Bargeldloser Zahlungsverkehr. Die Abschaffung von Bargeld in modernen Volkswirtschaften

Chancen und Risiken


Bachelorarbeit, 2017
56 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Geldtheoretische Grundlagen
2.1 Funktionen des Geldes
2.2 Bargeld und Giralgeld
2.3 Geldschöpfungsprozess
2.4 Die Theorie der Zentralbanken
2.5 Der Transmissionsmechanismus einer geldpolitischen Maßnahme
2.6 Bargeldlose Zahlungsmittel und Bargeldnutzung im internationalen Vergleich

3. Chancen eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs
3.1 Kostensenkungspotenzial
3.2 Bekämpfung der Schattenwirtschaft und des illegalen Zahlungsverkehrs
3.3 Reduzierung des Risikos eines Bankensturms
3.4 Realisierung negativer Zinsen als geldpolitisches Instrument

4. Risiken eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs
4.1 Pain of Paying
4.2 Arme und alte Menschen als Leidtragende
4.3 Alternative Zahlungsmittel als unzureichendes Substitut für Bargeld
4.4 Bargeldabschaffung als Eingriff in die freiheitliche Grundordnung

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Elektronische Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet im November 2014

Abbildung 2: Expansive Geldpolitik im IS-LM-Diagramm

Abbildung 3: Bargeldhaltung pro Person in verschiedenen Volkswirtschaften

Abbildung 4: Gesamtwert aller Banknoten der Eurozone (in Tausend Euro)

Abbildung 5: Barzahlungsquoten als Indikator für die Größe einer Schattenwirtschaft

Abbildung 6: Häufige Bargeldnutzung und Korruption im öffentlichen Sektor

Abbildung 7: Kosten der Terroranschläge der letzten 20 Jahre in Europa

Abbildung 8: Entwicklung des HVPI in Deutschland und der Euro-Zone

Abbildung 9: Euro-Sichteinlagen bei Banken und deren Zinssätze

Abbildung 10: Verwendung von Zahlungsinstrumenten nach Nettoeinkommen 2014

Abbildung 11: Verwendung von Zahlungsinstrumenten nach Altersklassen 2014

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die Funktionen des Geldes im Überblick

Tabelle 2: Vergleich zwischen Bargeld und Giralgeld bzw. Buchgeld

Tabelle 3: Zinssätze der EZB seit Oktober 2008

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Mit der Verkündung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Herstellung und Ausgabe der 500-Euro-Banknote gegen Ende des Jahres 2018 dauerhaft einzustellen, ist die Diskussion um eine mögliche Abschaffung von Bargeld endgültig in der Euro-Zone angekommen.[1] Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat in einem seiner Monatsberichte eine gesetzliche Begrenzung von Bargeldzahlungen empfohlen, mit der Begründung, das Risiko der Geldwäsche zu minimieren. Diesbezüglich wurde bereits ein Prüfauftrag des Finanzministerrats der EU (ECOFIN) an die EU-Kommission erteilt, ob ein EU-weit einheitlicher Höchstbetrag für Bargeldzahlungen notwendig ist.[2] Kritiker der Beschränkungen von Bargeldzahlungen sehen dies bereits als den Beginn einer vollständigen Bargeldabschaffung im Euro-Währungsraum an.

Eine Reihe von europäischen Ländern hat den Bargeldverkehr bereits eingeschränkt oder plant, ihn zukünftig zu begrenzen. Die dänische Notenbank beispielsweise produziert seit 2017 mangels Nachfrage keine Banknoten mehr.[3] In Italien und Frankreich sind Barzahlungen nur noch bis 1.000 Euro gesetzlich erlaubt. Kampagnen zur vollständigen Bargeldabschaffung werden in Schweden seitens der Gewerkschaft für Finanzdienstleister gefahren, mit Slogans wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma – und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.[4] Von 2008 bis 2016 hat sich dort der Bargeldbestand von 112 Milliarden Schwedischen Kronen auf unter 66 Milliarden fast halbiert.[5] Deutschland ist eine der wenigen modernen Volkswirtschaften, das über keine Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen verfügt. Allerdings hat die Bundesregierung im Februar 2016 angekündigt, eine Bargeldobergrenze, wie es sie in Italien und Frankreich gibt, einführen zu wollen.[6] Auch in den USA wird bereits über die Abschaffung bestimmter Banknoten diskutiert. Vorgeschlagen wurde sogar ein Verzicht auf die 100-Dollar-Banknote, da sie u. a. das bevorzugte Zahlungsmittel für illegale Aktivitäten darstellt.[7] Jedoch nicht nur westliche Industrienationen reduzieren den Bargeldgebrauch, auch Regierungen von Schwellenländern beschränken den baren Zahlungsverkehr. So hat die indische Regierung im November 2016 die damals im Umlauf befindlichen 500- und 1.000-Rupien-Noten für ungültig erklären lassen, mit dem Ziel, der weit verbreiteten Korruption und Steuerhinterziehung entgegenzuwirken. Die ungültigen Banknoten konnten bis Ende Dezember in neue umgetauscht werden. Mit dieser Verkündung wurden 86 Prozent des indischen Bargelds schlagartig entwertet.[8]

Ein verändertes Kauf- und Zahlungsverhalten befeuert die Forderungen nach einer Bargeldabschaffung. Der technologische Fortschritt der jüngsten Zeit hat diverse Zahlungsinnovationen hervorgebracht. Große Internetkonzerne, wie Apple, Google, Amazon, Facebook oder Paypal, wollen den privaten Zahlungsverkehr der Zukunft bestimmen. Deren Ziel ist es, bestehende Zahlungsmittel durch mobile Zahlungssysteme, die das Bezahlen per Smartphone ermöglichen, zu ersetzen. Doch nicht nur innovative Zahlungsdienstleister, Banken oder Politiker treten für eine Bargeldabschaffung ein. Auch Ökonomen, wie Peter Bofinger, Kenneth Rogoff oder Larry Summers appellieren an die Regierungen westlicher Industrienationen, das Bargeld abzuschaffen. Neben dem oft angeführten Argument der Bekämpfung von Kriminalität und Drogenhandel bringen die Ökonomen auch andere Gründe hervor. Allen voran sehen sie sinkende Kosten durch Vereinfachungen im Zahlungsverkehr sowie eine noch effektivere expansive Geldpolitik als Pluspunkte eines Bargeldverzichts.[9]

Diese Arbeit setzt sich mit den Chancen und Risiken eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs in modernen Volkswirtschaften auseinander. In der breiten Öffentlichkeit werden als Argumente fast ausschließlich die politischen Gründe der Kriminalitätsbekämpfung genannt. Jedoch existieren weit mehr Motive, Bargeld abzuschaffen. Zugleich gibt es negative Aspekte, die mit einer Bargeldabschaffung einhergehen. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema ist notwendig, da eine Bargeldabschaffung weit mehr Folgen hat, als die Politik meist vorgibt. Das Thema erweist sich als äußerst komplex, weil Bargeld ein Teil der allgemeinen Vorstellung eines modernen Staates ist und Zahlungsvorgänge elementar für die Funktionsweise einer Volkswirtschaft sind. Jeder Versuch, bewährte, langandauernde monetäre Konventionen zu ändern, zieht eine Fülle an vielschichtigen Problemen nach sich. Gerade vor dem Hintergrund innovativer Zahlungsinstrumente, welche die Möglichkeiten an elektronischen Zahlungen erweitern, ist es notwendig, die Vor- und Nachteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu analysieren.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit werden in Kapitel zwei geldtheoretische Grundlagen vermittelt. Dazu zählen die Funktionen des Geldes, der Unterschied zwischen Bargeld und Giralgeld und der Geldschöpfungsprozess. Darüber hinaus werden die Theorie der Zentralbanken und der Transmissionsmechanismus einer geldpolitischen Maßnahme erläutert. Die grundlegende Funktionsweise des Transmissionsmechanismus ist für den späteren Verlauf der Arbeit von großer Bedeutung und verschafft dem Leser speziell für das Unterkapitel 3.4 (Realisierung negativer Zinsen als geldpolitisches Instrument) ein besseres Verständnis. Im letzten Teil des zweiten Kapitels werden bargeldlose Zahlungsmittel vorgestellt und die Bargeldnutzung verschiedener Nationen analysiert.

Kapitel drei und vier bilden den inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit und untersuchen Chancen und Risiken, die mit einem bargeldlosen Zahlungsverkehr einhergehen. Dabei legt Kapitel drei die wichtigsten Argumente dar, die für eine Bargeldabschaffung sprechen. Die vier Unterpunkte dieses Kapitels analysieren das Kostensenkungspotenzial, die Bekämpfung der Schattenwirtschaft und des illegalen Zahlungsverkehrs, die Reduzierung des Risikos eines Bankensturms und die Realisierung negativer Zinsen als geldpolitisches Instrument. Jene Punkte sehen Gegner des Bargelds durch eine ausschließliche Verwendung unbarer Zahlungsmittel als realisierbar an.

Die Risiken eines ausschließlich bargeldlosen Zahlungsverkehrs werden in Kapital vier erörtert. Hierbei wird u. a. das Konzept des Pain of Paying vorgestellt und erläutert, inwiefern Personen bei einer Bargeldabschaffung einen Teil ihrer Ausgabenkontrolle einbüßen. Im nächsten Unterpunkt wird erläutert, dass arme und alte Menschen die Leidtragenden einer Abschaffung von Bargeld wären. Des Weiteren wird aufgezeigt, dass aktuelle alternative Zahlungsmittel ein nur unzureichendes Substitut für Bargeld darstellen und eine Bargeldabschaffung ein Eingriff in die freiheitliche Grundordnung ist.

Im fünften und letzten Kapitel werden die markantesten Ergebnisse der Arbeit durch ein Fazit zusammengefasst und eine Schlussbetrachtung vorgenommen.

2. Geldtheoretische Grundlagen

Moderne Volkswirtschaften kennzeichnen sich durch einen hohen Grad an Arbeitsteilung und Spezialisierung. Das Resultat hieraus ist, dass Güter, d. h. Waren und Dienstleistungen, ständig gegeneinander getauscht werden. Ohne die Existenz von Geld wäre man gezwungen, diese Güter direkt zu tauschen. Eine reine Tauschwirtschaft ist jedoch mit enormen Transaktionskosten verbunden, zumal nicht immer ein geeigneter Tauschpartner verfügbar ist. Darüber hinaus muss die Austauschrelation jedes Gutes zu jedem anderen bestimmt werden. Ein rascher Güterhandel ist somit nur unter schweren Bedingungen oder überhaupt nicht möglich.[10] Für eine Volkswirtschaft, die nur aus einer Person besteht, einer sogenannten Robinson Crusoe-Ökonomie, gibt es keinen Anlass, Geld in den Wirtschaftskreislauf einzuführen, da keine Güter getauscht werden. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft hingegen müssen Tauschvorgänge organisiert werden. Naturaltauschgeschäfte, die es im Privatbereich immer noch gibt, sind nicht mehr praktikabel. Durch die Einführung von Geld wird der Güterhandel in einer Volkswirtschaft grundlegend vereinfacht. Veranschaulicht wird dies anhand von drei funktionalen Gründen, die im Folgenden als Funktionen des Geldes vorgestellt werden.[11]

2.1 Funktionen des Geldes

Die Vorteile des Geldes kennzeichnen sich durch drei wesentliche Funktionen. Allerdings benötigt Geld auch bestimmte Eigenschaften, damit diese Funktionen erst erfüllt sind.

Zunächst nimmt Geld eine Tausch- und Zahlungsmittelfunktion ein. Demnach ist Geld ein Tauschmittel, das einen effizienten indirekten Tausch von Waren und Dienstleistungen erlaubt. Das Resultat hieraus sind geringere Informations- und Transaktionskosten. Darüber hinaus wird Geld auch zur Kreditgewährung und Schuldentilgung verwendet, wobei es sich in diesem Fall um Finanztransaktionen und nicht um einen Austausch von Gütern handelt. Gerade durch die Tauschmittelfunktion kann Geld als Zahlungsmittel genutzt werden. Damit diese Zahlungsmittelfunktion gilt, muss jedoch die jeweilige Form des Geldes allgemein akzeptiert werden.[12]

Durch die Einführung von Geld ist es möglich, Güter- und Vermögenswerte in einer allgemeinen Bezugsgröße auszudrücken und dadurch vergleichbar zu machen. Insofern nimmt Geld eine Rechenmittelfunktion bzw. die Funktion eines Wertmaßstabs ein. Es ist somit nicht mehr nötig, die Austauschrelationen aller Güter untereinander festzulegen. Z. B. kommt es bei 100 Gütern, die getauscht werden können, zu 4.950 Austauschrelationen (allgemein: n(n-1)/2 Austauschrelationen bei n Gütern). Mittels der Recheneinheit Geld werden nur noch 100 Preise berücksichtigt und nicht 4.950 Austauschrelationen. Die Voraussetzung dieser Rechenmittelfunktion ist, dass Geld ausreichend teilbar ist.

Zuletzt besitzt Geld die Eigenschaft, haltbar und wertbeständig zu sein. Hieraus ergibt sich eine Wertaufbewahrungsfunktion. Das bedeutet, dass Geldausgabe und Gelderwerb zeitlich auseinanderfallen können. Somit ist es einerseits möglich, Kaufkraft der Gegenwart in die Zukunft zu transformieren, also zu sparen. Andererseits erlaubt es durch Kreditfinanzierung, Kaufkraft der Zukunft in die Gegenwart zu übertragen. Die Voraussetzung der Wertaufbewahrungsfunktion ist, dass Material und Wert des Geldes beständig und stabil sind.[13]

Die folgende Tabelle 1 verschafft einen Überblick zu den drei verschiedenen Geldfunktionen. Darin werden die Kernpunkte der jeweiligen Funktionen nochmals kurz erläutert und die Voraussetzungen, die für die Erfüllung der Funktionen gegeben sein müssen, genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Die Funktionen des Geldes im Überblick

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2015a, S. 10).

2.2 Bargeld und Giralgeld

Bargeld ist sowohl durch Banknoten (Geldscheine), als auch durch Münzen (Hartgeld) im Umlauf. Beide Formen lauten auf einen gewissen Betrag in einer bestimmten Währung. Im Euroraum besitzen die EZB und die nationalen Zentralbanken das Notenmonopol und sind zur Ausgabe der Banknoten berechtigt. In Deutschland geschieht dies ausschließlich durch die Deutsche Bundesbank, die die Banknoten über die Geschäftsbanken in Umlauf bringen. Für die Herstellung der Euro-Münzen hingegen, sind die Regierungen der Euroländer zuständig. In Deutschland ist das BMF für die Herstellung der Euro-Münzen verantwortlich, während die Bundesbank sie in Umlauf bringt. Dabei kauft die Bundesbank der Regierung die Münzen jeweils zum Nennwert ab, wobei die Regierung aus diesen Geschäften marginale Gewinne erwirtschaftet, da die Herstellungskosten der Münzen unter ihrem Nennwert liegen. Der Ankauf von Münzen unterliegt jedoch einer vorherigen Genehmigung durch den EZB-Rat, um somit eine indirekte Staatsfinanzierung über diesen Weg auszuschließen. Banknoten nehmen eine herausragende Rolle im Euro-Währungsraum ein, da sie als das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel gelten. Das bedeutet, dass jeder Gläubiger einer Geldforderung vom Schuldner Banknoten in unbegrenztem Umfang als Erfüllung seiner Forderung annehmen muss, sofern die Vertragspartner nicht anderes vereinbart haben. Im Gegensatz dazu gelten Münzen nur in beschränktem Umfang als gesetzliches Zahlungsmittel. Ein Gläubiger ist im Euroraum nicht verpflichtet, mehr als 50 Münzen pro Zahlung zu akzeptieren. Ferner müssen Münzen im Wert von mehr als 200 Euro nicht angenommen werden.[14] Zudem weisen Münzen einen materiellen Wert auf, der jedoch unter ihrem Nennwert liegt. Demgegenüber fungieren Banknoten als reine Geldzeichen, die einen Zahlungsanspruch gegenüber den Zentralbanken aufweisen.[15]

Unter Giralgeld bzw. Buchgeld versteht man Sichteinlagen, die auf Giro- und Kontokorrentkonten für Zahlungszwecke zur Verfügung stehen. Neben den Sichteinlagen zählen Termin- und Spareinlagen von Nichtbanken ebenso zum Giralgeld. Im Vergleich zum Bargeld ist Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel. Jedoch ist es für Zahlungen allgemein akzeptiert. Durch die Einzahlung von Bargeld auf ein Girokonto wird Bargeld in Buchgeld umgewandelt. Ebenso wird Buchgeld zu Bargeld transformiert, in dem eine Bargeldabhebung vom Konto stattfindet. Bei Umwandlungen von Buchgeld zu Bargeld und umgekehrt bleibt der gesamte Geldbestand der Nichtbanken, also Bargeld plus Buchgeld, unverändert. Im November 2014 belief sich das Gesamtvolumen der Sichteinlagen im Euro-Gebiet auf 4.858 Milliarden Euro und war damit mehr als fünfmal so groß wie der gesamte Bargeldumlauf, der zur gleichen Zeit 957 Milliarden Euro betrug.[16]

Bar- und Giralgeld können anhand verschiedener Kriterien eingestuft und differenziert werden, wie Tabelle 2 darstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Vergleich zwischen Bargeld und Giralgeld bzw. Buchgeld

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bank Research (2017, S. 1).

Während Bargeld die Fähigkeit der Notenbank, Zinssätze deutlich unter null abzusenken, einschränkt, hat die Geldpolitik beim Giralgeld die Möglichkeit, Negativzinsen uneingeschränkt einzuführen (siehe Kapitel 3.4: Realisierung negativer Zinsen als geldpolitisches Instrument). Durch beide Geldarten besteht einerseits durch Barabhebungen, andererseits durch Überweisungen an andere Banken das Risiko eines Bankensturms (siehe Kapitel 3.3: Reduzierung des Risikos eines Bankensturms). Existiert beim Giralgeld eine Art Einlagensicherung, hat ein Anleger durch beide Varianten einen Schutz vor etwaigen Zahlungsunfähigkeiten einzelner Finanzinstitute oder des gesamten Finanzsystems. Allerdings können sich Sparer weder durch Bar-, noch durch Buchgeld vor der Entwertung ihrer Spareinlagen durch Inflation schützen. Darüber hinaus sind sowohl Bar- als auch Giralgeld anfällig für kriminellen Missbrauch. Jedoch erweist sich die Verschleierung krimineller Aktivitäten bei Giralgeld im Vergleich zu Bargeld als komplexer und ist mit höheren Transaktionskosten verbunden (siehe Kapitel 3.2: Bekämpfung der Schattenwirtschaft und des illegalen Zahlungsverkehrs). Beide Geldarten zeichnen sich durch eine hohe Transaktionssicherheit aus. Ein relevanter Unterschied ist, dass Bargeld Datenschutz gewährleistet und Bürgerrechte im Falle eines möglichen Machtmissbrauchs der Regierung stärkt. Eine Antwort auf die Frage, inwieweit Verbraucherdaten bei der Nutzung von Giralgeld gesichert sind, ist von den betreffenden Datenschutzgesetzen des jeweiligen Staates abhängig.

2.3 Geldschöpfungsprozess

Fast alle Währungen, so auch der Euro oder der US-Dollar, sind heutzutage sogenannte Fiat-Währungen. Das bedeutet, dass die Währung lediglich als Tauschmittel dient und keinen inneren Wert aufweist. Demnach begründen Banknoten zwar einen Anspruch gegenüber der ausgebenden Zentralbank, jedoch ist der Besitzer einer Banknote eher zu einer theoretischen Erstattung in Form von neuen Banknoten oder einer Gutschrift auf einem Zentralbankkonto in der jeweiligen Währung berechtigt.

In einem Fiat-Währungssystem unterliegt die oberste Währungsinstanz prinzipiell keiner Beschränkung der Geldschöpfung. Daher kann eine Zentralbank nicht zahlungsunfähig werden. Die Zentralbanken emittieren ihr Geld einerseits in Form von Bargeld und andererseits in Form von Bankreserven, die Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Zentralbank halten. Bargeld stellt für private Haushalte und Unternehmen die einzige Möglichkeit dar, Zentralbankgeld zu besitzen, da fast nur Kreditinstitute Konten bei der Zentralbank unterhalten dürfen.[17]

Um die Geldmenge zu messen, gibt es verschiedene Geldmengenabgrenzungen. Zunächst lässt sich das Bargeld zuzüglich der Einlagen von Geschäftsbanken bei der Zentralbank als Geldbasis definieren. Das Eurosystem unterscheidet die drei Geldmengen bzw. Geldmengenaggregate M1, M2 und M3, die aufeinander aufbauen und nach Liquidität absteigend geordnet sind.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet im November 2014

Quelle: Deutsche Bundesbank (2015a, S. 71).

Wie Abbildung 1 verdeutlicht, besteht die Geldmenge M1 besteht aus dem Bargeldumlauf und den täglich fälligen Einlagen bzw. Sichteinlagen der im Euro-Währungsgebiet ansässigen Nichtbanken und betrug im November 2014 5.815 Milliarden Euro. Die Geldmenge M2 baut auf dieser auf. Neben M1 gehen hier noch Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren, sogenannte Termineinlagen, und Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten, beispielsweise Spareinlagen, ein. Im November 2014 belief sich die Geldmenge M2 auf 9.572 Milliarden Euro. Die weiteste Geldmengenabgrenzung ist schließlich die Geldmenge M3, die zum gleichen Zeitpunkt 10.207 Milliarden Euro betrug. Neben M2 gehen hier zusätzlich Offenmarktgeschäfte der Zentralbank, sogenannte Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Geldmarktpapiere sowie Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren in die Rechnung ein.[19] Die Sichteinlagen machen mit 4.858 Milliarden Euro den größten Teil der Geldmenge im Euroraum aus.

Die Geldschöpfung lässt sich aufteilen in den Geldschöpfungsprozess der Zentralbank und den Geld- bzw. Kreditschöpfungsprozess der Geschäftsbanken. Die Zentralbankgeldschöpfung erfolgt, indem Kredite an Geschäftsbanken gewährt oder Vermögenswerte von Geschäftsbanken angekauft werden. Dadurch erhöht die Zentralbank die Geldbasis bzw. M0. Es steigen somit der Bargeldumlauf und die Zentralbankeinlagen der Kreditinstitute.[20] Durch das Monopol der Zentralbankgeldschöpfung entstehen Gewinne bei den Notenbanken, die sog. Seigniorage, Diese Gewinne führen Zentralbanken typischerweise an den Staat ab.[21]

Durch Kreditgewährung und entsprechende Gutschriften an Buchgeld erfolgt die Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Das dadurch entstandene Giralgeld ist seinerseits die Grundlage für weitere Kreditgewährung seitens der Banken. Die Geldmenge wird durch Haltung der Gelder als Einlagen, die die Geldmengendefinitionen erfüllen, erhöht. Oft wird die Buch- bzw. Giralgeldschöpfung als aktive Geldschöpfung und der Tausch weniger liquider Kapitalanlagen in Geldanlagen, die den Geldmengenaggregaten zuzurechnen sind, als passive Geldschöpfung bezeichnet.[22]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die umlaufende Geldmenge dann steigt, wenn Kreditinstitute zusätzliche Kredite an Nichtbanken vergeben und letzteren dafür Bankguthaben einräumen. Eine unbegrenzte Schaffung von Einlagen, die in die Geldmengenaggregate eingehen, ist in der Praxis allerdings aufgrund von drei Gründen nicht möglich. Erstens halten Bankkunden immer einen Teil ihrer Einlagen als Bargeld. Deshalb müssen Kreditinstitute ein bestimmtes Verhältnis von Bargeld zu Einlagen, die Bargeldhaltungsquote, beachten und entsprechend Bargeld zur Verfügung stellen. Zweitens sind Kreditinstitute dazu verpflichtet, in einem festgelegten Verhältnis zu ihren reservepflichtigen Kundengeldern, Einlagen bei der Zentralbank zu halten, sogenannte Mindestreserven. Derzeit beträgt die Reservehaltungsquote bei der EZB zwei Prozent. Drittens sind Kreditinstitute aus aufsichtsrechtlichen Gründen angehalten, Eigenmittelanforderungen bei risikobehafteten Geschäften, wie beispielsweise der Kreditvergabe, zu unterhalten. Demnach ist die Geldschöpfung in der Praxis begrenzt.[23]

2.4 Die Theorie der Zentralbanken

Die Grundlage für die Stabilität des Geldwertes ist die Knappheit des Geldes. Dafür sind in modernen Volkswirtschaften die Zentralbanken zuständig. Seit Anfang 1999 hat im Euro-Währungsraum das Eurosystem die Funktion der Zentralbank übernommen. Es setzt sich aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der Euroländer zusammen. Die zentrale Aufgabe des Eurosystems ist es, mit seiner Geldpolitik Preisniveaustabilität zu sichern und somit den Wert des Euro stabil zu halten.[24] Die Geldpolitik in den USA hingegen zielt gleichzeitig und ohne Prioritätensetzung neben Preisstabilität auch auf Vollbeschäftigung ab. Im Gegensatz dazu sieht die EZB die Unterstützung konjunktureller Entwicklungen als sekundäres geldpolitisches Ziel an.[25]

Die Zielgröße der Geldpolitik der EZB ist eine Preissteigerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Damit ist das Ziel der Preisstabilität sichergestellt und dennoch keine Konstanz des Preisniveaus gegeben. Anhand dieser Zielgröße sollen sowohl die Risiken einer Deflation, als auch die Gefahren einer Inflation minimiert werden. Da die Inflationsrate jedoch nur indirekt kontrolliert werden kann, müssen zunächst Zwischenzielgrößen formuliert werden. Daher verfolgt die Zentralbank eine Strategie, die einerseits auf monetäre Zwischenziele abzielt und andererseits auf der Bewertung fundamentaler Wirtschaftsindikatoren basiert. Zu den monetären Zwischenzielen zählen Geldmengen-, Zins- und Wechselkursentwicklung. Realwirtschaftliche Indikatoren wie Einkommen, Fiskalpolitik und Wirtschaftstätigkeit sollen Veränderungen im Wirtschaftskreislauf aufzeigen und signalisieren, ob eine Reaktion der Geldpolitik erforderlich ist.[26]

Die Zentralbank versucht die Geldmenge, die für die Konsumnachfrage benötigt wird, über die Steuerung des Geldangebots zu bestimmen. Eine herausragende Rolle spielen dabei die verschiedenen Geldmengenabgrenzungen bzw. Geldmengenaggregate. Da M3 den deutlichsten Zusammenhang zur zeitverzögert auftretenden Inflation aufzeigt, hat die Zentralbank die weite Geldmengenabgrenzung als Steuerungsgröße gewählt. Die Transparenz der Geldpolitik soll durch die Angabe eines Wachstumswertes von 4,5 Prozent für diese Geldmenge erhöht werden.[27]

Ein weiteres monetäres Zwischenziel neben der Geldmengenentwicklung ist das Zinsniveau. Durch die Beteiligung an Geldmarktgeschäften kann die Zentralbank Geldmarktzinsen beeinflussen. Eine Variante, die Geldmengenausdehnung knapp zu halten, ist es, die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank attraktiv zu verzinsen und somit den Geschäftsbanken nur zu relativ hohen Zinsen zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Durch niedrige Geldmarktzinsen kann die Geldmenge entsprechend ausgedehnt werden. Mithilfe einer solchen Zinspolitik kann die EZB die Geldmenge und damit indirekt die Inflationsrate beeinflussen.[28]

Letztlich ist ein stabiler Wechselkurs als monetäres Zwischenziel der Geldpolitik möglich. Allerdings muss eine Wechselkursstabilisierung einhergehen mit der Unterordnung der jeweiligen Geldpolitik unter jene der Zentralbank, an deren Währung das Zwischenziel ausgerichtet ist. Demnach ist im Falle eines freien Kapitalverkehrs keine autonome Geldpolitik mehr möglich.[29]

2.5 Der Transmissionsmechanismus einer geldpolitischen Maßnahme

Die Übertragung einer geldpolitischen Maßnahme auf den Geldmarkt und in die Inflationsrate wird als Transmissionsmechanismus bezeichnet und ist ein komplexer Prozess.[30] Man versteht darunter einen Wirkungszusammenhang zwischen dem Einsatz geldpolitischer Instrumente der Zentralbank und den dadurch herbeigeführten Anpassungen im realen Sektor und beim Preisniveau. Die herbeigeführten Änderungen in der Realwirtschaft spiegeln sich durch Anpassungen der Investitionsnachfrage, des Konsums, der Beschäftigung und des realen Volkseinkommens wider.

Die keynesianische Liquiditätstheorie des Zinses beschreibt, wie monetäre Impulse auf den realen Sektor übertragen werden. Anhand des IS-LM-Diagramms lassen sich die Anpassungsmechanismen grafisch darstellen.[31]

Ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt bzw. im realen Sektor herrscht, wenn das geplante Angebot (YS) und die geplante Nachfrage (YD) übereinstimmen und somit dem Volkseinkommen (Y) entsprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus vereinfachenden Gründen werden an dieser Stelle lediglich Konsum (C) und Investitionen (I) in das Modell aufgenommen. Die anderen beiden Komponenten der Nachfrage, Staatsausgaben und Außenbeitrag, werden nicht in die Überlegungen einbezogen. Darüber hinaus gilt die Annahme, dass die Höhe des Konsums, bei gegebener Konsumneigung, eine positive Funktion des Einkommens ist. Ferner sind Investitionen, bei gegebener Investitionsneigung, eine negative Funktion des Zinses (i). Somit gilt im Gleichgewicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Differenz zwischen Einkommen und Konsum ist die Ersparnis (S). Folglich lässt sich die Ersparnis analog darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Gleichgewicht gilt unter Berücksichtigung von (2):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei werden Y, S, C und I jeweils als reale Größen verstanden. Demnach handelt es sich um das reale Volkseinkommen, der realen Ersparnis etc.

Für den monetären Sektor gilt die Annahme, dass die Geldnachfrage (MD) vom Volkseinkommen und vom Zins abhängt. Hierbei ist die Nachfrage nach Transaktionskasse eine positive Funktion des Volkseinkommens und die Nachfrage nach Spekulationskasse eine negative Funktion des Zinses. Am Geldmarkt herrscht ein Gleichgewicht, wenn sich das Geldangebot (MS) und die Geldnachfrage entsprechen. Somit gilt folgende Gleichung, wobei YN für das nominelle Volkseinkommen steht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geht man davon aus, dass sich Wirtschaftsakteure mit ihrer Kassenhaltung an realen Größen orientieren, liegt das Gleichgewicht in der Übereinstimmung von realem Geldangebot und realer Geldnachfrage. Dazu sind die nominellen Werte von Geldangebot und Geldnachfrage sowie das nominelle Volkseinkommen durch das Preisniveau (P) zu dividieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Abbildung 2 ist das IS-LM-Diagramm abgebildet. Dabei repräsentiert die IS-Kurve Gleichgewichtslösungen für den Gütermarkt, während die LM-Kurve diejenigen für den Geldmarkt widerspiegelt. Im Schnittpunkt der beiden Kurven liegt das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht mit dem entsprechenden Wert Y0 und dem Gleichgewichtszinssatz i0.[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Expansive Geldpolitik im IS-LM-Diagramm

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Issing (1996, S. 157).

Die Wirkungsweise der Geldpolitik lässt sich anhand des Diagramms darstellen. In Abbildung 2 wird von einer expansiven Geldpolitik, also einer Geldmengenerhöhung ausgegangen. Befindet sich eine Volkswirtschaft in einer Krise, die durch hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist, kann eine solche Maßnahme dem entgegenwirken. Erhöht also die Zentralbank die Geldmenge, führt dies zu einer Verschiebung der LM-Kurve nach rechts (LMLM’). Dadurch sinkt der Zins und die Investitionen nehmen zu. Der neue gleichgewichtige Zins und das daraus resultierende Volkseinkommen lauten i1 und Y1. Dementsprechend hätte die expansive Geldpolitik ein erhöhtes reales Volkseinkommen und dadurch eine Steigerung der Beschäftigung erreicht. [33] Um einer tiefen wirtschaftlichen Rezession entgegenzuwirken, ist eine umso expansivere Geldpolitik erforderlich. Theoretisch ist sogar ein negativer Zinssatz denkbar. Hierfür muss lediglich die Geldmenge weit genug ausgedehnt werden. Im IS-LM-Diagramm muss dafür die LM-Kurve soweit nach rechts verschoben werden, bis sich das ergebende Gleichgewicht unterhalb der horizontalen Achse befindet. In der Praxis ist dies allerdings durch die Existenz von Bargeld nicht realisierbar, da Anleger ihr Vermögen in unverzinstem Bargeld halten und somit Negativzinsen umgehen können. Inwieweit eine ausschließliche Verwendung unbarer Zahlungsmittel negative Zinsen realisierbar macht und somit die Geldpolitik der Notenbank effektiver gestaltet, wird in Kapitel 3.4 diskutiert.

Im Fall einer Geldmengenverringerung, also einer restriktiven Geldpolitik, sind die Wirkungsweisen analog zu sehen. Im IS-LM-Diagramm findet dann eine Kurvenverschiebung von LM’ nach LM statt.[34]

Zum einen bleibt festzuhalten, dass die Wirkung einer Geldmengenerhöhung auf den Zins umso geringer ist, je höher die Zinselastizität der Geldnachfrage ausfällt. Ist die Geldnachfrage völlig zinselastisch, kann eine Geldmengenausdehnung den Zins nicht senken. Zum anderen ist die Wirksamkeit der Geldpolitik von der Höhe der Zinselastizität der Investitionen abhängig. Bei einer niedrigen Zinselastizität reagiert die Investitionstätigkeit relativ schwach auf eine durch die Geldmengenerhöhung ausgelöste Zinssenkung. Im Falle völlig zinsunelastischer Investitionen reagieren diese in keiner Weise auf eine Zinssenkung.[35]

Der von M. Friedman begründete Monetarismus vertritt die Meinung, dass die reale Geldmenge ( eine endogene Größe und damit nur von den Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte abhängt. Die Geldpolitik kann lediglich vorübergehende Veränderungen auf dem realen Sektor herbeiführen. Langfristig reagiert nur die Inflationsrate, die im Falle einer expansiven Geldpolitik zunimmt.[36]

2.6 Bargeldlose Zahlungsmittel und Bargeldnutzung im internationalen Vergleich

Es gibt diverse bargeldlose Zahlungsverfahren. Dazu zählt zum einen die Überweisung, wobei der Kontoinhaber seiner Bank den Auftrag erteilt, von seinem Konto einen gewissen Geldbetrag auf das Konto des Empfängers zu übertragen. Zum anderen gibt es den Dauerauftrag, durch das der Zahler regelmäßig wiederkehrende Zahlungen in gleichbleibender Höhe an einen Zahlungsempfänger veranlassen kann. Ein weiteres bargeldloses Zahlungsinstrument ist die Lastschrift, die dem Empfänger einer Zahlung erlaubt, einen bestimmten Betrag vom Konto des Zahlenden abzubuchen. Hierzu wird allerdings ein Lastschriftmandat, eine rechtliche Legitimation zum Einzug von Lastschriften, benötigt.

Zum Bezahlen an der Ladenkasse nutzen viele Privatpersonen ihre Bank- bzw. Debitkarte. In diesem Verfahren nutzt der Händler die Bankkarte, um die nötigen Daten zum Einzug des Betrags vom Konto des Kunden über ein elektronisches Kassenterminal zu erhalten. Außerdem wird die Bankkarte in Verbindung mit der PIN zum Abheben von Bargeld an Geldautomaten genutzt. Von der Bank- bzw. Debitkarte ist die Kreditkarte zu unterscheiden. Hierbei wird das Konto des Kreditkarteninhabers größtenteils nicht sofort, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise am Ende des Monats, belastet. Dadurch wird dem Kunden für einen gewissen Zeitraum ein zinsloser Kredit gewährt. Allerdings erheben Kreditkartengesellschaften für die Nutzung ihrer Karten oft Gebühren. Insbesondere in Deutschland wurde für das bargeldlose Bezahlen kleinerer Geldbeträge die Geldkarte eingeführt. Meist ist die Geldkartenfunktion in der Bank- bzw. Debitkarte als Geldkartenchip integriert. Es ist möglich, ein Guthaben von maximal 200 Euro auf die Geldkarte einzuzahlen und bietet sich daher für kleinere Zahlungen des täglichen Lebens an. Da keine Identitätsprüfung stattfindet, kann die Geldkarte auch zum kontaktlosen Bezahlen kleinerer Summen genutzt werden, indem die Karte lediglich an ein Kartenlesegerät gehalten wird.

Zu den bargeldlosen Zahlungsmitteln zählen schließlich auch Online-Bezahlverfahren, die durch den boomenden Onlinehandel große Popularität erlangt haben. Ein speziell für das Internet entwickeltes Bezahlverfahren ist beispielsweise Paypal. Um dieses Verfahren nutzen zu können, benötigt man ein Paypal -Benutzerkonto, über das der Interneteinkauf abgewickelt wird. Beim Onlinekauf bucht Paypal den fälligen Betrag vom Guthaben des Benutzerkontos ab oder belastet direkt das Bankkonto bzw. die Kreditkarte seines Kunden.[37]

Mehrere Faktoren beeinflussen die Zahlungsgewohnheiten verschiedener Nationen. Dabei wirken die Präferenzen der Zahler und Zahlungsempfänger, insbesondere dem Handel, zusammen. Bei einer Bargeldzahlung kommt auf den Zahlungsempfänger ein gewisser Kostenaufwand der Bargeldhaltung zu. Demgegenüber kosten bargeldlose Zahlungsinstrumente dem Zahlungsempfänger pro Transaktion eine Gebühr. Demnach hängt die Akzeptanz von Kartenzahlungen im Handel einerseits von der Höhe dieser Gebühren und andererseits von der Verbreitung der Zahlungskarte bei der jeweiligen Kundschaft ab. Diese beiden Faktoren unterscheiden sich stark für verschiedene Nationen.[38]

Im internationalen Vergleich treten in diesem Zusammenhang große Unterschiede der Bargeldnutzung auf. Allerdings gibt es kaum aktuelle Erhebungen zur internationalen Bargeldnutzung. Dennoch deuten Statistiken der vergangenen Jahre darauf hin, dass Deutschland beispielsweise im Unterscheid zu anderen modernen Volkswirtschaften über einen relativ hohen Bargeldeinsatz verfügt: In einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Bundesbank im Jahr 2014 lag der Anteil von Barzahlungen an allen innerhalb einer Woche getätigten Transaktionen bei 79 Prozent.[39] In anderen Ländern deuten ähnliche Umfragen auf deutlich geringere Quoten hin. So betrug im Jahr 2011 der Bargeldanteil in Frankreich 56 Prozent, in den Niederlanden 52 Prozent, 2009 in Kanada 53 Prozent und in den USA im Jahr 2012 nur 46 Prozent.[40] In Schweden sind laut dem heimischen Handelsverband im Jahr 2013 nur noch 30 Prozent der Geschäfte mit Bargeld abgewickelt worden.[41]

Die beiden Ökonomen Fish und Whymark vom Bank Notes Directory der Bank of England haben für einige Länder die Bargeldhaltung pro Person in Britische Pfund (GBP) Ende des Jahres 2014 ermittelt. In Abbildung 3 sind die Ergebnisse grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bargeldhaltung pro Person in verschiedenen Volkswirtschaften

Quelle: Eigene Darstellung, Daten vgl. Fish/Whymark (2015, S. 222).

[...]


[1] Vgl. EZB (2016).

[2] Vgl. BMF (2016, S. 13).

[3] Vgl. FAZ (2015).

[4] Vgl. Handelsblatt (2016a).

[5] Vgl. Focus Money Online (2016).

[6] Vgl. Bundesregierung (2016).

[7] Vgl. Sands (2016, S. 1).

[8] Vgl. FAZ (2016a).

[9] Vgl. Krieger (2015, S. 359).

[10] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 8).

[11] Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff (2012, S. 3-4).

[12] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 11).

[13] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 11).

[14] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 22-23).

[15] Vgl. Göbel (2005, S. 64).

[16] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 56-57).

[17] Vgl. Deutsche Bank Research (2017, S. 5).

[18] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37).

[19] Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff (2012, S. 14).

[20] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 47).

[21] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 78).

[22] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 47).

[23] Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff (2012, S. 71).

[24] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 18).

[25] Vgl. Jordan (2012, S. 3).

[26] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37-39).

[27] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 38-40).

[28] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 38-39).

[29] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 39).

[30] Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37).

[31] Vgl. Issing (1996, S. 155-156).

[32] Vgl. Issing (1996, S. 156-157).

[33] Vgl. Issing (1996, S. 157).

[34] Vgl. Issing (1996, S. 157).

[35] Vgl. Issing (1996, S. 157-158).

[36] Vgl. Issing (1996, S. 159).

[37] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015a, S. 63-69).

[38] Vgl. Beck et al. (2015, S. 523).

[39] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015b, S. 27).

[40] Vgl. Bagnall et al. (2014, S. 38).

[41] Vgl. Handelsblatt (2013).

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Bargeldloser Zahlungsverkehr. Die Abschaffung von Bargeld in modernen Volkswirtschaften
Untertitel
Chancen und Risiken
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
56
Katalognummer
V374489
ISBN (eBook)
9783668522978
ISBN (Buch)
9783668522985
Dateigröße
1451 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Bargeld, Bargeldabschaffung, Cash, Bargeldloser Zahlungsverkehr, Geldtheorie, Schattenwirtschaft, Illegaler Zahlungsverkehr, Giralgeld, Geldschöpfung, Transmissionsmechanismus, Zentralbanken, Bargeldnutzung, Bankensturm, Negativzinsen, Negative Zinsen, Pain of Paying, Alternative Zahlungsmittel, ISLM, EZB, Euro, Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche, Geldpolitik, Expansive Geldpolitik, EU, Politikberatung, Bargeldbeschränkungen
Arbeit zitieren
Tobias Hahn (Autor), 2017, Bargeldloser Zahlungsverkehr. Die Abschaffung von Bargeld in modernen Volkswirtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374489

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