Medien oder Parlament - Interaktion und Einflussgrößen


Seminararbeit, 2005

30 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Veränderung der medialen Gesellschaft und der Bonner Parlamentarismus

II. Medien und Politik in Interaktion

1. Funktionen der Medien
1.1. Informations- und Meinungsbildungsfunktion
1.2. Kritik- und Kontrollfunktion

2. Medienlogik

3. Gegenseitige Abhängigkeit zwischen Medien und Politik

4.1. Wer bestimmt die politische Agenda? (Drei Modelle nach Alemann)
4.1.1 Top-Down Modell
4.1.2. Mediokratie Modell
4.1.3. Bottom-Up Modell

5. Reaktionen der Parteien
5.1. Strategie der Politischen Parteien

6. Politainment

7. Wahlkampf in einer medialen Gesellschaft
7.1. Geschichtlicher Einblick in den Wahlkampf
7.2. Professionalisierung des Wahlkampfes
7.2.1. Amerikanisierung des Wahlkampfes
7.3. Personalisierung im Wahlkampf
7.4. TV-Duell als Beispiel für Personalisierung

III. Fazit

I. Veränderung der medialen Gesellschaft und des Bonner Parlamentarismus

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich seit 1949 stark verändert. Traditionelle Bindungen von früher gelten heute weniger, gesellschaftliche Institutionen wie Parteien und Kirche verlieren an Einfluss.

Die Gesellschaft individualisiert sich immer weiter und stellt damit das politische System vor veränderte Bedingungen. Doch wie sieht das genau aus?

Kann die Vermittlung von Politik heute noch genauso vor sich gehen wie es vielleicht vor 20 Jahren der Fall war oder muss die Politik speziell das Parlament heute im Bereich der Kommunikation neue Wege gehen?

Im Gegensatz zum Bonner Parlament, das für seine mangelnde Transparenz der Entscheidungen und für die fehlende Teilhabe des Volkes kritisiert wurde, sieht die Situation im Berliner Parlament anders aus. Die Bürger haben aufgrund der Glaskuppel direkten Einblick in den Reichstag und was darin abläuft. Die Zuschauer bekommen also das Gefühl, dass sie direkt bei den Entscheidungen dabei sind. Zudem kam in Bonn auch Kritik im Bezug auf die schwache Stellung des Parlaments gegenüber der Exekutiven auf. Die Exekutive kontrollierte, zensierte und kritisierte nicht selten Äußerungen und Entscheidungen der Abgeordneten.

Ein weiteres Problem bis Mitte der 90er ergab sich durch die begrenzten elektronischen Informations- und Kommunikationssysteme. Die Abgeordneten konnten dadurch kaum informiert und effektiv ihren Verfassungsauftrag wie zum Beispiel die Gesetzgebung oder die Regierungskontrolle wahrnehmen. ( Lange, 1988)

Gleichzeitig hat der Umzug der Berliner Regierung im Bereich der Wahlkampfführung Veränderungen mit sich gebracht, vor allem in Bezug auf die Normalität der publizistischen Erörterung privater Details aus dem Leben der Politiker. Dazu gehören der „Rosenkrieg“ Gerhard Schröders und seiner Ex-Frau Hiltrud bzw. die Entdeckung seiner ihm bislang unbekannten Cousinen, die Suche nach dem Grab seines Vaters, sowie die Auseinandersetzungen zwischen Rudolf Scharping und seiner Frau. Egal, ob es sich um das Kind der Kanzlergattin, um die Eheprobleme des Bundesaußenministers, um die bestimmten Hobbys von Ministern oder aber auch um das Outing K.Wowereits handelt, „Life style politics“ (Vogt, S. 142) sind, insbesondere in Berlin, zu einem konkreten Faktor im harten Wahlkampfgeschäft geworden. (Vogt, 2002)

II. Medien und Politik in Interaktion

1. Funktionen der Medien

Die Medien haben folgende Funktionen: Die Vermittlung von Politik, sowie die öffentliche Darstellung und Rechtfertigung politischen Handelns, welche die Voraussetzung und Grundlage für die freie Meinungsbildung sind.

1.1. Informations- und Meinungsbildungsfunktion

Die Medien sollen öffentliche Ereignisse und politische Zusammenhänge verständlich machen und präsentieren, damit die Bürger die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge verstehen (http://www.bpb.de/publikationen/0430950255807611 2983648580539468,1,0,Funktionen_der_Massenmedien_in_der_Demokratie.html#art1).

Des Weiteren dienen Medien als Sprachrohr der Politik, um die öffentliche Diskussion in Gang zu halten. Sie lassen den Bürger am demokratischen Leben teilhaben, indem sie über politisches Geschehen informieren und Sachwissen vermitteln.

Die Meinungsbildung hängt von persönlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlicher Kommunikation ab. Meinungen bilden sich nicht aufgrund von Wirklichkeitserfahrung , sondern von Wirklichkeitsvermittlung durch die Medien.

So sind die Möglichkeiten am Meinungsbildungsprozess teilzunehmen, in der politischen Praxis unterschiedlich verteilt. Die in den Parlamenten vertretenen Parteien, wie die Gewerkschaften und Unternehmerverbände u. a. haben bessere Aussichten, in den Massenmedien Beachtung zu finden, als ethnische und politische Minderheiten (http://www.bpb.de/publikationen/04309502558076112983648580539468,2,0,Funktionen_der_Massenmedien_in_der_Demokratie.html#art2).

1.2. Kritik- und Kontrollfunktion

Die Parlamentarische Demokratie wird vor allem durch Opposition kontrolliert. Unterstützt und ergänzt wird diese durch die Kritik- und Kontrollfunktion der Medien. Sie sprechen Kritik aus gegenüber Regierungen, politischen Akteuren und Parteien. Dadurch haben sie einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung der Bevölkerung. Gäbe es diese Funktion nicht, so liefe die Regierung Gefahr, der Korruption oder Bürokratie zu erliegen (http://www.bpb.de/publikationen/04309502558076112983648580539468,3,0,Funktionen_der_Massenmedien_in_der_Demokratie.html).

2. Medienlogik

Das leitende Medium im Mediensystem ist das Fernsehen. Die Handlungslogik wird durch einen einfachen Grundsatz geleitet. Alles was die Einschaltquoten in die Höhe treibt, gefällt. Aufgrund dessen besteht ein harter Konkurrenzkampf unter den Sendern. Denn sie versuchen mit modernsten Methoden herauszufinden, was zurzeit bei den Zuschauern besonders gut ankommt.

Es kommt zu einer Spezialisierung auf immer kleinere Zielgruppen, um Gewinn zu erzielen. Die Sender sind nicht mehr primär dazu da, einen kulturellen Auftrag zu erfüllen. Sie sollen nun den höchstmöglichen Profit erbringen. In Folge dessen nimmt die Politikorientierung der Sender ab. Denn Nachrichten, die journalistisch fundiert und aufwendig recherchiert werden, sind teurer zu produzieren als Service-Sendungen oder Talkformate und ergeben keine hohen Einschaltquoten, wie z. B. Sportsendungen. Sie decken dementsprechend nicht die Investitionskosten. Deshalb macht der politische Anteil der Nachrichten bei den großen Privatsendern wenig aus. Bei RTL sind es 25% und bei Sat1 27% inklusive der Auslandsnachrichten (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,2277680,00.html).

Das inhaltliche Handeln und Entscheiden der politischen Akteure spielt immer weniger eine Rolle. Medien können von überall sofort und live berichten. Das führt dazu, dass stark ereignisbezogen und sensationsorientiert berichtet wird.

Durch den Aktualitätsdruck haben die Journalisten kaum Gelegenheit, die Informationen zu überprüfen. Die Nachricht muss sofort gebracht werden, aufgrund des starken Konkurrenzdruckes.

Der Wert einer Nachricht wird gesteigert durch Berichte über Konflikte oder durch die Miteinbeziehung von prominenten Personen. Deshalb haben die politischen Akteure gelernt, sich mit der Mediengesellschaft zu arrangieren. Denn wenn sie sich dem Mediensystem unterwerfen, drohen sie die Regeln ihres eigenen Systems zu brechen. Halten sie sich jedoch zu sehr an ihre Regeln, droht ihnen der Aufmerksamkeitsentzug der Medien.

Deshalb werden die Terminierungen politischer Ereignisse so gelegt, dass sie in den Produktionsablauf der Medien passen, sprich zu günstigen Zeiten, wie am Vormittag. Es wird sogar so weit gegangen, dass man Journalisten bei Parteitagen Regiebücher in die Hand gibt.

Des Weiteren gibt es das „News Management“. Dies ist ein Versuch das Timing der Veröffentlichungen zu bestimmen. Es gibt so genannte Pseudoereignisse. Ereignisse, die nur für die Medien veranstaltet werden.

Bsp.: Prominente Politiker sprechen häufig nur zu den Themen, die im Sinne der eigenen politischen Interessen sind oder Anlass bieten, die politischen Vorschläge des Gegners zu entwerten (Massing et al., 2004).

3. Gegenseitige Abhängigkeit zwischen Medien und Politik

Eine prominente These besagt, dass die Politik von der massenmedialen Darstellung abhängig ist. Es trifft zu, dass die Politik die Vermittlungsleistung der Massenmedien braucht, z. B. wenn wieder einmal eine wichtige Reform eingebracht werden soll. Andererseits instrumentalisiert die Politik die Medien aber auch für ihre Zwecke. Zum Beispiel, indem Wahlparteitage wie eine Oscar-Filmpreisverleihung inszeniert werden, um mehr Medienaufmerksamkeit zu erlangen.

Die Medien können politische Prozesse durch Meinungsäußerungen und Kommentare beeinflussen, indem sie bestimmte Themen und Positionen stark machen und dadurch politischen Handlungsdruck erzeugen (Massing et al., 2004, S. 43 ff).

In dem Kontext stellt sich die Frage, wer die politische Agenda überhaupt bestimmt. Hierzu hat Alemann drei Modelle entworfen. Das Top-down-, Mediokratie- und Bottom-up-Modell.

4.1. Drei Modelle nach Alemann

4.1.1 Top-down:

Bei dem Top-down-Modell, bilden die Politiker die oberste Stufe der Hierachie. Sie fällen die Entscheidungen, indem sie Haushalte verabschieden, Gesetze machen, Subventionen geben uvm. Sie bilden eine politische Agenda, die sie an die Medien nach unten weiter vermitteln.

Die Medien vermitteln diese Agenda dann weiter nach unten an das allgemeine Publikum (http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_1.htm).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_1.htm

4.1.2 Mediokratie-Modell:

Bei dem Mediokratie-Modell spielen die Medien die Hauptrolle. Sie bestimmen die politische Agenda gegenüber den Politikern nach „oben“ und gegenüber dem Publikum nach „unten“. Und zwar beobachten sie die reale Welt, erfassen sie und leiten die Informationen an beide Gruppen weiter.

Die Medien machen aus sachlicher Information Unterhaltung und sie personalisieren die Politik (http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_2.htm).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_2.htm

4.1.3 Bottom-up-Modell:

Hier geht alle Macht vom Volk aus. Das Publikum bestimmt die politische Agenda. Die Medien werden dazu benutzt, um die Politik indirekt zu erreichen. Das Publikum reflektiert die Wirklichkeit, die von der Politik geschaffen wird. Daraus entstehen wiederum Erwartungen des Publikums an die Politik (http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_3.htm)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: http://www.dadalos-d.org/deutsch/parteien/Grundkurs3/modell_3.htm

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Medien oder Parlament - Interaktion und Einflussgrößen
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Das System der Bundesrepublik Deutschland
Note
bestanden
Autoren
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V37354
ISBN (eBook)
9783638367271
ISBN (Buch)
9783640233823
Dateigröße
2506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hinweis zur Zitierweise: Keine Seitenzahlangaben bei den Zitaten [also z.B. "Müller, 2002"]
Schlagworte
Medien, Parlament, Interaktion, Einflussgrößen, System, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Franziska Maresch (Autor)Arzu Aldemir (Autor), 2005, Medien oder Parlament - Interaktion und Einflussgrößen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37354

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