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Rainer Werner Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod". Ein Lehrstück des Antisemitismus?

Title: Rainer Werner Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod". Ein Lehrstück des Antisemitismus?

Term Paper (Advanced seminar) , 2015 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kaum ein anderes literarisches Werk hat im Nachkriegsdeutschland derart unterschiedliche Gefühle bei seinen Rezipienten ausgelöst: Wut, Hass, Abscheu, Unverständnis und Angst. Doch wie sind diese Emotionen zu deuten? Projiziert der Rezipient seine Wut auf die Antisemiten im Stück oder fühlt er sich durch das Verhalten der Nazis wie Müller oder Hans von Gluck sogar
in seinen antisemitischen Denkweisen bestätigt?

Auf Grundlage dieser Fragestellung soll in der vorliegenden Arbeit explizit untersucht werden, inwiefern Fassbinders Text als Lehrstück für Antisemitismus zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar, zunächst den jahrzehntelangen Verlauf der so genannten Fassbinder-Kontroversen zu betrachten. Im Anschluss daran soll kritisch begutachtet werden, ob der Vorwurf des literarischen Antisemitismus an "Der Müll, die Stadt und der Tod" (kurz: "Müll") zu Recht erhoben wird. Um den antisemitischen Gehalt des Textes nachweisen zu können, wird im ersten Teil dieser Untersuchung die Darstellung des Reichen Juden aufgezeigt. Anhand dieser Darstellung wird dann analysiert, ob und wenn ja, inwiefern, der Jude im Stück dem Stereotyp nach Martin Gubsers Merkmalskatalog des literarischen Antisemitismus entspricht. Zudem scheint durch das Rachemotiv des Juden und die Figuren Hans von Gluck und Müller ein literarischrn Antisemitismus nach Auschwitz in Müll zu existieren. Daher sollen im zweiten Teil die antisemitischen Aussagen des Textes im Hinblick auf Klaus-Michael Bogdals Untersuchungen zum literarischen Antisemitismus nach 1945 betrachtet werden. Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass diese Analyse auf dem literarischem Text von 1975 beruht. Dies ist insofern relevant, als dass für spätere Schauspielaufführungen einzelne Textpassagen und Figurendarstellungen verändert wurden.

Der dritte Teil dieser Arbeit widmet sich explizit der Wirkung von "Müll" auf den Rezipienten. Ein Vergleich zweier Essays soll eine differenzierte Perspektive auf den Effekt von Fassbinders Stück ermöglichen. Abschließend wird ein Fazit aus all
diesen Untersuchungen gezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Fassbinder-Kontroversen

3. Überprüfung des antisemitischen Gehalts

3.1 Literarischer Antisemitismus nach Martin Gubser

3.2 Literarischer Antisemitismus nach Klaus-Michael Bogdal

4. Zur Wirkung des Stücks

5. Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" von Rainer Werner Fassbinder auf seinen literarischen Antisemitismus und analysiert, inwiefern das Werk als Lehrstück für antisemitische Denkmuster fungieren kann oder diese kritisch dekonstruiert.

  • Die historischen Fassbinder-Kontroversen seit 1976.
  • Anwendung des Merkmalskatalogs von Martin Gubser auf die Figur des "Reichen Juden".
  • Analyse des sekundären Antisemitismus nach Klaus-Michael Bogdal.
  • Die Täter-Opfer-Umkehr und antisemitische Dispositive im Stück.
  • Der Einfluss des historischen und wirtschaftlichen Kontextes auf die Textrezeption.

Auszug aus dem Buch

3.1 Literarischer Antisemitismus nach Martin Gubser

Folgt man Martin Gubser, dann kann einem Autor literarischer Antisemitismus zur Last gelegt werden, wenn „ein fahrlässiger oder gar denunzierender Umgang mit klar erkennbaren antisemitischen Klischees nachgewiesen werden kann“26. Bei Müll scheint dies – trotz Fassbinders Uneinsichtigkeit – der Fall zu sein. Die Figur des Juden, im Stück als reicher Häuserspekulant im Frankfurter Westend dargestellt, bedient das „uralte Vorurteil des skrupellosen Kapitalisten“27. Durch seine einflussreichen Beziehungen wird der Reiche Jude geschützt, der „Polizeipräsident ist [s]ein Freund, was man so Freund nennt, der Bürgermeister lädt [ihn] [...] gern ein, auf die Stadtverordneten kann [er] [...] zählen“28. Namenlos und stattdessen als sexuell überpotent und profitorientiert abgestempelt, wird der Jude nach dem Merkmalskatalog des literarischen Antisemitismus von Martin Gubser zum Inbegriff des so genannten „gefährlichen Juden“29. Diese „gefährlichen Juden“30 sollen als „warnende Beispiele für den sich (in der Vorstellungswelt der Autoren) auf den verschiedensten Ebenen manifestierenden jüdischen Macht- und Zerstörungswillen“31 dienen. Eine solche Absicht des stereotypen Juden zeigt sich auf geschäftlicher, privater und erotischer Ebene32, wie die weitere Analyse zeigen wird.

Als einziger Jude im Stück und Repräsentant einer Minderheit, verkörpert der Reiche Jude nach Gubser eine gewisse Exotik33 und bringt ein Ungleichgewicht in die Ordnung der Nicht-Juden. Seine Geschäfte, die „zu gut“34 gehen, bedeuten Einbußen für die Gesellschaft. Über das durch ihn verursachte Leid der Kinder, Alten und Gebrechlichen sieht er hinweg, da für den Juden keine zwischenmenschlichen, sondern nur dienstliche Beziehungen existieren. Im Stück wird der Reiche Jude so zum „allgegenwärtigen ‚Schacherjude[n]’“35. Auf jeder Ebene geschäftsorientiert, sieht er auch im Verhältnis zu Prostituierten lediglich einen Handel, für ihn ist Prostitution das „simpelste Geschäft der Welt“36.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Kontroverse um Fassbinders Werk ein und formuliert die Forschungsfrage, ob der Text als Lehrstück für Antisemitismus zu verstehen ist.

2. Die Fassbinder-Kontroversen: Dieses Kapitel zeichnet die drei Wellen der öffentlichen Debatten um das Stück in den Jahren 1976, 1984 und 1985 nach und beleuchtet die verschiedenen zeitgenössischen Perspektiven.

3. Überprüfung des antisemitischen Gehalts: Hier wird der Text mittels der theoretischen Modelle von Martin Gubser und Klaus-Michael Bogdal auf antisemitische Stereotype und Mechanismen hin untersucht.

4. Zur Wirkung des Stücks: Dieser Abschnitt vergleicht zwei unterschiedliche Interpretationsansätze zur Wirkung des Stücks auf das Publikum im jeweiligen historischen Kontext.

5. Ergebnis: Das Fazit stellt fest, dass der Vorwurf des literarischen Antisemitismus zwar legitimiert ist, die Rezeption des Stücks jedoch stark von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt.

Schlüsselwörter

Rainer Werner Fassbinder, Der Müll, die Stadt und der Tod, literarischer Antisemitismus, Fassbinder-Kontroverse, Martin Gubser, Klaus-Michael Bogdal, sekundärer Antisemitismus, Frankfurter Westend, jüdische Stereotype, Täter-Opfer-Umkehr, Nationalsozialismus, Literaturwissenschaft, Rezeptionsgeschichte, Antisemitismus nach Auschwitz, Klischees.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" im Hinblick auf den Vorwurf des literarischen Antisemitismus und untersucht die öffentlichen Kontroversen um das Werk.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Darstellung jüdischer Figuren, die Verwendung antisemitischer Klischees sowie die psychodynamischen und soziopolitischen Auswirkungen des Stücks auf das Publikum.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob der Text als antisemitisches Lehrstück fungiert oder ob die darin enthaltenen Provokationen zur kritischen Reflexion über Antisemitismus beitragen können.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit nutzt Literaturanalysen auf Basis etablierter theoretischer Kataloge (Gubser, Bogdal) und vergleicht diese mit historischen Rezeptionsdokumenten und Essays zur Wirkungsgeschichte.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Skandale, eine theoretische Überprüfung des Textinhalts anhand von Antisemitismus-Forschung sowie eine Gegenüberstellung interpretativer Perspektiven auf die Wirkung des Stücks.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "sekundärer Antisemitismus", "Täter-Opfer-Umkehr", "Frankfurter Westend" und "literarische Stereotypisierung".

Warum spielt das Frankfurter Westend in der Analyse eine wichtige Rolle?

Das Westend dient als realer Hintergrund für die Spekulationsvorwürfe im Stück; die spätere Aufdeckung von Korruption im Stadtteil rückt die ursprüngliche Wahrnehmung des Werks in ein neues, differenzierteres Licht.

Welche Bedeutung kommt der Täter-Opfer-Umkehr in der Argumentation zu?

Die Arbeit zeigt auf, dass das Stück in den Köpfen der Figuren Mechanismen nutzt, in denen der jüdische Protagonist zum "Täter" umgedeutet wird, während die deutschen Akteure sich als "Opfer" inszenieren, was als zentrales antisemitisches Element identifiziert wird.

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Details

Title
Rainer Werner Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod". Ein Lehrstück des Antisemitismus?
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistik)
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2015
Pages
16
Catalog Number
V373993
ISBN (eBook)
9783668514898
ISBN (Book)
9783668514904
Language
German
Tags
Rainer Werner Fassbinder Literarischer Antisemitismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2015, Rainer Werner Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod". Ein Lehrstück des Antisemitismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373993
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