Geschäftsbericht - Sprachliche Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

25 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Brief an die Aktionäre

3 Rechtschreibung
3.1 Orthographie
3.2 Interpunktion

4 Morphologie

5 Lexik
5.1 Wortwahl
5.1.1 Wortwiederholung
5.1.2 Unbeholfene Wortwahl
5.1.3 Inkonsequente Begrifflichkeit
5.2 Metaphorik

6 Syntax
6.1 Ist die Syntax korrekt?
6.1.1 Satzklammer
6.1.2 Satzlänge
6.1.3 Schachtelsätze
6.2 Abwechslungsreiche Satzgestaltung

7 Stil
7.1 Verständnis hemmender Fachjargon
7.2 Typische Merkmale des Bürokratendeutsch
7.2.1 Substantivhäufung
7.2.2 Passivkonstruktionen
7.2.3 Funktionsverbegefüge
7.2.4 Doppelte Präpositionen
7.3 Besondere Leseanreize

8 Leserorientierung
8.1 Unternehmensprofil
8.2 Sprachliche Signale leiten den Leser durch den Text
8.3 Aufzählungen werden optisch gegliedert
8.4 Diagramme und Tabellen

9 Textlogik
9.1 Ist die Argumentation klar und stringent?
9.2 Textaufbau
9.3 Leitidee und Textdramaturgie

10 Textstrukturierung
10.1 Gliederungsstufen der Überschriften
10.2 Entsprechung: Überschrift - Kapitel

11 Textorganisation
11.1 Inhaltsverzeichnis
11.2 Glossar - Stichwortverzeichnis
11.3 Organisationsstruktur des Unternehmens

12 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung:

Jede Aktiengesellschaft ist gesetzlich verpflichtet, jährlich einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen. Er besteht in der Regel aus zwei Teilen: dem Textteil und dem Zahlenwerk. Letzteres enthält die Bilanz und die Gewinn- und Verlust-Rechnung; der Textteil umfasst den Lagebericht, den Bericht über Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten sowie einen Bericht über die Personalsituation.

Dabei dient der Geschäftsbericht längst nicht mehr alleine dazu, den Eigentümern gegenüber Rechenschaft abzulegen über das abgelaufene Geschäftsjahr, sondern er erfüllt vielmehr fünf Funktionen:

1) informieren
2) überzeugen
3) Image prägen
4) Beziehung pflegen
5) unterhalten

Natürlich muss man den einzelnen Funktionen eine unterschiedliche Gewichtung zuordnen. Primär steht die Informationsfunktion an erster Stelle - trotzdem dürfen die übrigen Funktionen auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. So muss ein Text verständlich sein, um die Informationsfunktion zu erfüllen; um den Leser überzeugen zu können, sollte er Vertrauen erwecken und Kompetenz ausstrahlen, und glaubwürdig sein. Weiterhin wichtig ist die Imagepflege. Deshalb sollte der Stil imageadäquat sein, also zum Unternehmen passen. Um Beziehungen pflegen zu können, muss der Text leserorientiert und sympathisch formuliert sein. Schließlich ist es sicherlich von Vorteil, den potentiellen Rezipienten, die nicht dafür bezahlt werden, den Geschäftsbericht z lesen, ein wenig Lesevergnügen zu bereiten. Zu den Adressaten eines Geschäftsberichts zählen die Aktionäre, die Kunden, die Lieferanten sowie die institutionellen Investoren und die Mitarbeiter. Wichtig dabei zu bedenken sind auch all diejenigen, die in Zukunft zu einer dieser genannten Gruppen gehören könnten. Dieser inhomogenen Gruppe gerecht zu werden, genügt es nicht aneinandergereihte Fakten zu präsentieren - statt protokollhafter Diktion sollte man eine narrative Schreibweise bevorzugen, durch die man beispielsweise auch Zusammenhänge erklären und Probleme erörtern kann. Aber auch Strategien und Ziele sind so besser zu erläutern und Hintergründe und Visionen leichter aufzuzeigen.

Im Folgenden gehe ich zunächst auf das Vorwort bzw. auf den Brief an die Aktionäre ein. Dieser Teil des Geschäftsberichts stellt vermutlich den meist gelesenen dar und eignet sich hervorragend, Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Vertrauen zu vermitteln. Dieser persönliche und individuelle Textteil ist der Brief des Vorstandsvorsitzenden an die Aktionäre - kein anderer Text eignet sich so gut, die Visionen und die Philosophie des Unternehmens darzustellen und zu repräsentieren. Aus diesem Grund beginne ich mit einer kurzen Analyse des Briefs an die Aktionäre vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Zumwinkel der Deutsche Post World Net.

Anschließend bearbeite ich chronologisch den Kriterienkatalog, der aus den folgenden neun Bereichen besteht, die ihrerseits wieder in Unterbereiche aufgeteilt sind: Rechtschreibung, Morphologie, Wortwahl, Syntax, Stil, Leserorientierung, Textlogik, Textstrukturierung und Textorganisation. Anhand dieser Merkmale werde ich die Schwächen und Stärken des Geschäftsberichts der Deutsche Post World Net festmachen und bewerten.

2 Brief an die Aktionäre

Der Brief an die Aktionäre ist ein sehr gewichtiger Bestandteil eines Geschäftsberichts: Nur dieser Teil ermöglicht dem Verfasser, die Leser direkt und persönlich anzusprechen. Im vorliegenden Geschäftsbericht der Deutsche Post World Net werden die Adressaten mit "Sehr verehrte Damen und Herren" begrüßt. Meiner Meinung nach sollte diese Anrede durch Sehr geehrte Aktionäre, Geschäftsfreunde und Mitarbeiter ausgetauscht werden - schließlich sind sie die Zielgruppe. Eine direkte Anrede erzeugt beim Leser häufig eine persönliche Ebene. Lediglich der jeweils letzte Satz im ersten Abschnitt auf Seite 5 und des abschließenden Abschnitts auf Seite 9 wendet sich unmittelbar an die Leser. Sympathie und "sich angesprochen fühlen" sind wichtige Bestandteile, um Vertrauen und Kompetenz zu vermitteln.

Ferner hat man als Leser nicht den überzeugenden Eindruck, die Persönlichkeit des Vorstandsvorsitzenden zu spüren. Die gerade aufgezählten Kritikpunkte machen eine wünschenswerte Identifizierbarkeit mit dem Vorstandsvorsitzen aus meiner Sicht nur schwer möglich. Der Inhalt des Briefs gleicht eher einem Vortrag über das Geschäftsjahr 1999 und die Ziele der Zukunft (wie z.B. die Übernahme der DSL-Bank 2000, s. S. 7).

Positiv bewerte ich die explizite Erwähnung des Mottos der Deutsche Post World Net: "Wir bewegen Welten" (Seite 5). Dieses wird erfreulicher Weise im Brief des Vorstandsvorsitzenden hier und da wieder aufgegriffen, wie z.B. durch Schlagwörter wie "Globalisierung", "global denken und aktiv handeln" (S. 5 Abschnitt 2 linke Spalte) und die angeführten Strategien: "Internationalisierung, Ausbau, Erweiterung " (Seite 5, rechte Spalte, Absatz 2), "globaler Marktplatz ohne Grenzen" (S. 8 linke Spalte 1. Absatz). Trotzdem fehlen meines Erachtens Metaphern, die sicherlich dieses Motto forcieren und unterstreichen können. Das Motto "Wir bewegen Welten" hätte meiner Ansicht nach kreativer dargestellt werden müssen. Als Leser assoziiere ich mit diesem Leitgedanken Lebendigkeit, Aktivität, Innovation und Freiheit - von all dem verspürt man allerdings wenig. Der gesamte Brief an die Aktionäre wirkt sehr steif, konservativ und leblos. Die Leistungen und Neuerungen der Deutsche Post World Net entsprechen diesem Motto, aber sprachlich werden diese nicht adäquat präsentiert. Dazu tragen auch die typischen Merkmale des Bürokratendeutsch bei. Mehrfach ziehen sich Substantivierungen und Passiva durch den Text.

Weiterhin kann man weites gehend eine logische Abfolge der Informationen erkennen. Im Allgemeinen werden Hintergründe, Entwicklungen und Ziele der Zukunft dargestellt. Trotzdem fehlt eindeutig die Narrativität des Textes. Hier sind die Fakten unverbunden aneinandergereiht und werden teilweise zu detailliert dargelegt.

3 Rechtschreibung:

Im Bereich der Rechtschreibung unterscheidet man zwei Komponenten: Zum einen prüft man, ob die Orthographie fehlerfrei ist und zum anderen untersucht man die Interpunktion auf ihre Richtigkeit.

3.1 Orthographie

Der Geschäftsbericht der Deutsche Post World Net befolgt die neuen Rechtschreibregeln und weist in der Sektion Schreibweise keine Fehler auf.

3.2 Interpunktion:

Weiterhin positiv zu bewerten ist das Einfügen von Satzzeichen als Mittel der Textgestaltung. Im Allgemeinen ist die Interpunktion korrekt und sinnvoll eingesetzt. Durch Semikola, Doppelpunkte und Gedankenstriche erscheint der Text lebendiger und übersichtlicher:

"Kaum Impulse gingen dagegen von den privaten Konsumausgaben aus: Sie stiegen erneut nur sehr verhalten an; mit 2,1 % lag die Zuwachsrate zudem noch unter der des Vorjahres (2,3 %)." (Seite 14, rechte Spalte, Absatz 1).

4 Morphologie:

In der Kategorie Morphologie untersucht man zum einen, ob die Morphologie korrekt ist und zum anderem, ob die sprachlichen Bezüge klar und eindeutig sind.

Bei meinem ersten Beispiel ist der sprachliche Bezug zweideutig:

"Dabei hat sich der Zufriedenheitswert mit der Zustellung ständig verbessert und erreicht bereits die Note 1,9." (Seite 53, rechte Spalte, Absatz 2)

Einerseits könnte man folgende Intention erkennen: Die Zufriedenheit hat sich seit der Zustellung verbessert. Andererseits ist auch dieses Leseverständnis möglich: Die Zufriedenheit hat sich mit der Zustellung verbessert.

Eindeutig müsste es heißen:

Der Wert der Zufriedenheit hat sich mit der Zustellung ständig verbessert und erreicht bereits die Note 1,9.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Geschäftsbericht - Sprachliche Analyse
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Textoptimierung
Note
1.0
Autor
Jahr
2002
Seiten
25
Katalognummer
V3741
ISBN (eBook)
9783638123167
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschäftsbericht, Rechtschreibung, Morphologie, Lexik, Syntax, Leser, Lesevergnügen, Unternehmen, Organisation, Textstrukturierung, Stil, Brief an die Aktionäre, Textoptimierung
Arbeit zitieren
Annette Leurs (Autor), 2002, Geschäftsbericht - Sprachliche Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3741

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