Nachdem sich die in den 50er und 60er Jahren noch vorherrschende Erwartung, dass sich die Qualität des Arbeitslebens quasi im Selbstlauf mit dem technischen Fortschritt verbessern wurde, nicht erfüllt hatte, wurden die Arbeitsbedingungen Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre erstmalig in den Fokus gerückt. Den Forderungen der Arbeitnehmer, die auch in spontanen und gewerkschaftlich organisierten Streikaktionen zum Ausdruck kamen, wurde damals insofern Rechnung getragen, als dass eine Reihe staatlicher Maßnahmen vollzogen wurde. Diese reichten von der Verankerung von Arbeitsschutzgesetzen, über die Gründung der Bundesanstalt für Arbeits- und Gesundheitsschutz und die Festschreibung des Betriebsverfassungsgesetzes (1972) bis hin zur Initialisierung des Aktions- und Forschungsprogramms zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ im Jahre 1974. Auch die Arbeitgeberverbände erkannten damals in der Entwicklung der Arbeitsbedingungen ein zunehmendes Hemmnis für die Steigerung der Produktivität und schlossen sich insofern dem Reformbündnis von Gewerkschaften und Bundesregierung an. In den folgenden Jahrzehnten vollzog sich - nicht zuletzt durch die fortschreitende Globalisierung - ein „gesellschaftlicher Umbauprozess“, der in vergleichbarer Form in sämtlichen kapitalistischen Landern zu beobachten war. Zentrales, übergreifendes Merkmal dieses Umbruchprozesses war die Durchsetzung einer marktorientierten Produktionsweise: Bereits in den 80er Jahren fugten sich die Unternehmen zunehmend mehr den Absatzmarkten, den Wünschen der Kunden, den Spezifika des Produktes sowie den preislichen Entwicklungen. Seit Mitte der 90er Jahre wurden die unternehmensinternen Prozesse verstärkt auf die Finanzmärkte, die Erwartungen der Investoren und deren Renditemargen sowie den Kurswert auf den Aktienmarkten ausgerichtet. Beständige Einsparungen und organisatorische Veränderungen wurden zur Tagesordnung. Das sogenannte „Shareholder-Value-Prinzip“ setzte sich immer mehr durch, das produktive Kapital wurde zum Anlageobjekt des zinstragenden respektive spekulativen Kapitals.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Arbeit
2 Aktuelle Ansprüche an ein Betriebliches Gesundheitsmanagement
2.1 Ziele und Anforderungen
2.2 Derzeitige Umsetzung in der betrieblichen Praxis
3 Präsentismus als eine zentrale Herausforderung im BGM
4 Statistische Untersuchung möglicher Einflussfaktoren auf Präsentismus
4.1 Vorbereitung und Durchführung
4.2 Ergebnisse
4.2.1 „Makroanalyse“ - Ergebnisse im Überblick und Auswahl zentraler relevanter Einflussfaktoren
4.2.2 „Mikroanalyse“ - Detaillierte Ergebnisse zu zentralen, relevanten Einflussfaktoren
5 Fazit und Ausblick
5.1 Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Analyse
5.2 Implikationen für Unternehmen
A ANHANG
A.1 Datenmanagement
A.2 Ergebnisse der statistischen Analyse
A.3 Fragebogen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Präsentismus im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), um dessen Bedeutung als zentrale aktuelle Herausforderung zu verdeutlichen. Das primäre Ziel ist es, Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren und durch die Analyse beeinflussender Faktoren auf das Verhalten von Mitarbeitern im Krankheitsfall eine Grundlage für die Entwicklung wirksamer präventiver Maßnahmen zu schaffen.
- Analyse der aktuellen Anforderungen an ein ganzheitliches BGM
- Differenzierte Definition und Messbarkeit von Präsentismus
- Identifikation und statistische Untersuchung relevanter Einflussfaktoren
- Unterscheidung zwischen subjektivem und objektivem Präsentismus
- Ableitung von Implikationen für eine betriebliche Gesundheitspolitik
Auszug aus dem Buch
3 Präsentismus als eine zentrale Herausforderung im BGM
Während Präsentismus in der betrieblichen Praxis vereinzelt nicht als Nebenschauplatz sondern als das „eigentliche Kernthema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ bezeichnet wird, da schließlich „nicht die Zeit, die ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbringt, sondern die hohe Konzentrations- und Leistungsfähigkeit während der Arbeit ... den unternehmerischen Mehrwert“ [Hen07b, S. 51] schaffe, findet es bei der Mehrheit der Unternehmen noch keine Berücksichtigung. Dieser Umstand könnte unter anderem dem aktuell noch eher lückenhaften Forschungsstand geschuldet sein.
Erstmalig thematisiert im Jahre 1955 findet das Thema Präsentismus auch im Forschungsbereich erst seit der Jahrtausendwende wirkliche Berücksichtigung, wobei der Begriff innerhalb existierender wissenschaftlicher Arbeiten sehr unterschiedlich definiert wird:
• „Das Verhalten, sich bei einer Erkrankung nicht krankzumelden, sondern arbeiten zu gehen, wird als ‹Präsentismus› bezeichnet“ [SS10, S. 93].
• „Presenteeism is defined as the loss in productivity that occurs when employees come to work but function as less than full capacity because of ill health“ [GB07, S. 3].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Problematik des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in einem sich wandelnden sozioökonomischen Umfeld und definiert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Aktuelle Ansprüche an ein Betriebliches Gesundheitsmanagement: Hier wird der Status quo des BGM in der Praxis beleuchtet, wobei kritisch hinterfragt wird, inwiefern traditionelle Kennzahlen den heutigen Anforderungen an Gesundheit gerecht werden.
3 Präsentismus als eine zentrale Herausforderung im BGM: Dieser Abschnitt widmet sich der begrifflichen Definition von Präsentismus, identifiziert die relevanten Forschungsstränge und diskutiert die Herausforderungen der Messbarkeit im betrieblichen Alltag.
4 Statistische Untersuchung möglicher Einflussfaktoren auf Präsentismus: Das Kernkapitel beinhaltet die statistische Datenaufbereitung und Analyse, in der systematisch personenbezogene, unternehmensbezogene und relationale Faktoren auf ihren Einfluss auf das Präsentismus-Verhalten geprüft werden.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Auswirkungen der verschiedenen Einflussfaktoren und leitet konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen zur Etablierung eines nachhaltigen Gesundheitsmanagements ab.
A ANHANG: Dieser Teil dokumentiert das Datenmanagement, liefert ergänzende statistische Analysen und stellt den verwendeten Fragebogen zur Verfügung.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Präsentismus, Absentismus, Arbeitsfähigkeit, Einflussfaktoren, Gesundheit, Krankheit, Prävention, Arbeitsgestaltung, Fehlzeiten, Arbeitsproduktivität, Datenauswertung, Statistik, SPSS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor-Thesis befasst sich mit der Analyse des Phänomens Präsentismus – also das Arbeiten trotz Krankheit – innerhalb von Unternehmen und dessen Bedeutung für ein modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Definition und Messung von Präsentismus sowie eine umfassende statistische Analyse der Einflussfaktoren ab, die dieses Verhalten fördern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Unternehmen für die Relevanz von Präsentismus zu sensibilisieren und durch die Identifikation entscheidender Einflussfaktoren eine evidenzbasierte Grundlage für die Entwicklung präventiver Maßnahmen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine statistische Untersuchung mittels Chi-Quadrat-Tests und Kontingenzanalysen auf Basis eines bestehenden Primärdatensatzes, um Zusammenhänge zwischen Präsentismus-Symptomen und verschiedenen Einflussfaktoren zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der systematischen Untersuchung personenbezogener, unternehmensbezogener und relationaler Einflussfaktoren auf das Arbeitsverhalten im Krankheitsfall unter Anwendung von "Makro-" und "Mikroanalysen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie BGM, Präsentismus, Arbeitsfähigkeit, Fehlzeitenmanagement und statistische Einflussfaktoren geprägt.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen subjektivem und objektivem Präsentismus?
Die Unterscheidung erfolgt basierend auf den verwendeten Fragebatterien: Subjektiver Präsentismus spiegelt die Selbsteinschätzung der Befragten wider, während beim objektiven Präsentismus die Komponente "ärztlicher Rat" in die Beurteilung einfließt.
Welche Maßnahmen zur Senkung des Krankenstandes werden kritisch betrachtet?
Die Autorin untersucht unter anderem Kontrollanrufe und Gespräche bei Fehlzeiten und kommt zu dem Schluss, dass diese zwar kurzfristig den Krankenstand senken, aber langfristig zu gesundheitsschädlichem Arbeitsverhalten führen können.
Welche Rolle spielt der Gesundheitszustand bei der Analyse?
Der Gesundheitszustand wird als zentraler "Mischfaktor" identifiziert, wobei ein schlechter subjektiver Gesundheitszustand signifikant mit einer höheren Neigung zu Präsentismus einhergeht.
- Quote paper
- Christina Mädge (Author), 2013, Präsentismus als neuartige Anforderung an ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373717