Das Märkische Viertel. Ursachen sozialer Probleme in Berlin


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Eine kurze Entwicklungsgeschichte des Gebietes S. 1 Wilhelmsruh von 1918 bis Baubeginn

III. Die Architekten und die Stadt Berlin Pläne und künstlerische Verwirklichung

IV. Die Umsetzung Meinungen der betroffenen Bewohner und Auswirkungen der Wohnverhältnisse

V. Fazit

VI. Anhang

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Es ist allgemein bekannt, dass die nach dem 2. Weltkrieg erbauten Großsiedlungen sich häufig zu sozialen Brennpunkten entwickelt haben. Diese Arbeit befasst sich mit diesem Problem beispielhaft am Märkischen Viertel. Hierzu wurde zunächst Literatur berücksichtigt, die die Entwicklung des Geländes seit 1918 dokumentiert und die historischen Hintergründe beleuchtet. Weiterhin wird verfolgt, mit welchen Motiven und Zielen Staat und Architekten den Bau dieser Siedlungen betrachten. Zuletzt werden Bewohnermeinungen hinzugezogen, um die sozialen Probleme aus Sicht der Bewohner, aber auch Vorteile dieser Siedlung aufzuzeigen und die Frage zu klären, ob die typischen Vorurteile zutreffen oder nicht. Zudem wird angerissen, wie durch Wohnumfeldverbesserungen das Image des Märkischen Viertels positiver wurde.

Die persönlichen Meinungen der Bewohner als Primärquelle basieren auf diversen Zeitungsartikeln und einem Buch, dass die Meinungen zusammenfassend darstellt. Zum weiteren Material ist anzumerken, dass die Entwicklung seit 1918 sich hauptsächlich auf sekundäre Literatur beschränkt, da der Zugang zu den Originalquellen nur begrenzt über die existierende Literatur möglich ist.

II. Eine kurze Entwicklungsgeschichte des Gebietes Wilhelmsruh von 1918 bis Baubeginn

Um nachvollziehen zu können, was für Menschen vor der Bebauung durch die GeSoBau (Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau), auf dem Gebiet des heutigen Märkischen Viertels gelebt haben, ist hier die Entwicklungsgeschichte des Viertels knapp wiedergegeben.

Nachkriegsjahre und Weimarer Republik Deutschland kapitulierte 1918 und der Kaiser dankte ab, die Monarchie hinterließ ein Land das in eine tiefe wirtschaftliche Depression fiel. Der Friedensvertrag umfasste Zahlungen, die die Kasse des Staates zusätzlich zur Wirtschaftslage belasteten. Auch wirkte sich die Niederlage auf die zivile Bevölkerung aus. Diese erhielt seit 1917 Tagesrationen, die nur noch 1000 kcal umfassten. Das hatte zum einen fatale Konsequenzen, denn in den Nachkriegsjahren starben 750.000 Deutsche an Hunger und Unterernährung, zum anderen förderte es aber auch das Interesse der ärmeren Bevölkerung daran, die niedrigen Rationen durch eigenen Anbau aufzubessern.

Hierzu boten einige Grundbesitzer auch im Gebiet Wilhelmsruh die Gelegenheit, indem sie begannen, ihr Land zu parzellieren und zu verpachten.[1] Dass die meisten von ihnen nicht selbst in ihr Land investierten, obwohl vermehrt Unternehmer, lag daran, dass die zuständigen Behörden des Bezirks Reinickendorf bisher nur vage Vorstellungen für eine Bebauung hatten.[2] Sobald ein Bebauungsplan vorliegen sollte und umgesetzt werden würde, müssten wahrscheinlich alle nicht passenden Gebäude entfernt werden, was gegen eine vorzeitige Investition und somit gegen die Interessen der Eigentümer spricht. So waren die Eigner zufrieden, eine Übergangslösung für ihr zunächst unbrauchbares Gelände gefunden zu haben. Bei den ärmeren Bevölkerungsschichten waren diese pachtbaren Parzellen sehr beliebt, die Wohnungsnot und die infolgedessen hohen Mietpreise in Berlin gestatteten ihnen meist nicht, dort eine Wohnung zu mieten. Zudem besserten die Parzellen durch landwirtschaftliche Nutzung die Nahrungsrationen der dort lebenden Menschen auf. Der Gebrauch des gepachteten Geländes machte es notwendig, hier auch Lauben zu errichten, die zunächst nur im Sommer genutzt wurden, bald aber auch ganzjährig.[3] Die Parzellen waren so beliebt, dass das gesamte Gebiet Wilhelmsruh 1920 nahezu verpachtet war.[4]

Im gleichen Jahr stellten auch die Behörden ihren ersten Bebauungsplan vor. Er sah einen Industriehafen und einen Kanal in Wilhelmruh vor, der das Rosenthaler Industriegebiet mit dem Tegeler See verbinden sollte. Der Hafen sollte vier Becken mit einer Breite von 60 m umfassen. Die Pläne wurden jedoch nie umgesetzt.[5]

Die Regierung hatte inzwischen die Probleme der Wohnungsnot anerkannt und gestatte jetzt auch gesetzlich, die Lauben ganzjährig zu nutzen, sofern diese gewissen Sicherheits- und Sittlichkeitsregeln entsprachen (s. Anhang). Die zunächst vorgesehene Frist von fünf Jahren erwies sich jedoch als zu kurz, weswegen man diese mit einer Polizeiverordnung, die an neue Regeln (s. Anhang) geknüpft waren, um 10 Jahre verlängern konnte.[6] Teilweise liefen 1931, zum Ende der Weimarer Republik, die ersten Pachtverträge aus, daher gründeten sich die ersten Baugenossenschaften, die Land erwarben und Baupläne zur Besiedlung des Gebietes vorlegten. Nach leichten Veränderungen sollten diese auch durchgesetzt werden, bis 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Im Wesentlichen gab es zwei Genossenschaften: „Neue Zeit“ und die „Genossenschaft zur Beschaffung von Siedlungsgelände“, die sich für die Siedler einsetzten.[7]

Die Nationalsozialisten

Die neuen Machthaber im jetzt diktatorisch geführten Deutschland unterstützten die Bestrebungen der Siedler, aus Sympathie für die Siedler und Gründen der Propaganda das Gelände Wilhelmsruh aufzuwerten. So dauert es auch nicht lange, bis zwei Areale nordwestlich und südlich des Damms als geeignet erklärt werden, diese sollen zum Wohngebiet mit kleinen Eigenheimen mit Gärten aufgewertet werden. Andere Gebiete ließen dies wegen des hohen Grundwasserstandes und den dabei entstehenden Kosten beim Bau nicht zu. Zudem versuchte man auch für Ordnung zu sorgen und riss widerrechtlich erbaute Lauben ab. Die Bewohner wehrten sich jedoch dagegen, weil sie viel Geld und Arbeit in ihre Lauben investiert hatten, sich zum Teil sogar verschuldet hatten, um die Lauben bauen zu können. Was den Siedlern aber verschwiegen wird, ist, dass sowieso viele Wohnlauben weichen müssten, sobald die von Generalbauinspektor Albert Speer entworfenen Pläne für das Gebiet umgesetzt werden sollten. Er plante die Nord-Süd Achse der Autobahn mit einer Breite von 100 m durch das Gebiet zu führen und diese mit einer Ringstraße von 60 m Breite dort zu verbinden.[8] Hinzu kam, dass zunächst keine weiteren Genehmigungen zum Bau von Lauben mehr erteilt werden.[9]

Die Besitzer der Lauben blieben weiterhin in den Genossenschaften und eröffneten Gemeinschaftskassen, um z.B. in gemeinsame Zäune oder den Straßenbau zu investieren. Die Pläne hierzu kamen von den Siedlern selbst und durften auch umgesetzt werden. So baute die Genossenschaft „Neue Zeit“ den erwähnten Zaun. Inzwischen ist die Besiedlung schon so weit vorangeschritten, dass sich erste Geschäfte bildeten, die auch florierten, so gab es z.B. Frisöre, die angeblich fast 1000 Kunden hatten.[10] Die oben angesprochenen Pläne wurden wegen des Krieges aber nie umgesetzt, deswegen begannen die Wohnlauben im Verlauf des Krieges wieder eine wichtigere Rolle zu spielen und das Gebiet begann wieder wild zu wachsen, weil die Baupolizei in Anbetracht der Umstände die Siedler gewähren ließ. 1943 erließ sie ein Gesetz zur ganzjährigen Nutzung der Lauben. Als im Krieg die Bomben fielen, gab es in Wilhelmsruh viele Tote, weil die Lauben gar keinen Schutz boten und die Luftschutzbunker nicht ausreichten. Am Kriegsende wurde die Siedlung sogar noch von deutscher Artellerie beschossen, um die Russen aufzuhalten. Diese erreichten letztendlich doch das Viertel und es kam gegen Ende des Krieges zu Plünderungen und V ergewaltigungen.[11]

Nachkriegsjahre und Baubeginn

Nach dem auch die Nationalsozialisten den Krieg verloren hatten, war es um die Wohnungssituation in Berlin noch schlechter bestellt als nach dem 1. Weltkrieg. Nur ein Viertel aller Wohnungen in Berlin blieben bewohnbar, 612.000 Wohnungen waren zerstört oder beschädigt worden. Daher nahm die Entwicklung in Gebieten wie Wilhelmsruh den gleichen Verlauf wie schon 1918.

Durch Zuzug in die Siedlung vergrößerte sich das Siedlungsgebiet und es wurden neue Lauben errichtet oder aber alte, noch stehende, erweitert.[12] Die hierzu notwendigen Materiealien stammten aus den Trümmerfeldern der Stadt. Der Bau der meisten Lauben fand wieder ohne Baugenehmigung statt, aber die Behörden waren auf Grund der Notsituation der Nachkriegsjahre sowieso nicht in der Lage, den Wildbau zu stoppen. So erließen die Behörden, wenn überhaupt, befristete Baugenehmigungen, die minimalste Sicherheitsstandards verlangten. Aber auch die Bewohner stellten sich und ihre Not über die Ämter und verstießen zum Teil bewusst gegen die Bauauflagen.[13]

Mitte der 50er Jahre kamen auf 3000 Parzellen ungefähr 12.000 Einwohner, die Siedlung zeigte sich jetzt schon wieder sehr abwechslungsreich. So waren von Einfamilienhäusern, meist südlich des Damms, bis hin zu Lauben, nördlich des Damms, fast alles vertreten, zudem waren der Norden und Süden mit Trinkwasser versorgt, die Siedler im Osten waren jedoch noch auf Brunnen angewiesen.[14] Die überall fehlende Kanalisation war ein großes Problem. Die Fäkalien wurden nur zu 25% gesammelt, der Rest diente als Dünger, was dazu führte, dass der Boden meist überdüngt war und viele Einwohner an Verwurmung litten. Trotzdem bot sich das neue Viertel als Wohngegend für Geringverdiener an, denn die Mietkosten waren im Vergleich zur Stadt niedrig. So konnten die Bewohner auch in Fernsehtruhen oder Elektroherde investieren, um den Lebensstandard etwas zu heben. Auch spielte der Gedanke, seine Kinder in ländlicher Umgebung aufwachsen zu lassen, eine große Rolle, was erklärt, warum der Kinderanteil relativ hoch war.[15] Die Siedlung begann wirtschaftlich wieder zu florieren, so gab es erste Dienstleistungsgeschäfte und Parzellenbesitzer die sich auf Hühner- oder Schweinezucht spezialisierten.[16]

Die Regierung erkannte das Problem 1951, handelte schnell und entschieden, berücksichtigte aber nur höher gestellte Siedlungen und wurde vom Bauamt Reinickendorf scharf kritisiert.[17] 1962 wuchs dann auch das Interesse der Regierung an einer Aufwertung und Strukturierung. So erhielten die Architekten Düttmann, Müller, Heinrichs und Feig die Aufgabe, bis zum 10. Juli 1962 eine Gesamtkonzeption für das Gebiet erstellen.[18] Diese sah dann zunächst 13.000 Wohnungen für 38.000 Bewohner vor. Der Bau sollte mit einem riesigen Plattenbau beginnen, der das neue Zentrum bilden sollte. Es ergaben sich aber noch weitere Probleme. Der Bau der Mauer sperrte viele Arbeitskräfte aus dem Osten aus und diese mussten trotz des Mangels an Wohnungen ersetzt werden. Daher wurde die Zahl der Wohnungen bis 1964 auf 20.000 angehoben.[19] 1962 wurde auch erstmals die GeSoBau, die kleinste aller Baugenossenschaften des Viertels, als Bauträger engagiert. Damit sie als solche auch fungieren konnte, schloss man einen Vertrag mit der DeGeWo Bauabteilung. Die GeSoBau wurde wegen ihrer geringen Größe und der damit leichteren Kontrolle vom Senat ernannt. Die Architekten­Gesamtkonzeption verlangte einen großen Bedarf an öffentlichen Einrichtungen, auf Grund der Planung und der Größe dieser Einrichtungen gab es erhebliche Unstimmigkeiten zwischen Senat und Bezirksamt.[20] Viele öffentliche Einrichtungen wurden später einfach doch abgetan und nicht umgesetzt, weil sie nicht für nötig erachtet wurden.[21] Am 29. März 1963 wurde dann erstmals die Öffentlichkeit informiert und mit dem Bau begonnen. Letztlich sollten 50.000 neue Wohnplätze entstehen.[22]

Die hier noch extrem kurz gehaltene Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Märkischen Viertels zeigt deutlich, unter welchen Umständen und mit welcher Unsicherheit die Siedler begannen und hier wohnen. Zwei Weltkriege, unbeständige wirtschaftliche Situationen, schlecht durchdachte Bebauungspläne, die dann letztendlich doch nicht durchgeführt wurden, zeigen, unter welcher Existenzangst die frühen Bewohner des Viertels lebten, denn jederzeit konnten ihre Lauben abgerissen werden. Hinzu kam häufig der willkürliche Bau ohne Genehmigungen, deswegen kam es oft zu Zwangsräumungen und Abrissen durch die zuständigen Behörden. Die mangelhafte Anschlusssituation an die öffentliche Kanalisation und an fließendes Wasser, zeigen auch die menschenunwürdigen Umstände, mit denen die Siedler lebten. Immerhin brauchte es fast 30 Jahre, bevor man sich endlich einig war, wie und wo Bebauung und Sanierung stattfinden sollte. Aber vor allem war man sich endlich einig, dass ein Wohnviertel entstehen sollte.

III. Die Architekten und die Stadt Berlin - Pläne und künstlerische Verwirklichung

Generell lässt sich festhalten, dass die meisten der an der Planung des Märkischen Viertels beteiligten Architekten hauptsächlich das Künstlerische in ihrem Werk sahen und sich während der Planung wenig Gedanken über das soziale Leben im Viertel machten.[23] Es war der jungen Architektengeneration zunächst wichtiger, den provinziellen Nachkriegsbaustil in Deutschland nachhaltig zu ändern. In Deutschland hielt man sich bisher an das Konzept der Auflockerung und genauen Gliederung. Hier setzte man sich als Ziel, enger und dichter zu bauen, was mit einer Maßstabsvergößerung zum Einfamilienhaus geschehen sollte[24]. So knüpfte man an den amerikanischen Baustil an, der schon seit längerem auf Schnellbausysteme zurückgriff. Man baute nun auf einem Zentrum aufbauend, die Wohnungen herum[25], was vergleichbar mit dem amerikanischen Städtebau ist, der auf den CBD (Central Business District) als Zentrum zielt. Die beiden hier vorgestellten Architekten, stellvertretend für alle, sind Georg Heinrichs und Werner Düttmann. Es werden kurz ihre künstlerischen Ideen wiedergegeben und erläutert.

Georg Heinrichs

Heinrichs wurde 1926 in Berlin geboren und schloss 1950 sein Architekturstudium ab. In den Jahren von 1958 bis 1961 sammelte er erste Erfahrungen im Wohnungsbau bei der Planung von Einfamilienhäusern in Berlin, er plante aber auch Kultur- und Fabrikbauten im Laufe seiner Karriere. Heinrichs selbst sagt über seinen Wohnungsbau:

„Die sekundäre Form, die Individualität, entsteht durch die Einfügung des Gebäudes in die Situation des Bauplatzes, sei es innerhalb Natur- oder Stadtlandschaft. In jedem Falle muß es die Kontinuität wahren, stützen oder auch wieder neu herstellen. Es ist dabei viel schwieriger, die eigenen Vorstellungen bei einem normalen Gebäude, wie z.B. einem Wohnhausblock, zu realisieren, als es an einem sehr speziellen, weil es beim ersteren hauptsächlich auf das wie, d.h. die Form, ankommt, beim letzteren auf das was, d.h. den Inhalt.

Architektur heute ist für mich weder das Problem der nichtbauenden Architekten, der Theoretiker, seien sie Soziologen oder Utopisten, noch das Problem der bauenden Architekten, der Praktiker, seien sie Technokraten oder Karrieristen. Architektur heute ist für mich die Anwendung der klassischen Proportionslehre bei der Entwicklung räumlicher Strukturen, der Durchdringung von geometrischen Körpern und der Harmonie der Gesamtform, deren Innenräume die abstrakte Hülle für das individuelle Leben sein sollte.“[26]

Heinrichs beschreibt sehr ausführlich, worauf es ihm ankommt, er möchte sich nicht an, wie er sagt, Theoretiker oder Praktiker halten, sondern durch reine Bearbeitung der geometrischen Formen Harmonie gegenüber Mensch und Umwelt schaffen. So wird seine Siedlung eine „abstrakte Hülle“ zur Verwirklichung der menschlichen Individualität, die diese gleichzeitig abschließt. Trotzdem lässt er schon erkennen, dass er auch die Umwelt mit einfließen lassen und diese Teil des Lebens der Bewohner werden soll, kurz ein rundum harmonisch abgestimmtes Leben zwischen einer Stadt- und Landumwelt. Allerdings beschränkt er sich auf den Bau von Wohnungen und verliert über öffentliche Einrichtungen kein Wort.

Werner Düttmann

Werner Düttmann, geboren 1921 in Berlin, schloss sein Studium der Architektur 1942 an der technischen Hochschule Berlin ab und arbeitete ab 1950 im Planungsamt Berlin-Kreuzberg als Architekt. 1960 wurde er zum Senatsbaudirektor der Stadt Berlin ernannt und plante unter anderem auch mit Heinrichs an einem Konzept für das Märkische Viertel, welches 1962 erstmals vorgestellt wurde. Düttmann setzte sich auch für den Erhalt von Wohnungen ein, die in Berlin Mitte abgerissen werden sollten.[27]

Düttmanns Ideen beim sozialen Wohnungsbau im Märkischen Viertel beschäftigten sich vor allem mit dem gepflegten „Zeilenreihen“ beim Plattenbaubau. Er wollte die Monotonie der Bauten abschaffen und, wie im Viertel dann auch umgesetzt, verwinkelte Plattenbauten schaffen, die keine Gesamtsymmetrie aufweisen[28]

Beide architektonischen Sichtweisen lassen soziale Fragen außer Acht, es geht ihnen in erster Linie um die Verwirklichung eines einzigartigen Plattenbauviertels, dass alle anderen an Größe und Individualität übertreffen soll. Es wird deutlich klar, dass es hier um künstlerische Verwirklichung geht, nicht aber darum, auch wirklich soziale Bauten und Wohnungen zu schaffen, die ein angenehmes Leben ermöglichen.

Stadt Berlin

Die Stadt Berlin schloss sich der geäußerten Kritik des Bezirksamtes Reinickendorf an und beauftragte dann, wie schon erwähnt, die Architekten ein Gesamtkonzept zu erstellen. Der Mauerbau ist ein weiterer Faktor der baupolitisch eine große Rolle spielte, denn es fielen Arbeiter aus dem Osten weg, die jetzt irgendwie ersetzt und auch untergebracht werden mussten. So kam es, dass der Bauplan ständig erweitert wurde und Wohnungen hinzu kamen. Zunächst waren 1962 nur 13.000 Wohnungen vorgesehen, man erhöhte diese Zahl im gleichen Jahr aber noch auf 17.000 und dann auf 19.000. 1963 wurde dann das letzte mal eine Änderung vorgenommen, bis Baubeginn 1964 waren dann man 20.000 neue Wohnungen vorgesehen.[29] Auch ist es den Verantwortlichen bewusst, dass sie mittlerweile auf Randbezirke ausweichen mussten, weil der zur Verfügung stehende innerstädtische Raum bereits nahezu aufgebraucht war.[30]

[...]


[1] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.11.

[2] VOLL, DIETER: Von der Wohnlaube zum Hochhaus, aus: Abhandlungen des geographischen Instituts, Bd. : 34, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1983, S.16.

[3] VOLL, DIETER: Von der Wohnlaube zum Hochhaus, aus: Abhandlungen des geographischen Instituts, Bd. : 34, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1983, S.17.

[4] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.11.

[5] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.13.

[6] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.12.

[7] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.15.

[8] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.17.

[9] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.15.

[10] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.16.

[11] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.20.

[12] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.21.

[13] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.22.

[14] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.23.

[15] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.26.

[16] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.32.

[17] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.33.

[18] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.41.

[19] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.41.

[20] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.44.

[21] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S. 44.

[22] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.46.

[23] FUNKE, Hermann: Da hilft nur noch Dynamit, Spiegel, Nr.45, 1970, S.236.

[24] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.43.

[25] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.43.

[26] BOFINGER, KLOTZ, PAUL: Architektur in Deutschland, Bundesrepublik und Westberlin, Kohlhammer, 2. Auflage, Stuttgart, 1981, S. 93.

[27] MITTMANN, Elke: Senatsbaudirektor Werner Düttmann, aus: Allgemeines Künstlerlexikon.

[28] MITTMANN, Elke: Senatsbaudirektor Werner Düttmann, aus: Allgemeines Künstlerlexikon.

[29] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S. 41.

[30] WILDE, Alexander: Das Märkische Viertel, hrsg. vom Beirat für Geschichte im Märkischen Viertel, Nicolai, Berlin, 1989, S.43.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Märkische Viertel. Ursachen sozialer Probleme in Berlin
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches institut)
Veranstaltung
Sozialer Wohnungsbau, Geschichte und Wandel
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V373165
ISBN (eBook)
9783668510449
ISBN (Buch)
9783668510456
Dateigröße
1485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
GESOBAU, Ost-West, kalter Krieg, Sozialer Wohnungsbau, Berlin, Märkisches Viertel
Arbeit zitieren
Konstantin Krummel (Autor), 2011, Das Märkische Viertel. Ursachen sozialer Probleme in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373165

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