Die deutsche Kolonisation als Transfermittel deutscher Kultur in Kamerun am Beispiel des Reiseberichts "Der Urwaldschulmeister von Kamerun: eine Erzählung aus dem Leben der Kamerun-Neger" von Heinrich Norden


Diplomarbeit, 2017
105 Seiten, Note: 15.5

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Inhaltsverzeichnis

Widmung

Vorwort

Résumé

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

0. Einleitung
0.1 Motivation zur Wahl des Themas
0.2 Problematik und Hypothesen der Arbeit
0.3 Ziele der Arbeit
0.4 Zum Interesse der Arbeit
0.5 Zur Methode der Arbeit
0.6 Zum Stand der Forschung
0.7 Zur Gliederung der Arbeit

TEIL I: Theoretische Grundlagen

1. Zu den Begriffserklärungen
1.1 Zum Begriff Kolonisation
1.1.1 Die Kolonisation aus der imperialistischen Sicht
1.1.2 Die Kolonisation aus der rassistischen Sicht
1.1.3 Die Kolonisation aus der universalistisch-paternalistischen Sicht
1.2 Zum Kulturbegriff
1.2.1 Der normative Kulturbegriff
1.2.2 Der totalitätsorientierte Kulturbegriff
1.2.3 Der differenztheoretische Kulturbegriff
1.2.4 Der bedeutungs- und wissensorientierte Kulturbegriff
1.3 Zum Begriff Kulturtransfer.

Zwischenfazit

2. Zur Einstellung Deutschlands zur Kolonialfrage
2.1 Bismarcks Politik von 1871 bis 1884
2.1.1 Bismarcks Innenpolitik
2.1.1.1 Auf der wirtschaftlichen Ebene
2.1.1.2 Auf der kulturellen Ebene
2.1.1.3 Auf der sozialen Ebene
2.1.2 Die Außenpolitik
2.2 Die Gründe für die Entscheidung Bismarcks für die Kolonialpolitik
2.2.1. Die Innenpolitik
2.2.2. Die Wirtschaft
2.2.3. Die Außenpolitik
2.3 Die Einstellung des Parlaments zur Kolonialpolitik
2.3.1 Das Zentrum
2.3.2 Die Sozialdemokraten
2.3.3Die Konservativen
2.4 Die Einstellung des deutschen Bildungsbürgertums
2.5 Die Missionsgesellschaften
2.5.1 Die Basler Mission
2.5.2 Die Katholische Mission

Zwischenfazit

3. Zur kulturellen Lage Kameruns vor der Ankunft der Deutschen: Ein Überblick
3.1 Die kulturelle Lage an der Küstenregion: Am Beispiel des Duala-Volkes
3.2 Die Kultur im Westen
3.2.1 Das Bamileke-Königreich
3.2.2 Das Bamun-Königreich
3.3 Die Kultur im Zentrum und im Süden: Am Beispiel des Fang- Volkes
3.4 Die kulturelle Lage im Norden
3.4.1 Bei den Peul
3.4.2 Bei den Tupuri
3.5 Die Lage Nkongbetanus vor der Ankunft der Deutschen

Zwischenfazit

Teil II: Zur Frage des Kulturtransfers im Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun

4. Zur Analyse des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun und Rechtfertigung der deutschen Kolonisation nach Heinrich Norden
4.1 Zur Analyse des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun
4.1.2 Inhaltswiedergabe des Werkes
4.1.3 Figurenkonstellation in Bezug auf die Zivilisationsvermittlung
4.1.3.1 Die Anhänger der Zivilisationsvermittlung
4.1.3.2 Die Gegner der Zivilisierungsvermittlung
4.1.4 Fiktion und Realität im Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun
4.1.5 Zur Bildanalyse im Werk
4.1.5.1 Die deutsche Vorstellung der Einheimischen
4.1.5.2 Die einheimische Vorstellung der Deutschen
4.2 Zur Rechtfertigung der deutschen Kolonisation aus der Sicht Heinrich Nordens
4.2.1 Kolonisation als Mittel zur Friedenetablierung
4.2.2 Kolonisation als Mittel zur Befreiung von Sklaverei
4.2.3 Kolonisation als Mittel zur Annäherung der Einheimischen zu Gott
4.2.4 Kolonisation als Mittel zur Beseitigung barbarischer Kulturen bei den

Einheimischen

Zwischenfazit

5. Zu dem Kulturtransfer im Werk Heinrich Nordens Der Urwaldschulmeister von Kamerun
5.1 Kämpfer und Nsia als Träger der deutschen Kultur im Werk
5.2 Zu den Mechanismen des Transfers deutscher Kultur im Werk
5.2.1 Die Verschulung: Bau von Schulinfrastrukturen
5.2.2 Die Christianisierung
5.2.3 Die ärztliche Versorgung: die moderne Medizin
5.3 Zu den Folgen des Kulturtransfers
5.3.1 Auf infrastruktureller Ebene
5.3.1.1 Die Urbanisierung und die Modernisierung
5.3.2 Auf der kulturellen Ebene
5.3.2.1 Die kulturelle Bereicherung der Einheimischen
5.3.2.2 Die Kulturelle Entwurzelung der Einheimischen

Zwischenfazit

Zur Erziehungsrelevanz des Themas

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Widmung

Unseren verstorbenen Vätern

In Berlin hat man unseren Kontinent aufgeteilt, man kam, uns zu erziehen. Man kam, uns zu zivilisieren. Dieser Vertrag von Berlin hat mich lange gekränkt.

[...j.Aber niemand, absolut niemand wies hin auf die Beleidigung, auf die Schmach, die uns Afrikaner überall begleitete.

Mein Volk wurde zur Maschine. Es wurde aus der Ferne gesteuert, es war fast tot. Erstorben war das Bewußtsein seiner Persönlichkeit. Mein Volk war kolonisiert. (Michel Kayoya).

Vorwort

Der Grund, weshalb wir dieses Thema ausgewählt haben, liegt unserer Zuneigung für die Kolonialgeschichte zugrunde. Wir haben festgestellt, dass die die deutschen Missionare die Vermittlung der deutschen Kultur an kolonisierte Völker während der deutschen Kolonisation in Kamerun begünstigt haben. Der Grund liegt darin, dass sie den Einheimischen näher waren. Bei unserer Lektüre von Heinrich Norden Der Urwaldschulmeister von Kamerun wurde dieser Eindruck bestätigt. Wir haben also die Entscheidung getroffen, den oben erwähnten Reisebericht zu analysieren. Ziel war es, genau zu erklären, was den Transfer der deutschen Kultur in Kamerun während der Kolonisation begünstigt hat. In unserer Arbeit setzen wir uns deshalb mit den Mechanismen dieses Kulturtransfers und mit der Rechtfertigung der Kolonisation nach Heinrich Norden auseinander.

Das Zustandekommen dieser Arbeit ist die Zusammenwirkung unterschiedlicher Kräfte, denen wir hier herzlich danken möchten.

Unserem Betreuer, Dr. Paul MEKONTSO gebührt unser Dank für die Hilfsbereitschaft und Betreuung dieser Arbeit. Außerdem danken wir ihm für seine Dokumente, die er uns zur Verfügung gestellt hat.

Wir bedanken uns bei den Doktoranden Herrn Valentin NKOUDA und Herrn TEVODAÏ MAMBAÏ, deren Hilfsbereitschaft, Ratschläge und Dokumente von großer Wichtigkeit waren.

Eine hiesige Dankbarkeit richtet sich an unsere Mentorin des Gymnasiums von Kakataré Frau METCHI Nadine, die Kommilitoninnen TONYE KOLLO Appolinaire und BAKAIWE NGABRA für das Korrekturlesen. Weiterhin möchte ich ganz besonders unseren Müttern danken, die uns während der Fertigstellung dieser Arbeit finanziell unterstützt haben.

NGOEI N. NYADAO und NGOMSU Emérand Marua, den 30. April 2017

Résumé

Le présent travail intitulé la colonisation allemande comme moyen de transfert de la culture allemande au Cameroun à la lumière du récit de voyage d’Heinrich Norden Der Urwaldschulmeister von Kamerun démontre comment la littérature met en scène le phénomène de transfert culturel entre les Allemands et les indigènes camerounais pendant l’époque coloniale. Traiter ce thème nous amène à combiner la théorie de l’impérialisme culturel et l’imagologie idéologique. Ce travail s’articule autour de deux parties : la première partie est théorique. Elle concerne la clarification des concepts clés du thème, l’analyse de la réaction de l’Allemagne face à la question coloniale et donne un aperçu de la situation culturelle du Cameroun à la veille de la colonisation allemande. La deuxième partie est pratique. Ici, le texte sur lequel se base le travail ainsi que les mécanismes et les résultats de ce transfert culturel sont proprement examinés. De cette analyse, il ressort premièrement que pour Norden les Allemands sont venus au Cameroun pour abolir l’esclavage, les coutumes dites barbares et les conflits entre les peuples indigènes. Deuxièmement, c’est la scolarisation et la christianisation mises sur pied par les missionnaires allemands qui ont favorisé la transmission de la culture allemande au Cameroun. Ce transfert culturel a conduit à l’enrichissement culturel des indigènes et à leur modernisation.

Mots clés : Colonisation, culture, culture allemande, transfert culturel, scolarisation.

Abstract

The present research entitled ‘’ german Colonisation as a Transfer Means of the German Culture in Cameroon’’, from a journey recitation by Heinrich Norden‘s Der Urwaldschulmeister von Kamerun, demonstrates how literature portrayed the phenomenon of cultural transfer between Germans and Cameroonians during the colonial period. An analysis of this topic implies the combination of the cultural imperialism and ideological imago. This work is based on two parts: the first part is theoretical and has to do with the explanation of key terms of the topic, the analysis of the German’s reaction about the colonial issue and gives a broad view of the Cameroon cultural situation before colonisation. The second part is practical: here, the text worked upon for this work as well as mechanisms and the results of this cultural transfer are examined. From this analysis, it is first of all revealed that, for Norden, Germans came to Cameroon to establish peace among the people, abolish slavery and barbaric customs. Second, it is scholarisation and Christianisation put in place by German missionarists which favoured the transmission of the German culture in Cameroon. This cultural transfer has led to modernisation and cultural enrichment of Cameroonians.

Key words: colonisation, culture, German culture, cultural transfer, scholarisation.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0. Einleitung

„Die Einleitung ist eine Art Schleuse, die den Leser gedanklich in die Arbeit hineinführt, die
ihn konzentriert auf die zentrale Problem- /Fragestellung und zu den wesentlichen Gedankengängen hinführt“ (Peterßen, 1999, S.116).

0.1 Motivation zur Wahl des Themas

Was uns zu diesem Thema angeregt hat, ist ein großes Interesse, das wir jahrelang der kamerunischen Geschichte widmen. Im Masterstudiengang hat sich dieses Interesse dadurch entwickelt, dass wir während der Lehrveranstaltung von Pr. Dr. Joseph GOMSU betitelt Le Cameroun allemand (an der Universität Jaunde1, 2014) eine spezifische Zuneigung zur deutsch-kamerunischen Kolonialgeschichte hatten. Zwei Aussagen von zwei Autoren haben uns insbesondere bewogen, uns im Rahmen dieser Abschlussarbeit mit dem Kulturtransfer im Kolonialkontext zu beschäftigen. Die Erste ist die von Paul Zang (2010): ,,En 1891, le gouverneur Zimmerer jette les bases de la politique de germanisation du Cameroun. " (S. 89). Die Zweite ist die von Wolfgang Schmale (2012): ,,Kulturelle Transfer finden zu allen historischen Zeiten statt, aber es lassen sich Konjunkturen und Epochen unterscheiden.” (S.1). Als angehende-Deutschlehrer haben wir uns dafür entschieden, uns mit dem Kulturtransfer auseinanderzusetzen, um die deutsch-kamerunischen Beziehungen während der Kolonialepoche besser zu verstehen. So lautet das Thema der vorliegenden Arbeit: „ Kolonisation als Transfermittel deutscher Kultur in Kamerun: am Beispiel des Reiseberichts „Der Urwaldschulmeister von Kamerun: eine Erzählung aus dem Kamerun-Neger[1] “ von Heinrich Norden.

0.2 Problematik und Hypothesen der Arbeit

,,[...] la connaissance commence par la tension entre savoir et non-savoir : pas de problème sans savoir
- pas de problème sans non-savoir. ‘’ (Popper, 1979, S.76).

Das Phänomen des Kulturtransfers ist vorhanden, wenn es Begegnung zwischen verschiedenen Völkern in einer bestimmten Gesellschaft gibt. Die Literatur als Wiederspiegelung der Gesellschaft (Vgl. Lukács, 1920, S.20) und Geschichtschreibung (Vgl., Greenblatt, 1982, S.9) verarbeitet die Beziehungen zwischen Völkern im Laufe der Geschichte. Aber die Beschäftigung mit dem Kulturtransfer hängt manchmal von dem Kontext ab. Der historische Kontext der deutschen Kolonisation in Kamerun verdeutlicht es besser. Es wurde festgestellt, dass die Missionare die Vermittlung der deutschen Kultur während der deutschen Kolonisation in Kamerun begünstigt haben. Der Grund liegt darin, dass sie den Einheimischen näher waren. Bei der Lektüre des Reiseberichts Der Urwaldschulmeister von Kamerun stellen wir fest, dass Norden sich über den Kulturtransfer während der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun Gedanken macht. Er geht darauf ein, indem er die Arbeit der beiden Missionare Kämpfer und Nsia im Dorf Nkongbetanu auf der religiösen, sanitären und Erziehungsebene darlegt. Dieser kulturelle Transfer ist wichtig und so rekurrent, dass es in vielen Kapiteln des Werkes erscheint:

Das erste Kapitel betitelt „Nkongbetanu“ zeigt die Grundbasis des Schulwesens und den Bau der ersten Schule im Dorf.

Im fünften Kapitel betitelt „Aller Anfang ist schwer“ wird dargestellt, wie Nsia die Einheimischen durch die europäische Schule erzieht.

Das sechste Kapitel „der erste Sonntag in Nkongbetanu“ präsentiert die Rolle der Kirche bei der Umformung der Einheimischen.

Von dieser Problematik ausgehend gelangen wir zu folgenden Fragestellungen:

- Welches sind die Beweggründe der deutschen Kolonisation in Afrika?
- Wie wurde die deutsche Kultur in Kamerun während der deutschen Kolonialherrschaft transferiert? Worin ist dieser Kulturtransfer eingemündet?
- Was ist die von Heinrich Norden in seinem Reisebericht Der Urwaldschulmeister von Kamerun vertretene Position der Kolonisation gegenüber? Und wie begründet er sie?
Von den obigen Fragestellungen leiten folgende vorläufige Antworten ab:
- Die Kolonisation ist für Deutschland eine Gelegenheit, ihre Kultur in den Kolonien zu verbreiten, ihre Macht der Welt zu zeigen und eine Prestigestelle unter den Kolonialmächten zu ergattern.
- Heinrich Norden zeigt in seinem Reisebericht, dass die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun wertvoll für die Einheimischen ist, denn sie bringt die Harmonie zwischen den Einheimischen.
- Die Schule und die Kirche gelten als Vermittlungsinstanzen der deutschen Kultur in Kamerun während der deutschen Kolonialepoche wegen ihrer Instrumentalisierung zugunsten der deutschen Bestrebungen.
- Der Transfer der deutschen Kultur in Kamerun ist in die kulturelle

Bereicherung und die kulturelle Entwurzelung der einheimischen Bevölkerung eingemündet.

0.3 Ziele der Arbeit

Diese Arbeit folgt zwei Zielen. Erstens zielt sie darauf ab, die Gründe für die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun aus der Perspektive Heinrich Nordens zu untersuchen. Anders gesagt, geht es hier darum zu sehen, wie Heinrich Norden die Herrschaft der Deutschen in Kamerun in seinem Reisebericht Der Urwaldschulmeister von Kamerun legitimiert. Zweitens bezweckt diese Arbeit, die Mechanismen des Transfers der deutschen Kultur zu den kamerunischen Einheimischen während der Kolonialepoche im Werk Nordens zu präsentieren und zu analysieren. Am Ende werden die Ergebnisse und die Auswirkungen dieses Kulturtransfers bei den kamerunischen Einheimischen dargestellt.

0.4 Zum Interesse der Arbeit

Zu der Frage was kann man von unserer Forschung lernen? soll gesagt werden, dass zahlreiche Interessen aus unserer Arbeit hervorgehen. Die meisten kamerunischen Lehrwerke in Gymnasien über die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun sehen die Kolonisation nur als eine Annexion bzw. Besetzung eines Gebiets von einem fremden Volk und wirtschaftliche Domination an. Sie übersehen, dass die Kolonisation auch kulturell war. Dank der vorliegenden Arbeit lernen die KamerunerInnen im Allgemeinen, dass die Kolonialherren und die Missionare den Einheimischen ihre Sprache, Handlungs- und Denkweise kurzgesagt ihre Kultur vermittelten. Eine[2] gründliche Lektüre dieser Forschung stellt dar, wie eine Kultur einem Volk übertragen wurde und welche Strategien verwendet wurden. Als angehende-Deutschlehrer haben wir als Ziel, nicht nur den Schülern die deutsche Sprache zu lehren, sondern auch ihnen die deutsche Kultur beizubringen. Da eine Fremdsprache zu lernen, auch ihre Kultur lernen, bedeutet. Auf der literarischen Hinsicht gestattet diese Arbeit zu begreifen, wie die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika in den Reiseberichten von den Deutschen selbst gerechtfertigt wurde.

0.5 Zu den Theorien der Arbeit

,,La méthode est le moyen de parvenir à un aspect de la vérité, de répondre particulièrement à la question comment.’’ (Grawitz, 1996, S.410).

Für das Zustandekommen dieser Arbeit ist die Theorie des Kulturimperialismus geeignet. Was ist damit gemeint? Die Theorie des Kulturimperialismus ist eine Theorie des kulturellen Globalisierungsparadigmas, die ab 1960 aus der marxistischen Kritik kapitalistischer Kulturen entstand. Ihre Grundannahme lässt sich in dem folgenden Zitat illustrieren: "La théorie de l’impérialisme culturel fait référence à un pays donné qui impose ses croyances, ses valeurs, son savoir, ses modèles de comportement et son style de vie aux autres.,, (http://theses.univlyon2.fr/documents/getpart.php?id=lyon2.2008.neyestani mr&part= 1520 90 abgerufen am 20.08.2016 18:20). In der Tat vertritt diese Theorie die These, nach der reiche Völker oder Länder den Anderen ihre Kultur durchzusetzen versuchen. Sie verweist auf ein Unterdrückungsverhältnis, das am Ende in die Umformung ursprünglicher Kultur eines Volkes einmünden könnte. Dies kann sich mithilfe von gewaltsamen Mitteln oder sanften Mitteln vollziehen.

Bei einer gründlichen Lektüre des Werkes Nordens wird festgestellt, dass die beiden Missionare Kämpfer und Nsia keine Gewalt benutzt haben. Deshalb wird innerhalb unserer Theorie das Soft power Modell von Joseph Nye ausgewählt. Dieses Modell besagt, dass die Großmächte den anderen Ländern unbewusst ihre Weltanschauung und Kultur durch alltägliche sanfte Mittel wie Musik, Kleidungen, Schule und Medien vermitteln. (Vgl., Nye, 1990). Die Verwendung dieses Modells[3] wird uns gestatten, zu beobachten und zu erläutern, welche Mittel von den Deutschen benutzt wurden, um den kamerunischen Einheimischen die deutsche Kultur zu imponieren.

Wir werden auch uns der literaturwissenschaftlichen Imagologie bedienen, da unser Korpus ein Kolonialtext ist und sein Autor, Heinrich Norden, ein Deutscher ist, der vom Leben der Kameruner zurzeit der deutschen Kolonialherrschaft berichtet. Die Imagologie ist ein Forschungsfeld der vergleichenden Literaturwissenschaft, das sich mit der Repräsentation, der Projektion eines Autors oder eines Volkes über ein Anderes auseinandersetzt. Konkreter zu sein, analysiert diese Methode das Bild des Anderen, die Stereotypen und die Klischees, die ein Autor oder eine Nation sich über ein Volk macht.

Diese Methode enthält zwei Orientierungen: die ideologische und die utopische Orientierung. wir werden die ideologische Imagologie verwenden, denn die Kolonialmacht eine negative Vorstellung der einheimischen Kulturen hat. Das kommt in dem Zitat Amossys (1991) zum Ausdruck :

Les images utopiques sont subversives, excentriques, très distinctes de l’imaginaire social ou elles sont produites. Dans cette mesure, elles représentent l’étranger comme une réalité alternative. Par contre, les images idéologiques jouent une fonction intégratrice, dans la mesure où elles corroborent les idées préconçues qui existent dans la société sur la réalité étrangère qu’elles représentent. Dans ce contexte, les représentations idéologiques peuvent être archétypiques, hiérarchiques ou bien réductrices et, dans ce cas, elles renvoient pour le cliché ou stéréotype (celui-ci envisage comme une forme réductrice de l’image, «le prêt-à-porter de l’esprit») (S.26).

Damit ist klar, dass die ideologische Imagologie den negativen Kontrast zu einer bestimmten Gruppe, Nation oder einer Kultur untersucht. Das Bild gilt hier ein Instrument des Imperialismus. Durch ein Bild wird eine Ideologie übertragen und rechtfertigt. Die Verwendung der ideologischen Imagologie wird uns ermöglichen, die Beziehungen zwischen den Deutschen und den kamerunischen Einheimischen zu untersuchen und die Bilder zu analysieren, die der Autor verwendet, um die deutsche Kulturvermittlung bei den Einheimischen zu legitimieren.

0.6 Zum Stand der Forschung

„Knowledge never stands alone. It builds upon and plays against the knowledge of previous knowers
and reporters, whom scholars call ‘sources’. ‘’ (Harvey, 1998, S.1)

Die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun ist von mehreren Wissenschaftlern untersucht worden. Was die Thematik des Kulturtransfers während der Kolonialzeit angeht, gibt es viele Arbeiten, die sich schon damit auseinandergesetzt haben.

In seinem Aufsatz Finalité de ¡’enseignement de ¡’Allemand et de la germanistique en Afrique noire. Le cas du Cameroun (1985) behauptet Joseph Gomsu, dass die Sprache eine Komponente der Kultur ist. Dementsprechend gehen das Lernen einer Sprache und die Kultur Hand in Hand. Er zeigt auch, wie die Kolonialbehörden durch die Verordnung von 25. April 1910 Deutsch in Regierungs­und Missionarschulen als Fach und Unterrichtssprache durchsetzten. Er ist der Meinung, dass diese die Verbreitung der deutschen Kultur in Kamerun vereinfacht hat. Diese Verordnung hieß:

In Eingeborenenschulen ist als Unterrichtssprache und als Gegenstand des Sprachunterrichts neben der am Schulorte herrschenden Eingeborenensprache keine andere lebende Sprache zugelassen als die deutsche. An Stelle der am schulorte herrschenden Eingeborenensprache kann mit Genehmigung des Gouverneurs eine verwandte Sprache treten. (Ruppel zit. n. Gomsu, 1985).

Daraus geht hervor, dass Deutsch die einzige Unterrichtssprache galt, Dualasprache wurde unter der Erlaubnis der Kolonialherren verwendet. Also betraf die Kolonialisierung auch die sprachliche Ebene. Außer diesem Gesetz bekamen die Schulen häufig finanzielle Unterstützung vom deutschen Kaiserreich. Die intelligentesten Schüler und die Häuptlingssöhne wie Duala Manga Bell und Alfred Bell bekamen die Stipendien von dem Kaiserreich. All diese Mittel wurden bewusst von den Deutschen benutzt, um den Einheimischen ihre Kultur zu vermitteln. Der Unterschied zwischen dem Beitrag Joseph Gomsus und unserer Arbeit besteht darin, dass er sich lediglich auf das Ziel des Deutschunterrichts zurzeit der deutschen Kolonisation in Kamerun fokussiert. Doch unsere Arbeit orientiert sich nicht nur an der Erziehung, analysiert freilich die Mechanismen, die von den deutschen Missionaren benutzt wurden, die die Übertragung der deutschen Kultur in Kamerun erleichtert haben.

Doumara. W, Tchokouatou. K und Wamba in ihrer Abschlussarbeit zur Erlangung des DI.P.E.S II (2013) beschäftigen sich mit der Mission der Verschulung zurzeit der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun anhand von zwei Reiseberichten: Theodor Christaller, der erste deutsche Reichschullehrer in Kamerun von Nathael Böckheler und Der Urwaldschulmeister von Kamerun von Heinrich Norden. Hier werden die von diesen Lehrern (Theodor Christaller und Nsia) benutzten Strategien zur Verschulung und ihre Schwierigkeiten analysiert. Diese Lehrer waren gemeinsam mit dem Problem der Zaubereigruppe wie der Losangobund zum Beispiel konfrontiert, der keine Verschulung, keinen Fortschritt im Dorf wollte. Häufig brannte diese Gruppe die Schule und die beiden Lehrer waren dazu gezwungen mithilfe der Dorfbewohner, Schulhaus wieder zu bauen. Trotzdem ist es ihnen gelungen, den Einheimischen Kenntnisse zu übertragen und Intellektuelle auszubilden. Manche ihrer Schüler haben sogar Stipendien von dem deutschen Kaiser wie Musinga bekommen, um ihre Studien in Deutschland fortzusetzen. Bemerkenswert in dieser Arbeit ist die Tatsache, dass Doumara, Tchokouatou und Wamba feststellen, dass die drei Lehrer nicht nur den Ausgangspunkt des deutschen Erben im Bereich der Erziehung bilden, sondern auch den Ausgangspunkt des Deutschlernens in Kamerun. Die Differenz zwischen der Arbeit von Doumara, Tchokouatou, Wamba und unserer Arbeit besteht darin, dass sie ein großes Gewicht auf die Verschulung zurzeit der deutschen Kolonialherrschaft im Werk Nordens legt, doch in unserer Arbeit wird der Verschulung in einer ganz anderen Hinsicht nachgegangen, insbesondere als ein Mittel zum Transfer deutscher Kultur während der Kolonialepoche dargestellt.

Zwei Arbeiten von Albert Gouaffo sind mit unserer Arbeit eng verbunden, denn sie behandeln unmittelbar die Thematik des Kulturtransfers im Kolonialkontext. In seiner Habilitationsschrift betitelt Wissens- und Kulturtransfer im kolonialen Kontext: Das Beispiel Kamerun - Deutschland (1884-1919) (2007) verfährt er empirisch, indem er sich der Kolonialarchive bedient. Hier präsentiert er, die Institutionen, Personengruppen und Publikationen, die als Träger bzw. Mittler von Kultur- und Wissenstransfer zwischen Kamerun und Deutschland beigetragen haben. Bemerkenswert hier ist die Tatsache, dass er Heinrich Norden mit seinem Werk Der Neffe der Zauberin und die Basler Mission unter diesen Trägern nennt. Ferner behandelt er die Rezeption der deutschen Kultur in Kamerun und der kamerunischen Kultur in Deutschland.

In seinem Aufsatz betitelt Über das Gesehene und das Erlebte berichten. Heinrich Norden als Träger des Wissens- und Kulturtransfers zwischen dem kamerunischen Küstenhinterland und Deutschland (2014) beleuchtet Gouaffo zuerst, welchen Beitrag Missionare zu Vorstellungen von Einheimischen in der Metropole geleistet haben. Er stellt ins Detail anhand des Werkes Heinrich Nordens Der Neffe der Zauberin vor, welche Modi der Wissensselektion und -bearbeitung genutzt wurden, um der Leserschaft ein Bild der einheimischen Kultur und Umwelt zu vermitteln. Am Ende vermutet er, dass Norden als „Bewusstseinsaufklärer beim deutschen christlichen Publikum“ betrachtet werden könnte.

Unsere Arbeit ist eine Würdigung und eine Fortsetzung Gouaffos Arbeit, denn wir wollen hier die Thematik des Kulturtransfers während der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun mithilfe des Werkes Heinrich Nordens Der Urwaldschulmeister von Kamerun und der Theorie des Kulturimperialismus und der ideologischen Imagologie weiterführen. Diese Arbeit bezweckt, die Mechanismen des Transfers der deutschen Kultur zu den kamerunischen Einheimischen während der Kolonialepoche zu präsentieren und zu analysieren. Wir untersuchen auch die Auswirkungen dieses Kulturtransfers bei den kamerunischen Einheimischen.

0.7 Zur Gliederung der Arbeit

„Eine wissenschaftliche Arbeit ist ein auf ein Ziel gerichtetes System von Gedanken und
Formulierungen. Um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist die Aufstellung einer
stringenten Gliederung von höchster Wichtigkeit.“ (Rotzoll, 2008, S.10).

Diese Arbeit lässt sich in fünf Kapitel gliedern. Das erste Kapitel betrifft die Begriffserklärungen. Darin werden Kernbegriffe bestimmt, die in der Analyse häufig auftauchen. Ziel ist es, sie von anderen so klar wie möglich abzugrenzen, damit der Leser genau versteht, welchen Sinn sie in dieser Arbeit tragen. Begriffe, von denen es die Rede ist, sind unter anderen: Kolonisation, Kultur und Kulturtransfer.

Das zweite Kapitel ist der Einstellung Deutschlands zur Kolonialfrage gewidmet.
Dabei werden wir beobachten, welche Attitüde der Reichkanzler Otto von Bismarck, das deutsche Bildungsbürgertum, die deutschen politischen Parteien und die deutschen Missionsgesellschaften der Kolonisation gegenüber gehabt haben.

Das dritte Kapitel zielt darauf ab, zu beweisen, dass es vor den Deutschen schon Kulturen in Kamerun existierte. In diesem Teil wird auch die (kulturelle) Lage des Dorfes Nkongbetanu vor den Deutschen geschildert.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Analyse des Werkes. Dabei wird die von Heinrich Norden vertretene Position gegenüber der deutschen Kolonisation in Kamerun behandelt.

Das letzte Kapitel ist der Kern dieser Arbeit, denn die Mechanismen des Kulturtransfers werden hier dargelegt. Am Ende werden die Wirkungen dieses Kulturtransfers auf die Einheimischen und auf deren Lebensweise präsentiert.

TEIL I: THEORETISCHE GRUNDLAGEN

1. Zu den Begriffserklärungen

Die Genauigkeit ist ein Kriterium der wissenschaftlichen Arbeit (Vgl. Voss, 2010, S. 13). In der Tat soll zunächst der Sinn von Begriffen bzw. Kategorien in einer wissenschaftlichen Arbeit klar und eindeutig sein, um Verwirrungen bei ihrer Verwendung zu vermeiden. In diesem Teil werden Kernbegriffe bestimmt, die in der Analyse häufig auftauchen. Ziel ist es, sie von anderen so deutlich wie möglich abzugrenzen, damit der Leser genau versteht, welchen Sinn sie in dieser Arbeit tragen. Begriffe, von denen es die Rede ist, sind unter anderen: Kolonisation, Kultur und Kulturtransfer.

1.1 Zum Begriff Kolonisation

Der Begriff Kolonisation ist ein Hauptbegriff für das Verständnis unserer Arbeit, den wir bestimmen müssen. Die Kolonisation ist ein in Geschichts- und Politikwissenschaft gebrauchter Begriff, der immer eine pejorative Konnotation gehabt hat. Etymologisch stammt er aus dem lateinischen Wort Colonia (Vgl., Rey, 2005). Die Form Colonization (Engl.) bzw. Colonisation (Frz.), die bis jetzt gültig ist, erschien erst im Jahre 1770. Jürgen Osterhammel (2001, S.8) schrieb, ,,Die Kolonisation ist [...] ein Phänomen von kolossaler Uneindeutigkeit.“ Damit ist gemeint, dass die Kolonisation nicht eindeutig definierbar ist. Es ist den Historikern und Politikwissenschaftlern nicht gelungen, eine einzige und einstimmige Bestimmung dieses Begriffs zu geben. Es liegt daran, dass die Kolonisierung ein facettenreiches Phänomen mit zahlreichen Motivationen ist und ihr Sinn variiert je nach den Ansätzen. Im Folgenden wird versucht zuerst, den Sinn der Kolonisierung aus dem imperialistischen, rassistischen und paternalistisch-universalistischen Ansatz darzustellen, bevor wir auswählen, welchen Sinn sie in dieser Arbeit trägt.

1.1.1 Die Kolonisation aus der imperialistischen Sicht

Die imperialistische Definition der Kolonisation ist diejenige, die fast in allen Lexika und Wörterbüchernzu finden ist.[4] Darin wird die Kolonisation als eine Siedlungbetrachtet. In der Tat charakterisiert sich die Kolonisierung durch die allmähliche Niederlassung eines fremden Volkes auf einem Gebiet. Ein Volk besiedelt fremde Territorien hinsichtlich deren Urbarmachung, Rodung, Bebauung und wirtschaftliche Erschließung. Dies setzt nicht nureine Dependenzbeziehung der Kolonie gegenüber der Metropole, sondern auch eine Ausbeutung von Einheimischen und Ressourcen voraus. Da die Kolonialherren sich den einheimischen Boden im Namen ihrer Nation aneigneten, indem sie die Einheimischen expropriieren. Ein Beispiel dafür ist die Expropriation des Duala-Volkes während der deutschen Kolonialzeit in Kamerun.

1.1.2 Die Kolonisation aus der rassistischen Sicht

Aus der rassistischen Sicht verweist die Kolonisation auf die Vorherrschaft der Stärkeren (Rassen) über die Schwächeren (Rassen) durch die Gewalt.[5] Die Grundlage einer solchen Bestimmung ist die Aufklärungslehre. In der Tat gilt die Aufklärung als Epoche der Entfaltung von Wissenschaften. Man wollte die Natur verstehen, begreifen, erfassen und so begannen Forscher aller Wissensgebiete, die Natur zu vermessen und zu kategorisieren, vor allem Pflanzen und Tiere wurden in Arten, Familien, Gruppen und Menschen in Rassen unterteilt.

In seinem Systema naturae (1735) macht Carl Linné eine systematische Kategorisierung von Menschen in Form einer Pyramide, wobei er die Weißen insbesondere die Arier an deren Spitze setzt, denn ihm zufolge seien sie als die Herrenrasse zu betrachten, während der Schwarze als ein kulturunfähiger Mensch anzusehen sei und am Fuß der Pyramide steht. Solche Arbeiten über die Kategorisierung und die Hierarchisierung der Menschen in der Gesellschaft, die von vielen Forschern wie François Bernier, Leclerc de Bufon, realisiert wurden (Vgl. Mandera, 2004, S. 5), haben sozusagen den Weißen eine natürliche (rassistische) Überlegenheit gegenüber den anderen Menschen verliehen (Vgl., Simo, 2012), die sich durch eine Vorherrschaft bzw. Dominanz der Stärkeren über die Schwächeren untermauert. Es geht hier um ein Kraftverhältnis, eine Domination, wie Pierre Plychon in dem folgenden Zitat erklärt: ,,La Colonisation est un rapport de force qui oppose plusieurs acteurs. Le peuple dominateur, qui vient imposer sa loi et sa culture dans une contrée où il est étranger. Le peuple dominé, qui s’il n’est pas exterminé, résiste jusqu’à la soumission [...] „(Plychon, 1991, S.11ff.). Daher ist es klar, dass die Unterdrückung, die Unterjochung eines Volkes durch ein Anderes in der Kolonisation einbezogen ist. Diese vollzieht sich häufig entweder durch die militärischen Eroberungen wie in Namibia auf dem Herero-Volk oder durch Verträge wie den Vertrag von 1884 zwischen den Häuptlingen King Akwa, King Bell und dem deutschen Konsul Nachtigal.

Die Definition der Kolonisation als Herrschaft der Stärkeren über die Schwächeren, die in Deutschland insbesondere von Fichte und in Frankreich von Jules Ferry gepreist wurde, rechtfertigt die Benutzung der Gewalt, der Auspeitschung und der körperlichen Züchtigung während der Kolonialzeit. Problematisch bei dieser Bestimmung ist die Tatsache, dass sie ein großes Gewicht auf das Element Rasse legt. Doch ist die Rasse nach den Anhängern des Postkolonialismus wie Franz Fanon (1952) ein Konstrukt, ein leeres Konzept (Vgl., Microsoft Encarta, 2009), ohne Fundament. Es stützt sich lediglich auf Vorurteile und Klischees, die nicht der Wirklichkeit entsprechen.

1.1.3 Die Kolonisation aus der universalistisch-paternalistischen Sicht

Die universalistisch-paternalistische Sicht ist moralisch und humanistisch. Sie verteilt Werte wie die Brüderlichkeit und die Solidarität zwischen Völkern auf der Welt. Hier wird die Kolonisation als eine Zivilisierungsmission angesehen. Im Anschluss an die zunehmende Modernisierung europäischer Gesellschaft im 18. Jahrhundert, die Entwicklung von Wissenschaften zurzeit der Aufklärung v.a. aus rassistischen Gründen haben sich die Europäer selbst als ein fortgeschrittenes und zivilisiertes Volk erklärt und die Anderen als primitiv betrachtet (Guesnet, 2010, S.2). Da sie dem Rest der Welt überlegen zu sein, proklamieren, haben sie demnach den Auftrag andere Völker der Welt, zu zivilisieren d.h. zu erziehen, zu bebauen, denn ihnen zufolge leben die nichteuropäischen Völker noch in der Finsternis. Anders formuliert, sollen die zivilisierten, entwickelten Völker die Hand der unzivilisierten, unterentwickelten Völker halten.

Montesquieu (im Rahmen der spanischen Kolonialherrschaft über die Indianer) ist der Ansicht, dass die außereuropäischen Völker als Kinder gelten, die nicht mit Gewalt behandelt und erzogen werden sollen, denn sie sind auch Menschen und besitzen somit auch Rechte. (Vgl., Ihsane-Si, 2014, S.5). Wir sind hier in einer Vater-Sohn-Logik, wobei der Vater (Europäer) eine moralische Pflicht gegenüber seinem Kind (nichteuropäische Völker) hat. Er soll sich um seine Kinder kümmern, damit sie auch ein beträchtliches Lebensniveau erreichen können.

Die Kolonisation erscheint in diesem Kontext als eine moralische Pflicht für die Europäer gegenüber den Nichteuropäern, als ein Mittel zur Befreiung außereuropäischer Völker vom Obskurantismus, ein Mittel zur Öffnung (dieser Völker) in die Modernität. Diese Konzeption der Kolonisation, die von den Missionsgesellschaften und Humanisten wie Montesquieu, Jules Deval, Paul Leroy- Beaulieu befürwortet wurde, wurde vehement vorgeworfen. Der französische Politiker Georges Clemenceau zählt zu den radikalsten Kritikern dieser Definition. In seinem Plädoyer von Juli 1885 gegen die Kolonisation bringt er zum Ausdruck seine Unzufriedenheit gegenüber der sogenannten Zivilisierungsmission. Hier ist ein Auszug davon:

[,..]Mais n’essayons pas de revêtir la violence du nom hypocrite de civilisation. Ne parlons pas de droit, de devoir. La conquête que vous préconisez, c’est l’abus pur et simple de la force que donne la civilisation scientifique sur les civilisations rudimentaires pour s’approprier l’homme, le torturer, en extraire toute la force qui est en lui au profit du prétendu civilisateur. Ce n’est pas le droit, c’est la négation. Parler à ce propos de civilisation, c’est joindre à la violence, l’hypocrisie. (Clemenceau, 1885).

Für Clemenceau soll der Begriff Zivilisation mit Skepsis genommen werden, denn es steckt sich hinter dem Wille zu der Domination, der Unterdrückung seitens der Europäer. Das ist ihm nach eine Betrügerei, eine Hypokrisie von Europäern gegenüber den anderen Völkern. Hier wird die Zivilisierung als Vorwand verwendet, um die Gewalt, die Verfolgung und Unterjochung auf dem außereuropäischen Volk zu legitimieren. Die Zivilisation in diesem Kontext reimt sich auf europäische Werte, die allgemeingültig sein sollen und überall auf der Welt homogenisiert werden sollen. Unsere eigene Definition des Begriffs Kolonisation, die im Zusammenhang mit Heinrich Nordens Werk ist, ist die Kolonisation als eine Zivilisationsvermittlung. Anders formuliert kolonisieren in der vorliegenden Arbeit verweist auf die Erziehung der Einheimischen zu den europäischen Werten.

1.2 Zum Kulturbegriff

„La culture c’est ce qui reste quand on a tout oublié. “ (Emile Henriot).

Der Begriff Kultur ist auch wichtig für das Verständnis unserer Arbeit, deshalb lohnt es sich, seinen Sinn zuerst klarzulegen.

Kultur ist ein sehr häufig verwendeter Begriff. Im Alltagsleben wie in den Geistes­und Sozialwissenschaften ist Kultur in allen Mündern. Dieser Begriff ist schwer zu erfassen. Bis heute gibt es keine allgemeingültige Definition dafür. Diese Komplexität zeigt sich auch durch das Vorhandensein von „Kulturwissenschaft“. Eine Fülle von Wissenschaften, die zur Untersuchung des Kulturgegenstands geführt haben (Vgl., Bachmann-Medick, 2006).

Der Begriff Kultur wurde zum ersten Mal im Jahr 1871 von Edward B. Taylor in seinem Werk Primitive Culture verwendet. Etymologisch gesehen stammt Kultur aus dem Lateinischen cultura (Landbau, Anbau, Bebauung) (Vgl., Rey, 2005). Daraus geht es hervor, dass Kultur ursprünglich ein Begriff der Landwirtschaft ist und bezeichnet hier die Arbeit des Bodens, die Gestaltung der Natur durch den Menschen. Der Mensch bestellt den Boden, um Lebensmittel zu produzieren. Die Kultur spielt in diesem Sinne die Rolle der Ernährung des Menschen, deshalb wird sie in allen Ländern praktiziert. Die Kultur gilt hier als die durch die menschliche Handlung Transformation der Natur.

Um ein plausibelstes Verständnis des Begriffs Kultur zu haben, wäre es besser, sich auf die Typologie Andreas Reckwitzs (2000) zu stützen, denn sie liefert vier systematische Beschreibungsformen des Kulturbegriffs, die sowohl gesellschaftlich als auch wissenschaftlich verankert sind: normativ, totalitätsorientiert, differenztheoretisch und bedeutungs- und wissensorientiert. Im Folgenden werden diese verschiedenen Kulturbegriffe dargestellt, bevor unsere Definition der Kultur auszuwählen, die in der vorliegenden Arbeit benutzt wird.

1.2.1 Der normative Kulturbegriff

Der ursprüngliche Kulturbegriff, der in Deutschland und in England entwickelt wurde, war von Aufklärungsideen geprägt und normativ ausgerichtet. Die Kultur war im Unterschied zur Zivilisation verwendet. Des Weiteren galt die Kultur hier als eine geistig-moralische Verfassung, als einen Bewertungsmaßstab, der es gestattet, Zivilisierte von Unzivilisierten zu differenzieren. Für Kant ist die Kultur mit der Moralität, Würde und der sinnlichen Natur des Menschen verbunden (Vgl. Kant, 1789, S.44). Die Kultur dient in diesem Sinn zur Veredelung der Menschen, zur Selbst- und Fremdbeobachtung von Gesellschaften.

Mit der zunehmenden Entwicklung von Gesellschaften ist eine derartige Kulturauffassung problematisch geworden, denn sie war nicht mehr kontextuell. Sie übersieht, dass jeder Mann wie jede Gesellschaft über seine eigenen Besonderheiten verfügt, die sie angesichts der anderen auszeichnen. Zusätzlich war eine solche Definition ein Versuch des Aufklärungsprojekts, die Gesellschaften nach der Rationalität zu unterscheiden.

1.2.2 Der totalitätsorientierte Kulturbegriff

Der totalitätsorientierte Kulturbegriff[6] wurde vorläufig von Gottfried Herder in seinem 1784 erschienenen Werk Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit entwickelt.

Dieser Ansatz stützt sich auf Wissenschaften wie Anthropologie, Ethnologie. Wie sein Name es verrät, erfasst die Kultur hier die ganzen Lebensformen, Lebensäußerungen der Menschen in der Gesellschaft. In der Tat hat die Kultur dieser Perspektive nach mit der Gesamtheit von Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsmustern von Menschen in einer Gemeinschaft zu tun. Das Zitat Edward Taylors illustriert deutlich den totalitätsorientierten Kulturbegriff. Er definiert die Kultur, wie folgt: „Culture [...] is that complex whole which includes knowledge, beliefs, arts, morals, law, customs, and any other capabilities and habits acquired by [a human][7] as a member of society”. (1871) Aus diesem Zitat ergeben sich zahlreiche Implikationen:

Zum einen betrifft die Kultur die Verhaltensweise und mentale Fähigkeiten, Aktionen und Werte, die Menschen in einer Gemeinschaft herkömmlich verteilen. Sie ist der gemeinsame Nenner innerhalb eines Volkes. Die Kultur nach Edward Taylor sei etwas, was gelernt, was im Laufe der Sozialisation erworben wird. Sie ist anpassungsfähig und unterliegt stets Veränderungen. Sie gestattet dazu, Gesellschaften voneinander zu differenzieren. Der totalitätsorientierte Kulturbegriff erkennt die verschiedenen Lebensstile als Kulturen und alle Kulturen sind gleichwertig. Das Bild A-1 (Siehe Anhang) illustriert den totalitätsorientierten Kulturbegriff.

Immer in dem totalitätsorientierten Ansatz wird die Kultur mit dem Eisbergbild gleichgesetzt (Vgl.,http://www.ikud.de/glossar/eisbergmodell-von-kultur.html, abgerufen am 20.09.2016 19:06). Es heißt, dass sie doppelseitig ist. Sie besteht einerseits aus einer sichtbaren oder einer oberflächlichen Seite (das Verhalten, die Sprache und Essgewohnheiten eines Volkes) und andererseits aus einer unsichtbaren, tieferen Seite (Werte, Einstellungen und Glauben eines Volkes). Das Bild im Anhang (A-2: Das Eisbergmodell) ist eine Illustration des Modells der Kultur als Eisberg. Aus diesem Bild wird erfahren, dass es einerseits Elemente der Kultur gibt, die der Mensch bewusst kennt und manipuliert (Sprache, Verhalten, Kunst). Andererseits Aspekte wie die Einstellungen, die Werte sind unsichtbar und vor allem unbewusst von den Menschen manipuliert.

1.2.3 Der differenztheoretische Kulturbegriff

Der differenztheoretische Kulturbegriff kennzeichnet sich dadurch, dass er soziologisch orientiert ist. Hier wird die Kultur als ein Subsystem bzw. einen begrenzten Teilbereich der Gesellschaft neben Politik, Sport, Ökonomie angesehen, das bzw. der seine eigenen Werte, Codes und Prinzipien besitzt. Innerhalb der Kultur werden Kunst, Literatur, Musik, Theater, Film, massenmediale Art und sonstige intellektuelle Tätigkeiten zugeordnet. Diese Auffassung von Kultur als funktionales Teilsystem, das von Talcott Parsons (1961) stammt, hat dazu geführt, dass ein ganzes Kulturministerium in allen Staaten vorhanden ist. Häufig erscheint die Kultur in deutschen Zeitungen als Ressort bzw. selbständige Rubrik.

1.2.4 Der bedeutungs- und wissensorientierte Kulturbegriff

Dieser Ansatz, der als Befürworter Clifford Geertz, Ernst Cassier und Reckwitz hat, ist der jüngste von den drei oben präsentierten Ansätzen. Er ist von der Semiotik und der Anthropologie beeinflusst und erfasst die Kultur als ,,ein von Menschen erzeugter Gesamtkomplex von Vorstellungen, Denkformen, Empfindungsweisen, Werten und Bedeutungen, der sich in Symbolsystemen materialisiert.“ (Nünning, 2009, S.6). Damit ist gemeint, dass die Kultur ein Gesamtkonstrukt von Menschen ist, das mental, sozial und materiell ist. Dieses Konstrukt hat einen Sinn, eine Bedeutung für die Menschen in einer bestimmten Gesellschaft und ermöglicht ihnen dazu, sich in einer sinnhaften Welt zu Recht zu finden. Die Kultur erscheint hier als eine gemeinsame geteilte Wissensordnung, welche die Handlungen von Menschen in einer Gesellschaft und deren Weltanschauung lenkt.

Von dieser Konzeption ausgehend, hat Clifford Geertz seine Metapher von Kultur als Text entwickelt (Vgl., a.a.O., Bachmann-Medick, 2004). Darunter denkt er, dass die Kultur wie die Sprache ein abgeschlossenes Zeichensystem ist, in dem Repräsentationen, Ritualen und Praktiken eines Volkes sich befinden. Der Text, der auch ein abgeschlossenes Buchstabensystem ist, gilt als Ort, wo sich diese Repräsentationen, Ritualen und Praktiken eines Volkes materialisieren. Dementsprechend werden durch den Text all diese Elemente eines Volkes dechiffriert und begriffen.

Doris Bachmann-Medick (2004) ihrerseits weist darauf hin, dass die Literatur, Texte, Filme, Medien Träger kultureller Darstellung und Kodierung sind, wie sie für Prozesse des Kulturtransfers entscheidend sind. Durch sie werden Traditionen und Überzeugungssysteme, Schlüsselsymbole und Praktiken sowie Fremd- und Selbstbilder ausgebildet und für die praktische interkulturelle Auseinandersetzung geradezu aufgearbeitet bzw. hierfür strategisch einsetzbar gemacht.

Im Anschluss an diese verschiedenen dargestellten Definitionen der Kultur ist der totalitätsorientierte Kulturbegriff unser Sinn der Kultur, nämlich die Bestimmung von Edward Taylor: die Gesamtheit von Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsmustern von Menschen in einer Gesellschaft.

Die deutsche Kultur bezeichnet dementsprechend die Gesamtheit von Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsmustern der Deutschen, ihre Merkmale bzw. ihre Eigenschaften. In der vorliegenden Arbeit behandeln wir den Transfer der deutschen Kultur in Kamerun während der Kolonialepoche.

1.3 Zum Begriff Kulturtransfer

Der Begriff Kulturtransfer ist ein zusammengesetztes Wort, das aus zwei Wörtern besteht, und zwar Kultur und Transfer. Der Sinn des Wortes Kultur wurde bereits oben erklärt. Transfer ist ein in zahlreichen Bereichen benutztes Konzept. Dem Wörterbuch Lexikon zur Soziologie (2011) zufolge ist der Transfer Synonym für die Übertragung, für die Vermittlung. (S.350). Dahinter versteckt sich eine Idee der Diffusion, der Bewegung eines Objekts, Wissens von einem Ort zu einem anderen Ort. Der Begriff Kulturtransfer ist ein in den Kulturwissenschaften entwickelter Begriff. Er bezeichnet laut dem Universal Lexikon (2012) „Prozesse, in denen Ideen, Verhaltensweisen und Objekte von einer Kultur in die andere übertragen werden, dort werden sie integriert und angepasst.“

Der Transfer einer Kultur von einem Volk zu einem anderen Volk vollzieht sich durch Kulturträger oder Kulturvermittler. Es gibt individuelle Vermittler (Touristen, Austauschschüler, Entwicklungshelfer), professionelle Vermittler (Übersetzer, Fremdsprachenlehrer, Auslandskorrespondenten) und institutionelle Vermittler (Kulturinstitute der auswärtigen Kulturarbeit, Regierungen und Medien) (Vgl., Schönhuth, 2006, Abschnitt. [Kulturtransfer]).

Es soll erwähnt werden, dass der Transfer einer Kultur in Zeit und in Ort Modifikationen mit sich bringt. Die Ausgangskultur kann einen Teil ihres Werts verlieren. Und die Zielkultur ihrerseits kann sich bereichern, dahingehend dass neue Elemente (aus der Zielkultur) integriert werden können.

Zum Prozess des Kulturtransfers gibt es drei wichtige Komponente, nämlich Selektionsprozesse, Vermittlungsprozesse und Rezeptionsprozesse (Vgl. Lüsebrink 2003 zit. n. Schönhuth, 2006). Beim Selektionsprozess werden einerseits analysiert, welche kulturellen Elemente eines Volkes zu einem Anderen übertragen werden sollen und andererseits in welcher Intensität bzw. Umfang diese Elemente übertragen werden. Die Rezeption ihrerseits beschränkt sich nicht auf die Wahrnehmung, Aufnahme fremdkultureller Phänomene, sondern schließt deren produktive Aneignung mit ein (Vgl., Wille, 2003, Abschnitt. [Kulturtransfer]).

Zwischenfazit

Aufgabe dieser Begriffserklärungen bestand darin, genau darzustellen, welche Bedeutung wir den wichtigsten Konzepten der nachkommenden Analyse zuschreiben. Daraus ergibt sich, dass es einen engen Bezug zwischen Kolonisation, Kultur, deutsche Kultur und Kulturtransfer gibt. Diese Kernbegriffe sind also am liebsten nach den Sinnen, die wir ihnen je zugeschrieben haben, zu berücksichtigen, und zwar die Kolonisation als Zivilisationvermittlung, die Kultur als Gesamtheit von Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsmustern von Menschen in einer Gemeinschaft und das Kulturtransfer als Prozess der Übertragung von Kultur eines Volkes zu einem anderen Volk. Im Folgenden wird auf die Einstellung Deutschlands zur Kolonialfrage eingegangen.

2. Zur Einstellung Deutschlands zur Kolonialfrage

Dieser Teil zielt darauf ab, die Haltung Deutschlands der Kolonialfrage gegenüber zu analysieren. Dabei wird die Reaktion auf Kolonialbestrebungen Bismarcks, des deutschen Reichstags, des deutschen Bildungsbürgertums und der Missionsgesellschaften beschrieben.

2.1 Bismarcks Politik von 1871 bis 1884

Bismarcks Politik wurde in drei Bereichen aufgegliedert: die Innen-und Außenpolitik und die Kolonialpolitik. Im Folgenden werden diese drei Aspekte dargestellt.

2.1.1 Bismarcks Innenpolitik

Nach Paul-Richard in seinem Buch betitelt Bismarcks Innenpolitik zur Absicherung der Herrschaft gegen liberale Bestrebungen hat Bismarck, der eiserne Kanzler (Vgl., Tatsache über Deutschland, 2010, S.24) in seiner Amtszeit wirtschaftliche, kulturelle und soziale Maßnahmen getroffen. Im Folgenden gehen wir darauf ein.

2.1.1.1 Auf der wirtschaftlichen Ebene

In Folge der Industriellen Revolution, die im 19 Jahrhundert begann, kam es zu den Gründerjahren von 1871 bis 1873. Dabei wurden Betriebe, Unternehmen, usw. in großer Zahl neu gegründet (z.B. große Banken: Dresdner Bank, Deutsch Bank). Des Weiteren wurden auch Fabriken und Aktionsgesellschaften ins Leben gerufenund es gab Branchen rund um Kohle, Elektrizität und Bauwesen. Durch diesen technischen Aufschwung kam es zu einer Überproduktion. Aufgrund des Konkurrenzkampfes, der zu hoher Produktion und der Tatsache führte, dass es billigere Materialien im Ausland gab und die Produkte dort billiger hergestellt werden konnten, gingen viele Unternehmen im Deutschen Reich bankrott. Die Finanzmärkte sowie die Börsen gerieten auch in Not. So präsentierte sich die wirtschaftliche Lage Deutschlands der Gründung des ersten Reiches.[8]

Diese chaotische ökonomische Lage hat dazu geführt, dass Bismarck eine Reihevon Wirtschaftsreformen einführte, um die Wirtschaft stabilisieren zu können. Darunter gab es die Gewerbefreiheit, die Freizügigkeit, ein einheitliches Patenrecht, die Einführung der Mark und die Gründung der Reichsbank. 1875 wurde ein einheitliche Maß, Gewichts- und Finanzsystem geschaffen. Im Jahre 1879 führte Bismarck die Schutzzölle ein. Dadurch trat die Wende vom wirtschaftspolitischen Liberalismus (Freihandelslehre) zum Protektionismus und Konservatismus ein. Die Schutzzölle galten als eine protektionistische sowie konservative Maßnahme, sie sollten nach den Wirtschaften den Import billiger Waren aus dem Ausland eindämmen und dadurch die eigene Wirtschaft begünstigen. Sie bewirkten, dass die Kosten für inländische Erzeugnisse aus Landwirtschaft und Industrie und dadurch natürlich auch die Lebenshaltungskosten stiegen.

2.1.1.2 Auf der kulturellen Ebene

Auf der kulturellen Ebene kam es unter Bismarck zu einem Kulturkampf zwischen der katholischen Kirche und dem Staat. Wenige Monate nach der Gründung des Reiches wurde katholische Zentrumspartei kreiert, Bismarck befürchtete eine Bevormundung des deutschen Staats durch die Kirche. Dieser Partei unterstellte er eine feindliche Gesinnung gegenüber dem preußisch-protestantischen Reich und verdächtigte sie, Befehlsempfänger des Papstes zu sein.

En décembre 1869, le concile Vatican I réaffirma le dogme de l'infaillibilité pontificale de manière à renforcer son pouvoir. Le Chancelier allemand, le Prince Otto von Bismarck, considéra que la soumission croissante des catholiques allemands à Rome, combinée au pouvoir politique du parti du centre (composé de groupes catholiques), menaçait l'autorité de l'Empire. (Microsoft Encarta, 2009.)

Der Konflikt wurde wirklich durch das Unfelhbarkeitsdogma[9] von Papst Pius IX. ausgelöst. In der Tat verkündete 1870 das Vatikanische Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen und Papst Pius XI. verlangte, dass die von ihm exkommunizierten Gegner dieses Dogmas aus dem Staatsdienst entfernt werden müssten. Diese Maßnahmen galten für Bismarck als eine günstige Gelegenheit, Schlagbäume auf dem Weg der katholischen Kirche zu setzen. Er legitimiert diese Entscheidung folgendermaßen:

Die Frage, in der wir uns befinden, ist wesentlich eine politische; es handelt sich nicht um den Kampf, wie unseren katholischen Mitbürgern eingeredet wird, einer evangelischen Dynastie gegen die katholische Kirche, es handelt sich um den uralten Machtstreit zwischen Königtum und Priestertum. Das Ziel, welches der päpstlichen Gewalt vorschwebte, ist die Unterwerfung der weltlichen Gewalt unter die geistliche.

Es handelt sich um Verteidigung des Staates, es handelt sich um die Abgrenzung, wie weit die Priesterherrschaft und wie weit die Königsherrschaft gehen soll, und diese Abgrenzung muss so gefunden werden, dass der Staat seinerseits bestehen kann. Denn in dem Reiche dieser Welt hat er das Regiment und den Vortritt. (Bismarck zit. n. Paul-Richard)

Diese Politik wurde als Kulturkampf genannt, denn sie zielte darauf ab, den Reichstaat von dem Einfluss der katholischen Kirche zu befreien.Sie hat zur Säkularisierung geführt d.h. eine radikale Trennung von Staat und Kirche. Zusammen mit den Liberalen setzte Bismarck im Parlament den sogenannten Kanzelparagraphen durch, den es Geistlichen verbot, bei Predigten staatliche Angelegenheiten zu erörtern. Die geistliche Aufsicht über die katholischen Schulen wurde in Preußen durch staatliche ersetzt Wehr. Der Jesuitenorden im ganzen Reich wurde untersagt. Wurden auch die interkonfessionellen Heiraten verboten, nur noch standesamtliche Heirat als rechtsverbindlich angenommen wurde. (Vgl., a.a.O., Abschn. [Kulturkampf]).

2.1.1.3 Auf der sozialen Ebene

Auf der sozialen Ebene wurden laut Paul-Richard Bismarcks Entscheidungen in der Geschichte als Zuckerbrot[10] und Peitsche[11] genannt (Vgl. a.a.O., Paul-Richard, S.6). In der Tat hatte die zunehmende Industrialisierung und Kapitalismus die Arbeits­und Lebensbedingungen radikal verschlimmert. Die Aufhebung der Zünfte zog Menschen in Massen in die Stadt, weil sie dort auf die Arbeitsstelle hofften. Doch in den Städten gab es in Wirklichkeit nicht genug Arbeitsplätze und Wohnungen für alle. Eine Konsequenz dafür war das Bevölkerungswachstum in den Städten: ,,Die Städte explodierten förmlich. Hatte Berlin 1850 noch etwa 400.000 Einwohner, so waren es um 1900 schon 2 Millionen. In Hamburg schnellte die Einwohnerzahl von 130.000 auf 700.000 hoch.“ (Mai, 1999, S. 92). Die Unternehmer benutzten diese Bevölkerungsexplosion für ihren Profit aus, denn sie bildete eine riesige Arbeitskraft und bezahlten sie mit niedrigen Löhnen. Diese Erhöhung des Volkes bracht auch eine schlechte Wohnsituation in Deutschland mit. Die Menschen mussten in engen, unbeheizten, dreckigen und teuren Mietwohnungen leben. (Vgl. Ebd., S.92).

All diese sozialen Probleme bereiteten das Reich für eine Aufhebung. So am 23. Mai 1863 entstand die Arbeiterpartei von Ferdinand Lasalles, die ab 1875 sozialistische Arbeiterpartei Deutschland (SAPD) wurde. Diese neugegründete Gruppe verlangte direkte Gesetzgebung durch das Volk, eine sozialistische Gesellschaft und die Beseitigung aller sozialer und politischer Ungleichheit (Vgl. Ebd., S.93). So begann sie gegen die Lage der Arbeiter zu protestieren, was zu Streiks, Aufständen und Demonstrationen führte. Diese sozialen Unruhen gefährdeten den innenpolitischen Frieden und die Macht des Kaisers Bismarck. Als im Frühling 1878 zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. verübt wurden, nutzte Bismarck diese günstige Gelegenheit und rief zum Vernichtungskrieg gegen die Sozialdemokratie auf, der er die Attentate beschuldigte. So verabschiedete im Herbst 1878 der Reichstag mit den Stimmen der Konservativen und Liberalen das Gesetz wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, welches auch als Sozialistengesetz bekannt geworden ist. (Vgl. Ebd., S.94).

Dieses antisozialistische Gesetz bestand aus einem Versammlungsverbot und Presseverbot und die führenden Sozialdemokraten aus dem Reichstag auswies. Die Mitglieder der SAPD wurden überall im Land verfolgt; es gab Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, aber trotzdem blieb die SAPD als Partei bestehen. ,,Ne pouvant endiguer les progrès de cette opposition de gauche, il cherche à lui retirer une partie de son électorat en mettant en place l'une des premières législations sociales européennes: assurance maladie, assurance accident et assurance vieillesse (1883-1884). ” (Vgl., a.a.O. Microsoft Encarta.Abschn. [succès et revers en politique intérieure]) Nach der scharfen Atmosphäre der Verfolgungen führte Bismarck ab 1883 eine neue Sozialpolitik ein. Es war die Sozialversicherungen. Mit dieser Politik wollte Bismarckeinerseits die Harmonie und Frieden wieder bringen, er wollte das Land vor einem Arbeiteraufstand schützen. Dadurch gewährleistete er eine freiwillige soziale Fürsorge über Krankheit (1883), Unfall (1884) und Alter und Invalidität (1889).

2.1.2 Die Außenpolitik

Viktor Nikulin (1997) zufolge war das Hauptziel Bismarcks, Frieden in Europa zu sichern. Dies gelang durch eine komplizierte Bündnispolitik. Der Reichskanzler erklärte das Deutsche Kaiserreich für saturiert, also nicht expansions willig.

Après 1871, Otto von Bismarck cherche à maintenir un statu quo européen isolant la France et favorisant un réseau d’alliance autour de l’Allemagne. Il gère successivement deux systèmes dits « bismarckiens ».Le premier, fondé sur la stratégie d’isolement de la jeune République française, consiste en une alliance avec l’Autriche-Hongrie et la Russie (« Entente des trois empereurs », 1872), pour contrebalancer la puissance anglaise et gêner le relèvement français. Mais cette alliance est rapidement dissoute faute d’accord entre la Russie et l’Autriche-Hongrie sur la question des Balkans. (a.a.O., Microsoft Encarta 2009, Abschn. [les systèmes bismarckiens])

Bismarck sah Frankreich als einen potentiellen Störer in Europa an, da es in Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahre 1815 ein fürchterliches Rachegefühl gegenüber dem Deutschen Reich gab. Diese entstanden dadurch, dass Frankreich die größten Teile Elsaß und Lothringens, wo sich große Eisenerzreservat befanden, an Deutschland abtreten und 5 Milliarden Francs Reparationen zahlen musste. Bismarck wollte die Harmonie und den Frieden in Europa erhalten und war deswegen nicht an Konflikten mit Nachbarstaaten interessiert.

Die Isolation Frankreichs war praktisch das Ziel aller Bündnisse. 1878 wurde infolge von Spannungen zwischen Russland und Deutschland ein Zweibund aus Österreich und Deutschland gegründet, der 1882 durch den Beitritt Italiens zum Dreibund erweitert wurde. 1881 konnte das Verhältnis zu Russland durch das Dreikaiserbündnis (Deutschland, Österreich, Russland) verbessert werden. 1887 wurde ein Rückversicherungsvertrag mit Russland geschlossen, der eine Neutralität Russlands bei einem Konflikt Deutschlands mit Frankreich versicherte.

2.1.3 Die Kolonialpolitik

Im Jahre 1881 erklärte Bismarck: ,,So lange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik. Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann [...] und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen als Beute zufallen, sobald es losgeht.“ (Gall, 1980) Damit ist gemeint, dass Bismarck keine Zuneigung zur Kolonialpolitik hatte. Er legte eher das Gewicht auf die Erhaltung des Status quo in Europa. Er wollte nicht die Nachbarstaaten durch Erwerb von Kolonien reizen und dadurch möglicherweise einen Krieg auslösen. Besonders befürchtete er Probleme mit England, die eine expansive Kolonialpolitik hatte und Deutschland als einen Feind betrachten könnte. Erwähnenswert war auch die Verweigerung Bismarcks, das Angebot der Franzosen 1871, die ihren Kolonialbesitz in Cochinchina an das Deutsche Reich abtreten wollten, lehnte Bismarck ab. Haien Hauke bringt die erstaunliche Antwort Bismarcks zu Frankreich mit: ,,O! O! Cochinchina Das ist aber ein sehr fetter Brocken für uns; wir sind aber noch nicht reich genug, um uns den Luxus von Kolonien leisten zu können“ (Hauke zit. n. Nikulin, 1997). Daher ist es klar, dass Bismarck Angst vor den Kosten der Kolonien hatte, denn Kolonien mussten geschützt werden, dazu war eine Flotte, eine Wehr nötig und zur Verwaltung wurden Beamte benötigt. Die Ausgaben dafür standen nach Ansicht Bismarcks in keinem Verhältnis zu dem wirtschaftlichen Nutzen der Kolonien.

2.2 Die Gründe für die Entscheidung Bismarcks für die Kolonialpolitik

Zu der Frage was hat der eiserne Kanzler für die Kolonialpolitik bewogen? behauptet Andreas Eckert, ,,Die Frage nach Bismarcks Kursänderung ist in der Geschichtsforschung seit Langem umstritten.“ (2014). Das bedeutet, dass niemand weiß wirklich, was Bismarck für die Kolonialeroberung motiviert hat. Nichtsdestoweniger haben viele Autoren angestrebt, Antworten darauf zu liefern. Diese Antworten sind divergierend, pauschal und wahrscheinlich. Ihre Anregungen stützen sich auf die Wirtschaftslage, Innen - und Außenpolitik dieser Epoche.

2.2.1. Die Innenpolitik

Die Innenpolitik bildete für manche Autoren den Kernpunkt für die Entscheidung Bismarcks. Brunshwig und Stumpf zufolge «Bismarck considérait la kolonialpolitik comme un instrument d’intégration nationale et de politique intérieure.» (Brunshwig, 1971, Stumpf, 1979 zit. n. Zang, 2010, S.82). Des Weiteren durch die zunehmende Industrialisierung war nicht nur eine große Anzahl von Arbeiterproletariern entstanden, sondern auch eine Bevölkerungsexplosion. Ein Anteil der Menschen lebte unter schlechten und unhygienischen Bedingungen. Friedrich Fabri, der Vater der deutschen Kolonial-Bewegung (Vgl., Hamilton, 2009, S.46) in seinem Buch Bedarf Deutschland der Colonien? (1879) sah die Kolonisation[12] als ein Ventil für soziale Spannungen Deutschlands an. Anders gesagt, galt sie als eine Gelegenheit, das Problem des Bevölkerungswachstums und der Arbeiterfrage zu entschärfen, indem man Deutschen die Möglichkeit gab, in deutsche Gebiete in Übersee auszuwandern. So hatte Bismarck vor, das Interesse der Bevölkerung nach außen abzulenken, um innenpolitische Probleme zu verschleiern und die Gefahr einer Revolution zu verringern. Es ging laut Bismarck darum ,,[...]den Deutschen ein neues Ziel zu setzen, für das sie sich begeistern können.“ (Bode zit. n. Nikulin, 1997) Das war sozusagen eine kalkulierte Strategie, um einen zukünftigen Arbeiteraufstand zu vermeiden.

Die Politik war auch ein weiterer Grund für die Einlenkung Bismarcks. In der Tat war er politisch gegen die Sozialdemokraten wegen ihrer Förderung der Gleichheit. Die Wahlen standen für den 28. Oktober 1884 an und der Reichskanzler wollte die Kräfte im Parlament stärken, die seine Politik unterstützten. Da auch in der Bevölkerung eine prokoloniale Stimmung herrschte, möchte Bismarck sein Image gegenüber der deutschen Wahlschaft beschönigen, v.a. mit seiner Kolonialpolitik die ihm wohlgesonnene Nationalliberale Partei bei den damaligen Reichtagswahlen unterstützen, die Sozialdemokraten schwächen. (Vgl., Hilt, 2016, S.5).

2.2.2. Die Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Argumente haben auch eine entscheidende Rolle bei der Kursänderung Bismarcks gespielt. Brunshwig und Stumpf zufolge war der Kanzler unter dem Druck seiner Berater und von Kaufleuten gewesen. Sie haben ihnauf die wirtschaftliche Relevanz von Kolonien bewusst gemacht : ,,Bismarck aurait été convaincu par von Kusserow que le soutien logistique et militaire du Reich était nécessaire aux commerçants.“ (Zang, 2010, S. 82). Adalbert Owona (1996) seinerseits ist der Überzeugung, dass die von Kusserow und der Handelskammer geschaffenen Dokumente wirklich Bismarck beeindruckt haben:

Le fait décisif qui a motivé « le revirement de 1884 » fut incontestablement le mémoire que le conseiller intime de légation aux Affaires étrangères Henri de Kusserow adressa à Bismarck le 8 avril 1884. Le fonctionnaire allemand développait l’idée que, par le biais des compagnies à charte très en vogue dans les possessions anglaises, l’Allemagne pouvait acquérir des colonies sans que l’Etat se charge ni de leur administration ni de leur mise en valeur. Cette idée plut tellement à Bismarck que le Chancelier décida de la mettre aussitôt en pratique.

le rapport de la Chambre de commerce de Hambourg montrait la valeur des établissements coloniaux que l’Allemagne pourrait fonder à l’embouchure du Niger et dans la baie de Biafra (Cameroun) en raison des conditions climatiques très dures dans ces régions et des considérations d’ordre budgétaire, le mémoire s’opposait à la fondation de colonies de peuplement mais recommandait avec insistance l’acquisition de comptoirs et de territoires d’exploitation comme très favorable aux intérêts commerciaux de l’Allemagne [.··] (S.18).

Die Handelskammer dachte die deutsche Ökonomie durch neue Rohstoffe und Absatzmärkte zu beleben. Man wollte Handels-, Bergbau- und Plantagenkolonien gründen und den Handel intensivieren, um gegen die Depression und die Überproduktions- und Absatzkrise in der Wirtschaft kämpfen. Die Kolonialmächte (besonders Frankreich, England und Spanien) errichteten große Zollschutzzonen um ihre Einflussbereiche und beschränkten damit den freien Handel, der besonders Deutschland benachteiligte.

2.2.3. Die Außenpolitik

In Anlehnung an Viktor Nikulin hat auch die außenpolitische Sphäre einen Einfluss auf die Entscheidung Bismarcks gehabt.Deutschland war 1871 vereinigt. Es gab ein hohes deutsches Nationsgefühl. Das Land konnte schon mit anderen europäischen Ländern wirtschaftliche und politische Umgänge pflegen. Doch es fehlten im Vergleich zu anderen Wirtschaftsmächten nur Kolonien. Um eine Großmacht zu sein, müsse man Kolonien haben, war die Einstellung der Kolonienanhänger. Der französische Ökonom Pierre Paul Leroy-Beaulieu sagte diesbezüglich: „Diejenige Nation ist die größte der Welt, welche am meisten kolonisiert; wenn sie es heute nicht ist, so wird sie es morgen sein.“ (Hauke zit. n. Nikulin, 1997). Dieses Zitat war ein Anstoß zum Nachdenken, ob Deutschland noch lange ohne Kolonien prosperieren konnte.

Einerseits war auch für das Nachgeben Bismarcks die Konstellation der Kolonialmächte Frankreich, England und Russland günstig. Für Brunshwig und Stumpf „Bismarck voulait profiter des tensions entre l’Angleterre et la France au Soudan, et entre l’Angleterre et la Russie en Afghanistan pour engager sa nouvelle politique expansionniste.”(Brunshwig und Stumpf zit. n. Zang, 2010, S.82). Diese verschiedenen Mächte waren wegen Missverständnisse um Kolonien zu befürchten. In Afghanistan stand England kurz vor einem Krieg mit Russland. Auch in Ägypten gab es Streit zwischen Frankreich und England. Da die Kolonialmächte gespaltet und uneinig waren, möchte Bismarck die Lage für seinen Profit ausnutzen, Gebiete in Übersee zu annektieren. Er war vorsichtig, selbst wenn er die Kolonisation annimmt, stellt er nur die Gebiete unter deutschem Schutz. Diese Haltung Bismarcks hat dazu geführt, dass er in Problem mit Wilhelm II geriet. (Vgl., Microsoft Encarta, 2009). Der junge Wilhelm II sah eher in der Kolonisation eine Prestigestelle, eine günstige Gelegenheit, Absatzmärkte und Handelsexpansion. Er entwickelte eine reale Kolonialpolitik, und zwar die Weltpolitik durch die Ausdehnung der deutschen Flotte. Er war von den pangermanistischen Ideen beeinflusst.

2.3 Die Einstellung des Parlaments zur Kolonialpolitik

In Anlehnung an Asmuss (2015) spielte der Reichstag eine wesentliche Rolle in der Politik während des ersten Reiches. Seine Konfiguration bestand aus den politischen Parteien wie das Zentrum, die Sozialdemokraten, die Konservativen und die Liberalen. Im Folgenden wird die Haltung dieser politischen Parteien gegenüber der Kolonisation gegeben.

2.3.1 Das Zentrum

Das Zentrum war eine junge Partei im Kaiserreich, die 1878 gegründet wurde. Sie war am meisten aus Katholiken gebildet. Die Grundlage der Zentrumspartei war die Tatsache, dass sie die Selbständigkeit der katholischen Kirche im preußisch­protestantisch dominierten Deutschen Reich bewahren wollte und die Interessen des katholischen Bevölkerungsteils vertreten wollte. Sie war unter der Herrschaft der preußisch-protestantischen Regierung des Kaiserreiches und im Kulturkampf unterdrückt und verfolgt. Dieser Druck hat dazu geführt, dass die junge Partei aus allen Klassen und Schichten besonders eng zusammenhalten (Vgl., Asmuss, 2015).

Das katholische Zentrum hatte keine einzige Position bei der Kolonialdiskussion. Anfang übte sie eine vehemente Kritik auf die Kolonialeroberung aus. Sie fing darin etwas Negatives für das deutsche Volk. Diesbezüglich sagt Wilhelm Liebknecht (1885):[13]

Das Zentrum drückte sich durch den Mund seiner Redner völlig korrekt aus; die Kolonialpolitik werde dem deutschen Volk keine Vorteile bringen, höchstens einigen begünstigen Individuen; die Kolonialpolitik werde uns Verlegenheiten und Opfer jeglicher Art bereiten; das Bismarcksche „Programm“ sei bereits überschritten worden. ( S.58)

Aus den religiösen und humanistischen Gründen war die Partei prokolonial geworden. Des Weiteren waren die Argumente wie die Missionierung der Eingeborenen in den Kolonien und der Kampf gegen den Sklavenhandel in Afrika gepreist. Deshalb ließ sich diese Partei leicht um die Zustimmung für den Staat für Kolonien überreden (Vgl., a.a.O., Nikulin, 1997).

2.3.2 Die Sozialdemokraten

Die Sozialdemokratie war 1875 aus dem Zusammenschluss von Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein (1863 gegründet) und Sozialdemokratischer Arbeiterpartei (1869 gegründet) hervorgegangen. Sie befürwortete die Überführung aller Produktionsmittel in Gemeineigentum, die Aufhebung jeglicher Ausbeutung und die Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit. Damit ist gemeint, dass ab ihrer Entstehung die Partei eine Gegnerin des frühkapitalistischen, obrigkeitsstaatlichen Systems des Kaiserreichs war.

Die Sozialdemokratische Partei (ab 1890 SPD) stützte sich auf die von Karl Max und Engels Manifest der Kommunistischen Partei entwickelten Ideen, ohne in ihrer täglichen Praxis eine wirkliche Revolution zu führen (Vgl. Alemann, 2015). Sie galten als die größten Gegner der Kolonialpolitik. Diese vertraten Interessen der Arbeiter und verurteilten die Kolonialpolitik im Allgemeinen als Stärkung und Verlängerung des Kapitalismus, den es zu bekämpfen galt (Vgl., a.a.O., Nikulin, 1997). Deswegen stimmten sie gegen die Mehrforderung im Reichstag. August Bebel sagte im Reichstag aus: ,,Im Grunde genommen ist das Wesen aller Kolonialpolitik die Ausbeutung einer fremden Bevölkerung in der höchsten Potenz.“ (Nestvogel und tetzlaff, 1987). Daraus geht hervor, dass die Sozialdemokraten die Kolonisation als ein Übel bzw. eine Unterjochung eines Volkes mit Grausamkeit betrachtete.

2.3.3 Die Konservativen

Im Kaiserreich repräsentierten die Konservativen als politische Partei die Kräfte des Staates und der besitzbürgerlichen Gesellschaft, Hof und Militär, also die Führungselite. Diese politischen Parteien wurden in Reaktion auf die Liberalen und die übrigen politischen Kräfte zur Verteidigung ihrer eigenen Werte und Besitzstände gebildet. Unter den konservativen Parteien gab es erstens die Freikonservative Partei, die 1866 gegründet wurde, in der sich Großindustrie und hohe Bürokratie sammelte. Die andere Partei war die Deutsche Konservative Partei, 1876 gegründet, die großagrarischen, protestantischen und sozialreaktionären, auch die antisemitischen Strömungen verkörperte. Was die Kolonialfrage anbelangt, waren die Konservativen Anhänger der Eroberung von Kolonien, wie zeigt es das Zitat von Viktor Nikulin:

Die Meinung zu Kolonien war sehr gespalten. Die Repräsentanten der Agrarier erwarteten zwar eine Belebung des Schnapshandels, fürchteten jedoch einen Fall der Preise durch Überproduktion aus Koloniegebieten. Auch die Freikonservativen schwankten zwischen den beiden Positionen. Dennoch unterstützten die Konservativen Bismarck während seiner Expansionspolitik. (1997).

Da die wirtschaftliche Lage des jungen deutschen Reiches prekär war, dachten die konservativen Politiker, dass die deutsche Ökonomie in Bankrott gehen würde. Deswegen hofften sie, dass die Kolonien günstige Rettungsmittel bildeten. Ihnen nach könnten dorthin die deutschen überschussige Produkte verkauft und neue Boden für die Landwirtschaft ergattert werden.

Aus dieser Darstellung geht hervor, dass das deutsche Parlament im Kaiserreich eine kontroverse Position vor der Kolonisation hatte. D.h. sie hatte keine einzige und einstimmige Haltung der Kolonialfrage gegenüber hatte. Das Zentrum hatte mehrere Stellungen bei der Kolonialdebatte. Am Anfang sah die Zentrumpartei Kolonialpolitik als etwas Nachteilhaftes für das deutsche Volk. Aber später aus den religiösen und humanistischen Gründen wie der Missionierung der Eingeborenen in den Kolonien und dem Kampf gegen den Sklavenhandel in Afrika wird sie die Kolonisation annehmen. Die Sozialdemokratie setzte ab ihrer Gründung der Kolonialfrage entgegen, denn sie sah darin eine Manifestation des Kapitalismus. Die Konservativen waren die echten Anhänger der Kolonisation, weil ihnen zufolge Deutschland sich auf Kolonien stützen kann, um seine Ökonomie mehr lebhaft zu bringen.

2.3 Die Einstellung des deutschen Bildungsbürgertums

Das deutsche Bildungsbürgertum entstand gleichzeitig mit der Gründung des ersten Reiches 1871. Diese Schichte war sehr einflussreich in Deutschland und ihre Meinung wurde gründlich in Betracht gezogen. David Simo (1986) in seinem Aufsatz unterstreicht die Besonderheit dieser Gruppe:

Le noyau de ce groupe était formé des universitaires qui fournissaient à l’Etat ses hauts fonctionnaires, ses professeurs d’université et de lycée, ses médecins, ses avocats, ses journalistes, ses écrivains, ses artistes, ses pasteurs, etc. [...] Il formait une élite culturelle qui se considérait et se comportait comme telle. De ce fait, ses interprétations de la réalité, ses images du réel et les modèles de pensée développées par ses membres étaient considérées comme représentatifs de la culture allemande. (S.121 f.)

Das deutsche Bildungsbürgertum bildete die Grundlage des Staates. Daraus stammen die Beamten, die der Staat benötigte. Sie war sozusagen die regierende Klasse und verfügte über eine hohe Befugnis und Privilegien. Die Gelehrten und die Kaufmänner waren die Hauptkonstituenten des deutschen Bildungsbürgertums. Gegen das Ende der 1870er Jahre setzte die öffentliche Diskussion über die Notwendigkeit einer deutschen überseeischen Expansion und Kolonialpolitik ein. Die Befürworter dieser Diskussion waren die Gelehrten und die Kaufmänner. In der Tat hatten sie eine spezifische Zuneigung für die Kolonialeroberung entwickelt. Hampe bestätigt es, wenn er sagt :

L’enthousiasme quasi-unanime de l’intelligentsia allemande face à l’impérialisme et à la colonisation a frappé plus d’un observateur. De Treitschke à Max Weber, de Naumann à Haekel, de Bastian à Ratzel, on constate la même attitude positive et même militante envers l’expansion coloniale. (Hampe zit. n. Simo, 2010, S.183).

Zwischen 1873 und 1896 litt Deutschland an wirtschaftlichen Problemen. Das Land geriet in eine Überproduktionskrise, d.h. der Konsum war niedriger als die Produktion. Diese hatte zur massiven Auswanderung der Deutschen herbeigeführt. Der nationalistische und antisemitische Historiker Heinrich von Treitschke schreibt diesbezüglich: ,,Für ein Volk, das an einer beständigen Überproduktion leidet und Jahr für Jahr an 200.000 seiner Kinder in die Fremde sendet, wird die Kolonisation zur Daseinsfrage.,, (Treitschke, 1896, S. 344).

Georg W. F. Hegel (1800) bedient sich der Vernunft, um die europäische Kolonialherrschaft in Afrika zu legitimieren. Zu diesem Zweck sagt er:

Afrika ist das Kinderland der Geschichte. Bei der Bestimmung des afrikanischen Geistes müssen wir auf die Kategorie der Allgemeinheit ganz Verzicht leisten. Bei den Negern ist das Bewußtsein noch nicht zu einer festen Objektivität gekommen, wie z.B. Gott, Gesetz, worin der Mensch die Anschauung seines Wesens hätte, wodurch ganz das Wissen von einem absoluten Wesen fehlt. Der Neger stellt den natürlichen Menschen in seiner ganzen Unbändigkeit dar. Obgleich sie sich der Abhängigkeit vom Natürlichen bewußt sein müssen, so führt dies doch nicht zum Bewußtsein eines Höheren. (Hegel, 1784).

Für Hegel ist Afrika ein Kontinent ohne Geschichte. Hinsichtlich der Vernunft ist sie noch nicht fortschrittlich in Bezug auf die Europäer bzw. Deutschen. Was den afrikanischen Geist anbelangt, hatte der Afrikaner keine große Überlegenheitsvermögen über die religiöse Geschichte, Naturgesetze ...usw. Er ist als einen Untermenschen anzusehen. Für ihn sind die Afrikaner im Naturzustand, d. h. sie sind von der Barbarei und der Gewalt gekennzeichnet. Sie haben einen natürlichen Charakter undsind von der Natur abhängig. Von diesen oben erwähnten Aussagen können wir bemerken, dass die Afrikaner Hegel zufolge irrationale und kulturlose Menschen sind.

Graudenz und Schindler (1994) ihrerseits sind davon überzeugt, dassdrei Persönlichkeiten die deutsche Kolonialpropaganda stark systematisiert und beeinflussthaben, und zwar Friedrich Fabri, Wilhelm Hübbe-Schleiden und Ernst von Weber. Welchen Beitrag haben sie denn zur Kolonialdebatte in Deutschland geleistet? Welche Argumente haben benutzt? Im Folgenden werden diese drei Persönlichkeiten mit deren Anregung über die Kolonisation präsentiert.

Friedrich Fabri (1824-1891), der Vater der deutschen Kolonialbewegung, setzte Mit seinem Werk Bedarf Deutschland der Colonien? die Kolonialdiskussion ins Zentrum der Öffentlichkeitsdebatte (Vgl. a.a.O., Bade, S. 15). Er bewies die Ursachen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisenerscheinungen des Kaiserreiches in Überbevölkerung, Überproduktion sowie Kapitalüberschuss und propagierte das Problem, durch eine Kolonisationsoffensive lösen zu können. Wegen der nationalen und ökonomischen Wechselwirkung mit dem Mutterland („Expansion und Repulsion“) ergab sich für ihn die Möglichkeit, die deutsche Auswanderung in eigene Kolonien zu lenken. (Vgl. Möhle, 1999, S. 55). Der Export der sozialen Frage durch gelenkte Auswanderung der von ihr Betroffenen in Siedlungskolonien, die gleichzeitig als Absatzgebiete der industriellen Überproduktion dienen sollten und Deportation von systemändernden Vertretern der revolutionären Arbeiterbewegung- das waren die Ansichten Fabris über eine deutsche Kolonialpolitik. (Vgl., a.a.O., zit. n. Lausberg).

Der Hamburger Jurist Wilhelm Hübbe-Schleiden (1846-1916) veröffentlichte ein Werk betitelt Ethiopien. Darin versuchte er nach realistischen Möglichkeiten eine deutsche Marktausweitung in Afrika zu beweisen. (Vgl., Schinzinger, 1984, S.73). Er erhoffte sich von Kolonialgründungen eine Belebung der nationalen Wirtschaft, wobei er auf die Interdependenz von Industrieproduktion und Außenhandel verwies. Sein wirtschaftspolitisches Kolonialprogramm sah die Gründung und Ausweitung überseeischer Handelsgesellschaften und Produktionsunternehmungen vor. In seinen anschließenden Schriften machte sich Hübbe-Schleiden die von Fabri vorgeschlagenen sozialen Krisenargumente zunutze. Hübbe-Schleidens Vorstellungen von einer deutschen Weltmacht fußten nicht nur auf wirtschaftspolitischen Vorstellungen, sondern auch auf der Überzeugung einer besonderen deutschen Kulturmission. (Klatt, zit. n. Lausberg).

Ein weiterer Kolonialfanatiker war Ernst von Webers (1830-1903). Der sächsische Rittergutsbesitzer propagierte eine staatlich gesteuerte Auswanderung als Massenexport des sozialen Sprengstoffes, womit er die sozialdemokratische Forderung für soziale Mindeststandards meinte. Als konkretes Ziel nannte er die Gründung eines Neu-Deutschland in Südafrika sowie die Anlage deutscher Kolonien in Südamerika. Er wollte im eigenen Lande die von ihm vorhergesehene Revolution unterbinden und als Lö sung s strategie die Umsiedlung zahlreicher Deutscher in Kolonien empfehlen. (Vgl., a.a.O., S. 96).

2.4 Die Missionsgesellschaften

Die Missionsgesellschaften bezeichnen religiös-konfessionelle Gruppen, die meinen, dass sie auf der Welt mit einer Mission beauftragt sind, nämlich die Propagierung der biblischen Botschaft (Vgl., Giancarlo, 1998). Sie galten auch als eine Komponente der deutschen Gesellschaft während des ersten Reiches. Darunter zählte man die protestantische, die katholische und deutsche Baptist Missionsgesellschaft.

Diese überkonfessionellen Gruppen begannen mit ihrer Tätigkeit in den deutschen Überseegebieten.

Die Missionare waren oftmals die ersten Repräsentanten der Regierung (Vgl., Gründer 1992, 69), insofern als manche von ihnen wie Theodor Christaller, Heinrich Norden von dem Reichkanzler Bismarck in Übersee gesandt wurden, um den Kolonialherren zur Seite zu stehen. Ute Planert (2007) ist der Gesinnung, dass Bismarck klar die Aufgaben zwischen den Kolonialherren und den Missionsgesellschaften bestimmt hatte: denn, ,,Der Kolonialstaat war für den äußeren Gehorsam der Afrikaner zuständig, die christliche Mission sollte für deren innere Unterwerfung sorgen.“ Die Missionsgesellschaften waren eine große Stütze des Kolonialismus, was an mehreren Fakten deutlich wird. So lieferten sie den Kolonialisten eine Rückhalt durch das christliche Untertanengebot in Römer 13, wo es unter anderem heißt: ,,Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den Schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt [...]“ (katholische Bibelanstalt, S.1276).

Collet Giancarlo (1998) unterscheidet vier Funktionen der Missionsgesellschaften:

Die verborgene Mission: Hier geht man von der biblischen Aussage aus, dass das Martyrium das sterbende Weizenkorn viel Frucht bringe (Joh. 12, 24). Dass Jesus als Märtyrer gestorben ist, damit ein neues Leben in die Erde kommt. Diese Mission beruhte auf dem Mondtheologie der Väter, die Jesus als eine aufgehende Sonne und die Kirche als Mond ansah (Vgl., Giancarlo, 1998, S.46). Das bedeutet, dass die Kirche nur Christus, der Sonne verbunden bleiben und ihm ähnlich werden, dann konnte sie das von ihm empfangene Licht auch an die Erde weitergeben. Um diese Idee zu rechtfertigen, beriefen gern die Missionare den theologischen Kernsatz des Matthäus-Evangeliums (Kap 28, Vers 19). Es heißt: ,,Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch gebote habe,, (zit. n. Ute, 2007).

Der Autorin nach ist dieses Modell vorhanden, wo der Dienst der Kirche an der Welt v. a. im Gebet, in der Betrachtung, im Leiden, in der Verborgenheit gesehen wird. (Vgl. a.a.O., S.47) Horst Gründer nannte diese Mission als das primäre Ziel der

Missionare. Sie war nicht die Kulturmission, sondern die Bekehrung der lokalen Bevölkerung und die Gründung von Kirchengemeinden. ( Gründer, a.a.O., S. 336 - 337). Die Kolonisation galt hier als eine Gelegenheit für die Kirche, das empfangene Licht an die Erde zu verbreiten, die Völker zum Christentum zu bekehren.

Neben der verborgenen Mission kam die Mission gegen die Heiden: Die Kirche betrachtete die nichtchristlichen Gesellschaften als Heiden, als Feinde des Gottes. Dementsprechend sollte die Kirche gegen sie kämpfen. Man darf nicht zögern, für Gott und seine Sache mit allen Mitteln zu kämpfen. Dieser Kampf wird in dieser Logik zur Verlobung Gottes.

Die eschatologische Mission: Der Autorin nach hat die Kirche hierbei eine prophetische Funktion, die darin besteht, Völker auf das Reich Gottes vorzubereiten, ihnen das Gute und das Schlechte zu zeigen. Die Kirche wird gesandt, um die messianische Botschaft und Schalom zu verkündigen. Die Kolonisation galt also als einen Anlass dafür.

Die Mission der Armen: Die Kirche wollte das Nord-Süd-Konflikt, die wirtschaftliche und soziale Kluft überwinden. „Das Evangelium galt als „gute Nachricht für die Armen“, als „das Wort des Lebens“ (Vgl., a.a.O., S.52) Hier geht es um eine Wiederbewertung der Armen, der Einheimischen. „Die Armen bilden die von Gott bevorzugte Adressaten und Subjekte der Verkündung“ (Ebd., S. 52). Dies besagt, dass die Kirche den Armen Leuten zur Seite stehen soll und ihnen dazu hilft, autonom zu werden. Klar gesagt, ist es die Rede der universalen Solidarität. Deshalb widmeten sich die deutschen Missionare dem Aufbau von Bildungseinrichtungen, wo besonderer Wert auf Gehorsamkeit und Disziplin gelegt wurde. Die deutschen Missionare setzten sich zudem für die medizinische Versorgung der Bevölkerung ein und unterstützten die Menschen in Krisenzeiten.

2.5.1 Die Basler Mission

Die Basler Mission war die erste protestantische Missionsgesellschaft im deutschsprachigen Raum, die von den Basler Pfarrern und Laien zusammen mit C.F. Spittler aus Württemberg im Jahre 1815 gegründet wurde. Diese überkonfessionelle Gesellschaft, die ihren Sitz in Basel hat, war von Anfang an durch das Zusammenwirken von reformierten Schweizern und Luthanern württembergischer Prägung gekennzeichnet (Vgl., Basler Mission). Hinsichtlich der Kolonisierung soll darauf hingewiesen werden, dass die Basler Mission aufgrund des Missionsbefehls Jesus (Matthäus 28, 18-20) eine Zuneigung zur Kolonialfrage hatte. Sie sandte Missionare in fremde Erdteile für die Ausbreitung des Evangeliums. Bemerkenswert hier sind ihre Richtlinien an die Missionare im Jahre 1827. Sie waren die Folgenden:

[...] auf jedem eurer Schritte in der Negerwelt es keinen Augenblick zu vergessen, wie übermütig und schändlich seit Jahrhunderten die armen Neger fast durchgängig von Menschen, die sich Christen nannten, behandelt worden sind [...] und wie viel unter ihnen gutzumachen ist.(Ebd.)

Daher wird festgestellt, dass diese Missionsgesellschaft schon ein Bild über die Einheimischen hatte, und zwar ein pejoratives bzw. abwertendes Bild. Sie versuchte dieses Image im Kopf ihrer Missionare zu verankern, um ihnen zu gestatten, ihre Predigte gut anzupassen und fremde Völker besser zu dominieren. Von diesem Tatbestand ausgehend ergibt sich, dass diese Mission eine doppelseitige Haltung hatte. Die erste war die Evangelisierung und die zweite die seelische Unterwerfung einheimischer Völker. Andre Freese (2001) in seiner Analyse der Beziehungen zwischen den Missionaren und der Kolonisation im deutschen Kaiserreich stellt fest, dass die Basler Mission nicht für das Wohlsein des Einheimischen arbeitete, sondern versuchte sie möglichst in eine abhängige Beziehung zu erhalten. Sie wollte keine Emanzipation der Einheimischen. Es kommt mit dem folgenden Zitat zum Ausdruck:

Die Basler Missionare befürchteten nämlich, dass eine Christianisierung eher bei freien afrikanischen Bauern und Handwerkern Erfolg versprach, als bei enteigneten und dadurch besitzlosen Lohnarbeitern, bei denen die Gefahr bestand, dass sie sich radikalisieren. (S.11).

Spezifisch bei der Basler Mission war ihre Förderung der Arbeit in Übersee und ihre Sorge um den Lebensunterhalt der Christen (Vgl., Basler Mission). Die Arbeit der Basler Mission wurde in vier Bereiche aufgeteilt:

- In die Aus- und Weiterbildung von Pfarrern und Laien.
- In die Evangelisation und im Gemeindeaufbau.
- In die landwirtschaftlichen Arbeit, Gesundheitsdienst und Berufsausbildung.
- In den Bereich des fairen Handels und der Suche nach neuen Märkten für traditionelles Handwerk.

Unser Korpus, der Reisebericht von Heinrich Norden Der Urwaldschulmeister von Kamerun ist ein Text, dem die Basler Mission gehört. In diesem Text sind die beiden Hauptfiguren, Kämpfer und Nsia Protestante (der Basler Mission) und haben eine Pfarrersausbildung absolviert. In diesem Werk stellt Heinrich Norden die Arbeit der beiden Missionare Kämpfer und Nsia im Dorf Nkongbetanu auf der religiösen, sanitären und Erziehungsebene dar. Zum Beispiel Im ersten Kapitel betitelt „Nkongbetanu“ er zeigt die Grundbasis des Schulwesens und den Bau der ersten Schule im Dorf. Im fünften Kapitel betitelt „Aller Anfang ist schwer“ wird dargestellt, wie Nsia die Einheimischen durch die europäische Schule erzieht. Das sechste Kapitel der erste Sonntag in Nkongbetanu präsentiert, wie Nsia ihnen die Gottessache beibringt.

2.5.2 Die Katholische Mission

Die katholische Mission im Vergleich zur Basler Mission befand sich in einer schwierigen Lage. Ein wichtiger Grund hierfür war die von Bismarck erlassenen Kulturkampfgesetze, die von dem Unfelhbarkeitsdogma des Papstes (1870) sowie den kirchenpolitischen Vorstellungen der katholischen Kirche herbeigeführt wurden (Vgl. Gütersloh, 1996, S.461). Die Katholische Kirche hatte eine positive Haltung der Kolonialfrage gegenüber. Die Kolonisation ihr nach war eine Mission und die angemessene Zeit, das Christentum weltweit zu verbreiten. Der katholische Missionspartner Amandus Acker behauptete diesbezüglich: „Die Gelegenheit zur Verbreitung des Glaubens ist heute so günstig, wie wir sie seit Anfang des Christentums noch nie gesehen haben“ (Acker zit. n. Ute).

Aus dieser Darstellung wird konstatiert, dass zwecks der Unterwerfung der Einheimischen die Missionsgesellschaften mit den Kolonialherren zusammenarbeiteten. Die Basler Mission und die katholische Kirche hatte eine positive Einstellung der Kolonialfrage gegenüber. Ihr gemeinsamer Nenner war die Ausbreitung der biblischen Botschaft, des Christentums und die Zivilisierung der Einheimischen. Es lohnt sich auch zu unterstreichen, dass die Basler Mission im Vergleich zur katholischen Mission in Übersee in zahlreichen Bereichen tätig war.

Zwischenfazit

Dieses Kapitel über die Einstellung Deutschlands zu der Kolonialfrage ist für die vorliegende Analyse bedeutsam. Es veranschaulicht, wie die Deutschen die Kolonisation ansahen und rechtfertigten. Durch Kolonien sollten neue Rohstoffe und wirtschaftliche Absatzmärkte erschlossen werden. Die Bevölkerungs- und Auswanderungsfrage spielte auch eine zentrale Rolle in der Kolonialpropaganda und Expansionsagitation. Nationalpolitische und nationalpsychologische Motive standen gleichrangig neben den wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Argumenten. Kulturmissionarisch- sendungsideologische Argumente wie die Christianisierung und Zivilisierung der Wilden wurden durch Missionarsgesellschaften vorangetrieben. Die Kolonialbewegung entsprach dem Prestigebedürfnis breiter

Bevölkerungskreise.Wegen ihrer festen Argumente über die Relevanz von Kolonien waren Friedrich Fabri, Wilhelm Hübbe-Schleiden und Ernst von Weber die wichtigsten Persönlichkeiten der Ausformulierung und Agitation für das Eintreten Deutschlands in das Kolonialzeitalter.

3. Zur kulturellen Lage Kameruns vor der Ankunft der Deutschen : Ein Überblick

Ziel dieses Kapitels ist es zu beweisen, dass es vor den Deutschen schon Kulturen in Kamerun existierte. Kamerun vor der deutschen Kolonialherrschaft bestand aus einer Vielfalt dynamischer Völker mit unterschiedlichen kulturellen Charakteristiken bzw. Gebräuchen und Sitten. Darunter gab esdie Küstenvölker (die Duala, Bassa, Bakoko, Bakweri, Batanga... usw); die Grassfieldvölker (Bamileke und Bamun); die Peul und Sudanesen (Kotoko, Mousgoum, Massa, Toupouri, Kapsiki).

3.1 Die kulturelle Lage an der Küstenregion: Am Beispiel des Duala-Volkes

Im Folgenden wird gezeigt, dass vor der Ankunft der Deutschen es schon eine Kultur an der Küstenregion Kameruns existierte. Wir werden uns nur mit dem betroffenen Volk beschäftigen, nämlich die Duala.

Bei diesem Volk war der Ngondo^bedeutungsvoll. Er bildete sowohl eine kulturelle Feierlichkeit als auch eine politische Instanz (Ngando, 2002, S.29). Kulturell gesehen war Ngondo ein traditionelles Fest von Sawa-Völkern am Ufer des Wuriflusses, dessen Ziel darin bestand, ihre Ahnen zu ehren. Dieses Fest fand zwischen dem Ende von November und dem Anfang von Dezember jedes Jahres statt. Politisch gesehen, hatte Ngondo auch als Hauptziel, die wirtschaftlichen Interessen der Duala-Völker zu verteidigen und die Konflikte zwischen den verschiedenen Duala-Stämmen friedlich zu lösen[14] [15]. Die Themen dieser Zeremonie waren den Jahren spezifisch. (Vgl.,Ebd., S.29) Während dieses Festes inspirierte sich der Bote von der Macht des Flusses, um die Nachricht der Ahnen zu enthüllen. (Vgl. http://www.cameroundoualaafrikablog.com./albums/lengondo abgerufen am 21.09.2016 18:03). Hinzu gab es auch mehrere Aktivitäten und Konkurrenzen im Laufe dieser Zeremonie wie l’immersion du vase sacré, die Wahl der schönsten Frau, das Laufen mit Einbäumen.usw. Das Bild A-3 (Siehe Anhang) illustriert l’immersion du vase sacré während der Zeremonie von Ngondo.

L’immersion du vase sacré verweist auf einen mystischen Aspekt dieses Festes, der die Kommunion mit den Ahnen gestaltet. Der Mann mit dem Schlamm auf dem Kopf kommt aus dem Wasser mit einer Botschaft der Ahnen für das Duala-Volk. Diese Botschaft der Ahnen war zunächst von dem Boten interpretiert worden und dann geoffenbart. Kurz gesagt kann behauptet werden, dass die Kultur der Duala sich um Ngondo herum zusammenfasst. Diese Zeremonie ist für sie etwas Positives und eine Überbrückung mit ihren Ahnen.

3.2 Die Kultur im Westen

Im Westen Kameruns gibt es zwei Hauptgruppen, und zwar die Bamileke und die Bamun-Völker. Im Folgenden präsentieren wir die Kultur dieser beiden Völker vor der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun.

3.2.1 Das Bamileke-Königreich

Die Bamileke leben auf den Bergen und bezeichnen die westlichen Völker Kameruns, die sich in Königshäusern genannt chefferie umgruppieren. Auf der kulturellen Ebene waren diese Völker sehr berühmt durch ihre unterschiedlichen Feste, Kunst und merkwürdigen, eindrucksvollen kostümierten Tänze. Im Allgemeinen wurden diese Tänze durchgeführt, wenn ein Mitglied des Männer-Gebundes starb. Die Männer-Geheimbündnisse jedes Königtums stützten ihre Stellung auf geheime Besprechungen und magische Rituale. Während der Tänze erwiesen die Träger eines Maskenkostüms dem Verstorbenen die letzte Ehre mit geräuschvollen Bewegungen, indem sieum den Sterbeort herum tanzen. (Vgl. Puepi/Njomgang, 2003, S.27).

Für die Ehrung der verstorbenen Häuptlinge erschienen die Männer in Kostümen mit Holzmasken, die die menschlichen Gesichter oder Tierköpfe darstellten. Zwischen ihren Händen hielten die Maskenträger geschnitzte Stäbe. Die Figuren waren Denkmäler, die bei Anwesenheit des Herrschers das Volksleben übermachen. Die Maske war daher kein banaler Kunstgegenstand, sondern wurde durch Träger, Kostüm, Schmuck und rhythmische Bewegungen ihre magische Kraft lebenskräftig. (Vgl. Ebd., S.27) Das Bild A-4 (Siehe Anhang) untermauert die Tänze mit Kostümen der Bamileke-Völker.

Sprachlich gesehen, hatten die Bamileke eine Vielzahl von Sprachen, aber die wichtigsten Sprachen waren die Ngiemboon, die Gomalà, die Medjumba und die Fèfè (Vgl., Ebd., S.115). Auf der religiösen Ebene glaubten die Bamileke an einen einzigen Gott Si. Bemerkenswert bei den Bamileke-Völkern ist die Tatsache, dass sie den Schädelkult praktizierten. (Vgl. Mveng, 1980, S.240). Des Weiteren glaubte das Bamileke-Volk, dass die Verstorbenen einen Einfluss auf das Leben der Lebenden haben. Diesbezüglich fügen Bernard Puepi und Henri Njomgang (2003) hinzu:« Le culte des crânes est la pratique explicite du commandement de Dieu d’honorer ses parents, en même temps qu’il exprime extérieurement la croyance à l’immortalité de l’âme qui sort du corps » (S.116) Sozusagen, dass es ein Zeichen des Respekts vor der verstorbenen Person war. Diese Praxis bestand darin, den Schädel der Verstorbenen nach einem oder zwei Jahren auszugraben und in einem geheimen Zimmer zu bewahren.

3.2.2 Das Bamun-Königreich

Das Bamun-Volk ist der Nachkomme des Tikar-Volkes[16] aus der Region von Adamaua. Es hatte im Gegensatz zu den anderen Völkern des westlichen Teils Kameruns einen einzigen König, eine einzige Sprache genannt Shupa-mum. Die Kultur dieses Volkes wurde auch durch ein Fest charakterisiert, die unter der Bezeichnung Nguon bekannt ist. Während dieses Festes sind zahlreiche interessante Aktivitäten wie traditionelle Tänze und Ritualen organisiert worden. Diese Zeremonie gilt auch als eine Gelegenheit für das Bamun-Volk sich um einen Tisch herum zu versammeln, um ihre wichtige Probleme darzustellen und Lösungen dafür zu finden. (Vgl., Dartnaud, 2016, S.23) Das war eine wirkliche Kommunion zwischen dem Bamun-Volk und seinem König. Früher fand Nguon einmal pro Jahr, und zwar während der Ernten am Ende Juli oder am Anfang August statt (Vgl., Ebd., S.3).

In Anlehnung an Judith Njele war auch die Schrift genannt Shü-mon ein weiteres kulturelles Merkmal des Bamun-Volkes (2011, S.29). Diese Schrift, die von dem Sultan Njoya ins Leben gerufen wurde, bestand aus Buchstaben, Ziffern und Zeichen. Sie diente sowohl als Kommunikationsmittel als auch ein Medium zur Verbreitung der Bamun-Sprache (Vgl., Mveng, 1980, S.245). Das Bild A-5 (Siehe den Anhang) untermauert die Schu-mon-Schrift.

Hinsichtlich der Religion wurde das Bamun-Volk zu dem Islam bekehrt , der ihnen die Möglichkeit gab, mehr als eine Frau zu haben (vgl., a.a.O. S.29). Auf der künstlichen Ebene hatten die Bamun einen reichen vielfältigen musikalischen Rhythmus wie der Medu, der Kena, der Pinja und der Yaya. Ihre Kunst war prächtig. Sie schnitzten Masken, Statuetten aus Bronze. Sie bauten auch schöne feste Gebäude auf. (Vgl.,http://balistobleu.blogspot.com/2012/05/lorigine-des-bamoun.html, abgerufen am 10.12.2016 17:15.) Der Palast des Königs auf dem Bild A-6 (Siehe Anhang) ist ein Beweis dafür.

3.3 Die Kultur im Zentrum und im Süden: Am Beispiel des Fang- Volkes

Die Fanggruppen als auch Völker der Wälder genannt, bestehen aus 6 Ethnien und zwar: Eton, Bulu, Ewondo, Béné, Mvaé, Ntumu. Diese Völker existierten nicht nur in Kamerun,sondern auch in Gabun und Äquatorialem Guinea. (Vgl., Mveng, 1980, S.254).

Literarisch gesehen, hatten die Fang -beti eine mündliche Tradition, die sich durch den Mvett (Siehe das Bild A-7 im Anhang), ein Musikinstrument vermittelt wurde. Der Mvett galt nicht nur als Musikinstrument, sondern auch als ein Mittel zur Übertragung der Geschichte dieser Volker zu den jungen Generationen. (Vgl. Mbouombouo und Ngoufo, 2011, S.30) Die Fang-beti hatten schon vor der Kolonisation eine reiche[17]

Literatur, die aus Legenden, Märchen und Sprichwörtern dieser Gesellschaft bestand.( Ebd., S.30)

Neben der mündlichen Literatur hatten die Fang-beti ihren spezifischen Tanz und Rhythmus. Die Tänzerinnen hier wurden in den Schulen gebildet und bildeten ihre Truppen. Um ein(e) Tanzer(in) zu werden,musste man eine physische Gewandtheit, Talente von Sängern und eine außerordentliche Erinnerung haben. So kann gesagt werden, dass die Fang-beti Dichter, Sänger und Tanzer waren. (Vgl., a.a.O., S. 256 f). Was die Kunst angeht, waren die Fang große Künstler. In der Tat schnitzten sie Holz und Elfenbein, Masken. Auf der religiösen Hinsicht glaubten die Fang Beti an einen Gott genannt Zambe. Diese Volker beteten diesen Gott während der schwierigen Momente der Existenz. Aber im laufenden Leben kommunizieren Völker mit verstorbenen Ahnen und Geistern. (Vgl., Ebd., S.257).

3.4 Die kulturelle Lage im Norden

In Nordkamerun unterscheidet man zwei Hauptgruppen von Völkern, nämlich die Peul und die Sudanesen. In der zweiten Gruppe findet man eine Mosaik von Ethnien (Mousgoum, Massa, Tupuri, Guisiga, Moundang, Kirdi...usw.). Aber im Rahmen unserer Arbeit werden wir mit den kulturellen Merkmalen von Peul und Tupuri beschäftigen.

3.4.1 Bei den Peul

Die Peul kommen aus Westafrika (Bornou) und traten in das Gebiet zwischen dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert ein. (Vgl., Ngoh, 1990, S.5f.).Vor den Deutschen hatten schon die Peul ihre eigene Kultur. Bezüglich der Religion hattensie manche Werkzeuge seit der Schaffung von Laminats und Sultanats nach dem Ende des 18. Jahrhunderts verwendet. Diese religiösen Objekte waren: gegerbte Häute von Schafen, die Kessel mitgekochter Erde, Holzschiefertafel, der abgefasste Koran mit den Händen. Die gegerbten Haute von Schafen wurdenals Gebetsteppichen benutzt. Die Kessel mit der gekochten Erde waren für die Entfernen. Die Holzschiefertafel erlaubten Kinder, den Koran zu lernen. (Vgl., Nzefa, 2012, S.146).

Auf der kulinarischen Ebene benutzten die Fulbe mehrere Werkzeuge und Kuchengerate (Kochtopfe mit gekochten Erde, Kalebassentellerusw.) während der Zeremonien von Heirat, Geburt, Beschneidung und Tod. (a.a.O., Vgl., S. 146).

Die Beschneidung in Nordkamerun war wichtig, deshalb wurden zahlreiche Feierlichkeiten dafür veranstaltet. Alle fangen bei dem Lamido an. Er kommunizierte das Datum dieses Rituals in seinem Gebiet und die Häuptlinge jeder Familie meldeten ihre Kinder zur Zeremonie an. Dann bewegen sich manche Stellvertreter der Dörfer und Viertel, um die Meldung des Datums zu machen und viele Bevölkerungen an den Zeremonien teilzunehmen einladen. Während der Beschneidung werden die Kinder von den Wanzam unter der Leitung des Lamidos rasiert. Und viele Feierlichkeiten (Tanze, musikalische Tonkünste.usw.) waren für den guten Verlauf des Ereignisses organsiert. Nach diesem Ritual nahm man an der Phase der Geschenke und der Glückwünsche teil (Vgl., Ebd., S.143).

Die Vielzucht war ein kultureller Reichtum bei den Peul. Das Rind bei ihnen verwies auf ihre Identität. Für sie ist dieses Tier ein guter Begleiter und sogar ihr Bruder. Die Peul und Rinder waren immer zusammen und die beiden leben von grünen Kräutern. Dies lässt sich durch die folgende Textpassage erläutern:

Le Peul vit du rendement dont est faite sa vie inséparable de celle de L’animal qu’il nourrit pour qu’il le nourrisse de son lait, à des occasions, pour lui douloureuses, de sa viande ou de sa peau échanges contre du grain des pays de la savane soudanaise. (Hama, 1968, S.257).

Die Peul und Rinder waren sehr eng verbunden. D.h., die Fulbe können nicht ohne Rinder bzw. Rindfleisch leben. Für sie ist es ein Guter. Auf der sprachlichen Ebene hatte dieses Volk ihre Sprache, und zwardie Fulbe-sprache, aber sie waren zweisprachig, denn sie beherrschten die Fulbe, ihre Sprache und sprachen auch Haoussa. Diese Zweisprachigkeit erklärt sich durch die Handelbeziehungen, die sie mit Nigeria pflegten. (Vgl., Ebd., S.264f). Hinsichtlich der Kunst waren die Peul Schmieder, Geber, Schuhmacher, Weber, Färber. All diese Berufe bildeten den Kern der traditionellen Industrie in Nordkamerun. (a. a. O. , S.148).

3.4.2 Bei den Tupuri

Die Tupuri sind Völker des Nordkameruns, die aus Sudan kommen. Sie gingen Wüste nach Tchad durch. Später siedelten sie sich in Tschad an und ein Teil richtete sichauf Kamerun.[18]

Spezifisch bei diesem Volk war sein Lebenszyklus, das sich durch mehrere Elemente wie die Geburt, das Einweihungsritual, die Ehe...usw.) beschreiben ließ. Ab der Geburt eines Kindes in einer Familie wurde die Taufe nach einer Woche vorgesehen und die Wahl der Namen oder eines Namen wurde von den Großeltern gemacht. Bei ihnen war es eine Tradition, dass während ihrer Kindheit die Mädchen sich um die Schafe im Busch kümmern sollten. In der gleichen Periode warenalle Jungen des Dorfes in einer Konzession versammelt, die schon zwischen zehn bis zwölfunddreizehn Jahre alt waren, um die Einweihung zu bekommen. Diese Einweihungsphase im Busch dauerte drei Monate und wurde von dem Taufersvater durchgeführt. (Vgl., Lembezat,1961, S.97f).

Inzwischen mästete jeder Verwandte Rinder, Schafen, Ziegen für den Empfang der neuen Eingeweihten. Die Mädchen ihrerseits bereiteten sich durch das Kaufen der Schmuck vor. Die Anderen trugen eine gute Kleidung für den Empfang der Eingeweihten. Diese Mädchen sangen auch die Lieder vor den Eingeweihten und das Fest begann mit zu viel Essen und Wein. Am Ende dieses Einweihungsrituals genannt Laba bekam jeder Eingeweihte im Busch einen neuen Namen. Jeder Name trug in Suffix Kreo- Sam -Sala -Dandi und bedeutete ,,Ich bin ein Mensch geworden.“ (Ebd., S 98). Die Zeremonien der Ehe bei den Tupuri und Massa sind identisch. (Vgl. Ebd. S.98). Aber bei den Tupuri, die Familie der Braut und der Tochter bekamen manche Geschenke bei der Sitte. Der Brautpreis bestand aus Geld (Soolay -Bii) und materiellen Dingen (Rindern). Die Einzahlung von diesen Gütern folgte viele Etappen. (Vgl., Ebd., S.98f.).

Was das Glauben und die Religion angeht, glaubten die Tupuri an die Existenz eines einzigen Gottes Bä. Er ist der Gott ihrer Ahnen und wurde durch traditionelle Ritualen verehrt. (Vgl., Ebd, S.101).

Eine weitere Besonderheit von Tupuri war das Agrarritual. Es gab nämlich zwei Hauptfesten: das Erste war während der Ernte von roten Hirsen am Ende der Regenzeit und das Zweite in Mitte der Trockenzeit. Das erste Fest wurde das Hüchnensfest und wurde Gakaki oder Cokage genannt. Es hatte als Opfer den Stier und die Ritualen bestanden aus unterschiedlichen Phasen (Vgl., Ebd.,S.101):

- die erste Ähre der roten Hirse,
- beendete Ernte nach einer Woche,
- die Versammlung des Stammes um den Häuptling,
- das Metzeln des Stiers,
- Teilung des Fleischs mit Anrufungen des Gottes und der Ahnen. Es endete in Dore.

Das zweite Fest wurde Karan genannt. Es verlief sich im März und wurde in Dore organisiert. Hier gab es auch Opfer in zwei Momenten. Erstens gingen die jungen Leute durch das Land und bekamen Geschenke. Zweitens gab es die Opferung der Ziegen. (Vgl., Ebd., S.101f.).

Auf der literarischen Ebene hatten die Tupuri eine mündliche Tradition. Diese mündliche Literatur bestand aus Legenden, Fabeln, Märchen und Sprichwörtern. Auf der Ebene der Architektur und Kunst bauten sie die Strohshütten und sie interessierten sich auch für die Armbände und Topferei. (Vgl., Ebd., S 105f.).

Aus den dargestellten Elementen können wir schlussfolgern, dass es schon vor den Deutschen Kulturen in Kamerun gab. Diese Kulturen waren vielfältig und unterschiedlich zum Beispiel diejenige an der Küste war nicht dieselbe im Norden oder im Westen. Es lohnt sich auch hier zu unterstreichen, dass diese Kulturen friedlich waren. Sie waren reich an Tänzen, (Kult)Ritualen, Festen, Kunst, Märchen... usw. Die Kulte und Feste galten als Mittel zur Kommunikation mit ihren Ahnen.

3.5 Die Lage Nkongbetanus vor der Ankunft der Deutschen

Das Wort Nkongbetanu stammt aus Nkongbetan d.h. fünf Dörfer. Das war ein Dorf, das aus fünf Dorfteilen bestand. (Vgl., Norden, 1923, S.18). In diesem Dorf lebten die Menschen vor der Ankunft der Deutschen unter dem Einfluss von heidnischen, traditionellen Gebräuchen und v.a. unter jämmerlichen Lebensbedingungen (ohne Frieden, Diebstahl, Räuber, Zauberei und Seuchen). Das Dorf Nkongbetanu war sozial gesehen von einem Häuptling genannt Ngabe regiert. Er war „ein alter, aber noch rüstig aussehender Mann, dem man seine Häuptlingswürde ansah“ (Ebd., S.17). Er war allmächtig und befahl dem Volk des Dorfes. Er wurde von den Ältesten beratet.

Auf der Erziehungsebene gab es vor den Deutschen keine Schule bzw. schulische Institution. Es gab eine traditionelle Erziehung. Die Jungen wurden durch Märchen erzogen. Es war mündlich und fand um das Feuer herum statt. Interessanter hier war die Tatsache, dass am Ende dieser Märchen eine (moralische) Lehre geliefert wurde. Diese Lehren bestanden am meisten aus Werten bzw. Tugenden und Verhaltensweisen in der Gesellschaft. Eine derartige Erziehungsmethode war unglücklicherweise sehr beschränkt, denn der Erzähler des Dorfes Wuru wiederholte immer wieder dieselben Märchen. Es war wie eine Routine. Im Vergleich zu der europäischen Schule gab es keine Schulfächer, die Schüler wurden nicht per Stufen verteilt. Der Erzähler arbeitete mit allen Jungen zugleich in demselben Raum. Zusätzlich war diese Erziehung nicht kontinuierlich, nicht regelmäßig, denn sie hing von den Jahreszeiten im Dorf ab, wie der folgende Textauszug davon zeugt:

Für die übrigen Dorfbewohner war die Regenzeit ziemlich langweilig [...] Die Weiber konnten nicht auf die Felder gehen, die Männer nicht zum Busch roden[...] da versammelten sie täglich in der sogenannten Palaverhütte und vertrieben die Zeit[.] Jetzt war Wuru, der Erzähler in seinem Element. (Ebd.,Norden, S.160).

Daraus wird festgestellt, dass diese Erziehung am meisten während der Regenzeit aktiv war und sie galt für die Einheimischen als eine Mittel, um die Zeit zu verbringen. Doch die europäische Schule funktioniert von Montag bis Freitag und folgt einem Stundenplan und einem Programm. Im Allgemeinen war die traditionelle Erziehung der Einheimischen nicht organisiert im Sinne von Fächern, Klassen, Zielen, Aktivitäten und Lehrmateriellen (Tafel, Kreide, Schwamm und Lehrwerke).

Bezüglich der Gesundheit im Dorf Nkongbetanu vor der Ankunft Kämpfers und Nsias war die Lage beklagenswert. Die Dorfbewohner hatten keine gute Gesundheitspflege. Es beweist sich durch das Putzen der Zähne mit Baumrinden, Nasen Toilette und das Zusammenleben mit Tieren. Die folgende Textpassage illustriert es deutlich:

Höchstens das Putzen der Zähne nahm bei manchen längere Zeit in Anspruch. Das wurde gründlich besorgt, nie zu hatte jeder seine „Sisako“ eine Wurzel, die der Wald umsonst lieferte oder ein Stücklein wildes Meerrohr, wovon da seine Ende pinselartig zerklopft oder zerkaut worden war und die Bürste war fertig. (Ebd., Norden, 1923, S.53).

Die einheimische Bevölkerung verwendeten traditionelle Putzmittel für ihre Hygiene, denn sie putzten sich die Zähne mit den Baumrinden. Doch diese Mittel könnten für ihre eigene Gesundheit gefährlich sein und sie verletzten. Sie sollten normalerweise eine Zahnpasta benutzen. Wir haben auch eine im Werk auf Seite 53 gestellte rhetorische Frage Waschen am Morgen wozu? Diese Frage lässt glauben, dass die Einheimischen vor den Deutschen kaum über die Köperpflege kannten.

Ein weiteres Problem des Dorfes war das Vorhandensein zahlreicher Epidemien. „In Nkongbetanu waren ganz 167 Menschen erlegen [...] in einem Dorf mit etwa 600 Seelen waren nur noch drei Personen am Leben geblieben.“ (Ebd., S.218). Des Weiteren litten die Dorfbewohner an vielen Seuchen. Die Pocken zählten zu diesen Krankheiten, die die Bevölkerung verheerten. Die Menschen erklärten die Ursache ihrer Krankheiten als eine Strafe von Nyambe, ihr böser Gott[19], weil sie etwas Schlechtes oder Böses begangen hätten. Doch Kämpfer dachte, dass der Schmutz eine Ursache ihrer Krankheiten ist, denn sie lebten mit den Tieren in demselben Haus zusammen: „Menschen und Tiere wohnten gemeinsam unter einem Dach. In der Wand war ein Loch, durch das die Hühner aus -und einschlüpften und das auch von den Hunden benutzt wurde.“ (Ebd., S.104).

Als Lösung zu ihren Krankheiten benutzten sie die traditionelle Medizin. Sie gingen zu dem Quacksalber. Dort bekamen sie Mischungen aus Kräutern, die für eine gewisse Zeit wirksam waren, da die Krankheit wiederkehrte, was die Einheimischen beängstigte. (Vgl., Ebd., S.213). Das Bild A-8 im Anhang zeigt eine junge einheimische Erkranke, die an der Pocken litt.

Immer auf der gesellschaftlichen Ebene herrschte es eine starke Polygamie im Dorf. Die Polygamie auch Vielehe genannt, ist die Tatsache für einen Mann mehrere Ehefrauen zu haben. Diese Praxis war im Dorf sehr verankert. Der Häuptling war das erste Beispiel: „Mitten im Dorf lag auch das Anwesen des Hauptlings Ngabe. Er hatte nicht weniger als 18 Frauen, von denen er die älteste noch von seinem Vater geerbt hatte.“ (Ebd., S.104f.). Das Erbe trug auch zur Polygamie bei, denn das Kind den Landessitten nach musste die Frauen seines verstorbenen Vaters erben. Beispielweise der junge Musinga ,,Sein Vater hatte sieben Frauen und er war der einzige Sohn. Die jüngste Frau seines Vaters war viel junger als er. Diese Frauen sollte er nach Landessitten später alle erben. ” (Ebd., S. 91).

Auf kultureller Ebene wurde das Dorf vor seiner Entdeckung von Kämpfer durch eine Reihe von willkürlichen und heidnischen Landessitten, Ritualen ausgeprägt.Nach den Landessitten wurde den Frühlingsopfertag in dem Dorf gefeiert und die Teilnehmenden tragen einige Namen aus Tierwelt. Zum Beispiel Musinga Kô, d.h. Ratten. Während dieser Feierlichkeit wurden die Töten verlobt, um eine gute Ernte zu haben. Die Frauen und die Zauber kümmerten sich um die Ahnen ,,jeder verstorbene bekam dasein Liebgericht und einen Trunk des Palmweins“ (Ebd.,S. 94). Das Bild A-9 im Anhang illustriert tatsächlich diese Praxis:

Im Dorf war es eine Tradition, dass „beim Tode eines Mannes, besonders eines Häuptlings, dessen Frauen durch Selbstmord ihm freiwillig ins Totenreich folgen, indem sie sich entweder erhängen oder sich lebend mit der Leiche des Mannes verscharren lassen.“ (Ebd., S.12). Dieses Zeichen war symbolisch, denn es zeugte von der treuen, echten und ewigen Liebe zwischen einem Mann und seiner Ehefrau. Zusätzlich galt es auch als Respekt und Ehre für den Chef. Das Bild A-10 im Anhang zeigt deutlich dieses Ereignis.

In Nkongbetanu war es auch so, dass eine tote Frau mit ihrem lebendigen Baby an die Brust begraben werden sollte. Ein Beispiel dafür war der Fall von Enungu, die normalerweise mit ihrem Baby Ekeke begraben werden sollte, aber dank Nsia wurde das Baby gerettet. (Vgl. Ebd., S.22f.).

Zwischenfazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Kamerun vor der deutschen Kolonialherrschaft über ein Mosaik von Völkern (Duala, Bamileke, Bamun, Fang - beti) verfügt und jeder von ihnen hat ihre spezifische kulturelle Besonderheit: Ngondo und Miengu bei den Duala, Tanz des Geheimbunds und Schädelkult bei den Bamileke,

Märchen begleitet mit Mvett bei den Fang. Da Unser Korpus von dem Aufenthalt und der Arbeit zwei Missionaren (Kämpfer und Nsia) in einem kamerunischen kleinen Dorf (Nkongbetanu) zurzeit der deutschen Kolonialzeit berichtet, war es auch notwendig die Lage dieses Dorfes vor ihrer Ankunft darzustellen. Daraus geht hervor, dass das Leben der Dorfbewohner vor der Ankunft dieser Missionare nicht sehr angenehm ist. Die Landessitten und die Epidemien hemmen die Entfaltung des Dorfes, denn sie bringen bei den Menschen ein Gefühl der Bange. Die dort meisten existierenden Gebräuche und Sitten sind arbiträr, blutig und grausam. Doch die deutsche Kultur ist ganz anders. Sie erkennt die Freiheit der Menschen an und achtet auf die Menschenrechte an. Ihre Einführung ins Dorf Nkongbetanu wird die Harmonie und den Stolz bei den Bewohnern wiederbringen. Durch die deutsche Kultur kommen sie zur Entfaltung.

TEIL II: ZUR FRAGE DES KULTURTRANSFERS IM WERK Der Urwaldschulmeister von Kamerun

4. Zur Analyse des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun und Rechtfertigung der deutschen Kolonisation nach Heinrich Norden

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen.“ (Peter Brenner).

Das vorliegende Kapitel geht der Analyse von Norden Der Urwaldschulmeister von Kamerun und der Rechtfertigung der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun nach. Eines der Ziele unserer Arbeit besteht darin, genau zu erklären, wie Heinrich Norden die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun legitimiert. Bevor wir davon sprechen, fassen wir zuerst den Inhalt des Werkes zusammen, damit der Leser versteht, worum es eigentlich in diesem Werk geht. Dann werden die Figurenkonstellation, die Realität und Fiktion analysiert. Die Bilder der Einheimischen und der Deutschen werden auch untersucht, um die Verhältnisse zwischen den Deutschen und den Einheimischen herauszubringen. Der letzte Teil beschäftigt sich eigentlich mit der Analyse der Rechtfertigung der deutschen Kolonialherrschaft.

4.1 Zur Analyse des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun

Das Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun ist ein Reisebericht, dem zur Kategorie von Reiseberichten von Botschaftern und Missionaren (nach der Typologie von Jean-Richard ) und zur Kategorie von Reisetagerzählungen (nach der Typologie von Manfred Link ) angehört. Dieses literarische Werk wird von Heinrich Norden verfasst, und von der Basler Mission im Jahre 1923 veröffentlicht. In dieser Analyse wird die dritte Auflage benutzt. Es ist in Kurrentschrift geschrieben und besteht aus dreiundzwanzig Kapiteln. Hier werden viele Themen wie das Schulwesen, die Gesundheit, der Aberglaube, die Kultur, die christliche Religion, die Grausamkeit.. .usw. behandelt.[20] [21]

4.1.2 Inhaltswiedergabe des Werkes

Das Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun von Heinrich Norden erzählt von der Entdeckung eines kamerunischen Dorfes Nkongbetanu genannt durch einen jungen deutschen Missionar namens Kämpfer. Mutig und entschlossen hat er unternommen, eine langfristige Reise in dem Mungogebiet zu machen. im Einzelmarsch folgte ihm eine Gruppe von acht bis zehn schwarzen Personen. Diese Leute waren nach Landessitten nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Zwei von ihnen waren Diener des Führers und trugen also Hosen und Hemden. Er ist von der Küste mit seinen Trägern ausgegangen und hat den Mungowald und -gebirge durchquert. Nach einigen Kilometern zu Fuß und trotz der Betrügerei seiner Träger ist es Kämpfer gelungen, das Dorf Nkongbetanu zu erreichen.

Bei seiner Ankunft in Nkongbetanu haben die Einheimischen die Flucht ergriffen, denn sie hatten nie einen Mann mit einer weißen Hautfarbe gesehen. Nach vielen Überzeugungen sind sie ins Dorf zurückgekommen und haben Kämpfer um Entschuldigung gebeten. So kam der Stolz ins Dorf wieder. Es gab Tänze und traditionelle Feierlichkeiten in der Nacht. Der nächste Tag wurde er von der Natur des Dorfes fasziniert und begann seine Evangelisierung. Der Häuptling Ngabe und sein Volk interessierten sich für die Predigt, sodass sie den Missionar darum baten, in Nkongbetanu zu bleiben. Unglücklicherweise verweigerte er. Aber er garantierte den Leuten, dass er einen Lehrer nach Nkongbetanu schicken wird unter der Bedingung, dass sie eine Schule zunächst bauen und ihre Kinder dorthin schicken. Dazu wurde ein Vertrag zwischen Kämpfer und dem Häuptling unterzeichnet.

Zurück nach Nkongbetanu und nach langen Überlegungen entschied sich Kämpfer, Nsia als Lehrer in Nkongbetanu zu ernennen. Nsia, der sowohl viele Bantusprachen als auch die deutsche Sprache beherrschte, auch eine Pfarrersausbildung besucht hat, akzeptierte diese Funktion. Bei seiner Ankunft in Nkongbetanu wurde er wunderbar von den Dorfbewohnern empfangen. Er versuchte, den Dorfbewohnern näher zu bleiben. Er leitete die Dorfschule und lehrte dort viele Schulfächer. Er gründete sogar eine Kirche, wo er den Einheimischen Gotteswerte predigte. Im Laufe seiner Arbeit geriet er in viele Schwierigkeiten (große Klassenstärke, Mangel an didaktische Materiellen und Bänke). Dazu gab es auch den Losango und Leopardenbund im Dorf, die für Rauberei, Diebstahl, Hexerei und Mörder verantwortlich waren. Diese Hexereigruppen bildeten eine vehemente Opposition für die Arbeit Nsias, denn sie haben versucht, Nsia durch Leopardenhaare im Essen zu vergiften. Nichtsdestoweniger hat er seine Arbeit fortgesetzt und diese Zauberer waren darauf erstaunlich, sodass sie ihn als einen mächtigen Mann betrachteten, denn er hat ihrer Hexerei widerstanden.

Nach seiner Rückkehr von Johannesburg besuchte häufig Kämpfer Nsia in Nkongbetanu. Die beiden Missionare arbeiteten zusammen. Im Gegensatz zu Nsia beschäftigte sich Kämpfer mit dem Gesundheitsdienst. Nsia seinerseits kümmerte sich um die schulische, kirchliche Erziehung und die Berufsausbildung der Einheimischen. Je mehr die Zeit verging, desto mehr waren die Schüler Nsias an dem Schulwesen interessiert. Manche Dorfbewohner bekehrten sich zum Christentum. In Nkongbetanu gab es auch eine Reihe von Ritualen und Landessitten wie der Frühlingsopfertag und Totenfeiertag, die einen großen Einfluss auf das Alltagsleben und die Mentalität der Einheimischen hatten.

Die Gesundheit der Dorfbewohner war prekär wegen des Vorhandenseins zahlreicher Krankheiten wie Cholera, Pocken und Hansenkrankheit, die die Bewohner bedrohten. Aber dank der Arbeit Kämpfers (Diagnose, Impfung, Betäubung und Sensibilisierung) wurden diese Krankheiten ausgeschmerzt. Ein anderer Feind Nsias war der Brite Mr. Braun. Er verhinderte die Arbeit Nsias v.a. die Evangelisierung durch den Verkauf des Branntweins im Dorf. Erfreulicherweise hatte Nsia die Einheimischen für die Gefahr des Weins auf dem Menschen sensibilisiert. So haben sie den Konsum des Branntweins verlassen. Am Ende des Werkes sind die Ergebnisse der Arbeit Nsias und Kämpfers in Nkongbetanu dargestellt worden wie zum Beispiel der Erfolg ihrer Schüler (Musinga setzt seine Studien in Deutschland fort), die Modernisierung des Dorfes mit dem Bau der Eisenbahn und der Bau einer neuen Kapelle.

4.1.3 Figurenkonstellation in Bezug auf die Zivilisationsvermittlung

Um einen literarischen Text besser zu begreifen, lohnt es sich die Konstellation ihrer Figuren zu untersuchen. Die Figuren im Werk Heinrich Nordens haben unterschiedliche Positionen im Hinblick auf die Vermittlung der Zivilisation bzw. der deutschen Kultur im Dorf. Unter ihnen unterscheidet man einerseits diejenigen, die der Einführung der deutschen Kultur ins Dorf vehement widerstehen und andererseits hat man die Befürworter dieser Kultur. In den folgenden Abschnitten wird diese Konstellation dargestellt.

4.1.3.1 Die Anhänger der Zivilisationsvermittlung

Unter diesen Befürwortern gibt es:

Kämpfer: Er ist ein junger deutscher Missionar, Arzt, der das Dorf Nkongbetanu entdeckt hat. Er ist auch der Wettbereiter der Schule in diesem Dorf. Seiner Hautfarbe wegen wurde er von den Einheimischen Mukala (der Weiße) genannt. Kämpfer wie sein Name verrät, ist mutig, humanistisch, arbeitsam und geduldig. In der Tat ist er immer wieder bereit, den Einheimischen zu dienen. Selbst wenn er krank ist, kümmert er sich immer um die Erkranken. Er arbeitet in Nkongbetanu im Namen Seiner Kongregation (die Basler Mission), die in Johannesburg basiert ist. In diesem Dorf ist er mit der Mission beauftragt, die Einheimischen zu evangelisieren.

Nsia seinerseits ist ein junger einheimischer Missionar, der als Lehrer von Kämpfer nach Nkongbetanu geschickt wurde. Nach dem frühen Tod seiner Mutter war er an viele Schwierigkeiten angestoßen. Sein Onkel Ekoki, der Zauberer, bei dem er wohnte, hat mehrmals erfolglos versucht, ihn durch seine Hexerei zu töten. Von dem Ertrinken wurde er eines Tages von einem Lehrer der Missionsschule gerettet. Dieser junge Mann hat auch eine Lehrerausbildung und eine Pfarrersausbildung in Johannesburg absolviert. Im Laufe seines Aufenthalts im Dorf Nkongbetanu hat er versucht, den Einheimischen näher zu bleiben. Dort war er der Schulleiter und lehrte viele Schulfächer. Da er ein Missionar ist, hat er auch eine Kirche gegründet, in der er den Einheimischen das Evangelium predigte. Nsia ist mutig, denn es ist ihm gelungen, den Hexereigruppen d.h. Losango und Leopardenbund zu widerstehen. (Vgl., Norden, S.200). Er ist auch ein frommer Mann, da er den Gotteswörtern treu geblieben. Nsia ist intellektuell und mehrsprachig, weil er sowohl etliche Bantusprachen als auch Deutschspricht. Das kommt im folgenden Satz zum Ausdruck: ,,[...]aber den hatte man Johannesburg selbst in Aussicht genommen schon wegen seiner ausgezeichneten Gaben und Kenntnis der deutschen Sprache.“ (Ebd., S.19).

Die folgenden Figuren haben Kämpfer und Nsia verholfen, ihre Missionen zu erreichen. Darunter zählt man die deutsche Regierung, Ngabe, Dr. Wendel, Musinga, Mbela und die Dorfbewohner.

Die deutsche Regierung: Das ist eine moralische Instanz. Sie vertritt die Metropole Deutschlands in der Kolonie Kamerun. Siesorgt für die Sicherheit des Dorfes. Zu diesem Ziel hat sie ein Gesetz erlassen, das Verbot vom Losangobund und Leopardenbund in Nkongbetanu erklärt (Vgl., Ebd., S.240), da sie eine Drohung für die Dorfbewohner waren. Die deutsche Regierung arbeitet auch mit den beiden Missionaren zusammen. Nsia und Kämpfer sind unter ihrem Schutz. Die deutsche Regierung unterstützt auch die Zivilisationsvermittlung, indem sie den besten Schülern Stipendien für Fortbildung in Deutschland gibt. Musinga und Ngabe haben es bekommen.

Musinga ist der beste Schüler Nsias, weil er sich immer von seinen Kommilitonen durch seine Arbeit und Klugheit positiv unterscheidet. Später fliegt er mit Nsia nach Johannesburg, um seine Studien fortzusetzen. Er befürwortet Nsia in seiner Arbeit der Christianisierung und der Verschulung, denn er hat an dem Wiederaufbau der neuen Schule teilgenommen. (Vgl. Ebd., S.156) Er ist ein echter Christen, denn er ist der erste Dorfbewohner, der von Nsia getauft wurde: ,,Durch diese Taufhandlung wird Musinga ein glücklicher Mann mit einem neuen Namen geworden.“ sein neuer Name war Joseph, denn „Joseph war schon lange Zeit sein Ideal“ (Ebd., S.215). Dieser junge Mann steht der Vielehe und dem Erbe entgegen.

Ngabe, der Chef des Dorfes Nkongbetanu, ist großartig. Die Tatsache, dass er Kämpfer mit Freizügigkeit bei ihm empfangen hat, zeigt, dass er ausländerfreundlich ist. Wegen seiner Zuneigung für die Gottessache hat er einen Schulvertrag mit Kämpfer beschlossen. (Vgl., Ebd. S.18). Er versteht sich gut mit Nsia und unterstützt seine Arbeit. Er ist ein echter Befürworterder Christianisierung, denn er hat den Sonntag im Dorf als Gottestag erklärt:

[...] Morgen ist ein Gottestag. Da darf nicht gearbeitet werden.[...] Alle Bewohner von Nkongbetanu, Männer und Frauen, Kinder und Sklaven, sollen morgen früh aufstehen, wenn die Glocke zum erstenmal läutet. Beim zweiten Male sollen sie sich baden und Staat machen, und beim dritten Male schleunigst zum Schulhaus kommen.

Wer nicht gewaschen ist oder mit schmutzigen Lendentüchlein erscheint, wird ebenfalls gestraft. Das sagtNgabe, der Häuptling von Nkongbetanu! (Ebd., S.70).

Ngabe ist auch avantgardistisch, da er die Veränderung im Dorf will. Des Weiteren ist er für die Abschaffung einiger einheimischer Ritualen wie die Begrabung einer gestorbenen Mutter mit ihrem lebendigen Baby. (Vgl., Ebd., S.22f.). Er will dem deutschen Kaiser überhaupt ähneln, deshalb zieht sich wie Bismarck an. „Statt im Kriegshabit erschien Ngabe heute in einem friedlichen, schwarzen Frack, der direkt aus Berlin stammte und pariser Schnitt hatte.“ (Ebd., S.67). Dieser alte Mann ist auch ein großer Polygam, denn er hat nicht weniger als 18 Frauen.

Mbella, ist das älteste Kind von Ngabe. Er ist in Streit mit dem Briten Mr. Brein wegen seines Weinhandels gerieten. Er hat sich zum Christentum bekehrt und ist ein Freund Nsias geworden.

Dr. Wendel, Er ist ein Deutscher, der die Krankheit Nsias diagnostiziert hat und ihn getröstet hat. Er ist optimistisch und behilflich. Er gibt den Einheimischen sehr gern eine ärztliche Versorgung.

Dorfjungen, Sie waren vorher abergläubig und heidnisch. Sie haben Kämpfer und Nsia gut empfangen und haben angenommen, Nsia und dem Christentum zu folgen. Sie haben allmählich eine Zuneigung zur Schule entwickelt. In der Schule lernten sie Mathematik, biblische Geschichte, Sauberkeit und Gotteswerke.

Maria, die Ehefrau Nsias. Sie ist eine zärtliche und hilfsbereite Christin. Sie kümmerte sich um ihren Ehemann und ermutigt ihn im Ernstfall. (Vgl., Ebd., S.236). Sie nimmt an der Christianisierung des Dorfes teil und ist der Chor Nsias beigetreten. Dibonje, der Lehrer von Nsia, er hat Nsia von dem Ertrinken gerettet. Er war nett zu Nsia. Er hat einen Selbstmord versucht und nach einigen Wochen ist er an Pocken gestorben. Es gab Nsia gute Tipps und ermutigte ihn bei der Verschulung des Dorfes. Mukonge, ein Diener des Häuptlings, war der Koch und der Dolmetscher von Kämpfer, weil er die Lokalsprachen und teilweise Deutsch beherrscht. Dank ihm ist die Betrügerei der Träger gescheitert. Er trägt Hosen und Hemden. Mukonge ist derjenige, der die Einheimischen überzeugt hat, dass Kämpfer auch ein Gottesfreund ist.

4.1.3.2 Die Gegner der Zivilisierungsvermittlung

Sie sind die Figuren, die sich der Arbeit von Kämpfer und Nsia entgegengesetzt haben oder den Verlauf der Christianisierung und der Verschulung gestört haben. Diese Figuren sind die Folgenden:

Die Träger, Diener des Häuptlings, Ihre Zahl schwankt zwischen acht und zehn. Sie waren für einen Tag als Lastenträger von Kämpfer gemietet. Sie folgten ihm irgendwo er ging. Sie machten es nur auf Befehl ihres Häuptlings. Sie waren nach Landessitte nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Während des Marsches waren sie als Störfaktoren für Kämpfer, denn sie haben einerseits versucht, ihn von seinem Weg abzulenken und andererseits haben sie mehrmals bedroht, in ihre Heimat zurückzukehren. (Vgl., Ebd., S.7).

Die Mitglieder des Losangobunds

Der Losangobund ist eine Hexereigruppe, deren Mitglieder sich selbst als Feind Nsias erklärt haben. Sie setzen der Christianisierung und Verschulung entgegen. Sie waren für Räuber, Diebstahl, Brand der Schule und der Kirche in Nkongbetanu verantwortlich. (Ebd., S.116) Dieser Bund besteht aus folgenden Figuren:

Elimbi und Ekambe. Ekambe war zu Beginn „der verbissenste Gegner Nsias, weil er sich am meisten durch den Einfluss des christlichen Lehrers bedroht fühlte“ (Ebd., S.115). Aber Kurzzeit hat er sich zum Christentum bekehrt und ist ein Freund Nsiasgeworden. Er hat Nsia geholfen, seine Gesundheit wieder zu finden. Er hat seine Ehefrau wegen der Untreue umgebracht.

Die Mitglieder des Leopardenbunds (Etambi und Ewenji)

Wie sein Name verrät hat dieser Bund den Leoparden als Zeichen. Diese böse Gruppe ist für Mörder im Dorf und die Vergiftung Nsias verantwortlich. Ewenji ist an den Pocken gestorben, nachdem er entlarvt wurde, dass er für die Vergiftung von Nsia verantwortlich ist.

Mr. Braun ist ein Brite Weinhändler, der eine Weinfabrik in Nkongbetanu errichtet hat. Er ist von einem kapitalistischen Geist charakterisiert, denn sein Profit ist wichtiger als die Gesundheit der Bewohner. Wegen seines Weinhandels ist er in Streit mit Nsia gerieten, da er die Christianisierung des Dorfes hemmte, ,,Darum bildet der

Branntwein für alle Bestrebungen der Mission und Kolonisation ein gewaltiges Hindernis.“ (Ebd., Norden, S.220).

4.1.4 Fiktion und Realität im Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun

Peter J. Brenner erläutert in seinem Aufsatz Die Erfahrung der Fremde - Zur Entwicklung einer Wahrnehmungsform in der Geschichte des Reiseberichts, dass seit ihren Anfängen die Gattung Reisebericht davon begleitet wird, dass ihr Wahrheitsgehalt wenig Vertrauen verdiene - ein Urteil, das sich durch die Jahrhunderte hinweg aufrechterhalten wurde. So hat diese Gattung nachgesagte Affinität zur Lüge. Neuber Wolfgang (1989) zufolge haben Reiseberichte sowohl einen fiktiven Charakter als auch einen Bezug zu der Realität. In dem folgenden Teil analysieren wir die Realität und Fiktionalität im Werk Heinrich Nordens, um die Intentionen des Autors besser zu begreifen und den Text tiefer zu verstehen.

Die Fiktionalität erscheint im Text auf zwei Ebenen, nämlich auf der Ebene von Figurennamen und in manchen Handlungen. Die Figurennamen sind von dem Autor selber geschaffen worden (Nsia, Kämpfer, Ngabe, Wuru, Yoko... usw.). In der Tat hat er Namen von Dingen in der Duala-Sprache manchen Figuren zugeschrieben. Auffällig hier ist, dass diese Namen der Persönlichkeit von Figuren entsprechen. Trotzdem tragen sie eine pejorative Konnotation. Das ist der Fall von Elimbi, der in Duala-Sprache den Sarg bedeutet. Hier stellen wir fest, dass dieser Name auf ein schlechtes Bild verweist und es steht im Einklang mit der Persönlichkeit dieser Figur, denn er gehört dem Losangobund zu. Doch diese Hexereigruppe bildet eine echte Drohung im Dorf wegen Räuber, Diebstahl und Mörder. Ngonderi ist ein anderes Beispiel. Dieser Name bedeutet in Duala-Sprache das Mädchen. Hier bemerken wir, dass dieser Name der Haltung der Figur entspricht, da Ngonderi sich wirklich als ein Kindmädchen benimmt.

Neben den Figurennamen gibt es auch manche Handlungen, die fiktiv sind. Darunter zählt man die Handlung über das Spektakel von Yoko. Yoko ist der Affe Nsias. Dieses Tier war immer wieder zu Hause gefesselt Zur Strafe für diese Freveltat sollte Yoko für einige Tage seiner abendlichen Freiheit beraubt werden und im Stalle bleiben. Er war aber nicht nur sein fataler Schweineritt, der alle erbittert hatte, sondern auch jene andere Untugend, von der nicht lassen könnte. [...] Die hatte aber den Übeltäter mit einem Stock dermaßen verprügelt, dass er sich von da ab nie mehr jener Hütte näherte ( Norden, 1923, S.191).

Darum geht es um das Bild eines Affen, der auf den Rücken eines Schweins reitet. Eine derartige Abbildung ist sinnlos bzw. absurd. Das ist unglaublich und sie existiert gar nicht in der Wirklichkeit. Daher kann gesagt werden, dass diese Handlung eine Inszenierung des Autors ist, um den Leser zum Lachen zu bringen. Eine weitere fiktive Handlung erscheint, wenn der Autor die Figur Mukoko schildert. Des Weiteren benutzt Norden eine Übertreibung, um die Unsauberkeit Mukokos zu charakterisieren. Das lässt sich durch die folgende Textpassage illustrieren: ,,Ein Geheimnis war es für Kämpfer lang geblieben wie sein Koch nie und da die Teller zu reinigen pflegte, nämlich mit der Zunge und Lendentüchlein.“ (Ebd., S.9). Daraus erfahren wir, dass Norden seine Kreativität ausgeübt hat. Denn das ist nicht logisch, dass ein Mann sich seiner Zunge als Putzmittel bedient.

Dieser Text ist nicht nur fiktiv, er hat auch einen Wirklichkeitsbezug. Manche im Text zitierten Ortschaften sind real und existieren. Z.B. Duala, Deutschland, Johannesburg, Bonaberi und der Mungowald.

Die beschriebenen kulturellen Rituale sind auch real. Das Ritual des Häuptlingstodes, das in Nkongbetanu praktiziert wurde und das darin bestand, ,,den Verstorbenen mit seinen lebendigen Frauen zu begraben“ (Vgl., Ebd., S.13), existierte bei dem Bamileke-Volk in Kamerun. So verfuhren sie in der früheren Zeit, wenn ein Häuptling der Chefferie zugrunde ging. Der Frühlingsopfertag, der von den Dorfbewohnern gefeiert wurde, ist auch etwas Reales. Während dieses Rituals bekam jeder Verstorbene sein Leibgericht und einen Trunk des Palmweins. (Ebd., S.94). Dieses Ereignis ist mit dem Schädelkult bei den Bamileke deckungsgleich. Beim Schädelkult bekommt auch der Verstorbene sein Leibgericht, das aus Palmöl und Salz besteht.

Einerseits zeigt der Autor auch, wie die Einheimischen ohne Uhr sich der Sonne bedienten, um sich über die Zeit zu informieren. (Vgl., Ebd., S.55). Das stimmt mit der Wirklichkeit überein, denn es gab in der damaligen Zeit noch nicht die Technologie und die Maschinen in Dörfern. Die Großeltern in Dörfern benutzen die Sonne als Instrument zur Zeitmessung. Andererseits sind richtig manche im Werk erwähnten historischen Geschehnisse. Unter diesen Ereignissen gibt es die Verwendung des Branntweins von den Europäern als Bestechungsmittel während der Kolonialepoche. Um einen Dienst oder eine Gunst bei den einheimischen Häuptlingen zu haben, gaben häufig die Europäer den Häuptlingen Geschenke und Branntwein. (Vgl., Ebd., S.197). Dies war der Fall bei der Annexion Kameruns im Jahre 1884, wobei in Anlehnung an Temgoua (2014) die deutschen Firmen an der Küste, nämlich ihre Vertreter wie Adolf Woerman den Häuptlingen King Akwa und King Bell viele Geschenke wie Branntwein und Manufakturprodukte gaben, damit sie den Annexionsvertrag mit den Deutschen unterzeichnen.Ferner berichtet Norden, wie der Schnaps als ein Ausbeutungsmittel der Einheimischen von den Europäern während der Kolonialzeit benutzt wurde. Er deutet es besser in dem folgenden Textauszug:

In Zeit von wenigen Tagen ließ sich der Händler von den Dorfleuten eine Hütte errichten, wobei ihm der Branntwein als Zahlungsmittel diente und in Strömen floss. Für Schnaps holten ihm die Leute Palmblätter zu Matten, Pfähle, Meerrohr und sonstiges Baumaterial, für Schnaps vergossen sie ihren Schweiß[...], für Schnaps würden die armen Menschen Leib und Seel verkaufen. ( a.a.O., S.221).

Dieser Tatbestand war wirklich. Er reimt auf das Alltagsleben der kamerunischen Einheimischen während der deutschen Kolonialherrschaft. Durch den Wein wurden sie ausgeplündert und arbeiteten stark in fernen Plantagengesellschaften.

Von dieser Analyse geht hervor, dass Heinrich Norden bewusst fiktive und reale Elemente in seinem Werk benutzt, um zu zeigen, wie die Lebensbedingungen der Einheimischen, deren Kultur und Mentalität nicht gut sind. Durch dies legitimiert der Autor implizit die Einführung der deutschen Kultur ins Dorf Nkongbetanu.

4.1.5 Zur Bildanalyse im Werk

„Es ist leichter ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil.“ (Albert Einstein).

Die Imagologie betrachtet das Bild als ein Instrument des Imperialismus. Damit ist gemeint, dass durch das Bild eine Ideologie bzw. ein Gedankensystem vermittelt wird.Dieser Teil bezweckt, zu untersuchen, wie Heinrich Norden durch die Bilder die deutsche Kulturvermittlung legitimiert.

4.1.5.1 Die deutsche Vorstellung der Einheimischen

In dem Reisebericht Der Urwaldschulmeister von Kamerun sind die Einheimischen unterschiedlicher Weise von Heinrich Norden konstruiert worden. Es wird festgestellt, dass er die Einheimischen im Allgemeinen pejorativ repräsentiert. Seine Repräsentation der Einheimischen ist verfälscht und steht nicht im Einklang mit der Wirklichkeit.

Das erste Bild der Einheimischen hier ist das Bild eines schmutzigen Volkes. Darüber hinaus betrachtet der Autor sie als Personen, die keine gute Gesundheitspflege haben. Sie leben mit den Tieren im selben Haus zusammen. Sie wissen gar nichts über die Körperpflege. Er illustriert diese Ansicht, indem er zeigt, wie die Dorfjungen überrascht sind, zu sehen, dass Nsia sich am Morgen wäscht, deshalb stellen sie sich die Frage sich am Morgen waschen - wozu? Er verdeutlicht es auch mit dem Fall von Mukoko, der jedesmal Nasentoilette machte und die Teller seines Meisters mit Zunge reinigte (Vgl., Ebd., S.11).

Das zweite Bild der Einheimischen ist dasjenige eines barbarischen Volkes, eines gewalttätigen Volkes. Des Weiteren findet der Autor die einheimischen Kulturen und ihre Ritualen wie der Ahnenkult und die Totenfeier schlecht und gefährlich, da dorthin die Menschen sind willkürlich im Namen der Opfergabe umgebracht. Deshalb schildert er das Dorf Nkongbetanu als:

[...] das Dorf, wo die Menschen sehr schlecht [sind] . (Ebd., S.28). Sie gelten den umliegenden Völkerstämmen, die da und dort im Urwald versteckt dahinleben ohne Gott, ohne Frieden, ohne Lebenshoffnung. Er muss daran denken, welche blutige und grausame Geschichte all diese Völkerschaften hinter sich haben. (Ebd., S.8).

Für Heinrich Norden sind die einheimischen Männer böse und erbarmungslose Menschen, weil sie ihre Geschwister als Sklaven verkaufen: ,,Sango, es widerstrebt mir, eine Frau zu kaufen wie ein Stück aus Liebe und es muss nicht der Mann die Frau kaufen wie einen Marktgegenstand.“ Die Frau nach Norden ist als eine Ware, ein Objekt des Handels von den einheimischen Männern benutzt. Eine derartige Praxis ist unmenschlich und strafbar.[22]

Der einheimische Mann wird von Heinrich Norden als ein hässliches Lebewesen beschrieben. Er ist wertlos und unwichtig. Dies ist sichtbar, wenn er einen Träger von Kämpfer schildert. Er sagt zu diesem Zweck: ,,Eine Schönheit war er freilich nicht. Wenn er lachte, verzog er seine Mundwinkel.“ (Ebd., S.10). Aus dieser Hyperbel ergibt sich, dass der einheimische Mann lächerlich ist und hässlich ist. Hier will der Autor implizit sagen, dass nur die Deutschen schön sind. Dass die Einheimischen eine schlechte Morphologie, physisch schlecht geformt sind. Es lohnt sich zu behaupten, dass der Autor das Bild der einheimischen Frau beschönigt, denn diese Letztere als sexuelle Bedürfnis für die Kolonialherren befriedigte.

Im Vergleich zum Bild des Mannes wird das Bild der Frau beschönigt. In der Tat wird die einheimische Frau als ein schönes Lebewesen von dem Autor angesehen. Sie spielt die Rolle der sexuellen Befriedigung. ,, Weißer Mann [...] Du musst bei uns bleiben, bis du uns alles gesagt hast, was du darüber weißt. Wir werden dir eine große Hütte bauen und dir Frauen schenken, so viele du willst.“ (Ebd., S.17). Die afrikanische Frau ist ein hochwichtiger Lebensgefährte, weil sie den Männern gestattet, Schwierigkeiten des Lebens zu überwinden. Die Frau nach Norden ist zärtlich und eine hilfsbereite Person wie Maria, die sich um ihren Mann Nsia kümmerte.

4.1.5.2 Die einheimische Vorstellung der Deutschen

Bei der Ankunft des deutschen Missionars, Kämpfer in Nkongbetanu hatten die Einheimischen Angst vor ihm wegen seiner Hautfarbe. Sie betrachteten Kämpfer als einen schrecklichen Geist. „Was ist denn das für ein schrecklicher Geist, den der uns bringst?“ stottert die Alte. Durch die Hautfarbe Kämpfers wurde er als Fremde (etwas Böses) im Dorf wahrgenommen.

Die Einheimischen betrachten Kämpfer als einen Freund Gottes. Dieser Missionar hatte für sie eine große Botschaft zu vermitteln. (Vgl., Ebd., S.15). Ebenso wird Kämpfer nach diesen Einheimischen als ihren Vater (Sango) betrachtet, weil er die Dorfbewohner von ihren Krankheiten wie Pocken gerettet hat. ,,Sango (Vater), wir sind frei! Du sollst sie alle impfen! ich habe ihnen von deiner Arbeit und deiner Liebe zu uns Schwarzen erzählt, und sie haben mir geglaubt.“ (Ebd., S.218). Kämpfer hier war ein Retter für die Einheimischen, denn er hat die Dorfbewohner von einer verheerenden

Epidemie (Pocken) befreiet. Dies war für ihre Gesundheit und ihre volle Entfaltung im Dorf.

Nach Ngabe sind die Weißen bzw. Deutschen den Schwarzen überlegene Lebewesen, da sie schon die Technologie beherrschen. Er meint, sie sind so intelligent wie der große Gott. Der folgende Auszug verdeutlicht es besser:

O, Muleedi, ich glaube, die Bakala (Weissen) sind so klug wie der große Gott, und wir Negersind so dumm wie die Hühner, Wäh, Wäh! [...] Die Bakala bauen schon große Häuser aufs Wasser und fahren durch die ganze Welt und nun fahren sie auch schon damit durch den Wald. Die lernen gar noch das Fliegen! Wäh, Wäh! (Ebd., S.178).

Hier bestimmt Ngabe die Deutschen, indem er sie mit den Einheimischen vergleicht. Dieser Satz lässt verstehen, dass die Einheimischen von den Deutschen beeindruckt sind. Durchgängig beschönigt Heinrich Norden das Bild der Deutschen und verschlechtert dasjenige von den Einheimischen in seinem Text.

4.2 Zur Rechtfertigung der deutschen Kolonisation aus der Sicht Heinrich Nordens

Viele Historiker und Politiker haben sich mit den Beweggründen der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun auseinandergesetzt. Aber der Beitrag Heinrich Nordens ist eigenartig und spezifisch, insofern als er manche neue Ideen bringt. Die folgenden Abschnitte untermauern seine Argumente.

4.2.1 Kolonisation als Mittel zur Friedenetablierung

In der Tat lebten die Einheimischen vor der Kolonialzeit in kriegerischen Beziehungen. Es gab Konflikte zwischen den Ethnien und jede Kolonialmacht versucht, die Vorherrschaft an der Küste zu haben, deshalb herrschte es keine Harmonie zwischen den Völkern. Heinrich Norden ist der Meinung, dass die Ankunft der Deutschen den Frieden in den Dörfern mitbringen könnte. Dies lässt sich durch das folgende Zitat illustrieren: „Ihre Füße sind eilend Blut zu vergießen, aber der Weg des Friedens kennen sie nicht „seufzte Kämpfer. „O, wann wird endlich auch in diesen Tälern Friedens wohnen!“ (Ebd., S.13). Das Leben der Einheimischen vor der Kolonialepoche war sehr beklagenswert d.h. Es herrschte keinen Frieden aber dank der Ankunft der

Deutschen werden die in Nkongbetanu lebenden Bewohner die Ruhe sein wiederhaben.

4.2.2 Kolonisation als Mittel zur Befreiung von Sklaverei

Vor der Ankunft der Deutschen in Kamerun gab es Sklavenhandel vor allem an der Küste. Die Einheimischen verkauften den Europäern ihre Brüder und bekamen im Gegenzug Manufakturprodukte, Salz, Wehre und Branntwein. Diese Aktivität war arbiträr. Sie verachtete die Menschenrechte und -würde. Die Menschen waren sozusagen verdinglicht. Deshalb plädiert Heinrich Norden für die Ankunft der Deutschen in diesem Land, um die Einheimischen von dieser Praxis zu retten. Dieses Problem ist so scharf, dassmanche Dorfbewohner sich darüber beklagen: ,,Sango, es widerstrebt mir, eine Frau zu kaufen wie ein Stück Vieh [...] es muss nicht der Mann die Frau kaufen wie einen Marktgegenstand.“ (Ebd.,S.89). Für den Autor nur durch die Kolonisation könnte dieser Menschenhandel aufhören.

4.2.3 Kolonisation als Mittel zur Annäherung der Einheimischen zu Gott

Vor der Kolonialzeit kannten die Einheimischen nicht die Existenz Gottes. Sie lebten in der Finsternis, denn sie waren heidnisch. Sie glaubten an Naturkräfte und Ahnenkult. Aber Heinrich Norden denkt, dass mit der deutschen Ankunft es eine große Veränderung haben wird. Die Einheimischen werden vom Gott angenähert und sie werden gute Werte und Tugenden wie die Nächstenliebe, die Toleranz und die Ehrlichkeit von den Deutschen lernen. Der folgende Textauszug untermauert diesen Tatbestand:

„Kämpfer ist ganz in Gedanken versunken, sie gelten den umliegenden Völkerstämmen, die da und dort im Urwald versteckt. Dahin leben ohne Gott, ohne Frieden, ohne Lebenshoffnung. Er muss daran denken, welch blutige und grausame Geschichte alle diese Völkerschaften hinter sich haben.“ (Ebd., S.8).

Diese vorliegende Textstelle präsentiert die Umstände, unter denen die Einheimischen vor dem Aufkommen der deutschen lebten, ihre Lebensbedingungen waren sehr schlecht, weil sie nicht Gott, Frieden, Lebensfreude in Nkongbetanu kennen. Um ein gutes Zusammenleben von diesen Dorfbewohnern zu sichern, werden die Deutschen den Einheimischen die Botschaft von Gott lehren. Darüber hinaus bildet die Kolonisation hier auch eine Hoffnungsquelle für die Einheimischen.

4.2.4 Kolonisation als Mittel zur Beseitigung barbarischer Kulturen bei den Einheimischen

In Nkongbetanu gab es vorher eine Reihe von Ritualen, Sitten und Gebräuche. Sie waren nicht gut für die Entfaltung dieses Dorfes, insofern als sie den Dorfbewohner Bange brachten. Manche Menschen wurden grundlos als Opferung im Namen der Tradition. Diese Ritualen waren grausam und arbiträr. Zum Beispiel, wenn der Häuptling starb, „wurden einige der Gefangenen den Kopfe abgeschlagen und deren Leichname ins Grab geworfen, auf sie bette man die Leiche des Häuptlings und warf das Grab zu“ (Ebd., S.113). Daher geht hervor, dass die Kulturen bzw. Ritualen in Nkongbetanu Schattenseiten hatten. Solche Akte können als Menschenverbrechen angesehen werden. Heinrich Norden plädiert hier für die Anwesenheit der Deutschen in diesem Land, um solche Praxis zu Ende zu bringen.

Zwischenfazit

Diese Analyse weist nach, wie der Autor Heinrich Norden die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun im Namen des Friedens, der Abschaffung von Sklaverei, von grausamen kulturellen Ritualen legitimierte. Da die Einheimischen ohne Gott lebten, war die Kolonisation auch eine Gelegenheit, ihnen zu Gott anzunähern. Darüber hinaus zeugt der Text von den asymmetrischen Beziehungen zwischen den Einheimischen und den Deutschen: Die Bilder der Deutschen über die Einheimischen sind im Text sehr negativ und verfälscht. Das Bild des Deutschenist eher sehr positiv. Der Deutsche wird freilich als ein überlegenes, schönes und allmächtiges Lebewesen im Vergleich zu den Einheimischen konstruiert.

5. Zu dem Kulturtransfer im Werk Heinrich Nordens Der Urwaldschulmeister von Kamerun

In diesem Kapitel werden anhand des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun die Mechanismen dargelegt und analysiert, die zum Transfer der deutschen Kultur während der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun beigetragen haben. Hier werden auch die Ergebnisse bzw. die Auswirkungen dieses kulturellen Transfers gezeigt. Da die Übertragung einer Kultur von den Vermittlungsinstanzen geht, lohnt es sich von vornherein die Träger der deutschen Kultur im Text zu präsentieren, bevor die Mechanismen des Kulturtransfers zu behandeln.

5.1 Kämpfer und Nsia als Träger der deutschen Kultur im Werk

Kämpfer und Nsia sind die zwei Figuren, die die deutsche Kultur im Text verkörpern und zahlreiche Elemente zeugen davon. Die Figur Kämpfer ist ein deutscher Missionar (Vgl., Ebd., S.7). Das besagt, dass er zuerst ein deutscher Bürger ist. Wegen seiner weißen Hautfarbe nannten ihn die Dorfbewohner mukala (es bedeutet der Weiße in der Duala-Sprache). Die Tatsache, dass er ein Deutscher ist, lässt mutmaßen, dass er die Interessen Deutschlands im Dorf Nkongbetanu vertritt; seine Weltanschauung und Gedanken an Deutschland orientiert sind. Interessanter hier ist die Tatsache, dass diese Figur eine protestantische Pfarrersausbildung im Seminar absolviert hat und in Kamerun in Mission von seiner Kongregation, nämlich die Basler Mission geschickt wurde. Diese Ausbildung hat dazu geführt, dass er nicht nur das Evangelium beherrscht, sondern auch die Nächstenliebe und die Toleranz, denn er betrachtet die Einheimischen als Menschen mit Rechten und steht ihnen zuweilen zur Seite. Auf der Gesundheitsebene ist Kämpfer ein sauberer Mann, der den Schmutz hasst. Darüber hinaus findet er schrecklich, dass die Eiheimischen Nasentoilette machen. Er hat seinen ersten Diener Mukoko entlassen, denn er wusste kaum über die Hygiene:

Da war ihm bei allem Heißhunger manchmal der Appetit vergangen, wenn er sehen musste, wie der jeden Augenblick nasentoilette machte. [...] Ein Geheimnis war es für Kämpfer lange geblieben, wie sein Koch hie und da die Teller zu reinigen pflegte, nämlich mit Zunge und Lendentüchlein.» (Ebd., S.11).

Die deutsche Medizin bzw. die moderne Medizin beherrscht auch Kämpfer. In der Tat ist er ein Arzt, er weiß, wie man operiert, betäubt und Krankheiten diagnostiziert. (Vgl., Ebd., S.216).

Nsia, der Neffe des Zauberers ist auch ein Träger der deutschen Kultur im Text. In der Tat ist erunter den deutschen Pfarrern aufgewachsen. Er hat eine Missionsschulebesucht und sogar Lehrersausbildung absolviert.(Vgl., Ebd., S.19) Dieser junge Afrikaner beherrscht stark die deutsche Sprache: ,,[...]aber den hatte man Johannesburg selbst in Aussicht genommen schon wegen seiner ausgezeichneten Gaben und Kenntnis der deutschen Sprache.“ (Ebd., S.19). Doch die Sprache und die Kultur gehen des Öfteren Hand in Hand. Sie sind untrennbar. Neben der deutschen Sprache verkörpert er auch die deutsche Kultur, denn er beherrscht auch die Geografie, die Geschichte Deutschlands, die er den jungen Einheimischen lehrte. Er hat feste Kenntnisse über die deutschen historischen Ereignisse und erzählte den Einheimischen davon:,,Da musste Nsia von den Kriegen der Deutschen erzählen und was er sonst von ihnen wusste. Er verstand es aber meisterhaft überzuleiten auf einen größeren König und auf ein herrlicheres Reich, in dem seine Zuhörer auch Burger werden sollten.“ (Ebd., S 161). Nsia differenzierte sich von den anderen Einheimischen durch seine Kleidungsweise. Die Art und Weise, wie er sich anzieht, lässt glauben, dass er ein Europäer ist, denn er ,,trug die europäische Kleidung und die knarrenden Schuhe.“ (Ebd., S.20).

Bezüglich der Essgewohnheiten Nsias ist es wichtig zu erwähnen, dass sie mit denjenigen der Europäer deckungsgleich waren. Da er Tee frühstückt wie die Deutschen: „Wahrend Musinga den Tee kochte, half Nsia dem verunglückten Tisch wieder auf seine vier Beine und setzte sich zu seinem Morgenbiss nieder. [...] was ihm gut bekam.“ (Ebd., S.54). Nsia nahm morgens den Tee[23], doch die Einheimischen Termiten, Ameisen oder Jams mit Elefantenfleisch aßen. Er aß dreimal pro Tag wie die Europäer, hingegen die Einheimischenaßen nur zweimal pro Tag.

5.2 Zu den Mechanismen des Transfers deutscher Kultur im Werk Der Urwaldschulmeister von Kamerun

Um die Mechanismen des Kulturtransfers in unserer Arbeit zu untersuchen, bedienen wir uns des soft power Modells des Kulturimperialismus. Dieses Modell besagt, dass die Kultur eines Volkes zu einem Anderen sich durch sanfte Mittel wie die Musik, die Kleidung, die Medien...usw. vermittelt. (Vgl., Nye, 1990). Bei einer tiefgreifenden Lektüre des Werkes Nordens wird bemerkt, dass die deutsche Kultur den Einheimischen durch die Verschulung, die Christianisierung und die moderne Medizin vermittelt wurde. Im Folgenden wird es bewiesen.

5.2.1 Die Verschulung: Bau von Schulinfrastrukturen

Die Verschulung als Prozess der Erziehung durch Schule (Vgl., Microsoft Encarta, 2009) hat die Übertragung der deutschen Kultur in Nkongbetanu erleichtert. In Nkongbetanu hat sie mit dem Bau der ersten Schule angefangen. Dieser hat sich durch den Kompromiss bzw. den Vertrag verwirklicht, den der deutsche Missionar Kampfer mit den Dorfbewohnern beschlossen hat:

Dies alles versprachen sie, und Kämpfer schrieb einen Vertrag, den sie mit unbeholfenen Strichen unterzeichneten. Dann gab er ihnen die Größe des Schulhauses an und wählten hiefür sowie für das Wohnhaus einen geeigneten Platz, erkundigte sich nochmals nach der Größe des Dorfes und Stammes und erhielt nun auch die richtigen Angaben [...]. Doch eines machte Kämpfer große Sorge: woher sollte er den geeigneten Lehrer hiefür nehmen? (Ebd., S.18).

Daraus wird erfahren, dass Kämpfer von der Zuneigung der Dorfbewohner zur Gottessache profitiert hat, um die Schule ins Dorf einzuführen. Er ist klug und strategisch, denn er hat durch eine Vereinbarung mit ihnen verfahren. Zusätzlich ließ er den Einheimischen selber das Schulhaus bauen. Er gab ihnen nur die Angabe der Größe des Schulhauses. Interessanter hier ist die Tatsache, dass Kämpfer derjenige ist, der den Lehrer auswählen soll. Daher sehen wir eine Form der Durchsetzung deutscher Kultur, denn er gab den Einheimischen sein eigenes Baumodell der Schule, das ein deutsches architekturales Modell ist.

Wegen der Inhalte von Schulfächern hat die Verschulung auch zur Vermittlung der deutschen Kultur in Nkongbetanu beigetragen. Unter diesen Fächern gab es die biblische Geschichte, Mathematik, deutsche Schrift, Geschichtsunterricht .usw., die alles an der Perspektive Deutschlands orientiert waren.

Beim Lehren der Mathematik bzw. Arithmetik lehrte Nsia den Dorfjungen, wie man auf Deutsch rechnet und die Zahlen auf Deutsch liest: „Jetzt sollte gerechnet werden. Zuerst ließ er Zählen. Bis auf hundert kamen alle. [...] Darauf musste jeder seine Finger und Zehen zählen. Das war die reinste Spielerei.“(Ebd., S.61). Es lohnt sich zu unterstreichen, dass Nsia hier die aktive Methode und die Spiele verwendete, um seinen Unterricht begreiflich und spannend zu machen. Dieser Unterricht war lernerorientiert, denn er bat den Lernenden selber mit ihren Händen zu zählen. (Siehe das Bild A-11 im Anhang).

Die deutsche Schrift wurde den Dorfjungen beigebracht. In der Tat spielt die Schrift eine wichtige Rolle im Lernprozess einer Sprache. Die Beherrschung einer Sprache setzt die Beherrschung ihrer Schriftweise und Zeichen voraus. Man lehrte den Dorfjungen die deutsche Schrift, um ihnen zu gestatten, nicht nur Deutsch gut zu schreiben, sondern auch Deutsch gut zu lesen, denn die Fertigkeit Schreiben geht Hand in Hand mit der Fertigkeit Lesen. Es soll erwähnt werden, dass am Anfang es für sie schwierig war, aber sie verbesserten allmählich ihre Schreibcharaktere ,,Die Schriftzeichen nahmen bestimmtere Formen an, die Schüler lernten sich fügen und die Freude an der Schule nahm zu.“ (Ebd., S.65). Daher kann behauptet werden, dass die Lehre der deutschen Schrift bei den Einheimischen auch ein Erwerb der deutschen Kultur war, da die Schrift eines Volkes auch eine Komponente der Kultur dieses Volkes bildet.

In der Schule gab es auch den Geschichtsunterricht über Deutschland. Dieser Unterricht hat den Lernenden ermöglicht, die deutsche Kultur bei ihnen zu entwickeln, insofern als durch ihn sie Kenntnisse über die Vergangenheit der Deutschen, über ihre Kriege, über ihre großen historischen Persönlichkeiten wie Martin Luther und Bismarck gehabt haben. Der folgende Textauszug verdeutlicht es:

Oft und viel wollten die guten Leutchen vom „Kaisa O Balin“ (Kaiser in Berlin) hören, für den sie nun einmal schwärmten, besonders die Männer und Knaben. Da musste Nsia von den Kriegen der Deutschen erzählen und was er sonst von ihnen wusste. Er verstand es aber auch meisterhaft überzuleiten auf einen größeren König und auf ein herrlicheres Reich, in dem seine Zuhörer auch Bürger werden sollten. (Ebd., S.161).

Aus dieser Textpassage wird gezeigt, wie die Dorfbewohner von Bismarck beeindruckt waren, sodass sie schließlich eine Zuneigung für Deutschland entwickelte.

Die Verschulung hat auch den Transfer der deutschen Kultur wegen der Berufsausbildung erleichtert. Des Weiteren lernten die Dorfjungen kleine Berufe in der Schule wie Basteln und Schnitzkunst „Ebenso führte er unter seinen Schülern die Bastflechterei ein, wie er sie in der Mittelschule seiner Zeit unter Kämpfers Leistung gelernt hatte [...] Diese Arbeiten gaben zugleich guten Verdienst.“ (Ebd., S.166). Diese Berufe, die sie dort lernten, gestatteten ihnen, autonom bzw. selbstständig zu sein, sich selbst und einfach in die Gesellschaft zu integrieren, denn mit diesen Berufen sie gewannen auch ihr Leben. Durch diese Berufsausbildung lehrten Nsia den Dorfjungen den Sinn der Arbeit, den Fleiß. Doch die Arbeit und der Fleiß sind zwei Prinzipien, die nach Thomas Mann (1945) relevant bei den Deutschen sind.

5.2.2 Die Christianisierung

In Nkongbetanu verlief die Christianisierung sowohl in der Schule als auch in der Kirche. In der Schule wardie biblische Lehre ein Fach, wobei die Einheimischen das Christentum und dessen Prinzipien lernten. Der Lehrer benutzte während dieses Unterrichts des Öfteren Objekte und biblische Textpassagen, um die Gottes Botschaft plausibelsten verständlich zu machen, denn die Einheimischen hatten nie früher davon gehört. Das Bild A-12 (Siehe den Anhang) zeigt, wie die biblische Lehre in der Schule verlief.

Hier wurde biblische Geschichte ausführlich erzählt. Viele Schüler nahmen am Unterricht teil und fanden ihn spannend. ,,Der andere Morgen begann mit biblischer Geschichte, der Lehrer erzählte von der Schöpfung der Welt. Dies war für die Schüler höchst interessant, davon hatten, sie noch nie etwas gehört.“ (Ebd., S.61). Die biblische Lehre war belehrsam bei diesen Lernenden, insofern als sie ihnen Informationen über die Gottessache gab und bracht ihnen gute Werte und Tugenden wie die Verzeihung und die Nächstenliebe bei. Neben der biblischen Lehre wurden auch den Jungen christliche Lieder gelehrt. Zum Beispiel das Lied Loba le ndolo (Gott ist die Liebe):

,,Loba le ndolo’’ (Gott ist die Liebe) und richtig ,das schien Aussicht auf Erfolg zu haben. Nachdem sie die Strophe voll zwanzigmal wiederholt hatten, begleitete er den Gesang mit der Trompete und jetzt ging’s miteinander, ganz wunderbar! Das Geschrei ging allmählich in regelrechten Gesang über, und am Schluss dieser für Lehrer und Schuler unvergesslichen Stunde, konnten sie den ersten Vers singen. (Ebd., S.64).

Dieses Lied war für sie Etwas Unvergessliches in ihrem Leben geblieben. Dadurch erwarben sie die Gottesliebe, die Nächstenliebe, die Freude und die Toleranz.

Die Christianisierung hier hat den Kulturtransfer bei den Einheimischen durch die Kirche begünstigt, denn die Einheimischen lernten dort das Weihnachtenfest. Diese Letzteren hatten niemals davon gehört und niemals es gefeiert. Eine Woche vor dem Weihnachten erzählte Nsia ihnen die Ankunft des Jesuskindes und die deutschen Weihnachtsgesange wie: ,,O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ ,,stille Nacht, heilige Nacht“.( Ebd., S.204). Dieses Ereignis war auch eine Gelegenheit für Nsia den Einheimischen, den Sinn der Aufteilung beizubringen, es war wirklich eine Kommunion und v.a. ein Austausch zwischen den Schülern Nsias und ihren deutschen Freunden. Da diese Jungen Geschenke aus Deutschland von ihren deutschen Freunden bekamen. Das folgende Zitat beschreibt den Verlauf dieser Feierlichkeit:

Der Schülerchor sang nach einigen Weihnachtsliedern und dann wurde jeder Schüler mit einer Gabe bedacht.Die einen bekamen Hemden, andere Tücher, Tafeln, Mützen und Jacken. (...) Das alles hatten liebe Freunde in Deutschland geschenkt. Hatten diese nur sehen können, welch‘ große Freude sie damit den Schwarzen bereitet hatten. Nsia unterließ auch nicht, darauf hinzuweisen, dass diese Geschenke an das große Gottesgeschenk erinnern sollten, dass Gott uns in Jesu Christo gegeben hat.

(Ebd., S.206).

Das Christentum förderte die Menschenrechte bei den Einheimischen. Vorher wurden die Menschenrechte in Nkongbetanu verachtet. Zum Beispiel, wenn Enungu gestorben war, wurde seine Leich mit ihrem lebendigen Kind Ekeke begraben, aber dank des Einsatzes Nsias wurde das Baby Ekeke gerettet (Ebd., S.122f.). Diese Gestik hat den Einheimischen bewusst gemacht, sie erkennen an, dass das Kind bzw. jede Person das Lebensrecht haben sollte. Die Beachtung der Menschenrechte ist ein wichtiges Prinzip bei den Deutschen.

5.2.3 Die ärztliche Versorgung: die moderne Medizin

Früher gab es viele Epidemien, die Bevölkerung Nkongbetanus bedrohten. Darunter zählte man Pocken. (Vgl. Ebd., S.218). Die Seuche war von den Dorfbewohnern unbekannt, weil sie die Krankheit als eine Strafe Nyambes, ihren bösen Gottes betrachteten. (Vgl., Ebd., S.210 ). Die traditionelle Medizin hatte dabei keine Effekte, die tropischen Krankheiten abzubrechen, weil die Einheimischen nur Zaubermittel verwendeten, um sich zu heilen: ,,Nach ihrer Ansicht starben nur ganz wenige den sogenannten Verloschungstod, an dem alles lebende Menschen, Tiere und Pflanzen zugrunde geht.“ (Ebd.,S.210 ). Sie dachten, dass diese Mittel wirksam waren. Aber es war nur für eine gewisse Zeit.

Durch die Operationen, die Betäubung und die Impfung wurde die moderne Medizin in Nkongbetanu eingeführt. Von nun an war man dazu fähig, genau Krankheiten zu diagnostizieren. Dies erlaubt die Verwendung einer geeigneten Heilung. Mit dem Fall der Pocken war die Impfung sehr wirksam. Die Menschen waren nicht nur in diesem Dorf geimpft, sondern auch in umgebenden Orten. (Vgl., Ebd., S.217 ). Diese Impfung ist ein besseres Mittel gewesen, um die Dorfbewohner von Pocken zu befreien und Tod hört gänzlich auf. (Vgl., Ebd., S.218).

5.3 Zu den Folgen des Kulturtransfers

Ziel dieses Teils ist es, zu zeigen, worin der Kulturtransfer bzw. die Übertragung der deutschen Kultur im Dorf eingemündet ist. Nach einer gründlichen Auseinandersetzung mit dem Werk Nordens Der Urwaldschulmeister von Kamerun sind wir zu der Feststellung gekommen, dass dieser kulturelle Transfer Auswirkungen in Nkongbetanu sowohl auf der infrastrukturellen Ebene als auch auf der Ebene der Bevölkerung. Im Folgenden wird darauf eingegangen.

5.3.1 Auf infrastruktureller Ebene

5.3.1.1 Die Urbanisierung und die Modernisierung

Die Urbanisierung verweist auf die Entwicklung von Städten. (Vgl., Microsoft Encarta, 2009). Früher fehlte Nkongbetanu an Schule, an Kirche und an Straßen. Die Leute wohnten in Hütten:

Ihre Hütten waren zwar fester und dauerhafter als die an der Küste von runder Form mit kegelförmigem Dach, aber ihnen schwarz und verräuchert. In der Mitte brannte Tag und das Feuer, das eigentlich nie ausging. [...] Menschen und Tiere wohnten gemeinsam unter einem Dach. In der Wand war ein Loch, durch das die Hühner aus -und einschlüpften und das auch von den Hunden benutzt wurde. (Ebd., S.104).

Der Mangel an Infrastrukturen war akuter. Die Tatsache, dass die Einheimischen ernsthaft die deutsche Kultur annahmen, hat dazu geführt, dass das dortige Leben ändert. Nun kam die Modernisierung. Eine feste Schule wurde gebaut ,,[...] Dabei handelte es sich nicht um eine landesübliche Mattenhütte, sondern um ein richtiges Lehmhaus mit festgestampften Wandern, [...]“ (Ebd., S 160). Dieses neue Gebäude war sehr gut aufgebaut und die Dorfbewohner waren sehr darauf erstaunt. Außer der Schule wurden auch die Eisenbahn und die Kirche gebaut: „Endlich ist auch die Eisenbahn fertiggestellt und soll heute dem Betriebe übergeben werden. Ein wichtiges Ereignis für das ganze Land.“ (Ebd., S.274) Diese war bei den Einheimischen etwas Neues, denn sie hatten niemals ein solches Verkehrsmittel gesehen. Es war hilfreich, weil fortan die Einheimischen sowie die Missionare nach Duala wechseln konnten und umgekehrt. Wegen dieser neuen gebauten Infrastrukturen und der Verbesserung der Lebensbedingungen im Dorf wurde Nkongbetanu zu einer Hauptstation transformiert. Eine direkte Konsequenz dafür war die Errichtung europäischer Häuser. Dort siedelten sich die Deutschen, Frauen wie Männer sich an. Auf diese nahm die Zahl der Dorfbewohner zu und das Dorf wuchs auch. (Vgl., Ebd., S.277). Nun was änderte auf der Ebene der Bevölkerung denn?

5.3.2 Auf der kulturellen Ebene

Der Transfer der deutschen Kultur bei den Einheimischen hat zur Aufnahme neuer Werte und zur Extraversion dieses Volkes geführt. In den folgenden Teilen werden diese beiden Aspekte bewiesen.

5.3.2.1 Die kulturelle Bereicherung der Einheimischen

In der Tat sind die Bewohner Nkongbetanus durch den kulturellen Transfer interkulturell geworden. Ein Grund dafür besteht darin, dass sie fortan zwei Kulturen hatten, und zwar ihre Bantukultur und die deutsche Kultur. Sie waren von nun an imstande nicht nur sich auf Duala-Sprache, sondern auch auf Deutsch auszudrücken. Der Fall des kleinen Ekeke zeigt es deutlich. Außer der Duala-Sprache ,,[...]plauderte er schon ein wenig Deutsch, was besonders seinem glücklichen Vater unbändige Freude machte.“ (Ebd., S.184). Dieser Tatbestand war wichtig, insofern als er das Verständnis zwischen den Einheimischen und den Deutschen verstärkt hat. Damit ist gemeint, dass sie schon sich gut verstanden. Einerseits hat diese kulturelle Bereicherung auch Musinga gestattet sich bloß und einfach in Deutschland zu integrieren, da er hatte ein Stipendium für die Studien in Berlin ergattert. (Vgl. Ebd., S.273). Weil er schon die Sprache der Deutschen und deren Kultur beherrschte, hatte er dort kein Problem gehabt.

5.3.2.2 Die Akkulturation der Einheimischen

Die Akkulturation ist ein kulturelles Phänomen, das sich häufig durch die teilweise oder totale Umformung der Identität charakterisiert. Alain Rey definiert sie, wie folgt: „Processus par lequel un groupe humain assimile tout ou partie des valeurs culturelles d'un autre groupe humain.’’ (Rey, 2005). Anders formuliert, geht es um eine kulturelle Entwurzelung, denn die Person assimiliert bzw. nimmt eine andere Kultur zum Schaden ihrer eigene Kultur.

Die Vermittlung der deutschen Kultur in Nkongbetanu ist in die Akkulturation mancher Bewohner eingemündet, weil ihre Handlungen und Denkweisen fortan an Deutschland orientiertet waren. Sie versuchten, sich wie die Deutschen zu benehmen. Ngabe, der Häuptling ahmte dem deutschen Kaiser nach. Er wollte unbedingt Bismarck ähnlich sein. Dies war auf seiner Kleidung sichtbar: ,,Statt im Kriegshabit erschien Ngabe heute der in einem friedlichen, schwarzen Frack, der direkt aus Berlin stammte und pariser Schnitt hatte.“ (Ebd., S.67). Es wird hier bemerkt, dass er seine traditionelle Kleidung des Häuptlingen beiseite gelassen, um sich à l’europenne anzuziehen. Das ist die Ablehnung bzw. die Verlassenheit seiner eigenen Kultur zugunsten einer anderen Kultur. Der Fall Eposis veranschaulicht akuter diese Akkulturation. Dieser junge Mann befürwortete die deutsche Kultur, sodass er seinen afrikanischen Namen eposi durch einen deutschen Namen ersetzte Nun hatte Eposi sich also wieder einen neuen Namen ausgewählt, den er aber erst später tragen wollte, wenn Kampfer, der ihn schon einmal um seinen „guten Namen‘‘ gebracht hatte ,nicht mehr da sein werde oder er selbst endlich wohlbestallter Lehrer sein wurde .Die Wahl war nicht leicht gewesen ,und er hatte lange vergeblich gesucht, bis er eines Tages im Geschichtsunterricht auf einen Namen stieß, der ihm zu passen schien. Es war das kein geringerer als der Name ,,Bismarck“. Ihn wollte er annehmen; [...], für das man gerade einen passenden Namen gesucht, so benannt hatte. (Ebd., S.252 ).

Er kam nur noch in weißen oder gelben Schuhen, in weißen Anzug, hohem Stehkrangen und [. ]. Eines Tages kam er sogar mit einem Monokel daher. Das hatte er einem weißen Kulturträger abgeguckt und hatte geglaubt, das sei nur eine beliebtere oder zweckmassigere Form der Verwendung eines Uhrenglases. (Ebd., S.253).

Von nun an lehnte er ab, dass seine Kommilitonen ihn eposi nennen, sondern Bismarck, denn er wollte ihm ähnlich sein. Dadurch erfahren wir, dass er seine eigene afrikanische Persönlichkeit sowie Identität zugunsten einer deutschen Identität änderte. Er kleidete sich eben wie die Deutschen.

Zwischenfazit

Dieses Kapitel weist im Lichte Der Urwaldschulmeister von Kamerun nach, wie die deutsche Kultur in Kamerun während der deutschen Kolonialherrschaft eingeführt wurde. Darin haben die Schule und die Kirche eine wesentliche Rolle gespielt. Dort lernten die Einheimischen vieles über die Kultur der Deutschen. Je mehr die Zeit verging, desto einfacher interiorisierten sie die erworbenen Kenntnisse. Die Annahme dieser Kultur bei ihnen hat dazu gemacht, dass viele Umwandlungen in ihr Dorf gekommen sind wie die Modernisierung, die Urbanisierung, die kulturelle Bereicherung ...usw. Nun haben einige von Ihnen von dieser neuen Kultur dominiert gelassen, sodass sie akkulturell geworden sind.

Zur Erziehungsrelevanz des Themas

In diesem Teil wollen wir die Relevanz und die Implikationen unserer Arbeit auf die Erziehung zeigen.

Unsere Arbeit gestattet den Deutschlehrern, den Begriff Kultur beherrschen. In den Klassen haben wir mit zahlreichen Schülern verschiedener Horizonte und verschiedener Kulturen zu tun. Der Lehrer soll jede Kultur als gültig betrachten. Er soll übersehen, dass es eine schwache oder starke Kultur gibt. Alle Kulturen sollen gleichrangig behandelt werden. Die Mission des Deutschlehrers im DaF-Unterricht besteht darin, nicht nur die sprachlichen und textuellen Kenntnisse zu vermitteln, sondern auch den Lernenden die deutsche Kultur beizubringen. Unsere Arbeit ist hier hilfreich. Also der Deutschlehrer soll den Schülern auch die Werte der Deutschen zum Beispiel die Pünktlichkeit, der Fleiß und der Sinn der Arbeit zeigen. Aber es soll mit einer gewissen Intensität gemacht werden, ansonsten läuft man die Gefahr, die Schüler zu entfremden. Das Ziel des Deutschunterrichts ist auch den Schülern zu verhelfen, sich selbst zu verstehen, ihre eigene Umwelt und Kultur zu begreifen.

Unsere Arbeit ist auch bedeutsam für die Deutschlehrer dahingehend, dass sie dadurch die Genesis bzw. den historischen Hintergrund des Deutschunterrichts in Kamerun erfahren. Sie lernen, dass die Missionare wie Theodor Christaller, Nsia und Kämpfer die Vorläufigen des Deutschunterrichts in Kamerun sind. Interessanter bei ihnen ist die Tatsache, dass sie der Lieder und Spiele bedienen, um den Unterricht motivierend zu machen. Das kann als Inspiration für die Lehrer sein.

Einerseits verstärkt unsere Arbeit das Geschichtsbewusstsein der Lernenden. Die Mehrheit von kamerunischen Schülern kennen kaum die Vergangenheit Kameruns und die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun. Die vorliegende Arbeit ermöglicht ihnen, Kenntnisse über die deutsch-kamerunischen Beziehungen während der Kolonialepoche und die kamerunischen Kulturen vor der Kolonisation zu erwerben. Mittlerweile leben wir in einem Globalisierungskontext d.h, in einem planetären Dorf, in dem zahlreiche Kulturen sich treffen, austauchen und sich verschmelzen. Unsere Arbeit ist dadurch ein Plädoyer für eine interkulturelle Welt, eine offene Welt, in der der Eine die Kultur des Anderen annimmt, lernt, ohne seine eigene Kultur zu vernachlässigen oder beiseite zu lassen. Um konkreter zu sein, wäre es besser, dass die

Afrikaner europäische Kultur akzeptieren, ohne von ihrer eigenen afrikanischen Kultur entwurzelt zu sein. Unsere Arbeit ist also eine Bewusstmachung zur Bewahrung unserer Kultur.

Schlussbetrachtung

„Der Schlussteil, genannt „Fazit“ oder „Ergebnisse und Ausblick“ fasst die Ergebnisse kompakt zusammen. ‘‘ (Rotzoll, 2008, S.15).

In der vorliegenden Arbeit ging es darum, sich mit dem Kulturtransfer im Kolonialkontext zwischen Deutschland und Kamerun im Lichte des Werkes Der Urwaldschulmeister von Kamerun auseinanderzusetzen. Von diesem Tatbestand ausgehend, setzten uns als Ziel, die Motive der deutschen Kolonialherrschaft aus der Sicht Nordens zu präsentieren und die Mechanismen des Transfers der deutschen Kultur in Kamerun während der Kolonialepoche im Werk Nordens zu analysieren.

Um dieses Thema zu behandeln, sind wir zunächst einmal mit den Kernbegriffen der Arbeit, und zwar Kolonisation, Kultur und Kulturtransfer umgegangen. Es wurde darauf hingewiesen, wie diese vier Begriffe in enger Beziehung in unserer Arbeit stehen. Deshalb haben wir es für nötig gefunden, dass ihre Bedeutung eingegrenzt und klar definiert wird.

Nach diesen Begriffsbestimmungen haben wir die Haltung Deutschlands der Kolonialfrage gegenüber dargestellt. Im dritten Kapitel wird bewiesen, dass es vor der Ankunft der Deutschen in Kamerun schon Kulturen existierte. Darin wird auch die Lage des Dorfes Nkongbetanu vor der Ankunft von Missionaren (Kämpfer und Nsia) geschildert.

Da unsere Arbeit literaturwissenschaftlich ist, befasst sich das vierte Kapitel mit der Analyse des Korpus Der Urwalschulmeister von Kamerun. In diesem Teil wird auch die Rechtfertigung der deutschen Kolonialherrschaft aus der Sicht Nordens untersucht. Das fünfte Kapitel widmet sich dem Kulturtransfer im Werk Heinrich Nordens. Dort werden die Träger der deutschen Kultur im Text dargelegt, bevor auf die Mechanismen dieses kulturellen Transfers einzugehen. Am Ende dieses Teils werden die Wirkungen dieses Kulturtransfers auf die Einheimischen und auf deren Lebensweise präsentiert.

Am Ende dieser Arbeit gehen folgende Ergebnisse hervor:

Die Kolonialbewegung entspricht dem Prestigebedürfnis Deutschlands. Kulturmissionarisch- sendungsideologische Argumente wie die Christianisierung und Zivilisierung der Wilden werden durch die Missionarsgesellschaften vorangetrieben. Die Bevölkerungs- und Auswanderungsfrage spieltauch in Deutschland eine zentrale Rolle in der Kolonialpropaganda und Expansionsagitation. Nationalpolitische und nationalpsychologische Motive stehen gleichrangig neben den wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Argumenten.

Für Heinrich Norden ist es der Wille, Frieden zwischen Völkern zu etablieren, die Sklaverei und die grausamen kulturellen Ritualen abzuschaffen, die die Deutschen bewogen haben, Kamerun zu kolonisieren. Da die Einheimischen ohne Gott leben, so ist die Kolonisation auch Anlass, ihnen zu Gott anzunähern.

Aus der Analyse kommen wir auch zur Feststellung, dass die Verschulung und die Christianisierung wirklich Mittel sind, die der Übertragung der deutschen Kultur in Kamerun gedient haben, denn die Inhalte der Lehraktivitäten in der Schule und in der Kirche an Deutschland orientiert wurden.

Die Einführung der deutschen Kultur in Kamerun während der deutschen Kolonialherrschaft hat dazu geführt, dass die Einheimischen ihre eigene Werten, Sitten und Gebräuche zugunsten der deutschen Werte verlassen haben. Allmählich haben sie sich von der neuen Kultur beeindrucken und dominieren gelassen. Es war eine kulturelle Entwurzelung. Trotz dieser hat der kulturelle Transfer die kamerunischen Einheimischen kulturell bereichert. Sie sind interkulturell geworden, d.h. sie beherrschten fortan ihre Bantu-Kultur und die deutsche Kultur.

Demnach können wir behaupten, dass die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung mit den vorformulierten Hypothesen übereinstimmen.

Dank der vorliegenden Arbeit lernt der Leser, dass die Kolonisation auch kulturell war, dass die Kolonialherren und die Missionare den Einheimischen ihre Sprache, Handlungs- und Denkweise kurzgesagt ihre Kultur durchsetzten. Er erfährt auch, wie die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika in den Reiseberichten von den Deutschen selber legitimiert wurde.

Die Kolonialbegegnung ist ein rendez-vous du donner et du recevoir, wobei jeder von dem Anderen etwas bekommt und umgekehrt. Es besagt, dass während der deutschen Kolonialherrschaft die Deutschen auch etwas Kulturelles von den Kamerunern bekommen haben. Der Forschende, der unsere Arbeit fortsetzen will, kann auch im Lichte eines anderen literarischen Werkes, wo die Kolonialkontakt zwischen den Deutschen und den Kamerunern im Zentrum steht, nachweisen, wie die Kameruner den Deutschen ihre Kultur während der deutschen Kolonialherrschaft vermittelt haben. Eine solche Arbeit kann also die unsere ergänzen. Sie ermöglicht uns zu verstehen, inwieweit der Kulturtransfer auch umgekehrt ist d.h. von den Kamerunern zu den Deutschen.

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Anhang

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A-1:What is Culture? Abgerufen in http://bilingualkidsrock.com/wp- content/uploads/2013/06/Aspects-of-Culture-Bevond-Language-infograph-869x1024.ipg, am

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Dieses Bild untermauert den totalitätsorientierten Kulturbegriff. Hierin verweist die Kultur auf die Religion, Kleidung, Heilungsmittel, Feierlichkeiten und Essgewohnheiten eines Volkes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-2: Die Kultur aus dem Eisbergmodell (aus: Was ist Kultur? Einführung und

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-3'.L’immersion du vasesacréwährend der Ngondo-Zeremonie (abgerufen in
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Ngondo-604x374.jpg. am 10.11.2016, 19:20. Mit Genehmigung des Autors)

Auf diesem Bild geht es um die Kommunikation zwischen dem Sawa-Volk und ihren

Ahnen. Der Mann mit dem Korb auf dem Kopf ist der Bote. Er kommt aus dem Fluss mit der Botschaft der Ahnen für das Sawa-Volk.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-4: Die Tanz des Männer-Geheimbündnisses (Abgerufen in
http://www.memoireonline.com/12/10/4167/Du-costume-de-la-confrerie-Kuingang-de-Bansoa--la-
creation-picturale--proposition-doeuvres-pla.html. 01.12.2016 06:40 mit Erlaubnis des

Autors)

Hierbei werden die Tanz und die Maske des Männer-Geheimbundnisses bei den Bamileke während der Trauer eines Häuptlings präsentiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-5: Textshumon (Abgerufen in http://kongossa.mondoblog.org/files/2012/08/texteshumon.gif, am 11.12.2016 08:02 mit Genehmigung des Autors.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Shumon-Schrift war die Schrift, die vom König Njoya vor der Kolonialepoche geschaffen wurde. Das folgende Bild untermauert diese Schrift mit deren Charakteren.

A-6:Der Palast des Bamun-Königs (Abgerufen in
http://geocities.com/TheTropics/Shores/4051/images98/fbansultanat.ipg am 10.12.2016 17:59,

mit Genehmigung des Autors)

Dieser Palast des Bamun-Königs auf dem Bild ist ein festes Gebäude mit zahlreichen
Raumabteilen, das von den Bamun-Maurern vor der Kolonialepoche gebaut wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-7: Der Mvett (Abgerufen in http://site-303224.mozfiles.com/files/303224/mvet.ipg, am 11.12.2016 10:10)

Die Fang-beti benutzten dieses Musikinstrument während traditioneller Zeremonien und Erzählungen von Märchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-8: Eine Einheimische leidend an Pocken (Abgerufen in http://digitallibrary.usc.edu/cdm/ref/collection/p15799coll123/id/46544(Bildarchiv der Basler Mission),am 15.12.2016 10:00, mit Genehmigung des Autors)

Es wird erfahren, dass der Gesundheitszustand und die Hygiene von Nkongbetanu- Leuten nicht gut vor der Ankunft der Deutschen waren. Viele Epidemien, wie Pocken und Cholera bedrohten die Bewohner.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-9: Ernährung der Ahnen mit Palmwein (Abgerufen in
http://digitallibrary.usc.edu/cdm/ref/collection/p15799coll123/id/46554 (Bildarchiv der Basler Mission),am 15.12.2016 10:32, mit Genehmigung des Autors)

Vor der Ankunft der Deutschen glaubten die Nkongbetanu-Leute an den Toten- und Ahnenkult.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-10: Die Begrabung eines Häuptlings mit seinen Ehefrauen(Abgerufen in http://digitallibrary.usc.edu/cdm/ref/collection/p15799coll123/id/46538 (Bildarchiv der Basler Mission),am 15.12.2016 10:40, mit Genehmigung des Autors)

Vor der Ankunft der Deutschen war der Häuptling allmächtig und verlobt, deshalb wurde seine Leiche häufig mit seinen lebenden Ehefrauen begraben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-11: Das Rechnen. (aus der Online Kolonialbibliothek des Dawzentrums, mit

Genehmigung des Autors)

Das ist die Methode, die Nsia verwendet, um den kamerunischen Einheimischen das Rechnen auf Deutsch beizubringen. Er bittet die Schüler, selbst mit ihren Händen zu zählen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A-12: Die Biblische Lehre. (aus der Online Kolonialbibliothek des Dawzentrums, mit Genehmigung des Autors)

Das ist die Methode, die Nsia verwendet, um den kamerunischen Einheimischen die Gottessache und die Bibel beizubringen.


[1] Wir weisen hier darauf hin, dass wir lediglich mit der dritten Auflage des Werkes arbeiten, die im Jahre 1923 in Stuttgart, Evang. Missionsverlag von der Basler Mission veröffentlicht wurde.

[2] Darunter gibt es: Histoire du Cameroun (1980) von Engelbert Mveng und Cameroun 1884-1985. Cent ans d’histoire (1990) von Viktor Julius Ngoh.

[3] Der Begriff Soft power auf Französisch puissance douce. Er verweist auf die weiche Macht. Sein Gegensatz ist Hard power d.h. gewaltsame Macht, mit der Verwendung brutaler Mittel. Joseph Nye bedient sich diesen beiden Begriffen, um die Machtverhältnisse zwischen Staaten zu analysieren.

[4] Der Imperialismus ist eine Herrschafts- und Expansionsdoktrin, die darin bestand fremde Gebiete unter der Domination seines Reiches zu setzen.

[5] Der Rassismus ist eine Ideologie, die die Überlegenheit einer Rasse fördert.

[6] Er wird auch erweiterter Kulturbegriff genannt.

[7] Von uns hervorgehoben.

[8] Die Gründerjahre entstehen infolge des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich um Elsaß und Lothringen.

[9] Das Unfehlbarkeitsdogma verwies auf die Immunität des Papstes. Durch dieses Dogma war vor dem Gesetz nicht strafbar.

[10] Zuckerbrot, denn seine wirtschaftlichen Maßnahmen waren gescheitert.

[11] Peitsche wegen seiner Maßnahmen gegen die katholische Kirche und die Sozialdemokraten. Im Allgemeinen wollte Bismarck allein die Macht ausüben.

[12] So hat Fabri Colonien geschrieben, statt „Kolonien“ zu schreiben.

[13] Sie wählte die Gesetze und bestimmte den Staatshaushalt zum Beispiel.

[14] Der Name Ngondo bedeutet in der Dualasprache« le retour aux sources »

[15] Zum Beispiel in Anlehnung an Blaise Ngando « C’est le Ngondo qui, pour régler la guerre civile opposant Akwa et Bell, prononça la condamnation à mort de Charles Deîdo, le chef supérieur des Deido qui fût exécuté le 07 décembre 1876.»

[16] Die mündliche Tradition über die wirkliche Herkunft des Bamun-Volkes gibt folgende Information: « Leur fondateur se nomme MSNARE, fils d’un chef Tikar établi sur la rive gauche du Mbam. Au 17ème siècle pour des raisons que nous ignorons, Nshare quitte sa tribu avec une poignée de personnes qui lui étaient soumis, il part à la recherche de nouvelles terres, il part vers le Sud franchit le Mbam et trouve les Bamiléké et les Tikar installés. Il les repousse il s’installe d’abord à Nji-Mom, au Pays des Pa-Mbam, à 20 km au Nord de Foumban. Il soumet 18 Chefs et se fait proclamer Roi de Pa-Mbam. De Pa-Mbam viendra le nom Bamoun donné à son peuple. » Abgerufen in URL: http://balistobleu.blogspot.com/2012/05/lorigine-des-bamoun.html, am 10.12.2016 17:15.

[17] Nach einer Berichterstattung in Crtv (Dezember 2016) über das Bamun-Volk hatten die Bamun Islam angenommen, denn die Krieger des Lamidos von Banyo (Lamido Oumarou) hatten Njoya geholfen, seine Vorherrschaft über seinem Volk wiederzufinden. Außer diesem Aspekt war auch das Bamun-volk schon auf diese Krieger erstaunlich, da sie sahen diese Krieger, Allah betete vor dem Krieg, deshalb gewannen sie immer ihre Gegner.

[18] In Anlehnung an eine mündliche Quelle.

[19] Böser Gott nach Heinrich Norden.

[20] Jean-Richard (1981) in seinem Werk Les récits de voyages et de pèlerinages unterscheidet die Reiseberichte je nach ihrem Inhalt und Ziel. Er unterteilt die Reiseliteratur in 7 Gruppen: Pilgerführer, Pilgerberichte, Kreuzzugsschilderungen, Berichte von Botschaftern und Missionaren, Führer für Kaufleute, Berichte von Forschern und Abenteurern, imaginäre Reisen.

[21] Manfred Link in seiner Typologie von Reiseberichten unterscheidet die Forschungsreiseberichte, die Reisetagerzählungen, die Reisetagroman.

[22] Von uns hervorgehoben.

[23] Es lohnt sich hier zu unterstreichen, dass die kamerunischen Einheimischen früher keinen Tee kannten. Dank der Kolonisation wurde dieses Produkt in Kamerun eingeführt.

105 von 105 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Kolonisation als Transfermittel deutscher Kultur in Kamerun am Beispiel des Reiseberichts "Der Urwaldschulmeister von Kamerun: eine Erzählung aus dem Leben der Kamerun-Neger" von Heinrich Norden
Note
15.5
Autoren
Jahr
2017
Seiten
105
Katalognummer
V373632
ISBN (Buch)
9783668511705
Dateigröße
1526 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kulturtransfer im Kolonialkontext. Anhand eines literarischen Werkes wird versucht zu zeigen, wie die deutsche Kolonisation die Vermittlung der deutschen Kultur in Kamerun vereinfacht hat. Darin werden auch die Konsequenzen dieses Kulturtransfers analysiert.
Schlagworte
Kolonisation- Kultur- Kulturtransfer- Kamerun
Arbeit zitieren
Ngoei Nyadao Hamadou (Autor)Ngomsu Emerand (Autor), 2017, Die deutsche Kolonisation als Transfermittel deutscher Kultur in Kamerun am Beispiel des Reiseberichts "Der Urwaldschulmeister von Kamerun: eine Erzählung aus dem Leben der Kamerun-Neger" von Heinrich Norden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373632

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