Unterstützung schulischer Lernprozesse durch Lernvideos


Seminararbeit, 2017

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernvideos in der schulischen Bildung - begriffliche Abgrenzung und Bedeutung
2.1. Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos
2.2. Die Gestaltung eines qualitativ hochwertigen Lernvideos

3. Conclusio

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ist das Lernen mittels Lehrer und Lehrbuch veraltet? Können Lehrer, Bücher und physische Schulen abgeschafft und durch Maschinen ersetzt werden? Können digitale Medien den Unterricht einzigartig individuell gestalten und somit schulische Lernprozesse effektiver und allen Menschen gleichermaßen zugänglich machen? Sind Videos in der Lage, Lernen unabhängig von Zeit und Raum zu ermöglichen und soziale Unterschiede auszugleichen? Und existiert ein Schema, nach dem Videos gestaltet werden können, um Lernerfolg zu garantieren?

Diese Fragen werden im vorliegenden Beitrag behandelt, der vom Einsatz digitaler Medien in der schulischen (Aus-) Bildung und von „digitaler Kompetenz“ handelt. Schließlich wird erörtert, wie Lernvideos gestaltet sein sollten, damit sie schulische Lernprozesse optimal unterstützen können und welchen Stellenwert diese Fragestellung bisher in der wissenschaftlichen Forschung einnimmt.

Im Rahmen dieser Betrachtung wird erörtert, welche Merkmale Lernvideos aufweisen sollten, um den damit verbundenen Lernprozess der/des Lernenden optimal zu un- terstützen. Zuerst erfolgt eine Definition der zentralen Begriffe und des Betrach- tungsgegenstandes. Es folgt eine Darstellung von Möglichkeiten und Grenzen sowie eine Analyse des Aufbaus eines qualitativ hochwertigen Lernvideos. Schließlich fol- gen methodische Überlegungen zur weiteren wissenschaftlichen Analyse und Unter- suchung des Themas.

2. Lernvideos in der schulischen Bildung - begriffliche Abgrenzung und Bedeutung

Lernvideos sind relativ kurze (unter 10 Minuten) Videos, die Erklärungen oder Anleitungen für Probleme in bestimmten Fachgebieten präsentieren (Atkin- son/Derry/Renkl/Wortham 2000). Diese Videos werden über das Internet zugänglich gemacht und können vom Lernenden an jedem beliebigen Ort (mit Internetzugang) und zu jeder beliebigen Zeit abgerufen und verwendet werden.

Für die Gestaltung eines Lernvideos stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfü- gung. Zu den geläufigsten Arten von Lernvideos zählen Screencasts, Animierte Vi- deos, Common-Craft-Videos oder Aufzeichnungen. Unter „Screencast“ versteht man die Aufnahme des Geschehens am Bildschirm. Screencasts werden gerne für die Erklärung von Software eingesetzt, aber auch für die Erstellung von Lernvideos, bei- spielsweise indem durch eine Präsentation geblättert oder indem ein zu Beginn ein leeres Dokument am Bildschirm Schritt für Schritt und unter Kommentaren gestaltet wird. Durch animierte Videos werden Inhalte mit einfachen, symbolhaften Darstellun- gen visualisiert und mit Audiotext und/oder Hintergrundmusik versehen. Bei Com- mon-Craft-Videos werden ausgeschnittene Figuren, Abbildungen und Texte gelegt und verschoben. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Aufnahme von Tafelbildern, Whiteboards oder Vorträgen. Eine weitere beliebte Art der Erstellung eines Lernvi- deos ist die Aufzeichnung eines Live-Vortrages.

Lernvideos können den Schulunterricht bereichern, indem sie zur Vor- oder Nachbereitung oder direkt im Präsenzunterricht eingesetzt werden.

Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet erstrecken sich auf unterschiedliche fachliche Disziplinen, typischerweise mit einem Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften, vor allem Biologie und Geographie (Jarvis/Dickie 2010, Traphagan/Kucsera/Kishi 2010, Hill/Nelson 2011, Holbrook/Dupont 2011) und Mathematik (Loo- mes/Shafarenko/Loomes 2002).

Wissenschaftliche Studien zu Erklär- und Anleitungsvideos gibt es etwa seit 2006 (Kay 2014: 22). In bisherigen Forschungsarbeiten konnte nachgewiesen werden, dass Lernvideos für SchülerInnen motivierend (Hill/Nelson 2011), praktisch, hilfreich und effektiv hinsichtlich der Lernverbesserung wirken (Holbrook/Dupont, 2011). Studenten schätzen besonders die Kontrolle darüber, wann und wo sie lernen (Hill/Nelson 2011, Jarvis/Dickie 2010) was sie lernen sollten (Holbrook/Dupont 2011), und die Geschwindigkeit des Lernens (Chester/Buntine/Hammond/Atkinson 2011).

Darüberhinaus konnte ein positiver Zusammenhang zwischen Lernvideos und Test- ergebnissen (Traphagan/Kucsera/Kishi 2010, Crippen/Earl 2004) und auch Noten (Vajoczki/Watt/Marquis/Holshausen 2010, Wieling/Hofmann 2010) festgestellt wer- den.

Die Zugriffe auf Lernvideos aus dem Web haben seit dem Launch von Youtube im Jahr 2005 rapid zugenommen (Kay 2014).

Wenn SchülerInnen dieses Werkzeug nutzen möchten, ist es entscheidend, jene Merkmale zu identifizieren, welche die Qualität eines Videos bestimmen und die Auswirkungen auf das Lernen beeinflussen. Die bisherigen wissenschaftlichen Beiträge haben sich allerdings nur begrenzt auf die Verbesserung der Wirksamkeit von Lernvideos konzentriert.

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, wie schulische Lernprozesse durch Lernvideos unterstützt werden können. Im Speziellen werden Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos aufgezeigt und der Aufbau eines qualitativ hochwertigen Lernvideos ana- lysiert.

2.1.Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos

Lernvideos kommen bisher vor allem im universitären Bereich in Einsatz. Die Univer- sität Standford filmte im Jahr 2012 Vorlesungen zum Thema künstliche Intelligenz und veröffentlichte diese im Internet, um akademische Bildung unabhängig von Zeit und Raum - global und rund um die Uhr zugänglich zu machen. In weiterer Folge wurden die Inhalte in kürzere Sequenzen geteilt und um Kontrollfragen ergänzt. Der Austausch der Lernerfahrungen wurde durch Foren unterstützt (Lembke/Leipner 2016). Inzwischen gibt es weltweit unterschiedliche universitäre Initiativen, welche sogenannte „MOOCs“ (Massiv Open Online Course, eine Spielart akademischer On- linebildung) in ähnlichem Format anbieten. Dabei bezieht sich „open“ nicht (mehr) zwingendermaßen auf freien und kostenlosen Zugriff auf die online-Materialien, denn Betreiber von MOOC-Plattformen (z.B. http://iversity.org/) haben zumeist ein wirt- schaftliches Interesse.

Der Bildungsforscher Prof. Dr. Rolf Schulmeister von der Universität Hamburg hat als „undercover student“ im MOOC Online Kurs „artificial intelligence“ gemeinsam mit 160.000 Studenten teilgenommen (Schulmeister 2012). Dabei analysierte Schulmeis- ter folgende wesentliche Herausforderungen:

- Die Abbrecherquote beträgt bis zu 90%
- Die MOOC Mitarbeiter sind nicht für das Erreichen von Lernfortschritten ver- antwortlich
- Bei Lernproblemen oder Verständnisfragen erfolgt keine aktive Unterstützung des Lernprozesses
- In den Foren sind die DozentInnen nicht aktiv
- Ein Kontakt zwischen StudentInnen und Lehrenden findet nicht statt
- Unterschiede in den Vorkenntnissen (Eingangsvoraussetzungen) werden nicht berücksichtigt.

Die Grundkonzeption von MOOCs sieht vor, dass Tausende Studierende den einzel- nen Internetseminaren folgen, welche einige hundert Studierende live im Hörsaal erleben. Die Qualität der Lehre ausschließlich mittels Video und online Aufgaben ist jedoch äußerst umstritten und verschiedene Versuche der Automatisierung von Lernprozessen in Universitäten sind bislang gescheitert (Lankau 2014). Auch die MOOCs an der Stanford University haben mit Schwierigkeiten wie bei- spielsweise hohen Abbrecherquoten zu kämpfen. Nun werden den Teilnehmern ver- bindliche „face-time“ Zeiten im Kurs vorgeschrieben, die mit echten Menschen vor der Kamera stattfinden.

Die Erfahrungen mit MOOCs zeigen, dass nur die Gemeinsamkeit von Online- Kursmaterialien und Präsenzveranstaltungen, welche eine persönliche Betreuung beinhaltet und einen Diskurs ermöglicht, zu validen Lernergebnissen führt (Lankau 2014).

Zusammenfassend brachte diese Erkenntnis der Deutsche Hochschulverband be- reits 2001 auf den Punkt: „Multimedial unterstützte akademische Lehre kann die menschliche Begegnung zwischen Lehrendem und Studierendem sowie der Studie- renden untereinander nicht ersetzen. Erkenntnis gewinnt man im Dialog und im un- mittelbaren Austausch. Deswegen ist die physische Präsenz des Hochschullehrers für die Motivation der Studierenden und die Vermittlung fachlicher Kompetenz uner- setzlich.“

2.2.Die Gestaltung eines qualitativ hochwertigen Lernvideos

Im schulischen Kontext ermöglicht es das Konzept des Flipped Classrooms, digitale Lehrinhalte mit zwischenmenschlichem Diskurs zu verbinden. Dabei schauen sich sich SchülerInnen als Vorbereitung auf den Unterricht die Inhalte der Unterrichtsstunde auf Video an, um für die folgende Präsenzzeit vorbereitet zu sein. In der Unterrichtsstunde werden auftretende Fragen geklärt, vertiefend diskutiert oder gemeinsam Aufgaben gelöst und das Gelernte angewendet.

Das Konzept des Flipped Classrooms integriert Lernvideos, welche in der Regel von den unterrichtenden Lehrpersonen erstellt wurden. Der „umgedrehte Unterricht“ bietet die Chance, wertvolle Unterrichtszeit für Klärung, Vertiefung und Übung zu verwenden und die eigentliche Inhaltsvermittlung auf das vorbereitende Lernvideo zu verlagern. Das Lernvideo erhebt somit den Anspruch, möglichst effizient und effektiv auch komplexe Inhalte umfassend, dabei jedoch gleichzeitig reduziert und auf verständliche und Interesse weckende Weise zu vermitteln. Zur Erfüllung dieser didaktischen Herausforderung bleibt zu klären, wie ein Lernvideo gestaltet sein muss, um diesen Kriterien gerecht werden zu können.

Für die Erstellung effektiver Lernvideos können 16 zentrale Merkmale unterschieden und in vier zentralen Kategorien organisiert werden (Kay 2014). Dabei stellen sich step-by-step-Erklärungen, visuelle Unterstützung und die Auswahl einer Problemstel- lung, welche durch das Lernvideo führt, als besonders effektiv dar (Kay 2014).

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Details

Titel
Unterstützung schulischer Lernprozesse durch Lernvideos
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Wirtschaftspädagogik/Bildungswissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V374548
ISBN (eBook)
9783668517899
ISBN (Buch)
9783668517905
Dateigröße
881 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitale Medien Schule Lernvideos Video Podcast
Arbeit zitieren
Claudia Hofmann (Autor:in), 2017, Unterstützung schulischer Lernprozesse durch Lernvideos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374548

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