Diese Arbeit setzt sich mit den Chancen und Risiken eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs in modernen Volkswirtschaften auseinander. In der breiten Öffentlichkeit werden als Argumente fast ausschließlich die politischen Gründe der Kriminalitätsbekämpfung genannt. Jedoch existieren weit mehr Motive, Bargeld abzuschaffen. Zugleich gibt es negative Aspekte, die mit einer Bargeldabschaffung einhergehen. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema ist notwendig, da eine Bargeldabschaffung weit mehr Folgen hat, als die Politik meist vorgibt. Gerade vor dem Hintergrund innovativer Zahlungsinstrumente, welche die Möglichkeiten an elektronischen Zahlungen erweitern, ist es notwendig, die Vor- und Nachteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu analysieren.
Mit der Verkündung der Europäischen Zentralbank, die Herstellung und Ausgabe der 500-Euro-Banknote gegen Ende des Jahres 2018 dauerhaft einzustellen, ist die Diskussion um eine mögliche Abschaffung von Bargeld endgültig in der Euro-Zone angekommen. Das Bundesministerium der Finanzen hat in einem seiner Monatsberichte eine gesetzliche Begrenzung von Bargeldzahlungen empfohlen, mit der Begründung, das Risiko der Geldwäsche zu minimieren. Diesbezüglich wurde bereits ein Prüfauftrag des Finanzministerrats der EU an die EU-Kommission erteilt, ob ein EU-weit einheitlicher Höchstbetrag für Bargeldzahlungen notwendig ist. Kritiker der Beschränkungen von Bargeldzahlungen sehen dies bereits als den Beginn einer vollständigen Bargeldabschaffung im Euro-Währungsraum an.
Ein verändertes Kauf- und Zahlungsverhalten befeuert die Forderungen nach einer Bargeldabschaffung. Der technologische Fortschritt der jüngsten Zeit hat diverse Zahlungsinnovationen hervorgebracht. Große Internetkonzerne, wie Apple, Google, Amazon, Facebook oder Paypal, wollen den privaten Zahlungsverkehr der Zukunft bestimmen. Deren Ziel ist es, bestehende Zahlungsmittel durch mobile Zahlungssysteme, die das Bezahlen per Smartphone ermöglichen, zu ersetzen. Doch nicht nur innovative Zahlungsdienstleister, Banken oder Politiker treten für eine Bargeldabschaffung ein. Auch Ökonomen, wie Peter Bofinger, Kenneth Rogoff oder Larry Summers appellieren an die Regierungen westlicher Industrienationen, das Bargeld abzuschaffen. Neben dem oft angeführten Argument der Bekämpfung von Kriminalität und Drogenhandel bringen die Ökonomen auch andere Gründe hervor, wie z. B. Vereinfachungen im Zahlungsverkehr sowie eine noch effektivere expansive Geldpolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Geldtheoretische Grundlagen
2.1 Funktionen des Geldes
2.2 Bargeld und Giralgeld
2.3 Geldschöpfungsprozess
2.4 Die Theorie der Zentralbanken
2.5 Der Transmissionsmechanismus einer geldpolitischen Maßnahme
2.6 Bargeldlose Zahlungsmittel und Bargeldnutzung im internationalen Vergleich
3. Chancen eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs
3.1 Kostensenkungspotenzial
3.2 Bekämpfung der Schattenwirtschaft und des illegalen Zahlungsverkehrs
3.3 Reduzierung des Risikos eines Bankensturms
3.4 Realisierung negativer Zinsen als geldpolitisches Instrument
4. Risiken eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs
4.1 Pain of Paying
4.2 Arme und alte Menschen als Leidtragende
4.3 Alternative Zahlungsmittel als unzureichendes Substitut für Bargeld
4.4 Bargeldabschaffung als Eingriff in die freiheitliche Grundordnung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer möglichen vollständigen Abschaffung von Bargeld in modernen Volkswirtschaften. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die oft angeführten Vorteile – wie die Bekämpfung von Kriminalität oder die Wirksamkeit geldpolitischer Instrumente – die potenziellen Risiken für Konsumenten, Datenschutz und persönliche Freiheitsrechte aufwiegen.
- Theoretische Grundlagen des Geldes, der Zentralbanken und Transmissionsmechanismen.
- Analyse der potenziellen Vorteile: Effizienzsteigerungen und Eindämmung der Schattenwirtschaft.
- Untersuchung der Risiken: Konsumentenverhalten (Pain of Paying), soziale Auswirkungen auf benachteiligte Gruppen und Gefahren für die Privatsphäre.
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit alternativer Zahlungsmittel als Bargeldersatz.
Auszug aus dem Buch
4.1 Pain of Paying
Wenn Konsumenten Güter oder Dienstleistungen erwerben und dafür bezahlen, erfahren sie häufig einen unmittelbaren Nutzenverlust durch den Akt des Bezahlens bzw. der Verringerung der Geldmittel. Der Bezahlvorgang schmälert den Nutzen, den Menschen durch den Konsum eines bestimmten Gutes erhalten. Beispielsweise verringert sich die Freude über die Taxifahrt beim gleichzeitigen Ansteigen des Taxameters. Die Verhaltensökonomik hat für dieses Phänomen das Konzept Pain of Paying etabliert.
Die zentrale Annahme dieses Konzepts ist, dass sich Wirtschaftssubjekte verlustavers verhalten und schlichtweg nicht gerne Geld ausgeben. Bei der Verwendung von Kreditkarten ist der Pain of Paying weniger groß als bei Barzahlungen, da viele Menschen die Verringerung des eigenen Geldes auf einem Display weniger schmerzhaft empfinden als der Blick in ein leeres Portemonnaie. Plastikgeld ist nicht greifbar und die Abnahme des Geldes während des Zahlungsaktes weniger sichtbar. Deshalb tendieren Personen dazu, bei der Nutzung elektronischer Zahlungen mehr Geld auszugeben als bei der reinen Barzahlung. Eine Studie hat herausgefunden, dass der Pain of Paying durch physisches Abzählen des auszugebenden Betrags sogar noch weiter erhöht werden kann. Wenn der Geldabzählvorgang unterbrochen wird, verringert sich wiederum das Ausmaß des Pain of Paying.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Begründung der Relevanz der Bargelddiskussion im Kontext aktueller europäischer und globaler Entwicklungen.
2. Geldtheoretische Grundlagen: Erläuterung der ökonomischen Funktionen des Geldes, des Geldschöpfungsprozesses und der Rolle der Zentralbanken im modernen Finanzsystem.
3. Chancen eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs: Untersuchung der Argumente für eine Bargeldabschaffung, insbesondere hinsichtlich Kosteneffizienz, Kriminalitätsbekämpfung und geldpolitischer Spielräume.
4. Risiken eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs: Analyse der negativen Folgen, wie den Verlust der Ausgabenkontrolle, soziale Härten für bestimmte Personengruppen und Gefahren für die freiheitliche Grundordnung.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für einen marktbasierten Ansatz anstelle staatlicher Bargeldverbote.
Schlüsselwörter
Bargeld, Giralgeld, Bargeldabschaffung, Geldpolitik, Zentralbank, Schattenwirtschaft, Kriminalität, Pain of Paying, Zahlungsverkehr, Datenschutz, Finanzmarktstabilität, Negativzinsen, Konsumverhalten, Freiheitsrechte, Geldschöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen und praktischen Konsequenzen einer vollständigen Abschaffung des Bargelds in modernen Volkswirtschaften unter Berücksichtigung ökonomischer und gesellschaftlicher Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst die Geldtheorie, die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen, die Bekämpfung von Kriminalität sowie die Analyse der Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten und die Bürgerrechte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Chancen und Risiken eines rein bargeldlosen Zahlungsverkehrs gegeneinander abzuwägen und zu bewerten, ob die Argumente für eine Abschaffung stichhaltig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse, ergänzt durch die Auswertung statistischer Daten zum Zahlungsverhalten sowie geldpolitische Modelle wie das IS-LM-Diagramm.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Basis, die detaillierte Untersuchung der Pro-Argumente (Kosteneffizienz, Transparenz) und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Contra-Argumenten (Datenschutz, soziale Folgen, Freiheitsrechte).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bargeld, Giralgeld, Geldpolitik, Pain of Paying, Schattenwirtschaft und Freiheitliche Grundordnung.
Was versteht man in der Arbeit unter dem Konzept "Pain of Paying"?
Es beschreibt den psychologischen Nutzenverlust, den Menschen empfinden, wenn sie Geld für Güter oder Dienstleistungen ausgeben. Elektronische Zahlungsmittel reduzieren diesen Schmerz, was oft zu einem höheren Konsum führt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Bargeldabschaffung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die angestrebten Ziele einer Bargeldabschaffung nicht zweifelsfrei erreicht werden können und die negativen Auswirkungen auf Privatsphäre und Freiheit der Bürger sowie soziale Härten schwerer wiegen als die theoretischen Vorteile.
- Citation du texte
- Tobias Hahn (Auteur), 2017, Bargeldloser Zahlungsverkehr. Die Abschaffung von Bargeld in modernen Volkswirtschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374489