Im Folgenden werden die grammatikalischen Strukturen des Arabischen und des Deutschen miteinander verglichen. Hierbei geht es v.A. um die Tempussysteme der beiden Sprachen.
Das arabische Tempussystem weist große Unterschiede im Vergleich zum deutschen auf. Es ist viel ärmer als das Deutsche. Während das Deutsche über sechs Tempora verfügt, begnügt sich das Arabische mit nur zwei Verbalzeitformen. Die Vielfalt der deutschen Tempora ist eine der wichtigsten und häufigsten Fehlerursachen für den deutschlernenden Araber, auch wenn die Tempora im Deutschen und Arabischen meistens die gleichen Funktionen haben. Dass die deutsche Sprache aber in diesem Bereich viel reicher ist als die arabische Sprache, bzw. dass sie über einige Tempusformen verfügt, die es im Arabischen nicht gibt, bereitet den Lernenden Schwierigkeiten. Rudi Conrad sagt über die deutschen Tempora (Zeitformen): „grammatische Kategorie des Verbs; eine seiner Hauptkategorien, denn jedes Verb stellt die bezeichnete Handlung bzw. den Zustand als Prozess, der immer auch einen Zeitfaktor enthält [in der deutschen Terminologie „Zeitwort“ für Verb]. Dem Kontinuum der Zeit wird vom menschlichen Bewusstsein eine Segmentierung auferlegt, durch die drei Zeitstufen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entstehen. Die Reflexion dieser allgemeinen erkenntnistheoretischen Kategorien in der Grammatik ist vorwiegend sprachspezifisch und führt zum Aufbau unterschiedlich fein gegliederter Tempussysteme. Im Deutschen z.B. werden sechs Tempora unterschieden; drei für die Zeitstufe der Vergangenheit, eine für die Gegenwart, zwei für die Zukunft.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.2. Zur Transkription
2. Zur Definition der Tempora
2.1. Tempora im Deutschen
2.2. Tempora im Arabischen
2.3. Vollendeter/unvollendeter Tatbestand
3. Tempora im Deutschen und Arabischen
4. الماضي (al-Ma:Zi:) als Perfekt und Präteritum
4.1. الماضي (al-Ma:Zi:) als Perfekt
4.2. الماضي (al-Ma:Zi:) als Präteritum
5. المضارع المستقبل (al-MuZa:RiC ‘al-Mustaqbal)als Futur I
6. Schwierigkeit bei der Verwendung der deutschen Tempora
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede zwischen dem deutschen und dem arabischen Tempussystem, um die Schwierigkeiten zu identifizieren, die deutschlernende Araber beim Erwerb der deutschen Zeitformen erfahren. Durch eine kontrastive Gegenüberstellung der grammatikalischen Konzepte soll aufgezeigt werden, warum die komplexe Struktur der deutschen Tempora – insbesondere im Hinblick auf Perfekt, Präteritum und Futur II – häufig zu Interferenzfehlern führt.
- Kontrastive Analyse des Tempussystems zwischen Deutsch und Arabisch
- Definition und Funktion der Verbalzeitformen in beiden Sprachen
- Analyse der Fehlerquellen bei deutschlernenden Arabern
- Untersuchung der Verwendung von Hilfsverben wie "haben" und "sein"
- Bedeutung der kontrastiven Analyse für den Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
6. Schwierigkeit bei der Verwendung der deutschen Tempora
Wie aus der Darstellung der Tempusformen im Arabischen hervorgeht, ist für einen deutschlernenden Araber das deutsche Tempussystem bzw. sechs Tempora nicht einfach zu begreifen. Als Beispiel dafür soll die Zeitform des Futur II näher betrachtet werden. Eine Tempusform für das Futur II gibt es-wie gezeigt wurde im Arabischen nicht. Für seine Wiedergabe dient also eine bestimmte Verbalphrase.
Da man noch nicht von der kontrastiven Analyse ausgeht, bzw. diese im Fremdsprachenunterricht noch nicht gebraucht, kann der Deutschlernende nicht wissen, dass der Satz: "Er wird die Stadt verlassen haben" folgende arabische Entsprechung hat: "سيكون قد ترك المدينة"(sayaku:nu qad taRaka lmadi:nati), bzw., dass das Futur II mit der Verbalphrase "يكون + قد + الماضي "wiederzugeben ist. Denn hätte er diese arabische Entsprechung gekannt, wäre ihm die Bildung des Futur II im Deutschen wesentlich leichter gefallen.
Da der Lernende aber nicht versteht, was dieses Tempus eigentlich bedeutet, wird er in große Verlegenheit versetzt, und ihm unterlaufen demnach Fehler in der Verwendung des Futur II, oder er verzichtet völlig auf seine Verwendung. Das Ergebnis einer Umfrage ergab, dass keiner auf die im Bereich des Futur II gestellte Aufgabe richtig zu antworten gewusst hatte. Die Auswertung der Umfrage zeigte ein deutliches Muster der Fehler: Bis morgen habe ich es gelesen. Bis zur nächsten Woche werde ich es gelesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die grundlegenden Unterschiede zwischen dem arabischen und dem deutschen Tempussystem und die daraus resultierenden Lernschwierigkeiten.
1.2. Zur Transkription: Listet die Umschrift und die Aussprache der arabischen Konsonanten und Vokale auf, die in der Arbeit verwendet werden.
2. Zur Definition der Tempora: Erläutert die grammatikalischen Zeitkategorien im Deutschen sowie die Verbalzeitformen im Arabischen.
2.1. Tempora im Deutschen: Detaillierte Darstellung der sechs deutschen Tempora und deren Einordnung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
2.2. Tempora im Arabischen: Untersuchung der zwei arabischen Verbalzeitformen und deren Flexion durch Präfixe und Suffixe.
2.3. Vollendeter/unvollendeter Tatbestand: Differenzierung zwischen dem accompli (vollendet) und inaccompli (unvollendet) Aspekt des arabischen Verbs.
3. Tempora im Deutschen und Arabischen: Vergleich der funktionalen Gliederung der Zeitstufen und ihrer Repräsentation in den jeweiligen Sprachen.
4. الماضي (al-Ma:Zi:) als Perfekt und Präteritum: Analyse der Verwendung der arabischen Vergangenheitsform für verschiedene Zeitstufen im Deutschen.
4.1. الماضي (al-Ma:Zi:) als Perfekt: Erläuterung der Bedeutungsvarianten der Vergangenheitsform mit Bezug auf Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.
4.2. الماضي (al-Ma:Zi:) als Präteritum: Erläuterung der Wiedergabe des deutschen Präteritums durch das arabische Perfekt oder spezifische Verbalphrasen.
5. المضارع المستقبل (al-MuZa:RiC ‘al-Mustaqbal)als Futur I: Beschreibung der Konstruktion des Futurs im Arabischen mittels Präsensform und Partikeln.
6. Schwierigkeit bei der Verwendung der deutschen Tempora: Diskussion typischer Fehlerquellen bei Arabern, die Deutsch lernen, mit Fokus auf Futur II und Hilfsverben.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Interferenzgefahr durch die deutlichen Unterschiede der beiden Tempussysteme.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und arabischen Literatur.
Schlüsselwörter
Tempussystem, Kontrastive Analyse, Deutsch als Fremdsprache, Arabisch, Verbalsystem, Vergangenheit, Gegenwart, Futur, Interferenzfehler, Hilfsverben, Perfekt, Präteritum, Verbalphrase, Grammatik, Fremdsprachenunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem kontrastiven Vergleich zwischen dem deutschen und dem arabischen Tempussystem und analysiert, warum Deutschlernende mit arabischer Muttersprache Schwierigkeiten bei der korrekten Anwendung der deutschen Zeitformen haben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des Verbs in beiden Sprachen, der Definition von Zeitstufen sowie der Identifikation von Interferenzfehlern, insbesondere bei der Wahl von Zeitformen und Hilfsverben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die grammatikalischen Unterschiede so aufzubereiten, dass sie als Grundlage für eine gezieltere Vermittlung im Sprachunterricht dienen können und die Fehlerquellen bei Lernenden minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse angewandt, bei der die grammatikalischen Strukturen beider Sprachen systematisch gegenübergestellt und auf ihre funktionalen Entsprechungen hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Definition der Tempora, die Funktionen des arabischen Vergangenheits- und Präsenssystems sowie die spezifische Problematik bei der Übertragung in deutsche Zeitformen wie das Futur II oder die korrekte Verwendung von "haben" und "sein".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Tempussystem, Kontrastive Analyse, Interferenzfehler, Perfekt, Präteritum, arabische Verbalzeitformen und Deutsch als Fremdsprache.
Wie wird das deutsche Futur II im Arabischen wiedergegeben?
Da das Arabische kein direktes Äquivalent für das Futur II besitzt, wird für die Wiedergabe eine Verbalphrase aus der Konstruktion "يكون + قد + الماضي" genutzt, um den vollendeten Tatbestand in der Zukunft auszudrücken.
Warum verwechseln Deutschlernende häufig "haben" und "sein"?
Die Verwechslung resultiert daraus, dass das Arabische keine direkte Entsprechung für das Hilfsverb "haben" im Sinne des deutschen Perfekt-Hilfsverbs besitzt, sondern an dieser Stelle Besitzverbindungen verwendet, was zu Unsicherheiten bei der deutschen Satzbildung führt.
Welche Rolle spielt der Begriff "Vollendeter Tatbestand"?
Dieser Begriff ist zentral für das Verständnis des arabischen Systems, das weniger nach Zeitstufen als vielmehr nach Aspekten (vollendet vs. unvollendet) unterscheidet, was im Widerspruch zur rein zeitstufenbasierten deutschen Grammatik steht.
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- P. H Hamid Baalla (Autor), 2017, Die Unterschiede der Tempussysteme im Arabischen und im Deutschen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373267