Rekonstruktion der sozialen Theorie nach Karl Marx


Hausarbeit, 1999

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Klassenbegriff

2. Die Klassentheorie

3.1 Das Manifest der Kommunistischen Partei
3.2 Kritik am Kommunistischen Manifest

4.1 Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
4.2 Kritik am achtzehnten Brumaire

5. Zusammenfassung

Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit der sozialen Theorie von Karl Marx auseinandersetzen.

Dabei werde ich mich in erster Linie auf Texte von Karl Marx berufen, nicht auf die von Friedrich Engels, obwohl die Theorien von beiden entwickelt wurden.

Ich werde auch nicht im Einzelnen auf die historischen Ereignisse eingehen, weil diese nur hintergründig für meine Arbeit von Nutzen sind.

Vorrangig versuche ich mich auf die Darstellung von sozialen Gruppen und nicht auf die von Individuen zu beschränken, um damit Marx' soziale Theorien rekonstruieren zu können.

Ich werde im Folgenden so vorgehen, daß ich durch das Heranziehen diverser Autoren das Denken Marx' beschreibe und auch die Kritik dieser Autoren äußere.

Die dann formulierte Theorie von Marx wende ich in Bezug auf zwei seiner Werke - das Kommunistische Manifest und den Achtzehnten Brumaire- an und bringe auch hier wieder die Meinungen anderer Autoren zum Ausdruck. Dabei möchte ich mich mit der Frage befassen, warum und inwiefern Marx seine Theorie ändert.

Zum Abschluß dieser Arbeit nehme ich selbst Stellung zur sozialen Theorie von Karl Marx.

Zum Ziel habe ich es mir gemacht, in einer übersichtlichen Darstellung die soziale Theorie von Karl Marx zu rekonstruieren, ohne dabei zu ausschweifend zu werden. Ich versuche, kurz und prägnant verschiedene Aspekte der Klassentheorie zusammenzutragen und diese dann zu bewerten.

1. Der Klassenbegriff

Schon in meiner Einleitung erwähne ich den Begriff der "Klasse". Bevor ich jedoch die Theorien von Marx formulieren kann, muß zuerst der Begriff der Klasse erläutert werden.

Anton Pannekoek ist der Meinung, daß die Produktion der materiellen Bedürfnisse, die jeder Mensch hat, den Ursprung einer Klasse festlegen. Weil sich die Produktionsmethoden mit der Weiterentwicklung des Werkzeugs gleichmäßig weiterentwickeln, entstehen auch neue soziale Beziehungen und Institutionen und somit soziale Klassen. Nach Pannekoek ist das Werkzeug also der Treibstoff für jede soziale Entwicklung (Pannekoek 1912: 1ff.).

Auch Hoevels geht davon aus, daß die Produktionsmittel ausschlaggebend sind für die Entstehung einer Klasse: bei Marx stellen Adel und Großbürgertum die kapitalistischen Machtträger dar, weil sie die Produktionsmittel besitzen. Durch die Notwendigkeit, einen einheitlichen Namen für eben diese Machtträger zu finden, entsteht der Begriff der "Klasse" (Hoevels 1999: 2).

Calvez versucht mit Marx' Worten, eine Klasse zu definieren: "Die Klassen sind besondere soziale Gruppen; zu ihnen gehören diese oder jene Menschen, gemäß bestimmter Eigenschaften ihrer menschlichen Existenz allein. Die Menschen identifizieren sich mit ihrer Klasse, die dennoch nur einen Teil dessen verkörpert, was sie als Menschen sind: so verlieren sie einen guten Teil des menschlichen Wesens, da dieser Teil mit einer anderen Klasse identifiziert wird." (Calvez 1964: 167). Ein Mensch muß also besondere Eigenschaften mitbringen, um einer Klasse anzugehören. Verschiedene Charakteristika werden in verschiedene Kategorien eingeteilt; die Menschen werden klassifiziert. Calvez spricht in seiner Definition das Problem dieser Klassifizierung an: die Schwierigkeit, Maßstäbe zu finden, die eine Person in eine soziale Klasse hineinbefördern können.

Auch Kolakowski sieht ein Problem: Er vertritt Kautskys Ansicht, daß die "Klasse" ein polarer Begriff sein müsse; denn eine Klasse kann nur existieren, solange sich eine andere im Gegensatz zu ihr befindet (Kolakowski 1977: 399).

Doch welche Klassen gibt es? Was macht sie zu dem, was sie sind? Wie äußert sich ein Gegensatz zwischen den Klassen?

Das sind Fragen, die im Folgenden geklärt werden sollen.

2. Die Klassentheorie

Geht man davon aus, daß die "Klasse" nur im Gegensatz zu einer anderen Klasse existieren kann, stellt sich die Frage, wie ein solcher Gegensatz aussehen mag.

Pannekoek greift in seiner Schrift "Marxism and Darwinism" immer wieder auf den Vergleich von Menschen mit dem Tierreich zurück. Ein im Sozialverband lebendes Tier genießt die Gruppenstärke und erringt somit einen Vorteil im Kampf um die Existenz. Pannekoek bringt zum Ausdruck, daß eine Gruppe mit besser entwickeltem sozialen Instinkt einen solchen Kampf gewinnen und folglich die Herrschaft über ein Gebiet übernehmen könne.

Übertragen auf den Menschen hieße das also, daß sich Personen gleicher "Rasse" - im Sinne von Standeszugehörigkeit, bzw. Klasse- zusammenschließen, um ihre Existenz zu sichern. Eine der wenigstens zwei Klassen übernimmt die Herrschaft, die andere (oder die anderen ) werden zu Beherrschten.

Hoevels definiert die Herrschaft als "die institutionalisierte Macht, Befehle auszugeben und zur Durchführung zu bringen" (Hoevels 1999: 2). Daß sich die Herrschenden auf Kosten ihrer Untertanen Vorteile verschaffen, gibt den Beherrschten einen Grund, die Herrscher zu bekämpfen; ein Konflikt ist entfacht.

"Die geschichtlich existierende Gesellschaft wird gekennzeichnet durch den Gegensatz der Klassen und durch deren Kampf." (Calvez 1964: 168). Der Kampf der Klassen scheint also das Phänomen zu sein, daß die Untersuchung und die Aufstellung einer sozialen Theorie für so viele Denker reizvoll macht. Zumindest scheint es der Kampf zu sein, der das Leben in den Klassen bestimmt und das Leben eines Involvierten definiert.

Warum nun müssen die Klassen überhaupt gegeneinander um ihre Existenz kämpfen; was sind die Gründe, die ein friedliches Nebeneinander unmöglich machen?

Dazu erklärt Hamilton, daß die Geschichte in verschiedene Epochen geteilt ist, jede wiederum mit dominanten und untergeordneten Klassen. Die dominante Klasse - die Herrscher also- besitzen die Produktionsmittel und haben somit die untergeordnete Klasse in ihrer Gewalt. Eine Änderung in dieser Macht- und gleichzeitig Besitzverteilung kann laut Hamilton nur durch einen revolutionären Kampf erfolgen (Hamilton 1991: 5). Danach werden neue Gesetze und Institutionen im Sinne der neuen herrschenden Klasse gebildet, was erneut zu einem Kampf führen müsste.

Allgemein läßt sich feststellen: es gibt immer eine herrschende Klasse, die Produktionsmittel besitzt, für Gesetze und Institutionen verantwortlich ist und das Leben einer oder mehreren andern Klassen automatisch bestimmt.

Das ist auch die Ansicht, die Marx vertritt.

Marx geht von dem Mensch aus, der nicht nur Produkte zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse herstellt, sondern auch Formen von sozialer Beziehung produziert: "Man does not only produce the means for his physical existence, he creates at the same time, in a single process, a whole form of society." (Bottomore 1984: 34). Marx selbst gibt zwar keine scharfe Definition des Begriffs "Klasse", aber immer beschreibt die Klassenzugehörigkeit die Position eines Menschen im ökonomischen System. Für ihn gibt es den Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft und sein Gegenstück, den Kapitalisten, der die Gewinne bezieht (Calvez 1964: 177). Kriterien zur Einteilung in eine Klasse wäre also z. B. die Verfügungsgewalt über Produktionsmittel. Das spaltet ein Volk auf der einen Seite in Grundeigentümer und Kapitalisten und auf der anderen Seite in Lohnarbeiter. Die Gesellschaft bricht nach diesem Kriterium zu Arbeiter und Kapitalist entzwei, "beide miteinander im Krieg, wobei der eine seine rebellischen produktiven Kräfte, der andere die unmenschliche Macht verkörpert" (Tucker 1963: 188).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Rekonstruktion der sozialen Theorie nach Karl Marx
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Karl Marx
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V37431
ISBN (eBook)
9783638367769
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rekonstruktion, Theorie, Karl, Marx
Arbeit zitieren
Andrea Bernhardt (Autor), 1999, Rekonstruktion der sozialen Theorie nach Karl Marx, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37431

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