Die Fotos von Mario Testino. Zwischen Glamour, Körperkult und Geschlechterrolle


Hausarbeit, 2016

33 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1
1 Einleitung
Schon seit vielen Jahren ist der Künstler Mario Testino als erfolgreicher Mode- und Por-
traitfotografen tätig und kann auf zahlreiche Kooperationen mit einzigartigen Models, Mo-
dehäusern und Motiven zurückblicken, die seinen Werdegang und sein heutiges Werk
deutlich geprägt haben. Dabei blieb er bis dato stets seinem eigenen Stil treu und machte
sich den ,,luxuriösen Realismus"
1
zu dem Markenzeichen seiner Fotografie. Die folgende
Hausarbeit thematisiert das Schaffen und einzelne Auszüge der Arbeit des Mode- und Por-
traitfotografen Mario Testino und soll in diesem Zusammenhang herausstellen, inwiefern
er es schafft seine Fotografien im Sinne des ,,luxuriösen Realismus"
2
umzusetzen und da-
bei Glamour und Realität vereint. Zunächst behandelt der Bereich der Biographie Mario
Testinos Leben als auch seine Karriere. Darüber hinaus sind die Inspirationen sowie die
Entwicklung seiner Bildsprache Teil dieser Arbeit. Des Weiteren liegt der Fokus auf ein-
zelnen ausgewählten Werken, die besonders ausdrucksstark seine künstlerische Aussage
vermitteln, und auf den gestalterischen Mitteln, anhand dieser er seine Vorstellungen in die
Tat umsetzt. Innerhalb der Analyse bestimmter Bilder Testinos werden auch gesellschaftli-
che Themen und die Darstellung der Mode beleuchtet. Letztlich fasst ein Fazit die Haupt-
aspekte des Schaffens Testinos zusammen und gibt die Ergebnisse dieser Ausarbeitung
wieder.
2 Biographie
Der Fotograf Mario Testino (Abbildung 1) wurde im Jahr 1954 in der peruanischen Haupt-
stadt Lima geboren. Er wuchs innerhalb einer traditionell katholischen Familie auf und
verbrachte dort seine Jugend bis er 1976 nach London umzog. In London absolvierte er
eine Ausbildung in dem Fotostudio von John Vickers und Paul Nugent und studierte zu-
dem Fotografie. Das Jahr 1983 steht für seine ersten Arbeiten, die er in Zusammenarbeit
mit dem Modemagazin Vogue veröffentlichte. 12 Jahre später erfolgte dann sein Durch-
bruch durch die Anfertigung einer Herbst / Winter Kampagne mit der Popsängerin Ma-
donna als Testimonial für das Modehaus Atelier Versace. Im Abstand von zwei Jahren
1
Nordholt (2011)
2
Nordholt (2011)

2
erfolgte ein weiterer Meilenstein für seine Karriere im Jahr 1997: Er erhielt die große
Chance Diana, Princess of Wales, für das Magazin Vanity Fair abzulichten. 2007 gründete
er MARIOTESTINO+, ein Team aus mehreren Mitarbeitern, die seinen Kunden eine um-
fassende, kreative Leistung bereitstellen. Neben seiner schöpferischen Leistung als Foto-
graf engagiert er sich auch sozial und hat im Jahr 2012 ein gemeinnütziges Museum mit
dem Namen ,,MATE ­ Museo Mario Testino" in Lima ins Leben gerufen, das peruanische
Künstler als auch die Kultur seiner Heimat in den Mittelpunkt stellt. Ein weiterer Höhe-
punkt seines Schaffens geschah 2013 als er einen Orden des britischen Königreichs erhielt
in Anerkennung für seine fotografische als auch soziale Leistung.
3
Sein Werk zeichnet sich
durch eine Vielfalt unterschiedlicher Kunden aus wie zum Beispiel Modehäuser und Kos-
metikmarken wie Gucci, Burberry, Versace, Michael Kors, Chanel, Estée Lauder und
3
Vgl. Mario Testino (2015a)
Abbildung 1: Porträt Mario Testino , Datum unbekannt (Foto: Fotograf unbekannt)
[Abb. für diese Veröffentlichung entfernt.]

3
Lancôme. Außerdem kann er auf eine Zusammenarbeit mit namenhaften Magazinen wie
Vogue, V Magazine oder Vanity Fair zurückblicken. Seine Fotografien bilden Motive wie
erstklassige Prominente oder Supermodels ab, aber auch beeindruckende Landschaften, die
ihm auf seinen Reisen begegnen.
4
3 Entfaltung seiner Arbeit
3.1 Inspirationsquellen
Testinos kreativer Ausdruck orientiert sich an unterschiedlichsten Einflüssen wie bei-
spielsweise an Werken bekannter Fotografen oder Städten, die ihn in seinem Leben ge-
prägt haben. Zum Anfang seiner Laufbahn in London spricht er von den Bildern von David
Bailey, Helmut Newton und Oliver Toscani. Sie kreierten Szenen und kleine Welten in
ihren Fotografien, die Testino stark beeindruckten. Er wollte es ihnen gleichtun und fand
darüber hinaus den Fotografen Cecil Beaton als besonders wegweisend und sagte: ,,Er hat-
te alles das, was ich nicht hatte, als ich nach England kam, und alles das, was ich lernen
wollte."
5
Somit wird hier deutlich, dass Mario Testino zum Anfang seiner Karriere als er
nach London kam, um Fotografie zu studieren, stark von Cecil Beaton inspiriert wurde und
heute erklärt Mario Testino ihn neben den Einflüssen von Irving Penn und Richard Avedon
als besonders richtungsweisend für seinen Weg in der Fotografie.
6
Wie schon zuvor erwähnt, sind es auch verschiedene Städte und Länder, dessen Merkmale
wie das Leben, die Kultur und die Atmosphäre vor Ort, die sich in vielen seiner Werke
wiederfinden lassen. Deutlich wird oft sein Bezug zu den Städten Rio und Berlin als auch
zu seinem Heimatland Peru. Testino selbst sagt aus, dass er die Stadt Rio schon besucht
seitdem er 14 Jahre alt ist. Typische Charakteristika wie das Leben, den Strand und die
nackten Körper setzt er gezielt in seiner Tätigkeit um.
7
Zu Berlin hat er ebenfalls einen
4
Vgl. MARIO TESTINO (2015)
5
Vgl. Siemens (2008), S. 8.
6
Vgl. Christmann (2010)
7
Vgl. Griese (2014a)

4
sehr persönlichen Bezug, ausgelöst durch seinen ersten Besuch Berlins 1994 als er an ei-
nem Projekt für die französische Vogue arbeitete. Es war die Zeit kurz nach dem Mauerfall
in Deutschland. Eine besondere Stimmung herrschte, die Testino als ein ,,überwältigendes
Gefühl vom Neuanfang und Heilung" beschrieben hat. Berlin befand sich im Umbruch und
in einem großen Maße wurden neue Häuser gebaut. Darauf aufbauend sah er Berlin damals
schon als Anlaufstelle für Künstler und Kreative und war fasziniert von Berlins Sinn von
Freiheit. In dieser Stadt ist demnach alles erlaubt und der Mensch kann sich selbst auspro-
bieren und ohne Einschränkungen neue Erfahrungen sammeln. Auch auf Mario Testinos
Person selbst hat Berlin stark eingewirkt, denn sie hat ihn zu einer offenen Lebenseinstel-
lung verholfen, frei von einschränkenden Konventionen. Das folgende Zitat fasst seine
positive Einstellung gegenüber der Stadt und den Einfluss auf sein eigenes Wirken zu-
sammen: ,,Berlin ist einer der amüsantesten, klügsten, freiesten, lässigsten, neugierigsten
und treuesten Orte, die ich kenne".
8
Testinos starke Bindung zu Berlin hat ihn auch dazu
veranlasst, die Ausstellung ,,Mario Testino: In your Face" im Zeitraum des 20. Januars bis
zum 26. Juli 2015 in der Kunstbibliothek im Berliner Kulturforum in Berlin stattfinden zu
lassen.
Nicht außer Acht zu lassen ist auch sein Heimatland Peru. Seine Kindheit und Jugend ver-
brachte er in diesem Land voller Energie und Lebensfreude. Merkmale wie Eleganz und
Schönheit, die maßgebend für seinen fotografischen Stil sind, fanden hier seinen Ursprung
­ ausgelöst durch die teure und prächtige Kleidung seiner damaligen Schulfreunde.
9
3.2 Testinos Bildsprache damals und heute
Im Laufe der Zeit hat sich Mario Testinos Fotografiestil weiterentwickelt und seine ästhe-
tische Vorstellung ist nicht mehr vergleichbar mit seiner damaligen Ansicht. Frühere Bil-
der beschreibt er als oberflächlich und als inszenierte Darstellung reiner Schönheit ohne
das Ziel die Realität zu vermitteln. Dies kam häufig zum Ausdruck durch die Abbildung
prominenter Gesichter. Doch heute sagt er selbst, dass seine Bildsprache erwachsen ge-
8
Vgl. Testino (2015)
9
Vgl. Griese (2014a)

5
worden ist. Er möchte mehr in die Tiefe gehen und vermehrt realistische Bilder erstellen.
Sein neuer künstlerischer Anspruch gibt sich nicht mit Banalität zufrieden und hat das Be-
dürfnis danach mehr zu vermitteln als das was die Allgemeinheit als schön empfindet.
10
Die beiden folgenden Abbildungen 1 und 2 heben diese Veränderung stark hervor. Abbil-
dung 1 zeigt eine Strandszene in Rio de Janeiro voller Spaß und Lebensenergie, die im
Jahr 1997 für die amerikanische Vogue mit dem Model Amber Valetta in der Hauptrolle
fotografiert wurde. Im Hintergrund sieht man die Natur Rios anhand von hohen Bergen
und grüner Landschaft. Der Mittelpunkt präsentiert die Stadt Rio mit Büro- und Hotelge-
bäuden. Vor den Häusern sind Ausschnitte des Strandes und des Meeres zu sehen. Im Vor-
dergrund sieht der Betrachter eine Frau umgeben von 9 Männern. Sie ist steht eindeutig im
Mittelpunkt und streckt ihre Arme in die Luft und lacht dabei. Die Männer strahlen eben-
falls Freude aus, indem sie lachen und klatschen. Dabei wenden sie ihre Blicke dem weib-
lichen Model zu. Testino vermittelt in diesem Bild Spaß und Lebensfreude. Die Schönheit
des Lebens steht im Vordergrund und wird durch die strahlenden Gesichter als auch die
gebräunten und trainierten Körper versinnbildlicht. Die Abbildung 2 ist acht Jahre später
im Jahr 2005 anlässlich eines Auftrages für das Modemagazin V Magazine mit dem männ-
lichen Model Eugen Bauers entstanden. Hier ist die nun erwachsen gewordene Bildsprache
Testinos unverkennbar. Die Oberflächlichkeit, die Abbildung 2 impliziert hat, wird hier
klar durchbrochen. Der Fokus liegt auf dem Po des männlichen Models, das eine pinke
Unterhose trägt und mit seinen Händen diese provokant nach oben zieht, um einen Groß-
teil des haarigen Hintern zu entblößen. Testino fokussiert hierbei mehr das behaarte Gesäß
des Mannes als das Model selbst, da er die Realität darstellen möchte und daher bewusst
auf eine perfekte Abbildung eines glatten Körpers ohne Makel verzichtet.
10
Vgl. Siemens (2008), S. 6

6
Abb. 2: Amber Valetta, Rio de Janeiro, American Vogue, 1997 (Foto: Mario Testino)
Abb. 3: Eugen Bauers, Los Angeles, V Magazine, 2005 (Foto: Mario Testino)

7
4 Charakterisierung des Fotografiestils von Mario Testino
4.1 Künstlerische Aussage
Der Stil des Mode- und Portraitfotografen Mario Testino ist unverwechselbar und einzigar-
tig. Im Folgenden werden drei Zitate vorgestellt, die unterstreichen was ihn und seine
künstlerische Aussage charakterisieren: ,,Mein Anspruch ist es, die Menschen, die ich fo-
tografiere, dazu zu bringen, mir etwas zu geben, was sie niemanden sonst überlassen wür-
den."
11
(Mario Testino) Dieses Zitat legt seine Konzentration auf die Persönlichkeit seines
Motivs und macht deutlich, dass seine Fotografien sehr intime als auch private Momente
festhalten, die deshalb authentisch wirken. Ein weiteres Zitat knüpft hieran an und stammt
von der Redakteurin Suzy Menkes der amerikanischen Vogue: ,,Testino's skill is first and
foremost to catch the moment and to bring out the humanity in his subjects."
12
(Suzy Men-
kes, Vogue's International Editor) Die schon zuvor angesprochene Herausarbeitung der
Persönlichkeit als auch Authentizität in Testinos Bildern wird hier nochmal aufgegriffen
und verdeutlicht seine Fähigkeit einen einzigartigen oft spontanen Moment festzuhalten,
der das Model als Mensch darstellt und nicht als Objekt. Zuletzt äußerte sich auch die Ver-
legerin und Freundin Testinos, Angelika Taschen, zu seinem Fotografiestil: ,,Mario Testi-
no baut Nähe auf, ohne zu verletzen."
13
(Verlegerin Angelika Taschen) Angelika Taschen
bezieht sich hierbei auf die besondere Stimmung die stets in seinen Fotostudios herrscht.
Er ist bekannt dafür eine offene und intime Atmosphäre zu erschaffen, wodurch sich seine
Models wohlfühlen und selbstbewusst auftreten.
14
Ein Meisterwerk, welches die genannten Aspekte alle vereint ist die Fotostrecke aus dem
Jahr 1997 mit Diana, Princess of Wales, die Testino damals in London für die Vanity Fair
anfertigte. Diese Schwarz-Weiß Fotografie gilt als eine der wichtigsten Arbeiten seiner
Karriere. Zu sehen ist die ehemalige, britische Prinzessin Diana, die sich damals selbst für
11
Testino, zitiert nach Siemens (2008), S. 10
12
Menkes (2015a)
13
Taschen, zitiert nach: Griese (2014a)
14
Vgl. MARIO TESTINO (2015)
Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Fotos von Mario Testino. Zwischen Glamour, Körperkult und Geschlechterrolle
Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Autor
Jahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V374373
ISBN (eBook)
9783668529557
ISBN (Buch)
9783668529564
Dateigröße
1115 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fotos, mario, testino, zwischen, glamour, körperkult, geschlechterrolle
Arbeit zitieren
Konstantin Kröber (Autor), 2016, Die Fotos von Mario Testino. Zwischen Glamour, Körperkult und Geschlechterrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374373

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Fotos von Mario Testino. Zwischen Glamour, Körperkult und Geschlechterrolle



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden