Lehrende, die mit ihrer Klasse Uwe Timms „Die Entdeckung der Currywurst“ im Deutschunterricht behandeln wollen, stehen sowohl in literaturwissenschaftlicher als auch in -didaktischer Hinsicht relativ allein. Obwohl das Buch bereits vor über 10 Jahren erschienen und neben Timms Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“ sein erfolgreichstes ist und für den Literaturunterricht viele lohnende Ansatzpunkte und Aspekte zu bieten hat, gibt es verhältnismäßig wenige wissenschaftliche Publikationen zu diesem Werk. Der Lehrende ist also in besonderem Maße selbst gefordert.
In meiner Arbeit erkunde ich „Die Entdeckung der Currywurst“ erst aus literaturwissenschaftlicher Sicht, wobei ich auch einen kurzen Abriss des historischen Hintergrunds der Erzählung gebe und reflektiere dann über die Möglichkeiten dieser Lektüre und deren Umsetzung im Literaturunterricht. Diese Arbeit hat weder den Anspruch, eine vollständige Interpretation des Buches zu leisten noch die didaktischen und methodischen Möglichkeiten erschöpfend zu behandeln. Es kann sich, angesichts der gebotenen Kürze dieser Arbeit, lediglich um ausgewählte Gesichtspunkte und Reflexionen handeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Formale Aspekte
2.3. Motivische, symbolische und intertextuelle Aspekte
2.4. Historischer Hintergrund
3. Didaktische Reflexionen
3.1. Überlegungen zur Textauswahl und zu den Voraussetzungen der SchülerInnen
3.2. Methodische Zugangsmöglichkeiten zu ausgewählten Aspekten
4. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich das Ziel, Uwe Timms Erzählung „Die Entdeckung der Currywurst“ sowohl literaturwissenschaftlich zu analysieren als auch didaktische Möglichkeiten für deren Einsatz im Deutschunterricht der Sekundarstufe II zu reflektieren. Dabei wird insbesondere untersucht, wie historische Kontexte, motivische Verflechtungen und formale Erzählstrukturen das Verständnis des Werkes prägen.
- Literarische Gattungsbestimmung und Erzählstruktur
- Analyse zentraler Motive und Dingsymbole
- Intertextuelle Bezüge zu anderen Werken
- Historischer Hintergrund des Jahres 1945 in Hamburg
- Didaktische Konzepte zur produktionsorientierten Vermittlung
Auszug aus dem Buch
2.2. Formale Aspekte
Die Klassifizierung des Textes in die Gattung Epos kann als unumstritten angesehen werden. Schwieriger gestaltet sich die Einordnung des Textes in eine der Unterkategorien. Der Autor Uwe Timm macht zwar im Untertitel eine sehr konkrete Angabe, „Novelle“, doch ist diese Zuordnung wiederholt angezweifelt worden, so wie die Novellendefinition an sich ebenfalls erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere während des 19. Jahrhunderts, wurden viele Versuche unternommen, das Wesen der Novelle zu beschreiben, doch diese sind oft recht unterschiedlich ausgefallen und auch heute gilt die Diskussion über die Novelle und ihre Theorie noch keineswegs als abgeschlossen. Zögen wir beispielsweise das Metzler-Literaturlexikon zu Rate und mäßen Timms Text an vermeintlichen Novellen-Kriterien, die keine allgemein anerkannten Kriterien sind, dann brächte uns dies sowohl in sachlicher als auch in didaktischer Hinsicht nicht wesentlich weiter.
Hier erscheint mir Polheims Ansatz schlüssig, dass „ein fest bestimmter Novellenbegriff weder auf die historische Wirklichkeit zutraf, da sich die Novelle immerfort gewandelt hatte, noch auch einen Zugang zum einzelnen Kunstwerk vermittelte. Sollte man sich daher nicht entschließen, den Novellenbegriff aus einer engen Beschränkung auch theoretisch zu befreien, nachdem er praktisch seine Fesseln ohnehin gesprengt hatte? Der Novellenbegriff wäre dann nur als durchaus veränderlich und wandelbar aufzufassen. Neben ihm könnte frei der Begriff der Erzählung stehen, so dass man sich in Zukunft nicht mehr zu scheuen brauchte, von der deutschen Erzählung zu sprechen.“ Timms Zuordnung scheint mir allerdings in anderer Hinsicht interessant zu sein. Timm ist Germanist und sich der Diskussion um die Novellentheorie durchaus bewusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Auswahl des Werkes für den Deutschunterricht und skizziert das methodische Vorgehen bei der literaturwissenschaftlichen und didaktischen Untersuchung.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Zusammenfassung, untersucht formale Gattungsmerkmale, analysiert zentrale Motive und Symbole sowie intertextuelle Bezüge und beleuchtet den historischen Hintergrund des Jahres 1945.
3. Didaktische Reflexionen: Hier werden Überlegungen zur Schülereignung angestellt und konkrete methodische Zugänge sowie unterrichtspraktische Aufgabenstellungen zur Auseinandersetzung mit dem Werk entwickelt.
4. Schluss: Die Verfasserin resümiert ihre Ergebnisse und bestätigt die Eignung des Werkes für den zukünftigen eigenen Unterricht unter Einbeziehung einer kritischen Würdigung.
Schlüsselwörter
Uwe Timm, Die Entdeckung der Currywurst, Novelle, Literaturdidaktik, Sekundarstufe II, Erzählstruktur, Dingsymbolik, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Hamburg, Motivik, Intertextualität, produktionsorientierter Unterricht, Rezeptionsästhetik, Ästhetik des Alltags
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Uwe Timms Erzählung „Die Entdeckung der Currywurst“ unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten und entwickelt didaktische Szenarien für deren Einsatz im Deutschunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Gattungsanalyse, der Untersuchung von Motiven und Symbolen sowie der Einbettung der Erzählung in den historischen Kontext des Kriegs- und Nachkriegs-Hamburgs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die komplexe Struktur des Werkes zu gewinnen und zu zeigen, wie dieses erfolgreich und methodisch vielfältig in der gymnasialen Oberstufe vermittelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die durch didaktische Reflexionen und die Anwendung rezeptionsästhetischer Ansätze ergänzt wird.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Sachanalyse, die erzählerische, symbolische und historische Aspekte beleuchtet, sowie in didaktische Reflexionen zur Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Buchtitel die Gattung „Novelle“, der „historische Hintergrund“, „Erzählstruktur“, „Dingsymbolik“ und die „produktionsorientierte Literaturdidaktik“.
Warum spielt die Zahl „Sieben“ und „Drei“ eine Rolle im Text?
Diese Zahlen werden als „magische“ Elemente gedeutet, die die Erzählung durchziehen und Frau Brücker als eine Art Schicksalsgöttin oder Zauberin stilisieren.
Welche Funktion hat das „Reiterabzeichen“ als Symbol?
Es dient als wichtigstes Bindeglied zwischen der Liebesgeschichte von Frau Brücker und Bremer sowie der Erfindung der Currywurst und symbolisiert den pazifistischen Rückzug der Figuren.
Wie wird das Verhältnis von „Realität“ und „Fiktion“ bei Timm bewertet?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Timm autobiografische Anleihen nutzt, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen, dabei aber bewusst eine „neue Wirklichkeit“ erschafft, den sogenannten „wunderbaren Konjunktiv“.
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- Constanze Mey (Author), 2005, Uwe Timms "Die Entdeckung der Currywurst" - Sachanalyse und didaktische Reflexion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37329