Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Verständnis von Leiden und Erlösung im Christentum und im Buddhismus und soll erörtern, inwiefern Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen in Hinblick auf diese beiden zentralen Begriffe bestehen. Die Arbeit ist übergreifend in drei Teile gegliedert und beginnt mit den Ausführungen zum Christentum, gefolgt von den Ausführungen zum Buddhismus, sodass sie mit einem vergleichenden Teil abschließt. Alle drei Teile sind in sich identisch aufgebaut und unterteilt in zwei große Unterkapitel: Leiden und Erlösung. Zu Beginn des ersten Kapitels, das sich mit dem Thema Leiden beschäftigt, wird der Frage nach der Art des Leidens nachgegangen, woraufhin die Ursache des Leidens folgt und schließlich eine Deutung das Kapitel beendet.
In diesem ersten Kapitel wird versucht zu erörtern, welche Arten von Leiden es in der jeweiligen Religion gibt, wie das Leiden verstanden und erfahren wird und welche Ursache das Leiden an sich hat. Es wird versucht, eine Antwort auf die Frage nach der Wurzel des Leidens bzw. dem Sinn des Leidens in der Welt zu finden und wie das Leid in die Welt gekommen ist. Der zweite Teil, der das Thema der Erlösung behandelt, beschäftigt sich mit den Vorbereitungen auf die Erlösung nach dem Verständnis der jeweiligen Religion und endet mit dem Versuch einer Definition von Erlösung bzw. des jeweiligen heilvollen Zustandes und was darunter zu verstehen ist. Der dritte und letzte große Teil der Arbeit stellt in Form eines Fließtextes die wesentlichen Aspekte des Vergleiches dar. Trotz der dort nicht mehr vorhandenen Unterteilung in die einzelnen Unterkapitel, ist auch dieser letzte Teil thematisch identisch aufgebaut, sodass die Arbeit mit einem abschließenden Fazit endet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hinführung: Christentum
2.1 Leiden
2.1.1 Arten des Leidens
2.1.2 Ursache
2.1.3 Deutung
2.2 Erlösung
2.2.1 Vorbereitung auf die Erlösung
2.2.2 Das Reich Gottes/ Ewiges Leben
3. Hinführung: Buddhismus
3.1 Leiden
3.1.1 Arten des Leidens
3.1.2 Ursache
3.1.3 Deutung
3.2 Erlösung
3.2.1 Vorbereitung auf die Erlösung
3.2.2 Nirvana
4. Ein christlich- buddhistischer Vergleich
4.1 Leiden
4.2 Erlösung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis von Leiden und Erlösung im Christentum sowie im Buddhismus, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden Weltreligionen in Bezug auf die genannten zentralen Begriffe aufzuzeigen.
- Phänomenologie und Arten des Leidens in beiden Religionen
- Ursachenforschung: Von Sündenfall bis hin zu Begierde und Nichtwissen
- Wege zur Erlösung: Heil durch Gnade versus Selbstbefreiung
- Vergleichende Analyse des Heilsbegriffs: Reich Gottes und Nirvana
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Arten des Leidens
Schon im Alten Testament, das Grundlage der jüdischen Religion ist, klagt Hiob über die Vergänglichkeit der Welt und des Menschen (Hi 14, 1-5). „Das Leiden ist das natürliche Schicksal der Vergänglichkeit.“ Wenn es also einen Zustand des Leidens, einen „leidvollen Zustand“ gibt, so muss es auch einen „leidfreien Zustand“ gegeben haben; einen Zustand, der vor diesem nun leidvollen Zustand lag und somit „ein Urzustand […], in dem das Leiden nicht vorhanden war.“ Demnach findet zu einem bestimmten Zeitpunkt ein „Übergang von dem leidfreien in den leidvollen Zustand“ statt, dessen Auslöser die vom Menschen begangenen Sünden sind.
Auch im Neuen Testament lassen sich zahlreiche Belege von leidvollen Erfahrungen finden, u.a. bei Paulus (2. Kor 11, 23-27). Solche Erfahrungen natürlichen Leidens sind folglich nach christlichem Verständnis reine menschliche Empfindungen. Das Entscheidende im Christentum ist jedoch eine andere Art von Leiden, was uns zum übernatürlichen Leiden führt. Das übernatürliche oder religiöse Leiden bezieht sich auf religiöse Empfindungen und somit auf mehr als nur auf „allgemein- menschliche Empfindungen“. Diese religiösen Empfindungen sind Teil anderer Realitäten, als die der natürlichen Realität, in der das natürliche Leid wurzelt. „Was vielmehr in der Erfahrung des religiösen Leides vorausgesetzt ist, ist religiöses Empfinden selbst, ein eigener ‚Sinn‘ für Wirklichkeiten, die aus den Beziehungen der Menschenseele zu Gott (denn das ist Religion) erwachsen.“ Es ist das Gefühl der „Gottferne, der Gottwidrigkeit […] und [das] Bewusstsein, Gottes Majestät in ihrer heiligen Reinheit durch das eigene ‚sündhafte‘ Wesen beleidigt zu haben.“ Es ist infolgedessen das „Leid des unversöhnten Menschen“ bzw. das „‚Sündenleid‘ – und Sünde ist jene Realität, die nur für religiöse Menschen existiert.“ Auch für dieses religiöse Leiden liefert Paulus im Neuen Testament Belege (vgl. u.a. Röm 7, 24). Ebenso wie für das natürliche Leiden spielt auch für das übernatürliche Leiden die Sünde eine zentrale Rolle. Denn für das übernatürliche Leiden gilt: nur, wer sich seiner Sünden bewusst ist, ist in der Lage eine solche Erfahrung des Leidens zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die methodische Gliederung und Zielsetzung des Vergleichs von Leiden und Erlösung in den zwei untersuchten Weltreligionen.
2. Hinführung: Christentum: Dieses Kapitel analysiert das christliche Verständnis von natürlichem und übernatürlichem Leiden sowie die Vorbereitung auf die Erlösung im Reich Gottes.
3. Hinführung: Buddhismus: Der Text beleuchtet das buddhistische Verständnis des Leidens im Rahmen der Vier Edlen Wahrheiten und führt das Nirvana als Ziel der Erlösung ein.
4. Ein christlich- buddhistischer Vergleich: Hier werden die erarbeiteten Aspekte gegenübergestellt, um die fundamentalen Unterschiede in der Interpretation von Sündhaftigkeit, Erlösungssehnsucht und der Rolle des Leidens hervorzuheben.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ähnlichkeiten und die tiefgreifenden Unterschiede der beiden Religionen zusammen und zeigt Potenzial für weiterführende Studien auf.
Schlüsselwörter
Leiden, Erlösung, Christentum, Buddhismus, Sündenfall, Nirvana, Reich Gottes, Religion, Weltreligionen, Sündenleid, natürliches Leiden, Erleuchtung, Christus, Buddha, Schuld.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Religionsstudium, das die Konzepte von Leiden und Erlösung im Christentum und im Buddhismus gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definitionen von Leid, die zugrundeliegenden Ursachen (wie Sünde vs. Begierde) und die jeweilige religiöse Vorstellung von einer Erlösung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen herauszuarbeiten und zu erörtern, wie der jeweilige Glaube den Menschen aus der leidvollen Erfahrung zur Erlösung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, die auf der Analyse theologischer Literatur und religiöser Grundbegriffe beider Religionen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Hinführung zu beiden Religionen, unterteilt in die Aspekte Leiden und Erlösung, gefolgt von einem abschließenden, vergleichenden Analyseteil.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sündenleid, das Reich Gottes, das Nirvana, das natürliche Lebensverlangen und die Versöhnung mit dem Transzendenten charakterisiert.
Warum spielt die Sünde im Christentum eine so zentrale Rolle im Vergleich zum Buddhismus?
Im Christentum ist Leiden eng mit der Sündhaftigkeit und der Entfremdung von Gott verknüpft, während im Buddhismus das Nichtwissen und das Anhaften an die Welt die primären Ursachen für das Leid darstellen.
Welcher Unterschied besteht zwischen dem Reich Gottes und dem Nirvana?
Während das Reich Gottes eine ewige Gemeinschaft mit Gott darstellt, wird das Nirvana als ein leidfreier Zustand des Verlöschens bzw. der Leere beschrieben.
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- Vera Eiden (Author), 2017, Leiden und Erlösung. Ein christlich-buddhistischer Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373576