Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem. Bedeutung für die Pflegewissenschaft und Anwendung in der Pflegepraxis


Hausarbeit, 2005

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin
2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege
2.2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits
2.2.3 Theorie der Pflegesysteme
2.3 Der Pflegeprozess
2.4 Typologisierung der Selbstpflegedefizittheorie
2.4.1 Das Metaparadigma der Pflege nach Fawcett
2.4.2 Die Denkschulen nach Meleis
2.5 Die Anwendung der Selbstpflegedefizittheorie
2.5.1 Die Anwendung in der Ausbildung
2.5.2 Die Anwendung in der Praxis
2.5.3 Pflegeforschung
2.6 Bedeutung und Kritik

3 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Im Gegensatz zu den USA und vielen europäischen Ländern steckt die Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland noch in den Anfängen. Die Entwicklung von Pflegetheorien hat in den USA schon eine längere Tradition und Pflegestudiengänge sind an den Universitäten etabliert.

Der Prozess der Professionalisierung und der Verwissenschaftlichung von Pflege hat in Deutschland gerade erst begonnen. Die Etablierung von Pflegestudiengängen hauptsächlich an Fachhochschulen, aber auch Universitäten ist in den letzten Jahren einen weiten Schritt vorangegangen. Damit ist die Grundlage für den wissenschaftlichen Diskurs geschaffen. Die Diskussion über die Nützlichkeit und Anwendbarkeit amerikanischer Pflegetheorien für die deutsche Pflege stellt einen aktuellen Diskussionspunkt dar.

Die Selbstpflegedefizittheorie von Orem ist in den USA, Belgien und Niederlanden und anderen Ländern weit verbreitet.

Die Bedeutung der Theorie für die deutsche Pflegewissenschaft und inwieweit sie in der Pflegepraxis angewendet wird, ist ein Thema dieser Arbeit.

In dieser Arbeit werden nach einem kurzen Abriss des beruflichen Werdegangs der Theoretikerin die Konzepte der Theorie vorgestellt. Der Pflegeprozess als wichtige, systematische Methode zur Problemlösung wird in einem eigenen Abschnitt behandelt. Die Einordnung in Typologien durch die Metatheoretikerinnen Fawcett und Meleis sind für die Analyse der Theorie von Bedeutung und werden deshalb ebenso behandelt.

Die Anwendung in Ausbildung, Praxis und Forschung spiegeln die Möglichkeiten eines Einsatzes der Selbstpflegdefizittheorie wieder und dokumentieren ihre Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit.

Die abschließende Zusammenfassung der Bedeutung und der diskutierten Kritikpunkte repräsentiert einen Ausschnitt aus dem derzeitigen Diskussionstand.

2 Hauptteil

2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin

Orem absolvierte die Krankenpflegeausbildung Anfang der dreißiger Jahre in Washington D.C. .1939 erwarb sie den „Bachelor of Science“ in Pflegebildung an der katholischen Universität von Amerika. Sie setzte ihr Studium fort und erhielt 1945 den „Master of science“.

Nach diesem Abschluss wirkte Orem als Direktorin der Krankenpflegschule des Providenz-Hospitals und Direktorin des Pflegedienstes des Krankenhauses in Detroit.

Von 1949 bis 1957 war sie als Beraterin der Gesundheitsbehörde im Bundesstaat Indiana tätig. Anschließend arbeitet sie zwei Jahre beim US-Gesundheitsministerium als Curriculum-Beraterin. Hier ging es um die Verbesserung der praktischen Ausbildung von Krankenschwestern.

1959 veröffentlichte Orem ihren Bericht „Guides for Developing Curricula for the Education of Practical Nurses“ (Ratschläge zur Curriculumentwicklung in der Krankenpflegeausbildung). In dieser Zeit entwickelte sie die Grundidee ihrer Selbstpflegedefizittheorie.

An die katholische Universität von Amerika kehrte sie 1959 als Professorin für Pädagogik der Krankenpflege zurück.

Orem arbeitete weiterhin an ihrer Konzeption von Pflege und veröffentlichte 1971 ihr grundlegendes Buch „Nursing: Concepts of Practice“ (Pflege: Konzepte für die Praxis). Ihr Buch wurde mehrfach in weiterentwickelten Fassungen aufgelegt. Für ihr Werk erhielt sie mehrere Ehrendoktortitel.

1970 gründete Orem ihre eigene Firma für Beratung im Bereich Pflege und Pflegeausbildung.

2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie

Orem arbeitete ihre Theorie über mehrere Jahrzehnte aus und entwickelte sie weiter. Orems Ziel war die Entwicklung und Systematisierung von Pflegewissen und somit die Forcierung der Professionalisierung der beruflichen Pflege.1 Außerdem wollte sie an der Konzeptualisierung der Pflegeausbildung mitwirken.2 Den Fokus ihrer Theorie richtet sie auf die Motivation und die Befähigung jedes Menschen für sich selbst zu sorgen.3 Sie unterstreicht damit die Autonomie des Menschen.

Orems konzeptueller Rahmen besteht aus drei miteinander in Beziehung stehenden Teilkonzepten.

1. Theorie der Selbstpflege
2. Theorie des Selbstpflegedefizits
3. Theorie der Pflegesysteme

2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege

In der Theorie der Selbstpflege erfasst Orem die Ausgangssituation und beschreibt wie Menschen sich pflegen, welche Bereiche es umfasst und durch was die Selbstpflege beeinflusst wird.

Selbstpflege definiert Orem als „Verhalten, das sich in konkreten Lebenssituationen auf das Selbst oder die Umwelt richtet, um diejenigen Faktoren zu regulieren, welche die eigene Entwicklung und Funktionalität im Interesse von Leben, Gesundheit oder Wohlbefinden beeinflussen“.4 Das Selbst ist nach Orem „das eigene ganzheitliche Wesen“.5

Ein weiterer Aspekt der Selbstpflege ist, dass sie bewusst und zielgerichtet ausgeführt wird.

Benötigt eine Person Hilfestellung bei der Durchführung der Selbstpflege, und wird dies durch Angehörige oder Bezugspersonen übernommen, spricht Orem von Abhängigenpflege. Hier gehören auch Kinder dazu, da sie naturgemäß noch nicht vollständig unabhängig sind.

Die Erfüllung des therapeutischen Selbstpflegebedarfs ist das Ziel der Selbstpflege und der Abhängigenpflege. Er ist Schwankungen unterworfen.

Der therapeutische Selbstpflegebedarf umfasst alle selbstpflegerischen Vorgänge, die durchgeführt werden um den Selbstpflegeerfordernisse zu genügen. Dies geschieht in einem begrenzten Zeitrahmen unter Einbezug von spezifischen Beschwerden und der aktuellen Lebenssituation.6

Orem formuliert drei Arten von Selbstpflegeerfordernissen: allgemeine, gesundheitsbedingte und entwicklungsbedingte.

Zu den allgemeinen Selbstpflegeerfordernissen gehören:

- angemessene Zufuhr von Nahrung, Flüssigkeit und Sauerstoff
- Körperpflege und Ausscheidungen
- Balance bei Aktivität und Ruhe; ausgeglichenes Verhältnis zwischen sozialer Interaktion und Alleinsein
- Vorsorge treffen gegen Gefahren für Wohlbefinden und Gesundheit
- Unterstützung der Gruppenintegration unter Einbezug des Strebens nach Normalität7

Gesundheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse sind:

- Beobachtung von Krankheitszeichen und der Effektivität von Behandlungen
- Sicherstellung von angemessener medizinischer Unterstützung
- korrekte Durchführung medizinischer Verordnungen
- Anpassung der Lebensweise und des Selbstbildes8

Abschließend die entwicklungsbedingten Selbstpflegeerfordernisse:

- ungestörter Ablauf der menschlichen Entwicklungsstadien
- nachteilige Auswirkungen von Lebensereignissen lindern bzw. verbessern9

Die Selbstpflegekompetenz meint das Vermögen eines Menschen zur Selbstpflege.10

Orem benennt zehn die Selbstpflegekompetenz beeinflussende, „grundlegende Einflussfaktoren.

1. Alter
2. Geschlecht
3. Entwicklungsstadium
4. Gesundheitlicher Zustand
5. Soziokulturelle Orientierung
6. Medizinische Diagnose und Behandlungsmodalitäten
7. Familiensystemische Faktoren
8. Lebensmuster
9. Umweltbedingungen
10. Verfügbarkeit und Angemessenheit von Ressourcen“11

Die grundlegenden Bedingungsfaktoren betonen die Besonderheiten jedes einzelnen Menschen und beeinflussen nicht nur den Selbstpflegenden, sondern auch professionell Pflegende und Bezugspersonen. Sie sind ein wichtiger Aspekt um individuell, fördernde Pflege zu ermöglichen.12

2.2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits

In diesem Teilkonzept „formuliert und entwickelt“ Orem „die Gründe, warum Menschen Pflege benötigen“.13

[...]


1 vgl. Schaeffer et al, S. 85

2 vgl. Cavanagh, S. 9

3 vgl. Schaeffer et al, S. 85

4 Orem (1991), S. 64, nach Fawcett, S. 294

5 Orem (1991), S. 117, nach Fawcett, S. 294

6 vgl. Fawcett, S. 294-296

7 vgl. Evers, S. 109

8 Ebenda

9 Ebenda

10 vgl. Evers, S. 105

11 Orem(1991), S. 136, nach Fawcett, S. 295-296

12 vgl. Dennis, S. 53

13 Orem (1997), S. 189, nach Dennis, S. 31

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem. Bedeutung für die Pflegewissenschaft und Anwendung in der Pflegepraxis
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V37337
ISBN (eBook)
9783638367103
ISBN (Buch)
9783638654029
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstpflegedefizittheorie, Orem
Arbeit zitieren
Ulrike Natour (Autor), 2005, Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem. Bedeutung für die Pflegewissenschaft und Anwendung in der Pflegepraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37337

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem. Bedeutung für die Pflegewissenschaft und Anwendung in der Pflegepraxis



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden