Der Philosoph Wilhelm Schmid hat in seinen philosophischen Schriften das Kriterium des Bejahenswerten etabliert. Können wir unser Leben bejahen, dann ist es erstrebenswert. In diesem Sinne versucht Schmid in der Philosophie eine neue Lebenskunst zu begründen, die dem Menschen Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Lebens eröffnet.
Diese Arbeit fasst die wichtigsten Aspekte seiner Lebenskunst zusammen, die eine Bedeutung für das Leben des Hauptprotagonisten Joe Lampton in der Dilogie "Room at the Top" und "Life at the Top" haben. Die literarische Analyse behandelt dann die Frage, ob sich Joe in seiner Art der Lebensführung im Verlauf der beiden Bücher positiv entwickelt hat. Dementsprechend werden beide Werke im Anschluss an die Behandlung der Aspekte Schmids hinsichtlich dieser überprüft und letztlich miteinander verglichen. Hierbei wird analysiert, inwiefern Joes Leben als bejahenswert betrachtet werden kann oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Das Kriterium des Bejahenswerten
2. Zusammenfassung der Aspekte der Lebenskunst nach Schmid
2.1 Das Selbst und die Anderen
2.1.1 Beziehungen zu Anderen
2.1.2 Die Sorge um sich und Andere
2.2 Die Frage der Wahl
2.2.1 Der Akt der Wahl
2.2.2 Arten der Wahl
3. Analyse: Room at the top
3.1 Arten der Wahl
3.2 Reflexion
3.3 Beziehungen zu Anderen
3.4 Sorge um Andere
4. Analyse: Life at the top
4.1 Arten der Wahl
4.2 Reflexion
4.3 Beziehungen zu Anderen
4.4 Sorge um Andere
5. Joe Lamptons Entwicklungsprozess vom successful zombie zum warm giant
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Protagonisten Joe Lampton aus der Dilogie "Room at the Top" und "Life at the Top" anhand der Philosophie der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid, um zu analysieren, ob sich seine Lebensführung im Verlauf der Werke positiv entwickelt hat.
- Anwendung der Lebenskunst-Kriterien von Wilhelm Schmid
- Untersuchung des "Aktes der Wahl" und der "Sorge um Andere"
- Vergleich der psychologischen Entwicklung vom "successful zombie" zum "warm giant"
- Analyse von Reflexionsprozessen und Beziehungsstrukturen
- Bewertung der Lebensqualität im Sinne des "Bejahenswerten"
Auszug aus dem Buch
3.1 Arten der Wahl
Im Laufe des Romans trifft der Protagonist Joe Lampton drei entscheidende Wahlen, die alle zugleich Fundamentalwahlen sind und enorme Auswirkungen auf seine weiteren Wahlmöglichkeiten haben. Die erste Wahl – die Entscheidung von seiner Heimatstadt Dufton nach Warley zu ziehen – ist eine aktive Initialwahl. Er verlässt Dufton mit dem Ziel, den dort ansässigen Zombies zu entfliehen (Braine, Room 17). Als Zombies werden Menschen bezeichnet, die keine eigene Individualität mehr besitzen, leblos und emotionslos sind und wie fremdgesteuert wirken. Doch Joe flieht nicht nur vor der dortigen Zombieproduktion sondern auch vor der Wiederkonfrontation mit dem Tod: Mit Dufton verbindet er den Tod seiner Eltern und damit auch Gefühle wie Schmerz und Kummer, denen er sich nicht stellen will (Braine, Room 96). Dagegen repräsentiert Warley für ihn einen Ort voller Leben, wo ihn keine negativen Erinnerungen quälen: „Warley had shown me a new way of living; for the first time I’d lived in a place without memories. And for the first time lived in a place" (Braine, Room 96). Beide Städte werden immer wieder von Joe durch gegensätzliche Beschreibungen kontrastiert: Während in Dufton Stillstand und Bedrücktheit herrschen, ist Warley geprägt von Veränderung und Fröhlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kriterium des Bejahenswerten: Einführung in das Konzept der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid und die Forschungsfrage bezüglich Joe Lamptons Entwicklung.
2. Zusammenfassung der Aspekte der Lebenskunst nach Schmid: Detaillierte Erläuterung der für die Analyse relevanten Konzepte: das Selbst, die Sorge um sich und andere sowie der Akt der Wahl.
3. Analyse: Room at the top: Untersuchung von Joes ersten entscheidenden Lebensentscheidungen und seiner Beziehungsgestaltung im ersten Teil der Dilogie.
4. Analyse: Life at the top: Analyse der weiteren Entwicklung Joes im zweiten Teil, insbesondere im Hinblick auf seine Passivität und die Rückkehr zu menschlichen Werten.
5. Joe Lamptons Entwicklungsprozess vom successful zombie zum warm giant: Fazit des Vergleichs, das den Wandel des Protagonisten durch Reflexion und Sorge um Andere zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Wilhelm Schmid, Lebenskunst, Joe Lampton, Room at the Top, Life at the Top, Wahl, Fundamentalwahl, Sorge um Andere, Selbstsorge, Reflexion, Entwicklungsprozess, erfolgreicher Zombie, warm giant, soziales Aufsteigen, John Braine
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung des Protagonisten Joe Lampton in den Romanen "Room at the Top" und "Life at the Top" unter Anwendung der philosophischen Kriterien der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Aspekte der Sorge um sich und Andere sowie die philosophische Kategorie der Wahl und ihre Konsequenzen für das Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Joe Lampton seine Lebensführung im Verlauf der beiden Romane positiv entwickelt hat und ob sein Leben als "bejahenswert" im Sinne Schmids betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der die Romanhandlungen systematisch an den theoretischen Begriffen von Wilhelm Schmid (z.B. Fundamentalwahl, Selbstsorge) gespiegelt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Handlungsweisen Joes in beiden Romanen hinsichtlich der Arten seiner getroffenen Wahlen, seiner Reflexionsfähigkeit und seiner Beziehungen zu anderen Figuren wie Alice oder Susan untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Neben dem Autor Wilhelm Schmid sind Begriffe wie "Fundamentalwahl", "Selbstsorge", "Zombiedasein" und die Metapher des "warm giant" essenziell für die Argumentation.
Warum wird Joe Lampton als "successful zombie" bezeichnet?
Der Begriff bezeichnet Joes Zustand im ersten Roman, in dem er zwar materiellen Erfolg erzielt, aber seine Menschlichkeit und echte Emotionen zugunsten einer sozialen Maske opfert.
Welche Bedeutung hat das "Bejahenswerte" für Joes Entwicklung?
Ein bejahenswertes Leben erfordert nach Schmid Reflexion und Sorge um Andere; Joes Entwicklung zum "warm giant" im zweiten Teil markiert den Übergang von rein egoistischem Handeln hin zu einer reflektierten Lebensführung.
Welche Rolle spielt der Schauplatz Warley für den Protagonisten?
Warley fungiert im ersten Teil als Ziel des Aufstiegs, während es sich im zweiten Teil für Joe zu einem "Gefängnis" wandelt, das ihn zur Reflexion über seine Freiheit zwingt.
Warum ist die Beziehung zu den Kindern am Ende ausschlaggebend?
Die Liebe zu seinen Kindern Barbara und Harry motiviert Joe dazu, erstmals die Sorge um Andere über sein bloßes Eigeninteresse zu stellen, was als zentrales Element seiner positiven Entwicklung gewertet wird.
- Arbeit zitieren
- Marie-Kristin Hofmann (Autor:in), 2013, Entwicklungsprozess des Joe Lampton in "Room at the Top" und "Life at the Top". Eine Überprüfung anhand der Philosophie der Lebenskunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373248