Die Bedeutung sozialer und ökonomischer Beziehungen für Unternehmen


Hausarbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

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ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit betrachtet die Unterschiede sozialer und ökonomischer Beziehungen
und deren Bedeutung für Unternehmen. Die zugrundeliegende Beziehung beeinflusst die
Wirkung von Vergütungen auf das Anstrengungsniveau bei Ausführung einer Tätigkeit. Da-
bei wird zwischen sozialen und ökonomischen Beziehungen unterschieden, die sich beson-
ders in den zugrundeliegenden Normen unterscheiden. Zur Differenzierung der beiden Kon-
strukte werden die Basisbeziehungsmodelle von Fiske (1992) herangezogen. In der betrach-
teten Literatur wurde keine einheitliche Zuordnung der Beziehungsmodelle zu den beiden
Beziehungsformen gefunden. Anschließend wurden diese Beziehungsformen in Unterneh-
men betrachtet. Abgeleitete Implikationen sind eine großzügige Arbeitsvertragsgestaltung
sowie die Berücksichtigung möglicher negativer Aspekte bei der Anreizgestaltung. Die Ent-
wicklung eines einheitlichen Konzepts zur Unterscheidung von sozialen und ökonomischen
Beziehungen sowie die Integration bzw. Abgrenzung von der Theorie des Crowding out er-
scheinen zweckmäßig.

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INHALTSVERZEICHNIS
ZUSAMMENFASSUNG
... 2
INHALTSVERZEICHNIS
... 3
TABELLENVERZEICHNIS
... 4
1 EINLEITUNG
... 5
2 SOZIALE UND ÖKONOMISCHE BEZIEHUNGEN
... 5
2.1 Gegenüberstellung sozialer und ökonomischer Beziehungen
... 5
2.2 Modelle menschlicher Beziehungen nach Fiske (1992)
... 8
2.3 Konzepte sozialer und ökonomischer Beziehungen
... 10
3 BEDEUTUNG FÜR UNTERNEHMEN
... 13
3.1 Soziale und ökonomische Beziehungen im Arbeitsumfeld
... 13
3.2 Leistung und Ausgestaltung des Arbeitsvertrags
... 15
3.3 Anreizgestaltung und Leistungsbereitschaft
... 18
4 KRITIK UND FAZIT
... 20
LITERATURVERZEICHNIS
... 22

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TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Zuordnung von Fiskes Modellen zu sozialen und ökonomischen Beziehungen

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1 EINLEITUNG
Wer kennt das nicht - Eine gute Freundin oder ein guter Freund ziehen in eine neue
Wohnung und beten darum, beim Umzug zu helfen. Man erklärt sich bereit und arbeitet
mehrere Stunden lang kostenlos bis auf die obligatorische Verpflegung. Würde man diese
Anstrengung auch auf sich nehmen, wenn eine fremde Personen zwei Euro pro Stunde für
die gleiche Arbeit bieten würde, d.h. beispielsweise 10 Euro für einen Nachmittag? Wahr-
scheinlich wäre man nicht dazu bereit, zumindest würde man sich sehr viel weniger anstren-
gen und beispielsweise in der gleichen Zeit weniger Kisten tragen.
Nun stellt sich die Frage, was Menschen dazu bewegt, stundenlang kostenlos für
Freunde und Bekannte Kisten zu tragen, obwohl sie dagegen für einen kleinen Geldbetrag
nicht dazu bereit wären oder zumindest ihre Arbeitsleistung stark absenken würden?
Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen scheinbar nicht nur aufgrund monetärer An-
reize und aus rationalem Kalkül heraus arbeiten. Welche Hintergründe dies hat und wann
dieser Mechanismus auftritt, untersucht die vorliegende Arbeit. Dabei werden die Unter-
schiede zwischen sozialen und ökonomischen Beziehungen untersucht und deren mögliche
Auswirkungen speziell in Unternehmen dargelegt.
2 SOZIALE UND ÖKONOMISCHE BEZIEHUNGEN
2.1 Gegenüberstellung sozialer und ökonomischer Beziehungen
Heyman und Ariely (2004) erklären sich derartiges Verhalten dadurch, dass zwei
verschiedene Märkte existieren. Dabei handelt es sich um den monetären Markt und den
sozialen Markt. Sie nehmen an, dass die Art des Marktes, in dem sich die Protagonisten be-
wegen, die Wechselwirkung zwischen einer Kompensation für eine Tätigkeit und der für die
Tätigkeit aufgewandten Anstrengung bestimmt. Erfolgt die Vergütung durch monetäre Mit-
tel, ist die Folge, dass die Teilnehmer Regeln und Normen des ökonomischen Marktes an-
wenden. Zwischen den Protagonisten besteht daher eine ökonomische Beziehung (money-

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market relationship). Existieren jedoch keine monetären Entlohnungen, werden die Regeln
und Normen des sozialen Marktes angewendet. Hier liegt folglich eine soziale Beziehung
(social-market relationship) zwischen den Individuen vor.
Basis ihrer Hypothese bildet laut Heyman und Ariely (2004) die Beziehungstheorie
von Fiske. Fiske (1992) geht davon aus, dass Menschen entgegen der ökonomischen Theorie
grundsätzlich sozial sind. Menschen seien demnach an Beziehungen nicht nur aufgrund von
egoistischen Zielen interessiert, sondern da sie Beziehungen um ihrer selbst willen schätzen.
Fiske nimmt an, dass jeder Teil des sozialen Lebens durch verschiedene Prinzipien bestimmt
wird. Egal, ob es sich um die Verhaltensweisen bei Tauschgeschäften, in Arbeitsbeziehun-
gen oder innerhalb von religiösen Gruppen handelt, würden diesem Verhalten Kombinatio-
nen von lediglich vier elementaren Beziehungsmodellen zugrunde liegen. Diese benennt er
als Communal Sharing, Authority Ranking, Equality Matching und Market Pricing. Beim
Communal Sharing steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Alle Individuen werden bei
diesem Modell als gleichbedeutend angesehen. Das Authority Ranking Modell dagegen fin-
det Anwendung bei allen Formen von hierarchischen Beziehungen. Equality Matching ist
bestimmt durch das Streben nach einer exakten Ausgewogenheit von empfangenen und ge-
gebenen Gütern und Leistungen zwischen den Protagonisten. Market Pricing wird durch
ökonomische Denkmuster dominiert. Wenn Menschen das Market Pricing Modell anwen-
den, entscheiden sie aufgrund von rationalen Kosten-Nutzen-Überlegungen. Auf die Unter-
schiede zwischen den Modellen im Einzelnen wird an späterer Stelle eingegangen. Asoziale
Interaktionen, wie das Ausnutzen anderer Menschen, werden durch die Modelle nicht abge-
deckt. Menschen verwenden laut Fiske (1992) diese vier grundlegenden Modelle, um soziale
Beziehungen zu generieren, zu verstehen, zu koordinieren und zu bewerten.
Heyman und Ariely (2004) ordnen die ersten drei Modelle Communal Sharing, Au-
thority Ranking und Equality Matching dem sozialen Markt zu. Dem monetären Markt wird

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das letzte Prinzip des Monetary Pricing zugerechnet. In sozialen Beziehungen ist die An-
strengung mit der eine Person eine Leistung ausführt, größtenteils unabhängig von der Art
und Höhe der erhaltenen Vergütung. Im Gegensatz dazu wird bei ökonomischen Beziehun-
gen analog zur ökonomischen Theorie das Anstrengungsniveau des Individuums durch die
Höhe der Gegenleistung bestimmt. Eine höhere Bezahlung führt demnach automatisch zu
höherer Leistung.
Diesen verschiedenen Mechanismen liegen unterschiedliche soziale Normen zu-
grunde (Heyman & Ariely, 2004). Laut Clark und Mills (1979) können ökonomische und
soziale Beziehungen vielmehr durch Regeln und Normen unterschieden werden, als durch
die jeweils getauschten Gaben. Unter Normen verstehen Fehr und Gächter (1998) Gesetz-
mäßigkeiten des Verhaltens, die auf einer sozial geteilten Vorstellung beruhen, wie der Ein-
zelne sich verhalten sollte. Normen werden einerseits durch Sanktionen (Fehr & Gächter,
1998) als auch durch Schuld- und Schamgefühle aufrechterhalten (Festré, 2010). So zeigt
sich in Experimenten, dass Menschen häufig bereit sind, ihr eigenes materielles Wohl zu
verringern, nicht nur um die Lage anderer Personen zu verbessern, sondern auch, um andere
zu sanktionieren, wenn diese gegen soziale Normen verstoßen (Festré, 2010). Im ökonomi-
schen Umfeld finden die Normen des Market Pricing Anwendung, während in sozialen Be-
ziehungen die Normen des Communal Sharing, Authority Ranking sowie des Equality
Matching dominieren (Heyman & Ariely, 2004).
Ein bedeutendes Prinzip beim Geben und Erhalten von Gütern und Leistungen ist
die sogenannte Reziprozitätsnorm. Beim Vorliegen von positiver Reziprozität empfinden
Menschen den Impuls oder Wunsch anderen, die freundlich zu ihnen waren, die Freundlich-
keit ihrerseits zu erwidern. Negative Reziprozität basiert auf dem Wunsch oder Impuls auf
unfreundlich empfundenes Verhalten negativ zu reagieren (Fehr & Gächter, 1998). Wie bei
anderen Normen zeigt sich auch hier, dass der Reziprozitätsnorm auch dann gefolgt wird,
Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung sozialer und ökonomischer Beziehungen für Unternehmen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Veranstaltung
Sozialpsychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V374519
ISBN (eBook)
9783668528697
ISBN (Buch)
9783668528703
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beziehung zum Arbeitgeber, Wirksamkeit von Vergütung, Fiske, Anreizgestaltung, Ökonomische Beziehung, Soziale Beziehung, Basisbeziehungsmodell, Exchange Relationship, Equality Matching, Monetary Pricing, Beziehungen im Unternehmen, Anreizsysteme
Arbeit zitieren
Judith Schnellinger (Autor), 2015, Die Bedeutung sozialer und ökonomischer Beziehungen für Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374519

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