Das Witwenleben in der Frühen Neuzeit. Berufliche Aussichten und Einschränkungen im Witwenstand


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Witwenleben in der Frühen Neuzeit – Berufliche Aussichten und Einschränkungen im Witwenstand
2.1. Anforderungen an eine Witwe
2.1.1. Gesellschaftliche Anforderungen
2.1.2. Juristische und ökonomische Anforderungen
2.2. Witwen als heterogenes Bild
2.2.1. Bäuerliche Witwe
2.2.2. Handwerkswitwe
2.2.3. Pfarrerswitwe
2.2.4. Witwe aus dem Adel und Hochadel bzw. herrschenden Kreisen
2.3. Wiederheirat

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Frühen Neuzeit war der Grund für die Auflösung einer Ehe der Tod eines der beiden Ehepartner. Eine Scheidung oder eine Trennung in unserem heutigen Verständnis beziehungsweise erste Formen, in denen eine Scheidung durchgeführt wurde lässt sich erst Ende des 18. Jahrhunderts nachweisen.

Die heutige Forschung zur Witwenschaft in der Frühen Neuzeit umfasst weitgefächerte Untersuchungsaspekte wie zum Beispiel der sozial- alltags- und geschlechtsspezifische Fokus, sowie das Thema der Wiederheirat und rechtsgeschichtliche Untersuchungen. Auch theologische Untersuchungen werden aufgegriffen um den Status einer Witwe in der Gesellschaft darzustellen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem historischen Forschungsgut der Witwenschaft in der Frühen Neuzeit. Hierbei soll gezeigt werden, dass der Fall der Witwenschaft keinem stringent homogenen Muster folgt, sondern dass die historische Forschung des Witwenstandes durch Einzelfälle geprägt und gekennzeichnet wird. Aspekte, die hierbei betrachtet werden, sind zu aller erst die verschiedenen Anforderungen an eine Witwe. Diese Anforderungen lassen sich kategorisch in verschiedene Bereiche einteilen. Zum einen gibt es die gesellschaftlichen Ansprüche, welche sich wiederum in eine kirchliche und in eine soziale Sichtweise bezüglich der Ansprüche an Witwen gliedern. Zum anderen folgen die juristischen und ökonomischen Ansprüche, die in diesem Kapitel kurz angeschnitten und im darauffolgenden Kapitel „Witwen als heterogenes Bild“ weiter im Detail vertieft werden. Besonders in Bezug auf die Handwerkswitwe und die Witwe im Adelsstand werden die juristischen und ökonomischen Ansprüche an eine Witwe deutlich gemacht. Im Kapitel „Witwen als heterogenes Bild“ wird anhand von verschiedenen Witwenarten der Handlungsspielraum mitsamt seiner Freiheiten, Regelungen, Grenzen und Konflikte dargestellt.

Dabei muss beachtet werden, dass keine einheitlichen Regelungen von Handlungsmöglichkeiten, die auf jede Witwe passen, aus den folgenden Erarbeitungen geschlossen werden können. Von Stadt zu Stadt, Stand zu Stand und Jahr zu Jahr konnte die neue Ausgangslage für die Witwe anders aussehen.

Aus diesem Grund können anhand von verschiedenen Untersuchungen Gemeinsamkeiten nur vermutet und spekuliert werden. Zum Schluss wird das Thema der Wiederheirat angesprochen, welches in der Frühen Neuzeit in verschiedener Sichtweise die Lösung aller Probleme gewesen ist, jedoch von der Gesellschaft und besonders von der Kirche stark kritisiert wurde.

Vorangetragen wird diese Arbeit von einigen wichtigen Autoren. Besonders hervorgehoben werden folgende Geschichtswissenschaftler und Geschichtswissenschaftlerinnen.

Zum einen gelten die Werke von Olwen Hufton „Frauenleben. Eine europäische Geschichte 1500-1800“[1] und Heide Wunder „ Er ist die Sonn`, sie ist der Mond“[2] als gute Einführungen in die Literatur der Witwenschaft in der Frühen Neuzeit. Zum anderen ist das Werk von Siegrid Westphal, Inken Schmidt- Voges und Anette Baumann „Venus und Vulcanus. Ehen und ihre Konflikte in der Frühen Neuzeit“[3] ein gutes Hilfsmittel um die Normen einer Witwe heraus zustellen und zugleich die Konflikte, die durch diese Normen entstanden sind, zu untersuchen. Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Werk nicht nur eine Witwenart im Fokus hat, sondern mehrere Witwenarten bezüglich ihrer Normen und Konflikte darstellt, um somit einen Vergleich zu ziehen.

Des Weiteren wird in dieser Arbeit auf das Werk „Witwen in der Frühen Neuzeit“[4] von Gesa Ingendahl zurückgegriffen, da dieses Werk sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte anführt. Ingendahl bezieht sich bei ihren Untersuchungen auf die Stadt Ravensburg. Zentrale Aspekte, die thematisiert werden sind die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten mitsamt ihrer kulturellen Lebenswelten. Auch die Auswirkungen von Herrschaftsverhältnissen werden in diesem Werk diskutiert. Gesa Ingendahl zeigt durch ihr Werk, dass der Stand der Witwe hinsichtlich des Geschlechts, des Besitzes und des Berufes in der Frühen Neuzeit bezüglich seiner Normen und im Alltag von großer Bedeutung war.

2. Das Witwenleben in der Frühen Neuzeit – Berufliche Aussichten und Einschränkungen im Witwenstand

2.1. Anforderungen an eine Witwe

2.1.1. Gesellschaftliche Anforderungen

Die gesellschaftlichen Anforderungen an eine Witwe lassen sich aus zwei verschiedenen Sichtweisen betrachten: die kirchliche und die soziale Sichtweise der Gesellschaft. Beide Sichtweisen müssen trotz ihrer Teilung in Zusammenhang gebracht werden, da die Gesellschaft in Form einer kirchlichen Gemeinde auftritt. Die Gesellschaft wurde durch die kirchlichen Sichtweisen geprägt und beeinflusst, sodass Parallelen hinsichtlich kirchlicher und sozial- gesellschaftlicher Sichtweisen bezüglich der Ansprüche einer Witwe erkennbar werden.

Die Witwen wurden in der frühen Neuzeit von den Kirchen in einer ambivalenten Art und Weise betrachtet. Trotz des Mitleids mit ihrer Situation stand die Obrigkeit der Kirche, aufgrund ihrer Angst vor der neu entstandenen Freiheit für die Frauen, den Witwen mit großem Argwohn gegenüber. Durch die Angst vor den Sünden, die die Witwe mithilfe ihrer neuen Freiheit eingehen konnte, entstand eine ausschließlich auf den Witwenstand bezogene, religiöse fundierte Erbauungsliteratur.[5] Witwen sollten demnach eine klar definierte Stellung in der Gesellschaft bekommen, damit die Ordnung in der Gesellschaft nicht gefährdet wurde.

Mithilfe von Witwentrostbüchern, spezifischen Gebets und Gesangsbüchern, dem Witwenspiegel und gedruckten Predigten mit dem Schwerpunkt auf Leichenpredigten, wurde den Witwen ein auf Gott und der Kirche geweihtes Leben auferlegt.

Jedoch müssen hierbei die protestantischen und katholischen Sichtweisen bezüglich der Witwentrostschriften erwähnt werden, da diese unterschiedliche Ansichten vertraten. Für die Protestanten hatte die Ehe grundsätzlich eine höhere Wertigkeit, sodass es aus protestantischer Sichtweise wenige Vorbehalte gegen eine Wiederheirat gab.

Die katholische Kirche wertete hingegen die Sorge um das Seelenheil des verstorbenen Ehemannes als die zentrale Aufgabe einer Witwe, sodass eine Wiederheirat kritisch betrachtet wurde und ein keusches Leben dagegen als Idealform angesehen wurde. Besonders in katholischen Ratgebern in der Frühen Neuzeit wird ausdrücklich der fromme Lebenswandel einer Witwe betont, welcher hohe Anforderungen beinhalten.

Dieser gottgeweihte und fromme Lebenswandel wird mithilfe eines Verhaltenskatalogs, auch als Tugendkatalog bezeichnet, untermauert.[6] Dieser Katalog befasst sich mit verschiedenen Vorschriften bezüglich religiöser und sozialer Verhaltensweisen, die eine Frau nach dem Tod ihres Mannes einhalten soll. Hinsichtlich dieser Verhaltensvorschriften muss besonders der Wandel des Bildes der Witwe berücksichtigt werden. Der Ausgangspunkt befindet sich hierbei im christlich- mittelalterlichen Weltbild mit der gesellschaftlichen Funktion der christlichen Ehe.[7]

Das Ziel des Tugendkatalogs wird unter dem Begriff der Frömmigkeit erreicht. Diese Frömmigkeit beinhaltet eine direkte Unterstellung Gottes. Die Witwe „soll an Gott glauben und ihm vertrauen“. Sie soll zudem „ständig andächtig beten, nicht nur mit Worten sondern jederzeit mit dem Herzen“.

Des Weiteren sieht der Katalog es als Pflicht an, die Normen und Werte der christlichen Gesellschaft im hohen Maß zu befolgen. Diese Normen und Werte beinhalten den ständigen Besuch der Gottesdienste, sittsame Kleidung, mäßiges Trinken und Essen, Kranken- und Armenpflege und die Ausübung der Nächstenliebe.[8]

Jusseu[9] zeigt eine klare Herausbildung der Semantik zwischen Jungfrau, Witwe und Verheirate, bezüglich der gesellschaftlichen Moral. In diesem Kontext sieht Jusseu einen Bedeutungswandel der Witwe. Eine „Erfindung eines neuen sozialen Typus“. Trauer und Totensorge werden dadurch zu einer neuen und eigenen Lebensform umgewandelt. Der Status der Witwe wird vergleichbar mit einer besonders schutzbedürftigen Person, wie zum Beispiel einer Jungfrau.

Auf der Ebene der sozialen Sichtweise gab es ein konträres Verständnis von Tugend und Sitte im bürgerlichen und höfisch- aristokratischen Bereich. Es gab demnach einen prüfenden Blick hinsichtlich des Witwenstatus.

Der größte der Teil der sozialen Schichten hatte die gemeinsame Sichtweise, dass der Stand einer alleinstehenden Frau grundsätzlich weniger erstrebenswert sein sollte, als der der Ehefrau. Die Ehe wurde in der frühneuzeitlichen Gesellschaft als essentiell betrachtet, in der die Frau ihren rechtmäßigen Platz finden sollte. Diese Stellung der Frau innerhalb familiärer Kreise wird auch in der politischen Sichtweise erkennbar, in der die Familie als Abbild des Staats betrachtet wurde. Die Witwe, die ihren Mann verloren hatte, wurde somit vom Staat mit einem Volk ohne Souverän verglichen, welches möglichst ausgegrenzt werden sollte.

Auch der Aspekt der Ehre fand in den gesellschaftlichen Anforderungen einer Witwe gegenüber Platz. Nach dem Tod des Mannes war die Witwe dazu verpflichtet, der Gesellschaft zu beweisen, dass sie das Ansehen ihres verstorbenen Mannes und das Andenken an ihn hochhielt. Die Witwe musste, damit sie die Gunst der Gesellschaft erlangen konnte, ihrem Mann ein angemessenes Begräbnis zukommen lassen.

2.1.2. Juristische und ökonomische Anforderungen

Eine Witwe musste nicht nur mit den strengen Anforderungen der Gesellschaft zurechtkommen, sondern wurde in ihrem Status als Witwe auch mit gewissen juristischen und ökonomischen Ansprüchen konfrontiert.

In Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen sich eine Witwe befand, ist es notwendig anzuführen, dass diese Rahmenbedingungen von Stadt zu Stadt unterschiedlich aussahen, da eigene Rechte oder Regelungen innerhalb einer Stadt den Handlungsspielraum einer Witwe bedingten.

Sowohl in der juristischen als auch in der ökonomischen Sicht lag der Anspruch im Witwenstatus einer Handwerkswitwe besonders auf dem Zunftsystem, welcher ein breitgefächertes Spektrum an Befugnissen beinhaltete. War die Witwe nicht Teil des Zunftsystems, besaß sie nur sehr stark eingeschränkte Befugnisse. War sie jedoch Mitglied einer Zunft, so standen ihr verschiedene Optionen zur Verfügung.

Ein weiterer Aspekt, welcher zu den ökonomischen Ansprüchen einer Witwe zählte ist der Umgang mit der Erbschaft. Dies beinhaltet einen Familienverband des Verstorbenen, der an einer familiennahen Verwendung des Erbes interessiert war.

2.2. Witwen als heterogenes Bild

Anhand dieses Kapitels sollen die verschiedenen Witwenarten in der Frühen Neuzeit herausgestellt werden. Als Untersuchungsaspekt gilt der Versuch den Handlungsspielraum einer Witwe herauszukristallisieren. Aspekte, die bei diesem Versuch hilfreich werden sollen, sind die Untersuchungsaspekte Freiheiten, Regelungen, Grenzen und Konflikte. Durch diese vier Aspekte soll dieser Handlungsspielraum dargestellt werden.

Er soll die Normen und die damit entstehenden Konflikte mit denen eine Witwe in der Frühen Neuzeit zu kämpfen hatte ausmachen.

Dabei muss beachtet werden, dass keine einheitlichen Regelungen von Handlungsmöglichkeiten, die auf jede Witwe zutreffen, aus den folgenden Erarbeitungen geschlossen werden können.

Jeder Witwenfall muss, trotz des Versuches Gemeinsamkeiten zu finden, als Einzelfall im Hinterkopf behalten werden. Es gibt nicht „die Witwe“, sondern der Fall der Witwenschaft basierte auf vielen verschiedenen Einzelfällen, mit unterschiedlichen Ausgängen für die Frauen, sodass ein heterogenes Geflecht entstand.

[...]


[1] Hufton, Olwen: Frauenleben. Eine europäische Geschichte 1500-1800, Frankfurt am Main 1998[im Folgenden zitiert als: Frauenleben].

[2] Wunder, Heide: Witwen, in: Heide Wunder: „Er ist die Sonn` sie ist der Mond“. Frauen in der Frühen Neuzeit, München 1992[im Folgenden zitiert als: Er ist die Sonn].

[3] Westphal, Siegrid: Witwen, in: Anette Baumann/ Inken Schmidt-Voges/ Siegrid Westphal: Venus und Vulcanus. Ehen und ihre Konflikte in der Frühen Neuzeit, München 2001 [im Folgenden zitiert als: Venus].

[4] Ingendahl, Gesa: Witwen in der Frühen Neuzeit. Eine Kulturhistorische Studie, Frankfurt am Main 2006[im Folgenden zitiert als: Witwen].

[5] Schattkowsky, Martina (Hrsg.): Witwenschaft in der Frühen Neuzeit. Fürstliche und adlige Witwen zwischen Fremd- und Selbstbestimmung, (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 6) Leipzig 2003, S. 191.

[6] Kruse, Britta- Juliane: Witwen. Kulturgeschichte eines Standes in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Berlin, New York 2007, S. 214 [im Folgenden zitiert als: Frühe Neuzeit].

[7] Ingendahl: Witwen, S.23.

[8] Kruse: Frühe Neuzeit, S. 60.

[9] Wunder: Er is die Sonn, S.182.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Witwenleben in der Frühen Neuzeit. Berufliche Aussichten und Einschränkungen im Witwenstand
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Frauen in der Frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V374264
ISBN (eBook)
9783668515826
ISBN (Buch)
9783668515833
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Neuzeit Witwe#, Frühe Neuzeit
Arbeit zitieren
Jeanine Hartmann (Autor), 2015, Das Witwenleben in der Frühen Neuzeit. Berufliche Aussichten und Einschränkungen im Witwenstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374264

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