Stendhals Konzeption des Kolosseums in "Promenades dans Rome"


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das historische Kolosseum

3. Stendhals Kolosseum
3.1 Relevanz für Stendhal
3.2 Geschichte des Kolosseums
3.3 Das Bauwerk und sein Baustil

4. Vergleich
4.1 Vergleich von Stendhals Kolosseum mit dem historischen Kolosseum
4.2 Vergleich von Stendhals Bild vom Kolosseum mit dem aktuellen Bild vom Kolosseum

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Stadt Rom gilt bis heute als wichtiger Handlungsort für bedeutende literarische Werke. Stendhal, mit bürgerlichem Namen Henri Beyle, gilt als einer der wichtigsten französischen Schriftsteller, der Italien und die Stadt Rom zum Handlungsort seiner literarischen Werke wählte. Durch seine mehrmaligen langen Aufenthalte in der Metropole hielt er sich selbst für einen guten Romkenner. In seinem Werk Promenades dans Rome hält er sein Wissen und seine Erfahrungen über Rom in Form eines Reisetagebuchs fest.

„Ce n’est pas un grand mérite, assurément, que d’avoir été six fois à Rome“ (Stendhal 1983: 41). So beginnt Stendhal im Vorwort seiner Promenades dans Rome sich dem Leser als guten Romkenner vorzustellen. Er verspricht die Monumente der „Ville éternelle“ mit gründlicher Aufmerksamkeit studiert zu haben (vgl. Stendhal 1983: 41) und fügt hinzu:

Sans doute, il y aura des erreurs, mais jamais l’intention de tromper, de flatter, de dénigrer. Je dirai la vérité. Par le temps qui court, ce n’est pas un petit engagement, même à propos de colonnes et de statues. (Stendhal 1983: 42).

Er verspricht eine ausgesprochen detaillierte und ehrliche Beschreibung der Baudenkmäler. Dabei lege er mehr Wert auf den Informationsgehalt seines Werkes als auf die Eleganz seines Sprachgebrauchs:

Pour moi, j’ai cherché à indiquer le plus de faits possible. J’aime mieux que le lecteur trouve une phrase peu élégante, et qu’il ait, sur un monument, une petite idée de plus. Souvent, au lieu d’une expression plus générale, et par là moins dangereuse pour l’auteur, je me suis servi du mot propre. Rien ne choque davantage le bel usage du XIXe siècle. Mais je tiens au mot propre, parce qu’il laisse un souvenir distinct. (Stendhal 1983: 72).

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Konzeption des Kolosseums bei Stendhal in Promenades dans Rome. Um zu untersuchen, inwieweit Stendhals Versprechen, ein detailliertes und informationsreiches Wissen über die Bauwerke Roms zu vermitteln, das möglichst der Realität entspricht, von ihm eingehalten wurde, ist ein Vergleich zwischen dem historischen Wissen über das Kolosseum und Stendhals vermitteltem Wissen vonnöten.

In dieser Hausarbeit gehe ich der Frage nach, inwieweit Stendhals Konzeption als historisch korrekt erscheint und ob sein Werk noch heute als qualitativ hochwertige Literatur über das Kolosseum betrachtet werden darf.

Kapitel 2 stellt Grundlagenwissen über das Kolosseum dar, welches man im 21. Jahrhundert als historisch gesichert festhalten kann. In Kapitel 3 geht es um das von Stendhal vermittelte Bild vom Kolosseum. Dabei untersuche ich Stendhals persönliches Bild des Kolosseums und die Geschichte des Kolosseums, um anschließend auf das Bauwerk und seinen Baustil einzugehen. Im nachfolgenden Kapitel werden die historischen Fakten mit dem von Stendhal vermittelten Wissen verglichen. Hierbei findet im ersten Teilkapitel ein Vergleich zwischen den Fakten und im nachfolgenden Teilkapitel der Vergleich zwischen Stendhals persönlichem Bild mit dem Bild, das wir heute von dem Kolosseum haben, statt. In einem Fazit werden die wichtigsten Feststellungen zusammengefasst und Rückschlüsse in Bezug auf die oben vorgestellte Untersuchungsfrage gezogen.

2. Das historische Kolosseum

Das Kolosseum war in seiner Blütezeit der Schauplatz von brutalen und blutigen Gladiatorenkämpfen sowie von Tierhetzen. Heute ist das Bauwerk eine Ruine, die über die Jahrhunderte hinweg stark beschädigt wurde und nun in Trümmern liegt. „Das Colosseum ist die eindrucksvollste und berühmteste Ruine des klassischen Roms, ein Bauwerk, das für immer mit Tod und blutrünstigen Spektakel verbunden ist.“ (Connolly 2005: 7). Doch welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem gigantischen Bauwerk?

Der Bau des Kolosseums wurde von Kaiser Vespasian um ca. 70 n. Chr. in Auftrag gegeben (vgl. Connolly 2005: 29 und 39). Vespasian wollte durch den Bau von öffentlichen als von privaten Baudenkmälern Popularität im Volk erlangen (vgl. Connolly 2005: 29). Er beabsichtigte aus diesem Grunde die „Gärten von Neros Goldenem Haus der Allgemeinheit zugänglich zu machen“ (Connolly 2005: 29) indem er genau an dieser Stelle ein Amphitheater, nämlich das Kolosseum, bauen ließ. Seinen Namen hat das Bauwerk „nach populärer Ansicht“ (Connolly 2005: 32) von der Kolossalstatue Neros, welches nahe dem Kolosseum errichtet war. Doch auch die Ansicht, dass der Name von der gewaltigen Größe des Bauwerks stammt, wird vertreten (vgl. Connolly 2005: 32).

Beim Bau des „viergeschossige[n] Bauwerk[s]“ (Connolly 2005: 50) wurden hauptsächlich „drei Baumaterialien verwendet: Travertin, Beton und Backstein“ (Connolly 2005: 40). Es wurden viele Sklaven, aber auch ausgebildete Bauarbeiter und Handwerker wie auch Ingenieure beschäftigt (vgl. Connolly 2005: 42). Die einzelnen Stockwerke waren folgendermaßen gestaltet:

Das erste Stockwerk hatte dorische, das zweite ionische und das dritte korinthische Säulen. Das vierte Stockwerk war glatt gemauert und mit korinthischen Pilastern, flachen Halbsäulen, geschmückt“ (Connolly 2005: 50).

Mit seiner Höhe von 52 m, einer Längsachse von 188 m, einer Querachse von 156 m, einem Umfang von 527 m und einer Arenafläche von 54 m Breite und 86 m Länge, also insgesamt mit einer Fläche von 3357 m², gilt das Kolosseum als „das größte und vielseitigste Amphitheater der Antike“ (Connolly 2005: 34).

Es ist noch heute umstritten, wie viele Zuschauer in dieses gewaltige Amphitheater hineinpassten. Laut dem Archäologen von Gerkan bot das Kolosseum 45.000 Sitz- und noch weitere Stehplätze (vgl. Connolly 2005: 59). Nach der Überlieferung bot das Kolosseum über 87.000 Plätze, doch ist es unklar, ob das lateinische Wort locus als Platz oder Sitz übersetzt werden sollte. Aktuelle Schätzungen kreisen um die Anzahl von 50.000 Zuschauern (vgl. Connolly 2005: 59).

Um den Zuschauern Schutz vor den wilden Tieren zu gewähren, die in der Arena gehetzt und getötet wurden, war der Zuschauerbereich „von der Arena durch eine Marmorbarlustrade abgetrennt“ (Connolly 2005: 52f.). Um die Zuschauer zusätzlich von der Sonne zu schützen, war „das Colosseum mit einem riesigen Sonnensegel aus Leinwand (velarium) ausgestattet“ (Connolly 2005: 63). Dieses Sonnensegel wird folgendermaßen beschrieben:

Rund um das höchste Geschoss des Colosseums gibt es 240 vorspringende Konsolen, auf denen Masten, die durch rechteckige Öffnungen im Gesims eingelassen waren, auflagen. Das Takelwerk, mit dem das Sonnensegel gehalten wurde, war an diesen Masten befestigt. (Connolly 2005: 63).

Um 80 n. Chr. wurde das Kolosseum von Titus mit einer ausgiebigen Eröffnungsfeier eingeweiht (vgl. Connolly 2005: 49). Die Feierlichkeiten dauerten 100 Tage lang an und waren auf die gesamte Stadt verteilt (vgl. Connolly 2005: 133). Es fanden Gladiatorenkämpfe sowie Tierhetzen mit Löwen, Leoparden, Tigern, Wildschweinen und Bären statt (vgl. Connolly 2005: 135):

Wie viele Tiere am Eröffnungstag oder im Verlaufe der drei Monate dauernden Einweihungsfeiern getötet wurden, ist nicht überliefert, doch da es sich um ein so hochrangiges Ereignis handelte, muss die Zahl sehr hoch gewesen sein (Connolly 2005: 136).

Die Gladiatoren, die im Kolosseum bis zu ihrem Tod kämpften, waren meist Kriegsgefangene, Verbrecher und Sklaven (vgl. Connolly 2005: 68). Später begannen in der Regierungszeit von Domitian und danach in der Regierungszeit Trajans (98-117 n. Chr.) systematische Christenverfolgungen (vgl. Connolly 2005: 123), sodass Christen, aber auch Juden als Gladiatoren im Kolosseum ihr Leben lassen mussten, denn „die Weigerung beider Gruppen, die römischen Götter zu verehren, wurde als Verrat gewertet“ (vgl. Connolly 2005: 123).

Das Kolosseum wurde durch Brandfälle, Blitzeinschläge, Erdbeben und Plünderungen während der nächsten Jahrhunderte stark beschädigt (vgl. Connolly 2005: 154, 156 und 158). Im Jahre 523 diente das Kolosseum zum letzten Mal als Amphitheater (vgl. Connolly 2005: 160); so begannen die Ausplünderungen des Kolosseums schon vor dem Ende des 4. Jahrhunderts und in der Mitte des 5. Jahrhunderts diente es lediglich als Steinbruch (vgl. Connolly 2005: 158). Plünderungen fanden vermehrt statt, als im 6. Jahrhundert die Stadt Rom wiederaufgebaut und hierfür Baumaterial benötigt wurde (vgl. Connolly 2005: 160). Später kam es zu einem „systematischen Abriss des Baus, besonders an der Südseite, wo man bis zu 8 m tiefe Tunnel unter die Erde grub, sodass das Mauerwerk der Fundamente abgetragen werden konnte“ (Connolly 2005: 160).

Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts war die Zeit der Zerstörung vorüber. So wurde es 1744 vom Gouverneur von Rom verboten, das Gebäude zu beschädigen, und 1749 wurde es von Papst Benedikt XIV. geweiht und „aufgrund des dort vergossenen Märtyrerblutes für heilig“ erklärt (vgl. Connolly 2005: 166). So finden sich noch heute Pilger im Kolosseum ein, „um der christlichen Märtyrer zu gedenken, die hier vor fast 2000 Jahren für ihren Glauben gelitten und ihr Leben gelassen haben“ (Connolly 2005: 7).

3. Stendhals Kolosseum

In diesem Kapitel wird Stendhals Konzeption des Kolosseums untersucht und wiedergegeben. Hauptsächlich wird untersucht, was Stendhal über die Relevanz des Kolosseums für ihn selbst und zur Geschichte und Bedeutung des Kolosseums, zu dem Bauwerk an sich und seinem Baustil beiträgt.

3.1 Relevanz für Stendhal

Am 9. August 1827 schreibt Stendhal in seinem Reisetagebuch Promenades dans Rome, dass während seines sechsten Romaufenthalts sein erster Besuch dem Kolosseum galt (vgl. Stendhal 1983: 51). Er beschreibt das Kolosseum folgendermaßen:

C’est la plus belle des ruines; là respire toute la majesté de Rome antique. Les souvenirs de Tite-Live remplissaient mon âme; je voyais paraître Fabius Maximus, Publicola, Menennius Agrippa. (Stendhal 1983: 54)

Er identifiziert das Kolosseum sozusagen mit dem antiken Rom in seiner Ganzheit und verbindet mit ihm Erinnerungen an antike römische Schriften wie die von Titus Livius oder Fabius Maximus, was gleichzeitig auch eine Assoziation mit der Kultur des antiken Roms bedeutet. Demzufolge verkörpert das Kolosseum für Stendhal die antike Geschichte und Kultur Roms. Weiterhin vergleicht er das Kolosseum mit anderen Bauwerken wie Sankt Peter und Sankt Paul in London, doch er fügt hinzu: „jamais je n’ai rien rencontré de comparable au Colisée“ (Stendhal 1983: 54). Somit schreibt er gegenüber anderen Bauwerken dem Kolosseum eine einzigartige Bedeutung zu.

Er betont diese hervortretende Rolle mit den folgenden Zeilen:

Ailleurs, ces souvenirs pourraient être communs; pour le voyageur placé sur ces ruines, ils sont immenses et pleins d’émotions. (Stendhal 1983: 59)

Stendhal spricht von einer ausgesprochen intensiven Wirkung des Kolosseums, die mit der von Kunst und Musik vergleichbar ist:

Ces pans de murs, noircis par le temps, font sur l’âme l’effet de la musique de Cimarosa, qui se charge de rendre sublimes et touchantes les paroles vulgaires d’un libretto. (Stendhal 1983: 59)

Letztendlich gibt er auch zu, dass er der Schönheit des Kolosseums gänzlich verfallen ist und es liebt: „Quelle duperie de parler de ce qu’on aime!“ (Stendhal 1983: 60).

Stendhal fährt mit seinem Vergleich fort, indem er nun auch Bauwerke aus dem Orient dem Kolosseum gegenüberstellt:

Il faut chercher dans l’Orient, parmi les ruines de Palmyre, de Balbec ou de Pétra, des édifices comparables à celui-ci pour la grandeur; mais ces temples étonnent sans plaisir. (Stendhal 1983: 66f.)

Auch wenn diese Bauwerke laut Stendhal größer sind als das Kolosseum, sind diese „d’après d’autres règles de beauté, auxquelles nous ne sommes point accoutumés“ (Stendhal 1983: 67) konstruiert worden und deswegen „ils ne produiront jamais sur nous la même impression“ (Stendhal 1983: 67). Dies begründet er damit, dass diese Bauwerke im Orient für Stendhal – und andere Franzosen – Teil einer fremden Kultur sind. Im Gegensatz dazu konstatiert er:

„Le Colisée est sublime pour nous, parce que c’est un vestige vivant de ces Romains dont l’histoire a occupé toute notre enfance. L’âme trouve des rapports entre la grandeur de leurs entreprises et celle de cet édifice.“ (Stendhal 1983: 67)

Hier bringt Stendhal zur Geltung, dass die Geschichte und Kultur Roms ihm seit seiner Kindheit schon bekannt sind und er sich deshalb mit dem Kolosseum verbunden fühlt, weil dieses Gebäude ein Teil dieser ihm wohlbekannten Kultur ist. Von jemandem, dem diese Kultur nicht bekannt ist, „son âme sera peut-être moins préoccupée des Romains et de ce qu’ils ont fait sur la terre“ (Stendhal 1983: 69).

Er bringt seine persönliche Bindung zum Kolosseum folgendermaßen zum Ausdruck: „Que de matinées heureuses j’ai passées au Colisée, perdu dans quelque coin de ces ruines immenses!“ (Stendhal 1983: 68). Das Kolosseum ruft ein friedliches und freudvolles Gefühl in ihm auf, indem es ihm verhilft eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen:

Ce gazouillement paisible des oiseaux, qui retenit faiblement dans ce vaste édifice, et, de temps à autre, le profond silence qui lui succède, aident sans doute l’imagination à s’envoler dans les temps anciens. On arrive aux plus vives jouissances que la mémoire puisse procurer. (Stendhal 1983: 68).

Dies freudvolle Gefühl, welches das Kolosseums in ihm auslöst, erlaubt ihm eine Seelenstimmung, in der er die alltäglichen Dinge vergessen und sie auf einen späteren Augenblick verschieben kann: „Cette rêverie de Rome, qui nous semble si douce et nous fait oublier tous les intérêts de la vie active“ (Stendhal 1983: 70).

3.2 Geschichte des Kolosseums

Stendhal erläutert in seinem Werk, dass der Bau des Kolosseums von Kaiser Vespasian nach seiner Rückkehr aus Judäa mittels zwölftausend Kriegsgefangener begonnen wurde (vgl. Stendhal 1983: 61). Vespasian ließ das Kolosseum an den Teichen und Gärten Neros erbauen, jedoch konnte er den Bau nicht bis zu Ende bringen (vgl. Stendhal 1983: 61 und 63f.).

Das Kolosseum, welches als Amphitheater diente, wurde 80 n. Chr. von Titus eingeweiht (vgl. Stendhal 1983: 61). Die Einweihung des Amphitheaters beschreibt Stendhal folgendermaßen:

Lors de la dédicace du Colisée par Titus, le peuple romain eut le plaisir de voir mourir cinq mille lions, tigres et autres bêtes féroces, et près de trois mille gladiateurs. Les jeux durèrent cent jours. (Stendhal 1983: 61)

So gehörte es sich gemäß Stendhal Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe zur Einweihung eines Amphitheaters zu veranstalten (vgl. Stendhal 1983: 64). So wurden später auch viele Christen ins Kolosseum geschickt und starben dort den Märtyrertod. Auf diese Weise wollten die römischen Kaiser das Christentum bekämpfen (vgl. Stendhal 1983: 67). Seinen Namen verdanke das Bauwerk entweder seiner gewaltigen Größe und seiner kolossalen Höhe oder der Kolossalstatue von Nero, die neben dem Kolosseum aufgestellt wurde (vgl. Stendhal 1983: 64).

Weiterhin erzählt Stendhal von dem geschichtlichen Werdegang des Gebäudes, dass es im Jahre 526 von den Barbares de Totila teilweise zerstört worden sei. Die Steine waren durch Klammern aus Bronze miteinander verknüpft, die nun große Löcher aufweisen würden, da die Klammern von den Barbares de Totila entnommen worden seien (vgl. Stendhal 1983: 62). Und auch danach wurde das Bauwerk folgendermaßen weiter beschädigt:

Après Totila, cet édifice devint comme une carrière publique, où, pendant dix siècles, les riches Romains faisaient prendre des pierres pour bâtir leurs maisons, qui, au Moyen Age, étaient des forteresses. Encore en 1623, les Barberini, neveux d’Urbain VIII, en tirèrent tous les matériaux de leur immense palais. (Stendhal 1983: 62)

Allerdings wurde es nicht komplett zerstört, da „cet édifice fut donc en grand vénération dans le Moyen Age“ (Stendhal 1983: 67).

Die antike Baukunst, folglich auch das Kolosseum, beeinflusste die spätere christliche Baukunst. So ließ sich beispielsweise Michelangelo beim Entwurf der Peterskuppel von der antiken Bauweise des Kolosseums inspirieren:

Lorsqu’il travaillait à cette église, Michel-Ange, déjà très vieux, fut trouvé, un jour d’hiver, après la chute d’une grande quantité de neige errant au milieu des ruines du Colisée. Il venait monter son âme au ton qu’il fallait pour pouvoir sentir les beautés et les défauts de son propre dessin de la coupole de Saint-Pierre. Tel est l’empire de la beauté sublime; un théâtre donne des idées pour une église. (Stendhal 1983: 63)

„Ce dernier reste encore vivant du plus grand peuple du monde“ (Stendhal 1983: 60), so beschreibt Stendhal in seiner aktuellen Verfassung das Kolosseum als schöner als zu Zeiten seines höchsten Glanzes, denn „ce n’était qu’un théâtre, aujourd’hui c’est le plus beau vestige du peuple romain“ (Stendhal 1983: 60). Hier kommt zur Geltung, dass zwar das Bauwerk an sich in Trümmern liegt, doch seine kulturelle Bedeutung deutlich gestiegen ist.

3.3 Das Bauwerk und sein Baustil

Stendhal beschreibt die Maße des Bauwerks folgendermaßen:

Le monde n’a rien vu d’aussi magnifique que ce monument: sa hauteur totale est de cent cinquante-sept pieds, et sa circonférence extérieure de mille six cent quarante et un. L’arène où combattaient les gladiateurs a deux cent quatre-vingt-cinq pieds de long sur cent quatre-vingt-deux de large. (Stendhal 1983: 61)

Dieses gewaltige Theater hat eine ovale Form, wobei es auf seiner Nordseite erhalten geblieben ist, jedoch auf seiner Südseite zerstört wurde, da es jahrelang als Steinbruch diente (vgl. Stendhal 1983: 61) und deswegen stets ausgebessert werden muss (vgl. Stendhal 1983: 58). Insgesamt 107.000 Zuschauer, davon 87.000 von Sitzplätzen und weitere 20.000 von Stehplätzen aus, konnten „la physionomie des gladiateurs mourants“ [genießen] und „les moindres détails du combat“ beobachten (vgl. Stendhal 1983: 66).

Der Baustil des Kolosseums sei einfach gehalten, es bestehe fast vollständig aus Travertinblöcken (vgl. Stendhal 1983: 64) und dabei sei auf „petits ornements jolis et mequins“ (vgl. Stendhal 1983: 65) komplett verzichtet worden. Weiterhin beschreibt er das Bauwerk folgendermaßen:

La façade extérieure décrit une ellipse immense; elle est décorée de quatre ordres d’architecture: les deux étages supérieurs sont formés de demi-colonnes et de pilastres corinthiens; l’ordre du rez-de-chaussée est dorique, et celui du second étage ionique. Les trois premiers ordres se dessinent par des colonnes à demi engagées dans le mur, comme au nouveau théâtre de la rue Ventadour. (Stendhal 1983: 61)

Die Arena, also der Platz, wo die Spiele stattfanden, war mit Sand bedeckt. Sie war ursprünglich zehn Fuß tiefer und von einer hohen Mauer umgeben, um für die Zuschauer Sicherheit vor den wilden Tieren zu gewährleisten (vgl. Stendhal 1983: 65f.). Außerdem bot das Kolosseum mittels Sonnensegel, die Stendhal folgendermaßen beschreibt, Schutz vor der Sonne:

On distingue, au-dessus des fenêtres de l’étage le plus élevé, des trous dans lesquels on suppose que s’enchâssaient les poutres du velarium. Elles supportaient des poulies et des cordes, à l’aide desquelles on manœuvrait une suite d’immenses bandes de toile qui couvraient l’amphithéâtre et devaient garantir les spectateurs de l’ardeur du soleil. (Stendhal 1983: 66)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Stendhals Konzeption des Kolosseums in "Promenades dans Rome"
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V373396
ISBN (eBook)
9783668508873
ISBN (Buch)
9783668508880
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zitate aus dem Originalwerk (Französisch)
Schlagworte
Stendhal Kolosseum Italienreise
Arbeit zitieren
Incinur Cakir (Autor), 2016, Stendhals Konzeption des Kolosseums in "Promenades dans Rome", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373396

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