In der folgenden Arbeit soll erörtert werden, welche Anforderungen an den Lehrerberuf im Laufe der Zeit bestanden und welche Anforderungen in der heutigen Zeit bestehen.
Es wird ein Blick auf die verschiedenen Gruppen geworfen, die Anforderungen an Lehrer und Lehrerinnen stellen. Wer stellt überhaupt Anforderung und wie sehen diese aus? Welche Personengruppen oder Institutionen sind eng genug mit der Lehrkraft verknüpft, so dass sie in der Lage sind, Anforderungen zu stellen? Was macht (k)einen guten Lehrer aus? Und kann ein Lehrer alle Anforderungen realisieren? Außerdem wird auf das Lehrerbild des Soziologen Talcott Parson eingegangen. Welche Anforderungen stellt Parson an einen Lehrer und in welchen Systemen handelt er? Zum Schluss wird der Frage nachgegangen, welche Belastungen im Lehrerberuf auf die Lehrerinnen und Lehrer zukommen und ob es eigentlich sinnvoll (und gesund) ist, allen Anforderungen gerecht werden zu wollen. Zeitstress, Unterrichtsstörungen, Schüler und deren Eltern und auch die Bürokratie gehören zu den vielen Belastungen der Lehrer und so stellt sich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, alle an eine Lehrkraft gestellten Anforderungen umzusetzen.
Im Laufe der Arbeit soll versucht werden, auf die gestellten Fragen eine Antwort zu finden. Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert und beginnt mit den Anforderungen an den Lehrerberuf, woraufhin kurz die strukturfunktionalistische Systemtheorie nach Parson und dessen Anforderungen an den Lehrer folgen. Im letzten Schritt wird auf die Belastungen, die im Lehrerberuf entstehen, und mögliche Bewältigungsstrategien eingegangen, so dass die Arbeit mit einem abschließenden Fazit endet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Lehrerberufs und dessen Anforderungen
2.1 Die Anforderungen des Staates
2.2 Die Anforderungen der Schüler und deren Eltern
2.3 Die Anforderungen aus Sicht der Forschung
3. Der Lehrerberuf nach Parson
4. Die Belastung durch den Lehrerberuf - Arbeitsökonomie und Gesundheit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Anforderungen an den Lehrerberuf im historischen Wandel sowie deren Auswirkungen auf die Belastungssituation und Gesundheit von Lehrkräften, unter Einbezug soziologischer Perspektiven.
- Historische Entwicklung des Lehrerbildes
- Staatliche und gesellschaftliche Erwartungshaltungen
- Die strukturfunktionalistische Systemtheorie nach Talcott Parson
- Belastungsfaktoren im Schulalltag und Arbeitsökonomie
- Gesundheitsprävention und Bewältigungsstrategien für Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
2. Die Entwicklung des Lehrerberufs und dessen Anforderungen
Die Anforderungen an den Lehrerberuf haben sich mit der Zeit so stark verändert, wie das Lehrerbild selbst. Von der Nachkriegszeit bis weit in die 60er Jahre galt der Lehrerberuf als eine Art Statussymbol, deren Autorität dem Amt an sich inne Lag (vgl. Gudjons 2006, S. 160). Bis in die 70er Jahre wurde „dem Lehrerberuf und der Lehrerbildung viel Beachtung geschenkt“ (Terhart 2001, S. 7). „Die politischen 1968er“ (Herzmann/ König 2016, S. 26) führten jedoch zu einem Wandel. Die gesellschaftlichen Ansprüche stiegen. Es kam vermehrt die Erwartungshaltung auf, dass der Lehrer nicht nur für die Vermittlung von Wissen sondern auch für die Erziehung der Schüler verantwortlich war. Zu den Aufgaben der Lehrer und Lehrerinnen gehörte nun auch die Aufgabenbewältigung in Bezug auf außerschulische Probleme und Schwierigkeiten (vgl. Gudjons 2006, S. 161). Zugleich stiegen auch die didaktischen Anforderungen aufgrund steigender Schülerzahlen (ebd., S.161). Die Anforderungen an Lehrkräfte reichten somit vom „gleichzeitigen Anspruch der Förderung und der Auslese über Stoffvermittlung, Erziehung, Motivierung, Disziplinierung, Individualisierung bis hin zur Steuerung von Gruppenprozessen“ (vgl. ebd., S. 161). In dieser Zeit zielte „das neue Leitbild des jungen Lehrers […] darauf ab, sich selbst und seine Schüler zur Emanzipation aus gesellschaftlichen Zwängen zu befreien“ (Herzmann/ König 2016, S. 26.). In den 80er Jahren folgte ein Aufschwung der Bedeutung des Lehrerbildes. So wurde die Lehrkraft zum „Beziehungsarbeiter“ (Gudjons 2006, S. 163) mit der Funktion des Werteträgers und –vermittlers, also einem Vorbild. Um guten Unterricht gelingen zu lassen, wurde somit auf eine gute Beziehung zwischen Lehrern und Schülern gesetzt (vgl. ebd., S. 163). Da in dieser Zeit verstärkt der Blick auf der Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit lag, beschäftige man sich in den 90er Jahren mit den Kompetenzen, die ein guter Lehrer haben sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der wandelnden Anforderungssituation im Lehrerberuf, das systemtheoretische Lehrerbild nach Parson sowie die resultierenden Belastungen.
2. Die Entwicklung des Lehrerberufs und dessen Anforderungen: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel vom Statussymbol hin zum Beziehungsarbeiter und Fachexperten nach und analysiert die Erwartungen von Staat, Eltern und Schülern.
3. Der Lehrerberuf nach Parson: Hier wird die strukturfunktionalistische Systemtheorie von Talcott Parson angewandt, um Lehrer als Funktionsträger im sozialen Gesamtsystem und als Akteure in komplementären Rollenbeziehungen zu beschreiben.
4. Die Belastung durch den Lehrerberuf - Arbeitsökonomie und Gesundheit: Das Kapitel beleuchtet Stressursachen im Lehrberuf und zeigt Möglichkeiten der Gesundheitserhaltung durch Arbeitsökonomie und veränderte Einstellungen auf.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über den Wandel des Lehrerbildes, die Systemeingebundenheit und die Notwendigkeit persönlicher Belastungsbewältigung zusammen.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Anforderungen, Lehrerbildung, Talcott Parson, Systemtheorie, Rollenerwartungen, Sozialisation, Unterricht, Belastung, Burnout, Arbeitsökonomie, Gesundheitsprävention, Lehrerrolle, Schulentwicklung, pädagogische Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Anforderungen, denen Lehrkräfte im zeitlichen Wandel ausgesetzt sind, und wie diese mit systemtheoretischen Aspekten sowie der persönlichen Belastungssituation korrelieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Entwicklung des Lehrerbildes, der Einfluss soziologischer Theorien auf das Rollenverständnis und die arbeitsökonomischen Herausforderungen zur Gesundheitserhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Anspruchsgruppen Anforderungen an Lehrer stellen und welche Möglichkeiten bestehen, diese Anforderungen professionell und gesund zu bewältigen.
Welcher theoretische Rahmen wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die strukturfunktionalistische Systemtheorie nach dem Soziologen Talcott Parson, um die Rolle des Lehrers als Beauftragter des Schulsystems zu erläutern.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Staat, Schülern und Eltern sowie die theoretische Verankerung des Lehrerhandelns und die psychischen Belastungsszenarien im Arbeitsalltag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Lehrerrolle, Systemtheorie, Sozialisation, Belastung und Arbeitsökonomie stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.
Wie definiert Parson die Rolle des Lehrers im System?
Parson beschreibt den Lehrer als Beauftragten des Schulsystems, dessen Handeln zur Stabilität des Gesamtsystems beiträgt, indem er Schüler bei der Internalisierung universalistischer Werte unterstützt.
Welche Rolle spielt die Arbeitsökonomie bei der Stressbewältigung?
Arbeitsökonomie umfasst hier eine klare Alltagsorganisation, effektives Zeitmanagement und das Setzen von Prioritäten, um die Informationsflut und Aufgabenlast besser zu strukturieren und Stress zu minimieren.
- Arbeit zitieren
- Vera Eiden (Autor:in), 2017, Anforderungen und Umsetzbarkeit des Lehrerberufes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373583