Mit dem Wandel der Medien und der digitalen Revolution trat parallel eine Veränderung im Bereich der Kommunikation ein. In der heutigen Zeit der Postmoderne ist es uns möglich neben Telefonaten, Mails, Videoanrufen oder auch dem Fax, SMS oder WhatsApp in Sekundenschnelle Nachrichten zu verschicken. Die alten Medien wurden erweitert und Kommunikation läuft heute zu einem großen Teil über den digitalen Weg. Chat-Kommunikation ist zwar ein schriftliches Medium, wird von Interaktionspartnern jedoch als „Gespräch“ empfunden. Mit der Möglichkeit Sprachnachrichten, Emoticons, GIFS und Bilder zu verschicken haben Kommunikationspartner eine weite Bandbreite an Möglichkeiten Gefühle auszudrücken und ihr eigentliches Handeln der face-to-face- Kommunikation zu verdeutlichen. Da die Massennutzung der Medien und in diesem Fall des Chats unseren Alltag beherrschen und Gespräche immer häufiger auf digitaler Ebene stattfinden, darf diese Kommunikationsform in der sprachwissenschaftlichen Forschung nicht vernachlässigt werden. Vor allem im Bereich der Mündlichkeit und Schriftlichkeit hat die Disziplin in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.
Daher liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem gesprächsanalytischen Aspekt der Nachrichtenübermittlung. Die Forschungsfrage besteht darin, welche Position die Chat-Kommunikation zwischen den beiden Dimensionen Mündlichkeit und Schriftlichkeit einnimmt. Im ersten Teil wird die theoretische Grundlage dargestellt, die sich auf das Modell von Peter Koch und Wulf Oesterreicher über Medium und Konzeption bezieht. Im zweiten Teil wird genauer erläutert, warum Chat-Kommunikation auch gesprächsanalytisch wichtig ist und anhand ausgewählter Beispiele analysiert, ob die These, dass Chat-Kommunikation ein konzeptioneller Hybrid ist, bestätigt oder relativiert werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit liegt das Hauptaugenmerk auf der Kommunikation in WhatsApp, da WhatsApp in den vergangenen Jahren SMS, Emails und ursprüngliche Chats über Foren weitgehend abgelöst hat und als Hauptnachrichtenübermittler bezeichnet wird. Weitere Medien vergleichend zu analysieren würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. In der Diskussion und dem Fazit werden die Analyseergebnisse dargestellt und ein Ausblick auf noch offene Fragen und weitere Untersuchungspotentiale gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.1. Medium und Konzeption
2.2. Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien
2.3. Universale und einzelsprachliche Merkmale
3. Chat-Kommunikation
3.1. Beispiel WhatsApp 1
3.2. Beispiel WhatsApp 2
3.3. Analyse
3.4. Analyseergebnisse und Diskussion
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Position der Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Unter Anwendung des Modells von Peter Koch und Wulf Oesterreicher analysiert die Autorin mittels WhatsApp-Beispielen, inwieweit digitale Kommunikation als konzeptioneller Hybrid verstanden werden kann und welche Faktoren die Einordnung beeinflussen.
- Grundlagen der Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- Modell von Medium und Konzeption nach Koch und Oesterreicher
- Strukturelle und kommunikative Merkmale von Chat-Kommunikation
- Empirische Analyse anhand von WhatsApp-Verläufen
- Diskussion der hybriden Stellung digitaler Nachrichtenübermittlung
Auszug aus dem Buch
3.3. ANALYSE
Die abgebildeten Beispiel-Chats machen deutlich, dass es sich um zwei unterschiedliche Gesprächspartner handelt. Sowohl aus der Bezeichnung des Kontakts, als auch aus der groben Thematik lässt sich erkennen, dass der erste Chat-Verlauf ein persönliches Gespräch mit einem Partner und der zweite Verlauf mit einer höher gestellten Person, dem Arbeitgeber, beinhaltet. Dies kristallisiert sich auch anhand der Struktur und Gesprächsorganisation heraus. So ist im WhatsApp-Chat mit Jonas eine umgangssprachliche und emotionale Gesprächseröffnung und Gesprächsbeendigung, siehe den Ausdruck „Schatz“ und Kuss-Emoticons, in dem Chat mit dem zweiten Kommunikationspartner ist dies nicht vorzufinden. Auf der Makro- und Mesoebene betrachtet ist der Übergang von den jeweiligen Gesprächsphasen bei beiden Chats sehr rasch und beinhaltet im Gegensatz zu face-to-face-Konversationen keine konkrete Themenüberleitung.
In der Gesprächsmitte wird deutlich, dass die Sprecherwechsel in den ersten zwei Screenshots häufiger, die jeweiligen Nachrichten kürzer und die Themenüberleitungen noch schneller als in den anderen zwei, nachfolgenden Screenshots sind. Erklären lässt sich die spontane Themenüberleitung und Themenentfaltung damit, dass bei Chats physische Merkmale fehlen, wie die Kleidung oder eine erkältete Stimme und die Intention der Nachricht vorrangig ist. In den ausgewählten Beispielen sind Eröffnung und Beendigung der Konversation vorhanden, diese können bei Chats wegfallen, wenn zum Beispiel eine dringend zu klärende Frage im Raum steht, ein Chatpartner gestört wird, das Smartphone ausgeht, das Internet nicht funktioniert oder auch der Akku leer gelaufen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Medienwandel ein, stellt die Forschungsfrage zur Position der Chat-Kommunikation zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und erläutert die methodische Grundlage.
2. Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Modell von Koch und Oesterreicher hinsichtlich Medium und Konzeption sowie die Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien von Nähe und Distanz.
2.1. Medium und Konzeption: Hier werden die zentralen Begriffe des Modells, die dichotome mediale Ebene und das kontinuierliche Konzept sprachlicher Äußerungen definiert.
2.2. Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien: Dieses Unterkapitel detailliert die Faktoren, die sprachliche Nähe und Distanz charakterisieren, wie Vertrautheit, Raumzeitlichkeit und Spontanität.
2.3. Universale und einzelsprachliche Merkmale: Hier werden typische Strukturmerkmale der Sprache der Nähe (z. B. Anakoluthe, Sprecher-Hörer-Signale) für die spätere Analyse eingeführt.
3. Chat-Kommunikation: Dieses Kapitel beschreibt das Medium Chat, insbesondere WhatsApp, als eine quasi-synchrone Kommunikationsform und definiert deren Rahmenbedingungen.
3.1. Beispiel WhatsApp 1: Präsentation eines prototypischen Chat-Verlaufs zwischen zwei vertrauten Personen (Screenshot 1/2).
3.2. Beispiel WhatsApp 2: Präsentation eines prototypischen Chat-Verlaufs zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer (Screenshot 3/4).
3.3. Analyse: Durchführung der linguistischen Untersuchung der beiden Beispiel-Chats auf Makro-, Meso- und Mikroebene unter Anwendung der theoretischen Kriterien.
3.4. Analyseergebnisse und Diskussion: Zusammenführung und kritische Interpretation der Ergebnisse, wobei die Abhängigkeit vom Gesprächspartner und die hybride Natur des Chats hervorgehoben werden.
4. Fazit: Abschließende Bestätigung der These, dass Chat-Kommunikation als konzeptioneller Hybrid zu verstehen ist, der nicht eindeutig in einem linearen Kontinuum positioniert werden kann.
Schlüsselwörter
Chat-Kommunikation, WhatsApp, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Medium, Konzeption, Sprache der Nähe, Sprache der Distanz, Koch und Oesterreicher, Gesprächsanalyse, Sprachwissenschaft, Hybride Kommunikation, Digitalität, Dialogizität, Kommunikationsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Einordnung von Chat-Kommunikation – speziell über WhatsApp – in das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die digitale Kommunikation, das theoretische Modell von Medium und Konzeption nach Koch und Oesterreicher sowie die Analyse von sprachlichen Nähe- und Distanzmerkmalen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Position die Chat-Kommunikation innerhalb der Dimensionen Mündlichkeit und Schriftlichkeit einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine gesprächsanalytische Untersuchung von selbst erhobenen, prototypischen WhatsApp-Verläufen durchgeführt, um diese anhand der Kriterien des Nähe-Distanz-Kontinuums zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kommunikationsmodelle und eine praktische Analyse, in der zwei verschiedene Arten von Chat-Gesprächen verglichen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Chat-Kommunikation, konzeptioneller Hybrid, Sprache der Nähe und Sprache der Distanz charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Kommunikation mit verschiedenen Gesprächspartnern?
Die Analyse zeigt, dass Chats mit vertrauten Personen deutlich mündlicher gestaltet sind, während die Kommunikation mit Arbeitgebern mehr konzeptionell schriftliche Merkmale aufweist.
Welche Rolle spielt die Autokorrektur in der Chat-Kommunikation?
Die Autokorrektur wird als Störungsquelle identifiziert, die teilweise zu Missverständnissen führt und Reparaturprozesse durch die Chatpartner erforderlich macht.
Warum wird die Chat-Kommunikation als "Hybrid" bezeichnet?
Sie wird als Hybrid bezeichnet, da sie mediale Schriftlichkeit mit einer quasi-synchronen, dialogischen Konzeption verbindet und Merkmale beider Pole (Nähe/Distanz) in sich vereint.
- Arbeit zitieren
- Anna Stöckl (Autor:in), 2017, Welche Position nimmt die Chat-Kommunikation zwischen den beiden Dimensionen Mündlichkeit und Schriftlichkeit ein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373681