„Was niemals aus den Gewehrläufen kommt, ist Macht.“ (Arendt 1971)
Zum Begriff „Macht“ gibt es viele verschiedene Definition. Für manche bedeutet sie Unterdrückung oder Gleichschaltung des Volkes, für andere ist sie schlichtweg Kommunikation. Macht wird mit Begriffen wie Freiheit, Zwang, Gewalt, Recht bis hin zum gemeinsamen Handeln in Verbindung gebracht oder gleichgesetzt. Weitere Begriffe wie Kraft, Einfluss oder Potenz liegen ebenfalls in der alltagssprachlichen Bedeutungsspanne des Wortes Macht. Dieses theoretische Unschärfe spiegelt sich auch in den aktuellen gesellschaftlichen Definitionen wieder [...].
Hinsichtlich aktueller zeitgeschichtlicher Geschehnisse, wie beispielsweise die „Flüchtlingsproblematik“ in Europa, gewinnt die Diskussion um die Bedeutung von Macht heute wieder an Relevanz. Für die Philosophie ist Macht einer der wichtigsten und gleichzeitig am wenigsten zu umfassendster Begriff.
Diese Arbeit klärt zunächst den Begriff Macht separat nach dem Verständnis von Hannah Arendt und Max Weber und grenzt sie abschließend in einer Gegenüberstellung klar voneinander ab. Arendt, geboren 1906 und verstorben 1975, studierte Philosophie, Theologie und Griechisch. Unter anderem war sie als Cheflektorin, freie Schriftstellerin und Professorin tätig. Max Weber, geboren 1864 in Frankfurt, verstarb 1920.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff Macht
2.1. Macht nach Hannah Arendt
2.1.1 Entstehen und Potentialität der Macht
2.1.2 Abgrenzung zur Gewalt
2.1.3 Macht und Politik
2.1.4 Kritik
2.2 Macht nach Max Weber
2.2.1 Macht als soziale Beziehung
2.2.2 Macht und Herrschaft
2.2.3 Macht im modernen Staat
2.2.4 Problematik
3. Die beiden Machtbegriffe im Vergleich
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Machtbegriffe von Hannah Arendt und Max Weber, um ihre theoretischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten vor dem Hintergrund soziologischer und politischer Diskurse herauszuarbeiten.
- Differenzierung zwischen Macht, Gewalt und Herrschaft
- Analyse des Machtverständnisses von Hannah Arendt (Potentialität)
- Analyse des Machtverständnisses von Max Weber (soziale Beziehung)
- Gegenüberstellung und kritische Einordnung beider Ansätze
- Diskussion der Bedeutung von Wissen und Bürokratie für Machtstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Abgrenzung zur Gewalt
Allgemein betrachtet, ist es möglich, Macht in verschiedener Weise auszuüben, beispielsweise durch Überzeugungskraft, Drohungen, Bestechung oder auch Gewalt (vgl. Anter 2012, S. 96). Um dieses uneinheitliche gestaltlose Auftreten des Machtbegriffes aufzugliedern und zu typologisieren, könnte man in eine Skala erstellen, um die verschiedenen Grade der Ausübung der Macht zu unterscheiden (vgl. ebd.). Gewalt wäre in dieser Betrachtung die elementare Form der Macht (vgl. ebd.). Das gesamte politische Denken ist geprägt von dieser Ansicht, denn Rückblickend über einen Zeitraum von Tausenden Jahren sprechen die meisten Autoren bei Gewalt von einer Form der Macht (vgl. ebd.).
Arendt widerspricht dieser Ansicht vehement und spricht vom genauen Gegenteil (vgl. ebd.). Sie vertritt den Standpunkt einer vollkommenen „(...) Inkompatibilität von Macht und Gewalt (...)“ (ebd., S. 97). Für Arendt ist Gewalt keine Form der Macht (ebd., S. 96). „Wer Gewalt ausübe, dokumentiere letztlich nur seine Machtlosigkeit (...)“ (ebd.). Gewalt und Machtlosigkeit seien in der Politik sogar meist miteinander einhergehend (vgl. ebd.). Plausibel wird diese Behauptung, wenn man zum Beispiel an die terroristische Gewalt in Deutschland Ende der 1970er Jahre denkt (vgl. ebd., S. 97). Die RAF (Rote Armee Fraktion) übte als terroristische Gruppe zwar Gewalt aus, indem sie ihre Opfer entführten und ermordeten, über politische Macht verfügten sie jedoch zu keinem Zeitpunkt (vgl. ebd., S. 97). Arendt ist der Meinung, „(...) Ohnmacht der Bürger öffnet der Diktatur die Türen (...)“ (Schönherr-Mann 2006, S. 139).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die theoretische Unschärfe des Machtbegriffs ein und erläutert die Zielsetzung, die Ansätze von Arendt und Weber zu vergleichen.
2. Zum Begriff Macht: Dieses Kapitel liefert eine begriffsgeschichtliche Herleitung und erläutert die Notwendigkeit einer klaren Definition von Macht in politischen Theorien.
2.1. Macht nach Hannah Arendt: Das Kapitel beleuchtet Arendts Verständnis von Macht, das eng an Kommunikation und kollektives Handeln im öffentlichen Raum geknüpft ist.
2.1.1 Entstehen und Potentialität der Macht: Hier wird Macht als menschliche Fähigkeit beschrieben, im Einvernehmen mit anderen zu handeln, wobei der öffentliche Raum als Bedingung dient.
2.1.2 Abgrenzung zur Gewalt: Dieses Kapitel arbeitet Arendts strikte Trennung von Macht und Gewalt heraus, wobei Gewalt als Zeichen von Machtlosigkeit interpretiert wird.
2.1.3 Macht und Politik: Hier wird die gegenseitige Abhängigkeit von Macht und politischem Körper sowie deren Funktion als Kit der Gemeinschaft erläutert.
2.1.4 Kritik: Es wird die Kritik an Arendts realitätsferner oder rein normativer Sichtweise auf Macht und deren Abgrenzung zur Gewalt thematisiert.
2.2 Macht nach Max Weber: Dieses Kapitel führt in Webers soziologische Definition ein, die Macht als Chance definiert, den eigenen Willen in sozialen Beziehungen durchzusetzen.
2.2.1 Macht als soziale Beziehung: Hier werden die Kriterien der Macht bei Weber – insbesondere Asymmetrie und Situationsgebundenheit – detailliert analysiert.
2.2.2 Macht und Herrschaft: Das Kapitel differenziert zwischen Macht und der institutionalisierten Form der Herrschaft sowie deren drei Typen der Legitimität.
2.2.3 Macht im modernen Staat: Es wird untersucht, wie der Staat als Machtträger durch Bürokratie, Wissensmonopol und Gewaltmonopolisierung funktioniert.
2.2.4 Problematik: Dieses Kapitel reflektiert die methodischen Schwierigkeiten von Webers handlungstheoretischem Machtbegriff und seine Amorphie.
3. Die beiden Machtbegriffe im Vergleich: Die Arbeit stellt die symmetrische Sichtweise Arendts der asymmetrischen Sichtweise Webers gegenüber und analysiert Gemeinsamkeiten wie den sozialen Charakter.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Macht aufgrund ihrer vielfältigen Formen und ihres historischen Wandels ein dauerhaft herausfordernder Begriff bleibt.
Schlüsselwörter
Macht, Hannah Arendt, Max Weber, Gewalt, Herrschaft, Politik, Soziales Handeln, Bürokratie, Wissensmonopol, Legitimität, Politische Philosophie, Gesellschaft, Potentialität, Soziologie, Machtbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der theoretischen Klärung und Gegenüberstellung des Machtbegriffs im Denken von Hannah Arendt und Max Weber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Macht, die Abgrenzung von Macht zu Gewalt und Herrschaft, die Rolle von Bürokratie im modernen Staat sowie die Bedeutung sozialen Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die unterschiedlichen Machtverständnisse von Arendt und Weber separat zu klären und diese abschließend in einer Gegenüberstellung klar voneinander abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende ideengeschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse auf Basis der Primär- und Sekundärliteratur beider Theoretiker.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Darstellung von Arendts Verständnis von Macht als Potentialität und Webers Verständnis von Macht als soziale Chance, gefolgt von einem direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Macht, Gewalt, Herrschaft, Arendt, Weber, Potentialität und soziale Beziehung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Gewalt zwischen Arendt und Weber?
Für Arendt sind Macht und Gewalt inkompatibel und Gegensätze, während Weber Gewalt als legitimes Mittel und integralen Bestandteil staatlicher Herrschaftsausübung begreift.
Welche Rolle spielt die Bürokratie laut Max Weber für die Macht?
Für Weber ist die Bürokratie der moderne Machtträger, da sie auf exklusivem Fachwissen und dem Strukturprinzip von Berechenbarkeit und Hierarchie basiert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Was ist "Macht" nach Hannah Arendt? Ein Vergleich mit Max Webers Machtbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373281