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Dersim 1937-38. Türkische Ethnopolitik einer vergessenen Minderheit in Ostanatolien

Title: Dersim 1937-38. Türkische Ethnopolitik einer vergessenen Minderheit in Ostanatolien

Bachelor Thesis , 2016 , 45 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Ekin Can Erol (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Tunceli, ehemals Dersim, ist geprägt von der Schönheit der Natur und der Landschaft. Für viele Alevitven ist Dersim die Heimat und aufgrund der vielen Pilgerungsstätte ein Ort zum Pilgern, um sich selbst wieder zu finden. Jedoch ist dieser Ort nicht nur geprägt von der Schönheit, auch sind dunkle Zeiten mit der Region verbunden. Insbesondere die Ereignisse 1937/38 hat die Region geprägt, wie kein Zweites. Der Begriff Dersim ist fest verbunden mit den Jahreszahlen. In dieser Zeit sind schätzungsweise 70.000 Menschen ums Leben gekommen und viele Teile der Bevölkerung sind aus der Heimat vertrieben worden. Die Gründe dafür werden bis heute noch kontrovers diskutiert. Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand von Berichten und Dokumenten aufzuzeigen, welches die Gründe für das Sterben und die Vertreibungen in Dersim waren.

In Anbetracht dieses Untersuchungsgegenstandes sollten zuerst die Bevölkerung und die Region näher betrachtet werden.
Aufgrund der Übersetzung von einigen Teilen der Bevölkerung von „der“ mit Tür und „sim“ mit Silber, verstehen einige unter Dersim die „Silberne-Tür“. Der an der westlichen Grenze von Dersim lebende Stamm Qocan versteht unter Dersim, das
Tor Kurdistans. Beim Qocan-Stamm handelt es sich um einen Kriegerstamm, die sich als die Wächter jenes Tores betrachten. Laut Dr. Nuri Dersimi, einer der ersten Historiker aus der Region, sei die Mehrheit der Bevölkerung Dersims der Meinung,
dass Dersim gleich bedeutend mit Kurdistan ist. Deswegen sagt auch ein Dersimer, wenn er von einem anderen Ort zurückkommt, dass er zurück in Kurdistan ist.
Dersim ist die ehemalige Bezeichnung der heutigen Stadt Tunceli, was so viel bedeutet wie die eiserne Faust. Im Zuge des Tunceli-Gesetzes und als Folge der Gesetze zum nationalen Denken wurde der Name des Ortes umbenannt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

1.1) Geografische Lage Dersims

1.2) Ethnische und religiöse Struktur in Dersim

1.3) Dersim im Osmanischen Reich

1.4) Die Exekution Seyit Rızas als Einleitung der Unruhen

1.5) Fragestellung und Methodik

2) Dersim in der Wahrnehmung der regierungsnahen Stimmen

2.1) Berichte

2.1.1) Inspektor Hamdi Bey 1926

2.1.2) Inspektor Ibrahim Talı Bey 1930

2.1.3) Vom Generalstabschef 1931

2.2) Pressestimmen in den Jahren der Unruhen

2.3) Parlamentsansprachen

2.4) Dersim aus Sicht der Befürworter des Staates

3) Dersim: Massenmord in Ostanatolien 1937/38

3.1) „Mit eiserner Faust“: Die Gesetze für Dersim

3.2) Militärprotokolle

3.3) Zeitzeugenberichte

3.4) Interviews

3.4.1) Cemal Taş

3.4.2) Şükrü Aslan

3.5) Dersim aus Sicht der oppositionellen Historiker

4) Dersim - eine vergessene Region? Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Unruhen und Ereignisse in Dersim in den Jahren 1937/38. Das primäre Ziel ist es, anhand einer kritischen Analyse offizieller Berichte, Gesetzesdokumente, Zeitzeugenberichte und Experteninterviews zu klären, ob es sich bei diesen Geschehnissen um eine legitime Niederschlagung eines Aufstandes oder um ein systematisches, von der Regierung geplantes Massaker bzw. einen Völkermord handelte.

  • Analyse der offiziellen Wahrnehmung und Regierungsdokumente
  • Untersuchung der Assimilationspolitik der türkischen Regierung
  • Bewertung der Rolle von Akteuren wie Seyit Rıza und Mustafa Kemal Atatürk
  • Vergleich von offiziellen Narrativen mit Zeitzeugenberichten
  • Diskussion über die gesellschaftliche Aufarbeitung und das Vergessen der Region

Auszug aus dem Buch

Die Exekution Seyit Rızas als Einleitung der Unruhen

Seyit Rıza ist 1862 in Dersim, Ovacık geboren. Er ist der Sohn des Stammesführers von den Şeyh Hesenan, Seyit Ibrahim. Seyit Ibrahim hat als gebildeter Mann seinen Sohn persönlich unterrichtet. Vor seinem Tod verfügte er, dass sein jüngster Sohn Rıza, aufgrund seiner Intelligenz und Weisheit, der kommende Stammesführer wird. In den Erzählungen von Nuri Dersimi, der Enkelkind des Mehmet Ali und ein guter Freund von Seyit Rıza, war Rıza eine hilfsbereite, fröhliche und aufopferungsvolle Person. Seyit Rıza habe während des Genozids an den Armeniern den flüchtenden Menschen Asyl gewehrt. Durch seine menschliche und hingebungsvolle Art genoss Rıza in Dersim eine hohe Reputation.

In Dersim waren die zahlreichen Stämme in verschiedenen Konföderationen aufgeteilt, dadurch gab es mehrere Stammesführer. Seyit Rıza gehörte der westlichen Stammeskonföderation an.

Während der russischen Invasion schließt Seyit Rıza ein Packt mit dem Osmanischen Reich. In diesem wird verabredet, dass die Dersimer im Gegenzug zu Waffen und Geld an der Seite der Osmanen kämpfen. Als es 1921 in Koçgiri zu einem Massaker kommt, beschließt sich Seyit Rıza gegen die Osmanen zu stellen. Er nimmt die geflüchteten Anführer des Widerstands der Koçgiri-Stämme Alişer und Alişan Bey in seine Obhut. Die Osmanen fordern von seinem Verbündeten gegen die Russen, dass die beiden Widerstandskämpfer an das Reich übergeben werden, dies lehnt Rıza konsequent ab.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Einführung in die geografische und ethnische Struktur Dersims sowie Darlegung der Fragestellung und Methodik bezüglich der Ereignisse 1937/38.

2) Dersim in der Wahrnehmung der regierungsnahen Stimmen: Analyse der offiziellen Berichte, Pressestimmen und Parlamentsdebatten, die das Bild eines Dersim-Aufstandes konstruierten, um staatliche Eingriffe zu legitimieren.

3) Dersim: Massenmord in Ostanatolien 1937/38: Untersuchung der repressiven Gesetze, Militärprotokolle und Zeitzeugenberichte, die auf eine systematische Vernichtung und Assimilation hinweisen.

4) Dersim - eine vergessene Region? Diskussion: Zusammenfassende kritische Erörterung der Ereignisse, wobei die Diskrepanz zwischen staatlicher Propaganda und dem tatsächlichen Massaker-Charakter hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Dersim, Tunceli, Seyit Rıza, Alevitentum, Assimilation, Völkermord, Massaker, Türkisierung, Osmanisches Reich, Koçgiri, Zeitzeugen, Atatürk, Tenkil-Operation, Zwangsumsiedlung, Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Ereignissen in der Region Dersim in den Jahren 1937/38 und analysiert die politischen sowie militärischen Hintergründe der dort stattgefundenen staatlichen Repressionen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentrale Themen sind die staatliche Assimilationspolitik, das Selbstverständnis der Aleviten in Dersim, die Rolle der Regierung bei den Unruhen sowie der Vergleich zwischen der offiziellen Darstellung als „Aufstand“ und der Sichtweise von Historikern und Überlebenden als „Massaker“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch eine fundierte Quellenanalyse aufzuzeigen, ob die Ereignisse als Aufstand zu werten sind oder ob sie als geplanter Völkermord an der Bevölkerung Dersims einzustufen sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Primär- und Sekundärquellen basiert, darunter offizielle Berichte, Gesetzesdokumente, Protokolle sowie die Auswertung von Zeitzeugeninterviews (Oral History).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der offiziellen staatlichen Wahrnehmung, die Analyse der Gesetze und Militärprotokolle sowie die Aufarbeitung von Zeitzeugenaussagen und Expertenmeinungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Dersim, Assimilation, Völkermord, Atatürk, Alevitentum, Repression und die historische Aufarbeitung der Ereignisse von 1937/38.

Warum spielt das Tunceli-Gesetz eine zentrale Rolle in der Arbeit?

Das Gesetz wird als Beleg dafür angeführt, dass die staatlichen Maßnahmen gegen Dersim bereits Jahre vor den eigentlichen Ereignissen geplant waren und darauf abzielten, die Region systematisch unter staatliche Kontrolle zu bringen und die lokale Identität auszulöschen.

Inwiefern tragen die Interviews zur Beantwortung der Forschungsfrage bei?

Die Interviews mit Historikern wie Cemal Taş und Şükrü Aslan liefern wesentliche Argumente gegen die These eines Volksaufstandes und verdeutlichen die systemkritische Sicht, die das Geschehen als staatlich verordnetes Verbrechen einstuft.

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Details

Title
Dersim 1937-38. Türkische Ethnopolitik einer vergessenen Minderheit in Ostanatolien
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichte)
Grade
2,3
Author
Ekin Can Erol (Author)
Publication Year
2016
Pages
45
Catalog Number
V373911
ISBN (eBook)
9783668535947
ISBN (Book)
9783668535954
Language
German
Tags
Geschichte Dersim Genozid Türkei Aleviten Kurden Bachelorarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ekin Can Erol (Author), 2016, Dersim 1937-38. Türkische Ethnopolitik einer vergessenen Minderheit in Ostanatolien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373911
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