Differenz der Wahlergebnisse zwischen einem Verhältniswahl- und Mehrheitswahlsystem in Großbritannien am Beispiel der United Kingdom Independence Party (UKIP) und Analyse der UKIP-Wähler


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie: Wahlverhalten in Mehrheitswahlsystemen

3 Parteiensystem und Wahlsystem in Großbritannien
3.1 Parteiensystem Großbritannien
3.2 Wahlsystem Unterhauswahl
3.3 Wahlsystem Europaparlamentswahl in Großbritannien

4 Die United Kingdom Independence Party (UKIP)
4.1 UKIP-Gründung
4.2 Programm der UKIP

5 Wahlergebnisse der UKIP und Analyse wen die UKIP-Wähler zuvor wählten
5.1 Wahlergebnisse der UKIP bei Unterhaus- und Europaparlamentswahlen von 1999-2015
5.2 Wen wählten UKIP-Wähler der Unterhauswahl 2015 bei den Unterhauswahlen 2005 und 2010
5.3 UKIP-Wähler Europawahl 2009: Wen planen sie bei der Unterhauswahl zu wählen?
5.4 UKIP-Wähler der Europawahl 2014: Wen wählten sie bei der Unterhauswahl 2015?

6 Untersuchung der UKIP-Wähler
6.1 UKIP-Wähler der Europaparlamentswahl 2009
6.2 UKIP-Wähler der Europaparlamentswahl 2014
6.3 UKIP-Wähler der Unterhauswahl 2015
6.4 Zusammenfassung der UKIP-Wähler

7 Gründe für das erfolgreiche Abschneiden der UKIP bei der Europawahl 2014
und der Unterhauswahl 2015
8 Argumente für die Diskrepanz der Wahlergebnisse
8.1 Wahlsystem ist nicht verantwortlich
8.2 Wahlsystem ist verantwortlich

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pathways to UKIP“ - Wählerwanderung zur UKIP in England und Wales

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stimmenanteile ausgewählter Parteien bei den Europaparlaments- und Unterhauswahlen von 1999-2015 (Angaben in Prozent)

Tabelle 2: Stimmenanteil und Mandatsanteil bei den Unterhauswahlen 2001 bis 2015 (Angaben in Prozent)

1 Einleitung

Mit dem Austritt von Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union ist das Hauptziel der rechtspopulistischen und EU-kritischen United Kingdom Independence Party, abgekürzt UKIP, erfüllt worden. Die UKIP ist eine relativ neue Partei, die 1993 gegründet wurde (vgl. Lynch/Whitaker/Loomes, 2012: 736). Sie erlangte ihre Wahlerfolge bei den Wahlen zum Europaparlament. Bei der letzten Europaparlamentswahl 2014 wurde die UKIP mit 27,49 Prozent Sieger und erhielt die meisten Stimmen (vgl. Hawkins, Oliver/Miller, Vaughe, 2014). Aber bei den Unterhauswahlen gelang es ihr erst 2015 über zehn Prozent des Stimmenanteils in Großbritannien zu erhalten. Die Ergebnisse der UKIP-Partei waren bei den Europaparlamentswahlen immer wesentlich höher als bei den darauffolgenden Unterhauswahlen, welche von 2004 an immer ein Jahr nach den Europarlamentswahlen stattfanden (vgl. Tabelle 1). Dabei stellt sich die Frage, ob die so stark unterschiedlichen Wahlergebnisse der UKIP auf das Wahlsystem zurückgeführt werden können und ob sie sich durch das Verhältniswahlsystem besser etablieren könnte. Schließlich gelingt es im Verhältniswahlsystem auch eher entsprechend des Stimmenanteils auch den dazu entsprechenden Anteil der Mandate im Parlament zu erhalten.

Um dies zu untersuchen wird zuerst die Theorie des Wahlverhaltens in Bezug auf die unterschiedlichen Wahlsysteme erläutert. Des Weiteren wird das Wahlsystem und Parteiensystem Großbritanniens grundlegend dargestellt. Nordirland wird hierbei ausgenommen, denn es hat bei der Europaparlamentswahl ein anderes Wahlsystem als das übrige Vereinigte Königreich. (Vgl. Krumm/Notzel 2006: 111-112). Deswegen werden dann auch bei den Unterhauswahlen nur die Wahlergebnisse von Großbritannien verwendet. Anschließend werden auch die Wähler der UKIP sowie deren Wahlmotive beleuchtet und untersucht, welche Parteien sie in den Wahlen zuvor gewählt haben und was ihre Motive die UKIP zu wählen waren, um das erfolgreiche Abschneiden dieser Partei bei den jüngsten Wahlen zu erklären.

2 Theorie: Wahlverhalten in Mehrheitswahlsystemen

Eine der frühen Annahmen über Wahlsysteme ist von dem Maurice Duverger. Er beschreibt, der Einfluss des Wahlsystems auf das Parteiensystem ließe sich in folgende drei Formeln zusammenfassen:

„1. Die Verhältniswahl führt zu einem Vielparteiensystem mit starren, unabhängigen und stabilen Parteien (in allen Fällen). 2. Die Mehrheitswahl mit Stichwahl führt zu einem Vielparteiensystem mit elastischen, abhängigen und verhältnismäßig stabilen Parteien (in allen Fällen). 3. Die einfache Mehrheitswahl führt zu einem Zweiparteiensystem mit sich abwechselnden großen und unabhängigen Parteien.“ (Duverger 1959: 219)

Aber dies soll laut Duverger auch nur zur ersten Orientierung dienen und daher ist dies keine absolute Feststellung (vgl. Duverger 1959: 219). Das vermutete Herausbilden eines Zweiparteiensystems im Mehrheitswahlsystem kommt durch die Annahme, der Wähler wolle seine Stimme nicht vergeuden. Dies ist umso stärker der Fall, je kleiner die Anzahl der zu vergebenden Parlamentssitze eines Wahlkreises ist. (Vgl. Pappi/Shikano 2007: 123-124) Bei einem wie in Großbritannien vorherrschenden Mehrheitswahlsystem mit Einpersonenwahlkreisen ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass die Wähler die Stimmenvergeudung vermeiden wollen und dann eher nicht für kleinere Parteien stimmen, deren Chancen sie schlechter einschätzen als die der großen. So wird der Wähler dann eher taktisch wählen wollen, wenn er denkt eine von ihm favorisierte Partei wird niedrige Chancen haben, das eine Wahlkreismandat zu gewinnen. Da es in Großbritannien bei der Unterhauswahl das relative Mehrheitswahlsystem gibt und für die Europaparlamentswahl das Verhältniswahlsystem mit starren Listen Gültigkeit hat, sind die Anreize zum taktischen Wählen bei der Europaparlamentswahl niedriger als bei der Unterhauswahl. Dies kann dann ein Grund für die starken Differenzen der UKIP zwischen den Stimmenanteilen (vgl. Tabelle 1) der Unterhaus- und Europaparlamentswahlen sein.

3 Parteiensystem und Wahlsystem in Großbritannien

3.1 Parteiensystem Großbritannien

Von Ende des zweiten Weltkriegs bis zu den 1970er Jahren gab es in Großbritannien ein Zweiparteiensystem mit den Conservatives und der Labourpartei (vgl. Onken 2013: 211). Bis heute erhalten diese beiden Parteien die meisten Stimmen bei den Wahlen zum Unterhaus. (Vgl. Lynch/Garner 2005: 533-534). Die übrigen Parteien wie die SNP, UKIP, Liberal Democrats und Green Party (vgl. Schieren 2010: 112-116) erhalten dagegen weit geringere Prozentwerte und wesentlich weniger Sitze im Unterhaus (vgl. Tabelle 2).

3.2 Wahlsystem Unterhauswahl

Die Mitglieder des Unterhauses werden von allen Bürgern, die 18 Jahre alt oder älter sind gewählt. Das Wahlrecht zur Unterhauswahl ist das relative Mehrheitswahlrecht. In Ein­personen­wahlkreisen werden die 650 Abgeordneten des Unterhauses gewählt. Der Wahlkreiskandidat, der am meisten Stimmen auf sich erhält, bekommt das Mandat für das Unterhaus. Er braucht dabei nur eine Stimme mehr als derjenige mit den zweitmeisten Stimmen, da es sich um das relative Mehrheitswalrecht handelt. (Vgl. Schieren 2010: 117) Der Wahlkreiszuschnitt wird von einer Kommission überwacht. Diese gibt Empfehlungen zur Neueinteilung oder zu Neueinteilungsvorhaben der Regierung ab. Zudem kann die Kommission nicht einfach überstimmt werden von der Parlamentsmehrheit. (Vgl. Schieren 2010: 120)

3.3 Wahlsystem Europaparlamentswahl in Großbritannien

Die 78 britischen Abgeordneten des EU-Parlaments werden in 12 Wahlkreisen gewählt. Schottland, Wales und Nordirland bilden jeweils einen eigenen Wahlkreis. Für die Europawahl wird mit Ausnahme des nordirischen Wahlkreises das Verhältniswahlsystem angewendet. Die Parteien treten in den Wahlkreisen mit geschlossenen Listen an. Die Mandate werden nach dem Stimmenanteil pro Liste vergeben. (Vgl Krumm/Notzel 2006: 111-112)

4 Die United Kingdom Independence Party (UKIP)

4.1 UKIP-Gründung

Die UKIP wurde nach der Ratifikation der Maastrichverträge für die EU von Alan Sked gegründet. Sie hatte jedoch auch Konkurrenz mit der Referendum Party, welche die UKIP bei den Unterhauswahlen im Jahr 1997 übertrumpfte. Jedoch wurde die UKIP nach dem Tod des Gründers der Referendum Party die führende europakritische Partei. Im Jahr 1999 konnte sie bei der Wahl zum europäischen Parlament erste Erfolge erzielen und gewann mit sieben Prozent Stimmenanteil drei Mandate. (Vgl. Lynch/Whitaker/Loomes, 2012: 736)

Mit dem ehemaligen Labourabgeordneten Kilroy-Silk hatte die UKIP einen sehr wichtigen Anführer für die Europaparlamentswahl 2004. Er war ein ehemaliger Reporter, der seinen Job aufgrund von antiarabischen Bemerkungen verlor. Daher passte er gut zur UKIP, weil er auch gegen politische Korrektheit und das Establishment kämpfte. Jedoch scheiterte er daran, den Parteivorsitz zu übernehmen. (Vgl. Abedi/Lundberg 2009: 81-83) Von 2006 bis 2009 war Nigel Farage Vorsitzender der UKIP.

Mit mehr Fokus auf andere Themen als die europäische Union versuchte er die Partei, vom Einthemenimage zu befreien. Das Parteiprogramm wurde v. a. um die Themen Immigration und Pauschalsteuer erweitert. Im Jahr 2009 trat Farage zurück, doch 2010 wurde er wieder als Parteivorsitzender gewählt, da der zwischenzeitliche Vorsitzende Pearson unglücklich agierte. Dieser gab zum Beispiel gegenüber einem Journalisten zu, dass er das Wahlprogramm gar nicht komplett durchgelesen habe. (Vgl. Lynch/Whitaker/Loomes, 2012: 736-737) Nach dem erfolgreichen Brexitvotum am 04.07.2016 trat Farage wieder vom Vorsitz der UKIP zurück (vgl. Deutschlandfunk 2016).

4.2 Programm der UKIP

Die UKIP zeichnet sich in erster Linie durch ihre Ablehnung gegenüber der EU aus. Sie fordert den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Es handelt sich um eine rechtspopulistische Partei. (Vgl. Goodwin 2015: 31-32) Die UKIP sieht sich als Gegner der politischen Elite und behauptet, es bestehen kaum Unterschiede zwischen der Conservative und der Labour. Sie setzt auf nationale Werte und spricht sich für eine starke Begrenzung der Immigration aus. (Vgl. Bogdanor 2015: 43-44) Wirtschaftspolitisch will sie Steuern auf Einkommen senken. Zudem will sie das nationale Gesundheitssystem verbessern. In der Bildungspolitik setzt sie sich u. a. dafür ein, die sexuelle Aufklärung in der Grundschule zu beenden. In der Energiepolitik plant die UKIP, die Pläne um den Klimawandel zu mildern, die Kohle wieder vermehrt zu nutzen, Fracking zu erlauben, um Erdgas zu fördern und erneuerbare Energien nur noch zu fördern, sofern sie preislich konkurrieren können. Arbeitsmarkpolitisch sollen die Arbeitsrechte gestärkt werden und es den Unternehmen erlaubt werden, Briten bei der Einstellung zu bevorzugen. (Vgl. UKIP 2015)

5 Wahlergebnisse der UKIP und Analyse wen die UKIP-Wähler zuvor wählten

5.1 Wahlergebnisse der UKIP bei Unterhaus- und Europaparlamentswahlen von 1999-2015

Tabelle 1 zeigt die Wahlergebnisse der UKIP bei den Unterhaus und Europaparlamentswahlen der Jahre 1999 bis 2014.

Tabelle 1: Stimmenanteile ausgewählter Parteien bei den Europaparlaments- und Unterhauswahlen von 1999-2015 in Großbritannien (Angaben in Prozent)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung. Datengrundlagen: Cracknell/McGuinness/Rhodes 2011; Hawkins/Keen, Richard/Nakatudde 2015, Hawkins/Miller 2014, Mellows-Facer 2006, Mellows-Facer/Cracknell/Lightbown 2009, Mellows-Facer/Cracknell/Yonwin 2004, Morgan/Bryn 2001, Morgan/Cracknell 1999

Die UKIP steigerte ihren Stimmenanteil bei jeder Europaparlament- und jeder Unterhauswahl in Großbritannien im Vergleich zur vorherigen Europaparlaments- beziehungsweise Unterhauswahl. Bei der Europaparlamentswahl 1999 bekam die UKIP sieben Prozent der Stimmen, fünf Jahre später verdoppelte sie mit 16,2 Prozent der Stimmen ihr Ergebnis und im Jahr 2009 verbesserte sie sich leicht auf 16,5 Prozent Stimmenanteil. Im Jahr 2014 erreichte die UKIP mit 27,49 Prozent der Stimmen den höchsten Anteil bei der Europaparlamentswahl und ging somit als Wahlsieger hervor. Bei den Unterhauswahlen steigerte sie ihren Stimmenanteil erheblich von Unterhauswahl zu Unterhauswahl. Es liegt von der Unterhauswahl 2001 zur Wahl 2005 eine Steigerung des Stimmenanteils von 53 Prozent vor, der Anteil der Stimmen stieg somit von 1,5 Prozent bei der Unterhauswahl 2001 auf 2,29 Prozent bei der Unterhauswahl 2005. Der Stimmenanteil der Unterhauswahl des Jahres 2010 steigerte sich um 38 Prozent im Vergleich zur vorherigen Unterhauswahl auf 3,17 Prozent. Bei der Unterhauswahl 2015 vervierfachte die UKIP ihren Stimmenanteil mit einem Ergebnis von 12,88 Prozent im Vergleich zur vorherigen Unterhauswahl. (Vgl. Tabelle 1) Erst bei der letzten Unterhauswahl im Jahr 2015 ist es der UKIP gelungen in einem Wahlkreis zu gewinnen (Vgl. Hawkins/Keen/Nakatudde 2015: 12; Vgl. Hawkins/Keen/Nakatudde 2015: 36).

Auffällig ist, dass die Wahlbeteiligung bei den Unterhauswahlen wesentlich höher war als bei den Wahlen zum Europaparlament. Im Zeitraum von 1999 bis zum Jahr 2015 lag sie mit 60 – 66 Prozent mindestens ein Viertel über der Wahlbeteiligung bei den Europaparlamentswahlen (23 – 35 Prozent) (vgl. Tabelle 1).

Die Differenz der Stimmenanteile zwischen den Europarlamentswahlen und den anschließenden Unterhauswahlen der UKIP sind beträchtlich. Die UKIP hat bei der Europawahl 1999 im Vergleich zur folgenden Unterhauswahl 2001 4,7-mal so viele Stimmen erzielt. Bei den folgenden Wahlen in den Jahren 2004/2005, 2009/2010 und 2014/2015 erreichte sie bei den Europaparlamentswahlen zwölfmal, fünfmal und doppelt so hohen Stimmenanteile als bei den Unterhauswahlen. (Vgl. Tabelle 1)

Es wird hypothetisch davon ausgegangen, die Wahlbeteiligung sei bei der Europawahl 2014 genauso hoch gewesen wie bei der Unterhauswahl 2015 und dass alle Wähler, die UKIP 2014 wählten, aber auch nur die UKIP-Wähler, wählen dann bei der Unterhauswahl 2015 UKIP und keine andere Partei. Damit soll gezeigt werden, dass dadurch die UKIP bei der Unterhauswahl 14,66 Prozent Stimmenanteil bekommen haben würde. Das sind knapp 2 Prozentpunkte mehr als die UKIP bei der Unterhauswahl 2015 tatsächlich erreichte. Unter diesen hypothetischen Bedingungen lässt sich somit nur bei der letzten Unterhauswahl feststellen, dass die Stimmendiskrepanz zwischen diesen beiden Wahlen nicht mehr so gravierend sein würde. Aber bis jetzt konnte die UKIP von Wahl zu Wahl immer ihren Stimmenanteil steigern. Nun könnte theoretisch davon ausgegangen werden, dass fast alle 2014er UKIP-Wähler, die UKIP 2015 bei der Unterhauswahl gewählt haben. Bei den Unterhauswahlen 2001 bis 2010 konnte die UKIP zwar nur um jeweils weniger als fünf Prozentpunkte Stimmen dazugewinnen, jedoch fielen die Stimmensteigerungen von Wahl zu Wahl im Vergleich immer um mindestens über einem höher Drittel aus.

5.2 Wen wählten UKIP-Wähler der Unterhauswahl 2015 bei den Unterhauswahlen 2005 und 2010

Die Basis für die Untersuchung hierfür bilden die Ergebnisse der British Election Study, speziell der Wave 6 of the 2014-2017 BES Internet Panel (post-election wave), die im Mai 2015 nach der Unterhauswahl durchgeführt wurde. Sie enthält die entsprechenden Daten, um zu zeigen, wie die Anhänger der Parteien im Jahr 2015 wählten und welche Parteien die Anhänger der Parteien in den Unterhauswahlen der Jahre 2005 und 2010 wählten. Die Daten gelten für Großbritannien. Es sind die Daten für folgende Parteien angegeben: Conservative, Labour, Liberal Democrats, Scottish National Party (SNP), Plaid Cymru, UKIP, Green Party und British National Party.

Es wird also analysiert, wen die Befragten, die angeben 2015 UKIP gewählt zu haben, in der Unterhauswahl 2010 gewählt zu haben. Die 2015er UKIP-Wähler wählten 2010 nicht zum größten Teil die UKIP sondern die Conservative zu 37,9 Prozent. Es folgen die Liberal Democrats mit 19 Prozent, Labour mit 13,5 Prozent und schließlich die UKIP mit 9,6 Prozent. Zudem wählten 11,3 Prozent der UKIP-Wähler 2010 gar nicht. Nur die Green Party mit 5,6 Prozent und die British National Party mit 9,2 Prozent schnitten in dem Vergleich schlechter ab. Die 2015er Wähler von Consevative, Labour und Liberal Democrats wählten zu jeweils über 60% ihre Parteien auch während der Unterhauswahl 2010. (Vgl. Wave 6 of the 2014-2017 British Election Study 2015a)

Auch beim Vergleich welche Partei die 2015er UKIP-Wähler bei der Unterhauswahl 2005 wählten, zeigt sich, dass nur fünf Prozent von den 2015er UKIP-Wählern im Jahr 2005 der UKIP ihre Stimmen gaben. Sie wählten am meisten mit 31,1 Prozent die Conservative, gefolgt von Labour mit 24,5 Prozent und Liberal Democrats mit 13,1 Prozent. Die UKIP ist in dieser Kategorie am schwächsten von allen in den Daten angegeben Parteien. Die Wähler von Conservative, Labour und Liberal Democrats haben, wie schon 2010, zu mindestens 55 Prozent ihre Partei auch schon bei der Unterhauswahl 2005 gewählt. (Vgl Wave 6 of the 2014-2017 British Election Study 2015b)

Zusammengefasst wird erkannt: Die UKIP-Wähler 2015 wählten in den beiden vorherigen Unterhauswahlen noch nicht UKIP. Sie wählten mit relativer Mehrheit 2010 und 2005 Conservative und als zweites Labour.

5.3 UKIP-Wähler Europawahl 2009: Wen planen sie bei der Unterhauswahl zu wählen?

Die UKIP erreichte bei der Europaparlamentswahl 2009 16,5 Prozent. Für die Wähleranalyse wird hierbei die Analyse von Yougov genutzt. Es wurde auch erfragt, wem die Wähler, die bei der Europaparlamentswahl die UKIP wählen wollen, bei der nächsten Unterhauswahl ihre Stimme geben würden. Es zeigt sich, dass knapp die Hälfte der UKIP-Wähler auch bei der Unterhauswahl UKIP wählen wollen. Die übrigen wollen zu 38 Prozent Conservative, zu sechs Prozent die Liberal Democrats, zu fünf Prozent Labour und zu vier Prozent andere Parteien wählen. Die Europaparlamentswähler der Liberal Democrats, Labour und Conservative wollen jeweils zu mindestens 85 Prozent die gleiche Partei sowohl bei der Europawahl als auch bei der Unterhauswahl wählen. (Vgl. YouGov 2009) Zusammenfassend lässt sich eine Nähe zu der Conservative feststellen. Die UKIP-Wähler sind EU-skeptisch und wollen dies durch ihre Wahl ausdrücken. Aber es muss auch festgehalten werden, dass zu der Zeit die Regierung in Großbritannien unpopulär war und dass sich das auf das Wahlergebnis dieser Europaparlamentswahl ausgewirkt hat (vgl. Kellner 2009: 478).

5.4 UKIP-Wähler der Europawahl 2014: Wen wählten sie bei der Unterhauswahl 2015?

Abbildung 1 visualisiert die Wählerwanderungen zur UKIP. Im Unterschied zum vorherigen Teilkapitel wird hier gezeigt, wen die UKIP-Wähler der Europaparlamentswahl 2014 bei den Unterhauswahlen der Jahre 2005 und 2010 in England und Wales wählten. Es zeigt sich, die Hälfte der 2014er UKIP-Wähler wählten 2010 die Conservative, an zweiter Stelle kommen hierbei die Liberal Democrats mit 18 Prozent, an dritter Stelle die Labour Party mit 15 Prozent und erst an vierter Stelle die UKIP mit zehn Prozent (vgl. Ashcraft Polls 2014). Aber nur sofern von der Rangliste nach den Parteien ausgegangen wird, ansonsten sind an vierter Stelle die Nichtwähler. (Vgl. Abbildung 1) Des Weiteren zeigt Abbildung 1, dass über ein Viertel der UKIP-Wähler 2014, die 2010 Conservative wählten, 2005 nicht Conservative wählten. Die 2010er Wähler der Conservative wählten 2005 meistens auch die Conservative, als zweites Labour, gefolgt von den Liberal Democrats und den 2005er Nichtwählern. Des Weiteren verliert Labour von der 2005er auf die 2010er Unterhauswahl auch einen ähnlich großen Teil der 2014er UKIP-Wähler an die Conservatives und an die Liberal Democrats. Die UKIP-Wähler, die 2005 die Liberal Democrats wählten verloren von 2005 auf 2010 knapp die Hälfte ihrer 2014er UKIP-Wähler an andere Parteien. Dabei wanderten die meisten von ihnen zu Conservative. Jedoch gab es 2010 mehr Wähler der Liberal Democrats, die 2014 UKIP wählten, als 2005, da die Liberal Democrats viele weitere Stimmen von anderen Parteien und den Nichtwählern bekamen, die 2014 UKIP wählten. Am meisten Stimmen bekamen sie von Labour, gefolgt von Conservative und Nichtwählern. (Vgl Abbildung 1)

Abbildung 1: „Pathways to UKIP“ - Wählerwanderung zur UKIP in England und Wales
(
Darstellung aus Evans/Mellon 2015: 6, Datengrundlage: BES 2009, BES 2011, BES third wave
2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6 Untersuchung der UKIP-Wähler

6.1 UKIP-Wähler der Europaparlamentswahl 2009

Die UKIP Wähler der Europaparlamentswahl 2009 waren mehrheitlich männlich (55 Prozent) und durchschnittlich älter als die übrigen Wähler. Die Hälfte der UKIP-Wähler war über 55 Jahre alt, bei den übrigen Wählern war es ein Drittel.

Die meisten UKIP-Wähler der Europawahl (69 Prozent), wählten die UKIP, um ihre Meinung über die Beziehung Großbritanniens und der EU zu zeigen. Die Durchschnittswerte dafür waren bei 35 Prozent. Von den UKIP-Wählern sahen 21 Prozent es als Hauptgrund an, den Blick auf die Politikprozesse Großbritanniens zu werfen (Durchschnitt aller Wähler: 30 Prozent). Ihre Partei sahen die UKIP-Wähler zu 46 Prozent als rechts und zu zehn Prozent als links sowie zu 23 Prozent als zentral. UKIP-Wähler wollten auch überdurchschnittlich, dass der Nationalstaat Handelsbeziehungen mit dem außereuropäischen Rest der Welt, Umweltschutzpolitik und Immigrationspolitik selbst übernimmt, anstatt es der EU zu überlassen. (Vgl. Yougov 2009)

Es fällt auf, dass UKIP-Wähler im Allgemeinen unzufriedener als die übrigen Wähler sind. Das zeigt sich daran, dass sie u.a. mehrheitlich unzufrieden mit dem Geld sind, das sie haben, um komfortabel leben zu können. 42 Prozent der UKIP Wähler denken, dass sie einen schlechteren Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen haben, der Durchschnitt liegt bei 33 Prozent. Zudem denken 28 Prozent der UKIP-Wähler, sie haben nicht genug Möglichkeiten, um die Lebensqualität ihrer Familie in Zukunft zu steigern. Der Durchschnitt der Befragten liegt hierbei bei 41 Prozent. Außerdem denken 63 Prozent der UKIP-Wähler, Weiße würden unfair behandelt werden, während im Durschnitt der Wähler nur 40 Prozent dieser Meinung sind. UKIP-Wähler denken auch, dass überdurchschnittlich oft Menschen mit nichtweißer Hautfarbe, Muslime und Homosexuelle bevorzugt behandelt werden. (Vgl. Yougov 2009).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Differenz der Wahlergebnisse zwischen einem Verhältniswahl- und Mehrheitswahlsystem in Großbritannien am Beispiel der United Kingdom Independence Party (UKIP) und Analyse der UKIP-Wähler
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar Politische Systeme: Wahlrecht und Wahlsysteme im internationalen Vergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V374308
ISBN (eBook)
9783668518728
ISBN (Buch)
9783668518735
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlsystem Großbritannien, Wahlsysteme, UKIO, Mehrheitswahlrecht, Verhältniswahlrecht, Rechtspopulismus, EU, Europaparlament
Arbeit zitieren
Martin Hofmann (Autor), 2016, Differenz der Wahlergebnisse zwischen einem Verhältniswahl- und Mehrheitswahlsystem in Großbritannien am Beispiel der United Kingdom Independence Party (UKIP) und Analyse der UKIP-Wähler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374308

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