gegeben.

[...]


[1] Brunner, Miriam: Manga – Die Faszination der Bilder. Wilhelm Frank Verlag, München, 2009, S 41.

[2] Drummond-Mathews, Angela: What Boys Will Be: A Study of Shonen Manga. Aus: Johnson-Woods, Toni (Hrsg.): Manga – An Anthology of Global and Cultural Perspectives. The Continuum International Publishing Group Inc., New York/London, 2010, S. 62.

[3] Vgl.: Bryce, Mio & Davis, Jason: An Overview of Manga Genres. Aus: Johnson-Woods, Toni (Hrsg.): Manga – An Anthology of Global and Cultural Perspectives. The Continuum International Publishing Group Inc., New York/London, 2010, S. 34.

[4] Zum Genre des Sozialkritischen vgl.: Sturm, Michaela & Teich, Melanie: Faszination Manga und Anime: Der Erfolgskurs asiatischer Comics und Animationsfilme in Deutschland. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Hochschule der Medien, Stuttgart, 2006, S. 35 f.

[5] Brunner, Miriam: Manga – Die Faszination der Bilder. Wilhelm Frank Verlag, München, 2009, S 122.

[6] Werner, David: Japanische Comics in der deutschen Kinder- und Jugendkultur: Die Präsenz, der Einfluss und die pädagogischen Qualitäten von Anime und Manga. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Bielefeld, Fakultät für Pädagogik, 2007, S. 73.

[7] Zu Kausalbeziehungen in Serien vgl.: Engell, Lorenz: Folgen und Ursachen – Über Serialität und Kausalität. Aus: Kelleter, Frank (Hrsg.): Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion. Transcript Verlag, Bielefeld, 2012, S. 250 ff.

[8] Zur Unterscheidung von komplex und kompliziert vgl.: Klein, Thomas: Diskurs und Spiel – Überlegungen zu einer medienwissenschaftlichen Theorie serieller Komplexität. Aus: Kelleter, Frank (Hrsg.): Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion. Transcript Verlag, Bielefeld, 2012, S. 228 ff.

[9] Denson, Shane & Mayer, Ruth: Grenzgänger – Serielle Figuren im Medienwechsel. Aus: Kelleter, Frank (Hrsg.): Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion. Transcript Verlag, Bielefeld, 2012, S. 194.

[10] Petersen, Rüdiger: „Serien-Spin-Off“ als Strategie der Programmentwicklung. Arbeitspapiere des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln, Heft 190, Deutschland, August 2004, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Manga-Adaptionen als Realfilm und Anime-Serie am Beispiel "Death Note"
Untertitel
Ein Adaptionsvergleich
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V373032
ISBN (eBook)
9783668505438
ISBN (Buch)
9783668505445
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Death Note, Maga, Anime, Realfilm, Adaption, Film, Serie, Analyse, Serienanalyse, Japan, Zeichentrick
Arbeit zitieren
Bennet Ludwig (Autor), 2015, Manga-Adaptionen als Realfilm und Anime-Serie am Beispiel "Death Note", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373032

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