Diese Arbeit behandelt den Rhein im 19. Jahrhundert und untersucht die Frage, ob er als Brücke oder Grenze zwischen Deutschland und Frankreich gesehen werden kann. Als einer der größten Ströme Deutschlands hat der Rhein eine besonders bewegte Vergangenheit. Kaum ein anderer europäischer Fluss war je so begehrt wie umstritten, dass er sogar einem poetischen Gefecht anheimfiel.
Wasser hat seit jeher eine große geschichtliche Bedeutung. Städte siedelten sich an den Ufern großer Flüsse an, Meere bildeten natürliche Grenzen zu anderen Kontinenten und dessen Abwesenheit ließ gar nicht erst Leben aufkommen. Wo es kein Leben gibt, wird auch keine Geschichte geschrieben. Daher kann auch die Bedeutung der Flüsse in diesem Kontext nicht geschmälert werden, die bekanntlich keine „stillen“, sondern vielmehr „rauschende“ Gewässer sind. Auch Flüsse bildeten in der Vergangenheit territoriale Abgrenzungen, erschlossen Räume und wurden zu Zentren des geistigen und kulturellen Wachstums.
Die Lithographie „Deutschland-Frankreich“ wirft einen lebendigen Blick auf das Zeitgeschehen. Sie zeigt die Bewohner beider Länder im hegen musikalischen Wetteifer. Die genaue Herkunft, Maler, wie Entstehungsjahr des Bildes sind unbekannt. Es wird auf das Jahr 1840 verortet, in die Zeit reger publizistischer Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich, einer Art „Ringen“ um den Rhein. Dabei hat der Betrachter es mit einer optischen Frontstellung ohne Waffen zu tun. Denn beide Seiten stehen sich im publizistischen Stellungskrieg gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Rhein im 19. Jahrhundert: Brücke oder Grenze?
2. „Frankreich – Deutschland“ als Karikatur einer gewaltlosen Krise
2.1. Adler und gallischer Hahn. Der publizistische Stellungskrieg
2.2. Mit Pauken wie Trompeten: Erwachendes deutsches Nationalgefühl
3. Was auf der einen Seite trennt, führt auf der anderen zusammen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des Rheins als Symbol für die deutsch-französischen Beziehungen im 19. Jahrhundert, mit besonderem Fokus auf die „Rheinkrise“ von 1840 und die Rolle publizistischer sowie künstlerischer Medien bei der Konstruktion nationaler Identitäten.
- Die „Rheinkrise“ von 1840 und ihre politischen Hintergründe.
- Der Rhein als Projektionsfläche für nationale Identität und Abgrenzung.
- Analyse der medialen und künstlerischen Verarbeitung des deutsch-französischen Konflikts.
- Die Genese des deutschen Nationalgefühls im 19. Jahrhundert.
- Die Ambivalenz des Rheins als verbindendes geographisches Element versus trennendes politisches Symbol.
Auszug aus dem Buch
2. „Frankreich – Deutschland“ als Karikatur einer gewaltlosen Krise
Wie bereits oben angedeutet, spielt die Rolle des Wassers eine große Rolle bei der Entwicklung von Kulturen. Flüsse sind sowohl Verbindungselemente als auch naturgegebene Trennungslinien, sie vereinen und halten auseinander und es steht außer Frage, dass sie vom Menschen seit jeher genutzt werden. „Der alte Vater Rhein war also lange Zeit ein Gefangener und sogar eine Geisel der Menschen“ (Lucien Febvre).
Im Folgenden möchte ich daher am Beispiel des Rheins näher darauf eingehen, welche Bedeutung Flüsse in der Geschichte innehaben konnte und ob der Rhein im 19. Jahrhundert eher ein Trennungs- oder Verbindungselement darstellte. Mittig durch das Gemälde Frankreich-Deutschland verläuft der Rhein mit minimaler links-rechts Diagonale und trennt dabei die Uferzonen ihn ähnlich große Gebiete. Er bildet also ein Trennungselement zwischen zwei sich scheinbar unterscheidenden Kulturen. Denn in gewisser Weise hebt der Künstler dieser Karikatur die Unterschiede der beiden Völker stilistisch hervor. Vorne rechts im Bild, proportional größer als der Rest, befindet sich eine größere Gruppe von Menschen aller Altersklassen wie sozialer Schichten, die wohl das deutsche Volk repräsentieren sollen. Sie werden wesentlich größer dargestellt als die Franzosen und wirken wesentlich unruhiger, unharmonischer, sowie Chaos verbreitend. Während die Deutschen ein ganzes Arsenal an Instrumenten bei sich tragen, von Violine und Cello über Blasinstrumente jeglicher Form und Größe bis hin zu Pauken und Trommeln, stehen weniger als ein Drittel der Franzosen auf einer Tribüne im Hintergrund und spielen Trompete. Ihnen scheint die Konfrontation weniger wichtig, beinahe gleichgültig zu sein. Sie wirken gelassen, während sich ihre Kontrahenten mit Nachdruck behaupten. Dahingehend weist auch die Fahne am Horizont mit einer Passage aus Nikolaus Beckers Gedicht Der Deutsche Rhein „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“, das in der Trierischen Zeitung erschien und über 100 mal vertont wurde. Der nebenliegende Adler, der über den Rhein fliegt, gilt als deutsches Symbol.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Rhein im 19. Jahrhundert: Brücke oder Grenze?: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Bedeutung von Flüssen und die spezifische, ambivalente Rolle des Rheins als politisches Streitobjekt im 19. Jahrhundert.
2. „Frankreich – Deutschland“ als Karikatur einer gewaltlosen Krise: Hier wird anhand einer zeitgenössischen Karikatur die kulturelle und mediale Inszenierung des deutsch-französischen Gegensatzes während der Rheinkrise von 1840 analysiert.
2.1. Adler und gallischer Hahn. Der publizistische Stellungskrieg: Das Kapitel untersucht die Rolle von Medien und Literatur bei der Anheizung der nationalistischen Stimmung und der Rückforderung des Rheinlands.
2.2. Mit Pauken wie Trompeten: Erwachendes deutsches Nationalgefühl: Dieser Abschnitt beschreibt, wie die Rheinkrise das Nationalbewusstsein im Deutschen Bund als Etappe zur nationalen Einigung stimulierte.
3. Was auf der einen Seite trennt, führt auf der anderen zusammen: Das abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung des Rheins als Brücke und stellt fest, dass die politische Krise eher ein nationsbildendes Instrument für Deutschland war als eine geografische Notwendigkeit.
Schlüsselwörter
Rhein, Rheinkrise, 1840, Nationalismus, Frankreich, Deutschland, Karikatur, Publizistik, Vater Rhein, Identität, Grenze, deutsch-französische Beziehungen, Nationalgefühl, Geschichte, Grenzziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der symbolischen Bedeutung des Rheins als Trenn- oder Verbindungselement zwischen Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert, insbesondere während der Rheinkrise von 1840.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Nationalismus, die Bedeutung des Rheins als kultureller Mythos, die Rolle von Karikaturen als Zeitzeugnisse und die politische Stimmung im Deutschen Bund.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie ein geographisches Merkmal wie der Rhein durch politische Diskurse und mediale Inszenierungen instrumentalisiert wurde, um nationale Identität zu konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine historische Analyse mit der Untersuchung publizistischer Quellen und der visuellen Interpretation einer zeitgenössischen Lithographie (Karikatur).
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die mediale Aufarbeitung der Rheinkrise, die Rolle des Rheins in Gedichten und Liedern sowie die Auswirkungen dieser Spannungen auf die Herausbildung eines deutschen Nationalgefühls.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rheinkrise, nationale Identitätsbildung, publizistischer Stellungskrieg und die symbolische Darstellung des deutschen Volkes und Frankreichs charakterisiert.
Inwiefern beeinflusste die Lithographie „Deutschland-Frankreich“ die Fragestellung der Arbeit?
Die Lithographie dient als zentrales Anschauungsmaterial, um die stilistische und inhaltliche Darstellung der kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen während der Krisenzeit aufzuzeigen.
Wie bewertet der Autor das Ende der „Rheinkrise“?
Der Autor ordnet die Rheinkrise als eine Etappe auf dem Weg zur nationalen Einigung ein, deren kriegerische Absichten durch diplomatische Lösungen, wie den Meerengen-Vertrag, abgewendet wurden.
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- Caroline Thon (Author), 2015, Der Rhein als Konfliktpunkt zwischen Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373774