Die Stellung der Homöopathie im indischen Gesundheitssystem


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zur Homöopathie
2.1. Das Prinzip
2.2. Die Entstehung der homöopathischen Arznei

3. Die Entwicklung der Homöopathie in Indien
3.1. Ein historischer Überblick
3.2. Die aktuelle Position der Homöopathie im Gesundheitssystem
3.3. Ihre Bedeutung für die indische Bevölkerung

4. Stellung der Homöopathie im Vergleich mit:
4.1. Ayurveda
4.2 Schulmedizin

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Themenwahl für die folgende Hausarbeit im Fachgebiet Medi- zinethnologie fiel meine Wahl auf das Thema: »Die Stellung der Ho- möopathie im indischen Gesundheitssystem«. Wir haben in der dazu- gehörigen Vorlesung viel über verschiedene traditionelle Naturheilme- thoden gehört, und nachdem ich bei der Vorbereitung einer dieser Sit- zungen zum ersten Mal davon hörte, dass die Homöopathie, welches eine ursprünglich deutsche Naturheilmethode ist, auch in Indien eine, wie ich feststellte, große Rolle spielt, war mein Interesse geweckt.

Indien: ein Land das sich durch seinen medizinischen Pluralismus auszeichnet, jedoch auch dafür bekannt ist, unter einem unzureichend geförderten Gesundheitssystem zu leiden.

Aufgrund dieser Annahmen werde ich mich insbesondere mit zwei Fra- gen beschäftigen: Welche Rolle nimmt die Homöopathie in einer sol- chen medizinischen Vielfalt ein? Und inwieweit wird sie von der indi- schen Bevölkerung in Anspruch genommen? Darüber hinaus werde ich einführend die Grundprinzipien und Methoden der Homöopathie dar- stellen und auf die historische Entwicklung der Homöopathie in Indien eingehen.

Meine Erkenntnisse gründen sich hauptsächlich auf zwei Textquellen: Auf die Dissertation der Medizinethnologin Ute Schumann, die auf den Stand und die Möglichkeiten homöopathischer Versorgung in Indien fokussiert, und zum anderen auf den in der Zeitschrift für klassische Homöopathie veröffentlichten Artikel von Martin Dinges, bei dem es um selbiges Thema geht.

Auf die oben formulierten Fragen werde ich versuchen, in kritischer Auseinandersetzung vorrangig mit den genannten Texten zu Antworten zu gelangen. Ich habe nicht vor, mich mit der umstrittenen Wirkung von homöopathischen Methoden auseinanderzusetzen, da dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde.

2. Allgemeines zur Homöopathie

Bevor ich auf die Stellung der Homöopathie im Gesundheitssystem In- diens zu sprechen komme, ist es wichtig zu verstehen, worin sich diese Heilmethode von anderen unterscheidet und wo sie ihren historischen Ursprung hat. Die Homöopathie ist keine einheitliche Lehre, sondern eine medizinische Anthropologie mit vielen unterschiedlichen Richtun- gen, die sich teilweise sogar antagonistisch gegenüberstehen. Aufgrund dieser Reichweite werde ich mich im Folgenden ausschließlich auf die klassische, von Hahnemann begründete, Homöopathie beziehen.

2.1. Das Prinzip

Der Begriff »Homöopathie« stammt von ihrem Begründer Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843) und bedeutet, ins Deutsche übersetzt, so viel wie »Heilen mit Ähnlichem«. Der Name ist hier Programm und steht ganz im Gegensatz zur herkömmlichen Schulmedizin, der Allopathie, die eine »Heilung mit entgegengesetzt Wirkendem« praktiziert. Diese Methode erscheint möglicherweise auf den ersten Blick paradox: Sie heilt die entsprechende Krankheit mit einer Arznei, die bei einem Ge- sunden eine ähnliche Krankheit erzeugen würde. Bereits die großen Ärzte Hippokrates (460 - 377 v. Chr.) und Paracelsus (1493 - 1541) diskutierten die Möglichkeit, Ähnliches durch Ähnliches zu heilen. (Stumpf 2004: 10) Das wichtigste Prinzip homöopathischer Heilkunde ist also Hahnemanns sogenanntes Ähnlichkeitsgesetz (lat.) Similia si- milibus curentur. Zu dieser 1790 neu formulierten Erkenntnis kam Hahnemann durch einen Selbstversuch mit Chinarinde die seinerzeit ein Arzneimittel gegen Malaria war. Weil Hahnemann sich mit den Er- klärungen für die Heilwirkung dieser Substanz nicht zufriedengeben wollte, nahm er in einem Selbstversuch, trotz bester Gesundheit, Chi- narinde ein. Daraufhin stellte er fest, dass er Symptome entwickelte, die bei einem an Malaria erkrankten ebenfalls auftraten. Diese hielten nur recht kurze Zeit an, wurden aber durch erneute Einnahme der Arznei wieder hervorgerufen. (Stumpf 2004: 10f.) Durch dieses und weitere Experimente gelang er schließlich zu der Schlussfolgerung des Ä hnlich- keits- beziehungsweise Simile-Prinzips.

Dem Prinzip der Heilmethode der Homöopathie unterliegt eine grund- legende Annahme: Jeder Organismus hat „von sich aus das Bestreben, seine Gesundheit zu bewahren“ (Stumpf 2004: 10) und ist dazu oftmals auch ohne äußeres Eingreifen in der Lage. Die Homöopathie setzt ge- nau an diesem Punkt an. Ihre Arzneimittel wirken, indem sie den Orga- nismus darin unterstützen, „seine Selbstheilungskräfte gezielt einzuset- zen und auf das Krankheitsbild hin zu aktivieren.“ (Stumpf 2004: 10) Ein wichtiger Punkt ist außerdem, dass die Homöopathie als ein ganz- heitliches, holistisches Behandlungssystem angesehen wird (Krapp/Longe 2001: 872f.). Das bedeutet, dass sie versucht, im Zuge der Behandlung seelische, klimatische und soziale Bedingungen, die zur Erkrankung führen konnten zu erkennen und bei der Arzneimittelverschreibung mit einzubeziehen. (Stumpf 2004: 14)

2.2. Die Entstehung der homöopathischen Arznei

Als Ausgangsstoffe für homöopathische Arzneimittel können genannt werden: Mineralien, Pflanzen, ganze Tiere (bspw. Bienen) oder tieri- sche Produkte (Schlangengifte, Delfinmilch), aber auch chemische Substanzen, die in der Schulmedizin eingesetzt werden (Kortison). Manche Mittel, die so genannten Nosoden, werden aus Krankheitspro- dukten gewonnen: aus einzelnen Erregern (Streptokokken), aus Gewe- beneubildungen (Krebsgeschwüre) oder Absonderungen (Eiter). Einige dieser Substanzen können erst durch die sogenannte Potenzierung, eine besondere Methode der Arzneimittelherstellung der Homöopathie, ge- fahrlos verabreicht werden. (Stumpf 2004: 11)

In zahlreichen Schritten der Herstellung wird der Ausgangsstoff, der auch als Ursubstanz bezeichnet wird, sofern er löslich ist, stufenweise mit Alkohol verdünnt, so dass im Endprodukt kaum noch etwas von ihm nachweisbar ist. Feste Substanzen werden so lange mit Milchzu- cker verrieben, bis auch sie mit Alkohol verdünnt werden können. Diese Verdünnung wird Potenzierung genannt; das bedeutet, das Poten- tial des Wirkstoffes entfaltet sich im Laufe des Prozesses. (Stumpf 2004: 11f.) Homöopathische Arzneimittel sind in folgenden Formen er- hältlich: Tabletten, Tropfen, Globuli, Tinkturen und Salben. (Stumpf 2004: 12f.)

3. Die Entwicklung der Homöopathie in Indien

Bei dem Versuch sich einen Überblick über die historische Entwicklung und den jetzigen Stellenwert der Homöopathie im indischen Gesund- heitssystem zu verschaffen ist es wichtig, dem medizinischen Pluralis- mus Beachtung zu schenken. Charakteristisch für Indien sind seine viel- fältigen soziokulturellen Unterschiede und die der indischen Kultur oft nachgesagte Toleranz zur Adaption fremdkultureller Systeme. (Schu- mann 1992: 43) Diese Aspekte führen zu einem beständigen sowohl kulturellen als auch sozialen Wandel, welcher besonders im Zuge der Kolonisation Anfang des 19. Jahrhunderts hervorgerufen wurde. Die dadurch hervorgerufenen strukturellen Veränderungen der indischen Gesellschaft bestimmten im weiteren Verlauf die Integration der Ho- möopathie, weshalb es sich lohnt, einen genaueren Blick auf die Kolo- nialisierung in Indien zu werfen. (Schumann 1992: 43)

3.1. Ein historischer Überblick

Dr. Johann Martin Honigberger (1794-1869) gilt als einer der ersten Anwender der Homöopathie. (Schumann 1992: 43) Die Kolonialisie- rung durch die Briten war besonders zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der indischen Bevölkerung als schwere Unterdrückung wahrge- nommen worden. Als Reaktion auf das militärisch aggressive und des- potische Herrschen kam es 1858 zu Aufständen indischer Soldaten. Dies führte zu einem Einlenken der britischen Kolonialregierung und einer entscheidenden Wende in der Kolonialpolitik. Indien besann sich auf seine kulturellen, traditionellen Werte. Das bedeutete, dass Indien sich wieder auf die rational-ganzheitlichen indischen Medizinsysteme wie Ayurveda und Yunani konzentrieren konnte, statt lediglich das westliche, allopathische System der britischen Eroberer zu überneh- men. Das Datum dieser Wiederbelebung wird jedoch erst auf den Be- ginn des 20. Jahrhunderts festgelegt. (Schumann 1992: 45)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichteten die Engländer in Kalkutta, was als ökonomischer und politischer Mittelpunkt zur Zeit der Kolonisation galt, einige Ausbildungsstätten für die allopathische Me- dizin, um auf dieser das neue Versorgungssystem aufzubauen. Bis An- fang des 20. Jahrhunderts gab es bereits so viele allopathisch behan- delnde Ärzte, dass die Aufnahmequoten verringert und stattdessen neue private medizinische Schulen eröffnet wurden, die hauptsächlich homö- opathisch ausgerichtet waren und aus denen unabhängige Therapeuten hervorgingen. (Schumann 1992: 46) Es kam zu Diskussionen über die Durchführung homöopathischer Therapeutika durch allopathisch aus- gebildete Ärzte. Auf diesem Wege erhielt die Homöopathie ihr west- lich-modernes Ansehen, da sich aus der Gruppe der Allopathen viele Homöopathen heraus entwickelten. Auszubildende an privaten homöo- pathischen Schulen wurden sogar von allopathisch geschulten Ärzten ausgebildet. Wir werden feststellen, dass sich die Entwicklung dieses zweigleisigen Ausbildungssystems von staatlichen und privaten Schu- len und auch die Verbreitung von den jeweiligen Systemen bis zur ge- genwärtigen Situation in Indien durchzieht.

Diese Zwischenzeit war sehr wichtig für die Einführung der Homöopa- thie, da diese neue Heilmethode eine Art Kompromiss zwischen diesen beiden scheinbar so gegensätzlichen Systemen darstellte. Sie war zu- gleich eine westliche, als auch rational-ganzheitliche Methode, die in- disch-kulturelle Werte nicht verneinte, sondern sich mit diesen Vorstel- lungen sogar traf. Sowohl die Homöopathie als auch die Allopathie er- hielten in dieser Zeit Anerkennung in Indien. (Schumann 1992: 49) Der Allopathie jedoch haftete durch ihren kolonialen Kontext das Stigma der imperialistischen Medizin und der modernen Naturwissenschaft an. (Schumann 1992: 49) Die Homöopathie musste sich also nicht nur unter den traditionellen indischen Therapiesystemen sondern auch vor den Augen der allopathischen Ärzte, deren Medizin schon durch die Kolo- nialisierung Einzug gehalten hatte, etablieren.

In dieser Zeit also blühten die traditionell indischen Gesundheitssys- teme wieder auf und seine Interessensvertreter versuchten, sich gesund- heitspolitisch eine bessere Stellung zu verschaffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Stellung der Homöopathie im indischen Gesundheitssystem
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Medizinethnologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V374194
ISBN (eBook)
9783668563896
ISBN (Buch)
9783668563902
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homöopathie, Medizinethnologie, Ethnologie, Gesundheitssysteme, Ayurveda
Arbeit zitieren
Sarah Stäbler (Autor), 2014, Die Stellung der Homöopathie im indischen Gesundheitssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374194

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