Eine qualitative Untersuchung von Gefangenentexten zur Darstellung des Widerspruchs zwischen Resozialisierungsziel im Strafvollzugsgesetz und Prisonisierungstendenzen in der Strafvollzugspraxis: Noch immer stellen sich dem Ziel der Resozialisierung im Strafvollzug zahlreiche Probleme entgegen. Diese Schwierigkeiten beruhen einerseits auf dem zunehmenden Druck der Öffentlichkeit, die statt nach Resozialisierung immer lauter nach Sicherheit und Kontrolle ruft und eine zunehmend ablehnende Haltung gegenüber resozialisierenden Bemühungen offenbart. Andererseits sind die Schwierigkeiten aber auch heute noch in der Institution Gefängnis selbst zu suchen, denn zu offensichtlich ist der Widerspruch, dass ausgerechnet in der „totalen Institution“ Gefängnis die Menschen zu selbstverantwortlichen und freien Menschen erzogen werden sollen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Thematik aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und diese in einen Zusammenhang zu bringen, um die Kluft zwischen Vollzugsziel und Vollzugswirklichkeit deutlich zu machen. Gesetzgeber, Gefangene und Wissenschaft sollen in ihrer ganz eigenen und jeweils unterschiedlichen Sprache und Wirklichkeitsauffassung zu Wort kommen, um schließlich aus den differierenden Perspektiven ein Gesamtbild zu entwickeln und einen Überblick über die Problematik zu konstituieren.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf der qualitativen Analyse von Gefangenentexten. Die Untersuchung wendet die biographische Methode als qualitativ-heuristische Methode im Sinne G. Kleinings an, bei der in Form des „Dialogprinzips“ eine Analyse auf Gemeinsamkeiten erfolgt. Die Analyse ebnet schließlich den Weg zu einem neuen Begriffsvorschlag im wissenschaftlichen Diskurs: Das in der vorliegenden Arbeit entwickelte "Export-Modell" als Gegenentwurf zum herrschenden Import-Modell stellt klar, dass die Strafe nicht mit der Entlassung endet, sondern schädliche Wirkungen des Strafvollzugs nach draußen getragen werden und dort die Haft fortleben lassen. Darüber hinaus haben die Erfahrungen und Empfindungen während des Forschungsprozesses gezeigt, dass Gefangenentexte keinesfalls dazu verurteilt sein müssen, in den Archiven zu verstauben, sondern neben ihrer wichtigen (und vielleicht wichtigsten) Funktion der Selbstentfaltung und persönlichen Konfliktbewältigung als „Spiegelbild des Strafvollzugs“ wissenschaftlich genutzt werden können und genutzt werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Perspektive des Gestzgebers: Resozialisierung als Vollzugsziel des Strafvollzugsgesetzes
1. Vollzugsziel: § 2 S.1 StVollzG
1.1. Historische Entwicklung und Begriff der Resozialisierung in § 2 S.1 StVollzG
1.2. Inhalt des Vollzugsziels in § 2 S.1 StVollzG
2. Schutz der Allgemeinheit: § 2 S.2 StVollzG
3. Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Resozialisierung
4. Zielkonflikt zwischen Vollzugsziel und anderen Strafzwecken
5. Konkretisierung des Vollzugszieles in § 3 StVollzG
5.1. Der Angleichungsgrundsatz: § 3 I StVollzG
5.2. Der Gegensteuerungsgrundsatz: § 3 II StVollzG
5.3. Der Eingliederungsgrundsatz: § 3 III StVollzG
III. Die Perspektive der Betroffenen: Erlebte Vollzugswirklichkeit
1. Das Genre Gefangenenliteratur
2. Historische Entwicklung der Gefangenenzeitung
3. Zur biographischen Methode
4. Analyseergebnisse zur Phase I: Inhaftierung
4.1. Situationskategorien
4.1.1. Äußere Situation
4.1.1.1. Die Gefängnisarchitektur kontrolliert, isoliert und degradiert die Gefangenen
4.1.1.2. Symbole als Zeichen von Bedrohung, Macht, Angst und Persönlichkeitsverlust
4.1.1.3. Für die Gefangenen ist zunächst „alles neu“
4.1.2. Soziale Situation
4.1.2.1. Das Verhältnis zum Vollzugsstab ist distanziert und feindselig
4.1.2.2. Das Verhältnis zu den MitinsassInnen wird von widersprüchlichen Gefühlen begleitet
4.1.2.3. Gefangene leiden unter dem Verlust der Außenkontakte
4.1.3. Strukturelle Situation
4.1.3.1. Die Bürokratie innerhalb der Institution macht die InsassInnen zu handlungsunfähigen Objekten
4.1.3.2. Fremdbestimmung führt zu Abhängigkeit und „Verkindlichung“
4.1.3.3. Die Zweckmäßigkeit vereitelt subjektive Bedürfnisse
4.1.4. Zusammenfassung der Situationskategorien
4.2. Reaktionskategorien
4.2.1. Verhaltensebene
4.2.1.1. Passivität: Der/die Inhaftierte sucht die Flucht in der Duldung
4.2.1.2. Ironie: Spott bringt die Verzweiflung verschärft zum Ausdruck
4.2.1.3. Rückzug: Die Gefangenen entziehen sich den äußeren und inneren Einflüssen der Inhaftierung
4.2.2. Gefühlsebene
4.2.2.1. Misstrauen: Argwöhnisch werden kontrollierende Beamte und MitinsassInnen betrachtet
4.2.2.2. Unsicherheit: In der ungewohnten Welt des Gefängnisses geht jede Orientierung verloren
4.2.2.3. Resignation: Die Ausweglosigkeit der Situation macht mutlos
4.2.3. Zusammenfassung der Reaktionskategorien
5. Analyseergebnisse zur Phase II: Haftalltag
5.1. Situationskategorien
5.1.1. Äußere Situation
5.1.1.1. Die Gefangenen leiden unter der Enge des Haftraumes
5.1.1.2. Die hygienischen Verhältnisse verursachen Ekel und führen zu einem Verlust der Intimität
5.1.1.3. Andauernder Lärm schafft Unruhe und zehrt an den Nerven der InsassInnen
5.1.2. Soziale Situation
5.1.2.1. Die InsassInnen sind der Macht des Vollzugsstabes hilflos ausgeliefert
5.1.2.2. Misstrauen, Aggressionen und Gefühlskälte bestimmen den Umgang zwischen den MitinsassInnen
5.1.2.3. Lange Trennungen stellen bestehende Beziehungen nach außen vor nahezu unlösbare Probleme
5.1.3. Strukturelle Situation
5.1.3.1. Zweckmäßigkeit macht den Gefängnisalltag zur Massenabfertigung
5.1.3.2. Bürokratie fördert Zwänge und Abhängigkeiten
5.1.3.3. Fremdbestimmung schafft Monotonie und degradiert die Gefangenen zu gefühllosen Objekten
5.1.4. Zusammenfassung der Situationskategorien
5.2. Reaktionskategorien
5.2.1. Verhaltensebene
5.2.1.1. Rückzug ist die einzige Möglichkeit einer Flucht
5.2.1.2. Auf der Suche nach Ablenkung finden die Gefangenen nur Monotonie und Unzufriedenheit
5.2.1.3. Monotonie führt in die Passivität
5.2.1.4. Die Gefängnisatmosphäre schafft Aggressionen
5.2.1.5. Ironie ist Ausdruck der Verzweiflung
5.2.2. Gefühlsebene
5.2.2.1. Traurigkeit bei den Gedanken an die Welt „draußen“
5.2.2.2. Misstrauen gegenüber Beamten und MitinsassInnen
5.2.2.3. Wut und Hass als Zeichen der Hilflosigkeit
5.2.2.4. Was bleibt, ist die Resignation
5.2.3. Zusammenfassung der Reaktionskategorien
6. Analyseergebnisse zur Phase III: Entlassung
6.1. Situationskategorien
6.1.1. Äußere Situation
6.1.1.1. Das Wohnen „draußen“ gleicht dem „Wohnen“ in der Zelle
6.1.1.2. Die Arbeit „draußen“ gleicht der Arbeit im Gefängnis
6.1.1.3. Das Einleben gleicht dem Einleben in der Anstalt
6.1.2. Soziale Situation
6.1.2.1. Private Kontakte sind verloren und schwer wieder aufzubauen
6.1.2.2. Behördliche Kontakte machen die Entlassenen abhängig
6.1.2.3. Berufliche Kontakte sind vom Stigma der Gefangenschaft geprägt
6.1.3. strukturelle Situation
6.1.3.1. Bürokratie lähmt die Handlungsfähigkeit
6.1.3.2. Fremdbestimmung lähmt die Entscheidungsfähigkeit
6.1.3.3. Zweckmäßigkeit lähmt die Individualität
6.1.4. Zusammenfassung der Situationskategorien
6.2. Reaktionskategorien
6.2.1. Verhaltensebene
6.2.1.1. Hemmungen entstehen aus einem eingeschränkten Selbstbewusstsein
6.2.1.2. Rückzug entsteht aus eingeschränkten sozialen Kontakten
6.2.1.3. Ironie entsteht aus den eingeschränkten Möglichkeiten zu konstruktiver Auseinandersetzung
6.2.1.4. Rückfall entsteht aus der eingeschränkten Aussicht auf lukrative Arbeit
6.2.2. Gefühlsebene
6.2.2.1. Angst entsteht aus eingeschränkter Orientierung
6.2.2.2. Wut entsteht aus eingeschränktem Verständnis von außen
6.2.2.3. Enttäuschung entsteht aus eingeschränkter Unterstützung von außen
6.2.2.4. Misstrauen entsteht aus eingeschränkter Selbstsicherheit
6.2.2.5. Scham entsteht aus eingeschränkter Unbefangenheit aufgrund des Stigmas der Gefangenschaft
6.2.2.6. Resignation entsteht aus eingeschränkten Zukunftsperspektiven
6.2.3. Zusammenfassung und Zwischenergebnis: „Das geht nicht aus den Kleidern raus“
IV. Widerspruch zwischen gesetzlichem Anspruch und erlebter Wirklichkeit
V. Die Perspektive kriminologischer Forschung: Prisonisierung versus Resozialisierung?
1. Die Deprivationstheorie
1.1. Goffman: Die „totale Institution“
1.2. Sykes: „The Pains of Imprisonment“
1.2.1. Verlust der Freiheit
1.2.2. Verlust materieller Güter
1.2.3. Verlust heterosexueller Beziehungen
1.2.4. Verlust der eigenen Sicherheit
1.2.5. Verlust der Autonomie
1.3. Empirische Untersuchungen zur Deprivationstheorie
1.3.1. Clemmer
1.3.2. Wheeler
2. Die kulturelle Übertragungstheorie: „Import-Modell“
2.1. Die kriminelle Subkultur
2.2. Die Häftlingssubkultur
2.3. Die legitime Subkultur
2.4. Empirische Untersuchungen zur kulturellen Übertragungstheorie
3. Der integrative Ansatz
4. Die Theorie des individuellen Wertewandels
4.1. Kritik an bisherigen Studien zum Prisonisierungsverlauf
4.2. Die Untersuchung von Hermann und Berger
4.3. Der neue Ansatz
5. Der etikettierungstheoretische Ansatz
6. Zusammenfassung der Forschungsergebnisse unter Berücksichtigung der vorliegenden Analyseergebnisse
VI. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem gesetzlich verankerten Resozialisierungsziel des Strafvollzugs und der von Betroffenen erlebten Vollzugswirklichkeit. Mithilfe einer qualitativen Analyse von Gefangenenberichten und Erfahrungsberichten wird beleuchtet, wie die Strukturen des Strafvollzugs – von der Inhaftierung über den Haftalltag bis zur Entlassung – die Subjekte prägen und resozialisierende Bemühungen konterkarieren.
- Historische und rechtliche Grundlagen des Resozialisierungsgedankens (§ 2 StVollzG).
- Phänomenologische Analyse des „Inhaftierungsschocks“ und der daraus resultierenden Ohnmacht.
- Untersuchung der strukturellen Bedingungen wie Bürokratie, Fremdbestimmung und Massenabfertigung.
- Kontrastierung der offiziellen Zielsetzungen mit kriminologischen Theorien zur Prisonisierung (Deprivationstheorie vs. Import-Modell).
- Die nachhaltige Stigmatisierung und Erschwernis der Resozialisierung nach der Haftentlassung.
Auszug aus dem Buch
Die Gefängnisarchitektur kontrolliert, isoliert und degradiert die Gefangenen
Die Aussagen der Gefangenen hinsichtlich der äußeren Beschreibung des Gefängnisses wirken düster und bedrückend und vermitteln den Eindruck von Kälte und Trostlosigkeit. „Hinter den Gittern beginnt schon die Welt der Schatten. Schmutziges Braun-Grau-Grün ... Quadratkilometer Mauern sind voll davon. Verfall und Geruch umgibt uns von nun an. Geruch nach altem Männerschweiß, verdorbenem Essen; grauer Staub in allen Poren.“ (Text 1, Z. 3)
Verstärkt wird das Gefühl von Kälte durch die akustische Wahrnehmung. „Auch die ganze Atmosphäre macht mir Probleme: der Lärm im Haus...“ (Text 5, Z. 17) „Die Geräuschkulisse in der Zelle wird unerträglich.“ (Text 3, Z. 46) „Der Rhythmus des Alltags sind Schlüssel, die in Schlösser knallen, Stahltüren, die in ihren Angeln vibrieren, schwere Schritte im Auf und Ab der Flure und Treppen, und er brennt sich ins Herz Tag für Tag.“ (Text 1, Z. 16) Die beschriebene Atmosphäre, geprägt durch Begriffe wie etwa „Blech“, „Gitter“, „Steindschungel“, scheint menschliche Wärme vermissen zu lassen und hebt zugleich die Isolation der Gefangenen hervor. „Hotelvollzug, Luxusknast, Freizeitaktivitäten aller Art stellen die Wirklichkeit nicht dar. Wer spricht von Kälte, von Lärm und Aggression, wer spricht von Gewalt und Vergewaltigung? Nicht nur die körperliche, sondern mehr die menschliche, geistige Vergewaltigung prägen das Bild in der gefühlskalten und emotionslosen Einsamkeit.“ (Text 13, Z. 31) Die Insassen werden in ihren Zellen eingeschlossen und gleichsam von der Außenwelt ausgeschlossen. Die karg eingerichteten Zellen, automatische Tore, Zellennummern, kleine Fenster intensivieren dieses Gefühl des Ausgeschlossenseins. „Speckiges Holz, bröckeliger Zement und hundertmal lackiertes Eisen. Alles atmet dumpfe Sinnlosigkeit. Hirnlose Vergeblichkeit in jeglichem Bemühen.“ (Text 1, Z. 14)
Auffällig ist die Ärmlichkeit der Zelleneinrichtung, die den sozialen Status der InsassInnen herabsetzt und deren Degradierung bewirkt. Ein weiteres spezifisches Merkmal ist die von den Insassen beschriebene Enge, die einen persönlichen Rückzug und die Bewahrung der eigenen Identität erschwert. „Die Zellentür knallt hinter mir zu, und ich befinde mich mit vier Mann einer ‚Hütte‘.“ (Text 4, Z. 28)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den 25. Geburtstag des Strafvollzugsgesetzes und stellt kritische Fragen zur Verwirklichung des Resozialisierungsziels angesichts der erlebten Unfreiheit.
II. Die Perspektive des Gestzgebers: Resozialisierung als Vollzugsziel des Strafvollzugsgesetzes: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die historische Entwicklung des Resozialisierungsgedankens und die Zielkonflikte innerhalb des Strafvollzuges.
III. Die Perspektive der Betroffenen: Erlebte Vollzugswirklichkeit: Der Hauptteil analysiert subjektive Erfahrungsberichte von Gefangenen in den drei Phasen Inhaftierung, Haftalltag und Entlassung, wobei eine klare Entwicklung zur „Ohnmacht“ erkennbar wird.
IV. Widerspruch zwischen gesetzlichem Anspruch und erlebter Wirklichkeit: Hier wird die Diskrepanz zwischen den hohen rechtlichen Erwartungen an die Resozialisierung und den tatsächlichen, oft hinderlichen Strukturen der Institution herausgearbeitet.
V. Die Perspektive kriminologischer Forschung: Prisonisierung versus Resozialisierung?: Dieses Kapitel setzt die empirischen Ergebnisse in Bezug zu etablierten Theorien wie der Deprivationstheorie, dem Import-Modell und dem etikettierungstheoretischen Ansatz.
VI. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Institution Gefängnis eher eine Sozialisation für den Vollzug bewirkt als eine echte Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Strafvollzug, Resozialisierung, Inhaftierung, Haftalltag, Gefangenenliteratur, Prisonisierung, Deprivation, Ohnmacht, Subkultur, Stigmatisierung, Entlassung, Fremdbestimmung, soziale Wiedereingliederung, totale Institution, kriminologische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch, wie das gesetzlich definierte Ziel der Resozialisierung im deutschen Strafvollzug mit der tatsächlichen, von Gefangenen erlebten Lebensrealität korrespondiert oder kollidiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die gesetzlichen Grundlagen, die psychischen und sozialen Auswirkungen der Haft (Prisonisierung), die Rolle der Subkultur innerhalb der Anstalt sowie die Schwierigkeiten der sozialen Reintegration nach der Entlassung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, warum trotz gesetzlicher Vorgaben zur Resozialisierung die erlebte Vollzugswirklichkeit bei vielen Inhaftierten eher zu Passivität, Ohnmacht und Resignation führt, anstatt sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine biographische Methode bzw. eine qualitative Inhaltsanalyse. Die Autorin wertet authentische Texte und Erfahrungsberichte von (ehemaligen) Gefangenen aus, um das „Innenleben“ der Institution zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysephasen: Die Phase der Inhaftierung, der Haftalltag und die Phase der Entlassung. Dabei werden jeweils situative und reaktive Kategorien untersucht, um das Muster der „Degradierung zum ohnmächtigen Objekt“ aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Strafvollzug, Resozialisierung, Prisonisierung, totale Institution, Stigmatisierung und die spezifische Erfahrung von Ohnmacht durch institutionelle Bürokratie.
Inwiefern beeinflusst die Gefängnisarchitektur das Erleben der Inhaftierten?
Die Architektur spielt eine Schlüsselrolle bei der Degradierung: Sie fungiert als bauliche Barriere, die Isolation erzwingt, Autonomie entzieht und den Insassen ständig das Gefühl der Überwachung und Fremdbestimmung vermittelt.
Welche Rolle spielt die „Ironie“ als Bewältigungsmechanismus in den Texten?
Die Ironie wird von den Gefangenen häufig als Ventil genutzt, um sich gegen die erlebte Machtlosigkeit zu distanzieren und die Absurdität ihres Alltags auszudrücken, ohne jedoch die strukturellen Probleme lösen zu können.
Wie verändert sich die Resozialisierungsperspektive nach der Entlassung?
Die Analyse zeigt, dass die Stigmatisierung der Haft auch „draußen“ fortwirkt. Die Entlassenen sehen sich oft mit ähnlichen bürokratischen Hürden und Misstrauen konfrontiert wie im Vollzug, was das „Entlassungstrauma“ verstärkt.
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- Angela Thams (Author), 2001, Hafterfahrungen als Spiegelbild des Strafvollzugs. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373102